Alkohol in Lebensehe um 60 - Überwachung/Trennung/Verantwortung

    Es geht um meine "Eltern".


    Sie - meine Mutter, 60, berufstätig Mo-Fr 7-15 Uhr, Sa und So zuhause. Arbeitet noch ca. 5 Jahre für ein gutes Einkommen des Paares. Ziemlich bestimmend, sehr aktiv, Ton angebend, Dinge anpackend. Großes soziales Umfeld. Redet viel.


    Er - an sich mein Stiefvater (seit ich 5 Jahre war, also seit 32 Jahren), heute 73, seit ca. 10 Jahren in Rente zuhause, vorher viel gearbeitet und viel für die Beziehung getan, nun daheim mit Hund. Er mit einem ernsthaften Alkoholproblem. Kaum soziale Kontakte unabhängig (nur über meine Mutter als "Anhängsel"), redet sehr wenig. Hängt sich halt mit dran. Seit dem Rentnerleben ist bei ihm "die Luft raus". Hatte einige soziale Kontakte (Kollegen von der Arbeit), die aber auch aufgegeben, weil diese Kontakte ihn bei den Treffen zu viel Alkoholtrinken (ach trink doch noch ein Bier, Wein"verkostung" mit 6-10 Flaschen für 4 Personen) animiert hatten. Bekam zu Arbeitszeiten viel Alkohol auf Arbeit geschenkt (jede Woche von polnischen Gastarbeitern eine Flasche Wodka, wir hatten an die 50 Flaschen Wodka im Keller der alten Wohnung, keiner hatte da noch den Überblick, was kam und was ging an Flaschen). Auch aus meiner Sicht waren es schlechte Kontakte durch die Verbindung zu Alkohol.


    Beide verheiratet seit 28 Jahren, wohnen zusammen in einer gemeinsamen Wohnung, hocken sehr viel aufeinander. Beide studiert, gutes Bildungsniveau und "Kopfarbeiter" (sie Rechenzentrum, er Gießerei-Ingenieur und dann im Vertrieb gearbeitet). Humor in dem sich beide ergänzen. ??Aber sexuell läuft seit Jahren nix mehr - eigene Aussage von beiden. Belastet meine Mutter etwas, aber sie käme damit klar, sagt sie. Aber einen Alki im Bett will sie nicht mal zum Kuscheln.??


    Ich wohne von beiden ca. 5 km weg. Ich bin dort so alle 1-2 Wochen mal für ein paar Stunden.


    Ich bin 37, gute Bildung, noch keine längere Beziehung, noch nie Alkohol (mein biologischer Vater (bis 5 Jahre) und jetzt wieder Kontakt hat auch ein Alkoholproblem, das wollte ich für mich ausschließen).


    Ich eröffne das mal bewusst im Forum "Beziehung" und nicht unter Suchtprobleme. Denn der Alkoholsüchtige sieht das Problem nicht, streitet es ab und wählt in der Auseinandersetzung schnell die Opferposition und wird unsachlich: "Früher war ich gut genug, jetzt nicht mehr, dann steckt mich doch ins Heim!". Und damit ist es ein Beziehungsproblem. Eines von mir zu meinem Vater, eines von mir zu meiner Mutter, eines zwischen meiner Mutter zu ihrem Mann. Meine Mutter macht ihm phasenweise viele Vorwürfe (richtig so bäng, bäng, bäng: hier was falsch, da was falsch, du wolltest hast, warum hast du nicht, das volle Programm) und weint dann theatralisch, hätte also gern die Opferposition für sich. Ein richtiges Streitgespräch halten beide nicht aus - sondern wollen Versöhnung.


    Problem: Mein Vater (bitte immer als Stiefvater zu lesen) trinkt tagsüber Alkohol. Meine Mutter (und ich auch) riecht seine Fahne immer mal (so ab und an, vielleicht 10x im Monat wo sie es aktiv mitbekommt), sieht es an versteckten Flaschen und an mehr Geld, das er vom gemeinsamen Konto abhebt als für die Einkäufe benötigt sind, und wo sie vermutet, dass es für Alk verwendet wird, er streitet es ab und sagt ist auch sein Geld und ist keine Rechenschaft schuldig. Aber sie weiß es nicht sicher, wie er seinen Tag verbringt, sie ist ja auf Arbeit und er ist daheim, er kauft ein, er geht mit de Hund, und so.


    Zu dem Altersunterschied von 13 Jahren, wo er schon mal vergesslich ist und auch beim Spazierengehen/Wandern/Sachen unternehmen/Reisen nicht mehr so kann - während meine Mutter noch recht fit ist, kommt so ein Unterschied, wo er sich eben betrinkt und dann wirres Zeug redet, mehrfach die einfachsten Sachen nachfragt, sich Sachen nicht merken kann. In den Phasen fühlt es ich an, als wäre er mindestens 85 und pflegebedürftig.


    Problem: wir kommen in der Familie an die Ursachen nicht ran.


    Mein Vater nimmt seine Medikamente (Betablocker, was gegen Bluthochdruck, weiteres) nur sehr unregelmäßig und nicht in Absprache mit der Ärztin. Außerdem trinkt er wenig Flüssigkeit/Wasser (nicht-alkoholisches) an sich (auch mal unter 0,5 Liter am Tag, 1 Liter wäre schon viel). Er ist nicht dement (Schädel-CT ohne Befund).


    3 Mal ist er im Verlauf des letzten Jahres schon zusammengebrochen: 1x bei sich zuhause (nachts, dann meine Mutter weggestoßen), 1x bei mir in der Wohnung (mittags, halt wie einschlafend und dann wieder über 2h zu sich gekommen), 1x auf dem Weihnachtsmarkt (Mutter+Vater zusammen dort, gleich beim ersten Nippen Glühwein Zusammenbruch, danach Klinik => umfangreiche Untersuchung, nach 5h entlassen, chronischer Alkoholmissbrauch steht in der Liste mit drin, aber sonst so richtig als Auslöser an dem Tag nix zu finden, überwiesen an Neurologe, dort war er aber schon im letzten Jahr und die hatten auch nix).


    Probleme:


    1) Mein Vater behauptet, kein Alkoholproblem zu haben, meine Mutter ist vom Gegenteil überzeugt. Auch ich bin mir sicher, dass man schon von Alkoholsucht sprechen kann.


    2) Mein Vater denkt, körperlich gesund zu sein. Dabei hat er viel Übergewicht, hat (für alles mögliche, siehe oben) ca. 4-6 Tabletten am Tag verschrieben. Von außen entsteht bei mir der Eindruck: er will seine Gesundheit ruinieren, vielleicht sogar seinen Tod auf diese Art vorziehen.


    3) Vater hat keine Bereitschaft zu einem klinischen, überwachten Entzug.


    An sich brauchen wir Daten und Fakten über sein Alltags-Verhalten:


    * Fährt er "mit Spiegel" Auto?


    * Wann trinkt er welche Mengen?


    * Welchen Ausschlag gibt der Alkohol (welche Mengen eigentlich? ist nicht objektiv rauszukommen.), welchen das Alter, welchen die weggelassenen Medikamente, welchen das wenige Wassertrinken?


    * Sprachproblem: "nicht alkoholische Getränke trinken" und "Alkohol trinken".


    Meine Mutter will die Beziehung zu ihrem Mann, dann, wenn er nicht Alkohol trinkt, sich seiner gesundheitlichen Probleme bewusst wird und aktiv was dagegen tut. Dann ist er ein guter Partner, mit dem sie auch lachen kann. Sonst auf die 13 Jahre Unterschied wird schon Rücksicht genommen. Sie schreckt aber die Vorstellung ab, dass ihr Mann alleine wirklich nicht klar käme. War schon mal so: sie 3 Wochen in einem fernen Land im Urlaub, für ihn einen Plan gemacht: Vorschläge für Essen, Vorschläge für Aktivitäten, die er machen soll. Was hat er getan: sich betrunken in der Zeit, Kette geraucht in der Wohnung, gewartet, dass die Zeit vorbei geht und sie wieder kommt, jeden Tag gewartet auf ihren Anruf aus der Savanne, obwohl sie ihm davor gesagt hat, da gibt's nix zum Anrufen.


    Von meinem Vater habe ich den Eindruck, er will einfach in Ruhe gelassen werden. Und siechen bis sich die Kiste schließt. Eher selten (wenn er vorher weniger getrunken hat, wenn sich dann noch zusätzlich meine Mutter mal zurückhält, und wenn er dann noch mal Aktivität entwickelt) kommen mal Aktivitätspunkte von ihm, aber durch die hohe Aktivität meiner Mutter (organisiert alles, regelt alles, kümmert sich sehr aktiv) ist auch nur wenig nötig oder erforderlich. Er will sich einfach weiter an meine Mutter ranhängen. Allein würde er kaum klar kommen. Bei einer Trennung müsste auch er ja aktiv werden (meine Mutter würde verlangen, dass er aus der gemeinsam gemieteten Wohnung auszieht und sich was sucht), das schafft er meines Erachtens nicht. Würde sich vermutlich in den Tod saufen. Auch wenn sie auszieht, würde er sich nicht kümmern, sondern vermutlich in der Wohnung verenden.


    Mein Vater ist an sich mündig, aber er würde allein zugrunde gehen. Betreutes Wohnen (Übergang von Alleinleben zu dann später pflegebedürftig leben) wäre an sich noch das Beste für ihn, falls es zur Trennung kommt.


    Was es schon gab: Eigenentzugsversuche meines Vaters über ein paar Wochen -> da ist er auch zusammengebrochen (damals bei mir). Sind immer nur Phasen, die wieder vorübergehen. An sich bräuchte er eine Begleitung dabei in einem überwachten, klinischen Rahmen.


    Fragen an euch:


    In dieser "Gesamtwetterlage": wieviel darf diese Frau / ein Sohn tun, um diesen Mann auch konfrontativ wieder vom Alkohol wegzukriegen (richtig und dauerhaft) und wieder den Mann zu haben, der er sein kann? Videoüberwachung in der Wohnung für die Zeiten von ihm alleine? Seine ec-Karte nach Argumentation und Geld reduzieren, damit er keinen Alk kaufen kann? Noch seine Autoschlüssel beschlagnahmen, damit er kein Auto fährt (Alko-Tester im Auto lehnt er ab, habe ich schon versucht)? Und wäre eine Trennung verantwortungsvoll?


    Ist der Wille dieses Mannes überhaupt wirklich noch sein Wille, oder ist auch dieser Wille vom Alkohol betroffen?


    Seht ihr andere/neue Lösungsansätze in dem ganzen? Würdet ihr euch als Sohn eher raushalten (passiv abwarten) oder einmischen (aktiver einmischen)?


    Irgendwie suche ich noch so ein bisschen den Ausweg daraus.

  • 15 Antworten

    Grundsätzl. könnt ihr gar nichts tun. Solange er noch zurechnungsfähig ist, keine Chance. Da helfen, wenn überhaupt, nur Gespräche mit ihm. Er muss einsehen, dass sein Tun nicht gut ist und es dann evtl. verändern. Aber ich mache dir da keinen Mut. Das, was du beschrieben hast, klingt nicht gut. Er ist uneinsichtig und ihr seid, leider, ohne Handhabe.


    Vllt immer nahe am Geschehen bleiben und Chaos abwenden, wenn mögl. Vor allem immer in Gespräch bleiben. Notfalls auch mal prof. Hilfe hinzuziehen.


    Alles Gute. :)*

    Könnte es sein, dass er auf Grund von Depressionen zum Alkoholiker wurde?


    Gerade der Jobverlust durch den Rentenbeginn führt bei so manch einem Mann zu Depressionen.


    Man einer fühlt sich unnütz, wertlos und abgeschoben.


    Würde es was helfen, wenn er sich vom Hausarzt durch checken lässt und der ihm sagt, wie es gesundheitlich um ihn bestellt ist?

    Hallo Alias,


    hast du noch Geschwister/Halbgeschwister oder bist du als Einzelkind aufgewachsen?


    Haben deine Eltern noch Geschwister oder Verwandte und enge Freunde, die sehr nahe an sie rankommen?


    Was ist mit deinem leiblichen Vater? Ich frage erst Mal nur wegen den möglichen Belastungen und wie man sie, systemisch gesehen, vielleicht gemeinsam tragen könnte.

    Zitat

    Könnte es sein, dass er auf Grund von Depressionen zum Alkoholiker wurde?


    Gerade der Jobverlust durch den Rentenbeginn führt bei so manch einem Mann zu Depressionen.

    Er sieht sich nicht als Alkoholiker. Depressionen: naja, ist schwierig zu beurteilen. Er hatte zwischendurch mal depressive Gedanken (meine Einschätzung, keine med. Diagnose), was sich aber wieder gelegt hat. An sich kann er sich seit 10 Jahren als Hausmann begreifen: räumt den Geschirrspüler ein und aus (mit Hang zur Pedanterie), kauft ein, geht mit dem Hund, liest Zeitung, saugt Staub, macht kleine aufgetragene Erledigungen. Seine (recht gute) Rente geht ins monatliche Einkommen, auch wenn meine Mutter nun derzeit mehr verdient. Und das ja noch 5 Jahre so vor hat. Die Depressionen halte ich dann für wahrscheinlich, falls sich meine Mutter von ihm abwenden sollte. Aber so eine Quasi-Erpressung ist doch auch keine Beziehungsgrundlage.

    Zitat

    Man einer fühlt sich unnütz, wertlos und abgeschoben.


    Würde es was helfen, wenn er sich vom Hausarzt durch checken lässt und der ihm sagt, wie es gesundheitlich um ihn bestellt ist?

    Meine Meinung: Hausärzte checken nicht durch. Die klopfen überall mal, bitte mal husten, Gelenke bewegen, das war's. Und das große Programm (mit Radiologie) gab es in der Klinik, da gab es auch eine mehrseitige Diagnose. Und würde er auf die Meinung des Hausarztes viel geben, würde er ja seine Tabletten nehmen. Andererseits muss aber ein Mensch auch mal sagen können: nein, mir geht es ohne Medikamente besser. Aber eben nur ein Mensch, der seinem Körper vertrauen kann. Und wer alkoholsüchtig ist, dort frage ich mich, ob dieses Vertrauen (auch ins Gehirn als Steuerungszentrale) wirklich gut ist.


    Naja und das zweite: ich glaube, eine differenzierte medizinische Diagnose überfordert sein Erinnerungsvermögen. Wenn es für ihn schwierig ist, sich einfache Sachen zu merken (Bitte kaufe morgen 2 Doppelbrötchen, 1 Kartoffelbrötchen und 1 Vollkornbrötchen), was er sich dann sogar aufgeschrieben hatte und trotzdem 6 Doppelte und 7 Vollkornbrötchen kauft (kam 1x vor, sonst halte ich ihn für verlässlich beim Einkaufen, aber ich bekomme auch nicht alles mit), schafft er es dann wirklich, sich eine med. Diagnose zu merken und zu verstehen, was das für ihn bedeutet?


    Mal angenommen, der Arzt ginge auf Kopf, Herz, Leber, Niere, Darm, Lunge, Haut, Blut ein? Und die Wirkung der 6 verschriebenen Medikamente? Früher war er recht oft bei Ärzten (oder ich habe es nur mehr mitbekommen), in glaube, jetzt ist das weniger. Vor dem Check beim Hausarzt legt er eine Eigenentzugsphase/Reduktionsphase ein. Trotzdem kennt die Hausärztin das Alkoholproblem, hat auch schon mit meiner Mutter drüber gesprochen nach Entbindung der Schweigepflicht. Denn die gilt ja auch ggü. Ehepartnern des Patienten.


    Zuhause hat er 2 Sachen: ein Blutdruckmessgerät - das macht er seit bestimmt 15 Jahren und ich glaube, das hat er raus wie das geht und was das heißt, seit ca. 6 Monaten ein ordentliches Atemalkoholmessgerät (das nimmt er nur widerwillig auf sehr explizite Aufforderung) eigentlich zur Selbstkontrolle. Aber Sucht heißt ja auch nicht nur, dass der Wille zählen würde, sondern auch das Alkohol weglassen können wird schwierig. Ich wollte vor allem, dass er sich selbst kontrollieren kann, bevor er Auto fährt, auch mit anderen. Manchmal macht er einige Wochen einen Entzug, aber länger als 4 Wochen schafft er das nicht. Oder sagt sich: ich bin ein freier Mensch, der auch mal Bier und Wein trinken will/kann. Aus meiner Sicht wäre der richtige Weg, Alkohol komplett zu streichen. Aber er fühlt sich dann unfrei und hatte da auch seine Negativerfahrungen (Entzugserscheinungen).


    Mir ist noch wichtig, dass ich ihn nicht nur als "den Alkoholiker" sehe. Er selbst wird auch nicht gern darauf angesprochen. Aber wer wirklich mit ihm reden will, der muss genau wissen, was er trinkt und wann und wie. Aber das weiß keiner. Und er kann auch schlecht seine Unschuld beweisen. Bei jedem Tag alle 2h Röhrchen pusten und Werte aufschreiben, fühlt er sich wieder unfrei und dass die Forderer (Mutter, und ich) doch übertreiben würden. Was er nicht versteht: es gibt nur noch ein geringes Vertrauen, dass er es wirklich in den Griff bekommt. Mein Wunsch wäre so sehr, dass er mal die Chance sieht, die sich mit einem kontrollierten Entzug (im Rahmen eines stationären Aufenthaltes, ärztlich überwacht) für ihn ergibt!

    Zitat

    hast du noch Geschwister/Halbgeschwister oder bist du als Einzelkind aufgewachsen?

    Ich habe noch einen Bruder vom gleichen leiblichen Vater. Für mich ist vom Gefühl her mein leiblicher Vater auch mein gefühlter Vater. Für meinen Bruder ist der Stiefvater der gefühlte Vater (er war damals bei der Scheidung unserer leiblichen Eltern erst 3 Jahre alt, ich schon 5 Jahre alt).

    Zitat

    Haben deine Eltern noch Geschwister oder Verwandte und enge Freunde, die sehr nahe an sie rankommen?

    Mein Vater nicht. Es gibt einen Verwandten (nur sehr selten da, sein Cousin), der ist nach Bekanntwerden des Problems durch die Wohnung meiner Eltern gefegt, hat allen Alkohol mitgenommen und entsorgt. Radikalansatz. Aber wenig nachhaltig, wenn jemand Geld und Suchtdruck hat.


    Meine Mutter hat noch einen Bruder, wohnt etwas weg, mit gutem aber seltenen Kontakt.


    Mutter+Vater haben gemeinsame Freunde, aber kaum eine Kultur ihre persönlichen Probleme oder medizinische Themen dabei zu besprechen und mal ehrlich: wer will sich das ernsthaft anhören? Alte Leute, die über ihre Krankheiten reden. Sie haben in dem Kontakt zu Freunden eher eine Lächelkultur und eine des Humors. Aber sie haben mithilfe von Freunden auch schon andere Einschnitte in ihrer Ehe gemeistert. Es dauert aber, bis sich gerade mein Vater da öffnet. Schon allein deshalb, weil meine Mutter so viel redet und sich nur schwer zurücknehmen kann. Dann sitzt er still daneben und lässt sie reden.


    Wenn schon mein Vater, Mutter und ich zusammen sind und ich will mit meinem Vater reden, geht das nur wenn ich quasi meiner Mutter den Mund verbiete: immer wieder muss ich sie dran erinnern, dass nicht sie jetzt an der Reihe ist, sondern sie ruhig sein soll, damit er reden kann. Ich mag meine Mutter an sich und ihre Art, aber in dem Vergleich wurde mir klar, wie sehr aktiv meine Mutter ist, und wie passiv mein Vater. Mein Vater spricht halt eher langsam, überlegt lange, und provoziert es geradezu, dass meine Mutter das nicht aushält. Meine Mutter ist eher ungeduldig, redet viel schneller und weiß oft alles besser und überstimmt ihn ungefragt. Zurückhaltung ist nicht gerade ihre Sache. :-) Ich denke, meine Mutter hat meinen Vater mit auf diese Langsamkeit konditioniert (Ach komm, lass das, ich mach das schnell.) Naja, und er hat eine pedantische Ader. Man kann sich das an einem Beispiel gut vorstellen: 7 Kartoffeln schälen. Macht meine Mutter in vielleicht 2 Minuten. Mein Vater bräuchte sicherlich mind. die dreifache Zeit. Die nimmt er sich auch. Er hat so eine Art passive Aggressivität. Wenn er unter Druck kommt, macht er Dinge eben noch langsamer - bis er wieder in Ruhe gelassen wird.


    Meine Mutter ist ziemlich beliebt, hat viele langjährige Freundinnen hier in der Stadt und außerhalb, fährt öfter auf Dienstreisen, trifft neue Leute, hängt viel am Smartphone und ist mit Gott und der Welt in Whatsapp-Gruppen, SMS, Telefon, E-Mail. Ich denke, sie würde schon klarkommen. Und findet auch andere Gesprächspartner als mich. Denn sie weiß, dass mich das auch belastet.


    Mein Vater hat nur sehr wenig Kontakte, kein Handy, kein E-Mail, kann keinen Computer bedienen, geht nur ungern ans Telefon, er wartet einfach so lange, bis meine Mutter rangeht - die macht schon alles. Wenn Besuch kommt (selbst seine Stieftochter), sitzt er eher daneben und ist passiv und streut dann und wann mal einen trockenen Witz ein. Aber neben dieser Frau hat er eben auch keine Bühne - so nenne ich das mal, manchmal ist er auch selbst ein Ziel von Spott, wenn er so lethargisch da sitzt. "Hey, nicht einschlafen!" Seine Probleme, Gefühle lässt er eher nicht nach außen, sondern frisst sie eher in sich rein. Richtig peinlich ist an sich, wenn meine Mutter dann sagt "Sag doch auch mal was!" Erst auf so eine Aufforderung wird er dann ein bisschen aktiv und erzählt mal einen Schwank oder eine Begebenheit. Dann, wenn er sich traut zu reden, und gerade nüchtern ist, dann bekommt er seine Sympathien. Aber eine richtig enge Beziehung hat er zu keinem Menschen - außer meiner Mutter. Im engeren Sinne ist sie seine einzige Bezugsperson. Ohne sie unternimmt er quasi nichts außer die täglichen Hundegänge am Vormittag. Aber auch da mit wenig Kreativität und viel Eintönigkeit. Mein Vater macht seine zuletzt seltener werdenden Arzttermine selbst - immerhin. Und er hätte Kontakt zu seiner Stieftochter (die sich aber wie eine Tochter anfühlt), aber die z.B. fast ununterbrochen raucht und nie einen Schulabschluss gemacht hat.

    Zitat

    Was ist mit deinem leiblichen Vater? Ich frage erst Mal nur wegen den möglichen Belastungen und wie man sie, systemisch gesehen, vielleicht gemeinsam tragen könnte.

    Ich habe nach Jahren der Trennung seit einigen Jahren wieder ganz guten Kontakt zu meinem leiblichen Vater. Er wohnt einige hundert km weg recht ländlich, wir sehen uns so 2-4x im Jahr für jeweils 1-2 Tage und telefonieren so alle paar Wochen mal eine Stunde. Er ist sehr direkt, will immer gleich ran an die Gefühle und wie es mir geht. Er mag meine Mutter noch immer, gibt mir kleine "Geschenke" (geangelten Fisch, Eier, gefrostete Kaninchen) für sie mit. Nach der Trennung von seiner 2. Frau ist er seit einigen Jahren zum 3. Mal verheiratet und dort mehr oder weniger (un)glücklich. Er hat eine komplexe Lebensgeschichte, die das hier nur weiter verlängern würde. Er (der leibliche Vater) ist manchmal depressiv und dann wieder ein dominanter Anpacker. Seine Gefühle kann er nur schwer für sich behalten, bei ihm muss das raus - wortreich dazu.


    Sorry, für die Länge. Ich finde, die Gesamtsituation braucht die Beschreibung und Details.

    Du schreibst sehr kluge, reflektierte, durchdachte Texte. Vermutlich weisst Du alles und es gibt nix, was irgendwer hier Dir dazu noch sagen könnte. Du kannst Dir eigentlich alle Deine Fragen selber bentworten.


    Man muss als Kind irgendwann mal loslassen und die uneinsichtigen saufenden Eltern saufen lassen - man kann eh nix tun. Die sind erwachsen und können eigene Entscheidungen treffen. Du bist nicht für sie verantwortlich.


    Relevant ist allerdings der Punkt, ob er mit Spiegel Auto fährt. Da wäre ich rigoros. Kann das verhältnis zueinander alleridngs auch endgültig zuerstören.

    Zitat

    Du kannst Dir eigentlich alle Deine Fragen selber bentworten.

    Mich interessieren ja gerade Meinungen und Einschätzungen von außen.

    Zitat

    Relevant ist allerdings der Punkt, ob er mit Spiegel Auto fährt. Da wäre ich rigoros. Kann das verhältnis zueinander alleridngs auch endgültig zuerstören.

    Richtig. An der Stelle würde mich interessieren: mal angenommen, ich nähme sein Auto (sie haben 2 Autos, seines und ihres), bringe es zu einer ordentlichen Werkstatt und lasse so einen Alkotester nachrüsten (Motor startet nur, wenn reinpusten und 0,0 rauskommt), Grenze wird dort auf 0,0 eingestellt. Kosten ca. 3000 EUR - also nicht gerade billig, aber immerhin billiger als jeder Unfall mit Personenschaden, der ihn und seine Frau finanziell ruinieren kann, wenn die Versicherung die Zahlung verweigert. Wie ist eure Meinung: könnte ich ohne sein Einverständnis tun? Er selbst will es nicht, er sagt, er würde nicht mit Spiegel oder betrunken Auto fahren. Mutter und ich wissen aber sicher, dass er dies mindestens ab und zu tut. Vielleicht auch öfter. Hier gibt's halt Unwissen über seinen Konsum und Spiegel.


    Mit anderen Worten: WIE würdest du den Vater denn vom alkoholisiert Autofahren abhalten? Was wäre dein rigoroser Weg?

    Zitat

    WIE würdest du den Vater denn vom alkoholisiert Autofahren abhalten? Was wäre dein rigoroser Weg?

    Einsehen, dass das nicht geht, wenn er es nicht will. Du müsstest die Polizei rufen, wenn er gerade betrunken fährt - dann gibt es gute Chancen, dass der Schein erstmal weg ist.


    Ansonsten, auch wenn's hart ist - den Vater seine Entscheidungen selbst treffen lassen. Wenn er trinken will, dann darf er das auch. Du bist da am besten Wege, co-abhängig zu werden - Alkotester nachrüsten ist einfach nicht dein Bier. Natürlich sind betrunkene Fahrer eine Gefahr für die Gesellschaft. Aber du hängst dich da wohl zu sehr rein. Du kannst einfach nix tun, wenn er nix tun will.

    Bei aller Liebe für Deinen Vater sollte Dir eins klar sein: Er ist alt genug um selbst über sein Leben zu bestimmen. er hat es im Griff, sich dem Problem zu stellen oder nicht. Auch wenn das aus Sorge um ihn natürlich weh tut, es ist seine Entscheidung, es steht im frei, sich ggf. zu Tode zu saufen. Mit 73 wird er sich vermutlich in seinem Status Quo ganz passabel eingerichtet haben, in dem Alter stellt man nicht mehr sein Leben komplett auf den Kopf. Warum sollte er also an dem Problem arbeiten? Solange er das nicht will, habt ihr keine Handhabe. Er ist weder dement noch fremd- oder eigengefährdend. Und ja, es ist auch sein Geld, da kann er mit machen, was er will.


    Wenn Deine Mutter dem aus dem Weg gehen will, bleibt ihr, da Druck auszuüben um das zu ändern, oder sich zu trennen. Die Ehe Probleme Deiner Eltern müssen die zwei lösen, nicht Du.


    u bist schon getrennt, ausgezogen, ein eigenes Leben lebend. Was Du machen kannst, ist dich emotional ein Stück weit zu lösen und zu versuchen, die Probleme Deiner Eltern nicht zu Deinen eigenen zu machen.

    @ Alias

    Der Einbau eines Alkoholtesters ist ja wohl das Lächerlichste was man tun kann. Mal davon abgesehen, dass ich die Zuverlässigkeit des Systems anzweifle, ist es doch keine Lösung des Alkoholproblems.


    Das wird bei ihm null Lerneffekt haben und er wird ihn schneller deaktivieren als du schauen kannst.


    Für diesen speziellen Fall hilft wirklich nur der Polizei einen Tipp geben, falls du vermutest, dass er betrunken unterwegs bist. Aber egal ob Polizei oder Alkoholtester, eine solche Maßnahme wird das Verhältnis zwischen euch zerstören.


    Ich verstehe nicht, warum du dich nicht einfach aus der ganzen Sache raushältst. Das Ganze geht doch nur deine Mutter etwas an und die ist fit und hat sich entweder darum zu kümmern oder sich von ihm zu trennen.


    Ich bezweifle stark, dass überhaupt jemand ihn zum Umdenken bringt. Deshalb bleibt nur der berühmte Schuss vor den Bug mit Trennung auch mit dem Risiko, dass er in der Gosse landet.


    Deshalb kann man auch deiner Mutter nur raten. Entweder sie hört auf sich zu beklagen und akzeptiert ihn wie er ist, oder sie muss sich trennen. Erziehen kann man in diesem Alter so und so keinen Menschen mehr.

    Zitat

    Mich interessieren ja gerade Meinungen und Einschätzungen von außen.

    Ok, dann bin ich mal ganz direkt:


    Mich schüttelt es massiv was ich hier so lese.


    Hier wird ein erwachsener, mündiger Mensch dermaßen "entmüdigt", dazu noch auf respektlose Weise, da bleibt mir echt die Spucke weg.


    Das heißt nicht, dass ich einen übermäßigen Alkoholkonsum gutheißen würde, ganz und gar nicht. Dennoch erschreckt mich viel mehr das Verhalten Deiner Mutter und dazu noch Deine sich ihr anschließenden Gedanken.


    ABER: Er lässt es ja zu und das offensichtlich seit Jahrzehnten. Er wehrt sich zwar mehr oder weniger erfolgreich auf wie Du meiner Meinung nach sagst "passiv-aggressive Art", dennoch schmälert das nicht den Anteil den Deine Mutter sowie auch Du an der Situation hat/habt. Ich würde Dich hier nicht als "Co-Abhängigen" des (Stief)Vaters sehen, sondern eher als "Co-Abhängigen" der Mutter. ":/


    Aber noch was zum Alkoholkonsum: So wie ich das verstehe wird er dann ja nicht unangenehm in dem Sinne, dass er Anderen (aggressiv) schadet? Sich respektlos verhält? Er schadet doch nur sich selbst, wenn ich das richtig verstehe ist das das Problem Deiner Mutter? Nicht, dass er sie schlecht "behandeln" würde? Seine in meinen Augen völlig legitimen Eigenheiten (eher zurückhaltend zu sein, pedantisch beim Spülmaschine einräumen) etc. - werden nicht akzeptiert, sondern kritisiert?


    Sie sind Beide erwachsen. Sie können sich entscheiden ob sie mit ihrem Partner so leben wollen und/oder können. Einen Menschend/Partner ändern zu wollen und zwar massiv, über den Alkohlkonsum/mißbrauch hinaus (der in meinen Augen, nach Deinen Beschreibungen lediglich ein Aufhänger ist) - das funktioniert nun mal nicht.


    Hier zu sagen: "Meine Mutter ist nun mal wie sie ist" - das soll respektiert/akzeptiert werden....dann aber im gleichen Atemzug zu sagen "Mein (Stief)Vater ist wie er ist" das soll nicht respektiert/akzeptiert werden - das funktioniert so nicht. :|N


    Der einzige "Druck" den Deine Mutter hier anbringen kann ist, dass sie sagt, dass SIE so nicht mehr kann und diesbezüglich Konsequenzen zieht (Trennung wäre hier die letzte Lösung). Warum tut sie das nicht? Sie versucht ihn weiter und noch intensiver zu bevormunden und zu entmündigen.


    Ich habe es mir gespart hier einzelne Passagen zu zitieren und kommentieren, das wäre endlos geworden...aber alleine die Punkte wie sie sich ihm gegenüber verhält wenn sie in Gesellschaft sind oder das jetzt mit dem Alkoholtester.... :|N :-/

    Meine Meinung dazu ist kurz und knapp: Du wirst keinen 73jährigen überzeugen können, etwas zu tun oder zu lassen, was er nicht selbst will. Es gibt auch keine Tricks, mit denen das zu erreichen wäre.


    Mir ist vollkommen klar, wie hart das im Einzelfall klingt. Aber das Leben ist kein Märchenspiel, und ich bin da äußerst skeptisch, weil es um Suchttendenzen geht, denen im Alter sicherlich noch schwerer beizukommen ist, wenn überhaupt. Selbst wenn sich alle von Euch zusammentun -e s würde darauf hinauslaufen, dass er es als eine Front gegen sich empfinden würde. Und ob ihn das zur Einsicht brächte, sei sehr dahingestellt. Eher könnte so etwas wohl noch sein Verhalten verstärken.


    Deine Mutter kann jedoch für sich handeln. Das bedeutet im Klartext: Sie kann sich trennen. Aber sie wird den hohen Preis des Schuldgefühls bezahlen, sonst hätte sie es vermutlich längst getan. Es gibt Situationen, aus denen jeder Ausweg wieder in eine neue - allerdings günstigenfalls vorübergehende - neue Sackgasse führt.

    Vater vom Fahren abhalten: Klar sagen dass man die Polizei benachrichtigen wird, und dann tun.


    Hinterm Rücken einen Alkoholtester einzubauen ist in der Tat lächerlich und ausserdem wohl auch rechtlich nicht ganz ok.