Wie Alltag besser bewältigen?

    Hallo!


    Mir fällt in letzter Zeit immer öfter auf, dass ich schnell überfordert bin und mir schon Kleinigkeiten sehr viel Kraft kosten - z. B. ein Behördengang oder kochen. Richtig problematisch wird es, wenn ich mehrere Dinge auf einmal erledigen soll. Das ist auch der Grund, warum ich derzeit nicht arbeite.


    Es gibt Menschen, die Arbeit, Kinder, Haushalt, Beziehungen und Freizeit problemlos unter einen Hut bekommen. Wie schafft man das? ":/

  • 25 Antworten

    Ist es denn so das du im Alltag ständig aus dem einen oder anderen Grund Vollgas gibst oder hast du faktisch eigentlich Zeit und nicht sooo viel zu tun und bist trotzdem überfordert ?


    Wenn du jetzt wirklich Arbeit, Kinder, Haushalt, Beziehung und Freizeit unter einen Hut bringen müsstest wäre es nachvollziehbar das dir irgendwann die Energie fehlt und du nen Gang runter schalten müsstest. Wenn der Punkt "Arbeit" aber schonmal direkt wegfällt, was ist mit den anderen Punkten ? Kann es sein das sich da was in Richtung Depression o.ä. eingeschlichen hat ?

    Ich habe auch kein Patentrezept, aber ich glaube dass dies Zutaten sein können:


    * eigenes Verhalten in Richtung Depression früh erkennen (ich denke, das hast du)


    * Inanspruchnahme von Rat oder Unterstützung


    * Priorisierung von Aufgaben, Delegieren von Aufgaben an andere, Aufgaben ablehnen


    * Wissen um die eigenen Stärken und Schwächen, Aussuchen der Aufgaben (und auch eines künftigen Jobs) passend dazu


    * positives Umfeld mit Freunden und sozialen Kontakten


    * neues probieren, neugierig sein, mal mit neuen Gerichten, mal mit neuen Menschen, mal neuen Events, die man besucht oder gestaltet


    * realistische Erwartungen an sich selbst. Man kann so und so kochen. Das eine ist wenig aufwendig, das andere schon.


    * Urlaub oder Reisen, Wechsel des Umfelds mit neuen Eindrücken, neuen Menschen


    * Hilfe für andere


    * Nicht nur an den noch stärkeren und noch leistungsfähigeren orientieren und sich damit vergleichen, sondern auch mal an anderen "Schwächeren", das bringt eine realistische Einschätzung zurück


    * Beschäftigung während einer arbeitslosen Phase auch abseits von Arbeit, z.B. Kindererziehung, in Vereinen oder ehrenamtlich und sei es als Überbrückung, oder Freunden helfen


    * Sport und körperliche Bewegung (z.B. öfter Fahrrad statt Auto), Fitness, Schwimmen, Walking, Laufen/Jogging/Spaziergänge


    * bewusste Entspannungsphasen und Auszeiten von Stressfaktoren schaffen


    * gute körperliche Gesundheit: Zähne in Ordnung, Rücken gestärkt, gesunde abwechslungsreiche Ernährung, ausreichend Schlaf, chronische oder wiederkehrende Krankheiten (wenn vorhanden) mit einer wirksamen Therapie begegnet


    * gesunder Egoismus


    * ein Tagesrhythmus mit Orientierungspunkten, ohne dass er ganz starr ist


    * freie Zeit nutzen, um lang gehegte Wünsche zu erfüllen, die nur schwer mit dem Berufsleben zu vereinbaren sind


    *

    und - halte ich für sehr wichtig für psychisches Wohlbefinden


    Es ist ein sich Aufraffen bevor die Depression einen stärker packt.

    @ Nordi84

    Zitat

    hast du faktisch eigentlich Zeit und nicht sooo viel zu tun und bist trotzdem überfordert ?

    Genau.

    Zitat

    Wenn du jetzt wirklich Arbeit, Kinder, Haushalt, Beziehung und Freizeit unter einen Hut bringen müsstest wäre es nachvollziehbar das dir irgendwann die Energie fehlt und du nen Gang runter schalten müsstest. Wenn der Punkt "Arbeit" aber schonmal direkt wegfällt, was ist mit den anderen Punkten ? Kann es sein das sich da was in Richtung Depression o.ä. eingeschlichen hat ?

    Im Prinzip habe ich weder richtige Beziehungen, noch eine Familie. Ich muss eben den Haushalt besorgen, wobei ich hauptsächlich von McDonalds und Brot lebe und mich das putzen ziemlich überfordert. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das mit einer Depression zusammenhängt.



    @ Lucy4711

    Zitat

    Das ist eine Frage der Einteilung.

    Es ist nicht nur so, dass es viel Zeit in Anspruch nimmt - sondern auch, dass ich sehr schnell emotional erschöpft bin.

    Zitat

    Wie alt bist du denn?

    20.

    Zitat

    Mach doch einfach alles so nach und nach, dann sortiere was wichtig ist und was nicht so wichtig oder dringend ist. :)* :)*

    Immer, wenn ich etwas erledige, kommen neue Aufgaben und Schwierigkeiten hinzu. Beispiel: Habe einen Antrag abgegeben und muss Dokumente nachreichen, auf die ich derzeit keinen Zugriff habe.


    Ich erledige kaum etwas von den 'unwichtigen' Dingen, da ich einfach nicht die Kraft dazu habe. :-/

    Zitat

    Du hast doch schon mal, vor einem Jahr deine Probleme geschildert, es hat sich bei dir aber nichts wirklich verändert :)*

    Verändert hat sich schon einiges. Ich lebe jetzt in einem Übergangswohnheim, habe eine neue Psychologin und neue Sichtweisen. Nur konnte ich meine Probleme bisher nicht lösen, weil ich einfach nicht weiß, wie. ":/

    Klingt sehr stark nach Depressionen oder ähnlichem, solltest du ernsthaft mit deiner Psychologin besprechen, die wird dir am besten helfen können. Du hast ja im Prinzip nicht wirklich viel zu tun, wirst aber trotzdem von deiner fehlenden Energie gelähmt.


    Hast du das Thema denn schonmal in deiner Therapie angesprochen ?

    @ Pythonist

    Zitat

    Ich habe auch kein Patentrezept, aber ich glaube dass dies Zutaten sein können:


    * eigenes Verhalten in Richtung Depression früh erkennen (ich denke, das hast du)

    Aufgrund meiner Lebenssituation, die ich durch die Depressionen noch schwerer ändern kann.

    Zitat

    * Inanspruchnahme von Rat oder Unterstützung


    * Priorisierung von Aufgaben, Delegieren von Aufgaben an andere, Aufgaben ablehnen

    Das wird schwierig. Sobald ich mich auf andere verlasse oder Aufgaben abgebe, läuft etwas schrecklich schief. Selbst wenn es Sozialarbeiter sind. Habe mich auf die Aussage eines Sozialarbeiters verlassen - bin deswegen derzeit nicht krankenversichert. :-(

    Sorry Perseida, ich habe dann deine Frage und Lage (nur aus deinem Ausgangsposting) offenbar nicht zutreffend eingeschätzt, denn es steckt ja - aus deinen Andeutungen - doch so einiges mehr dahinter. Als wie depressiv schätzt du dich denn selbst immer noch ein? Und wie sehen das Ärzte oder Therapeuten?

    Zitat

    Das wird schwierig. Sobald ich mich auf andere verlasse oder Aufgaben abgebe, läuft etwas schrecklich schief.

    Mit dem Muster wirst du langfristig nicht glücklich. Also lerne es zu ändern. Erkenne die Beispiele, wo das geklappt und dich weiter gebracht hat.

    Zitat

    Selbst wenn es Sozialarbeiter sind. Habe mich auf die Aussage eines Sozialarbeiters verlassen - bin deswegen derzeit nicht krankenversichert. :-(

    Ohne Krankenversicherung ist Mist - immer. Das gilt es also, alsbald wieder ins Lot zu bringen. Die Details (GKV, PKV, ist ja erstmal unklar, was du davor hattest) lasse ich hier mal außen vor.


    Und abseits dessen: du hast ja in diesem Faden kaum etwas geschrieben über deinen ganzen Werdegang, vielleicht soll es auch nicht weiter von Belang sein. Aber ich denke, Verlassen können auf andere und Aufgaben abgeben und delegieren können wird ein wichtiges Therapieziel sein. Du wirst es immer wieder probieren müssen und einen guten Zwischenweg finden aus: Bewertungskompetenz, wem man wann vertrauen kann, eigene Kompetenz in Dingen, die du nur selbst entscheiden kannst oder willst, also ein Erwachsenwerden/Erwachsen leben (was weniger Abhängigkeit und mehr Selbstständigkeit bedeutet), gleichzeitig aber weiter Mitmenschen einzubeziehen. Und manchmal auch aus Fehlern lernen, wenn man anderen vertraut hat, aber ohne in das Extrem abzugleiten, nun gar keinem mehr zu vertrauen. Ich wünsche dir von ganzem Herzen positive Erfahrungen mit deinen Mitmenschen!


    Für den Blick nach vorn (anstatt zurück) sind vielleicht ein paar Punkte aus meiner Liste eine Anregung für dich.

    Tut mir leid für die späte Antwort. Das ist auch etwas, dass mir in letzter Zeit 'öfter' passiert. Es dauert längere Zeit bis ich auf Nachrichten oder Briefe reagiere. Oft weiß ich nicht genau wie und was ich antworten soll - und dann vergehen schon mal Tage oder auch Wochen, bis ich antworte.

    @ Nordi84

    Zitat

    Klingt sehr stark nach Depressionen oder ähnlichem, solltest du ernsthaft mit deiner Psychologin besprechen, die wird dir am besten helfen können. Du hast ja im Prinzip nicht wirklich viel zu tun, wirst aber trotzdem von deiner fehlenden Energie gelähmt.


    Hast du das Thema denn schonmal in deiner Therapie angesprochen ?

    Ich bin mir nicht sicher. Wir sprechen hauptsächlich über mein Leben und wie ich es in den Griff bekommen kann. Aber konkret habe ich das wohl noch nie angesprochen - oder es wurde eben nicht wirklich darauf reagiert.

    @ Pythonist

    Zitat

    Als wie depressiv schätzt du dich denn selbst immer noch ein?

    Ich dachte eigentlich nicht, dass ich depressiv bin. Ich weiß es nicht.

    Zitat

    Und wie sehen das Ärzte oder Therapeuten?

    Die Diagnose 'Depression' fiel nie direkt. Mir wurde höchstens eine Anpassungsstörung diagnostiziert. Und alle gingen davon aus, dass es besser wird, sobald ich von zuhause ausgezogen bin. Um ehrlich zu sein wurde alles noch schlimmer.

    Zitat

    Mit dem Muster wirst du langfristig nicht glücklich. Also lerne es zu ändern. Erkenne die Beispiele, wo das geklappt und dich weiter gebracht hat.

    Da fällt mir ehrlich gesagt nicht wirklich was ein. ":/

    Zitat

    bin deswegen derzeit nicht krankenversichert. :-(

    hast du daas schon korrigiert? Wenn nein: das wäre für morgen das wichtigste !!!! Wie bezahlst du denn die Phsychologin? Pass auf, dass du nicht auf horenden Kosten sitzen bleibst.


    Dass du sofort einen Unfall haben kannst ( was dir natürlich keiner wünscht) , der einen KH Aufenthalt, ev. OP nach sich zieht und dann viele tausend Euro kostet ist dir auch klar?

    Zitat

    Es gibt Menschen, die Arbeit, Kinder, Haushalt, Beziehungen und Freizeit problemlos unter einen Hut bekommen. Wie schafft man das? ":/

    Eigentlich ist es relativ einfach: man nimmt die 168 Stunden der Woche, zieht pro Nacht 9 Stunden Schlaf und sonstige kleine Zerstreuungspausen ab, dann bleiben immer noch knapp 100 Stunden übrig. Nochmal 9 Stunden für Arbeit für die Werktage abziehen, dann bleiben 55 Stunden übrig. Nimm nochmal pro Tag zwei Stunden weg, die man mit Körperpflege und Mahlzeiten verbringt, dann sind es noch knapp 40 Stunden.


    Über diese 40 Stunden in der Woche kann man frei bestimmen und muss nicht jeden Tag alles machen. Wer mehr Verpflichtungen eingeht, der hat natürlich weniger, das schwankt individuell und muss selbst entschieden werden. Aber es ist immer wertvoll, sich diese verfügbare Zeit vor Augen zu halten (hier am Beispiel eines durchschnittlichen Vollzeitjob-Lebens). Wenn man nur aufschiebt und sich noch mehr Zerstreuung gönnt, dann wird man irgendwann feststellen, dass am Ende der Woche die Zeit vorbei ist und man kaum was erledigt hat. Daher ist es mir wichtig, immer einen Überblick über meine zu erledigenden Dinge zu haben, sie richtig zu priorisieren und auch einzuplanen.


    Wie sieht das bei dir aus, Perseida? Kannst du für den Tag so ungefähr mal zusammenschreiben, welchen Tätigkeiten du nachgehst?

    @ wintersonne 01

    Zitat

    hast du daas schon korrigiert? Wenn nein: das wäre für morgen das wichtigste !!!! Wie bezahlst du denn die Phsychologin? Pass auf, dass du nicht auf horenden Kosten sitzen bleibst.

    Ja - meine Eltern haben es geklärt und einen Antrag auf Mitversicherung gestellt. Die waren auch ziemlich sauer auf mich. %:|

    Zitat

    Dass du sofort einen Unfall haben kannst ( was dir natürlich keiner wünscht) , der einen KH Aufenthalt, ev. OP nach sich zieht und dann viele tausend Euro kostet ist dir auch klar?

    Stimmt schon. Ich denke, das unterschätzt man schnell.



    @ Comran

    Zitat

    Wenn man nur aufschiebt und sich noch mehr Zerstreuung gönnt, dann wird man irgendwann feststellen, dass am Ende der Woche die Zeit vorbei ist und man kaum was erledigt hat.

    Das beschreibt mein Problem ziemlich gut. Es ist fast so, als würde ich den Tag mehr mit Zerstreuung als mit etwas wirklich Sinnvollem verbringen. Obwohl ich das eigentlich will. Andererseits habe ich aber auch das Gefühl, dass ich diese langen Pausen im Moment auch einfach brauche. Auch um meine emotionale Erschöpfung auszukurieren.

    Zitat

    Daher ist es mir wichtig, immer einen Überblick über meine zu erledigenden Dinge zu haben, sie richtig zu priorisieren und auch einzuplanen.


    Wie sieht das bei dir aus, Perseida? Kannst du für den Tag so ungefähr mal zusammenschreiben, welchen Tätigkeiten du nachgehst?

    Ich notiere mir eigentlich auch einiges bzw. plane zumindest ungefähr wann ich was machen möchte. Für die Woche sieht das z. B. so aus:


    Heute:


    Nachmittag: Termin mit meinem Betreuer; den morgigen Termin vorbereiten; etwas aufräumen; Verträge vergleichen; Adressen und Telefonnummern raussuchen.


    (Den Vormittag habe ich nicht wirklich sinnvoll verbracht.)


    Morgen:


    Vormittag: Ein Projekt besichtigen.


    Nachmittag: Termin mit meiner Sozialarbeiterin; Wäsche waschen; abwaschen.


    Freitag:


    Vormittag: Einige Anrufe erledigen; zum Finanzamt fahren und ev. einen Antrag stellen.


    Nachmittag: Tasche für das Wochenende packen.


    Ob ich diese Dinge dann wirklich erledige hängt davon ab wie gut es mir geht. Manchmal schaffe ich sogar mehr. :-)

    Zitat

    Ob ich diese Dinge dann wirklich erledige hängt davon ab wie gut es mir geht. Manchmal schaffe ich sogar mehr. :-)

    Halte dir immer vor Augen, dass auch Erholungspausen eingeplant werden können. Aber wenn du etwas tust, lege alles ganz weit weg, was dich ablenken könnte. Das Smartphone ist z.B. so ein süchtig machendes Teufelsding. Wenn du mal eine Stunde Pause machst, kannst du immer noch in Ruhe lesen, wer was geschrieben hat. Alles zu seiner Zeit - nicht alles durcheinander (dann macht man nämlich im Endeffekt gar nichts).

    Oftmals würde ich gewisse Dinge aber auch ohne mein Smartphone nicht machen. Einfach weil ich mich so überfordert fühle.


    Je schneller und einfacher ich etwas erledigen kann, desto eher mache ich es.