Im Grunde ist es ganz einfach, denn du musst dir nur die Frage stellen was aktuell wichtiger ist für dich: Die bald anstehenden Abschlussprüfungen oder die Haare deines Freundes. Je nach dem für was du dich entscheidest, kannst du dich danach näher mit dem einen oder dem anderen beschäftigen.


    Wenn du aber vor dem Papier und Aktenstapel deiner Ausbildung sitzt, den obersten Ordner aufschlagen willst, und trotzdem die Haarfarbe deines Freundes nicht aus dem Kopf kriegst, bewegungslos sitzen bleibst und einzig deine Gedanken darum kreisen lässt, ob dies ein sinnvoller Grund wäre die Beziehung zu beenden, du diese Entscheidung gar nicht mehr selber, aktiv fällen kannst, dann hast du ein sehr ernsthaftes Problem das bereits psychotische Züge annimmt.


    Wenn deine Gedanken derart die Kontrolle über dein Handeln übernommen haben, solltest du sehr dringend etwas unternehmen. Sinnvolle Antworten auf diese, deine jüngsten Fragen kann es nicht geben! Außer das man - bitte verzeihe mir - dir mitteilen müsste das du nicht mehr alle Latten am Zaun hast... ;-)

    Yuna, noch ein paar Worte zum Schluss. Jeder Mensch ist auch in einer Partnerschaft individuell. In meiner Partnerschaft hat sich immer etwas verändert. Mir hat mein damaliger Freund im Großen und Ganzen gut gefallen, es gab aber das ein oder andere, was an meinem inneren Idealbild auch vorbeigegangen ist. Und es gab Zeiten, da fand er mich einfach nur toll und im Laufe der Jahre, hat sich auch mal etwas hinzugesellt, was jetzt nicht seinen Idealvorstellungen entsprochen hat, sowohl vom Charakter als auch andere Sachen. Aber das sind Nebensächlichkeiten und ja natürlich kann man so denken, denn man ist ja nicht blind.


    Aber im Gesamtpaket gefällt mir mein Partner und ich ihm, aber wir haben auch schon mal die ein oder andere größere Krise gehabt und daraus gelernt und uns weiterentwickelt. Du hast ständig ein Problem mit deinen Gedanken und dem, was du jetzt siehst oder fühlst und du willst es mit aller gewallt in eine perfekte, von dir selbst erdachte Form pressen. Das ist eine Katastrophe für deine Psyche. Schmeiß doch mal die Idealvorstellungen von einer Beziehung über Bord und lass es zu, dass deine Beziehung halt erst am Anfang steht und das du im Moment auch Dinge siehst, die dein Freund an dir nicht sieht. Er darf seine Gedanken haben und du deine. Und sie dürfen auch nicht unbedingt ideal sein und sie dürfen völlig unterschiedlich sein. Ich hätte auch an Brad Pitt äußere Aspekte, die mir nicht gefallen und andere würden das ganz anders sehen. Wäre aber kein Grund, einen Menschen deshalb nicht weniger wert zu schätzen. Und vor allem, ich würde mir keine Gedanken darüber machen, das ich diese für mich nicht idealen Dinge nun mal sehe.


    Yuna, ich kann dir nur raten, dass du alles so lässt wie es ist. Lass deiner Beziehung Zeit und lebe dein Leben so wie es jetzt auf dich zukommt. :)*


    Wenn du das nicht schaffst, dann würde ich an deiner Stelle in die Psychiatrie gehen und mein Anliegen dort schildern.

    Ich schiebe doch noch etwas hinterher.

    Zitat

    Jetzt denk ich wieder an dieses Zitat, was ich schon geschrieben hatte, mit "Love is seeing an imperfect person perfectly."

    Solche einseitigen Zitate stimmen aus einem ganz bestimmten Blickwinkel und von einem anderen wiederum überhaupt nicht. Als ich meinen damaligen Freund und heutigen Partner, dass erste mal bewusst wahrgenommen habe, da hat er eine herausgewachsene Frisur gehabt, mit einer Unmenge von Haaren, die wie ein Turm auf seinem Kopf ausgesehen haben, ähnlich wie zu Zeiten von Ludwig dem 14 mit den Perücken, allerdings ohne die Länge sondern nur mit der Höhe. ;-D Und nein, beim besten Willen, das war nicht ideal, weder für sein Gesicht, noch für sonst irgend etwas. Er musste einfach zum Friseur. ;-D Und das sehe ich trotz dem er mir charakterlich irgendwann mir gefallen hat. Auch das war am Anfang eher kaum der Fall, weil sein Charakter unter seinen ständigen Witzen kaum zu finden gewesen ist.


    Mensch, Yuna, ich wünschte du könntest deine eigenen Erfahrungen machen und mal etwas Humor in die Sache hineinbringen, den du ja auch hast und solche Zitate, die alles in eine Form pressen wollen, sein lassen.

    Richtig.

    Zitat

    Love is seeing an imperfect person perfectly.

    Das ist eine romantisch verklärte Lied-Strophe (oder etwas ähnliches), die die wünschenswerte Idealvorstellung einer perfekten Welt anpreist. Tatsache ist aber das man selbstverständlich an so gut wie jeder Person etwas finden würde das einem nicht gefällt oder weniger gut gefällt. Trotzdem kann dieser Mensch in seiner Gesamtheit aus Körper und Seele überzeugen. Manches davon wird sich im Laufe der Zeit auch anpassen und verändern. Nicht nur an ihm, auch an dir. Und auch Meinungen und Überzeugungen können sich im Laufe der Zeit verändern. Eine solche Beziehung muss erst wachsen. Ihr müsst euch im wahrsten Sinne des Wortes aneinander gewöhnen. Und natürlich spricht nichts dagegen mal anzusprechen ob ihm längere Haare (um bei dem Beispiel zu bleiben) nicht vielleicht auch oder sogar noch besser stehen würden. Vielleicht würdest du dann auch sagen, nein, mit kurzen Haaren sah er doch besser aus...


    Das ist auch nicht oberflächlich, denn du hast ja Augen im Kopf und siehst diese Dinge. Wenn sie dir so existenziell wichtig sind, könnten sie vielleicht wirklich ein Trennungsgrund sein. Den Gedanken das so gut wie niemand vollumfänglich deiner Idealvorstellung genügen wird, muss du aber akzeptieren. Das Leben ist selten ideal. Und wie langweilig wäre letztlich eine perfekte Welt... Ecken und Kanten machen doch jeden von uns erst aus.


    Erfreue dich doch statt dessen an all den Dingen, die dir besonders gut an ihm gefallen und wahrscheinlich wirst du dann feststellen das die paar "Mängel" gar nicht ernsthaft ins Gewicht fallen. Wenn du aber ständig nur das weniger Gute im Blick hast, bist du einfach nicht offen für all das Schöne, dass er dir bieten kann als Mensch und Mann. Das ist auch ein Grund warum du so zögerst.

    Zitat

    Ist das wirklich okay, wenn man nicht alles an seinem Partner mag, aber theoretisch damit leben kann?

    Das ist nicht nur Okay, dass ist der Normalfall.


    Du kannst natürlich so lange warten bis der perfekte Traumprinz vor deiner Tür auftaucht, nur wird das in der realen Welt nicht passieren und während du darauf wartest, zieht das Leben an dir vorüber...

    Zitat

    Das mit dem lernen ist so ne Sache ...


    Das sind gerade schon wieder so viele Baustellen auf einmal.

    Yuna, hindern dich die Baustellen am Lernen?


    Es liegt an dir, ob du die Baustellen offen halten möchtest oder ein Schild mit "geschlossen" dran hängst.


    Du musst kurz vor der Prüfung keinen Therapeuten suchen und auch keine Grundsatzfragen zu deinem Freund klären.


    Auch jede andere Baustelle kannst du vorrübergehend schließen, bis du wieder Zeit dafür hast.

    Zitat

    Als ich meinen damaligen Freund und heutigen Partner, dass erste mal bewusst wahrgenommen habe, da hat er eine herausgewachsene Frisur gehabt, mit einer Unmenge von Haaren, die wie ein Turm auf seinem Kopf ausgesehen haben, ähnlich wie zu Zeiten von Ludwig dem 14 mit den Perücken, allerdings ohne die Länge sondern nur mit der Höhe. ;-D Und nein, beim besten Willen, das war nicht ideal, weder für sein Gesicht, noch für sonst irgend etwas. Er musste einfach zum Friseur. ;-D

    ;-D :_D :)^

    Ich schätze, wenn ich das alles demnächst beenden würde, würdet ihr vermutlich auch die Welt nicht mehr verstehen oder? … Ach, ich weiß doch auch nicht.


    Momentan ist es entweder so, dass ich in so Grübelphasen gerate, wo ich einen Ausgangsgedanken habe, auf den zich weitere Gedanken folgen und ich mich immer mehr ins Unglück denke ohne zu wissen, wie ich da wieder rauskommen soll (jaaaa, Hanca, ich weiß, ich weiß…) oder ich… fühle gar nichts. Was eigentlich ganz angenehm ist, da es mir lieber ist das Ersteres.


    Ist das normal, dass man dank Stress nix fühlt? Würde ich mich jetzt zu sehr da rein steigern, würde ich denken: "HAH! Du fühlst nichts! Du vermisst ihn ja gerade noch nicht mal! Du stehst nicht auf ihn, ihr solltet nicht zusammen sein..." und so weiter.


    Vielleicht ist es ja letztlich auch einfach die bittere Wahrheit und wir waren vorher als Freunde besser dran. Wobei das auch sicherlich nicht mehr möglich sein wird. Immerhin muss ich dann nicht mehr rausgehen, weil ich ja keinen Grund mehr dazu habe. Außer Arbeit, einkaufen und solche Dinge.


    Ich habe jetzt nur (leider) keine Zeit, mich mit dem ganzen Mist auseinanderzusetzen, weil es in meiner Prüfung nicht darum geht. … Wäre ja noch schlimmer.


    (Klingt das nach Depression? - Naja, auch dafür habe ich jetzt keine Zeit.)

    Nach was es klingt, ist unter'm Strich egal. Fakt ist, dir geht es nicht gut. Nach wie vor nicht. Du hast es, wie jeder andere Mensch, verdient, dass es dir gut geht. Den Schalter kann man aber nicht von heute auf morgen umlegen. Und ich denke, es ist gut, wenn du dir beim Aufarbeiten deiner Baustellen professionelle Hilfe holst.


    Ich finde es in Ordnung, wenn du dich erst mal auf deine Prüfungen und dein Wohlergehen fokussierst.


    Bei mir selbst ist es so, dass ich andere Menschen nur dann wirklich gern haben kann, wenn ich auch mit mir selbst zumindest halbwegs im Reinen bin. Bin ich mit mir selbst unzufrieden, habe Angst und schlafe vielleicht auch noch zu wenig, neige ich dazu mit anderen Menschen nicht besonders versöhnlich umzugehen. Ich bin dann gereizt und mein Fokus verschiebt sich auf alles negative und beschissene.


    Das Problem ist, dass man da recht schnell in einen Strudel gerät, in dem es einem nicht gut geht, man schwarz sieht und sich dann unbewusst selbst sabotiert, dass wirklich Dinge in die Hose gehen. Dadurch fühlt man sich in seiner Schwarzseherei bestätigt und sieht noch schwärzer.


    Ich hatte vor ein paar Jahren eine Phase, in der ich mich ziemlich aus meinem Leben zurückgezogen hatte und mich tatsächlich mehr oder weniger wochen- bis monatelang unter der Bettdecke verkrochen habe, weil ich alles andere nicht ausgehalten habe. Ich habe es nicht mehr geschafft zur Uni zu gehen, weil ich Angst vor Prüfungen hatte. Ich habe ungefähr alle Sozialkontakte einschlafen lassen, weil ich es zu der Zeit nicht ausgehalten habe. Ich habe nicht wirklich eine Perspektive gesehen.


    Da das Leben aber definitiv nicht besser wird, wenn man sich für immer die Decke über den Kopf zieht, bin ich Schritt für Schritt wieder aus meiner Höhle herausgekrochen. Ich sehe Dinge seitdem nicht mehr so dramatisch. Ich habe meinen Perfektionismus, der mich bei so vielem blockiert hat, zumindest zu Teilen abgelegt. Ich bin milder und nachsichtiger und weniger egozentrisch geworden. Und vor allem bemühe ich mich sehr, mich auf das Positive und Schöne zu konzentrieren. Auch auf winzig kleine Erfolgserlebnisse wie eine angeschaltete Spülmaschine darf man ruhig stolz sein, warum auch nicht? Und je mehr man sich auf's Gute konzentriert, desto mehr entdeckt man davon. Mir hilft das dabei, meine innere Ruhe zu finden und zufrieden zu sein.


    Mein Leben ist von Perfektion ein gutes Stück weit entfernt. Aber es geht mir meistens (auch nicht immer) richtig gut, ich fühle mich in mir selbst angekommen. Und seit das so ist, bin ich auch zum ersten Mal in der Lage eine Beziehung zu führen, in der ich nicht dazu neige an meinem Partner Unperfektheiten zu entdecken und alles, was nicht oder noch nicht super ist. Und bei unserem ersten Date (wir haben uns online kennengelernt) hatte er eine schreckliche Frisur ;-D Er hat sich, warum auch immer, sein schulterlanges, wunderbar lockiges Haar geglättet. Ich habe ihn zuerst gar nicht erkannt und war wirklich irritiert ]:D

    Zitat

    Ist das normal, dass man dank Stress nix fühlt?

    Fragen wie diese - und manch andere ähnliche - sind es, die dich extrem naiv und weltfremd aussehen lassen. Denn du könntest genauso fragen ob es normal ist das es nachts draußen so dunkel ist und ob andere da genauso wenig sehen können, dass wäre ja voll gefährlich.


    Wie gerade aus dem Ei geschlüpft und in eine völlig fremdartige Welt geworfen...

    Ich habe das Gefühl.. mh… als bräuchte ich so eine Anleitung oder ein Nachschlagewerk für Beziehungen. Wie sie sein sollten, wie man sich verhält, was richtig/falsch ist, was Grund zur Besorgnis ist und was völlig normal ist. Damit ich, wenn ich mir Sorgen mache, nachgucken könnte und entweder sehe "Ah, guck mal, da steht, das ist normal, also mach dir keine Sorgen!" oder "Oh, da steht, das ist nicht so gut..." - wobei letzteres dann sicherlich wieder ein Problem sein könnte.


    Am besten noch zertifiziert oder von vielen Leuten abgesegnet. Frag mich nur gerade, ob das dann wirklich helfen würde oder ob ich auch das anzweifeln würde. "Was, wenn die sich alle irren?"


    Mal abgesehen davon, dass es so etwas nicht gibt, aber vielleicht versteht ihr den Grundgedanken.


    Ich weiß halt nicht, wie man das alles macht, wie es sein sollte usw. - vielleicht ist das auch wieder das Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit und so… Naja. Ich habe eigentlich anderes zu tun.

    @ Elaf

    Danke. Sehr nett. :-|

    Ich kann, glaube ich, schon nachfühlen, wie es in dir aussieht, Yuna. Du findest keinen Halt in dir selbst, und suchst deshalb Halt außerhalb von dir selbst. Das ist verlockend. Weil es dann ganz einfach wäre, "richtig" zu sein. Man müsste nur sich nur an die Bedienungsanleitung für's Leben halten, damit alles so läuft, wie man es sich vorstellt ;-D


    Leider oder zum Glück funktioniert das so nicht. Das Leben besteht aus so vielen verschiedenen Variablen, dass es schlicht unmöglich ist, für alles kausale Zusammenhänge herzustellen. Das verunsichert, klar. Auf der anderen Seite, ist es aber auch das, was das Leben ausmacht. Man darf lebenslang neugierig bleiben, hat immer die Chance Neues entdecken zu können und lernt immer wieder dazu. Man ist nie fertig.


    Das hat mir lange Angst gemacht. Als ich mit der Schule fertig geworden bin, hatte ich sehr klare Vorstellungen wie mein Leben ablaufen würde und wann ich erwachsen sein würde. So mit Mitte bis Ende 20 nämlich. Da würde ich dann alles unter Kontrolle haben, Haushalt und Steuererklärung. Natürlich würde ich in einem Eigenheim leben und Kinder haben und nebenbei eine herausragende Karriere als Forscherin machen.


    Dann hat das nicht so geklappt, wie ich mir das ausgemalt hatte. Ich wäre wirklich fast daran zerbrochen, dass meine Vorstellungen vom Leben mit dem tatsächlichen Leben nicht zusammengegangen sind. Ich habe große Angst vor dem Versagen entwickelt, bis ich so gehemmt war, dass ich eine Zeit lang gar keine Schritte in irgendeinen Richtung getan hätte, aus Sorge davor dass es falsch ist und ich scheitern würde.


    Nun bin ich, wo ich bin. Ich werde dieses Jahr 30. Mein jugendliches Ich, würde ich mir eine gescheiterte Existenz sehen. Kinder habe ich keine, aber immerhin einen Hund. Ein abgeschlossenes Studium habe ich auch nach wie vor nicht, aber immerhin einen Job, der mir meistens Spaß macht und der es mir erlaubt meine Rechnungen zu zahlen. Ich bin was den Haushalt angeht nach wie vor ein ziemliches Ferkel, aber ich schaffe es die Steuererklärung zu machen ;-D


    Und, was ich früher nie von mir gedacht hätte, es geht mir gut, ich bin zufrieden. So lange habe ich versucht, alles richtig zu machen und habe mich dabei nur getrieben und nie gut genug gefühlt. Jetzt bin ich einfach, so, wie ich bin. Manche Sachen kann ich gut. Andere nicht so. Das ist in Ordnung. Das ist auch bei dir in Ordnung. Und weil jeder Mensch unterschiedliche Stärken und Schwächen hat, kann es auch keine Bedienungsanleitung für das Leben und alles geben.


    In Beziehungen kommen dann sogar zwei verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammen. Macht das mit der Bedienungsanleitung nochmal unmöglicher.


    Es erlaubt aber auch, den anderen neugierig und offen immer wieder neu kennenzulernen. Auch in Beziehungen ist man nie einfach angekommen und dann ist es für immer so, im Gegenteil, alles befindet sich ständig im Fluss.

    Zitat

    Ich habe das Gefühl.. mh… als bräuchte ich so eine Anleitung oder ein Nachschlagewerk für Beziehungen.

    Yuna


    Damit könntest du auch nichts anfangen.


    Aus diesem Grund:

    Zitat

    "Was, wenn die sich alle irren?"

    Dein Zweifeln und Grübeln hat solche Macht über dich, dass du immer lebensunfähiger wirst.


    Das ist wie ein Zwang.


    Ich finde es ziemlich bedenklich, dass du Lösungsvorschläge nichtmal ansatzweise aufgreifst.

    Aktuell solltest du dich voll auf den Abschluss deiner Ausbildung konzentrieren! Alle übrigen Probleme z.B. mit deiner Beziehung können sicher so lange warten. Danach kannst und solltest du dich um einen Therapieplatz kümmern und danach ist auch genug Zeit und viel mehr Raum für die Weiterentwicklung deiner Beziehung. Du kannst deine Probleme nicht mal eben schnell nebenbei lösen! Dazu sind sie leider im Laufe der Jahre viel zu groß und übermächtig geworden.


    Es gibt auch kein Handbuch, kein Checkheft für eine funktionierende Beziehung! Dazu sind die Menschen viel zu verschieden. Die einen bevorzugen eine offene Beziehung, andere sind vor Eifersucht zerfressen. Die einen führen eine harmonische und ausfüllende Fernbeziehung und sehen sich nur jedes zweite Wochenende, andere wollen 24/7 aufeinander hocken und können es nicht ertragen den Partner mal einen Tag nicht zu sehen. Die einen stehen auf romantische Abende bei Kerzenschein, die anderen gehen lieber in den nächsten Swingerclub. Für den einen war es Liebe auf den ersten Blick, beim nächsten kam die Erkenntnis das es Liebe ist erst nach Monaten. Man könnte jetzt noch hunderte andere Beispiele aufzählen.


    Was eine Therapie angeht, so muss dir klar sein das es u.U. sehr lange dauern kann eine normale, ambulante Therapie zu finden. Evtl. - und diesen Gedanken würde ich nicht von Anfang an ausklammern - wäre eine stationäre Therapie schneller erreichbar und wahrscheinlich auch schneller zielführend.


    Du willst immer alles unter Kontrolle haben und vollständig begreifen. Aber so funktioniert das Leben nicht. Du hast eine theoretische Idealvorstellung im Kopf. Aber nur als diffuses, unkonkretes Bild. Jetzt versuchst du die Realität mit dieser Wuschvorstellung abzugleichen, ohne das du diese Vorstellung mit Erfahrung und Wissen definieren könntest. Ich meine, ich kann dich auch irgendwo verstehen. Wie fühlt sich Liebe an? Was bedeutet sexuelle Anziehung? Ohne das je empfunden zu haben, kannst du dir diese Frage nicht beantworten. Das Problem ist hier das du all dieses umso schwerer erkennen kannst, je verbissener du danach suchst. Denn du weißt ja gar nicht wonach du suchen sollst und alles was so passiert stellst du in Frage. Ist das richtig so? Muss das so sein? Ist das bei anderen genauso? Diese Fragen haben alle einen negativen Unterton. Statt z.B. festzustellen das es sich ungewohnt aber auf irgendeine ungreifbare Art gut anfühlt wenn ihr beide zusammen seid, fragst du dich ob es nicht vielleicht bei jemand anderem noch besser ginge.


    Gut, Yuna, du bist halt schüchtern und hast wenig Selbstvertrauen. Das ist erstmal kein Weltuntergang! Bei dir nimmt das aber derart dramatische Züge an, dass dies behandelt gehört. Du schaffst es nichtmal einfache Tipps und Ratschläge ergebnisoffen aber motiviert umzusetzen oder wenigstens auszuprobieren. So sehr hat dich deine Gedankenwelt im Griff. Es ist nicht normal das du deine Gedanken nicht abstellen kannst! Aktuell sollte die Ausbildung in deinem Fokus stehen und alles andere kann zumindest so lange noch warten. Wenn du jetzt versuchst alles gleichzeitig anzupacken, wirst du keine dieser Baustellen erfolgreich abschließen können.


    Manchmal habe ich auch das Gefühl oder den Eindruck das du bewusst oder unbewusst genau darauf zusteueuern willst.