• Seniorin wegen Eigenbedarf kündigen

    Hallo liebes Forum, ich schleppe da eine Sache mit mir rum, die ich gerne reflektieren lassen würde. Kurz zur Vorgeschichte: Mein Partner und ich sind seit über 12 Jahren ein Paar und haben einen 6- jährigen Sohn. Aktuell leben wir in einer viel zu kleinen 60qm- Wohnung. Anfang letzten Jahres sollte eigentlich unser Eigenheim gebaut werden- aufgrund…
  • 275 Antworten

    meine Oma muss jetzt auch mit über 80 nach über 30 Jahren in dem Haus ausziehen.


    Manches ist halt so, natürlich war sie nicht begeistert, aber akzeptiert hat es jeder von uns ohne böse über die Eigentümer zu denken.

    Sich offenbar monatelang mit dem Thema nicht zu beschäftigen und Hilfe sogar abzulehnen und dann "5 vor 12" "heulend" anzukommen, ist auch nicht gerade besonders sympathisch. Sofern da keine Demenz im Spiel ist würde mich das auch etwas verstimmen.


    Zumindest wenn man ihr eine Alternativwohnung auf dem Silbertablett anbietet und beim Finanzieren des Umzuges hilft sehe ich da moralisch kaum ein Problem.

    Frolleinchen schrieb:

    Mühe und Recherche

    Allein schon Internet fällt bei der Generation ja häufig flach.


    Wie seid ihr denn verblieben, als sie weinend vor euch stand?

    rr2017 schrieb:

    Sich offenbar monatelang mit dem Thema nicht zu beschäftigen und Hilfe sogar abzulehnen und dann "5 vor 12" "heulend" anzukommen, ist auch nicht gerade besonders sympathisch. Sofern da keine Demenz im Spiel ist würde mich das auch etwas verstimmen.


    Zumindest wenn man ihr eine Alternativwohnung auf dem Silbertablett anbietet und beim Finanzieren des Umzuges hilft sehe ich da moralisch kaum ein Problem.

    Sie wird wegen beginnender Demenz gesetzlich betreut.

    Wundert mich, das ausgerechnet von dir das "Selbst schuld, unsympathisch, muss man mit rechnen"-Argument kommt. Wo du doch sonst so für mehr Empathie einspringst, selbst in (mit-)selbstverschuldeten Lagen.:-/

    Crimson: eine schwache, alte Frau setzt keiner vor die Tür. Sie hat 9 Monate Zeit, ein dreiviertel Jahr, um sich anderweitig zu orientieren. Da heut die Kündigung und morgen das Räumungskommando. Ne kleine Wohnung findet sich immer.


    Vielleicht komme ich kalt und herzlos rüber. Mag sein, ist mir aber mehr oder weniger egal. Ich muss auch schauen, wo ich mit meinem Geld bleibe, genau wie die TE auch. Ich bin weder der heilige Samariter noch krieg ich extra Treuepunkte im Himmel, wenn ich stets auf andere und deren Befindlichkeiten Rücksicht nehme. Das Leben ist nunmal kein Ponyhof.

    Rechtlich mag das korrekt sein, moralisch finde ich es verwerflich.

    Und mir soll hier keiner kommen mit "aber die hat 110 qm für sich alleine, mimimi" die Mieterin bezahlt dafür Miete.

    ICH würde die alte Dame nicht kündigen. Bei einer beginnenden Demenz ist es absehbar, dass sich in den nächsten paar Jahren was tut und sie ausziehen muss, weil sie nicht mehr allein leben kann.

    Letztendlich musst du es mit Deinem Gewissen vereinbaren können.

    mnef schrieb:

    beginnender Demenz

    Das ist doch eigentlich dann eh klar. Wie will jemand mit beginnender Demenz denn ganz alleine in einer 110 qm Wohnung noch gut dauerhaft klarkommen?


    Da kann man doch schon einfach mal vergessen den Herd auszuschalten etc. (ich kenne so einen Fall gerade aus dem Freundeskreis).


    Und ich würde sie ja auch nicht kaltherzig rauswerfen sondern umfassend helfen damit es so bequem wie möglich wird.


    Ansonsten gibt es auch moralisch eine andere Komponente, z.b. dem Kind ein vernünftiges Zimmer zu bieten, was ja zur Zeit offenbar nicht der Fall ist. Wieso wiegt das Wohl der Dame da schwerer als das des Kindes?


    Und man neigt auch dazu, alte Leute, speziell Damen, nur weil sie alt sind auch irgendwie als "lieb" wahrzunehmen. Muss aber keinesfalls so sein. Meine Oma war auch mit 90 noch kalt, berechnend und manipulativ, auch wenn sie sicher auch oft als "liebe alte Dame" gesehen wurde.

    Zitat

    Ansonsten gibt es auch moralisch eine andere Komponente, z.b. dem Kind ein vernünftiges Zimmer zu bieten, was ja zur Zeit offenbar nicht der Fall ist. Wieso wiegt das Wohl der Dame da schwerer als das des Kindes?


    weil hier die Planung einfach anders war. Man wollte erst ein Haus bauen, was sich aber zerschlagen hat. Und anstatt sich dann nach was anderem umzusehen, muss jetzt die alte Dame raus, weil alles andere, das infrage käme, zu teuer ist.

    We gesagt ICH finde es moralisch verwerflich... erst ein Hausbau planen und wenn das nicht klappt und einem dann auffällt, dass die Wohnung ja viel zu klein ist und man sich nichts größeres leisten kann - dann muss eben die 80 jährige raus.

    So sehr ich auch Verständnis dafür habe, wie beengt sich das Leben in der 60 qm Wohnung zu dritt darstellt - aber der Sohn hat einen Rückzugsort, zwar einen kleinen, aber er hat einen. Es scheint nicht so zu sein, dass das Kind auf einer Matratze im Wohnzimmer schlafen muss.

    Und nochmal: Rechtlich mag das korrekt sein. Aber ich bewerte das moralisch eben anders.

    Zitat

    Ich denke auch, dass die Lösung über die Tochter führt. Wirklich Interesse zeigt sie bei der ganzen Geschichte nicht- sie kümmert sich halt, weil sie es als einziges Kind muss.

    Und ich denke, hier liegt der Hase im Pfeffer. Der Tochter kommt es gelegen, dass die Wohnung gekündigt wurde. Sie hat die rechtliche Betreuung und kann möglicherweise bestimmen, wo die Mutter lebt. Frolleinchen hat geschrieben, dass das Verhältnis zwischen den beiden eher kühl ist. Für die Tochter ist das so die beste Lösung, um auch den Unterstützungsaufwand loszuwerden. Mama kommt ins Heim.

    Die alte Dame wusste das wahrscheinlich schon vorher. So hat sie angefangen Spielchen zu spielen. Erstmal scheinbar gut aufgenommen, vorgegeben das es ja nicht aus heiterem Himmel kam. Dann hat sie die Füße still gehalten. Sie braucht ja für alles Hilfe. Von der Tochter kam nicht die Hilfe, die sie erwartet hat. Die Hilfe von "Fremden" lässt sich easy ablehnen, indem man vortäuscht alles im Griff zu haben. So hat sie alles vor sich hergeschoben. Nun brennt die Luft und die alte Dame setzt auf Mitleid. Da kann man jetzt weiter über Moral diskutieren.

    Ich würde mich da nicht reinziehen lassen. Das Mietverhältnis besteht zwischen den Schwiegereltern und der alten Dame. Ihr zu kündigen oder nicht ist nicht Sache von Frolleinchen. Und auch wenn es wehtut, aber sie ist komplett auf andere angewiesen. Mir fehlt hier auch ein bisschen die Rücksicht auf die anderen Beteiligten seitens der Rentnerin. Ich würde auch mal mit der Tochter sprechen. Aber dahin gehend, welche Lösung jetzt im Raum steht und vielleicht erfährt man ja auch warum. Die Tochter sollte sich bemühen, den Lebensabend der Mutter so zu gestalten, wie diese sich das vorstellt. Wenn sie das nicht tut, wird das schon seinen Grund haben. Aber das ist definitiv nicht Frolleinchens Aufgabe.

    Und vor dem Hintergrund, dass die Immobilie auf den Partner überschrieben werden soll, muss man sich überlegen, ob man das Mietverhältnis dann mit übernehmen will. Nicht das die "Kümmerrolle" dann bei Frolleinchen bleibt. Man hat sie ja schließlich schon mal weich gekocht.

    Es sind auch nicht nur alte Menschen auf Hilfe angewiesen. In dieser Hilfsbedürftigkeit muss man aber auch auf die Helfenden Rücksicht nehmen. Und Alter kommt nicht über Nacht. Da hätte sich schon vor 15 Jahren eine kleinere Wohnung angeboten - vielleicht auch nicht zur Miete.

    Ein "richtiger" Heimplatz steht gar nicht zu Debatte. Es wurde "nur" über betreutes Wohnen gesprochen. Und anscheinend ist der Mieterin erst gerade aufgefallen, dass diese Plätze ja sehr teuer sind. Obwohl sie vor einigen Monaten schon erzählt hat, dass sie einen Platz in Aussicht hat, falls sie keine geeignete Wohnung findet.

    Die Kosten für das Betreute Wohnen waren auch einer der Hauptgründe für das emotionale Gespräch letzte Woche.



    Zitat

    weil hier die Planung einfach anders war. Man wollte erst ein Haus bauen, was sich aber zerschlagen hat. Und anstatt sich dann nach was anderem umzusehen, muss jetzt die alte Dame raus, weil alles andere, das infrage käme, zu teuer ist.

    So ist das auch nicht. Schon in meiner Schwangerschaft war klar, dass unsere Wohnung mit Kind zu klein ist. In der Babyzeit war das Problem noch nicht so präsent. Doch je älter unser Sohn wird, desto schwieriger wird es. Vor allem jetzt mit der Schule. Er hat ein Zimmer zum schlafen, ja. Zu rechWegen dem Spitzboden steht sein Kleiderschrank in unserem Schlafzimmer, an einen Schreibtisch ist nicht zu denken und über den Sommer ist es in seinem Zimmer so heiß und stickig, dass er mit bei uns schlafen muss.

    Klar, es gibt Klimageräte und Zwischenlösungen- aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich es nach all den Jahren auch langsam satt habe, ständig improvisieren zu müssen.


    Der Hausbau wurde vor Allem angedacht, um die alte Dame eben nicht kündigen zu müssen. Mit ihrer Miete dann einen Teil des Kredit bedienen zu können und alle wären froh. Nun klappt das nicht und auch ich hätte mir das anders gewünscht.

    (Mein Vater hätte in dem geplanten Haus eine Einliegerwohnung bezogen. Leider ist er Mitte Juni recht plötzlich verstorben- mit gerade mal Anfang 60.)



    Das Thema begleitet uns also nicht erst seit gestern, sondern seit mittlerweile über 4 Jahren. Die Mieterin weiß das alles eigentlich auch- nur offiziell ist es eben seit einem halben Jahr.

    mnef schrieb:
    Frolleinchen schrieb:

    Mühe und Recherche

    Allein schon Internet fällt bei der Generation ja häufig flach.


    Wie seid ihr denn verblieben, als sie weinend vor euch stand?

    Wir sind gar nicht verlieben, um ehrlich zu ein. Mein Freund ist mit solchen Gefühlsausbrüchen eher überfordert und ich bin erst später dazu gekommen und wusste auch nicht recht damit umzugehen.

    Ich hab ihr aber nochmal gesagt, dass sie sich jederzeit melden kann, wenn wir ihr in irgendeiner Art und Weise helfen können.



    Zitat

    Und mir soll hier keiner kommen mit "aber die hat 110 qm für sich alleine, mimimi" die Mieterin bezahlt dafür Miete.

    Das wäre auch noch ein Punkt. Sie zahlt seit zehn Jahren die gleiche Miete. In diesen zehn Jahren hat sich der Mietspiegel der Region um durchschnittlich 30% nach oben verändert (zum Verbildlichen: für die Warmmiete, die sie für ihre 117qm- Wohnung mit großem Balkon bezahlt, bekommt sie mittlerweile nur noch eine einfache 70-80qm Wohnung ohne viel Schnickschnack).

    Da mein Schwiegervater die Miete aber nie oder nur minimal erhöht hat, wird sie angesichts der aktuellen Mietpreise wohl ziemlich geschockt gewesen sein.

    Pfefferminzbonbon schrieb:

    weil hier die Planung einfach anders war. Man wollte erst ein Haus bauen, was sich aber zerschlagen hat. Und anstatt sich dann nach was anderem umzusehen, muss jetzt die alte Dame raus, weil alles andere, das infrage käme, zu teuer ist.

    We gesagt ICH finde es moralisch verwerflich... erst ein Hausbau planen und wenn das nicht klappt und einem dann auffällt, dass die Wohnung ja viel zu klein ist und man sich nichts größeres leisten kann - dann muss eben die 80 jährige raus.


    Aber was hat die TE da jetzt falsch gemacht? Es war anders geplant, aber finanziell eben nicht möglich. Dass man wenn man jung ist zunächst in eine kleine Wohnung zieht und später mit Familie mehr Platz braucht ist doch absolut normal.


    Unter dem Strich spricht auf beiden Seiten einfach viel mehr für einen Wohnungswechsel als dagegen.

    Die Tochter ist die Betreuerin. Die Frage ob über das Amtsgericht, nach ärztlicher Begutachtung, oder mit Einverständnis der Mutter über einen Notar.

    Somit ist sie in der Pflicht, die Kündigung zur Kenntnis zu nehmen und dementsprechend zu handeln.

    Eine Betreuung hat schon einen Grund, der aber Aussenstehenden egal sein kann und sollte.


    Mach dir klar, was für euch das Beste ist und was ihr wollt. Teilt das der Tochter und der Mutter unmissverständlich mit. Bei einer Betreuung muss auch der Betreuer informiert werden, sofern man darüber Kenntnis erhält/erhalten hat.

    Ich persönlich hätte moralisch keine Bedenken die Frau "raus zuwerfen ", zumal sie neun Monate Zeit hat sich etwas Neues zu suchen und ich an der Stelle der te für das Kind und das geplante Kind gerne schöne Kinderzimmer und Platz hätte. Außerdem ginge es um MEIN Eigentum.

    Hat die Dame einen gesetzlich bestellten Betreuer - und sei das die eigene Tochter - ist die Dame sowieso raus. Der Betreuer bzw. hier die Betreuerin entscheidet.

    Ich kann euren Wunsch nach größerem Wohnraum nachvollziehen. Das der Hausbau nicht geklappt hat, aus finanziellen Gründen, ist ebenfalls verständlich. Nun gilt es die Dame möglichst altersgerecht unterzubringen. Das heißt eine kleinere Wohnung, ebenerdig, zentraler gelegen. Wenn sie sich monatelang gar nicht gekümmert hat, die Kündigung beinahe ignoriert hat und nun kurz vor Ablauf der Frist die Tränen kommen, ist das tragisch, aber kein Grund die Dame einfach gewähren zu lassen. Seit wann hat das alter etwas mit gegenseitigem Respekt und Rücksichtnahme zu tun.

    Natürlich soll man alte Bäme nicht mehr verpflanzen. Aber hier geht es nicht nur um euer Wollen (größerer, angemessenerer Wohnraum für die eigene Familie) sondenr auch um die Bedürfnisse der alten Dame. Diese hat nicht ohne Grund einen Betreuer. Manchmal muss man jemanden eben zu seinem Glück zwingen. Ich würde auf der Kündigung bestehen. Mit der Tochter in ihrer Funktion als Betreuerin würde ich alles weitere besprechen. Ob die Dame nun eine kleinere wohung findet oder in ein Pflegeheim kommt oder in einem betreuten Wohnen untergebracht wird, muss sie zusammen mit ihrer Tochter klären. Miete ist eben kein Eigentum und eine Kündigung wegen Eigenbedarf kann jederzeit kommen.

    Sicher ist das moralisch fragwürdig. Aber was willst du denn machen? Die ganze Familie weiter zur ungewünschten Einschränkung verdonnern, nur weil eine einzelne Person mehr Rücksicht verlangt? Und weil sie weiter in ihrer ungeeigneten Wohnung bleiben will. Nicht weil sie dort bleiben will, sondern weil sie nicht raus will. Vielleicht weil sie Angst hat in ein Pflegeheim abgeschoben zu werden. Dabei ist das am Ende vielleicht auch für sie die beste Wahl. Umzuziehen, solange sie noch halbwegs Herr über ihre Sinne ist und das Leben noch ein wenig genießen können ohne sich selber um alles kümmern zu müssen. Viele Alte gehen zu selbstverständlich davon aus das sie leistungslos ständig Rücksicht und Hilfe verlangen können. Weil sich das einfach so gehört und weil es "früher" undenkbar gewesen wäre, jemanden in ein Heim oder eine Betreuung anzuschieben. Nur die Welt dreht sich ständig weiter und das betrifft auch die älteren Menschen. Manchmal wird man eben hart mit der Realität konfrontiert.

    Auch wenn es hart klingen mag, ich würde auf Fristeinhaltung bestehen und sollte sie die Frist verstreichen lassen eine Räumungsklage anstrengen.

    Wie soll es denn weitergehen? Warten bis die Tochter, die sich nicht kümmern will, nur kümmern muss, endlich mal was macht? Bis die Dame doch selber eine Ersatzwohnung gefunden hat? Warten bis sich die körperliche und geistige Verfassung der Dame noch weiter verschlechtert? Die Wohnung gar altengerecht umbauen müssen? Warten bis ein Auszug unvermeidbar ist ohne Wahlmöglichkeit wo man dann hinkommt? Warten bis die Dame "endlich" verstirbt? Und was macht ihr solange? Nein, die Kündigung wurde fristgerecht ausgesprochen, die Dame wurde nicht plötzlich überfallen, die Kündigung kam auch nicht aus heiterem Himmel. Ihr habt ständig Hilfe angeboten. Mehr kann man nicht machen. Ihr habt so viel Rücksicht genommen und so viel Verständnis gezeigt wie möglich. Nun liegt es an der Dame ebenso Verständnis zu zeigen...