Was ist Hausarbeit noch wert?

    Man liest ja manchmal so Themen wie "warum wollen Männer keine Versorger mehr sein", oder dass Männer weniger Heiraten wollen als früher. Auch von Frauen wird heutzutage mehr erwartet, dass sie einen Beruf ergreifen. "Nur Hausfrau" zu sein, reicht offenbar nicht mehr, die Wertschätzung dafür hat abgenommen. Das hat aber m. M. n. nicht nur mit der Emanzipation zu tun, sondern mit einer geringeren Wertschätzung gegenüber der Arbeit selbst, und das hat m. M. n. handfeste ökonomische Gründe.


    Zum einen ist da die Automatisierung. Vor 100 Jahren war Hausarbeit vielleicht noch ein Knochenjob. Jedes Stück Wäsche einzeln schrubben, Kohle aus den keller für Heizung, Wasserboiler und den Hern holen, Geschirr von hand spülen usw. Heutzutage besteht die Hausarbeit hautsächlich darin, die Waschmaschine anzuschalten und gekocht werden muss auch nicht jeden Tag, da man ja etwas einfrieren kann und in der Mikrowelle wieder auftauen.


    Zum anderen ist da das Single-Leben, das viele zumindest zeitweise haben. Auch das hat sich verbreitet. Ich habe auch schon als Single Vollzeit gearbeit und nebenher den Haushalt gemacht. Das hat wunderbar funktioniert. Ich war vielleicht nicht so ordentlich wie die meisten Frauen. Wenn Papiermüll mal neben dem Mülleimer gelandet ist statt im Eimer, dann lagen sie da halt mal eine Weile, es ist ja nur altes Papier. Jedenfalls war ich zufrieden. Dadurch wird Hausarbeit aber zu etwas, das man nebenbei tut - umso schwerer fällt es mir nachzuvollziehen, das als vollwertigen Job zu sehen, der es rechtfertigen würde, einer Ehefrau die Hälfte des Gehalts abzugeben (bzw. eher mehr). Eine reine Hausfrau würde ich als Partnerin nach dieser Erfahrung nicht mehr akzeptieren.


    Bei Scheidungen wird oft mit dem entgangen Gehalt argumentiert, das die Ehefrau (oder halt seltener der Ehemann) hätte verdienen können, wenn sie statt der Hausarbeit Karriere gemacht hätte. Aber ist ihr das Gehalt wirklich wegen der Hausarbeit entgangen? Ich habe doch auch meinen ganzen Haushalt neben dem Beruf gemacht, also kann man auch neben der Hausarbeit einen Beruf ausüben. Der Grund, warum viele das nicht machen, ist eher das Privileg, dass eine Stunde Hausarbeit am Tag einfach bequemer ist, als in einem Büro zu arbeiten. Ist ja ok, wenn sich der andere darauf einlässt, aber hinterher noch Unterhalt dafür zu verlangen, dass man nicht arbeiten wollte, finde ich fragwürdig.


    Das andere argument sind die Kinder. Da jemand auf sie aufpassen muss, muss jemand zu hause bleiben und kann nicht arbeiten, selbst wenn man wollte. Allerdings wird auch hier vergessen, dass beide Teilzeit arbeiten könnten. Dann hätte man zusammen eine Vollzeit-Gehalt und die Kindererzeiehung wird aufgeteilt. Dass nur einer Vollzeit arbeiten muss und der andere nur mit dem Kind spielt und mal die Waschmaschine anmacht, scheint mir ein unfairer Deal zu sein, den ich für mich nicht akzeptieren würde.


    Was meint ihr? Seht ihr das auch so, oder gibt es Argumente, weshalb es vielleicht doch gerecht ist, ein Gehalt mit der Hausfrau zu teilen?

  • 762 Antworten
    Zitat

    Zum anderen ist da das Single-Leben, das viele zumindest zeitweise haben. Auch das hat sich verbreitet. Ich habe auch schon als Single Vollzeit gearbeit und nebenher den Haushalt gemacht.Joah ich auch, als ich eine 30qm Studentenbude hatte lief das so nebenbei.


    Jetzt habe ich ein 250 qm Haus mit 3 Stockwerken, mit mehreren tausend qm Garten - und einen Mann, einen Vollzeitjob und Haustiere, und schwanger bin ich seit kurzem auch noch.

    Wenn ich mich um alles selbst kümmern wollen würde, also Gartenpflege, 250 qm putzen und pflegen, einmal am Tag ausgewogen und gesund kochen, dann könnte ich meinen Job kündigen und mich sehr gut Zuhause ganztags beschäftigen. Gäbe sicherlich genug zu tun. Da ich das nicht kann und möchte, muss ich einiges an klassischer Hausfrauentätigkeit outsourcen. Gegen Geld natürlich, denn es ist wertvolle, wichtige Arbeit, die da geleistet wird.


    Du kannst doch nicht ehrlich das Single-Leben eines Mannes, der wahrscheinlich Mittags in der Firmenkantine isst, tagsüber seinen Staubsauger-Roboter durch seine 30qm Bude fahren lässt und sich am Abend ein Käsebrot schmiert, mit der Arbeit vergleichen, die eine HAUSfrau mit mehreren Kleinkindern erledigt, die tatsächlich ein HAUS zu versorgen hat?


    Zitat

    Bei Scheidungen wird oft mit dem entgangen Gehalt argumentiert, das die Ehefrau (oder halt seltener der Ehemann) hätte verdienen können, wenn sie statt der Hausarbeit Karriere gemacht hätte. Aber ist ihr das Gehalt wirklich wegen der Hausarbeit entgangen? Ich habe doch auch meinen ganzen Haushalt neben dem Beruf gemacht, also kann man auch neben der Hausarbeit einen Beruf ausüben. Der Grund, warum viele das nicht machen, ist eher das Privileg, dass eine Stunde Hausarbeit am Tag einfach bequemer ist, als in einem Büro zu arbeiten. Ist ja ok, wenn sich der andere darauf einlässt, aber hinterher noch Unterhalt dafür zu verlangen, dass man nicht arbeiten wollte, finde ich fragwürdig.

    Du vergleichst hier Birnen und Äpfel. Es ist ein riesengroßer Unterschied, ob jemand seine Singlebude und seine 1 Waschmaschine pro Woche neben einem 40-stunden-Job rockt, oder ob jemand ein Haus, Kinder, Garten, Haustier zu versorgen hat.


    Und ganz ehrlich, wer denkt, dass Hausarbeit "einfach bequemer" ist als Büroarbeit, der sollte das mal ein paar Stunden am Tag machen, da werden die meisten unter Jammern zurück an den Schreibtisch fliehen. ;-D

    Zitat

    Was meint ihr? Seht ihr das auch so, oder gibt es Argumente, weshalb es vielleicht doch gerecht ist, ein Gehalt mit der Hausfrau zu teilen?

    Naja, du sollst dein Gehalt nicht mit "der gesichtslosen Hausfrau" teilen, du sollst eine für beide zufriedenstellende Lösung mit der Frau, die du liebst und mit der du zusammenleben möchtest, finden.

    Das kann so aussehen das ihr beide Teilzeit arbeitet und jeder die Hälfte der Hausarbeit macht. Oder du arbeitest eine 60-Stundenwoche, kannst keine Handwerker und Telekom-Techniker reinlassen, keine Arzttermine für die Kinder vereinbaren, keine Autos in die Werkstatt fahren, den ganzen Kram den man so nebenher machen muss, dann brauchst du wohl eine Hausfrau, die dir die Pantoffeln vowärmt damit du keine Sorgen mehr im Leben hast. Die überwiegende Anzahl an Führungskräften in der Firma in der ich arbeite, leisten sich den Luxus einer Hausfrau, "wie peinlich, der Gedanke, die eigene Frau müsse arbeiten gehen. Wir sind doch keine armen Leute"....So eine Denke gibts noch heute in "gehobenen" Kreisen. Die sind 16 Stunden am Tag weg und könnten ihr Leben ohne die Frau nicht organisieren.


    Du schreibst im übrigen sehr abfällig und herablassend über Hausarbeit, vielleicht würde es helfen, dir mal anzusehen was eine "Hausfrau" den Tag über tatsächlich so macht.

    Aber wenn ich es richtig verstehe gehts dir eher um eine Grundsatzdiskussion und du hast den Fall akut gar nicht, richtig?

    Zitat

    Dass nur einer Vollzeit arbeiten muss und der andere nur mit dem Kind spielt und mal die Waschmaschine anmacht, scheint mir ein unfairer Deal zu sein, den ich für mich nicht akzeptieren würde.

    du kannst ja auch derjenige sein, der "nur" mit dem Kind spielt und ab und zu mal Knöpfchen an Haushaltsgeräten drückt (so wie es bei dir klingt) und deine Frau/Lebenspartnerin kann voll arbeiten gehen (und dir dann sagen, dass du für das bisschen was du zuhause tust aber von dem hart verdienten Geld nix bekommst).


    (Ist jetzt mit Absicht etwas übertrieben dargestellt)


    Wenn dann, wie HannahWe geschrieben hat, noch ein ganzes Haus zu putzen, Garten und Haustier(e) zu versorgen sind, wer macht das dann? Auch derjenige, der ja eigentlich nix macht. Dummerweise will das kleine Kind gerade aber nicht so wie du, und schon bleibt das bisschen Arbeit, was du zuhause machen wolltest auch gar liegen. Deine Frau kommt nach 8/9h Job nach Hause und fragt sich, was zum Geier du den ganzen Tag gemacht hast, wenn zuhause nix gemacht wurde und du ja nur zuhause rum sitzt...


    Es lässt sich vielleicht ohne Kind echt schwer vorstellen, wie es sein kann, wenn man den ganzen Tag augenscheinlich "nix gemacht" hat, und was man dabei trotzdem alles gemacht hat. Ich gebe zu, bevor mein Sohn auf die Welt kam, konnte ich das auch alles nicht so ganz nachvollziehen. Seit knapp 3 Jahren hat mich das Leben eines besseren belehrt :=o

    das was du beschreibst, sind aber wirklich Extremfälle. Die Realität der meisten dürfte eher einer Wohnung entsprechen (sicherlich größer als 30qm), als einem dreistöckigen Haus mit Ländereien. Ich dachte auch mehr an einen 40-Stundenjob, wie er für viele normal ist und weniger an 60-Stunden irgendwelcher Manager


    HannahWe schrieb:

    Und ganz ehrlich, wer denkt, dass Hausarbeit "einfach bequemer" ist als Büroarbeit, der sollte das mal ein paar Stunden am Tag machen, da werden die meisten unter Jammern zurück an den Schreibtisch fliehen. ;-D

    Hab ich ja gemacht. War ok. Mich kann man damit nicht mehr veräppeln, da ich mich selbst davon überzeugt habe, dass es geht und gar nicht schlimm ist, der Technik sei Dank :D Es gibt nüchtern betrachtet einfach nicht so viel zu tun, um "mehrere Stunden" täglich damit zu verbringen, außer, wie gesagt, man zieht Konstellationen heran, die wenig mit der Realität der meisten Menschen zu tun haben.

    HannahWe schrieb:

    Naja, du sollst dein Gehalt nicht mit "der gesichtslosen Hausfrau" teilen, du sollst eine für beide zufriedenstellende Lösung mit der Frau, die du liebst und mit der du zusammenleben möchtest, finden.

    Ich rede jetzt von der ökonomischen Perspektive und zur Zufriedenheit gehört auch, dass man die Arbeit fair verteilt. Mit dem Fortschritt (und auch kürzeren Arbeitszeiten) hat sich das einfach verschoben.

    HannahWe schrieb:

    Die überwiegende Anzahl an Führungskräften in der Firma in der ich arbeite, leisten sich den Luxus einer Hausfrau, "wie peinlich, der Gedanke, die eigene Frau müsse arbeiten gehen. Wir sind doch keine armen Leute"....So eine Denke gibts noch heute in "gehobenen" Kreisen.

    Ich finde nichts daran peinlich, dass beide ihren Teil zum Einkommen beitragen und sich die Hausarbeit teilen. Peinlicher finde ich es eher, als Zahlesel zu enden. Dieses ganze "der Mann hat versagt, wenn die Frau arbeiten muss" finde ich eher problematisch. Solche Beschämungs-Mechanismen verhindern, dass man mal nüchtern darüber nachdenkt, ob die klassische Aufteilung heutzutage noch fair für den Mann ist. Mich jucken solche Urteile anderer wenig, wenn ich mir dafür Dinge leisten kann, die ich sonst nicht hätte, zum Beispiel eine tolle Gitarre, einen PC, eine Uhr, einen Urlaub etc. Oder es gehen halt beide arbeiten und man hat zusammen mehr Geld, das geht ja auch.


    HannahWe schrieb:

    Du schreibst im übrigen sehr abfällig und herablassend über Hausarbeit, vielleicht würde es helfen, dir mal anzusehen was eine "Hausfrau" den Tag über tatsächlich so macht.

    ich finde es nicht abfällig, mal zu betrachten, wie sich der Arbeitsaufwand in den vergangenen Jahrzehnte reduziert hat und ob wirklich beide gleichermaßen von der klassichen Aufteilung profitieren. Ich sage ja nicht, dass es "niedere Arbeiten" sind, sondern nur, dass es halt nicht so viel Aufwand ist (bei normalen wirtschaftlichen Verhältnissen, wie man berufstätigen Männern manchmal erzählt und dass man es auch selber machen kann. Zu einer gelungenen Partnerschaft gehört ja auch eine gerechte Verteilung der Arbeit. Und da ich ja nun beide Teile kenne und mich der Hausarbeitsteil praktisch gar nicht angestrengt hat im Vergleich zur Büroarbeit, finde ich, dass man das überdenken muss

    Also ich würde gern putzen, kochen, einkaufen, Kinder versorgen, wenn ich dafür nicht arbeiten gehen müsste.

    Beides ist sicherlich anstrengend und irgendwo „Arbeit“, aber angestellt in einer Firma können noch viele Faktoren hinzukommen (Druck vom Chef, unangenehme Kollegen, klar definierte Abläufe und Stundenzahlen, Betriebsfeiern, bei denen einem vielleicht unwohl ist, wenn man schüchtern ist, stressige Kunden, mit denen man sich rumschlagen muss).

    Deshalb schätze ich einen Beruf zu haben auch mehr (vom Druck und von der persönlichen Entwicklung her) als dauerhaft Hausfrau zu sein.


    Außerdem macht mich das auch leicht aggressiv. Der Mann macht Karriere, hat jeden Tag vielleicht interessante Projekte, Gesprächspartner, lernt dazu, kann am Abend viel über seinen Tag berichten. Und die Frau soll zuhause nur putzen und Windeln wechseln. Da ist doch oft schon vorprogrammiert, dass die Frau, die nur zuhause ist oder im Supermarkt, dem Mann, der oft einen hohen Posten hat, vielseitige Kontakte und sich immer weiterentwickelt, mit der Zeit langweilig wird.

    malika82 schrieb:

    Es lässt sich vielleicht ohne Kind echt schwer vorstellen, wie es sein kann, wenn man den ganzen Tag augenscheinlich "nix gemacht" hat, und was man dabei trotzdem alles gemacht hat. Ich gebe zu, bevor mein Sohn auf die Welt kam, konnte ich das auch alles nicht so ganz nachvollziehen. Seit knapp 3 Jahren hat mich das Leben eines besseren belehrt :=o

    wie gesagt, bei Kindern würde ich es vorziehen, dass beide wenn möglich Teilzeit arbeiten. Dass Kinderbetreuung nicht "effizient" zu machen ist, ist mir klar. Nur auch das sollte man eher aufteilen, weil 9h Büro halte ich immer noch für deutlich anstrengender als sich um das Kind zu kümmern.

    malika82 schrieb:

    noch ein ganzes Haus zu putzen, Garten und Haustier(e) zu versorgen sind

    Das ist kein Muss sondern ein Kann. Das Haus kann man selbstverständlich jeden Tag durchputzen und porentief rein bekommen. Haustiere und Garten sind in der Regel keine Arbeiten sondern Hobby.

    Wenn man seine Hausarbeit gut organisiert und nicht übermäßig pedantisch agiert, benötigt man ca. 1h-2h pro Tag. Kinderbetreuung ist nur die ersten 3 Jahre etwas aufwändiger- wobei es bei Geschwisterkindern etwas erholsamer wird, da die Kinder nicht nur die Eltern als unmittelbare Bezugspersonen haben.

    Hubschraubereltern haben bezüglich ihrer Kinder so gut wie nie Ruhe. Vermutlich maximiert man u.U. auch die Unselbständigkeit der Kinder womit die Eltern den Kinderbetreuungsaufwand nochmals in die Länge und Breite ziehen.

    Unnötige Mehrarbeit kann man sich nicht als besondere Arbeitszeit anrechnen. Ich sehe heute eine Hausarbeit nicht mal als Halbtagsstelle. Im übrigen hatte ich noch selbst Zeiten erlebt, ohne besondere Technik: Keine Waschmaschine, keinen Staubsauger, kein fließend Warmwasser, Ofen mit Kohlefeuerung, kein Kühlschrank, keine Wegwerfwindeln, keine Babyfertignahrung, ... und ich habe meine Mutter noch selbst Wäsche waschen mit Waschbrett gesehen. Selbst Windeln wurden in einem Wäschetopf gekocht.

    Ich hatte als Kind auch noch einen Teppichklopfer in der Hand um in regelmäßigen Abständen bei der Teppichreinigung zu helfen ... Als Kind hatte ich oft mit Nachbarskindern gespielt (schon als 3 Jähriger dabei), wo meine Mutter mit uns Kindern nichts zu tun hatte. Damals war unser Garten auch ziemlich wichtig, da es so manches Obst oder Gemüse nicht zu kaufen gab. Als Kind war ich manchmal nach draußen gelaufen, um die Pferdeäppel, die ein Pferdefuhrwerk zurückgelassen hatte, auf die Schaufel zu nehmen (das kam hinterher als Dünger in den Garten). Ebenso holte ich als 4-Jähriger schon alleine Milch vom Milchwagen mit einer Milchkanne.

    Essenszubereitung erfolgt bei uns nur abends- tagsüber essen meine Kinder, meine Frau und ich in Kantinen/Mensen des Betriebes, der Schule oder der Universität.

    Da spielen mehrere Faktoren mit hinein.

    Érstens gibt es immer weniger Stellen, die einem "Versorger (m/w)" gestatten, eine vierköpfige Familie mit Eigenheim dauerhaft zu finanzieren. Durch die sog. "Globalisierung" und der "Flexibilisierung der Arbeitswelt" (ein schrecklicher Euphemismus) sind langfristige Lebensplanungen immer schwerer möglich (häufiger Job- und Ortswechsel verhindern die Sesshaftigkeit).

    Zweitens: Ähnlich wie in der DDR müssen die Frauen immer öfter zum Familieneinkommen beitragen und wollen das andererseits auch, wie die vielen Fäden zeigen, in denen es um getrennte oder gemeinsame Konten geht. (Überwiegend wird sich da von den Frauen für getrennte Konten ausgesprochen, als Begründung folgt die ökonomische Unabhängigkeit, die viele nicht aufgeben wollen).

    Drittens hatte die klassische Hausfrau des gehobenen Bürgertums der Vergangenheit noch ganz andere Aufgaben: Sie war díe hochgeachtete Organisatorin, Repräsentantin und "Kulturverantwortliche" des gesamten Hausstandes. Sie richtete das Heim ein, organisierte Feste, Empfänge und private Club- und Musikabende. Freilich verfügte sie auch über Putz-, Wasch-, Küchen- und Kinderfrauen.

    Einen Abglanz dafür gibt es heute noch: In den meisten Familien, die ich kenne, sind die Frauen für "family & friends" verantwortlich, sie wissen also, wann wer Geburtstag hat und zu wem man eingeladen ist und besorgen die Geschenke.


    Auf den Philippinen heißt es: "Der Mann ist der Kopf, die Frau ist der Hals". Hat was, denn ohne Hals fällt der Kopf runter.

    Ich sehe das grundsätzlich ähnlich wie der TE. Ich würde mich auch nicht auf klassische Rollenteilung einlassen (in keiner der beiden Rollen!!!). Hausarbeit finde ich ganz fürchterlich und schrecklich undankbar (man sieht es nur, wenn es NICHT gemacht wird). Daher würde ich nicht freiwillig mehr als 50% davon machen. Gerade mit Kindern wäre es mir besonders wichtig, dass weiterhin alle Aufgaben von beiden gemacht werden (Haushalt, Kinderbetreuung und Geld verdienen).


    Man sollte aber m.E. auch unbedingt darauf achten, dass man sich nicht zu viel Arbeit aufhalst! Insofern würde ich mir sicher kein Haus mit Garten antun. Erst recht keines mit 250qm oder noch mehr. Viel Wohnraum führt zu hohen Folgekosten (Einrichtung + BK) und zu viel zusätzlicher Hausarbeit ist. Insofern ist m.E. weniger Wohnraum vernünftiger (und billiger und ökologischer ist es auch!)


    Und zu den Dinosauriern in den Chefetagen: Ich hoffe die sterben bald mal aus... Ich finde es nämlich ziemlich unfair, wenn sich jemand zuhause alles machen lässt, nur um 50-80h pro Woche arbeiten zu können. Sowohl für die Kinder dieser Leute wäre es idR besser, wenn dieses Lebensmodell mal in der Mottenkiste verschwindet als auch für deren Kollegen, die sich mit ihren Partnern die Aufgaben 50:50 teilen wollen und daher keine 60-80h arbeiten können/wollen... Ich möchte in den Führungsetagen auch Leute mit modernen Wert- und Rollenverständnissen, nicht nur Leute, die auf traditionelle Rollenteilung setzen.

    Ich bin eine der Frauen die den arbeitenden Ehemann hat und Hausfrau ist.

    Mein Sohn ist 9 Jahre alt und ich bin aktuell schwanger.


    Putzen tue ich 110qm Wohnung mit überall Teppich. (Außer Bad Küche) dazu kommen 2 langhaarige Katzen die sich gerne mal Fetzen und büschelweise Haare im Teppich verteilen und ein großes Aquarium.

    Ich koche 1 x am Tag groß und aufwendig gesund. (Ausnahmen gibt es aber auch)

    Die Waschmaschine läuft hier nahezu täglich. Ebenso der Trockner. (Zum Glück sind beides energiespar Geräte)

    viel Zeit bleibt mir am Ende des Tages bei regelmäßiger Pflege aller Haushalts Gegenstände und Kinder Versorgung nicht.

    Luftmassenmesser schrieb:

    9h Büro halte ich immer noch für deutlich anstrengender als sich um das Kind zu kümmern.

    Auch wenn Kinder mitunter (genetisch bedingt) sehr anstrengend sein können, hängt sehr viel auch von der Art der Bertreuung durch die Eltern ab, inwieweit die Kinder sehr anstrengend oder sehr "pflegeleicht" sind. Es gibt zahlreiche Kinder, da hielte ich den Kindergarten für geeigneter als die elterliche heimische Betreuung (oder elterliche "Verziehung")

    Zitat

    Hab ich ja gemacht. War ok. Mich kann man damit nicht mehr veräppeln, da ich mich selbst davon überzeugt habe, dass es geht und gar nicht schlimm ist, der Technik sei Dank :D Es gibt nüchtern betrachtet einfach nicht so viel zu tun, um "mehrere Stunden" täglich damit zu verbringen, außer, wie gesagt, man zieht Konstellationen heran, die wenig mit der Realität der meisten Menschen zu tun haben.

    Acht echt, du hast das bereits gemacht, einen Haushalt für 4-5 Personen geführt, ein HAUS geputzt, eingekauft, ausgewogen gekocht? Sorry, ich dachte du wärst ein Single-Mann ohne Haustiere oder Kinder, der es schafft, einmal pro Woche eine Waschmaschine anzustellen und seine Mietwohnung sauber zu halten in der er sowieso nie zuhause ist, ergo auch keine Zeit hat, sie schmutzig zu machen. Das das nicht "schlimm" ist, glaube ich dir gerne. Ist ja quasi auch keine Hausarbeit.

    Das zu vergleichen, ist, wie wenn du sagst: Warum sollte der Stadtpark Hamburg einen bezahlten Gärtner beschäftigen, ich kann meine Geranien auf meinem 2 qm Balkon doch auch selbst pflegen?


    Ja, die Arbeit in einem Haus mit Garten (das ist keine Konstellation die wenig mit der Realität zu tun hat, so leben in Deutschland die überwiegende Mehrheit von Familien, und um die geht es dir ja hier, nicht um Single-Haushalte) dauert mehr als eine Stunde. Sie dauert mehrere Stunden pro Tag. Je mehr Haus, je mehr Kinder, je mehr Garten, umso mehr stunden. Das ist logisch.


    Ich habs übrigens auch mal ausprobiert, weniger zu arbeiten und dafür mehr Garten- und Hausarbeit selbst zu machen, und war eine von denen, die schreiend zurück an den Schreibtisch geflüchtet ist. Mir fällt die geistige Arbeit, Meetings, Konzepte, Ausarbeitungen, viel leichter als Boden feudeln, Hecke schneiden, Bad putzen. Ist vielleicht von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ich bin froh das es Menschen gibt die das machen ohne zu jammern. Kann mir aber kaum vorstellen, dass die nicht auch lieber im Büro arbeiten würden. Frag mal eine Putzfrau, wie viel Freude ihr ihre bequeme Pseudo-Arbeit so macht. Und dann sag mit bitte bescheid vorher, ich wäre nämlich gerne dabei, wenn sie dir eine wischt. ;-D


    Zitat

    Ich finde nichts daran peinlich, dass beide ihren Teil zum Einkommen beitragen und sich die Hausarbeit teilen. Peinlicher finde ich es eher, als Zahlesel zu enden. Dieses ganze "der Mann hat versagt, wenn die Frau arbeiten muss" finde ich eher problematisch. Solche Beschämungs-Mechanismen verhindern, dass man mal nüchtern darüber nachdenkt, ob die klassische Aufteilung heutzutage noch fair für den Mann ist. Mich jucken solche Urteile anderer wenig, wenn ich mir dafür Dinge leisten kann, die ich sonst nicht hätte, zum Beispiel eine tolle Gitarre, einen PC, eine Uhr, einen Urlaub etc. Oder es gehen halt beide arbeiten und man hat zusammen mehr Geld, das geht ja auch.

    Ich finde da auch nichts peinliches dran, wenn beide ihren Teil zum Einkommen beitragen und Vollzeit arbeiten. Aber dann darf Mann eben auch nicht erwarten das Frau nebenbei noch "das bisschen Haushalt" macht, sondern muss sich ebenfalls beteiligen oder eben dafür zahlen, dass es jemand macht, der Zeit dazu hat.


    Das du deine Prioritäten anders setzt und dir lieber mehr Materielles leisten möchtest als ein großes, gepflegtes Zuhause, ist ja in Ordnung. Andere setzen ihre Prioritäten eben anders.


    Zitat

    Ich finde es nicht abfällig, mal zu betrachten, wie sich der Arbeitsaufwand in den vergangenen Jahrzehnte reduziert hat und ob wirklich beide gleichermaßen von der klassichen Aufteilung profitieren. Ich sage ja nicht, dass es "niedere Arbeiten" sind, sondern nur, dass es halt nicht so viel Aufwand ist (bei normalen wirtschaftlichen Verhältnissen, wie man berufstätigen Männern manchmal erzählt und dass man es auch selber machen kann. Zu einer gelungenen Partnerschaft gehört ja auch eine gerechte Verteilung der Arbeit. Und da ich ja nun beide Teile kenne und mich der Hausarbeitsteil praktisch gar nicht angestrengt hat im Vergleich zur Büroarbeit, finde ich, dass man das überdenken muss

    Du möchtest also das Hausarbeit abgewertet wird weil sie DIR leichter fällt als Büroarbeit? Mir aber nicht, was machen wir denn jetzt?

    Darf ich dann jetzt das Gehalt der Dolmetscherin in unserer Firma kürzen, weil ich selbst zweisprachig aufgewachsen bin und mir ihr Job deshalb leicht fällt?

    Du sprichst von "normalen wirtschaftlichen Verhältnissen", die gibt es aber eben nicht. Ein 20-jähriger Single lebt in anderen Verhältnissen als eine 5-köpfige Familie, als ein 70-jähriges Rentnerpaar, das kannst du doch nicht verallgemeinern?

    Dich hat die Hausarbeit für deine Single-Bude nicht angestrengt, na klar, wie auch, da gibt's ja wirklich fast nix zu tun.


    Zitat

    Beides ist sicherlich anstrengend und irgendwo „Arbeit“, aber angestellt in einer Firma können noch viele Faktoren hinzukommen (Druck vom Chef, unangenehme Kollegen, klar definierte Abläufe und Stundenzahlen, Betriebsfeiern, bei denen einem vielleicht unwohl ist, wenn man schüchtern ist, stressige Kunden, mit denen man sich rumschlagen muss).

    Ich (und viele andere Frauen auch, schätze ich) würde wahnsinnig werden, wenn ich den ganzen Tag alleine Zuhause putzen würde, ohne genau diese Dinge, die du oben so negativ beschreibst. Man könnte es nämlich auch umdrehen und sagen: Während ich interessante Projekte vorantreibe, tolle Kundenkontakte pflege, mit den Kollegen in der Mittagspause gemütlich essen gehe und über Witze lache bis uns die Tränen kommen, muss die arme Hausfrau zuhause in Isolationshaft putzen bis ihr die Finger bluten ohne eine Menschenseele zu treffen und mit irgendjemandem reden zu können. Es kommt doch immer drauf an, was einem liegt. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und jeder Mensch, jedes Paar, jede Familie, muss für sich die Lösung finden die für sie am Besten ist. Ohne dabei Tätigkeiten abzuwerten, die man selbst nicht tun muss.

    Ich halte Hausarbeit, die gerecht unter den Familienmitgliedern verteilt wird, für sinnvoller, da so jedes Familienmitglied selbst lernt, Verantwortung für den Haushalt zu tragen und eben zusätzliche Arbeit vermeidet. Jeder der z.B. Schmutz zu Hause verursacht, sollte ihn auch öfter mal selbst beseitigen. dazu zähle dann nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder. Und es muss nicht alles spiegelblank sein- wem das wichtig ist kann das ja tun- hat dann aber auch weniger freie Zeit und kann sich das nicht als besonders notwendige Arbeitszeit anrechnen.

    Lieber Te, es ist doch ganz einfach. Du suchst Dir bitte eine Frau, die dieselben Werte und Ansichten hat wie Du und schon stellt sich die Frage doch überhaupt nicht ob es gerecht ist, wenn Sie zuhause bleibt und Du Ihr noch Geld fürs "Nichtstun" abgeben musst.

    Tatsächlich kenne ich aus meinem Umfeld in meinem Alter (ende 30) echt gar kein Paar, wo nicht beide arbeiten. ich kenne nur ein einiziges Paar, wo Sie Hausfrau ist, aber eher aus dem Grund, dass Sie (sorry - aber es ist die Wahrheit, ich kenne sie fast 30 Jahre) keine Lust hat, arbeiten zu gehen.

    Bei den anderen arbeiten entweder beide Vollzeit oder Sie ist entweder so lang in Elternzeit bis das Kind im Kindergarten ist und dann Teilzeit oder aber sie sind eh kinderlos, da stellt sich die Frage gar nicht.

    Also lange Rede kurzer Sinn: Du entscheidest Dich für das DINK Modell und suchst Dir eine Partnerin die genauso tickt wie Du.Dann erübrigt sich auch die ganze Diskussion hier.

    Zitat

    Wenn man seine Hausarbeit gut organisiert und nicht übermäßig pedantisch agiert, benötigt man ca. 1h-2h pro Tag.

    Ach Sensibelmann, ja, in deiner Großstadt-Bude im 11. Stock, da dauert das bestimmt so lange. Also ohne Fensterputzen, feucht wischen, kochen, usw.


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    Haustiere und Garten sind in der Regel keine Arbeiten sondern Hobby.

    Kinder haben übrigens auch. Dürfte eigentlich nicht mehr entlohnt werden, ich finde, Erziehern, Gärtnern und Putzfrauen streichen wir die Gehälter völlig, sowas macht man als moderner Lohn-Sklave so nebenher, gefälligst.