Alte Beziehung noch nicht abgeschlossen trotz neuer Freundin?

    Hallo Leute,


    ich bin gerade ziemlich verzweifelt und wende mich daher an euch. Ich werde ausführlich schreiben, damit ihr die Situation richtig nachvollziehen könnt. Ich hoffe, die Länge ist nicht unverschämt.


    Zur Situation: Ich (m,22) bin seit einem halben Jahr mit meiner jetzigen Freundin (21) zusammen und dabei eigentlich sehr glücklich. Meine Freundin versteht mich, ich verstehe sie, wir sind auf einer Wellenlänge und ich liebe sie. Trotz einiger Makel, die jeder Mensch hat, ist sie für mich mehr oder minder perfekt. So wie die Freundin, nach der ich mich immer gesehnt hab - nachdem ich mich eigentlich schon damit abgefunden habe, "beziehungsunfähig" zu sein und wahrscheinlich nie einen Menschen finden würde, den ich liebe und der mich wirklich versteht. Aber plötzlich kam sie!


    Davor war ich eher auf dem Film, mich nicht auf Beziehungen wirklich einzulassen, da man ja sonst was "verpassen könnte". Ich war bis 20 Jungfrau und wollte mich danach einfach nur austoben. In dieser Zeit habe ich eine Frau kennengelernt, mit der ich eine längere Affäre einging. Sie war 8 Jahre älter als ich und auch sonst sehr weit von meinem Wesen entfernt. Ich habe sie eigentlich nie richtig "gecheckt", weil sie ziemlich eigenartig war und so haben wir uns zwischenmenschlich nie so richtig verstanden. Aber die Anziehung war da, vor allem, da sie durch ihr eigenartiges Verhalten sehr interessant für mich war und nebenbei auch gut aussah. Und nach den ersten beiden Treffen war ich irgendwie schon verliebt, obwohl ich sie noch gar nicht richtig kannte. Ich ging mit ihr zwar keine feste Beziehung ein und meinte auch zu ihr, dass ich ihr nicht versprechen könnte, monogam zu leben, aber trotzdem ging unsere Affäre (oder Beziehung, oder was auch immer) ziemlich lange, und zwar fast ein Dreivierteljahr. Die Zeit war geprägt von ersten typischen Erfahrungen einer Beziehung oder "Fast"-Beziehung (zusammen aufwachen, zusammen was unternehmen, etc) und ich war auch gefühlsmäßig sehr von ihr angetan. Weniger in Richtung Liebe, sondern mehr in Richtung Lust und verbotene Liebe. Verbotene Liebe, weil sich die ganze Sache von Anfang an nicht ganz richtig angefühlt hat, aber es war eben diese Anziehung da und meine Faszination für diesen Menschen, den ich nicht verstehe. Zwischenzeitlich habe ich auch geglaubt sie zu lieben, vielleicht habe ich das auch. Jedenfalls meinte sie, als ich ihr meine Liebe gestehen wollte, nur zu mir: "Du weißt gar nicht, was echte Liebe ist." Ich war sehr verletzt von dieser Antwort, aber andererseits hatte sie auch nicht ganz Unrecht. Ich habe mich nie wirklich um sie gesorgt oder mich an Tagen, an denen ich sie nicht gesehen habe, gefragt, wie es ihr geht. Andererseits hatten wir auch nie ein festes Fundament und eigentlich nie "tiefe Gespräche". Ich wollte oft so etwas wie "tiefe Gespräche" mit ihr anfangen, aber es ging irgendwie nicht. Ich habe das vor allem auf sie geschoben, aber es lag wohl an beiden Seiten: Man hat sich einfach nicht verstanden oder wollte es nicht. Zwar habe ich mich ihr gegenüber oft geöffnet, über mein Leben, meine Gedanken, meine Gefühle gesprochen, aber von ihr kam nie wirklich etwas zurück.


    Eigentlich war ich immer, nachdem wir uns getroffen haben, zwar beflügelt von unserem Treffen aber gleichzeitig hatte ich auch das Verlangen nach Flucht. Während unserer Zeit hatte ich auch vier One-Night-Stands, was zwar kein wirkliches Fremdgehen war, da ich nie etwas versprochen hatte, aber es hatte sich trotzdem falsch angefühlt. Der Drang, auszubrechen aus dieser Beziehung, die mich zwar anzieht, aber mir nicht das Gefühl gibt, das Richtige zu tun, war immer da, und so habe ich auch bestimmt 8mal "Schluss" gemacht. Ein richtiges Schlussmachen gab es nie, da es auch nie eine richtige Beziehung gab, aber ich meinte jedes Mal: "Ich kann das nicht mehr, weil es sich nicht richtig anfühlt, und obwohl wir uns gegenseitig anziehen, nie wirklich verstehen werden." Daraufhin kam sie immer an und hat mir Hoffnung gemacht, dass das, was noch nicht gegeben ist, ja entstehen könnte. Aber jedes Mal, wenn ich mich wieder darauf eingelassen habe, lief es schief. Vielleicht wollte ich auch, dass es schief läuft. Jedes Mal, wenn ich mich von ihr entfernt habe, hatte ich ein gutes Gefühl. Ich hatte das Gefühl, das Richtige zu tun. Wenn ich mich wieder mit ihr getroffen habe, hatte ich zwar nicht das Gefühl, das Richtige zu tun, aber ein gewisses Verlangen nach ihr war einfach da. Irgendwann habe ich mich dann endgültig von ihr getrennt, woraufhin es mir erstmal ziemlich mies ging, aber ich wollte nicht zurück zu ihr – ich hatte richtig Angst davor.


    Eine wichtige Sache habe ich noch vergessen: Das Ganze klingt so, als ob ich mit ihr fantastischen Sex gehabt hätte, aber dem war nicht so. Es war mir irgendwie unangenehm mit ihr Sex zu haben, vielleicht, weil ein gewisses Vertrauen nie da war. Es war körperliche Anziehung da, aber sobald es zum Geschlechtsverkehr kam, wollte ich meistens nicht. Sie hatte sich damit irgendwie abgefunden, und mir einfach immer Blowjobs gegeben.


    Ein paar Monate danach habe ich meine jetzige Freundin kennengelernt. Mit ihr war alles anders. Ich hatte auf einmal einen Menschen, von dem ich alles, was ich an der Beziehung davor vermisst habe (also das rein Zwischenmenschliche vor allem), bekam. Wir haben uns auf Anhieb verstanden, mental, sexuell, in jeder Hinsicht. Wir kamen darauf auch sehr schnell zusammen. Sie war und ist daher sozusagen meine erste, "richtige" Freundin. Ein Mensch, auf den ich mich verlassen kann, und dem ich auf der anderen Seite auch helfen will, wo ich kann. Ich weiß zwar bis heute nicht, was echte Liebe ausmacht, aber ich glaube sie zu lieben. Sie gibt mir Geborgenheit, ich fühl mich wohl bei ihr, ich mag es mit ihr zusammen zu sein, ich verstehe sie, ich kann mir sogar vorstellen mit ihr alt zu werden. Ich will mein Leben mit ihr teilen und will ihres kennenlernen. Alles Dinge, die in der Beziehung davor nicht da waren.


    So, und jetzt kommt es zu meinem Problem: Es gibt Momente, an denen ich an die alte Beziehung denke. Nicht in der Hinsicht, dass ich denke: "Wow, das war so schön, ich vermisse das alles", sondern mehr in die Richtung "Wieso habe ich das damals eigentlich mitgemacht? Was genau wollte ich von dieser Person? Wer WAR sie überhaupt?". Weil ich auch keine Bilder oder ähnliches von ihr hab, kommt sie mir ein bisschen vor wie ein Phantom. Eine Person, die ich irgendwie nie gekannt habe, und trotzdem mit ihr lange Zeit eine Beziehung/Affäre hatte. Ich will aber auch nicht so tun, als ob ich nur negativ über sie denken würde. Dieses Gefühl der "verbotenen Liebe", dieses Nicht-Verstehen, hatte auch seinen Reiz. Dieses Gefühl habe ich mit meiner jetzigen Freundin nicht, aber eigentlich wollte ich es auch nie wieder haben. Wie gesagt: Ich habe regelrecht Angst vor meiner alten Affäre. Vielleicht, weil ich Angst habe, wieder Gefühle oder Hoffnungen zu entwickeln, die wieder nur zerstört werden würden. Vielleicht, weil ich mich einige Male ihr gegenüber geöffnet habe, und enttäuscht wurde, und deswegen immer noch verletzt bin. Allein der Gedanke an sie gibt mir ein schlechtes Gefühl.


    Dennoch scheint es etwas in mir zu geben, das noch nicht wirklich mit der alten Beziehung abschließen konnte, sonst würde sie nicht in meinem Kopf manchmal rumschwirren. Ich bin generell ein Mensch, der oft grübelt, nachdenkt, an Vergangenes denkt..Und die Zeit zwischen der Trennung und der neuen Beziehung war eben auch recht kurz.


    Meine Angst ist, dass diese Gedanken an meine alte Beziehung nie ganz weggehen werden und so meine jetzige Beziehung zerstören könnten, was ich auf keinen Fall will. Ich will mit meiner Freundin unbedingt zusammen bleiben. Und ich auf keinen Fall zurück zu der Alten, weil ich weiß, dass es keinen Sinn macht und ich damit nicht glücklich werden würde. Auch wenn mit meiner jetzigen Freundin Schluss sein sollte, würde ich mich davor hüten, meine alte Affäre zu treffen.


    Wie seht ihr das?


    Ist es okay, ab und zu an eine alte Beziehung zu denken? Selbst in Momenten, in denen ich mit meiner Freundin bin?


    Mache ich mir nur war vor und empfinde noch Gefühle für die alte Beziehung? Wünsche ich mir einfach zu sehr eine stabile Beziehung, so dass ich die jetzige Beziehung "erzwinge"?


    Dazu muss ich aber sagen, dass eine feste Beziehung nie mein vordergründiger Wunsch war. Ich bin deshalb mit meiner jetzigen Freundin zusammen gekommen, da ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl hatte, dass es das Richtige wär. Und es war bis jetzt auch super schön!


    In erster Linie würde ich mir nur wünschen, die alte Beziehung, diesen Geist in meinem Kopf auszumerzen. Aber ganz verdrängen konnte ich sie bis jetzt nicht. Ich weiß auch, dass Verdrängung eigentlich nicht das Richtige ist, aber ich möchte eigentlich gar nicht mehr über sie nachdenken. Ich will mit meiner Freundin zusammen sein und mich voll und ganz auf sie konzentrieren, so wie sie es auch verdient hat.


    Ich hoffe, ihr könnt mir helfen :°_

  • 1 Antwort
    Zitat

    Es gibt Momente, an denen ich an die alte Beziehung denke. Nicht in der Hinsicht, dass ich denke: "Wow, das war so schön, ich vermisse das alles", sondern mehr in die Richtung "Wieso habe ich das damals eigentlich mitgemacht? Was genau wollte ich von dieser Person? Wer WAR sie überhaupt?".

    ich finde das eigentlich ein sehr schönes zeichen :)_


    du scheinst den emotionalen abstand schon soweit geschafft zu haben, dass du dir diese fragen überhaupt stellen kannst - und seien wir mal ehrlich, alle vergangenen beziehungen haben einen in irgendeiner form geprägt, das leben beeinflusst, einen zu dem menschen gemacht, der man ist... wieso solltest du nicht analysieren dürfen, hinterfragen?


    nimm diese gedanken als etwas positives an und als möglichkeit zur selbstreflexion :)z