Wie geht es Beruflich und Persönlich weiter?

    Liebes Forum,

    ich erhoffe mir eine Reflexion und vielleicht können mir eure Antworten helfen. Im letzten Jahr habe ich mein Lehramtsstudium in NRW abgeschlossen und bin anschließend in eine andere Stadt, über 400 km weg von zuhause, gezogen um eine befristete Stelle in einem anderen Bereich anzutreten. Mittlerweile ist die Stelle schon abgeschlossen. Einige Zeit war ich unentschlossen, was ich jetzt machen soll. Ich habe mich entschlossen, mein Referendariat anzutreten und sehe ich mich jetzt bereit dazu. Die Frage ist jetzt: Soll ich in der Stadt bleiben oder dorthin zurück, wo ich studiert habe und wo auch Familie und Freunde sind.


    Eigentlich wäre die Antwort klar: dort wo Familie und Freunde sind. Ich fühle mich in der jetzigen Stadt zwar wohl, aber habe in meinem ersten Job hier keine tollen Erfahrungen gehabt und viele Leute habe ich hier auch nicht gefunden. Zwei drei nette Menschen habe ich hier dennoch gefunden. Aber mehr Bekannte, als Freunde. Toll ist, dass man jetzt viele Möglichkeiten hat was Kultur und Ausgehen angeht und die Stadt an sich ist gut. Und eigentlich war ich stolz, den Schritt in eine Stadt gewagt zu haben. Aber muss mir eingestehen, dass ich mich schon einsam fühle, weil ich in der großen Stadt etwas untergehe bzw keine emotionale Stütze habe.



    Mein Ziel nach dem Studium war eigentlich, mal weg zu kommen und mal einen anderen Job zu probieren. Irgendwie ist beides gescheitert. Aber es mir einzugestehen fällt schwer.

    Jetzt möchte ich das Ref machen. Und ich stelle mir die Frage, ob es dann anders wird. Wird es besser nah bei der Familie zu sein und Freunde in der Nähe zu haben oder ist es besser seine eigenen Erfahrungen zu machen und man kann später ja immer noch zurück?


    Ich denke mir, dass es in Heimatnähe Vorteile hat. Aber es wird auch etwas langweilig, weil man es kennt. Aber ich bekomme Unterstützung durch Familie und Freunde. Dort wo ich jetzt bin könnte ich mir beweisen, dass ich es kann. Und die Zeit nutzen, und die Stadt genießen.Weil ich das Gefühl habe, es noch zu genießen solange es geht. Andererseits will ich irgendwann ankommen und das ist in NRW.


    Ich kann mich irgendwie nicht entscheiden. Wie fällt man eine Entscheidung, mit der man gut leben kann?

  • 5 Antworten

    Entscheidungen zu fällen ist schwierig. Natürlich sollte man nicht wahllos entscheidungen treffen, zunächst drüber nachdenken, was die Vor- und Nachteile beider Varianten sind ist wichtig. Aber ab da kommst Du wohl nicht weiter.


    Es mag sein, dass eine Entscheidung im Endeffekt "besser" ist als die andere, das weißt Du jetzt noch nicht, es ist zu sehr Unentschieden. Du weißt nicht genau ob es 50:50 ist oder nicht doch eins besser ist, 60:40 oder so. Du hast Angst Dich hinterher zu ärgern, dass das andere besser 20% besser gewesen wäre.


    Überleg Dir mal die Folgen. Wenn Du dich nicht entscheidest ändert sich nichts, Du bleibst im Schwebezustand. Ne Weile kann man das machen, aber gefallen tut Dir die Situation bestimmt nicht, oder? Wäre es nicht langfristig besser, mit der vermeintlich schlechteren Entscheidung zu leben als mit gar keiner?


    Und hinterher wirst Du doch öfters mal denken "ach, das andere wäre vielleicht besser gewesen", insbesondere an schlechteren Tagen. Aber das wird Dir unabhängig davon passieren, ob Du Dich für A oder B entscheidest. Wäre eine der beiden Entscheidungen ein so klarer Favorit, ein 100% alles gut, bei dem Du für immer nur glückliche Tage mit haben wirst, dann würde Dir die Entscheidung ja nicht schwer fallen.

    Als Lehrer wird man doch letztlich verbeamtet. Da ist es wohl wichtig, in welchem Bundesland du leben willst. Wenn das NRW ist, solltest du dein Referendariat wohl in NRW machen. Und später, so dachte ich jedenfalls, wird man im eigenen Bundesland dann eh erst mal herumgeschickt, bevor man sich eine Schule aussuchen kann, an der man dann bleibt. Gibt es keine größere Stadt, die nicht so arg weit weg ist von deiner Familie und wo du neue Leute kennen lernen kannst, also Kultur und Ausgehen wie in der jetzigen Großstadt?

    Zitat

    Andererseits will ich irgendwann ankommen und das ist in NRW.

    Wenn das so klar ist, dann ab zurück nach Hause. 8-(

    Ich würde einfach mal die Lage sondieren, wo ein Referendariat möglich wäre und dann da hin ziehen, wo es klappt mit dem Referendariat. Und wenn du hinterher eine Stelle brauchst, ist auch nicht ausgeschlossen, dass du nochmal umziehen musst.

    Das mit dem "Ankommen" kann unter Umständen dann noch ne Weile dauern.

    Cooper_jp schrieb:


    Mein Ziel nach dem Studium war eigentlich, mal weg zu kommen und mal einen anderen Job zu probieren. Irgendwie ist beides gescheitert. Aber es mir einzugestehen fällt schwer.

    Rein objektiv bist du nicht gescheitert. Die Stelle war befristet. Ein Arbeitgeber, der dauerhaft besetzen will, schreibt die entsprechende Stelle auch dauerhaft aus. Nach Ablauf der festgelegten Zeit wieder draussen zu sein, ist schlicht der Normalfall. Der Job war mal was anderes, darüber hinaus bist für ihn auch in die Fremde gezogen. Das könnte man durchaus als Erfolg verbuchen.

    Du sprichst nicht direkt aus, was dich damals zu diesem Schritt bewegt hat, lediglich ein kleiner Hinweis auf die jetzt wieder vorhandenen kulturellen Angebote (und der wehmütige Vorsatz, diese jetzt nochmal zu genießen). Warst du vielleicht einfach nur angeödet? Immer der selbe Kirchturm, die selben Gesichter, immer der gleiche Dialekt - und am Horizont dräut die erbarmungslos-berechenbare (wenn auch nicht unluxuriöse) Lehrerlaubahn, inklusive Verbeamtung, die dich halt ein wenig festnagelt.

    Es kling einfach nicht so, als hättest du Fernweh und Abenteuerlust hinreichend gestillt und als wäre es für dich noch ein wenig zu früh die Messe für dieses Kapitel lesen zu lassen. Zwei, drei gute Bekannte gefunden zu haben ist mMn keine schlechte Leistung, zumal du es ja noch unter erschwerten Bedingungen hinbekommen hast (Drecks-Virus). Was spricht denn wirklich dagegen, nochmal für ein Jahr einen fachfremden Job anzunehmen? Lehrer ist ein Mangelberuf und der Werdegang ist, was Lücken im Lebenslauf angeht, recht entspannt. Bespielsweise hat eine Ingenieur, der zu den Top-Adressen will, sehr viel weniger Spielraum als du. Nutze doch die Freiheiten, die du hast. In einem Jahr könntest du dann zumindest besser einschätzen, wie wichtig dir Familie/Freunde/NRW wirklich sind. Natürlich werden die dir sehr wichtig sein, aber nicht wenige entdecken für sich, dass gelegentliche Besuche mit intensivem Austausch vollkommen ausreichen und werden dann woanders glücklich. Naja, nur spekulatives Geblubber meinerseits.


    Zum Thema Entscheidungen:

    Prinzipiell kann man sagen, dass jede Entscheidung, die ihren Namen verdient, im Grunden genommen nicht gerechtfertigt werden kann. Jeder hätte gerne eine Glaskugel um alle Eventualitäten abzuklären und abwägende einen Blick in diverse Paralleluniversen zu werfen. Leider muss man sich zumindest teil-blind dauerhaft festlegen, diese Unsicherheit gehört eben dazu. Man gewöhnt sich daran. Man kann mit der Zeit sogar Spass daran haben. Mache dir klar, was für dich wichtig ist (Priorität 1 kann nur einmal vergeben werden, der Rest ordnet sich zwangsweise unter). Dann schaue die sich dir real bietenden Auswahlmöglichkeiten an und addiere auf, was die zuvor festgelegten Priotitäten am besten abdeckt. Nun entscheidest du dich für die Variant, die sich deinen Bedürfnissen am besten anschmiegt. Anschließend schaust du nach vorne und nicht mehr zurück. Das war 's. Ganz ehrlich.

    Noch eine kleine Motivationshilfe: "keine Entscheidung" hat meist schlimmere Konsequenzen als "möglicherweise falsche Entscheidung".


    Have Fun!