Pflege eines Angehörigen, Kur und wie mache ich das meiner Mutter klar?

    Meine Ärztin hat jetzt vorgeschlagen, ich soll eine Kur beantragen, weil es mir psychisch eben schlecht geht. Die steht mir als pflegende Angehörige wohl auch zu.

    Ich pflege meine Mutter mit einem Pflegegrad und studiere und arbeite und gehe dadurch insgesamt sehr an meine Grenzen.


    Zu meinem Tagesablauf:

    Morgens und in der Nacht stehe ich oft mehrmals auf, weil sie umher geistert und um sie zu versorgen ab um 6.

    Dann wasche ich sie, mache mich im Normalfall fertig für die Arbeit, wo ich bis um 2 bin. Dann fahre ich nach Hause, mache den Haushalt und was für mein Studium. Das ist mein Tagesablauf seit Monaten. Freunde und Hobbys habe ich schon gar nicht mehr. Viele haben sich dadurch von mir abgewandt.


    Momentan geht es mir psychisch sehr schlecht, was sich in Zwängen/Angstgedanken und ähnlichem zeigt.

    Ich bin neurologisch in Behandlung und merke, dass es mich psychisch überfordert.


    Nun zum Problem: Wenn ich weg bin, müsste meine Mutter ins Heim, denn der Pflegedienst würde nicht ausreichen.

    Ich habe ihr das heute gesagt und sie hat getobt und gesagt, sie bekommt niemand aus ihrer Wohnung.

    Was mache ich jetzt? Ich kann sie hier doch nicht vor sich hin vegitieren lassen. Sie sträubt sich total. Ich brauche diese Kur aber.

  • 2 Antworten

    Vielleicht kannst du versuchen ihr zu erklären, dass die Fortführung ihrer Pflege defititiv gefährdet ist, wenn du dich nicht in einer Kur erholen kannst. Schlimmstenfalls müsste sie dann nämlich dauerhaft in ein Heim und nicht nur zur Kurzzeitpflege.


    Klar, ist zunächst schwierig, ihr das so zu sagen, aber es könnte leider schnell Realität werden.

    Schließe mich Melmac an: "Wenn ich DEINE Pflege auf Dauer durchhalten soll, brauche ich die Reha JETZT. Und damit ich mich wirklich erholen und Kraft tanken kann, muss ICH wissen, dass DU gut versorgt bist".

    Drehe den Spieß um, betone nicht nur die Notwendigkeit für Dich, sondern den Nutzen für sie.


    Und ansonsten, so hart es klingt: Dann lass sie auf die Nase fallen. Du planst Deine "Kur" (suche Dir liebe eine gute psychosomatische Reha-Klinik!!!). Du teilst es dem Pflegedienst mit. Es wird gemeinsam (!!!) besprochen, ob Kurzzeitpflege oder nicht. Wenn sie bockt und es keine gesetzliche Betreuung gibt, die ermöglicht, Deine Mutter gegen ihren Willen in die Kurzzeitpflege zu geben, dann hat man keine Handhabe. Vielleicht fällt ihr dann nach einigen Tagen ein und auf, dass es alleine nur mit Pflegedienst nicht geht.


    Was ich jetzt sage, ist hart, aber: Die Situation an sich ist heftig. Und ich frage mich, wie es dauerhaft werden soll. Du bist irgendwann fertig und arbeitest mehr/regulär. Du stehst am Anfang Deines Lebens. Dass Deine Mutter dann noch dermaßen ausrastet und Dich unter Druck setzt, ist verdammt manipulativ und kontraproduktiv. Und vielleicht ist JETZT der Zeitpunkt gekommen zu überlegen, ob die Situation nicht insgesamt anders gelöst werden sollte. Du gehst kaputt, Verständnis null, Erwartungshaltung riesig. DAS ist eine miese Konstellation für Pflege.

    Mir fällt da gerade eine beeindruckende Doku ein, wo ein junges Mädchen "egoistisch" den Absprung geschafft hat und die Mutter nicht unmanipulaativ war. Und am Ende war das für beide das Beste. Google mal "Ich lasse Dich nicht im Stich, Mama". Finde ich auf die Schnelle in keiner Mediathek; gehörte in die Sendereihe "Menschen hautnah" im WDR/ARD. Sehr sehenswert, v.a. auch der Ablöseprozess.


    WER hilft Dir, wenn DU nicht mehr kannst??? Offensichtlich niemand, und DAS muss sich ändern. Was hast Du von jahrelanger Aufopferung, wenn kein Verständnis kommt, wenn Du nicht mehr kannst? Was hast Du davon, jetzt aufgr. der Überlastung eine handfeste psychische Symptomaatik zu entwickeln, die Dein restliches Leben beeinflussen kann?


    Ich rutsche selber zunehmend in eine Pflegesituation, die mich jetzt schon belastet. Aber immerhin machen es mir meine Eltern nicht noch schwerer. Klar sind sie nicht immer kooperativ, das bringt Demenz aber mit sich. Aber wichtige Dinge funktionieren und niemand erwartet, dass ich mich übers Limit hinaus aufreibe und reinhänge. Die wissen trotz Demenz, dass es Grenzen gibt. Und ich habe in meinem Faden bzgl. "Angehörige Pflegender" selbst für mein Engagement schon zu hören bekommen, dass ich es doch bleiben lassen soll. Und das ist um Welten geringer als das, was DU leistest.

    Vielleicht solltest Du über eine grundlegend andere Lösung nachdenken. Das, was Du leistest, verdient höchsten Respekt und Anerkennung. Die Folgen (Stress, keine Freizeit, keine "Dankbarkeit", Isolation) dürfen aber nicht ausgeblendet werden. Und die Tatsache, dass Du mit Deiner Mutter best. Dinge offenbar nicht mal besprechen kannst, lässt mich seeehr hellhörig werden.

    Denke mal über Tabubrüche nach. Du MUSST gar nichts. Du darfst DEIN Leben in die Hand nehmen. Du leistest unendlich mehr als genug. Deine Mutter verweigert wenige Wochen Kurzzeitpflege, erwartet von Dir aber Aufopferung Monat für Monat. Das KANN nicht funktionieren und Du solltest wirklich mal überlegen, wo DEINE Grenze jenseits der Erwartung und des Drucks anderer ist. Und entsprechend handeln.



    Interessehalber: Warum ist Deine Mutter pflegebedürftig? Was musst Du machen ergänzend zum Pflegedienst?

    Und bzgl. Deiner anderen Fäden: Nachts auch immer mit einem Ohr wachzusein, kann den Schlafrhythmus erheblich gefährden und solche Symptome wie hypnagoge Bilder mit beeinflussen. Auf gut deutsch: Du brauchst einfach auch mal Schalf am Stück und ohne Wachhund-Radar!