Beim Lesen aller religiösen Schriften sollte man nicht vergessen, zu welcher Zeit und in welcher Gesellschaftsform sie geschrieben wurden. Immerhin gab es keine soziale Absicherung und nur sehr unsichere Verhütung. Im Falle einer Schwangerschaft war die Frau ohne eheliche Absicherung mit Kind in einer äußerst schwierigen Situation. Zudem waren die Zeiten sehr barbarisch. Männer nahmen sich nicht selten die Frau wie sie es wollten. Das lief nicht so zivil wie heute ab... Klar, dass man durch diverse Regeln der religion wenigstens einige der Probleme zu mildern suchte (Verhüllung der Frau, GV nur in der Ehe). Ich halte viele Regeln für die damalige historische Zeit nicht ganz sinnlos. Ich denke zudem, dass viele der Regeln den Bezug zur damaligen Zeit hatten.


    Da heute zahlreiche Bedingungen so nicht mehr zutreffen- eine Frau kann heute zumindestens in Europa weitgehend ganz normal oder sogar aufreizend gekleidet gehen, ohne stärker bedrängt zu werden – und im Falle der Bedrängung gibt es durch Polizei und Justiz und Mitmenschen oft hinreichend Hilfe. Auch der GV ist heute freier möglich- es gibt zahlreiche recht sichere Verhütungsmethoden. In Deutschland gibt es eine gewisse soziale Absicherung, die es auch einer Frau oder einem Mann mit Kind alleine leben lassen kann. Medizinische genetische Verfahren lassen zudem heutzutage eindeutig die Vaterschaft klären.


    Kein Gott dieser Welt würde unter diesen Bedingungen noch die gleichen Regeln empfehlen, wie sie vor mehr als 500 Jahren galten (die ja dem Schutz der Menschen dienten und nicht der sadistischen Strafe), aber vielleicht hat uns ein Gott längst abgeschrieben, weil Mensch wohl doch zu blöd ist.

    Zitat

    Religion ist nur die Ausrede, weil so steht es nämlich nicht im Koran.

    Das sah auch unter den Machthabern der christlichen Kirche, unter den machthungrigen Befehlshabern der sogenannten sozialistischen Staaten, die die Bibel durch Marx und Lenins Werke ersetzen, oder bei Adolf Hitler der gleich mit seinem "Mein Kampf" seine eigene Bibel mitlieferte oder ... nicht anders aus. Letzlich dient es dem Erhalt diverser Machtstrukturen, wenn den Menschen diverse Verhaltensstrukturen auferlegt werden, deren Sinn nicht nachvollziehbar ist, wenn man Menschen mit Strafe oder mit Entzug der gesellschaftlichen Teilhabe (im Kleinen oder im Großen) droht, wer nicht mitmacht. Damit wird jeder Glaube seiner Freiheit und seiner privaten freien Entscheidung beraubt und erzeugt batzenweise Heuchelei.

    Ich gebe meinem Vorredner recht, in dem was er schreibt. Es gab zu der Zeit, als viele Religionen entstanden viel mehr Kriege, die zum Teil ganze Bevölkerungsgruppen regional dezimierten.


    ( Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung, um eigene Gene zu etablieren, im Glauben, dass der Nachwuchs Verhaltensweisen haben könnte – die den eigenen ähnlicher sind und feindlichen Männern, die Möglichkeit zu nehmen, sich selbst fortpflanzen zu können. Damals lebten Frauen meist nur kurz, die Gefahr bei der Geburt zu sterben, war weit höher als heute und Frauen nicht lang genug im fruchtbaren Alter) Was zur Zeit der Religionsentstehung durchaus bedeutsam war.


    Auch unter dem Kontext sind viele Regeln des Zusammenlebens so dogmatisch fest gelegt worden, sicher auch – um sicherzustellen, dass es die eigenen Kinder sind, die großgezogen wurden, die das Erbe antreten würden, wenn der Vater bei der Nahrungssuche, im Krieg, auf der Suche nach Arbeit in anderen Regionen schwer erkrankte oder ums Leben kam. Die Verwandten/die Sippe hätten ohne die größtmögliche Wahrscheinlichkeit, dass der Nachwuchs aus dem eigenen Clan/Familiengruppe kommt, die Hilfe verweigert. Für fremde/feindliche Gene fühlte man sich zu der Zeit nicht zuständig.


    Viele Männer denken und leben das heute noch so. Was ich nicht schlüssig weiß ist, ob diese Einstellung etwas ist, dass als genetisches Programm in uns verankert ist, und /oder eher kulturell/moralisch geprägt entstanden ist.


    ( müssten Verhaltens/Evolutionsbiologen klären können)


    Einzig, die "nachweisbare" Junfernschaft war ein Indiz für die künftige Vaterschaft, wenn der Mann genug Zeit hatte, vor Ort zu bleiben und den Beginn der Schwangerschaft zu erleben. So gesehen stieg zumindest statistisch die Wahrscheinlichkeit, dass es die eigenen Gene waren. Zumindest ist dies meine Vermutung zu dem Thema, warum in vielen Religionen und selbst bei Naturvölkern, die "Unberührtheit" der Frau so eine überragende Rolle hatte und deshalb solche "Regeln" überhaupt entstanden sind.


    Moderne Gesellschaftsformen weichen dies zu Gunsten besserer Überlebenschancen von Kindern nach und nach auf. Und das ist gut so. Mit ein Grund, warum es Sinn macht – sich heute dafür einzusetzen, dass so sich starre Dogmen verändern, weil sie nicht mehr zeitgemäß sind.

    In-Kog Nito

    Zitat

    Das ist ein deutscher Ethnozentrismus. Da sich diese Familie der deutschen Familie aber nicht zugehörig fühlt, gilt dieser Freiheitsgedanke für sie nicht, ist also als Argumentationsbasis unbrauchbar.

    Eben nicht. Den diese Freiheit ist im Grundgesetzt verankert in gilt in diesem Land. Sofern man hier lebt!

    Zitat

    ( Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung, um eigene Gene zu etablieren, im Glauben, dass der Nachwuchs Verhaltensweisen haben könnte – die den eigenen ähnlicher sind und feindlichen Männern, die Möglichkeit zu nehmen, sich selbst fortpflanzen zu können. Damals lebten Frauen meist nur kurz, die Gefahr bei der Geburt zu sterben, war weit höher als heute und Frauen nicht lang genug im fruchtbaren Alter)

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    Was ich nicht schlüssig weiß ist, ob diese Einstellung etwas ist, dass als genetisches Programm in uns verankert ist, und /oder eher kulturell/moralisch geprägt entstanden ist.

    Interessanterweise habe ich vor einiger Zeit eine Dokumentation über Schimpansen gesehen, die zeigten genau diese Verhaltensweisen. Wenn andere Männchen die Führung in einer Gruppe übernahmen, wurden als erstes die Jungtiere der vorigen Alphas getötet, unter anderem auch, weil die Weibchen kurz danach wieder paarungsbereit waren. Hinzu kommt noch, daß nur der Alpha der Gruppe entscheidet, wer sich fortpflanzen darf, er hat die komplette Entscheidungsgewalt über die Weibchen. Klingt vertraut, wenn man sich die Verhältnisse in Familien aus bestimmten Kulturkreisen ansieht, oder? Wenn man dann noch bedenkt, wie nahe wir mit Schimpansen verwandt sind, erübrigt sich m. E. die Frage nach der Verankerung im genetischen Programm.