Was ist mit unserer Jugend los?

    Hallo,


    es könnte sein das dieses Thema bei manchen Eltern „sauer aufstößt“. Aber mich interessiert es, auch wenn ich persönlich keine Kinder hab.


    Zur Erklärung wie ich zu meiner Frage komme, wir haben eine Azubine die jetzt ins 2. Lehrjahr kommt. Sie hat Montag eine Krankmeldung für Gestern und Heute eingereicht, mit der Diagnose F43.2 G, eine Anpassungs Störung. Und jetzt meine Frage, wie kommt man darauf, ich meine ich bin noch nie morgens aufgewacht und dachte: „Nee, ich kann heute nicht zur Arbeit, ich muss erst zum Psychologen.“ Versteht ihr was ich meine?


    Wohlgemerkt ging es Ihr Freitag noch super gut, hat von keinen Problemen erzählt oder auch nur erwähnt.


    Ich habe eh das Gefühl das die Jungend allgemein wehleidiger geworden ist, die bleiben wegen jeden kleinen Schnupfen oder Kopfschmerz schon Zuhause.


    Meine Eltern haben mich immer zur Schule/Ausbildung gescheucht, außer ich hatte echt schon den Kopf unterm Arm. Ihr Motto war erstmal Probieren, wenn es nicht geht kann man immer noch nach Hause gehen.


    Woran liegt das? An den Eltern? An der Erziehung? Oder woran?

    Oder seh ich das nur falsch?

  • 298 Antworten
    cocosun_75 schrieb:

    Sie hat Montag eine Krankmeldung für Gesternund Heute eingereicht, mit der Diagnose F43.2 G

    Wieso wisst ihr von der Diagnose? Das steht doch auf dem Krankenschein für den AG gar nicht drauf!

    cocosun_75 schrieb:

    Ich habe eh das Gefühl das die Jungend allgemein wehleidigergeworden ist, die bleiben wegen jeden kleinen Schnupfen oder Kopfschmerz schonZuhause.

    Sehe ich jetzt eher unter achtsamer und damit klüger geworden. Natürlich soll man da zu hause bleiben.



    cocosun_75 schrieb:

    Meine Eltern haben mich immer zur Schule/Ausbildunggescheucht, außer ich hatte echt schon den Kopf unterm Arm. Ihr Motto warerstmal Probieren, wenn es nicht geht kann man immer noch nach Hause gehen.

    Ja, das haben meine Eltern auch. Antwort meiners Vaters auf meine Kopfschmerzen: "Habe ich auch." Nie beim Arzt gewesen. Sie habe ich mir schon eine chronische Migräne zugezogen. Einfach nur verantwortungslos. Natürlich wusste er das nicht, dass es so etwas überhaupt gibt. Ändert nichts daran - nicht abgeklärt, verantwortungslos.



    cocosun_75 schrieb:

    Oder seh ich das nur falsch?

    Ist deine Sache, wie du es siehst. Ich finde das völlig in Ordnung. Ich finde es aber auch eher komisch, dass man da weiß, was die Praktikantin hat. Krank ist krank und das hat nur ein Fachmann zu beurteilen.

    Muss man in Deutschland ernsthaft die Diagnose dem Arbeitgeber mitteilen?


    Auch sollte es im Jahre 2020 wirklich bei jedem angekommen sein, dass man eine psychische Erkrankungen nicht an der Nasenspitze ablesen kann.

    Verhueter schrieb:
    cocosun_75 schrieb:

    Sie hat Montag eine Krankmeldung für Gesternund Heute eingereicht, mit der Diagnose F43.2 G

    Wieso wisst ihr von der Diagnose? Das steht doch auf dem Krankenschein für den AG gar nicht drauf!

    Das ist richtig, ich hatte sie nur gefragt was los ist und sie hat mir ein Bild der AU mit dem Komentar "Anpassungs Störung" geschickt.

    Vielleicht geht es ihr akut nicht gut, die Diagnose ist bereits gestellt und wurde deswegen jetzt für die AU verwendet?


    Vor zwei Jahren war ich auch einen Tag mit der Diagnose Depression krankgeschrieben. Weil es mir an dem Tag psychisch verdammt mies ging, die Diagnose bereits vorher stand und mein Doc eben die Diagnose für die AU genommen hat.

    Übrigens wissen meine Kollegen auch nicht unbedingt was davon, wenn es mir nicht gutgeht. Warum auch? Warum sollte ich im Büro unbedingt von Problemen erzählen?

    Vielleicht ist auch übers WE was passiert? Ich wurde letztens sexuell belästigt. An einem Sonntag. Natürlich ging es mir montags mieser als freitags.


    Ansonsten bin ich früher selbst sehr schnell Zuhause geblieben. Nicht aus Wehleidigkeit - sondern weil eine psychische Problematik dahintersteckte. In meinem Empfinden konnte ich einfach nicht. Basta.

    Mittlerweile bin ich da anders - habe aber trotzdem Verständnis, wenn jemand da mehr Probleme hat. Ich denke, oftmals steckt da eben doch mehr hinter als die Kollegen wissen oder ahnen.

    Melete schrieb:

    Krank ist krank und das hat nur ein Fachmann zu beurteilen.

    :)^:)=

    Allein die Existenz dieses Diagnoseschlüssels verbietet uns Laien die Diskussion darüber.


    Wenn die Azubine des TE noch nicht volljährig ist, hat er freilich das Recht, bei ihrem behandelnden Arzt nachzufragen. (Es gibt da aber auch Ausnahmen, soweit ich weiß).

    Paritu schrieb:

    Vor allem in den Augen der Kinderlosen oder derjenigen die nur Bilderbuchkinder haben /hatten

    Klingt genauso nach Vorurteil.

    Melete schrieb:
    cocosun_75 schrieb:

    Oder seh ich das nur falsch?

    Ist deine Sache, wie du es siehst. Ich finde das völlig in Ordnung. Ich finde es aber auch eher komisch, dass man da weiß, was die Praktikantin hat. Krank ist krank und das hat nur ein Fachmann zu beurteilen.

    Sie ist Auszubildene und auch ich muss ja planen können wie lange sie krank ist

    Krank ist krank, egal mit welcher Diagnose. Ich denke dass sich das etwas geändert hat, "früher" wurden Burnout, Depressionen etc. einfach weniger erkannt und die Betroffenen sind dann eben zur Arbeit oder nicht, abgestürzt, waren seltsam usw. Heute ist man diagnostisch etwas weiter und erkennt mehr.

    Ich persönlich habe den Eindruck dass die heranwachsende Generation es leichter gemacht bekommt. An schlechten Noten sind primär die Eltern schuld, Versetzungen werden eingeklagt, die Profs an der Uni haben Vorurteile etc. Diese Tendenz sehe ich zunehmend in meinem Bekannten- und Arbeitskreis. Die Selbstverantwortung geht eher zurück.

    Melete schrieb:
    Paritu schrieb:

    Vor allem in den Augen der Kinderlosen oder derjenigen die nur Bilderbuchkinder haben /hatten

    Klingt genauso nach Vorurteil.

    Eher Lebenserfahrung.


    Zumal ich sagte "vor allem bei" was ja schon bedeutet, dass sich diese Haltung durch alle Gruppen zieht, aber meiner Erfahrung nach vorrangig unter Menschen vorkommt die keine Kinder großgezogen haben bzw sehr unkomplizierte Kinder.

    Du hast einen interessanten Faden eröffnet und ich bin sicher, darauf folgt eine lange Diskussion. Ich bin der Meinung, man kann nicht alle Jugendlichen über einen Kamm scheren, wie man es auch bei Erwachsenen nicht tun kann. An der Erziehung? Bei Volljährigkeit entscheidet jeder selber darüber, was er tut. Ob es sich bei der genannten Azubi um Faulheit handelt, kann niemand beurteilen, weil man sie persönlich nicht kennt. Was mich persönlich des öfteren stört, in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln steht kaum noch ein Jugendlicher für eine schwangere Frau oder eine Person mit einem Rollator auf, aber auch das kann man nicht verallgemeinern. Für mich persönlich ist es selbstverständlich, daß ich falls ich einmal ein öffentliches Verkehrsmittel benutze, meinen Platz einer schwangeren Frau etc.anbiete, aus freien Stücken. Meine Eltern haben mich dazu erzogen Mitgefühl für Menschen zu haben und meine Hilfe anzubieten, bis jetzt bin ich damit nicht schlecht gefahren. Mit ein wenig Husten oder Schnupfen bin ich immer zur Schule gegangen, aber nicht mit hohem Fieber. Ich bin der Meinung, jeder Mensch, ob erwachsen oder jugendlich, ist individuell und anders in seinen Gedanken, Bedürfnissen und Meinungen.

    the shadowgirl schrieb:

    Mittlerweile bin ich da anders - habe aber trotzdem Verständnis, wenn jemand da mehr Probleme hat. Ich denke, oftmals steckt da eben doch mehr hinter als die Kollegen wissen oder ahnen.

    Es geht die Kollegen auch schlicht nichts an.


    cocosun_75 schrieb:

    Sie ist Auszubildene und auch ich muss ja planen können wie lange sie krank ist

    Sorry, aber was ist das für ein unprofessioneller Umgang. Jeder AG weiß, dass Mitarbeiter krank werden können und dafür gibt es Pläne, wer wen vertritt und was liegen bleibt. Es ist nicht planbar, wann jemand krank wird und man wird ja auch informiert bzw. sieht man ja dann, wenn jemand wieder in der Arbeit ist.

    Ich schließe mich allen Antworten an!

    Und auch wenn ich keine Kinder habe oder möchte, finde ich den Startbeitrag äußerst daneben. >:( Schon alleine die "Stammtisch"-Überschrift ... :|N