• Seniorin wegen Eigenbedarf kündigen

    Hallo liebes Forum, ich schleppe da eine Sache mit mir rum, die ich gerne reflektieren lassen würde. Kurz zur Vorgeschichte: Mein Partner und ich sind seit über 12 Jahren ein Paar und haben einen 6- jährigen Sohn. Aktuell leben wir in einer viel zu kleinen 60qm- Wohnung. Anfang letzten Jahres sollte eigentlich unser Eigenheim gebaut werden- aufgrund…
  • 275 Antworten

    Entschuldigt, das habe ich vergessen zu erwähnen:

    In der kleineren Wohnung im Haus leben der Onkel und die Tante meines Partners. Beide bereits auch weit über 70.

    Tja letztendlich wirst du es tun. Die meisten Stimmen sind ja dafür. Klar mietet man diese Wohnung nur aber wenn ich dort schon über 15 Jahre gelebt habe und das noch mit meinem verstorbenen Partner, ich weiß nicht. Das ist ihr zuhause. Sie hat bestimmt nicht mehr angenommen dort raus zu müssen. Ja kann man so sehen das es ihre Schuld ist. Sie hatte halt Hoffnung dort bleiben zu dürfen. Eigentlich dürfte man dann nie eine Wohnung mieten, man könnte ja immer rausgeschmissen werden.
    Wieso ist es Pietätloser zu warten bis sie stirbt? Heißt ja nicht los Alte kratz ab das wir die Bude haben. Man kann das auch mit Respekt machen. Ich warte bis sie gestorben ist. So ist sie die letzten Jahre in ihrem Zuhause geblieben. Ach ne Mensch ehrlich, ich könnte das nicht und wenn ich noch so Platzmangel hätte. Argumentiert ihr ruhig alle sie hat es ja gewusst und Recht und Eigentum. Ich hätte kein gutes Gewissen.

    Warten bis die alte Dame stirbt kann sehr lange dauern.

    Hier gab es mal einen Familienvater mit drei Kindern der ein Haus auf Rentenbasis gekauft hat in dem unten eine alte Frau lebte.

    Er zog oben ein und wartete Jahrelang darauf dass er die Räume unten mitbenutzen durfte.

    Die Oma wurde immerhin 96 und ausgemacht war, dass er erst nach ihrem Tod über das ganze Haus verfügen durfte.

    .Vielleicht könnte man hier ja versuchen der Oma den Auszug schmackhaft zu machen?

    Eigentlich ist das ziemlich einfach. Es gibt zwei Optionen:


    - die alte Dame rausschmeissen und selber da wohnen

    - es nicht tun


    Dazwischen musst Du Dich entscheiden. Banale Tatsache. Die Abwägung der Fakten, die moralischen Wertigkeiten etc. kannst nur Du selber Dir beantworten. Einige würden es guten Gewissens tun, andere sein lassen.


    Ich würde wahrscheinlich anbieten, ihr beim Suchen eines Platzes in einem betreuten Wohnen zu helfen und ggf auch den Umzug finanzieren, damit sie das so einfach wie möglich bekommt.


    Fest stehen dürften aber:


    - irgendwann muss sie eh in so eine Einrichtung

    - sie weiss seit sie da wohnt, dass sie evtl irgendwann raus muss (das ist halt so bei Mietwohnungen)

    - 110 qm ist auch ein bisserl groß

    - nur weil jemand über 80 ist, ist er kein moralischer Engel und per se ein "guter Mensch"


    Also ich würde sie vermutlich maximal komfortabel zum wegziehen bewegen.


    Meine Oma ist mit 90 von ihrer 60 qm Wohnung in so ein Heim gekommen, das war für sie relativ easy und sie hat sich da ganz wohl gefühlt (ging aber leider auch nicht mehr lange dann).

    Gerade wenn sie beginnende Demenz hat, wäre es für sie eh besser, wenn sie unter Aufsicht wäre, zu ihrer eigenen Sicherheit.


    Wenn die Tochter es begrüßen würde und eh als Betreuer festgelegt ist, würde ich mit der Tochter reden.

    Zitat

    Eigentlich ist das ziemlich einfach. Es gibt zwei Optionen:


    - die alte Dame rausschmeissen und selber da wohnen

    - es nicht tun

    Augenscheinlich hat sie ja doch noch keine neue Wohnung. Vielleicht findet sie auch keine, oder ist mit der Suche überhaupt überfordert.


    Wenn sie also im Januar nicht auszieht, kann man sich rein rechtlich die nächste Eskalationsstufe überlegen. Also Räumungsklage. Die Monate dauert, im Ausgang noch völlig offen ist, und der Frau den Lebensabend zur Hölle macht.


    Wenn sie jetzt noch keine Wohnung oder Heimplatz hat, würde ich die Kündigung zurückziehen. Und dann mit Tochter und Mieterin eine Perspektive überlegen, die vielleicht länger dauert, aber für alle Beteiligten das Leben leichter. Man muss darüber reden, wie die Pflege sichergestellt sein sollte, ob die Wohnung überhaupt noch bewirtschaftet wird und der Sorgfalt Genüge getan werden kann (Mängel, Schönheitsreparaturen, Lüften, Brand- und Überschwemmungsgefahr durch Altersdemenz). Sie muss es selbst für die beste Lösung halten, und dann ist es auch leichter und einvernehmlicher. Ihr braucht die Tochter unbedingt dafür.


    Das soll jetzt kein Vorwurf sein, aber bei Frolleinchen ist es auch so, dass das Eigenheim sich nun schon 2 Jahre verzögert hat. Dies wären zwei Jahre, wo man sich auch auf dem Wohnungsmarkt längst umgeschaut hätte, dann wäre das Thema auch gegessen. Mir kommt das ein bisschen so vor, als hängen die Trauben jetzt besonders tief, und das weckt Begehrlichkeiten.


    Schlimmstenfalls zieht die Mieterin jetzt zwangsweise in eine neue Wohnung und kurz darauf tatsächlich in ein Pflegeheim. Das wäre nur noch zu toppen, wenn ihr dann schon wieder auszieht, weil das Eigenheim tatsächlich losgeht. Dann hättet ihr sie um die letzten Jahre "zuhause" gebracht.

    Danke! Der beste Vorschlag bisher. :)^

    Puh, ich muss sagen, dass ich mir relativ hart tue mich Formulierungen wie "wäre besser für sie" oder "muss eh irgendwann sein, das mit dem Heim". Natürlich kann es so kommen, dass es nicht mehr anders geht. So, wie es blöderweise scheinbar bei Comrans Vater in absehbarer Zukunft vermutlich sein wird. In anderen Fällen können aber auch andere Lösungen gefunden werden, zum Beispiel eine 24-Stunden-Pflege, die in der gleichen Wohnung oder im gleichen Haus wohnt.

    Ich habe, was alte Menschen angeht, ein recht weiches Herz. Und ich finde, wenn nur irgendwie möglich, sollten die Wünsche auch von alten Menschen berücksichtigt werden. Natürlich ist das in dem Fall nur eine Mietwohnung. Und wenn sie die Frist wegen Härtefall oder was auch immer versäumt, wird sie wahrscheinlich einfach Pech gehabt haben. Richtiger macht es das, meinem Gefühl nach, nicht. Nur weil jemand wieder mehr Fürsorge braucht, heißt das nicht, das die Bedürfnisse dieser Person übergangen werden sollten. Kinder können auch viel nicht alleine entscheiden und es wäre ein leichtes sie auch gegen ihren Willen in ein Internat zu stecken. Richtiger macht es das, sofern es gegen den Willen des Kindes ist, nicht.

    Bei meiner Uroma war es gegen Ende ihrer Zeit in ihrer eigenen Wohnung auch schwierig. Weil sie rein von der körperlichen Seite gesehen alleine nicht mehr klargekommen ist. Und weil sie auch mit Pflegern ein bisschen.. schwierig war. Es war vor allem für die ihr am nächsten stehenden Verwandten, ihre Kinder, sehr belastend. Dennoch hat sie keiner zu irgendwas gedrängt, sondern es wurde ihr die Zeit gelassen, bis sie selbst es für sich richtig gefunden hat ins Heim zu gehen. Um eben rund um die Uhr die Unterstützung zu bekommen, die sie inzwischen braucht.

    Ich glaube nicht, dass es für alle Menschen leicht ist sich an einen neuen Standort umzuverpflanzen (lassen). Damit geht ja nicht nur der Verlust von Wurzeln einher, man muss auch Frieden damit schließen, dass ein Kapitel im eigenen Leben unwideruflich zu Ende geht. Und man vielleicht das letzte Kapitel des eigenen Lebens beginnt, die Endstation. Dass alte Leute da nicht freudig Juhu schreien, kann ich absolut nachempfinden. Abschied zu nehmen dauert halt. Manchen fällt es leichter, anderen nicht.

    Zitat

    Wenn sie jetzt noch keine Wohnung oder Heimplatz hat, würde ich die Kündigung zurückziehen. Und dann mit Tochter und Mieterin eine Perspektive überlegen, die vielleicht länger dauert, aber für alle Beteiligten das Leben leichter.

    Das finde ich einen guten Vorschlag :)^

    Hatte vor einigen Jahren bei meiner damals auch 80-jährigen Oma Existenzängsten miterlebt. Sie hatte (unbegründet) Angst, das Dach über dem Kopf zu verlieren. Diese Hilflosigkeit, ähnlich wie bei einem kleinen Kind, fand ich schon sehr brutal.

    Das Thema Eigenheim ist erstmal auf Eis gelegt. Unter anderem auch aus dem Grund, dass ja passendes Eigentum vorhanden wäre wäre und wir uns finanziell nicht für zig Jahre zusätzlich belasten wollten.

    Mein Partner arbeitet im elterlichen Betrieb, seine Eltern stehen kurz vor der Rente. In den kommenden zwei, drei Jahren soll ihm das Geschäft plus die genannte Immobilie überschrieben werden.


    Wir kündigen die Wohnung also nicht als Übergangslösung (darauf würde ich mich auch niemals einlassen), sondern wollen dort langfristig leben.


    Ich denke auch, dass die Lösung über die Tochter führt. Wirklich Interesse zeigt sie bei der ganzen Geschichte nicht- sie kümmert sich halt, weil sie es als einziges Kind muss.

    Ich werde da aber auf jeden Fall mal genauer nachhaken.


    Herzlichen Dank für die vielen Denkanstöße!

    Wäre es denn eventuell eine Idee die große Wohnung vorübergehend in 2 Wohnungen aufzuteilen? Die alte Dame braucht ja sicherlich nicht wahnsinnig viel Platz. Ich kenne auch 35 Quadratmeter kleine, toll geschnittene Wohnungen. Dann könnte man die 110m2 eventuell in 35 + 75m2 aufteilen? Ihr hättet eine Vergrößerung. Bis ein Baby gezeugt, ausgetragen und bereit für ein eigenes Zimmer ist, vergehen eh noch Jahre. Und man könnte es ja eventuell so planen, dass beide Wohneinheiten unkompliziert wieder zu einer zusammengelegt werden können?

    Frolleinchen schrieb:

    Allerdings will ich auch nicht warten, bis irgendwas passiert oder sie irgendwann verstirbt. Das ist ja fast noch piätloser.

    Das ist nicht pietätloser.

    Plüschbiest schrieb:

    Fragt mal jemanden der in der mobilen Altenpflege arbeitet wie oft alte Leute vergessen den Herd auszuschalten. Kommt sehr häufig vor.

    Und was willst du damit sagen?

    gato schrieb:

    Was sagen denn dein Partner und vorallem die Schwiegereltern dazu? Immerhin ist es ihr Eigentum.

    Die haben ihr doch bereits gekündigt.

    mnef schrieb:
    Frolleinchen schrieb:

    Allerdings will ich auch nicht warten, bis irgendwas passiert oder sie irgendwann verstirbt. Das ist ja fast noch piätloser.

    Das ist nicht pietätloser.

    Plüschbiest schrieb:

    Fragt mal jemanden der in der mobilen Altenpflege arbeitet wie oft alte Leute vergessen den Herd auszuschalten. Kommt sehr häufig vor.

    Und was willst du damit sagen?

    Dass es aus Sicherheitsgründen besser wäre, wenn Oma unter Beobachtung steht.

    Also nicht mehr alleine lebt.