40 Jahre Altersunterschied

    Mein "Problem": Ich fühle mich schon immer zu wesentlich älteren Personen hingezogen. Gleichaltrige oder gar Jüngere haben mich nie gereizt. Mein gesamter Freundeskreis ist durchschnittlich 20-30 Jahre älter als ich. Meine große Liebe ist sogar schon 40 Jahre länger auf der Welt als ich. Es passt zwar wunderbar und wir sind glücklich, aber ein Aspekt macht mir zur schaffen:


    Irgendwann ist die Zeit, die uns gemeinsam bleibt, nur noch eine Frage der Mathematik.


    Ich werde einen Großteil meines Lebens ohne meine jetzigen Freunde und ohne meine große Liebe verbringen müssen. Vielleicht kommt alles anders als man denkt und ich sterbe plötzlich und unerwartet durch einen Unfall oder eine Krankheit. Ich weiß, dass man vor so etwas nie gefeit ist. Auch Gleichaltrige können ihren Lebensgefährten plötzlich verlieren. Aber dennoch... je älter wir werden und vor allem, je älter "die anderen" werden, desto öfter mache ich mir darüber Gedanken. Denn wie gesagt, irgendwann ist es nur noch eine Frage der Mathematik.


    Wer kennt die Sorge? Vielleicht auch in Bezug auf die Eltern oder andere geliebte Personen, die wesentlich älter sind als man selbst. Wobei ich sagen muss, dass es bei den Großeltern und Eltern irgendwie "ok" war für mich. Schmerzhaft, aber irgendwie natürlich, dass man sie überlebt. Gehört zum Leben. Sie fehlen, aber auf eine andere Art, als mir die anderen fehlen werden und würden.


    Ich finde es einfach schade, dass die Zeit durch meine "Vorliebe" automatisch so begrenzt ist, versteht ihr?

  • 32 Antworten

    Ja, das kann ich sehr gut verstehen. Wobei es bei mir nicht ganz so extrem ist. Meine Freunde sind so im Schnitt 5 - 30 Jahre älter, meine Altersvorliebe bei Partnern ist 10 - 20 Jahre älter; mein Partner ist da sogar noch relativ jung - er ist knappe 8 Jahre älter als ich.


    Da mein Partner aber auch nicht ganz gesund ist und vielleicht auch 10, 20 Jahre vor seiner eigentlichen Zeit gehen wird, mache ich mir da auch Gedanken. Natürlich tut es weh, wenn man überlegt, dass einem eben kein "Leben lang" mehr bleibt, und dass man die letzten 20 Jahre (bei dir ja auch mehr) alleine bleiben wird.


    Allerdings tröste ich mich immer mit dem Gedanken, dass man eh nicht weiß, was die Zukunft bringen wird. Du hast ja recht, wenn du sagst, dass auch dein Leben vorzeitig enden könnte. Jetzt mal positiv gesehen, kann es auch sein, dass die Medizin weiter Fortschritt macht und dir und deinen Lieben mehr Jahre bleiben, als du derzeit denkst. Vielleicht spielt das Alter im Alter auch gar nicht mehr so eine große Rolle und du verliebst dich mit 50 nochmal in einen 65-Jährigen und hast Freunde um die 60.


    Auch manche 80-jährigen Omas im Altersheim haben dann nochmal ein paar schöne Jahre mit einem Mann von vielleicht 85.


    Außerdem geht es ja weniger um die Quantität von Zeit, als um die Qualität. Was hättest du denn von einem Mann in deinem Alter, der dich körperlich und geistig nicht anzieht? Und das dann nur, damit ihr ein paar schreckliche Jahre mehr habt ;-D ? Dann doch lieber 20, 30 wundervolle Jahre als 60 schreckliche.


    Natürlich kann (und darf!) man das beweinen, dass die eigene Vorliebe einem da Steine in den Weg legt. Aber du kannst es ja auch als Chance sehen. Du darfst das restliche Leben deines Partners mit ihm verbringen und danach gibt es vielleicht nochmal einen 2. Frühling, ein 2. Leben sozusagen @:) !

    P.S.: Und du kannst deine Vorlieben halt auch nicht ändern. Da langfristig mit zu hadern oder gar dran kaputt zu gehen - das ist echte Verschwendung von Lebenszeit. Deinen Vorlieben zu folgen hingegen nicht.

    Hey Bohemia,


    schöner Nick übrigens!


    Warum ist mir dieser nicht eingefallen, ich mag die Bohème! ;-D


    Nun zu deinem Thema,


    ich verstehe was du meinst! Auch ich fühle mich zu wesentlich älteren Männern hingezogen. Momentan bin ich auch in jemanden verliebt, der 26 Jahre älter ist als ich.


    Dass mit der Zeit ist natürlich ein Thema in so einer Konstellation. Auch ich habe mal darüber nachgedacht. Jedoch befinde ich mich in einer ganz anderen Ausgangssituation.


    Wie sieht denn dein Partner dieses Thema, redet ihr darüber? Ich könnte mir vorstellen, das er da vielleicht eine etwas andere "weniger besorgte" Ansicht hat.


    Ansonsten kann ich dir nur den banalen Tipp geben, das "Hier und Jetzt" mit ihm zu genießen.


    Versau dir die schöne Zeit nicht mit Sorgen und Grübeleien.


    Blick jetzt noch nicht nostalgisch auf Sachen zurück, die noch nicht passiert sind.


    Und vor allem, rede mit ihm darüber.


    Liebe Grüße @:)

    Zeit – ein Begriff der Industriewelt. Mit Regeln verknüpft. Aber kann man die Zeit wirklich fassen und zählt nicht vielmehr der Moment.


    Ich sage die Zeit verläuft in einer leuchtenden nie endendenden Ellipse und alles ist allzeit möglich.

    Zitat

    Wie sieht denn dein Partner dieses Thema, redet ihr darüber? Ich könnte mir vorstellen, das er da vielleicht eine etwas andere "weniger besorgte" Ansicht hat.

    Nein, im Gegenteil. Er hatte deshalb von Anfang an Bedenken, die Beziehung überhaupt einzugehen. Nicht, weil es nicht gepasst hätte - wir passen unglaublich gut zusammen, aber ihm macht die Vorstellung sehr zu schaffen, dass ich "zurückbleiben" werde. Und ich war diejenige, die gesagt hat: Mir egal, ich will dich, auch wenn wir nie goldene Hochzeit miteinander feiern können. Es zählt das Hier und Jetzt.


    Der Meinung bin ich auch immer noch, aber ich inzwischen ertappe ich mich halt immer öfter dabei, zu rechnen. Denn bei allem Optimismus, muss ich mir schon eingestehen, dass sich unser gemeinsames Leben in absehbarer Zeit a) ändern wird und b) stark begrenzt ist. Ich wollte das so, denn ich wollte ihn - deshalb will ich jetzt auch gar nicht undankbar sein. Wir sind schon etliche Jahre zusammen und die möchte ich auf keinen Fall missen. Aber Angst habe ich trotzdem.


    Ihr habt natürlich Recht, dass das alles nichts hilft und es blöd wäre, die schöne Zeit, die bleibt, durch solche Gedanken zu trüben, aber irgendwie kann ich diesen Aspekt immer schlechter verdrängen. Ist sowas schon ein Fall für eine Therapie, was meint ihr?


    Danke auf jeden Fall schon mal für eure lieben Zeilen. Tut gut, sich mal mit Außenstehenden, die nicht direkt "betroffen" sind (weil es nicht um ihren eigenen Tod geht - denn das macht es schon ein bisschen schwierig, mit meinem Partner darüber zu sprechen) auszutauschen.

    Was sollte ein Therapeut schon sagen. Wird wohl eher in der Kindheit nach der "Ursache" graben, anstatt eine klasse Krankenschwester aus dir zu machen.


    Wie immer im Leben soll man Aufmerksam sein und Lernen. Nicht alle Krankheiten sind für Angehörige leicht zu meistern, aber alles zu seiner Zeit und unter Umständen hilft dann eine Selbsthilfegruppe eher weiter.

    Na ja, und wenn man tatsächlich zurückbleibt, kann man sich doch auch wieder verlieben. Warum sollte der dann nicht auch älter sein, wenn man drauf steht??


    Ich habe 3 Männer begraben müssen in meinem Leben und sollte es mich noch einmal erwischen mit einer großen Liebe, dann werde ich sie ebenso genießen wie die davor.


    Warum kann man nicht einfach positiv denken???

    @ Bohemia

    Zitat

    (weil es nicht um ihren eigenen Tod geht - denn das macht es schon ein bisschen schwierig, mit meinem Partner darüber zu sprechen)

    Natürlich ist sowas unangenehm. Vielleicht wäre es sogar taktlos, ich weiß es nicht. Aber ihr habt doch ein sehr enges Verhältnis zueinander. Wie verhältst du dich dann momentan ihm gegenüber? So wie immer, oder färbt sich dein Kummer schon auf dein Verhalten ab? ???


    Wenn ihr euch im Arm haltet und du ihm sagst, dass du angst vor der Zukunft hast, dann kann er sich gegebenenfalls auch öffnen? Vielleicht fühlt er momentan ja genauso?


    Dann muss keiner diesen Kummer mit sich alleine ausmachen, verstehst du? :°_

    Zitat

    aber irgendwie kann ich diesen Aspekt immer schlechter verdrängen.

    Verdrängen ist gar nicht gut !!! :|N


    Ich weiß, heutzutage wird in jeder Situation Stärke verlangt, aber damit tust du dir letztendlich keinen gefallen. Und deinem Mann auch nicht. Der Kummer löst sich doch nicht in Luft auf, wenn man diesen verdrängt. Wichtig ist reden, reden, reden !

    Zitat

    Ist sowas schon ein Fall für eine Therapie, was meint ihr?

    Das kann ich leider nicht sagen, doch du könntest ja mal um einen unverbindlichen Gesprächstermin bitten.


    Klar ist doch, dass dich das unglaublich belastet. Warum den also nicht nach einer emotionalen Stütze suchen? :°_

    @ BenitaB.

    Zitat

    Na ja, und wenn man tatsächlich zurückbleibt, kann man sich doch auch wieder verlieben. Warum sollte der dann nicht auch älter sein, wenn man drauf steht??


    Ich habe 3 Männer begraben müssen in meinem Leben und sollte es mich noch einmal erwischen mit einer großen Liebe, dann werde ich sie ebenso genießen wie die davor.


    Warum kann man nicht einfach positiv denken ???

    Das kann ja alles sein, doch es hilft der TE jetzt mal überhaupt nicht !


    Bei 3 Männern bist du vielleicht schon "abgebrüht", doch die TE scheint es überhaupt nicht gut zu gehen. Da finde ich deine Zeilen jetzt ziemlich daneben ... :(v

    @ aug233

    Zitat

    Lass die Finger von Therapeuten - das bringt nix!

    Woher willst du das wissen? Hast du schlechte Erfahrungen gemacht? Und falls ja,


    was haben DEINE schlechten Erfahrungen mit der TE zu tun?


    Wenn sie jemanden zum reden braucht, dann kann sie es ja wenigstens mal versuchen.

    Zitat

    Ich werde einen Großteil meines Lebens ohne meine jetzigen Freunde und ohne meine große Liebe verbringen müssen. Vielleicht kommt alles anders als man denkt und ich sterbe plötzlich und unerwartet durch einen Unfall oder eine Krankheit. Ich weiß, dass man vor so etwas nie gefeit ist.

    Das sind ureigenste selbstgemachte Horrorgedanken. Niemand wird zu solchem Denken gezwungen.


    Zeugt auch davon, dass man nicht im Augenblick und im Jetzt lebt. Wenn man bemerkt, dass man wieder in im wahrsten Sinne tödliche Gedanken abschweift, sollte man sie korrigieren. Jetzt und hier lebt XY. Ich genieße das jetzt. Punkt.

    Zitat

    Na ja, und wenn man tatsächlich zurückbleibt, kann man sich doch auch wieder verlieben. Warum sollte der dann nicht auch älter sein, wenn man drauf steht??


    Ich habe 3 Männer begraben müssen in meinem Leben und sollte es mich noch einmal erwischen mit einer großen Liebe, dann werde ich sie ebenso genießen wie die davor.


    Warum kann man nicht einfach positiv denken ???

    dazu dann dies

    Zitat

    Das kann ja alles sein, doch es hilft der TE jetzt mal überhaupt nicht !


    Bei 3 Männern bist du vielleicht schon "abgebrüht", doch die TE scheint es überhaupt nicht gut zu gehen. Da finde ich deine Zeilen jetzt ziemlich daneben ...

    Ich finde schon, dass statt sich schon den Rest des Lebens ausmalend vorzustellen, man müßte ohne ein Liebe leben, durch meine Gedankenansätze ersetzt werden können.


    Und was heißt hier überhaupt, ich sei abgebrüht. Das finde ich schon unverschämt. Was weißt Du von meiner Trauer um meine geliebten Menschen? Wenn man auf die 70 zugeht, ist es eben so, dass Menschen die eben bedeutend älter waren (der letzte war 18 Jahre älter) vor einem gehen.


    Und dass ich in meinem Leben wieder mich liebenden Menschen begegnen durfte, empfinde ich als tiefe Gnade und nicht abgebrüht.

    Bei meiner Kenntnis der Therapeutenschar habe ich eben Bedenken. Es könnte klappen mit einer sehr jungen Therapeutin, die sich im ersten Gespräch offen für eine Partnerschaft mit dieser Differenz findet.


    Und dann ist es für die TE wichtig, dass die Therapeutin nicht in den Urtiefen zu forschen anfängt, warum eine Frau in dem Alter sich eine Vaterfigur als Partner aussucht und nicht mit einem gleichaltrigen Mann zurecht kommt! Dann wären die Gespräche für die Katz, weil die TE ihre Beziehung verteidigen möchte und es geht nicht mehr darum, welche Probleme ihr diese Beziehung bereitet und wie sie mit denen umgehen kann.

    BenitaB., lass dir deine vorhergehenden Beziehungen nicht mies machen! Erst im Rückblick über einige Lebensjahrzehnte kann man feststellen, dass es durchaus glückliche Beziehungen zu verschiedensten Menschen gegeben hat; manche Beziehung endet nicht zwangsläufig mit dem Tod des Gegenübers.

    @ aug233

    Zitat

    Und dann ist es für die TE wichtig, dass die Therapeutin nicht in den Urtiefen zu forschen anfängt, warum eine Frau in dem Alter sich eine Vaterfigur als Partner aussucht und nicht mit einem gleichaltrigen Mann zurecht kommt!

    Papperlapapp! %-|


    Erstens hat die TE nie gesagt, dass sie mit gleichaltrigen Männern nicht zurechtkommt. Sondern nur, dass sie gleichaltrige nicht anziehend findet und eben ältere Männer bevorzugt. Ich sehe hier kein "Problem", das korrigiert werden muss.


    Zweitens wird kein seriöser Therapeut an Stellen graben bzw Dinge thematisieren, die für die momentane Problematik der TE nicht von relevant sind. Sie ist glücklich mit ihrem Mann und schon seit Jahren mit ihm zusammen. Warum um Gottes willen sollte ein Therapeut das ändern wollen? Weil es nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht?


    Mein Therapeut weiß z.B das ich in einen 26 Jahre älteren Mann verliebt bin. Seine Reaktion: Solange sie glücklich sind, ist doch alles ok.


    Man geht doch nicht hin, um sich umprogrammieren zu lassen. Man geht hin, um belastende Angelegenheiten, Probleme, Traumata etc zu verarbeiten.


    Wenn die TE ein Problem mit ihrer Vorliebe hätte und das ändern möchte, ja dann würde man zusammen daran arbeiten. Dann, aber auch nur dann!


    Du magst ja deine Erfahrungen gesammelt haben,


    doch es ist nie klug, von sich auf andere zu schließen. Es gibt immer Abweichungen !

    Zitat

    Man geht doch nicht hin, um sich umprogrammieren zu lassen. Man geht hin, um belastende Angelegenheiten, Probleme, Traumata etc zu verarbeiten.

    Da hast du zweifelsfrei recht, dennoch verstehe ich, was aug233 meint. So eine Therapie hat immer auch eine gewisse Eigendynamik. Das belastende Problem (allein zurück bleiben) soll bearbeitet werden. Da könnte es zugrundeliegende Erlebnisse in der Kindheit geben, denn der Mensch scheint so gestrickt zu sein, dass er sich immer wieder in vertraute Situationen begibt, auch wenn sie belastend sind. Hätte die TE also - hypothetisch, und nur um die Therapie-Argumentation zu verdeutlichen, ich unterstelle nicht, dass es auf die TE wirklich zutrifft - in der Kindheit das Erlebnis gemacht, von einer wichtigen Bezugsperson allein gelassen worden zu sein, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie sich im Erwachsenenalter wieder in ein ähnliches Beziehungsmuster begibt. Dabei muss sie gar nicht zwingend wirklich allein gelassen worden sein, es reicht schon wenn sie sich allein oder zurückgelassen fühlte, um später wie durch Zauberhand jmd zu finden, der genau diese Wunde der Kindheit wieder bedient.


    Es kann also durchaus sein, dass durch eine Therapie, die aktuelle Probleme erleichtern soll, tiefere Konflikte aufgedeckt werden, und man dann viel erstmal mehr "Ärger" hat als davor, und auf einmal seine gesamte bisherige Lebensführung im Aspekt Beziehungen zu hinterfragen beginnt.


    Wenn ich es mir recht überlege, würde ich bei einem Therapiewunsch in diesem Fall eher zu einer Verhaltenstherapie raten als zu einer tiefenpsychologisch fundierten Therapie.

    BebeUltime:

    Zitat

    Papperlapapp!

    Rückschluss von der Erfahrung mit einem Therapeuten in der Republik auf mehr als 10.000. Unabhängig von der TE und ihrer berechtigten Frage, ob ein Therapeut für sie ein Gesprächspartner sein könnte: was haben diverse User im Forum Psychologie von ihren Erfahrungen mit Psychotherapeuten berichtet? Wie viele haben zunächst gesucht und gesucht und dann endlich einen gefunden? Oder auch nicht gefunden und mussten auf die Kostenerstattung ausweichen?


    Unabhängig von der TE: wenn jemand einen Therapeuten braucht dann ist es entweder Zufall und Glück, dass er gerade an den passenden gerät oder er hat das Glück eines aufmerksamen Hausarztes, der vergleichbare Fälle und deren Erfahrung mit bestimmten Therapeuten kennt. Wenn ein solcher Hausarzt sagt: "probieren Sie es bei...; das könnte für Sie von Vorteil sein...", dann ist mehr gewonnen als jeder noch so gut gemeinte Rat hier.

    Zitat

    Ist sowas schon ein Fall für eine Therapie, was meint ihr?

    Ich denke, es ist ein Fall für ein "Mantra". Ich nenne es jetzt mal so. Ein Satz, ein Trost, irgendwas, das Dein Denken dazu bringt, mit der Situation wieder Frieden zu schließen.


    Im Prinzip eine Synthese aus den Fakten, dass Du ihn deswegen nie verlassen würdest, dass es ein riesiges Glück ist, dass Du mit der Liebe Deines Lebens (überhaupt) zusammen sein kannst, usw.


    Allerdings kann ich mir den Schmerz vorstellen, der in Dir aufsteigt, wenn Du Dir vorstellst, wie es ist, ihn viel zu früh gehen lassen zu müssen.


    Du musst im Prinzip, da es so absehbar ist, bereits mit einer Art Trauerarbeit beginnen, obwohl er noch an Deiner Seite ist. Und wenn er geht, ist es unwiderruflich und der Schmerz, der mit dem Gedanken verbunden ist, ist sicher nicht so einfach zu verdrängen.


    Es ist ja auch eher ein Gefühl, als ein Gedanke, der sich Dir aufdrängt. Und das wegzuschieben wäre blöd, weil es für Gefühle ja immer Gründe gibt, die eben einen Weg zeigen...


    Wenn ein Therapeut bei so einer Sache helfen kann, warum nicht. Du bist sicher nicht die erste mit diesem Problem. Vielleicht schreibt hier auch noch jemand mit einer ähnlichen Geschichte und wie er es verarbeitet. Das wäre gut.

    Ok, ich sehe, da gehen die Meinungen weit auseinander, was eine Therapie betrifft. Vielleicht wäre eine Selbsthilfegruppe gar keine schlechte Alternative, da es mir vor allem darum geht, meine Ängste in einem geschützten Rahmen mal ohne Scheu ganz offen aussprechen zu dürfen (ohne Gefahr zu laufen, meinen Partner dadurch zu verletzen) - quasi so wie hier. Das hilft mir schon.

    Zitat

    Wenn man bemerkt, dass man wieder in im wahrsten Sinne tödliche Gedanken abschweift, sollte man sie korrigieren. Jetzt und hier lebt XY. Ich genieße das jetzt. Punkt.

    So handhabe ich das bislang auch. Ich "verbiete" mir die Gedanken quasi. Bringt nichts, weitermachen, glücklich sein, so lange es eben geht, Punkt. Und irgendwie geht es immer weiter im Leben. Aber manchmal holen sie mich ein... da liege ich dann wach und na ja.

    Zitat

    Wie verhältst du dich dann momentan ihm gegenüber? So wie immer, oder färbt sich dein Kummer schon auf dein Verhalten ab? ???

    Ich denke nicht, denn in den einzelnen Momenten mit ihm bin ich schon sehr glücklich. Da gibt es keine trüben Gedanken. Noch nicht. Zum Glück. Da genieße ich einfach und freue mich über unser Leben. Nur manchmal wenn er schon schläft und ich wach liege, da kommen die Gedanken... manchmal gerade nach besonders schönen Erlebnissen. Da werde ich dann wehmütig und denke, wie oft werden wir das noch erleben können (Urlaub z.B. oder Weihnachten usw.)

    Zitat

    Wenn ihr euch im Arm haltet und du ihm sagst, dass du angst vor der Zukunft hast, dann kann er sich gegebenenfalls auch öffnen? Vielleicht fühlt er momentan ja genauso?

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass bei ihm immer öfter ähnliche Gedanken aufkommen, weil er sie wie gesagt von Anfang an hatte. Aber es fällt schwer, darüber zu reden. Weiß auch nicht, ob ich ihm damit einen Gefallen tun würde, wenn ich sie jetzt thematisiere. Das macht es sicher nicht leichter für ihn.


    Er sagt aber immer öfter Dinge wie "Versprich mir, dass du dies und das irgendwann nochmal machst, auch ohne mich, dein Leben geht weiter, auch wenn ich mal nicht mehr an deiner Seite bin" :°(

    Das alles erinnert mich ein wenig an eine frühere Beziehung, die ich mit einer Frau bis vor kurzem hatte, die 22 Jahre jünger war.


    22, das ist zwar fast nur halb so viel wie 40, aber dennoch..


    Dabei ging es nicht darum, dass ich früher sterben könnte, ich war erst 43, auch wenn man natürlich in jedem Alter sterben kann.


    Die Gedanken waren andersherum.


    Wir genossen die Zeit miteinander sehr, auf allen Ebenen. Für beide war es ein Traum.


    Ich genoss den Traum.


    Mir war aber gleichzeitig bewusst, dass dieser Traum nicht "ewig" dauern darf.


    Warum nicht? Gab es etwa unausgesprochene, unter den Teppich gekehrte Probleme? Nein.


    Es war mein eigener Wunsch, dass dieser noch so junge Mensch diese jungen Jahre nicht nur mit jemandem verbringen darf, der ungefähr doppelt so alt ist wie sie. Sowohl in körperlicher Hinsicht als auch geistig.


    Mich plagten keine Gedanken, was passieren könnte.


    Nein. Es war eher ein Gefühl von Verantwortung.


    Verantwortung für sie.


    Man kann jetzt einwenden: Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich und sie mit 21 war zwar noch sehr jung, aber eben auch ein erwachsener Mensch.


    Ja. Stimmt. Aber eben auch ein Mensch mit viel weniger Erfahrung im Leben.


    Jahre der Jugend kommen nie wieder und sie sollen voll ausgelebt werden. Ich finde idealerweise mit jemandem, der nicht viel älter ist, auch wenn ich bei fast allem mitgehen konnte und trotzdem.


    Irgendwann konnte ich es dann eben nicht mehr verantworten und musste den sehr schmerzlichen Weg gehen, nach Möglichkeiten zu suchen, die für beide das Beste sind.


    Aber, nein. Nicht wie jetzt vielleicht einige denken könnten: Ich habe mich nicht einfach getrennt, sondern alles nur Erdenkliche getan, damit sie sehr viele Gelegenheiten bekommt, sehr viele nette, junge Männer kennenzulernen.


    Man wird jetzt unausweichlich an Verkuppeln denken. Aber das war es definitiv nicht.


    Ich sorgte nur dafür, dass sie viel Austausch mit vielen netten Menschen hat, neue kennenlernt etc.


    Bis es dann kam, wie es kommen musste.


    Ich war dann traurig, aber auch erleichtert. Die Trennung war schmerzlich, aber sie hatte auch einen freudigen Aspekt. Und auch ihr tat es gut, zu sehen, dass ich mit der Trennung gut umgehen konnte.


    In all der Zeit aber, da ich dieses Gefühl der Verantwortung hatte und den Wunsch in mir spürte, dass diese Beziehung nicht ewig dauern darf, in all dieser Zeit konnte ich mich trotzdem immer ganz und voll hingeben und das Schöne genießen.


    Trotz des mich nie verlassenden Gefühls, dass "es" nicht zu lange dauern darf.


    Denn: Wozu etwas kaputt machen, für etwas (die Trennung), das noch nicht ist?


    Warum in Traurigkeit versinken, während ich doch so glücklich war.


    Alles hat seine Zeit. Die Zeit des Zusammenseins war die Zeit des Glücklichseins.


    Die Zeit der Trauer würde auch kommen und dann würde ich mich auch ihr hingeben.


    Aber jetzt, während wir zusammen waren, war es eben eine andere Zeit und die und nur die galt es zu leben.


    Man kann nicht in zwei verschiedenen Zeiten gleichzeitig leben.