• Seniorin wegen Eigenbedarf kündigen

    Hallo liebes Forum, ich schleppe da eine Sache mit mir rum, die ich gerne reflektieren lassen würde. Kurz zur Vorgeschichte: Mein Partner und ich sind seit über 12 Jahren ein Paar und haben einen 6- jährigen Sohn. Aktuell leben wir in einer viel zu kleinen 60qm- Wohnung. Anfang letzten Jahres sollte eigentlich unser Eigenheim gebaut werden- aufgrund…
  • 275 Antworten

    Was sollen denn immer diese Gerichtsurteile hier? In dem Fall geht es um München (!), der Mann ist fast 10 Jahre älter, wohnt 25 Jahre länger in der Wohnung und sie ist 20qm kleiner. Da sagt doch gar nichts über diesen Fall aus!


    Frolleinchen

    Gibt es denn schon etwas Neues? Wird die Frau Weihnchten bei ihrer Tochter verbringen?

    gato schrieb:

    Was sollen denn immer diese Gerichtsurteile hier? In dem Fall geht es um München (!), der Mann ist fast 10 Jahre älter, wohnt 25 Jahre länger in der Wohnung und sie ist 20qm kleiner. Da sagt doch gar nichts über diesen Fall aus!

    Was soll diese bescheuerte haarspalterische Antwort! Warum soll jemand keine Geruchtsurteile posten sollen, die zum Thema passen - gehts noch?!


    Man schmeisst keine alten Menschen aus ihren Wohnungen raus, punkt. Und dann noch Schwiegertochter, die sich einnistet und selbst nix dazu beiträgt als zu profitieren... ja die hat man gerne, solche Leute.

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    Ja genau, lieber soll das Kind in einem kleinen Zimmer hausen damit die alte Dame massig Platz für sich hat (Ironie off)

    Würdest du auch so schreiben wenn die Ursprungsfrage vom Sohn direkt kommen würde ? Oder "darf" der profitieren ?


    - Ich bin übrigens selbst Mieterin, allerdings insofern vor Eigenbedarf "geschützt" dass ich in einer kleinen Wohnung wohne, die als Kapitalanlage vermietet wird.


    - Es gibt doch sooo viele Rentner die sooo wenig Rente beziehen - bei dem Münchner Gerichtsurteil frage ich mich, wenn der alte Mann Grundsicherung beziehen würde, ob er dann in der Wohnung bleiben dürfte ?

    gato

    Zitat

    Was sollen denn immer diese Gerichtsurteile hier? In dem Fall geht es um München (!), der Mann ist fast 10 Jahre älter, wohnt 25 Jahre länger in der Wohnung und sie ist 20qm kleiner. Da sagt doch gar nichts über diesen Fall aus!

    Dein Kommentar geht am Thema vorbei, weil alles das was du schreibst nichts mit der Urteilsbegründung zu tun hat. Das Urteil wurde mit der psychischen Belastung und einer möglichen Suizidgefahr begründet. Wenn diese gegeben ist, dann scheint eine Kündigung unwirksam zu sein.

    Zitat

    Für den betagten Mieter hätte die Räumung der Wohnung einen nicht zu rechtfertigenden Härtefall bedeutet, so die Begründung. Ausschlaggebend für die Entscheidung des Gerichts war der psychische Gesundheitszustand des 89-Jährigen. Dieser sei in Folge der Kündigung enorm beeinträchtigt, teilte das Gericht mit. Deshalb könne ein Suizid, ausgelöst durch einen Umzug nicht ausgeschlossen werden.

    Quelle: https://www.tz.de/muenchen/sta…mar-gabriel-11764431.html

    Zitat

    Was sollen denn immer diese Gerichtsurteile hier? In dem Fall geht es um München (!), der Mann ist fast 10 Jahre älter, wohnt 25 Jahre länger in der Wohnung und sie ist 20qm kleiner. Da sagt doch gar nichts über diesen Fall aus!

    Zitat

    Was soll diese bescheuerte haarspalterische Antwort! Warum soll jemand keine Geruchtsurteile posten sollen, die zum Thema passen - gehts noch?!

    Wenn man einzelne Gerichtsurteile heranzieht, um zu beweisen, dass es so sein muss, hätte man hier nicht seitenweise darüber diskutieren müssen, dass es immer Einzelfallentscheidungen sind.

    Zitat

    Darauf hat vor Kurzem der Bundesgerichtshof hingewiesen: "Allgemeine Fallgruppen, etwa ein bestimmtes Alter des Mieters oder eine bestimmte Mietdauer, in denen generell die Interessen einer Partei überwiegen, lassen sich - entgegen einer teilweise bei den Instanzgerichten anzutreffenden Tendenz - nicht bilden."

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    Puh, das ist ja wirklich mal eine schwierige Situation.


    Es ist aber auf jeden Fall keine rein moralische Frage sondern auch eine juristische.Eigentlich greift in so einem Fall eine Härtefallregelung und ich könnte mir vorstellen, dass sie unter Umständen gar nicht kündbar ist - Wahrscheinlich weiß sie das nur nicht und hat auch keinen Anwalt eingesetzt.

    Ich denke grundsätzlich, dass man auch mit 80 nochmal durchstarten kann und eine kleinere, zentralere Wohnung für sie vielleicht sogar komfortabler wäre. Nur muss man dafür auch innerlich bereit sein und das scheint bei ihr wohl nicht der Fall zu sein.


    Andererseits stellt sich die Frage, wozu man überhaupt Wohneigentum besitzt, wenn man es nicht mal an seine eigenen Kinder weitergeben kann! Das ist jawohl das natürlichste auf der Welt.


    So viele Wohnungen in Deutschland mit teils 4, 5 Zimmern werden von alten Leuten bewohnt, die alleinstehend sind. Bei der bestehenden Knappheit ist das ein großes Problem. Aber wenn man zu dem Preis heutzutage nur noch eine 2-Zimmer-Wohnung bekommt, würde ich mich auch nicht freiwillig verkleinern.


    Du schriebst, dass sich in dem Haus, wo die alte Dame wohnt, mehrere Wohnungen befinden. Wer bewohnt denn die anderen Wohnungen und wie groß sind diese?

    Gäbe es die Möglichkeit, nicht neu zu bauen, sondern an dem jetzigen Wohnhaus irgendwo anzubauen?


    Es besteht die Gefahr, dass du das immer im Hinterkopf haben wirst in der neuen Wohnung und dich deswegen dort vielleicht nicht so wohl fühlst.


    Ich kann dir nur raten, deinen Worten auch Taten folgen zu lassen: Helf ihr! Dann wird es dir glaube ich besser gehen mit der Situation.

    Warte nicht darauf, dass sie auf Dich zukommt, denn das wird nicht passieren. Sie wirkt wie jemand, der nicht in der Lage ist, nach Hilfe zu fragen, wenn sie welche braucht.

    Zitat

    Eigentlich greift in so einem Fall eine Härtefallregelung und ich könnte mir vorstellen, dass sie unter Umständen gar nicht kündbar ist

    Vielleicht wäre es moralisch gesehen besser, wenn das der Vermieter über seinen Anwalt vorher mal in Erfahrung bringen würde. Dann hätte der Vermieter keine moralischen Bedenken und müsste sich sowieso eine andere Lösung einfallen lassen als Eigenbedarf. Der Mieter spart sich den Aufwand mit der Klage. Finde ich für beide Seiten gerecht.


    Zitat

    Ich denke grundsätzlich, dass man auch mit 80 nochmal durchstarten kann und eine kleinere, zentralere Wohnung für sie vielleicht sogar komfortabler wäre.

    Ich weiß doch von einigen Hausbesitzern, die in diesem Alter auf ein Mietverhältnis umgestiegen sind, weil ihr zu großer Besitz allmählich zur Last wurde. Letztendlich sind die aber genauso verwurzelt an ihrem Wohnort und genauso alt wie die Mieter, die sich gegen ihren Zwangsumzug wehren.

    Daraus würde ich wie Waterfly schließen, dass es doch oft an der inneren Bereitschaft liegt. Nur haben Mieter dann die Möglichkeit der Klage. Der Eigentümer, der aus seinem Haus umziehen muss sowie der Vermieter des klagenden Mieters müssen sehen, wie sie sich mit der neuen Situation arrangieren.

    melb1985 schrieb:
    Zitat

    Auch gegen die KANN ein Richter sich stellen. Tut er aber meistens nicht, sonst kännte man sich das auch sparen...

    Eben, er kann. Und deshalb ist es berechtigt, Angst zu haben. Ob das meistens nicht so ist, kann ich nicht beurteilen. Ich wage es aber das anzuzweifeln, weil ich es von Erwerbsunfähigkeitsfällen her anders kenne.

    Da ist es sehr wohl so, dass vorhandene Gutachten erstmal nicht zugunsten des Klägers ausgelegt werden, wenn der Richter einen live sieht. Wenn dann das Gericht selbst einen Gutachter beauftragt, ist das auch noch kein Garant, dass dieses Gutachten zugunsten des Klägers ausfällt. Auch der Gutachter hat einen live gesehen. So entstehen Gegengutachten, die man nicht bräuchte, wenn es so einfach mit einem Prozess und einem Gutachten getan wäre.

    Und eben weil vieles so unsicher ist, würde mich interessieren, warum ein alter, gesundheitlicher angeschlagener Mensch sich das antut, anstatt einen Umzug zu organisieren - einfach aus Interesse.

    Ja gut, so argumentiert kann man auch Angst haben, draußen vom Ziegelstein aus dem 5. Stock erschlagen zu werden...

    Nochmal: Wenn es um EU-Renten geht etc. ist das ein ganz anderer Fall.

    Und du sagst ja selbst "kann ich nicht beurteilen" - tust es dann aber doch...

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    Ok, jetzt wird es mir zu persönlich, da hab ich keine Lust drauf, deswegen hier mein letzter Post:

    Zitat

    Und du sagst ja selbst "kann ich nicht beurteilen" - tust es dann aber doch...

    Dann sei mir die Frage erlaubt, woher du so genau weißt:

    Zitat
    Es muss schon ENORM viel passieren, damit ein Richter sich explizit gegen ein ärztliches Gutachten stellt. Da reicht es nicht, dass man alleine in den Verhandlungssaal rein- und auch wieder rausfindwt, damit das "nach hinten losgeht": In einem "gewöhnlichen" Eigenbedarfsstreit ist das extrem unwahrscheinlich.

    Und der Vergleich mit

    Zitat

    Ob Eigenbedarf, Ärztepfutsch, Erwerbsunfähigkeit oder sonstwas

    stammt ursprünglich auch von dir.

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    Hallo zusammen,

    wie gewünscht ein Update:


    Wir waren Ende Februar beim Anwalt. Die Erfolgsaussichten wären laut ihm gar nicht so gering, weil es eben unverhältnismäßig ist, alleine ~150qm zu bewohnen und wir rechtzeitig und ordentlich gekündigt haben.

    Das haben der Mieterin und der Tochter das auch mitgeteilt. Es wurde achselzuckend zur Kenntnis genommen, aber keinerlei Anstalten gemacht, irgendwie lösungsorientiert mit uns zu kommunizieren. Ich will das gar nicht werten, aber menschlich war ich trotzdem enttäuscht. Wir haben die Sache dann nach langen Hin und Her trotzdem auf sich beruhen lassen. Eben aus genannten ethischen Gründen.


    Nun hatte die Dame vor 4 Wochen einen Schlaganfall. Gefunden wurde sie nur dank glücklicher Zufälle durch uns, sie lag aber wohl schon zwei bis drei Stunden bewusstlos in der Wohnung. Leider wird sie wohl bleibende Schäden davontragen. Sie ist halbseitig gelähmt, kann sich nicht mehr verständlich artikulieren, ist aber wohl überwiegend geistig klar und hadert damit, überhaupt noch am Leben zu sein.. Schlimm.

    Nun könnte man denken (bei aller Dramatik), die Angelegenheit würde sich für uns in "Wohlgefallen" auflösen, tut sie aber nicht.



    Die Tochter ist völlig überfordert von der Situation und meint, dass ihre Mutter nach der Reha wieder zurück in die Wohnung kann und es ausreichen würde, wenn sie 3x am Tag einen Pflegedienst zu ihr kommen lässt (weil Heim teurer wäre als Miete & Pflegedienst). Finanzielle Mittel für Miete (ca. 1200€ im Monat) und Pflegedienst plus aller monatlich anfallenden Kosten sind laut eigener Aussage für mehrere Jahre ausreichend vorhanden.

    Das wäre jetzt wohl die Chance für alle Beteiligten (ja, zugegebenermaßen auch für uns- aber vor allem für die alte Dame!), sie in einer pflegerischen Einrichtung adäquat betreuen zu lassen.

    Man kann sich als Außenstehender dem Eindruck nicht verwehren, dass es der Tochter wohl zu einem großen Teil ums Geld und somit ihr künftiges Erbe geht, dass durch ein Pflegeheim aufgefressen werden würde.

    Zitat

    Die Tochter ist völlig überfordert von der Situation und meint, dass ihre Mutter nach der Reha wieder zurück in die Wohnung kann und es ausreichen würde, wenn sie 3x am Tag einen Pflegedienst zu ihr kommen lässt (weil Heim teurer wäre als Miete & Pflegedienst). Finanzielle Mittel für Miete (ca. 1200€ im Monat) und Pflegedienst plus aller monatlich anfallenden Kosten sind laut eigener Aussage für mehrere Jahre ausreichend vorhanden.

    Das wäre jetzt wohl die Chance für alle Beteiligten (ja, zugegebenermaßen auch für uns- aber vor allem für die alte Dame!), sie in einer pflegerischen Einrichtung adäquat betreuen zu lassen.

    Man kann sich als Außenstehender dem Eindruck nicht verwehren, dass es der Tochter wohl zu einem großen Teil ums Geld und somit ihr künftiges Erbe geht, dass durch ein Pflegeheim aufgefressen werden würde.

    Danke Frolleinchen für die Rückmeldung.


    Ja, jetzt könnte man die moralischen Bedenken weiter spinnen. Wenn die alte Dame in ihrem Zuhause gepflegt und am Ende sterben möchte, dann sollte man ihr das aus ethischer Sicht gewähren.

    Und selbst wenn ihr rein rechtlich jetzt noch was machen könntet. Gefühlsmäßig wird es da für dich doch jetzt auch nicht besser, wo es der alten Dame so richtig schlecht geht.

    Das es der Tochter einfach zu aufwändig ist das alles zu organisieren, sie um ihr Erbe bangt, sie mit ihrer Mutter nicht diskutieren möchte oder das sie einfach dem Wunsch ihrer Mutter entsprechen möchte, kann alles möglich sein. Das Dilemma für dich bleibt bestehen. Da könnte man sich jetzt fragen, wie man gehandelt hätte, wenn es die eigene Mutter wäre. Oder man fragt sich, ob man rückblickend doch etwas anders hätte machen sollen. Aber damit dreht man sich im Kreis.

    Frolleinchen schrieb:

    Gefunden wurde sie nur dank glücklicher Zufälle durch uns, sie lag aber wohl schon zwei bis drei Stunden bewusstlos in der Wohnung.


    Frolleinchen schrieb:

    Nun könnte man denken (bei aller Dramatik), die Angelegenheit würde sich für uns in "Wohlgefallen" auflösen, tut sie aber nicht.


    Undank ist der Welten Lohn.

    Frolleinchen schrieb:

    ist aber wohl überwiegend geistig klar und hadert damit, überhaupt noch am Leben zu sein.

    Vielleicht löst sich eurer Problem in absehbarer Zeit. Entweder, weil sie sich umbringt, weil ihr Gesundheitszustand eine Verlegung erfordert oder weil sie eines natürlichen Todes stirbt.

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