• Seniorin wegen Eigenbedarf kündigen

    Hallo liebes Forum, ich schleppe da eine Sache mit mir rum, die ich gerne reflektieren lassen würde. Kurz zur Vorgeschichte: Mein Partner und ich sind seit über 12 Jahren ein Paar und haben einen 6- jährigen Sohn. Aktuell leben wir in einer viel zu kleinen 60qm- Wohnung. Anfang letzten Jahres sollte eigentlich unser Eigenheim gebaut werden- aufgrund…
  • 275 Antworten

    Solche Sprüche machen mir Bauchweh. Man kann doch nicht alle "Omas" über einen Kamm scheren und mal vorsorglich unter Beobachtung stellen! Eine meiner Omas ist mittlerweile über 80. Geistig ist sie noch voll da und körperlich ist sie auch weitestgehend in Ordnung. Die würde sich schön bedanken, wenn man sie aus Sicherheitsgründen unter Beobachtung stellen würde ;-DMeine Uroma ist, bis sie 97 war, mit Unterstützung aus ihrer Verwandtschaft in ihrer eigenen Wohnung klargekommen.

    Und selbst wenn jemand nicht mehr zu 100% alleine klarkommt, heißt das doch nicht, dass man die Menschen mal vorsorglich gegen ihren Willen in ein Heim stecken sollte. Sofern es irgendwie anders geht. Und in dem hier geschilderten Fall scheint es mit Unterstützung durch die Tochter und Nachbarn ja durchaus noch anders zu gehen!

    So extrem, wie du das auffasst habe ich das jetzt nicht gemeint.

    Aber die alte Dame wird doch betreut und das geschieht doch nicht grundlos.

    Ab welchem Alter und welchem Gesundheitszustand sollte man denn deiner Meinung nach rausgeworfen werden, weil etwas passieren könnte?

    Vielleicht könnt ihr euch alle nochmal zusammen setzen und versuchen eine Lösung zu finden. Z.B. Hilfe beim Umzug anbieten und beim Herrichten der neuen Wohnung. Das ist für viele alte Leute oft ein großes Hemmnis für einen Umzug, der ganze Aufwand.


    Bei manchen klingt es hier so als ob ein Umzug die alte Dame zweifellos unglücklich machen wird, aber das ist nicht ausgemacht. Manche blühen in einer neuen Umgebung wie im betreuten Wohnen nochmal richtig auf, weil sie Leute um sich haben und viele Sorgen plötzlich weg sind. Wenn man den Schritt erst macht, weil es gesundheitlich nicht mehr anders geht nimmt man es eher als Anfang vom Ende wahr und nicht als neues Kapitel.


    Es ist eine schwierige Entscheidung, aber ich würde glaube ich nicht meinen Kinderwunsch auf die lange Bank schieben und in der kleinen Wohnung ausharren, wenn es auch anders geht.

    Das hat mit dem Alter gar nichts zu tun.

    Eine alte Dame die geistig voll fit ist, braucht keine Betreuung.

    Ich kenne Damen weit über 80 denen ich es zutrauen würde auch mit 100 noch alleine zu leben.

    Die regeln aber alles noch selber und haben keine Betreuung,

    Die brauchen höchstens mal jemanden der ihnen die Getränkekisten in den Keller schleppt.

    Ich habe dass mit der Betreuung hier so verstanden, dass es nicht um Hilfe im Haushalt oder ähnliches geht, sondern um Betreuung weil die alte Dame etwas senil ist.

    Zitat

    Eine alte Dame die geistig voll fit ist, braucht keine Betreuung.

    Man kann in diesem Alter auch geistig fit sein und körperlich sehr angeschlagen sein, da gibt es echt keine Regeln.

    TE, wenn ich das richtig verstanden habe, war es ja bis vor kurzem kein Problem, dass ihr gekündigt wurde. Hat sich was geändert?

    Ihre geistige Fitness kann ich nicht wirklich einschätzen, darüber will ich mir auch kein Urteil erlauben.


    Die Kündigung würde ihr zu Ende März zugestellt. Da hat sie es ganz gut aufgenommen- es hat sie auch nicht ganz aus heiterem Himmel getroffen. Dann war es monatelang still, die angebotenen Hilfestellungen von uns wurden dankend abgelehnt.

    Ich vermute, dass das Thema lange beiseite geschoben und sich nicht ernsthaft damit auseinandergesetzt wurde und nun bewusst wird, dass nicht mehr wahnsinnig viel Zeit ist. Zwei Wohnungen hat sie besichtigt- beide in den letzten vier Wochen.


    Hab vorhin auch mit meinem Freund darüber gesprochen.

    Wirklich sozial verwurzelt ist die Dame hier wohl nicht. Sie hat nur ihre Tochter und ein Nachbar- Ehepaar.

    Wir leben hier ziemlich ländlich. Ohne Auto (sie selbst fährt schon seit 2 Jahren nicht mehr...) kommt sie nicht mal zum nächsten Lebensmittelladen, zur Apotheke oder zum Arzt. Sie ist in der Beziehung also wirklich komplett auf Andere angewiesen. Eine zentralere Wohnung würde ihr sicher vieles erleichtern.


    Ich werde mal drüber schlafen und dann das Gespräch mit ihr oder der Tochter suchen. Natürlich lässt sich über die Kündigungsfrist nochmal reden. Auf ein paar Wochen hin oder her kommt es uns nicht an. Allerdings hat das halt auch immer rechtliche Relevanz. Wenn sie bis 31.01. nicht ausgezogen ist, müssen wir die Kündigung nochmals schriftlich unter Setzung einer Frist aussprechen. Ansonsten würde es als stillschweigende Weiterführung des Mietverhältnisses verstanden werden und die 9 Monate Kündigungsfrist würden von vorne begonnen.

    Plüschbiest schrieb:

    Das hat mit dem Alter gar nichts zu tun.

    Eine alte Dame die geistig voll fit ist, braucht keine Betreuung.

    Das stimmt. Doch der Umkehrschluss, wer Betreuung braucht gehöre eh (bald) ins Heim und man sich um seine Immobilie sorgen müsse, ist unzutreffend und übertrieben. Du weißt schon, was Betreuung bedeutet und welche Stufen es gibt, dass die Einschränkungen nicht so krass sein müssen, wie du es hier vorskizzierst? Betreute Senioren sind keine debilen Greise, bei denen man Angst haben muss, dass sie einen die Bude abfackeln (nix anderes hast du mit deiner Herd-Andeutung gesagt).

    Frolleinchen schrieb:

    Ansonsten würde es als stillschweigende Weiterführung des Mietverhältnisses verstanden werden und die 9 Monate Kündigungsfrist würden von vorne begonnen.

    Habt ihr dem nicht bereits in der Kündgung widersprochen? Ist eigentlich üblich. Wurde sie von einem Anwalt für Mietrecht aufgesetzt? Ich vermute eher nicht, der hätte sowas direkt mit reingeschrieben, eben für genau den Fall, dass der Mieter einfach weiter drin bleibt.
    Prüft doch nochmal, ob die Kündigung formal wasserdicht ist; sollte es nicht so sein, müsst ihr ohnehin noch eine Extrarunde mit 9 Monaten KF drehen und die Frage, wie es weitergehen soll, verschiebt sich nochmal.

    Tue es nicht. Ja es ist euer Recht, euer Eigentum bzw jenes der Schwiegereltern. Aber ich würde sowas nicht tun können, eine alte schwache kranke Frau vor die Tür zu setzen. Ich finde manche Beiträge hier wie von NK78 kalt und herzlos.

    Ein Problem ist doch auch, dass die älteren Herrschaften zum Teil in viel zu großen Wohnungen bleiben, weil in den letzten Jahren die Mietpreise zumindest in städtischen Gegenden so hochgegangen sind, dass sie bei Umzug zum Teil deutlich mehr Miete für eine weniger als halb so große Wohnung bezahlen müssten, als die in der sie seit vielen Jahre leben. Das ist ein Problem, das man in der Sache nicht unterschätzen sollte. Einfach mal umziehen könnte auch eine Finanzfrage sein. Betreutes Wohnen kann sich auch lange nicht jeder ohne weiteres leisten, das ist ganz schön teuer... Es könnte gut sein, dass sie zu Beginn einverstanden war mit der Idee umzuziehen, bis sie das realisiert hat und jetzt Panik bekommt...du sagst ja selber, dass ihr eine angemessene Wohnung außerhalb des Familienbesitzes an eurem Wohnort nicht finanzieren könntet.

    Es setzt sie ja niemand vor die Türe, bevor sie etwas neues gefunden hat. Wir sind ja keine Monster.



    Und ja: Eine bezahlbare 4-Zimmer Wohnung für zu finden ist hier wirklich ein Ding der Unmöglichkeit.


    Eine Wohnung für eine alleinstehende Dame ist bei weitem kein so großes Problem- sicher, auch das erfordert Mühe und Recherche, aber es ist durchaus machbar. Ich weiß allerdings nicht, welche Anforderungen die Mieterin stellt.

    Puh, und ich finde wirklich, die Dame wusste als sie eingezogen ist, dass es sich um eine Mietwohnung handelt. Jeder Mieter weiss dass das keine Garantie auf Ewigkeit ist und einem gekündigt werden kann (es sei denn, man ist bei einer Genossenschaft oder so). Wenn man 100% Sicherheit will, muss man halt was kaufen. Von daher kann ich die moralische Empörung hier nur bedingt nachvollziehen. Ich finde eine Kündigung wg Eigenbedarf gehört zu den zumutbaren Härten des Lebens, ich würde ihr halt die Sache möglichst bequem machen, beim Wohnung suchen helfen etc., aber letztlich ist das nix, womit sie nicht auch irgendwie rechnen müsste. Wobei es mir auch auf dein Einzelfall ankäme, man kann ja durchaus beurteilen ob ds einigermaßen gut verkraftet werden würde, oder aufgrund von Krankheit und Pflegebedürftigkeit dann doch nicht geht (aber da wäre eine betreute Wohnung ja dann eh angebracht).