Seniorin wegen Eigenbedarf kündigen

    Hallo liebes Forum,

    ich schleppe da eine Sache mit mir rum, die ich gerne reflektieren lassen würde.


    Kurz zur Vorgeschichte:

    Mein Partner und ich sind seit über 12 Jahren ein Paar und haben einen 6- jährigen Sohn. Aktuell leben wir in einer viel zu kleinen 60qm- Wohnung.

    Anfang letzten Jahres sollte eigentlich unser Eigenheim gebaut werden- aufgrund zahlreicher Umstände konnten wir dieses Vorgehen aber nicht umsetzen und mussten es auf unbestimmte Zeit verschieben.


    Jetzt ist unser Sohn seit September in der Schule und hat nach wie vor kein vernünftiges eigenes Zimmer (aktuell ein 10,5qm Spitzboden- Zimmer. Eigentlich nur ein besserer Dachboden). Meine Schwiegereltern besitzen ein vermietete Immobilie (Erdgeschoss wird gewerblich genutzt, eine Wohnung mit 110qm, eine Wohnung mit 80qm). Sie haben sich bereit erklärt, uns dort die größere Wohnung zur Verfügung zu stellen. Also wurde die über 80- jährige Mieterin fristgerecht mit 9 Monaten im Voraus auf Eigenbedarf gekündigt. Ende Januar '20 müsste Sie ausgezogen sein.

    Ich hatte damals schon kein wirklich gutes Gefühl dabei und fand das Vorhaben irgendwie moralisch verwerflich- allerdings gab es bereits im Vorfeld Gespräche mit der Dame und sie wusste, dass irgendwann die Kündigung auf Eigenbedarf kommen könnte. Sie ist außerdem chronisch krank und kann sich ohne Hilfe der Nachbarn und ihrer Tochter nicht mehr selbst versorgen. Die Tochter ist mittlerweile auch als Betreuerin eingesetzt.


    Mein Partner hat sich nun immer wieder bei ihr erkundigt, wir haben ihr Hilfe angeboten, Interesse an ihr gezeigt. Bis vor zwei Wochen war alles gut. Site hatte wohl zwei Wohnungen in Aussicht oder würde im Zweifelsfall einen Platz im betreuten Wohnen beziehen können.


    Letzte Woche dann aber der große Knall:

    Die Mieterin kam auf uns zu. Hat Rotz und Wasser geheult, weil sie nicht ausziehen wollen könne- sie würde ihr zuhause verlieren, könnte in ihrem Alter nicht mehr von vorne anfangen und will nicht ins Altersheim.


    Scheiße.



    Wir als Familie brauchen diese Wohnung. Seit zwei Jahren wünschen wir uns ein zweites Kind, was aber aufgrund der Wohnverhältnisse nicht realisierbar war. Mein Sohn benötigt dringend ein bewohnbares Zimmer und wir alle endlich genug Platz um zu leben.


    Für mich ist das jetzt eine reine Gewissenssache. Werde ich dort glücklich, mit dem Wissen, dass ich dort jemanden "rausgeschmissen" habe? Oder sollte ich in erster Linie an uns und unsere Zukunft denken?

    Ich war immer der Überzeugung, dass man sein Glück nicht auf dem Unglück von Anderen aufbauen darf. Aber genau danach fühlt es sich an.


    Kann mir jemand Mut machen?

  • 266 Antworten

    hmmm… erstens wird alles heisser gekocht als es gegessen wird und zweitens: es ist euer Eigentum, es ist euer Leben das ihr verwirklichen wollt.

    Die Zeit laeuft fuer jeden menschen gleich schnell und verpasste Chancen kann man nicht mehr rueckgaengig machen.


    Sie hat zwei Wohnungen in Aussicht und ob und wer sie evtl. ins Altersheim steckt, ist nicht eure Schuld oder euer Einfluss.


    Das Leben ist staendig im Wandel - auch fuer Senioren.


    Ich wuerde an eurer Stelle auf euer Recht bestehen, ihr bestmoeglich unter die Arme greifen fuer die Umsiedelung und das Gespraech suchen, Fakten offenbaren und eure Situation darlegen.


    Sobald ich etwas miete oder leihe, weiss ich, dass es irgendwann der Eigentuemer zurueckfordern wird. Das ist der Sinn der Sache - sonst waere es ein Eigentumsuebertrag.


    Sicher hat man moralische Bedenken aber ihr muesst euch klar sein, ob in 10 Jahren die Bedenken es wert waren, auf euer Glueck bzw. zweites Kind und die Entfaltung zu verzichten...


    Ich wuerds durchziehen sonst macht ihr euch am Ende noch Vorwuerfe


    Die Zeit holt niemand auf, ein oder dreht sie zurueck.

    Ich würde es nicht tun. Leider musste ich ein paar mal mit ansehen was passiert wenn alte Leute aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden. Die Dame ist 80 Jahre alt. Ich würde sie dort wohnen lassen und mir eine Mietwohnung suchen.
    klar kannst du auch egoistisch sein und an dein eigenes Glück denken. Aber wärst du glücklich in dem Wissen die alte Frau ist es nicht mehr?

    Ehrlich? Wenn ich in Miete ziehe, muss ich immer damit rechnen, dass meine Wohnung wegen Eigenbedarf weg ist oder verkauft wird und dann vom neuen Eigentümer die Eigenbedarfskündigung kommt.


    Ihr wollt ein zweites Kind, ihr bräuchtet den Platz und hättet die Gelegenheit dazu, eure eigenen Wünsche zu erfüllen. Ich würde niemals eigene Bedürfnisse dieser Größenordnung (zweites Kind- die Zeit ist da ja dann doch irgendwo begrenzt) hinten anstellen, zumal sie wusste, dass die Wohnung irgendwann anderweitig gebraucht wird. Und ehrlich... 9 Monate sind auch eigentlich genug Zeit, um sich anderweitig umzusehen finde ich. Kann sie nicht zur Tochter ziehen, wenn die sich eh kümmern muss, weil sie sich nicht selbst versorgen kann ?


    Mag unmenschlich klingen, aber für mich ist eine Vermietung eine auf Vertragsbasis geschlossene Geschäftsbeziehung zwischen erwachsenen Personen, die ich unter Einhaltung der gesetzlichen Regelungen auflösen kann. Diese Regelung wurde auch vom Mieter unterzeichnet.


    Letztendlich ist es eure Entscheidung.

    ***Ich würde es nicht tun. Leider musste ich ein paar mal mit ansehen was passiert wenn alte Leute aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden. Die Dame ist 80 Jahre alt. Ich würde sie dort wohnen lassen und mir eine Mietwohnung suchen.

    klar kannst du auch egoistisch sein und an dein eigenes Glück denken. Aber wärst du glücklich in dem Wissen die alte Frau ist es nicht mehr?***


    Ich käme nicht auf die Idee, mir eine andere Wohnung zu suchen, dort mehr zu zahlen als es hier zwischen nahen Verwandten wahrscheinlich der Fall ist, nur damit die Dame nicht "unglücklich" ist. Wir reden hier nicht von Egiosmus, sondern davon, dass man EIGENTUM nutzen will.


    Unsere Mieterin wird auch in den nächsten Jahren weichen müssen, auch das ist seit ihrem Einzug bekannt. Ich weiss jetzt schon, dass das Gejammere gross sein wird, aber das Haus ist genau so, wie ich es dann für meine Zwecke brauche. Ich miete doch dann nicht selbst eine Immobilie an, die halbwegs passt und hab nebenbei noch alle anderen Nachteile/Kosten für die vermietete Wohnung an der Backe.


    Was, wenn die alte Dame die Miete nicht mehr wuppen kann? Lässt man sie dann bis zum Lebensende dort wohnen und zahlt ihre Kosten noch mit, weil man sie nicht unglücklich machen will? Bezweifle ich. Was, wenn die Familie selbst eine Eigenbedarfskündigung erhält und dringend raus muss?

    Sollen sie dann in irgendeine Bruchbude ziehen, nur damit die alte Dame wohnen bleiben kann ?


    Der eine Mieter ist alt und/oder krank, der nächste hat Kinder, der Dritte findet mit Hund nix...irgendwas ist immer, was einem "moralisch" die Eigenbedarfskündigung verbieten würde.

    Ich frage mich gerade was eine allein stehende Dame mit soviel Wohnraum macht?

    Oder wohnt die dort schon Jahrzehnte und die Kinder haben dort früher auch gewohnt?

    Wenn die Dame offiziell betreut wird, dann kann man wohl damit rechnen dass die Dame über kurz oder lang ins Heim muss.

    Es wird ja Gründe geben für die Betreuung (Demenz?).

    Ich weiß nicht wie lange ihr warten wollen würdet, aber ich denke das Problem wird sich in wenigen Jahren von selbst erledigen.

    Blöde Situation, haben wir auch gerade so ähnlich, nur ist unsere Mieterin immerhin nicht 80... Wir fühlen uns bei der Kündigung auch schlecht und wissen, dass es für die Mieterin kacke ist. Aber es war eben von vorneherein klar, dass das so kommen wird (und bei uns wurde das tatsächlich auch so kommuniziert). Uns fehlt auch ein Kinderzimmer und ja, ich bin trotz allem erleichtert, dass wir diesen Platz bald endlich für uns nutzen können.


    Wie lange wohnt denn die Dame da schon, was sagt die Tochter dazu und bekommt ihr die Wohnung wirklich günstiger als eine vergleichbare Wohnung anderswo?

    Nehmt die Wohnung. Nur als Gedankenanstoß: warum zum Geier soll eine Alleinstehende 80-jährige in einer 110 qm² Wohnung leben die sie sicher allein gar nicht mehr vernünftig bewirtschaften kann?

    Das wäre ja jetzt ein vernünftiger Zeitpunkt für sie in ein betreutes Wohnen zu gehen.

    Meine Oma hat sich auch ständig strikt geweigert frühzeitig ein altersgerechtes Domizil in Angriff zu nehmen und jetzt brennt es und wir bekommen keinen Platz.

    so siehst du das. Ich eben anders. Jedem seine Meinung.

    Eigentlich seid ihr ja genug entgegengekommen.

    Wohnt ihr derzeit selbst zur Miete und habt die Wohnung gekündigt ? Dann würde ich auch nicht abweichen.

    Oder würdet ihr eure Wohnung selbst vermieten ? Wäre es DANN eine Option, noch etwas zu warten ? Oder dass die alte Dame "in Raten" umzieht und es vielleicht Februar oder März werden darf ?

    (Jaja das mit dem alten Baum...)

    Die alte Dame wohnt alleine auf 80 m² ? Falls sie nur körperlich krank aber nicht dement ist: könnte das Argument ziehen dass sie ja viel mehr Platz hat als ihr als Familie und das nicht fair sei ? (Also so aus "moralischen" Gründen)

    Was ist mit der Tochter, redet die ihrer Mutter gut zu und unterstützt Euch oder "hält" sie zu ihrer Mutter ?

    Wahrscheinlich habt Ihr eh schlechte Karten, was Eigenbedarf angeht:


    Schau mal hier, hier sind die sogenannten Härtefallreglungen aufgezählt, welche eine Eigenbedarfskündigung unmöglich machen. Die Frau ist mit 80 jahren alt und chronisch krank, das zählt als Härtefall.

    Frolleinchen schrieb:

    Wir als Familie brauchen diese Wohnung.

    Nun. 60qm sind knapp für 3. Vor allem wenn man den größeren Braten vor der Nase hat. Doch Millionen Familien haben auch nicht mehr und kommen trotzdem über die Runden.

    Frolleinchen schrieb:

    Seit zwei Jahren wünschen wir uns ein zweites Kind, was aber aufgrund der Wohnverhältnisse nicht realisierbar war.

    Zumindest vor Gericht dürfte das Argument "zweites Kind" erst ziehen, wenn das auch wirklich in Anmarsch ist.

    Frolleinchen schrieb:

    Kann mir jemand Mut machen?

    Heißt, du möchtest nur hören, dass du es ruhig machen sollst?
    Da wirst du hier genügend Leute finden.
    Ich persönlich würde es nicht tun und finds nicht gut, nein. Zumal es nicht der eigene Wohnraum ist, sondern auch nur vom Schwiegervater. Etwas eigenes größeres könnt ihr euch ebenso anmieten, bis ihr doch bauen könnt. Als junge gesunde Menschen mit Einkommen habt ihr es auf dem Wohnungsmarkt leichter, als die alte Frau.

    Predatorkatze schrieb:

    Sobald ich etwas miete oder leihe, weiss ich, dass es irgendwann der Eigentuemer zurueckfordern wird. Das ist der Sinn der Sache - sonst waere es ein Eigentumsuebertrag.

    Jein. Man mietet (und zahlt auch dafür, nicht für 4 Wände...) auch im Wissen, dass der Eigentümer einen nur unter sehr engen Bedingungen rauswerfen kann. Angemeldeter Eigenbedarf ist oft keiner. Andersherum wird auch ein Schuh draus:

    Predatorkatze schrieb:

    es ist euer Eigentum, es ist euer Leben das ihr verwirklichen wollt.

    (Es ist nicht deren Eigentum) Es ist nicht Sinn der Sache, dass ein Eigentümer alles machen kann, was er will, nur weil "Ist meinst, wusstest du vorher!".