seterra

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    Ja natürlich, braucht jeder einmal Zeit für sich, wenn man etwas nachdenken muss, oder eine Aufgabe lösen will. Aber dafür hat man ja ein Arbeitszimmer in der Wohnung, oder? Also wenn ich etwas für mich mache, und mein Grauauge kommt und gibt mir schnell einen Kuss und lässt mich dann wieder alleine, das fördert doch das Nachdenken, oder? .

    Also, nicht jeder kann sich ein Arbeitszimmer leisten. Wenn man in einer Zwei-Zimmerwohnung lebt, dann ist der Tagesablauf ganz anders, als wenn jeder die Möglichkeit hat sich in ein nicht "besetztes" Zimmer zu begeben.


    ;-D ist ein Kuss etwas Nettes, aber wenn ich gerade konzentriert arbeite und jemand herein kommt - auch nur um mich zu küssen - dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ich lasse mich nicht beirren, dann bekomme ich den Kuss auch nicht wirklich mit oder aber ich widme mich dem Betreffenden und dann sind meine Gedanken "futsch". Wie gesagt, es hängt von der Tätigkeit ab, die man macht.

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    Wenn wirklich mal etwas kompliziertes gemacht werden muss, wenn sie bspw. die Prüfungen ihrer Schüler korrigieren muss, dann weiss ich das und lasse sie in Ruhe. Es ist doch eine Frage der Kommunikation, ohne dass der andere beleidigt ist.

    Natürlich ist es nur eine Sache der Kommunikation und darum sagt man ja dann auch, ich brauche jetzt Ruhe. ;-)

    Zottelbaer

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    Vor einer Jagd wird geredet. Man bespricht die Taktik, bezieht Stellung und wartet auf das Wild.

    Dann weiß ich jetzt wenigstens, was ich beim nächsten Mal, wenn ich mal wieder meine Ruhe brauche, sagen muss: "Du, Schatz, meine Vorfahren waren wohl welche, wo auch die Frauen gejagd haben und daraus haben wir seit Tausenden von Jahren die Angewohnheit, auf das Wild zu warten und zu schweigen"


    ...und was ist mit Treibjagden, wo man ganz besonders viel Krach macht? Wenn ich mir heutige Frauen-Kaffeekränzchen ansehe, wo es laut zugeht, dann schließe ich daraus, dass wohl in grauer Vorzeit die Frauen für Treibjagden zuständig gewesen sein müssen. Sie vertreiben ja heute noch mit ihrem lauten Gebrabbel und Gelächter die Männer. Ich schätze mal, dass diese Kaffekränzchen ihren Ursprung in solchen Treibjagden haben.

    Nee, die Kaffeekränzchen entstanden in den Kriegen zwischen verschiedenen Stämmen.


    Kamen nun die Krieger am Feind vorbei an eine gegnerische Wohnhöhle, dann fingen die Frauen an, wild durcheinanderzutratschen, und die Männer nahmen panisch die Beine in die Hand.


    So ist es bis heute geblieben! ;-D

    Kleio

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    Wenn man in einer Zwei-Zimmerwohnung lebt, dann ist der Tagesablauf ganz anders

    In unserem Gemeinschaftsatelier im Studium hielten sich in einem Raum bis zu 5 Leute auf, die konzentriert ihrer Arbeit nachgingen. Es wurde nur selten geredet. Man kann es lernen, so abzuschalten, dass man die Störungen drum herum ausblendet. Das geht nur dann nicht, wenn man direkt angesprochen wird.


    Wenn ich in meiner Wohnung konzentriert an einer Arbeit bin und meine Nachbarin auf einen Kaffee schellt, dann ist ihr mittlerweile auch schon aufgefallen, dass ich kaum ansprechbar bin.


    Ich schalte dann oberflächlich auf Besuch um, bleibe aber bei meinen Gedankengängen, sodass ich auch nur oberflächlich zuhöre, was sie mir sagt und dann ganz froh bin, wenn sie wieder geht, obwohl ich ihre Besuche ja sehr gerne mag. Manchmal wimmel ich sie schon an der Tür ab. Das will ich aber nicht zu oft, damit sie sich nicht zu abgewiesen fühlt und vielleicht gar nicht mehr kommt. Ich hab ihr das zwar schon erklärt, aber wenn ich ihr etwas dringendes zu sagen habe, möchte ich ja auch nicht abgewimmelt werden.


    Eine kurze Ablenkung ist auch nicht unbedingt schlecht, wenn man an die sog. Inkubationsphase denkt. Bei kreativen Prozessen ist es gut, wenn man sich nach einer Zeit höchster Konzentration auf das Thema, mit etwas völlig anderem beschäftigt, damit das Unbewußte "alleine" arbeiten kann. Manchmal ist man auch zu sehr auf etwas konzentriet, sodass man sich verrennt. Da ist es manchmal hilfreich, wenn ich meiner Nachbarin kurz zeige, was ich designt habe und sie mir, gerade weil sie nicht so drin steckt wie ich, einen kurzen "oberflächlichen" Eindruck gibt, der mich dann oft im Positivem aus einem "Verrennen" ganz schnell raus holt. Ihr fallen dann Dinge auf, die ich gar nicht mehr sehe, weil ich zu tief drin bin.


    So geht es mir auch bei anderen Gedankengängen. Zwischendurch brauche ich die Resonanz von anderen, um mich von Irrwegen abzubringen, von denen ich selber nicht mehr weg komme, weil ich diesen Weg schon zu weit gegangen bin. Ich glaube, wenn ich zu sehr alleine wäre und auch keine anderen allgemeinen Infos hätte (z.B. aus dem Internet), die mir zwischendurch die allgemein übliche oder andere Perspektiven aufzeigen würden, dann würd ich mir eine extrem eigene Welt zusammen spinnen. Daher brauche ich immer wieder kleine Unterbrechungen und den Austausch mit anderen, um mich zu versichern, ob ich noch in der "normalen" Realität bin und daher sind mir die Besuche meiner Nachbarin auch ganz recht, auch wenn ich sie als "Störung" empfinde.

    Vom Kaffeekränzchen

    zur Tupperware-Party ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.


    Also


    Aufgaben der Frauen


    Wild aufscheuchen und treiben (Kaffeekränzchen)


    Aufgabe der Männer


    Wild erlegen und transportieren


    Aufgaben der Frauen


    Wild weiterverarbeiten (Tupperware)

    Nun, die Männerstammtische kommen auch aus der Jagd: Es wird vorher besprochen, wie es gemacht wird, hinterher wird Manöverkritik gehalten, weil man während der Jagd ja nicht reden darf. ;-)


    Ein ähnliches Verhalten kennen wir übrigens auch noch heute bei der Männersportart Fußball: Vorher wird die Taktik besprochen, in der Halbzeit wird die Mannschaft zusammengestaucht, nach dem Spiel noch mal Manöverkritik.


    Während des Spieles sind nur bedingt Absprachen möglich, das muss zwingend vorher laufen.


    Und Dessousparties... hmmmm... Hat jemand eine Idee? ;-D

    wieauchimmer

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    In unserem Gemeinschaftsatelier im Studium hielten sich in einem Raum bis zu 5 Leute auf, die konzentriert ihrer Arbeit nachgingen. Es wurde nur selten geredet. Man kann es lernen, so abzuschalten, dass man die Störungen drum herum ausblendet. Das geht nur dann nicht, wenn man direkt angesprochen wird.

    Ja, genau das ist der Punkt – wenn mich jemand anspricht und ich ihm zuhöre, dann sind meine Gedanken weg. Beim Lesen, Musikhören oder Malen ist das kein Problem, weil ich "den Faden" gleich wieder habe.

    Zitat

    Wenn ich in meiner Wohnung konzentriert an einer Arbeit bin und meine Nachbarin auf einen Kaffee schellt, dann ist ihr mittlerweile auch schon aufgefallen, dass ich kaum ansprechbar bin.

    Ja, das ist für mich auch kein Problem, wenn ich alle paar Stunden unterbrochen werde, aber wenn mir jemand alle ½ Stunden reinschauen würde, dann würde ich ihm an die "Gurgel gehen". Gut, kommt nicht vor, weil ich es einfach von vorne herein klarstelle.

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    Ich schalte dann oberflächlich auf Besuch um, bleibe aber bei meinen Gedankengängen, sodass ich auch nur oberflächlich zuhöre, was sie mir sagt und dann ganz froh bin, wenn sie wieder geht, obwohl ich ihre Besuche ja sehr gerne mag. Manchmal wimmel ich sie schon an der Tür ab. Das will ich aber nicht zu oft, damit sie sich nicht zu abgewiesen fühlt und vielleicht gar nicht mehr kommt. Ich hab ihr das zwar schon erklärt, aber wenn ich ihr etwas dringendes zu sagen habe, möchte ich ja auch nicht abgewimmelt werden.

    Das möchte ich eben gar nicht, dass ich jemandem nur die halbe Aufmerksamkeit widme, genauso wie ich nicht "nebenbei" wahrgenommen werden will. Wenn ich merke, dass jemand mit seinen Gedanken wo anders ist, gehe ich wieder. Es ist ja kein Problem, wenn er gerade keine Zeit für mich hat, wenn er nur jedes zweite Wort mitbekommt, was ich sage, schon. Die wenigsten Dinge "rennen" mir davon. Dringende Dinge, wo sofort eine Entscheidung nötig ist – klar, damit habe ich auch kein Problem, aber es gibt Menschen, die sich immer sofort mitteilen müssen, mit solchen würde ich nicht klar kommen.

    Zitat

    Eine kurze Ablenkung ist auch nicht unbedingt schlecht, wenn man an die sog. Inkubationsphase denkt. Bei kreativen Prozessen ist es gut, wenn man sich nach einer Zeit höchster Konzentration auf das Thema, mit etwas völlig anderem beschäftigt, damit das Unbewußte "alleine" arbeiten kann. Manchmal ist man auch zu sehr auf etwas konzentriet, sodass man sich verrennt. Da ist es manchmal hilfreich, wenn ich meiner Nachbarin kurz zeige, was ich designt habe und sie mir, gerade weil sie nicht so drin steckt wie ich, einen kurzen "oberflächlichen" Eindruck gibt, der mich dann oft im Positivem aus einem "Verrennen" ganz schnell raus holt. Ihr fallen dann Dinge auf, die ich gar nicht mehr sehe, weil ich zu tief drin bin.


    So geht es mir auch bei anderen Gedankengängen. Zwischendurch brauche ich die Resonanz von anderen, um mich von Irrwegen abzubringen, von denen ich selber nicht mehr weg komme, weil ich diesen Weg schon zu weit gegangen bin. Ich glaube, wenn ich zu sehr alleine wäre und auch keine anderen allgemeinen Infos hätte (z.B. aus dem Internet), die mir zwischendurch die allgemein übliche oder andere Perspektiven aufzeigen würden, dann würd ich mir eine extrem eigene Welt zusammen spinnen.

    Für mich gibt es da eine klare Trennung, zwischen den Perspektiven anderer und mein Welt. Es ist zwar interessant, wie andere etwas sehen, aber an "meiner Welt" ändert das nichts. Gerade das ist ja das faszinierende daran, etwas zu erschaffen, weil es eben aus mir kommt. Wenn es fertig ist, dann können und sollen mir auch die Leute ihre Meinung dazu sagen, aber vorher interessiert mich ihre Meinung dazu nicht und ich will auch vorher nicht erklären, was ich vorhabe – das ist eben nur "meins".

    Zitat

    Daher brauche ich immer wieder kleine Unterbrechungen und den Austausch mit anderen, um mich zu versichern, ob ich noch in der "normalen" Realität bin und daher sind mir die Besuche meiner Nachbarin auch ganz recht, auch wenn ich sie als "Störung" empfinde.

    Das klingt lustig. Was ist für Dich die "normale" Realität?


    Wenig Menschen werden meine "normale" Realität jemals nachvollziehen können und noch weniger in dieser leben. Ich befinde mich sowieso in einer anderen Realität und in meiner Freizeit bin ich auch nicht geneigt diese zu verlassen. Die, die meine Realität nachvollziehen können oder genauso sind, würden mich auch nicht aus dieser herausreißen.

    Kleio

    Zitat

    aber vorher interessiert mich ihre Meinung dazu nicht und ich will auch vorher nicht erklären, was ich vorhabe – das ist eben nur "meins".

    Wenn es sich um Aufträge für Kunden handelt, die damit eine bestimmte Zielgruppe ansprechen wollen, ist die zwischenzeitliche Resonanz anderer schon wichtig, denn wenn ich fertig bin und muss alles verwerfen, dann ist das eine Menge Zeitverschwendung, sodass es besser ist, schon Zwischeschritte der Betrachtung und Beurteilung anderer zu unterziehen. Genauso ist es aber bei eigenen Sachen. Bevor ich Material verschwende und viel Zeit, lasse ich die Entwürfe von anderen betrachten, die mir ihre Meinung dazu sagen. Schließlich möchte ich ja mit den Sachen etwas sagen, was auch zumindest von einigen Leuten verstanden werden soll. Also muss ich sie fragen, welcher Entwurf am besten das transportiert, was ich damit sagen will.


    An der akademie hatte jeder so ca. alle halbe Jahre ein Kolloquium, wo er seine Arbeiten zum "zerpflücken" den anderen präsentierte. (zwischenzeitlich kann man den Professor alleine aufsuchen). Die Kolloquien waren die Ereignisse, wo man lernte, wie die Arbeit bei anderen ankommt und ob sie so verstanden wird, wie das, was man damit sagen wollte. Sie waren für die eigene künstlerische Auseinandersetzung sehr wichtig und lehrreich.

    Zitat

    Das klingt lustig. Was ist für Dich die "normale" Realität?

    Einfach ausgedrückt: Ich bin mit mehreren Leuten unterwegs und glaube, ein Ufo gesehen zu haben. Ich frage die anderen, ob sie auch etwas gesehen haben und ebenfalls meinen, es könnte ein Ufo gewesen sein. Anderenfalls hab ich mir das vielleicht nur eingebildet.


    Im Spiegel war mal ein Bericht, wo sie verschiedenen Leuten einen Kino-Aktion-Film gezeigt haben und dabei die Gehirnaktivität gemessen. Die war bei allen Probanten an den jeweiligen Stellen, wo es z.B. spannend wurde, sehr ähnlich. Es scheint also schon so etwas wie eine menschliche "Normalität" zu geben. Ich sage extra "menschliche", denn ob sie das widerspiegelt, was objektiv ist, ist eine andere Frage, aber alle Menschen funktionieren ähnlich, z.B. in ihrer Wahrnehmung. Optische Täuschungen funktionieren bei allen Menschen, weil es etwas Typisches für die menschliche Wahrnehmung ist. Eine Schlange würde es hingegen ganz anders sehen, so wie eine Katze einen Film mit 24 Bildern pro Sekunde auch als Diashow wahrnimmt, denn ihr Auge ist nicht so träge wie das Menschliche, das 24 Bilder pro Sekunde schon als flüssigen Bewegungsablauf empfindet.


    Jetzt fragt sich natürlich, bis wohin dieser "Normalzustand" geht und ab wann individuelle Bewertungen rein kommen. "Dieser Mann ist wütend", über so eine Aussage werden sich die meisten Leute einig sein (siehe meine Homepage, Mimik, Basis-Gesichtsausdrücke, die bei allen Menschen gleich sind). "Dieser Mann ist arrogant", darüber wird es schon schwieriger sein, sich zu einigen.


    Wieso muss man das überhaupt? Manchmal verliert man die eigene "normale" Beurteilungsfähigkeit. Beispiel: Meine Freundin war es so gewohnt, dass ihr damaliger Freund mit ihr in einem sehr rüdem Umgangston sprach, dass ihr das erst auffiehl, als ihre Schwester das mal mitbekam und sie fragte: "Wie redet der eigentlich mit dir?" Da ging ihr sozusagen ein Licht auf.


    Wenn ich mir für mich alleine meine Gedanken mache, Gedanken über "Gott und die Welt", dann interessiert es mich, ob andere meine Gedanken nachvollziehen können, oder sie für absurd halten. Natürlich sind für mich dann nur Leute Referenz, die mich normaler Weise nachvollziehen können. Manchmal reimt man sich eben gerne eine Erklärung über die "Welt" so zusammen, wie man es gerne hätte (Der Wunsch ist Vater des Gedanken) und nicht, wie es "ist" (ist meint nicht die objektive Realität, sondern die "normale" menschliche Realität).


    Auch mit Menschen, die andere Wunschvorstellungen und Lösungen haben, kann man sich dennoch über den "Ist"-Zustand einig sein. Ein Ist-Zustand wäre z.B. "Wir haben 4 Mio Arbeitslose". Natürlich ist diese Zahl beschönigt, weil alle Sozialhilfeempfänger, Hausfrauen, die gerne arbeiten würden, aber sich nicht arbeitssuchend melden u.s.w. nicht mitgezählt werden, aber wen man alles mitzählt, darauf kann man sich einigen. Schwieriger wirds mit der Frage: "Was sind die Hauptursachen der Arbeitslosigkeit?", denn darin steckt eine Menge individuelle Beurteilung. Solche Dinge versucht man ja mit Statistiken, Experimenten, etc. zu "objektivieren", aber traue keiner Statistik....


    Aufgrund zweier Freundinnen, die an einer Psychose litten, ist mir außerdem klar, dass manche Menschen sehr von der "normalen" Realität abweichen. Ich fürchte aber, dass man auch ohne eine solche Krankheit langsam abdriften kann, wenn man seine eigene Realität nie mit der anderer "gegencheckt". Es gibt ja auch Fälle, wo jemand sich einbildet, er werde von einer Frau/Mann geliebt, die/der kaum von der Existenz dieser entsprechenden Person Notiz nimmt. Das sind nicht gleich Leute mit ernsthafter Psychose, aber mit an bestimmten Stellen komischer Realitätssicht. Sie werten eine Geste der entsprechenden Person als Zuneigung, die sonst keiner als solche bewerten würde.


    Es gibt auch einen Gruppen-Test aus der Sozialpsychologie, wo ein einfacher visueller Vergleich (ob zwei Linien gleich lang sind) Gegenstand war. Allerdings waren 9 von 10 Teilnehmern eingeweiht. Immer mehr von ihnen behaupteten, dass die falsche Antwort richtig sei, bis der einzige wirkliche Versuchsklient der einzige war, der für die richtige Antwort eintrat. Die meisten Versuchsklienten fingen irgendwann an, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. 30% übernahmen irgendwann die falsche Meinung der anderen.


    So funktioniert Massenmanipulation und sie funktioniert wohl deshalb, weil die meisten Menschen ihre eigene Realität zuweilen "gegenchecken". Es scheint ein menschliches Bedürfnis, mit anderen zumindest in grundlegenden Dingen konform zu sein. Das birgt die Gefahren der Massenhysterie, hat aber sicher auch einen Sinn, nämlich, die Verständigung der Menschen untereinander zu fördern, was den Vorteil hat, dass sie besser zusammen "arbeiten" können. Wenn man sich schon nicht darüber einig ist, ob das Dach ein Loch hat, in das es reinregnet (Ist-Zustand), wie soll man sich darüber je einig werden, ob es repariert werden sollte? (Beurteilung über notwendigen Soll-Zustand).

    Kleio

    In diesem Beitrag wird ja auch nach einem "Normalzustand" gefragt. Man könnte die Frage so umformulieren: "Ist es normal, dass sich Männer oft zurückziehen, also hat es für seine Liebe zu mir nichts zu bedeuten, oder ist es eher nicht normal und ich könnte daraus schließen, dass er sich nicht "genug" für mich interessiert"


    Klar könnte man auch einfach sagen: "Mir, meinen Bedürfnissen, ist sein Interesse zu gering, also ist er nicht der Richtige für mich". Dann dürfte man sich aber nur mit Menschen einlassen, die beinahe gleiche Bedürfnisse haben, wie ich und nicht nur das sondern einige möchten zwar ihre Bedürfnisse befriedigt haben, sind aber nicht bereit, die gleichen Bedürfnisse des anderen also ausgeglichen zu befriedigen (kein Gleichgewicht von Geben und Nehmen).


    Ein Stück weit nähert man sich dem anderen, indem man seine Andersartigkeit akzeptiert. Um aber zu wissen, wie man das andere Verhalten des anderen beurteilen soll, muss man es eben manchmal verstehen. "Wieso zieht er sich zurück?" ist hier die Frage. "Ist es eine Eigenart von ihm, die nichts mit mir zutun hat, oder bin ich ihm nicht wichtig genug, dass er sich nur von mir zurück zieht" Um diese Frage beantworten zu können, müßte man etwas über seinen "Normalzustand" wissen. Für mich wäre die Antwort auf diese Frage wichtig, um zu wissen, ob die Beziehung "Sinn" macht.


    Ob ich diesen Normalzustand dann akzeptieren kann, auch wenn er nicht genau dem entspricht, was meine Bedürfnisse sind, oder nicht, das ist dann noch eine andere Frage.

    Also ich glaube...

    (wiedermal) daß dieses "Zeit für sich brauchen" nicht von Mann zu Frau, sondern von Mensch zu Mensch verschieden ist...und verlaß mich für meine Meinungsbildung lieber auf meine Augen als auf irgendwelche Traktate von Wissenschaft, Pseudowissenschaft und Forsa ;-)


    Ich habe in einer Beziehung gar nicht das Bedürfnis danach, den anderen ständig zu sehen...ich finde es sogar kontraproduktiv, die Liebe "nutzt sich ab", wird zum Alltag, die Leidenschaft, die Sehnsucht verschwindet, ebenso wie ein großer Teil meiner Persönlichkeit : Alleine auf der Couch zu liegen, zu reflektieren, zu träumen, Pläne zu schmieden und zu verwerfen, mich kreativ zu betätigen, meinen Tag so einzuteilen, daß alles nach meiner inneren Uhr abläuft, mich völlig ohne Ablenkung in Tätigkeiten zu versinken...


    Alleinsein ist nicht die Abwesenheit anderer, sondern die vollständige Anwesenheit des Selbst. Und darauf möchte ich auch in einer Beziehung nicht verzichten.


    Ich möchte keinen Einheitsbrei von Tagen, an denen man sich immer zur selben Zeit sieht, immer zur selben Zeit miteinander redet, isst, etc...ich brauche Nähe UND Distanz, alles zu seiner Zeit, ich genieße beides...ohne Plus und Minus gibt es keine Spannung, und keinen Stromfluß.


    Dieses hier eingangs erwähnte "sich rar machen" ist für mich keine Taktik, und ich verwende es nicht um den anderen zu binden oder mich interessant zu machen, ich halte es einfach für den natürlichen Weg, eine Beziehung jung, aufregend und belebend zu halten.

    natraj

    Zitat

    Dieses hier eingangs erwähnte "sich rar machen" ist für mich keine Taktik

    Halte ich auch nicht unbedingt, aber manchmal ist es auch fraglich, ob es nicht doch ein Ausweichen ist. Allein sein ist eine Sache und da stimme ich deiner schönen Formulierung "Alleinsein ist nicht die Abwesenheit anderer, sondern die vollständige Anwesenheit des Selbst." zu, aber wenn man in einer Beziehung irgendwann das Gefühl hat, alles andere, auch Freunde, etc. ist ihm wichtiger, als ich es bin, dann würd ich mich fragen, ob es nicht doch etwas mit seiner Liebe zu mir zutun hat. Wenn er auch immer wieder auf mich zukommt, dann ist es völig ok, denn ich brauche ja selber viel Zeit fü mich, also kann ich auch gut nachvollziehen, dass er es braucht, aber wenn er kaum noch den Eindruck macht, als hätte er Sehnsucht nach mir und alles andere vorzieht, dann komme ich schon ins Grübeln, wie ich das zu verstehen habe.

    @wieauchimmer

    ist klar...aber dieses Ausweichen ist doch (denke ich) deutlich spürbar...man merkt doch am Verhalten des anderen, ob er einfach mal Zeit für sich haben will, oder ob er alles andere lieber tut als mit einem selbst zusammenzusein...