Guten Morgen Seherin,


    damit hast du nicht unrecht. Ich denke, ich bin ziemlich reflektiert und ich glaube, ich stehe voll mit beiden Beinen im Leben. Ich weiss, was ich will und was nicht. Aus meiner Sicht kann ich mich dann vorbehaltlos zunächst in eine Partnerschaft begeben, wenn alle meine Sinne angesprochenen werden.


    Meine Gegenüber behaupten von sich auch immer, geerdet zu sein. Ich denke aber, dass sie das nicht in dem Masse sind und deshalb sehr schnell immer der Punkt kommt, wo sie Zeit brauchen. Leben als Homosexueller ist nicht einfach und man muss zu vielem seinen Standpunkt entwickeln und dazu stehen. Familie, Kinder, Beruf, Freizeit und was noch alles mehr. Sie lassen sich dann anfangs darauf ein, weil (so zumindest meine Rückmeldungen) ich trotz meines Alters nocht extrem attraktiv bin (keine Sorge, ich bin nicht eingebildet), lullen mich dann auch ein, weil sie auch attraktiv sind und sich voll drauf einlassen und ich ersteinmal denke, super. Das ist jetzt endlich der Richtige. Gleiche Vorstellungen wie ich, gleiche Leidenschaft. Doch meist recht schnell holt sie ihre eigene Courage ein.


    Ich glaube, ich habe in meiner Familie festen halt und gute Beraterinnen (meine Tochter, meine Schwester). Ich habe natürlich in den vergangenen Monaten eine Lernkurve hingelegt. Ich hatte da auch keine Erfahrungen. Bei meiner letzten angehenden Partnerschaft habe ich Angst bekommen und angefangen zu kämpfen. Das hat natürlich dazu geführt, dass die Angst des Gegenüber sich verstärkt hat. Jetzt lasse ich ihn in Ruhe. Er muss von sich aus wollen. Das da jetzt viel bei ihm los ist, denke ich. Vielleicht hat das gereicht, was an Emotionen ausgelöst worden ist und er kommt zurück. Dann kommt er freiwillig. Und nur dann kann es weitergehen. Kommt er nicht, na dann steht irgendwann der nächste vor der Tür. So etwas passiert mir ja scheinbar häufiger, wenn ich Singale bin. In einer Partnerschaft könnte kein anderer mich bekommen.


    Und keine Angst - ich werde mich nicht ändern, obwohl ich schon stark leide.

    und nein, ich werfe dem anderen nichts vor, kenne da schon meinen Anteil, auch wenn einlullen sich so negativ anhört, so als würde der andere bewusst mit meiner entfachten Leidenschaft spielen.


    Und ich bin überhaupt nicht nachtragend. Kommt er jetzt zurück, agiere ich anfangs vielleicht etwas vorsichtiger. Aber ich werde es ihm nie vorhalten.

    Und neben euren Meinungen hilft mir das Schreiben hier im Forum auch, meinen Standpunkt und meine Sichtweise beim Schreiben zu ordnen und zu reflektieren.


    Vielleicht gehe ich als ehemals heteronormativ Lebender noch immer mit den selben Maßstäben an eine Partnerschaft. Wenn du da mit einem Partner zusammenkommst, gibt es viele Fragen nicht. Es ist normal, der Umgang mit Kindern und Familie, das Schildern von gemeinsamen Erlebnissen in der Firma.


    Jetzt stellen sich natürlich all diese Fragen. War ich mit einem Freund in Urlaub oder mit meinem. Ich habe dazu in den letzten Monaten meinen Weg gefunden. Das gilt nicht für jeden, er möchte es vielleicht auch. Hat aber vielleicht nicht so viel Glück in seinem Umfeld wie ich.


    Und dann sind da immer noch die tief sitzenden Ängste, die du als Kind schon eingetrichtert bekommen hast, wenn du ander bist als die Norm.


    Ich merke immer mehr, dass das viele Homosexuelle an Grenzen bringt. Trotzdem ist es mein Leben.

    sportxx


    Also erst mal: Ich finde Deine Haltung/Einstellung und Reflexion :)^ . Eine in meinen Augen gesunde Ausgewogenheit zwischen Verständnis für das Gegenüber und einem auf sich selbst achten.

    Zitat

    Vielleicht gehe ich als ehemals heteronormativ Lebender noch immer mit den selben Maßstäben an eine Partnerschaft. Wenn du da mit einem Partner zusammenkommst, gibt es viele Fragen nicht.

    Hmm...also es gibt exakt Dein "Problem" auch in heterosexuellen, sich anbahnenden Beziehungen. Und ebenso stelle ich immer wieder fest, dass auch die Probleme von homosexuellen Paaren sich nicht wirklich von denen heterosexueller Paare unterscheiden. Die Geschlechterfrage stellt sich innerhalb dieser eigentlich selten. Es sei denn, die Problematik besteht explizit in dem Punkt "Homosexualität" (ein sich nicht outen wollen des einen Partners z.B.). Das gibt es aber wiederum auch vergleichend in hetero Beziehungen (Partner/in steht aus diversen Gründen nicht wirklich zu dem/der Anderen).....es gibt dann also sozusagen "andere" Fragen.


    Dein Freund (oder potentieller Freund) kämpft vielleicht noch ein wenig mit seinem Outing, mag sein, dass das der Grund ist. Wärst Du denn seine erste "richtige" homo Beziehung, also die er offen lebt? Es kann aber genauso sein, dass es ihm wirklich zu schnell ging, ihn seine eigenen Gefühle überrennen, Angst machen - das gibt es in hetero Beziehungen auch. Oder es war nur ein Strohfeuer (ebenfalls auch bei Heteros nicht selten) - aber das kann man nach Deinen Beschreibungen ja eher ausschließen.


    Bleib bei Deiner Haltung/Einstellung, eben "geerdet" ;-) - damit fährst Du gut. Für Dich selbst genauso wie auch für ein doch eventuelles Happy-End bezüglich Deiner momentanen Situation.

    Hallo Isabell,


    genau das meinte ich mit dem Unterschied. Da geht es doch eher um die Probleme im Umfeld Homosexualität. Die anderen Probleme gibt es dann ja auch - Partner will nicht so richtig zu einem stehen usw.


    Ich bin vollständig geoutet und soviel ich weiß, ist er das auch.

    Beziehungsanfänge .... ;-)

    Zitat

    Nachmittags wünschte ich ihm einen schönen Abend und bat ihn, sich telefonisch abends zu melden. Es kam ein kurzes 'O.K. mache ich.'. Und er meldete sich dann nicht mehr. Ich hätte mehr als das kurze 'O.K. mache ich.' erwartet. Z. B. 'Habe du auch einen netten Abend.'. Naja, ich weiss: Meine Erwartung und damit muss man immer vorsichtig sein. Als er sich dann aber telefonisch nicht meldete, war ich schon sauer. Ich habe ihm dann am Freitag geschrieben: Wir müssen reden. Er versprach sich nachher nochmal zu melden (tat er dann den ganzen Freitag nicht) und das wir uns am Samstag nachmittag treffen und reden (er meldete sich dazu auch nicht mehr).

    War der einzige Grund für Dein "wir müssen reden" das er kurz angebunden war und nicht noch angerufen hat? Versteh mich nicht falsch - ich will das nicht kritisieren?! Du bist vermutlich jemand der in Beziehungen gern sehr viel Nähe hat und ich finde es gut, dass du dazu stehst indem Du Deine Erwartung tatsächlich verbal aussprichst ( bat ihn, sich telefonisch abends zu melden ). Die kürze seiner Antwort könnte ein Anzeichen sein, dass seine Art Nähe auszudrücken nicht von solchen Dingen abhängt.


    Jeder von euch kommt ja mit seinem "Beziehungsgepäck" in die Beziehung. Wenn er jetzt - als Beispiel - mit dem Gepäck "meine Partner(in) klammert extrem" ankommt ist er supersensibilisiert darauf, jemanden zu vermeiden, der das tut. Du scheinst ja jemand zu sein, der mit genau dem gegenteiligen Gepäck kommt: Keiner ist fähig sich zu committen - also muss ich früh testen ob der andere dazu fähig ist.


    Beides für sich genommen sind ja verständliche Umstände und um sich in der Mitte treffen zu können braucht ihr mehr Informationen darüber wer ihr seid - aus welche Geschichte ihr kommt und so weiter. Das ist ja am Anfang einer Beziehung immer so - das Verliebtheitsgefühl ist schon bei einer Form von irrationalem Vertrauen, weil es sich sooo richtig anfühlt und auf der anderen Seite lauern die ganzen Ängste vergangener Zeiten und versuchen springteufelartig zu warnen und eine Zukunft zu verhindern die noch gar nicht eingetreten ist.


    Wenn Du jetzt z.B. wüsstest (fikitv) dass ein(e) Ex Deines Gegenübers völlig übers Ziel hinausgeschossen ist und bis zur Selbstaufgabe an ihn geklammert hat, er davon völlig überfordert war und nicht wusste wie er damit umgehen kann, nur dass er sowas um jeden Preis vermeiden muss, könntest Du eher einordnen, dass er da übersensibilisiert ist und zurückrudert wenn er meint die kleinsten Anzeichen zu erkennen. Dahinter würde einfach Angst vor Wiederholung stecken.


    Wenn er von Dir erfährt, dass Du einige Männer getroffen hast die Dir quasi den Himmel auf Erden versprochen haben und Dich dann ohne Worte fallen liessen wie eine heisse Kartoffel ohne darüber zu reden was Sache ist kann er besser einsortieren wie es auf Dich wirken muss, wenn er sich nicht meldet obwohl er es "versprochen" hat.


    Der einzige Weg das zu lösen ist sich gegenseitig besser kennen zu lernen und das dauert eben. Die Leidenschaft wäre gern schon an dem Punkt wo eben auch die auf Fakten basierte Vertrautheit riesig ist, aber das geht realistisch überhaupt nicht.

    Zitat

    Heute morgen (auch nach einigen Gesprächen mit Bekannten) habe ich ihm halt geschrieben, dass ich mit ihm über meine Diskrepanz zwischen Bauchgefühl und Realität reden wollte, er sich aber ja z. Z. jedem Kontakt entzieht. Meine Gefühle für ihn seinen mir immer klar gewesen. Kurz nach dieser Nachricht kam 'Ich brauche Zeit'.


    Komischerweise glaube ich ihm genau das im Moment.

    Ja - das glaub ich auch. Er versucht zu sortieren und das ist in seiner Situation (in der er noch anderen Verantwortungen als nur der sich selbst gegenüber gerecht werden muss) nicht unverständlich. Selbst wenn auch seine Gefühle für Dich klar wären muss er doch deutlich mehr "synchronisieren" als Du. Wenn ich Dich richtig verstehe bist Du ja "frei" im Alltag.

    Zitat

    Ich habe ihm dann noch kurz geantwortet, dass ich mich über seine Ehrlichkeit freue und es wichtig finde, dass er seinen Standpunkt findet. Ich hätte meinen schon klar. Damit will ich ihn dann jetzt auch in Ruhe lassen und schauen, was die kommenden Tage bringen.

    Das ist eine gute Aussage mit der Du ihm Raum gibst und wo Du ihm trotzdem die Initiative überlässt wie es weiter geht.

    Zitat

    Meine Gegenüber behaupten von sich auch immer, geerdet zu sein. Ich denke aber, dass sie das nicht in dem Masse sind und deshalb sehr schnell immer der Punkt kommt, wo sie Zeit brauchen. Leben als Homosexueller ist nicht einfach und man muss zu vielem seinen Standpunkt entwickeln und dazu stehen. Familie, Kinder, Beruf, Freizeit und was noch alles mehr. Sie lassen sich dann anfangs darauf ein, weil (so zumindest meine Rückmeldungen) ich trotz meines Alters nocht extrem attraktiv bin (keine Sorge, ich bin nicht eingebildet), lullen mich dann auch ein, weil sie auch attraktiv sind und sich voll drauf einlassen und ich ersteinmal denke, super. Das ist jetzt endlich der Richtige. Gleiche Vorstellungen wie ich, gleiche Leidenschaft. Doch meist recht schnell holt sie ihre eigene Courage ein.

    Geerdet zu sein. Das ist wieder so ein Begriff den Menschen mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen füllen. Genau wie Liebe z.B. Geerdet zu sein funktioniert ja z.B. nur in Relation zu irgendetwas, oder? Es kann gut sein, dass die Männer die Du als nicht geerdet kennen gelernt hast sich selbst trotzdem weiter als geerdet sehen, oder?


    Du hast - weil Du so reflektiert bist - sicher eine Liste an Dingen was für Dich "geerdet sein" umfasst. Klassische bekannte, die wohl die meisten darunter verstehen wären z.B.:


    Beruflich gefestigt, Finanziell sicher, Umfeld Routinen laufen gut, Freundschaften sind stabil und so weiter.


    Wenn Du jetzt mit jemandem sprichst, der 10 Jahre lang von Jahresvertrag zu Jahresvertrag getingelt ist, bedeutet für den z.B. beruflich gefestigt vielleicht, dass er bislang immer in der Lage war neue Jahresverträge an Land zu ziehen, während der Beamte auf Lebenszeit das als völlig ungeerdet sehen würde, jederzeit dem Abgrund nah. Verstehst Du worauf ich raus will?


    Das spannende gleichzeitig auch beängstigende in einer beginnenden Partnerschaft ist ja die Art wie der andere die Welt wahrnimmt kennenzulernen und zu erleben wo man da wie reinpasst, wo man sich reibt, wo der Partner vielleicht eine Perspektive bringt die eigene Denkweisen und Entscheidungen in völlig neuem Licht erscheinen lassen. Zeitweise kann das beängstigend sein - gerade wenn man endlich irgendwo "dazu" gehören will, aber andererseits von Tag zu Tag mehr erkennt, dass das nicht passiert, weil gerade das Wort "Liebe" so unterschiedlich besetzt ist. Mit einer Forscherhaltung kommt man da meiner Erfahrung nach am weitesten: Forscher lieben ihre Forschungsobjekte ;-). Im Idealfall haben sie Thesen darüber "wie" die sind / funktionieren, aber sie sind immer bereit sich überaschen zu lassen was tatsächlich da ist. Der Forscher hat normalerweise den Nachteil, dass er mit seinem Objekt nicht in Interaktion gehen kann - es nicht befragen kann, weil es eben ein Objekt ist. Ein "Subjekt" zu erforschen ist komplexer, deshalb spannender und beweglicher, weil wir auf einen Menschen durch unsere eigene Präsenz schon wirken. Das hat positive und negative Folgen. Deshalb ist es so ein unendlich starkes Gefühl wenn die positiven überwiegen! Das ist Verbindung, die mit einem Objekt nicht möglich ist. Können wir dafür offen sein - egal wie's ausgeht? So wie der Forscher sich möglicherweise eine Enttäuschung abholt, weil das Forschungsobjekt die vermuteten Eigenschaften am Ende doch nicht aufweist?


    Schwierig... aber das ist die "Kür" sozusagen. Ob Du die anstrebst oder beim "Standart" bleibst und bei geringen Abweichungen ohne Forschen zurückweichst ist Deine Entscheidung. Ob Dein gegenüber forscht oder nicht ist seine... Sprich wenn nur einer forscht bleibts beim Standart. Wenn beide nicht Forschen bleibts beim Standart. Kür gibts nur mit zwei Forschern ;-). Das kann man erst mit der Zeit rausfinden und dazu sind Geduld und Gespräche nötig. Auch auf die Gefahr hin das das Ergebnis doch anders ist als gewünscht.

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    Hallo NotMichaelCaine,


    ich sehe die Dinge fast ähnlich wie Du.


    Ob ich bei dem Telefonat überreagiert habe, weiss ich nicht. Habe mir dafür bei meiner Tochter auch schon einen Rüffel geholt. Aber ich sehe das anders, vielleicht eine Form des Klammerns. Mittwochs meinte er ja plötzlich aus heiterem Himmel, es ginge ihm alles zu fix. Und es ging tatsächlich alles von ihm aus. Ich fand es schön und habe es zugelassen. Nur nach diesem Erlebnis sind aufgrund meiner Vorerfahrungen die Antennen auf Horchposten gegangen und ich habe angefangen, ihn unter Kontrolle zu bekommen. Natürlich wollte ich auch gerne mit ihm telefonieren, sicherlich steckte aber im Unterbewusstsein auch die Angst drin, möglich alles mitzubekommen.


    Auch seine Rückmeldung 'o.k. mache ich' auf meine Wünsche auf einen schönen Nachmittag fand ich merkwürdig. Wir hatten getrennte Planungen für den Tag. Warum wünschte er mir nicht auch einen schönen Nachmittag. Nun gut - meine Erwartungen, mein Problem.


    Bezogen auf 'geerdet' beziehe ich mich tatsächlich auf das Thema Homosexualität. Hier bin ich in ejnem guten Umfeld (Familie, Freunde, Arbeitskollegen) geoutet, habe nirgend schlechte Erfahrungen gemacht und weiss, was ich will und was nicht. Das sagen und wollen viele Männer, haben sich aber auf der einen oder anderen Seite mit einer Krücke arrangiert und werden nun auf einmal mit jemanden konfrontiert, der alles so lebt, wie sie es wollen und vielleicht nicht können. Ich kann mir schon vorstellen, dass das im ersten Moment Angst macht.


    Ihn in Ruhe zu lassen zerreist mich tatsächlich. Bei meiner letzten angehenden Partnerschaft habe ich es anders versucht. Habe ihn immer wieder versucht zu drängen, dass wir uns sehen. Wollte wissen, wo sein Bild von mir schief ist, um es zu korrigieren. Nicht in irgendeinem Sinne, sondern so wie ich bin. Es verfestigte sich bei ihm natürlich die Abwehrhaltung und zum Schluß ging nichts mehr. Von daher unternehme ich jetzt andere Dinge - Treffen mit Freunden, Familie, natürlich viel reden usw., lenke mich ab. Erstens um den Zustand auszuhalten und zweitens, um meine Gefühle für ihn abzubauen. Ich gehe im Moment erstmal davon aus, dass er sich nicht mehr zu mir bekennt (ist aber stark wechselnd), will nur nicht vollständig in ein Loch fallen, wenn es dann wirklich soweit ist. Und sollte es eine ander Lösung geben, dann muss ich mal schauen ...

    Zitat

    Ihn in Ruhe zu lassen zerreist mich tatsächlich.

    :)_ Ja - das hab ich fast vermutet...Das kann am Anfang höllisch sein... Mist.


    Das einzige was für mich da hilft ist wirklich versuchen eine Art allgemeines Mitgefühl für "unsere" Gesamtsituation zu haben. Mitgefühl funktioniert bei mir ganz gut gegen Ängste, weil es mir erlaubt seine Themen bei sich zu lassen und meine Themen bei mir...


    Ist das für Dich so zu kryptisch oder kannst Du damit was anfangen?

    Das ist tatsächlich etwas kryptisch.


    Ich versuche mich durch Arbeit, Freizeitaktivitäten abzulenken - aber es gibt immer Zeiten des Leerlaufes. Und da fange ich dann natürlich an und überlege. Teilweise versuche ich mich in seine Situationen zu versetzen, soweit möglich und Verständnis zu entwickeln. Teilweise werde ich unendlich wütend auf diesen sch.... Kerl.

    Zitat

    Mittwochs meinte er ja plötzlich aus heiterem Himmel, es ginge ihm alles zu fix. Und es ging tatsächlich alles von ihm aus.

    das klingt so, als hättest du das gleich als vorwurf gegen dich aufgefasst? vielleicht hat er einfach nur angst vor seinem eigenen rasenden tempo und du könntest das ganze mit ein wenig gelassenheit und humor ganz gut steuern?

    Tja, das sagt sich einfacher als es manchmal ist.


    Dienstag morgen verabschiedeten wir uns ganz normal, ich hatte bei ihm geschlafen - wie er darum gebeten hat. Kaum war er auf der Arbeit bekam ich schon eine Nachricht von ihm, geschmückt mit den vielen lieben Smilies. Dies ging bis Dienstag mittag. Wir telefonierten kurz, aus meiner Sicht alles in Ordnung. Um 3 Uhr rief ich ihn an. Er hatte seinen Wagen in der Werkstatt und gefragt, ob ich nachmittags Zeit hätte. Das konnte ich ihm morgens nicht zusagen. Da mein beruflicher Termin früher fertig war, wollte ich ihm sagen, dass es klappt. Er wollte sich nochmal melden. Tat er aber nicht. Ich fuhr nach Hause zu mir.


    Abends bekam ich dann eine Nachricht, es würde später bei ihm. Seinem Vater geht es nicht gut. Wir hatten uns ja wieder auf seinen Wunsch bei ihm verabredet. Ich schrieb ihm, er solle sich keinen Stress machen. Ich käme auch später. Nach ungefähr einer Stunde bekam ich die Nachricht, ob es i.O. wäre, wenn wir uns erst Mittwoch sehen. Es würde viel später. Ich machte mir da noch keine Gedanken. Am Mittwoch morgen bekam ich dann um 7 Uhr eine Nachricht, ob ich schon wach sei. Ich rief ihn an. Wollte natürlich wissen, wie es ihm geht, jetzt wo es seinem Vater nicht so gut geht. Er ging nicht dran. Ich dachte: Vielleicht hat er den falschen Knopf am Handy gedrückt und ruft zurück. Stattdessen bekam ich die Nachricht: es ginge ihm alles zu fix, er wollte abends zu mir kommen und mit mir reden. Dabei wollte er mir meine Sachen mitbringen, die noch bei ihm waren. Ich war natürlich zutiefst entsetzt, rechnete damit, das alles schon vorbei sei und kannte den Grund nicht. Abends kam er dann rein, nahm mich sofort in den Arm, gab mir einen Kuss und sagte, er wolle keine Trennung. Er war kurz bei mir, zärtlich wie immer und sagte, dass er weiss, dass das enorme Tempo von ihm ausgegangen sei. Er müsse sich jetzt aber bremsen. Und er wollte, dass wir uns drei oder viermal die Woche sehen, gerne auch mit Übernachtung. Abends bekam ich dann noch eine Nachricht, in der u.a. stand ' Gut, das es dich gibt,'


    Für mich war erst einmal alles in Ordnung. Donnerstag vormittag wieser alles normal. Und dann ging es wie beschrieben mit Donnerstag nachmittag weiter.


    Irgendwas scheint ihn in Angst versetzt zu haben, so nehme ich an. Ich weiss es nicht, habe mir schon den Kopf zermürbt- es war nichts.


    Ich habe jetzt keine andere Chance, zu warten und mir zu überlegen, was ich will. Vieles hängt bei mir sicherlich davon ab, wie schnell er sich meldet und was er mir dann erzählt. Aber ich merke, je mehr die Stunden verstreichen, desdo besser muss die Erklärung sein, damit ich überhaupt noch weiter will. Wenn er will, wovon ich fest überzeugt bin, geht er im Moment einen sehr gefährlichen Weg ...

    Zitat

    es ginge ihm alles zu fix. Und es ging tatsächlich alles von ihm aus.

    Das klingt nach einem Vorwurf. Ich finde das solltest du nicht. Ja, er war schnell, aber manchmal merkt man das im ersten Moment nicht. Umso wichtiger ist es, dann zu bremsen, wenn der andere "Stopp" sagt. Ich sehe nicht, dass es langsamer ging, nur weil ihr einen Abend getrennt verbracht habt. Stattdessen gab es Nachrichten und die Forderung sich telefonisch zu melden. Und weil er nicht tut, was du verlangst wird einen Tag später schon mit "Wir müssen reden" gedroht. Das ist alles andere als langsam. Gerade wenn er anscheinend gerade auch einige Baustellen hat, ist es sicher das letzte was er braucht ein neuer Partner, der stresst, weil er sich nicht verhält, wie dieser sich wünscht (wenn er das überhaupt weiss).

    Hallo gato,


    kann man so sehen wie du es siehst.


    Das alles so schnell ging, war kein Vorwurf. Ich habe es ja auch zugelassen. Ich habe ihm geglaubt, bei mir war nichts gespielt. Und so ging ich auch von ihm aus. Ich glaube, dass das eine Schwäche von mir ist. Nicht, das ich jetzt glaube, er hat gespielt. Nein, aber das meine Gegenüber wahrscheinlich aus unterschiedlichsten Gründen plötzlich Angst bekommen. Vielleicht käme das bei mir auch irgendwann, aber sicher später. Ich hatte keine Zweifel. Die entstanden dann bei mir natürlich durch den Mittwoch morgen. Ich wurde vorsichtiger, hellhöriger, aufmerksamer. Sicher nicht richtig. Aber ich möchte den sehen, der in einer ähnlichen Situation völlig klar reagiert und sagt, naja mache einfach so weiter wie bisher.


    Auch er sollte sich die Frage stellen und gefallen lassen, wie sein Verhalten beim Gegenüber ankommt.