Sind Überstunden im öffentlichen Dienst unbeliebt?

    Hallo, ich habe im Mai neu angefangen und besetze nun eine Stelle im öffentlichen Dienst. Es gibt feste Kernarbeitszeiten. Normalerweise hätte ich recht früh wieder Feierabend (14.30) und habe bisher immer etwas länger gearbeitet und auch damit auch mehr geschafft. Auf diese Weise kamen Überstunden zustande.
    Jeden Monat schiebe ich ca. 20 vor mir her, was jetzt nicht wesentlich viel ist, wie ich finde. Trotzdem habe ich nun vom Chef "eins drauf" bekommen, wie ich dauernd so viele Überstunden produzieren könnte, ob ich mein Pensum nicht schaffte. Angesichts dessen, dass ich sogar sehr viel mehr geschafft habe, finde ich diese Interpretation sehr komisch. ???

    Ich bin aber mit den Gepflogenheiten des ÖDs nicht vertraut. Da wir ein Großraumbüro sind und keiner Zeit hat, gibts auch nicht wirklich Einweisung. Sind Überstunden hier unbeliebt??
    Vorher habe ich für ein priv. Unternehmen gearbeitet. Hier waren Überstunden quasi heimliche Voraussetzung. Wer zuerst ging, war immer der Verlierer (%-|).

    Würde mich über Meinungen freuen.

  • 33 Antworten

    Überstunden kosten Geld, auch wenn sie nicht bezahlt werden, sondern abgefeiert werden. Im letzteren Falle sind die Kosten fiktiv.


    Die Amtsleiter sind gehalten, möglichst wenige Überstunden zu "produzieren". Ich würde jetzt jedesmal notieren, warum (!) die Übertunden angefallen sind.

    Also hier werden solche Mehrstunden nur gemacht um mal früher zu gehen oder einen Tag frei zu nehmen. Mehr als 40 dürfen es auch nicht sein.

    Sowas wie "geforderte" Überstunden gibt es bei uns eigentlich nicht.

    Wenn deine Arbeit erledigt ist kannst du doch auch nach Hause gehen. ;-)


    In einer anderen Abteilung in der ich vorher war hatten wir soviel Arbeit da hätte ich jeden Tag 12 Stunden arbeiten können und fertig in dem Sinn war man nie. Da hat jeder einiges an Plus vor sich hergeschoben, aber das war eine andere Situation.


    Hast du den sozusagen Termingeschäfte die bis zu einem Punkt fertig sein müssen o. ä.?

    Nach dem Titel wollte ich schreiben: "Sind Überstunden außerhalb des öffentlichen Dienstes beliebt?" ;-D Aber der Inhalt war dann doch ein anderer als gedacht.


    Schlabbermaul hat es eigentlich schon beantwortet.


    Dazu kommt, dass man sie anhäufen und abfeiern kann, was aber dann (zumindest bei uns) Mehrarbeit für die Kollegen bedeutet, die an diesen Tagen / halben Tagen die Vertretung übernehmen müssen. Das heißt bei Kollegen ist es unbeliebt, wenn Überstunden, die nicht zwingend notwendig wären, angehäuft werden. ;-)

    ich weiß aus der vergangenheit, dass zuviele überstunden nicht gern gesehen werden, mir wurde das auch so ausgelegt, dass ich zu langsam bin, obwohl ich arbeiten von faulen kollegen mitübernommen habe, das war mir eine lehre


    ich würde darauf achten nicht zuviele überstunden zu machen und notfalls zuhause arbeiten erledigen, damit es keiner merkt. ist jetzt nicht nicht die letzte weißheit, man muss aber ein gesundes mittelmaß an überstunden finden.

    hmmm? Ne, seh ich anders. Wenn Überstunden anfallen, dann stimmt was nicht mit der Planung bzw dann sind zu wenig Ressourcen da. Es gibt es kein "gesundes Mittelmaß" an Überstunden.


    Arbeiten undercover zu Hause zu machen, damits keiner merkt, ist irgendwie auch eine völlig absurde Idee. In der freien Wirtschaft könnte ich sowas noch verstehen, aber im ÖD...

    Kommt aber auch darauf an, wie die Arbeit verteilt ist. Ich arbeite in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen, wir haben als großes Team einen gemeinsamen "Berg" an Arbeit zu bewältigen. Ich könnte da jeden Tag länger bleiben, die Arbeit geht nie aus. Wäre also bei mir kein Indiz dafür, dass ich "meine" Arbeit nicht schaffe, sondern eher mein Ehrgeiz, noch weiter mitzuhelfen. Allerdings sind bei uns bis zu 30 Überstunden ok, abbummeln geht dann natürlich auch nur nach Besetzung. Und geht dadurch auch nicht wirklich zu Lasten der Anderen.

    tiramisu01 : wenn man neu anfängt und sich beweisen möchte dann nimmt man überstunden nunmal in kauf.


    ich habe aber die erfahrung gemacht, dass das bei alteingesessenen kollegen nicht gut ankommt, da kamen aussagen wie: das setzt uns unter druck.


    also wenn man sich einarbeiten möchte und nicht negativ auffallen möchte, dann kann man sich auch zuhause mal „einlesen“.

    Zitat

    ich würde darauf achten nicht zuviele überstunden zu machen und notfalls zuhause arbeiten erledigen, damit es keiner merkt. ist jetzt nicht nicht die letzte weißheit, man muss aber ein gesundes mittelmaß an überstunden finden.

    Was für ein Quark!

    die Frage die sich hier stellt ist doch ersteinmal ist es nötig länger zu bleiben und mehr zu arbeiten?

    Wenn nicht, ab nach Hause. Ganz einfach.

    Überstunden werden bei uns auch nicht gerne gesehen. Eben weil die nicht wie in der freien Wirtschaft einfach verfallen.

    Allerdings ist es bei uns klar geregelt, schau doch mal im Intranet, da sollte es drin stehn. Bis x Stunden ist ok, drüber bis y kriegt der Chef einen drüber, über y Stunden werden Personalrat etc eingeschalten.


    Bei jeden Tag 15Min dran hängen um Freitags 1h früher zu gehen sagt keiner etwas, aber täglich Zeit 'vertrödeln' um irgendwann viel frei zu machen is nich drin.

    Ich bin auch im ÖD und war auch mal ne Weile im Personalrat. Deswegen kann ich Dir die Sicht des Personalrat darauf nennen.

    Wenn zu viele Überstunden gemachtw erden, dann sind zu wenig Mitarbeiter da. Bevor Überstunden gemacht werden, sollen neue Mitarbeiter eingestellt werden.

    Hier dankt es einem niemand, wenn man täglich 10 Stunden (alles was darüber hinaus geht, wird nicht gezählt) hier ist und ohne Ende Stunden anhäuft, weil es so aussieht, als würde die Arbeit geschafft. Wir sind hier sogar dazu angehalten, nicht zu viele Überstunden zu machen, weil wir a) eine 39-41 Stunden Woche haben und keine 45-50 Stunden Woche und nur dafür werden wir bezahlt und b) weil es nicht sein kann, dass der Arbeitgeber sich darauf ausruht, dass die vorhandene Arbeit ja schon irgendwie durch die Mitarbeiter geschafft wird bis zum Burn Out und der Arbeitgeber da auch eine Fürsorgepflicht hat und c) weil wir auch dazu angehalten sind, unsere Plus Stunden nicht zu hoch werden zu lassen, weil abfeiern nur möglich ist wenn der Dienstbetrieb aufrecht erhalten bleibt, das aber nun mal nicht immer gewährleistet ist - denn sonst hätte man ja nicht so viele Stunden ;-) und zum jährlichen Stichtga alles was über 45 Stunden ist, gekappt wird .

    @TimFaber

    ÖD oder freie Wirtschaft?

    Das hat nichts mit "Überstunden in Kauf nehmen" zu tun. Überstunden, wenn es sein muss sind die eine Sache. Überstunden, weil ich einen guten Eindruck machen will und mehr erfüllen will, als in meiner regulären Arbeitszeit möglich ist, ist was ganz anderes.

    Man muss das aber tatsächlich differenziert betrachtet. Der ÖD tickt einfach anders als die freie Wirtschaft und hat eine eigene "Kultur". Ich kenne Referate, da hauen die Leute nach Ablauf ihrer Arbeitszeit immer pünktlich ab. Egal, ob die Hütte abbrennt. Solange keine Mehrarbeit angeordnet wird, wird keine Mehrarbeit verrichtet. In der priv. Wirtschaft völlig undenkbar.


    Ein wichtiger Punkt ist doch aber eigentlich, dass der Chef vom TE "eins auf den Deckel gekriegt hat", weil der TE Überstunden macht. Sein Chef will das also nicht. Ergo sollte er auch keine machen, außer sie sind angeordnet.

    Pfefferminzbonbon schrieb:

    c) weil wir auch dazu angehalten sind, unsere Plus Stunden nicht zu hoch werden zu lassen, weil abfeiern nur möglich ist wenn der Dienstbetrieb aufrecht erhalten bleibt, das aber nun mal nicht immer gewährleistet ist - denn sonst hätte man ja nicht so viele Stunden ;-) und zum jährlichen Stichtga alles was über 45 Stunden ist, gekappt wird .

    Was bei uns dazu geführt hat, dass die 1. Sachbearbeiterin in meinem Arbeitsbereich den halben Sommer ihre Überstunden abgefeiert hat, mit Sondergenehmigung, da nur 4 Gleittage pro Monat offiziell erlaubt sind. Jetzt ist sie dann noch in Urlaub. Steht ihr ja zu.


    Klar, jetzt denken Alle: Aber die hat sie ja auch aufgebaut, wäre doch unfair, wenn die gestrichen würden.

    Nein, sie arbeitet vom Homeoffice aus und hat einen Bauernhof. Klar beantwortet sie mal um 6Uhr E-Mails oder läd um 22Uhr noch Sitzungsprotokolle hoch, aber ich bin mir sehr sicher, dass sie öfters 'vergisst' aus- und wieder einzubuchen, wenn sie zwischendurch die Hühner füttern geht.


    So viel gibt es im Arbeitsbereich garnicht zu arbeiten, als dass man Überstunden im dreistelligen Bereich aufbauen kann.


    TE, mach dich schlau wie das geregelt ist und ob es da Grenzen gibt.

    hier werden Überstunden auch nicht gern gesehen. Ich wurde sogar mal von meinem Chef heim geschickt als ich 10 Minuten nach Feierabend am pc saß, dabei wollte ich nur noch ne Rechnung fertig machen, des hätte keine 5 Minuten mehr gedauert.

    Wenn es bei uns Überstunden gibt, werden die eigentlich sofort am nächsten Tag abgebaut oder eben dieses "ich muss am donnerstag 2 stunden früher Gehen, des hol ich von montsg bis mittwoch rein"


    Eine Arbeitskollegin hat auch mal gemeint sie trödelt die Zeit auf der Arbeit ab, weil sie nicht heim wollte. Hat aber in der Zeit ausser geraucht und Solitär gespielt nichts mehr gemacht. Irgendwann kam sie an und hielt uns vor, dass sie ja 150 Überstunden hätte und wir gehen pünktlich heim. Jetzt dürft ihr 3x raten wem die 150 Stunden gestrichen wurden?!:=o