• Seniorin wegen Eigenbedarf kündigen

    Hallo liebes Forum, ich schleppe da eine Sache mit mir rum, die ich gerne reflektieren lassen würde. Kurz zur Vorgeschichte: Mein Partner und ich sind seit über 12 Jahren ein Paar und haben einen 6- jährigen Sohn. Aktuell leben wir in einer viel zu kleinen 60qm- Wohnung. Anfang letzten Jahres sollte eigentlich unser Eigenheim gebaut werden- aufgrund…
  • 275 Antworten

    Ich glaub ich finds einfach generell überhaupt nicht moralisch verwerflich, wenn man als EIgentümer einer Immobilie diese auch selber nutzen will.


    Leuten kündigen um das Objekt gewinnbringend an einen Investor zu verkaufen (der es abreisst und schöne neubauwohnungen baut und teuer verkauft) ist noch was anderes. Aber eigentlich ist auch das legitim.

    ich finde dieses ganze: uhhh, die Dame ist alt, da müssen alle Rücksicht nehmen und sich krumm verbiegen schon nicht korrekt.

    ja, mich triggert es persönlich. Mein Oma hat sich zeitlebens nie um etwas gekümmert. Aber immer erwartet das ihr die Familie jederzeit hilft.

    Nun ist sie schwer dement, weigert sich aber aus der Wohnung auszuziehen. Gleichzeitig lehnt sie Hilfe ab, ruft aber täglich bei meiner Mutter an die nur noch unterwegs ist um Sachen für Oma zu regeln. Einkaufen, Wohnung putzen, eingebildete Personen vertreiben.

    Und das in einer schweren Trauerphase (mein Papa ist verstorben)

    Das bringt mittlerweile die ganze Familie an den Rand der Belastbarkeit.

    Wer im Alter nicht mehr selbst Dinge erledigen kann muss sich Hilfe holen. Wer dann diese Hilfe ablehnt kann nicht von allen unendliche Rücksichtnahme verlangen.

    Und wir reden hier nicht von einer Verwandten der TE sondern um eine fremde Frau der sie schon sehr entgegen gekommen sind.

    Bei Demenz - selber miterlebt- kann es sehr schnell bergab gehen. Und dann sind nicht ausgeschaltete Herde, überflutete Toiletten, offenstehende Wohnungstüren eher die Regel als die Ausnahme.

    Zitat

    Ich vermute, dass das Thema lange beiseite geschoben und sich nicht ernsthaft damit auseinandergesetzt wurde und nun bewusst wird, dass nicht mehr wahnsinnig viel Zeit ist. Zwei Wohnungen hat sie besichtigt- beide in den letzten vier Wochen.


    Dieses Verhalten haben einige Personen, die nicht dement sind, aber fast alle, die dement sind. Die eigenen Bedürfnisse werden nicht wirklich angegangen oder überdacht, sondern man erwartet, das andere das für einen regeln, Hauptsache das eigene Leben bleibt wie es ist. Diese Vogelstraußpolitik habe ich bei vielen Demenzkranken erlebt und umso größer ist der Schock, wenn sich dann plötzlich etwas ändern soll. Gedanklich und gefühlsmäßig kann man das nicht mehr einordnen und verkraften. Aggressivität oder Weinen sind dann leider ein Mittel, um das eigene Leben weiter leben zu können. Das ist natürlich extrem hart und es macht einen selbst und vor allem andere, hilflos. Und ja, es ist irgendwann keine Seltenheit, dass ein Leben gegen das andere steht, sowohl in der Familie, als auch in den entsprechenden Einrichtungen mit Personalmangel, weil jeder nur begrenzte Ressourcen hat, um eine solche Psyche auffangen zu können. Die Psyche der Demenzkranken beruht oftmals auf totaler Verweigerung und alles lassen wie es zu einem bestimmten, für sie noch stimmigen Lebenszeitraum (mittlere Jahre, Jugend), gewesen ist. Und diese Haltung bleibt auch dann bestehen, auch wenn sie selbst arg darunter leiden müssen, denn was hier weitaus mehr zählt sind die Gefühle. Der Verstand wird nicht mehr als Ressourcengeber benutzt und auch nicht das Hier und Jetzt. Deshalb haben bei neuen Lebensumständen auch immer die anderen schuld ect.

    Aber man muss auch sehr vorsichtig sein, was gewisse Diagnosen angeht. Denn oftmals steckt hier auch ein B-12-Mangel, ein zu hoher Altershirndruck oder andere Mängel dahinter.


    Letztendlich ist es wichtig, dass die alte Dame Hilfe bekommt und es ist auch wichtig, wenn das Verhältnis zur Tochter nicht so gut ist, dass diese sich selbst Hilfe nimmt, von einem Seniorenservice zum Beispiel. Ist eine Pflegestufe vorhanden? Darüber gibt es ja auch Geld. Wichtig ist, dass die ältere Dame sich versorgt weiß und das sie weiß, dass man sie nicht im Stich lässt und das man sich kümmert.

    Eine demente Bekannte von mir hat es schwer bereut nicht rechtzeitig in eine zentralere Wohnung umgezogen zu sein, statt in einem Haus zu bleiben, was letztendlich die eigene Mobilität extrem eingeschränkt hat. Das wird auch bei der älteren Dame so sein. Und hier braucht sie Hilfe und Unterstützung und das man ihr dabei hilft, solange wie möglich selbstständig zu bleiben. Das kann auch bei Demenz gut funktionieren, wenn man rechtzeitig mit diesen Menschen spricht. Und es ist auch nicht gesagt, dass jemand mit Demenz irgendwann total hinfällig wird, in den nächsten Monaten oder Jahren. Das kann auch ganz anders verlaufen, wenn die nötige Unterstützung gegeben ist ect.

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    Zitat

    Letztendlich ist es wichtig, dass die alte Dame Hilfe bekommt und es ist auch wichtig, wenn das Verhältnis zur Tochter nicht so gut ist, dass diese sich selbst Hilfe nimmt, von einem Seniorenservice zum Beispiel.

    Ist es denn erwiesen dass das Verhältnis nicht so gut ist? Oft richtet sich Aggressivität und Ablehnung in solchen Fällen nämlich auch gegen engste Angehörige die sich ein Bein ausreißen um der betroffenen Person zu helfen.

    Es gibt hier diverse Fäden im Forum die die Hilflosigkeit der Angehörigen gut darstellen.


    Ansonsten hat caramala das wirklich super dargestellt.

    Ich finde einige Beiträge hier schon mächtig spekulativ. Und der TE jetzt vorzuwerfen, sie hätte ja selbst Schuld an der Misere, weil es mit dem Hausbau nicht so ging wie geplant, ist doch Banane.


    So ist das, Pläne ändern sich und werden wieder umgeworfen. Ist doch mMn logisch, dass die TE da nach der besten Lösung für sich und ihre Familie sucht. Nur nett von den Schwiegereltern, die Nutzung der Wohnung anzubieten, zumal sie in einigen Jahren sowieso dem Mann der TE überschrieben wird.


    Ich finde es schade für die alte Dame, aber nicht moralisch verwerflich. So könnte man sich ja bei jedem potenziellen Mieter einen Grund überlegen, warum es moralisch verwerflich wäre und nicht geht. Und man selbst kuckt in die Röhre und verschenkt Jahre seines Lebens.


    Ich finde, ihr habt getan was ihr konntet und Euch nichts vorzuwerfen. Sie hat die Kündigung rechtzeitig erhalten und Monate Zeit, sich darauf einzustellen. Ihr habt Eure Hilfe angeboten und selbst jetzt bietet ihr noch an, weiterhin tätig zu sein und ggf. die Kosten des Umzugs zu tragen, was ihr gar nicht müsstet.

    An der Wohnung hängen sicher viele Erinnerungen und es ist schlimm. Aber das wäre es bei mir als Mittdreißigerin auch, würde uns unser Vermieter heute wg. Eigenbedarf kündigen.


    Ich –persönlich- würde im Dezember/Januar noch öfter nachfragen wie es aussieht (bei der Tochter) und dabei aber klar vermitteln, dass es keine längere Wohnmöglichkeit über den 31.1. für die Dame gibt. Oft werden Menschen auch erst tätig, wenn es kurz vor 12 ist. Ich denke, wenn ihr „klein bei gebt“ und den 31.1. verstreichen lasst fangen Spielchen an und zudem ist ggf. nochmal eine Kündigungsfrist nötig, die es einzuhalten gilt.


    Unsere Nachbarin musste auch ihre (viel zu große) Wohnung räumen, da sie immer mal demente Phasen hatte und dabei Fremde ins Haus ließ und den Herd vergessen hat, auszustellen. Ich habe mitbekommen, wie schwer das für sie war (da sie auch noch klare Momente hatte): sie wohnte 40 Jahre in dem Haus (sie war 94) und dort war auch ihr Mann verstorben. Der Buhmann zunächst war ihr gesetzlicher Betreuer, ein Freund ihres Sohnes. Sie ging dann in ein Alten- und Pflegeheim. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hat sie sich dort sehr wohl gefühlt und den Kontakt mit anderen genossen (das weiß ich, weil unser Vermieter sie noch mehrmals besucht hat). Sie hatte noch 2 schöne Jahre, bevor sie dann –altersbedingt- verstarb.


    Ihr seid entgegenkommend und hilfsbereit. Mietverhältnisse werden gekündigt. Und für Euren Eigenbedarf müsst ihr Euch auch nicht rechtfertigen. Ich würde also beharrlich bleiben und trotzdem die Empathie nicht vergessen, aber ich glaube (zumindest empfinde ich das anhand Deiner Beiträge so) das schaffst Du ganz gut.


    Alles Gute, egal wie ihr Euch entscheidet und handelt.

    rr2017 schrieb:

    Das ist doch eigentlich dann eh klar. Wie will jemand mit beginnender Demenz denn ganz alleine in einer 110 qm Wohnung noch gut dauerhaft klarkommen?

    Sie ist ja nicht ganz alleine. Manchmal ziehen, so es der Wohnraum zulässt, Pflegekräfte mit dazu. Demenz hat hunderte Gesichter und kann sich so langsam entwickeln, dass man verstrib, eh es brenzlig wird. So oder so ist das zu weit gedacht, denn übergriffig, jemand as Zuhause zu nehmen und das mit "Musste eh bald passieren" wegzuwischen. Ganz lahm.

    rr2017 schrieb:

    Meine Oma war auch mit 90 noch kalt, berechnend und manipulativ, auch wenn sie sicher auch oft als "liebe alte Dame" gesehen wurde.

    Dann solltest du das nciht in den Thread projizieren. Wahrscheinlich ist die alte Dame hier eh Narzisstin? ;-)

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    mnef, lass die polemik!!!


    Könnte mich aber auch nur wiederholen. Eigenbedarf finde ich per se nicht moralisch verwerflich. Wer eine Wohnung mietet weiss dass diese Gefahr besteht.


    Ansonsten finde ich den Beitrag von Tchilara recht treffend.

    ElafRemich0815 schrieb:

    Hat die Dame einen gesetzlich bestellten Betreuer - und sei das die eigene Tochter - ist die Dame sowieso raus. Der Betreuer bzw. hier die Betreuerin entscheidet.

    Das kommt ganz drauf an, welche Angelegenheiten mti eingeschlossen sind. Eine Betreuung bedeutet NICHT automatisch, dass man für geschäftsunfähig erklärt wurde und "raus" ist.

    rr2017 schrieb:

    mnef, lass die polemik!!!

    Haha, und jetzt umdrehen, daran ändern auch aufgeregte Rudel-Ausrufezeichen nichts.
    Ist doch offensichtlich - manche schreiben es ja auch ehrlicherweise dazu - , dass Meinungen auch davon beeinflusst werden, was einen triggert.

    rr2017 schrieb:

    Könnte mich aber auch nur wiederholen. Eigenbedarf finde ich per se nicht moralisch verwerflich. Wer eine Wohnung mietet weiss dass diese Gefahr besteht.

    Jop, und wer eine Wohnung VERmietet, weiß, dass Eigenbedarf nicht immer Eigenbedarf ist und auch bei tatsächlichem Eigenbedarf die Interessen des Mieters höher gewichtet werden können, da es etliche Härtefallregelungen gibt

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    Tchilara schrieb:

    Ich finde es schade für die alte Dame, aber nichtmoralisch verwerflich. So könnte man sich ja bei jedem potenziellen Mietereinen Grund überlegen, warum es moralisch verwerflich wäre und nicht geht. Undman selbst kuckt in die Röhre und verschenkt Jahre seines Lebens.

    Ich sehe das auch so! Ihr haltet euch an Gesetze, bietet sogar Hilfe an. Es ist nicht so, dass ihr die Wohnung teurer vermieten wollt, sondern weil ihr die Wohnung braucht, da es keine vernünftigen Alternativen gibt. Für sie dagegen gibt es vernünftige Alternativen! Deswegen achtet darauf, dass ihr euch genau an die Regeln haltet, wenn sie nicht pünktlich auszieht. Sobald sie merkt, dass ihr ohnehin nichts unternehmt, hat sie nämlich gar keinen Grund sich "intensiv" eine neue Bleibe zu suchen.


    Ihr solltet hier etwas mehr auch euch achten und die Moralkeule von anderen ruhig ignorieren. Besonders die "Ach die alte Dame"-Kommentare finde ich sehr manipulativ ohne die Frau zu kennen.


    Ich möchte aber nochmal fragen, was Schwiegereltern und dein Partner dazu sagen? Wären sie überhaupt bereit einen Rückzieher zu machen oder sind sie da sachlicher als du? Hat dein Partner auch moralische Bedenken?

    mnef schrieb:
    rr2017 schrieb:

    mnef, lass die polemik!!!

    Haha, und jetzt umdrehen, daran ändern auch aufgeregte Rudel-Ausrufezeichen nichts.
    Ist doch offensichtlich - manche schreiben es ja auch ehrlicherweise dazu - , dass Meinungen auch davon beeinflusst werden, was einen triggert.

    rr2017 schrieb:

    Könnte mich aber auch nur wiederholen. Eigenbedarf finde ich per se nicht moralisch verwerflich. Wer eine Wohnung mietet weiss dass diese Gefahr besteht.

    Jop, und wer eine Wohnung VERmietet, weiß, dass Eigenbedarf nicht immer Eigenbedarf ist und auch bei tatsächlichem Eigenbedarf die Interessen des Mieters höher gewichtet werden können, da es etliche Härtefallregelungen gibt

    Aber in diesem Fall doch nicht ! Oder ich sage mal: hoffentlich wiegen die Interessen einer Familie, die Platz braucht, mehr als die Interessen einer älteren Dame die noch dazu in einer viel zu großen Wohnung wohnt. Auch wenn ggf noch eine Pflegekraft dazukommen sollte.

    Ich frage mich, ob hier wirklich Leute lieber in eine zu kleine oder zu teure Wohnung ziehen würden, nur damit eine alte Frau, mit der sie nicht verwandt sind, auf 110qm leben kann, wo 3 Zimmer ungenutzt leer stehen.

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    Was meinen denn jene (es waren ja mehrere) hier, die argementieren nach dem Motto "Sie ist alt / krank / diesdas", denn, ab welchem Alter man es verdient hat, so abgehandelt zu werden? Mal dran gedacht, wie man sich in der Situation selbst fühlen würde? Pauschal als "Alt, debil, potentiell gefährlich und eh bald im Heim" abgeurteilt zu werden? :(v

    Silbermondauge schrieb:

    Aber in diesem Fall doch nicht ! Oder ich sage mal: hoffentlich wiegen die Interessen einer Familie, die Platz braucht, mehr als die Interessen einer älteren Dame die noch dazu in einer viel zu großen Wohnung wohnt. Auch wenn ggf noch eine Pflegekraft dazukommen sollte.

    Das würde sich zeigen. Auch wird "brauchen" juristisch mitunter anders ausgelegt. Und wenn es wirklich keinen vergleichbaren Ersatzwohnraum gibt, kann niemand zum Umzug gezwungen werden. So ist das.


    gato schrieb:

    Ich frage mich, ob hier wirklich Leute lieber in eine zu kleine oder zu teure Wohnung ziehen würden, nur damit eine alte Frau, mit der sie nicht verwandt sind, auf 110qm leben kann, wo 3 Zimmer ungenutzt leer stehen.

    Ja, schon geschehen.

    Vergleichbarer Wohnraum würde also bedeuten dass es unbedingt wieder 100 m² (oder ggf etwas weniger da ja nicht alle Zimmer benutzt werden) sein müssen ???

    Sowas finde ich schlimm...


    >>Ich frage mich, ob hier wirklich Leute lieber in eine zu kleine oder zu teure Wohnung ziehen würden, nur damit eine alte Frau, mit der sie nicht verwandt sind, auf 110qm leben kann, wo 3 Zimmer ungenutzt leer stehen.<<

    >>Ja, schon geschehen.<<

    Freiwillig ??? Vielleicht ein Fall von Tausenden ?


    Aber bis jetzt wurde ja wohl nur auf die "Gefühlsdrüse" der TE bwz ihrer Familie gedrückt. Die alte Dame bzw ihre Tochter muss ja erstmal Widerspruch einlegen.

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