Alltäglicher Schwachsinn

    Muss mir gerade etwas von der Seele schreiben.


    Gestern kam mein Mann zu mir und fragte, wohin ich sein Zahngel verräumt hätte.


    Ich: Ich habe die Tube nicht angerührt, aber seit heute morgen ist sie nicht mehr an ihrem Platz.


    Er: Ganz sicher hast Du die mal wieder verräumt - wie immer!


    (Bei "wie immer" sehe ich schon mal rot, ich blieb aber ruhig.)


    Ich: Die Tube stand in der Früh noch an Ort und Stelle, danach war sie weg. Ich habe damit nichts zu tun. Die hast Du selber irgendwo anders deponiert.


    Er: Ständig räumst Du meine Sachen weg! Es ist doch immer das gleiche - zum Kotzen! (sehr laut inzwischen)


    (Da war es schon wieder: "ständig". Fakt ist, dass ich von ihm fast nie etwas wegräume, falls doch, deponiere ich es gut sichtbar auf seinem Schreibtisch, damit er es selbst aufräumt.)


    Zwei Stunden später fragte ich ihn (er lag auf dem Sofa und sah fern), ob er die Tube denn wiedergefunden hat.


    Er: Ja.


    Ich: Aha, also hast Du sie ja doch selber irgendwo deponiert.


    Keine Reaktion.


    Ich: Wie wäre es jetzt mit einer Entschuldigung?


    Das war wohl ein Fehler, denn mein Mann rastete nun tierisch aus, kam vom Hundertsten ins Tausendste und kramte allerlei Nichtigkeiten der letzten Jahre hervor. Bei den meisten "Vergehen" handelte es sich um Schusslichkeiten, die ihm ebenfalls oft passieren.


    Ich war nun stinksauer und schrie ihn an, was das alles denn solle, ich hätte ihm doch absolut nichts getan. Daraufhin wurde er noch aggressiver. Ich zog mich zurück. Es war 22.00 Uhr, und ich ging schlafen. Mit der Bitte, den Fernseher leise zu stellen, verschwand ich ins Bett.


    In der Früh weckte mich mein Mann zum Frühstück. Ich sagte, er möge bitte alleine frühstücken. Sein Kommentar: Du hast doch die totale Meise und bist unerträglich überempfindlich. War mir egal.


    Als mein Mann nachmittags von der Arbeit zurückkam, war er übermäßig freundlich. Klar, er weiß, dass das gestern nicht okay war. Ich bin zwar ebenfalls freundlich, verhalte mich aber weiterhin reserviert, antworte nur auf Fragen und reduziere den Kontakt auf das Allernötigste. Mir sitzt die Ungerechtigkeit von gestern immer noch in den Knochen.


    Natürlich vergeht das wieder - wie schon so oft. Aber wie geht man mit solchen Situationen um, ohne dass es eskaliert und verletzend wird? Was habe ich oben falsch gemacht?


    Danke für Tipps!

  • 18 Antworten

    Ich hätte es bei dem Hinweis, dass ich es nicht war, belassen. Denaallerdings hätte ich mir nicht verkneifen können.


    Und dann hätte ich versucht, den Vorfall irgendwo im Hirn abzuspeichern und bei der nächsten Gelegenheit, wo er mir was in die Schuhe schieben will, hätte ich nochmal dezent darauf hingewiesen.


    Ist aber sicher auch nicht besonders klug...

    Zitat

    Er: Ständig räumst Du meine Sachen weg!

    Überleg mal, ob da was dran ist.


    Du meinst zwar, du räumst seine Sachen nicht weg. Aber vielleicht Sachen, die nicht direkt ihm gehören, die er aber grade in Benutzung hatte?


    Irgendwas muss er doch damit gemeint haben:

    Zitat

    Es ist doch immer das gleiche - zum Kotzen! (sehr laut inzwischen)

    Zitat

    Das war wohl ein Fehler, denn mein Mann rastete nun tierisch aus, kam vom Hundertsten ins Tausendste und kramte allerlei Nichtigkeiten der letzten Jahre hervor. Bei den meisten "Vergehen" handelte es sich um Schusslichkeiten, die ihm ebenfalls oft passieren.

    Waren das denn "Vergehen", die er mit dem Wegräumen von Sachen gemeint haben könnte?


    Wie gesagt, frag sich mal, ob du was verkehrt machst. Aber es kann sein, dass das gar nicht der Fall ist. Dann frag dich mal, ob ihn an dem Tag irgendwas belastet hat, ob ihm irgendeine Laus über die Leber gelaufen ist.


    Da er jedenfalls an dem Tag ausgerastet ist, konntest du da wohl nicht viel dran machen.


    Nächster Tag:

    Zitat

    In der Früh weckte mich mein Mann zum Frühstück.

    Friedensangebot :-)

    Zitat

    Ich sagte, er möge bitte alleine frühstücken.

    Friedensangebot von dir abgelehnt.


    Kannst du machen... aber wenn dir an Deeskalation gelegen hätte, wär das ungeschickt gewesen.

    Zitat

    Sein Kommentar: Du hast doch die totale Meise und bist unerträglich überempfindlich.

    Überreaktion seinerseits.

    Zitat

    Als mein Mann nachmittags von der Arbeit zurückkam, war er übermäßig freundlich.

    Nächstes Friedensangebot.

    Zitat

    Ich bin zwar ebenfalls freundlich, verhalte mich aber weiterhin reserviert, antworte nur auf Fragen und reduziere den Kontakt auf das Allernötigste.

    Diesmal nicht ganz abgelehnt, aber auch nicht ganz angenommen.


    Ob das so gut war, kann ich dir nicht sagen. Das hängt auch sehr davon ab, was er für ein Typ ist. Braucht er, dass du mal etwas nachtragend bist, weil er sonst wieder so grundlos ausflippen würde? Oder hatte er das eigentlich schon kapiert, war ganz geknickt und nachtragend zu sein verletzt ihn nur unnötig?

    Dieses "immer" und "ständig, oder auch "nie" kenne ich nur zu gut und kann ich absolut nicht ausstehen. Da platz ich und es führt dazu, dass ich mich überhaupt auf so nen schwachsinnigen Streit einlasse. Allerdings habe ich in meiner Beziehung gelernt, dass der nächste Tag ein neuer Tag ist, und man solche Streits nicht nachträgt (ich wollte sie früher auch ausdiskutieren, mein Partner nicht, ich hab das dann aufgegeben).


    Tipp? Hmm....vielleicht gar nicht drauf einlassen oder ins Witzige "umdrehen" und dann gemeinsam drüber lachen?

    Vielleicht einfach verstehen was hinter seinem Verhalten steckt.


    Vergiss was er gesagt hat. Das ist nur bla bla in der Wut...


    Dein Mann hat halt schon vorfrustriert irgendeine Arbeit verrichten wollen. Vielleicht eben auch um Frust loszuwerden (auf sich selber? Oder nur so...) durch die Tätigkeit. Da es ein Hinderniss gab, ist er halt ins bersten gekommen und hat versucht ein Ventil zu finden. Einen Schuldigen für seine Situation. Die aber nichts mit der Zange zu tun hatte, aber die er sich nicht erklären konnte selber.


    Da kamst du ihm in den Sinn. Du könntest ja mal eben die Böse sein. Ist doch schön wenn die Quelle des Frusts einen Namen hat...


    Dann hat sich das Blatt aber gewendet, denn da du nicht Schuld warst am Hinderniss sondern er selber Bockmist gebaut hatte, hat er noch mal eine Portion Frust auf sich selber bekommen und saß dann da wie ein berstender Luftballon in seiner Welt. Mit sich kämpfend.


    Und dann kommat du, ganz clever wie du bist, und hohlst ihn aud sich und seinem Prozess wieder raus und piekst ihn mit der Nadel, indem du ihn quasie noch den Spiegel vorhältst, dass das Problem bei ihm liegt.


    Du hast ihm keine Zeit gegeben seinen Frust auf was auch immer selber zu verdauen, sondern hast dich ihm in seiner Wut noch in den Weg geworfen und dann Breitseite verbal bekommen.


    Entschuldigt nicht sein Verhalten, aber jeder hat mal einen schlechten Tag und solange er es nicht macht um dir absichtlich weh zu tun und sich irgendwann reuig zeigt... Dir sonst keineb schaden zu fügt...


    Der beste Weg andere zu verstehen, liegt halt darin sich selber zu verstehen.


    Frag dich also mal wieso du so gehandelt hast, wie du es tatest.


    Wie zwei kleine Kinder habt ihr euch beide da rein gewchaukelt...

    Zitat

    Natürlich vergeht das wieder - wie schon so oft. Aber wie geht man mit solchen Situationen um, ohne dass es eskaliert und verletzend wird?

    Er kann keine Fehler zugeben, und Du bestehst darauf, dass er seine Fehler zugibt.


    Ihr werdet da immer wieder aneinandergeraten.

    Wenn ich das lese, bin ich soooo froh, dass ich Single bin.


    Denn genau diese alltäglichen Streits, die oft als "Kindergartenprobleme" abgetan werden, sind es, die einen auf Dauer zermürben und die Laune chronisch unten halten.


    Ich weiß das noch von der elterlichen Familie, diese zig Ungerechtigkeiten, die man tagtäglich erleben mußte. %:|

    @ Monsti

    Ich kann Dir jetzt gar nichts raten, außer Dir mein Mitgefühl geben und Dir sagen, Du bist berechtigt sauer gewesen. :)* @:)

    Zitat

    Er kann keine Fehler zugeben, und Du bestehst darauf, dass er seine Fehler zugibt.


    Ihr werdet da immer wieder aneinandergeraten.


    mond+sterne

    Genau!


    Das empfand ich an der Situation am schlimmsten, dass er, als das Teil wieder da war, nicht zugeben wollte, dass er es selbst vermasselt hat und dann obendrein auch noch aggressiv wurde, als man ihn darauf ansprach. {:(

    Meine Güte, mit so einem Dramaking möchte ich auch nicht zusammen sein....


    Wenn er normal im Kopf wäre, hätte er einfach gerufen, wenn er es gefunden hat und gesagt, upsi...hatte ich ja doch selbst verlegt. Ne Sache von einer Sekunde und Thema ende.


    Wer da so ein Theater macht, das zuzugeben und ein emotionales Drama draus macht, ist wirklich eine erbärmliche Belastung in einer Beziehung.

    Das kommt schon mal vor.


    Problematisch wird es doch nur dann, wenn das ganze Methode hat und er sich prinzipiell nicht entschuldigen kann bzw auch nicht zugeben kann im Unrecht zu sein sondern statt dessen zu wortlosen Aktionen greift um sich von der Entschuldigung freizukaufen. Klar - keiner hat etwas gegen die Kombi: Sorry - das war doof - schau mal ich hab Frühstück gezaubert.


    Aber wenn eine Entschuldigung nie kommt - in keiner deartigen Situation - dann liegt bei demjeningen was im Argen und der andere fühlt sich zurecht so als solle er da jetzt gekauft werden. Da bleibt die "Schuld" im Raum stehen und soll dem Gegenüber angedichtet werden. Auf Dauer ist das murgs und geht gar nicht.


    Falls das also ein prinzipielles Problem ist, würde ich das an Deiner Stelle in einer ruhigen Minute mal ansprechen - oder zumindest ansprechen, dass ich darüber reden will und er soll festlegen wann das passiert.

    Ich sehe es wie Wirrmaus, dass ich froh bin Single zu sein und mir so einen Zopf nicht reinziehen muss.


    Spätestens bei 'du hast doch die totale Meise....' hätte ich wortlos das Haus das Haus verlassen und wäre über Nacht weggeblieben und hätte auch nicht auf Telefonate/Messages von ihm reagiert. Selbstverständlich hätte ich jemand Bescheid gegeben, dass nichts passiert ist, sondern dass ich NUR Abstand vom 'Tyrann' brauche.


    Das waren jetzt viele 'hätte' ......


    Respektloses Verhalten kann ich ganz schlecht ertragen. Ich sehe seine Einlenkversuche auch nicht als solche, sondern das sind für mich Ablenkversuche. Und so süßliches Geschmarre aus schlechtem Gewissen finde ich noch viel ätzender, das würde mich auch ärgern.

    Euch allen danke ich sehr für Eure Antworten! Zum Teil habt Ihr es echt auf den Punkt gebracht.

    Zitat

    Überleg mal, ob da was dran ist.

    Da ist absolut nichts dran. Er ist Weltmeister im Verlegen von Dingen, egal ob Schlüssel, Brille, Handy, Geldtasche oder eben auch das Zahngel. Wenn ich z.B. seinen Autoschlüssel auf dem Klodeckel im Bad oder auch auf einer Bank im Garten (wie gestern geschehen) finde, so lege ich ihn oft auf seinen Schreibtisch, vor allem, wenn er Termine hat, für die er den Schlüssel benötigt. Damit hat es sich mit "Verräumen" auch schon. Manchmal lasse ich das Zeug auch an Ort und Stelle liegen und lasse ihn eine Weile suchen, ehe ich ihm nach einer Stunde oder so verrate, wo er das Vermisste findet. Bedauerlicherweise wird er dadurch nicht ordentlicher.

    Zitat

    Wohl ein altes Ehepaar

    Das kann man nach 30 Ehejahren wohl so sagen ... ;-D

    Zitat

    Problematisch wird es doch nur dann, wenn das ganze Methode hat und er sich prinzipiell nicht entschuldigen kann bzw auch nicht zugeben kann im Unrecht zu sein sondern statt dessen zu wortlosen Aktionen greift um sich von der Entschuldigung freizukaufen.

    Exakt so ist es leider. :(v Mein Mann zeigt sehr deutliche narzisstische Züge. Er kritisiert und verurteilt liebend gern, kann selbst aber so gut wie keine Kritik vertragen. Da rastet er sofort aus. Dieser Charakterzug macht das Zusammenleben mit ihm nicht einfach. Andererseits ist er zärtlich, hilfsbereit und zuverlässig. Ebenso stimmen unsere Gestaltung des Alltags und unsere Lebensziele überein. Und ebenso wichtig: Wir lieben einander. Ansonsten hätte ich es sicher nicht so lange ausgehalten, denn Situationen wie oben beschrieben, kommen leider recht häufig vor.


    Unter dieser Voraussetzung nervenschonende Strategien zu finden, ist nicht einfach. In gewisser Weise muss ich ihm schon Paroli bieten, sonst macht er mit mir nämlich, wozu er grad Lust hat. "Paroli bieten" heißt, dass ich mich in etwa wie vorgestern verhalte. Immerhin ist es im Verlauf der Jahrzehnte schon etwas besser geworden ...

    Du hast wohl nichts falsch gemacht – es gibt aber Dinge, die ihn wohl beschäftigen.


    Sieht ihr euch häufig – oder eher selten während der Woche oder monatlich?


    Und ansonsten, seine innere Einstellung, ist eher unüblich.. auch wegen so einer Kleinigkeit.

  • Gast

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