Angst, vom Partner (negativ?) beeinflusst zu werden

    Hallo,


    es kam jetzt wiederholt vor, dass ich mich nach einiger Zeit in Beziehungen immer unglücklich und eingesperrt gefühlt habe. Anfangs kann ich mit Schwächen vom Partner noch umgehen, aber je mehr Zeit vergeht, desto mehr Angst habe ich, dass bestimmte Verhaltensweisen oder Einstellungen immer mehr auf mich "abfärben" und ich mit ihm immer mehr zu irgendwas verschmelze, was ich eigentlich gar nicht bin.


    Kennt das jemand? Was kann ich da tun? Ich habe am meisten Angst davor, von etwas sehr stark zum Negativen beeinflusst zu werden, z.B. wenn der Mann depri oder ängstlich ist und dadurch bestimmte Dinge vermeidet, oder keinen Sinn für irgendwas hat, was mir wichtig ist. Das sind ja an sich keine schlimmen Sachen, aber ich habe trotzdem Angst, seine Denkmuster zu übernehmen oder dass mir irgendwas, woran ich sonst immer Freude hatte, schlechtgemacht wird und ich runtergezogen werde.


    Ich habe das Gefühl, mir durch die ständige Angst, von irgendwas beeinflusst zu werden, alles kaputtzumachen, da ich oft Aussagen und Verhaltensweisen vom Partner sehr wichtig nehme und mich gleich frage, ob das überhaupt mit meinen Einstellungen und Interessen kompatibel ist oder mich das irgendwie runterzieht.


    Hier ein paar Beispiele von Verhaltensweisen oder Einstellungen von meinem jetzigen Freund oder von Expartnern, wo ich Angst hatte, davon beeinflusst zu werden:


    - Depressionen, Lustlosigkeit


    - Interesse eher Computerspiele als Kultur, während ich gern in Museen oder zu Lesungen gehe


    - Abneigung gegen Mode/Styling, während ich mich auch gern mal style


    - Freude am Minimalismus, während ich eher der Typ bin, der sich öfter was gönnt


    Wie kann ich lernen, auch in einer Partnerschaft meine eigene Person mit eigener Meinung zu bleiben und vor allem den anderen mit seiner Einstellung zu akzeptieren?


    lg

  • 12 Antworten

    Die Angst scheint mir da etwas übertrieben, denn es scheint ja schon ein wenig in die Richtung zu tendieren, dass Du die Veränderung allgemein fürchtest.


    Aber Menschen verändern sich nunmal und auch Dinge, die Dir jetzt wichtig erscheinen, werden mit der Zeit manchmal unwichtiger ... und das ist nicht generell schlecht.


    Allerdings empfinde ich die von Die genannten Beispiele gar nicht als Kleinigkeiten.


    Ständig despressive Verstimmungen können in der Tat "ansteckend" sein, zumindest ist mir das schon passiert und ich musste eine Beziehung beenden, bevor es mich zu weit runterzieht ...


    Aber auch die anderen Beispiele sind für mich schon Differenzen in den Bedürfnissen und Wünschen, die das Potential für viel Unzufriedenheit auf beiden Seiten hat, vor allem, wenn Du ein harmoniebedürftiger Mensch bist, und es liest sich so, als wäre/n von Deinem/n Partner/n keine Bewegung in Deine Richtung zu erwarten ... weil es ihnen einfach nicht wichtig genug ist.


    Vielleicht solltest Du nicht Deine Bedürfnisse und Wünsche so hinterfragen, sondern mal Deine Partnerwahl.


    Mir scheint, dass Du am Beginn einer Beziehung viele Dinge, die Dir wichtig wären, nicht beachtest und Du Partner wählst (vielleicht sogar unbewußt suchst), die dann gar nicht zu Dir passen.


    Wenn Du ja gemerkt hast, was Dir alles wichtig ist, dann solltest Du bei der Partnersuche auch darauf achten, dass ein potentieller Partner dazu passt.


    Du neigst dazu Deine Interessen in der Beziehung weniger wichtig zu nehmen, als die des Partners, obwohl Du Dich schlechter fühlst, wenn Du Dich ihm anpasst ... ihn kannst Du aber auch nicht ändern (ist ja auch gut so) ... das nagt dann an Deinem Selbstbewußtsein.


    Ich denke, es gibt passende Männer, die in den Interessen, die Dir wichtig sind, auch genauso oder ähnlich gestrickt sind, warum also sich mit jemandem zusammen tun, der anders ist (was ja nicht grundsätzlich schlecht sein muss) ... mit dem Du Dich aber nach einer Zeit unwohl fühlst wg. der Unterschiede?


    Evt. hilft schon, Dir beim Kennenlernen mehr Zeit zu lassen, bevor Du eine Beziehung eingehst.


    Einige Männer (aber nicht nur die) geben sich während der Partnersuch mehr "Mühe" sich interessant zu machen ... und sich interessiert zu zeigen ... das lässt dan in der Beziehung dann nach ...


    Entsprechend lange Zeit mit ihnen bei Deinen Interessen zu verbringen sortiert dann irgendwann die aus, die das nur für die Partnersuche tun.

    Was mich interessiert: wie kamst du mit diesen Partnern jeweils zusammen, wenn du doch eine fehlende Schnittmenge als Bedrohung empfindest? Oder überbewerte ich jetzt deine Auflistungen und es geht in Wahrheit nur um kleine Details, ansonsten ist alles stimmig im gemeinsamen Lebensbild? Ich denke nicht, denn so Dinge wie Aussehen, Kultur und Freizeitgestaltung sind ja schon recht fundamentale Dinge, die das Leben tief durchdringen.


    Daher wäre es wirklich interessant (auch mal für dich zu reflektieren), warum du ausgerechnet mit diesen Partnern zusammengekommen bist, wo du doch auf Dauer Angst vor falschen Lebensmodellen hast.


    Ich finde, wenn man sich bewusst einlässt und tolerieren kann, dann sind ein paar Unterschiede gar kein großes Problem. Man muss sich deswegen ja selbst nicht viel ändern. Natürlich gibt es irgendwo immer Kompromisse, die auch rein praktischer Natur sein können. Aber ansonsten kann man auch auf beiden Seiten voneinander lernen und idealerweise das beste aus zwei Welten leben. Auch mal im Pyjama abends bisschen zocken kann Spaß machen, wenn es eben mal vorkommt und der Partner genauso bereit ist, sich in anderen Dingen auszuprobieren.

    Zitat

    Wie kann ich lernen, auch in einer Partnerschaft meine eigene Person mit eigener Meinung zu bleiben

    Würdest du dich als leicht manipulierbar bezeichnen, dass du diese Sorge hast? Schlechte Erfahrung in der Vergangenheit gemacht?

    Zitat

    es kam jetzt wiederholt vor, dass ich mich nach einiger Zeit in Beziehungen immer unglücklich und eingesperrt gefühlt habe. Anfangs kann ich mit Schwächen vom Partner noch umgehen, aber je mehr Zeit vergeht, desto mehr Angst habe ich, dass bestimmte Verhaltensweisen oder Einstellungen immer mehr auf mich "abfärben" und ich mit ihm immer mehr zu irgendwas verschmelze, was ich eigentlich gar nicht bin.

    Es ist denke ich nicht vermeidbar, dass man in einer Beziehungsanbahnung bzw. kürzlich eingegangener Beziehung erst so nach und nach sein Gegenüber intensiver kennenlernt und mit den eigenen Wünschen/Verstellungen versucht abzugleichen.


    Dabei kann raus kommen, dass zwei Persönlichkeiten zu verschiedenen sind, dass sich daraus keine tragfähige Partnerschaft entwickelt. Wenn Du dies frühzeitig für Dich erkennst, ist es legitim, wenn sich für die Unterschiede keine Kompromisse finden lassen, den Rückzug anzutreten.


    Allerdings sollten Dich bereits negative Erfahrungen nicht so sehr blockieren, dass Du schon mit einer ängstlichen Grundhaltung an jedes neue Kennenlernen heran gehst.

    Zitat

    Kennt das jemand? Was kann ich da tun? Ich habe am meisten Angst davor, von etwas sehr stark zum Negativen beeinflusst zu werden, z.B. wenn der Mann depri oder ängstlich ist und dadurch bestimmte Dinge vermeidet, oder keinen Sinn für irgendwas hat, was mir wichtig ist.

    Dafür gibt es die gemeinsame Kennenlernphase, die man je nach Gefühlsebene langsamer und weniger intensiv gestalten kann., um für sich genügend Zeit zu finden Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Lebensvorstellungen heraus zu finden. Allerdings machen Menschen manchmal die Erfahrung, dass in der aktiven Werbephase pro Beziehung, viel Aktivität und Mühe aufgewandt wird, um sein Gegenüber für sich zu gewinnen.


    Nach dem Abklingen der Hormonhochphase, fallen einige sehr stark und schnell wieder in den Alltagstrott vor der Kennenlernphase, und erst dann stellen sich die ersten Macken, Abweichungen und Charaktereigenheiten heraus. Das ist denke ich etwas, dass man nicht mit großer Sicherheit völlig ausschließen kann, weil es ein normales Verhalten ist.


    Frisch verliebt neigen die meisten Menschen zum Berge versetzen und der Euphorie, wir schaffen alles gemeinsam. Dir bleibt aber die Wahl, wichtige Entscheidungen für Dein Leben erst nach dem allmählichen Abklingen dieser Phase zu treffen. Der Satz "drum prüfe wer sich ewig bindet", hat für mich nicht an Bedeutung verloren, weil er die Grundlage für ein später gemeinsames Leben ist.

    Zitat

    Das sind ja an sich keine schlimmen Sachen, aber ich habe trotzdem Angst, seine Denkmuster zu übernehmen oder dass mir irgendwas, woran ich sonst immer Freude hatte, schlechtgemacht wird und ich runtergezogen werde.

    Hier gilt es zu unterscheiden, ob es manchmal nur um eine Tagesform geht, die Deine Wünsche negativer ausssehen lassen, oder ob es eine spezifische Grundhaltung geht, die sich so zeigt. Deshalb ist es gut, in der Kennenlernphase sehr aktiv zu sein und gemeinsam zu schauen, ob unter Alltagsbedingungen genug Gemeinsamkeiten für beide Seiten ausgeprägt gelebt werden wollen. Wenn die Abweichungen für Dich ersichtlich zu groß werden, hast Du die Wahl zu sagen, sorry für eine Beziehung reicht mir das nicht und daraus Deine Konsequenzen ziehen.

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    Ich habe das Gefühl, mir durch die ständige Angst, von irgendwas beeinflusst zu werden, alles kaputtzumachen, da ich oft Aussagen und Verhaltensweisen vom Partner sehr wichtig nehme und mich gleich frage, ob das überhaupt mit meinen Einstellungen und Interessen kompatibel ist oder mich das irgendwie runterzieht.

    Vielleicht machst Du Dir diese Momente einfacher, wenn Du mehr auf die Taten, das Verhalten und die passende Motivation des potentiellen Mannes schaust. Von vornherein alles mit Ängsten zu versehen, selbst negativer eingestellt zu sein für sein Gegenüber macht jede Kennenlernphase zu einem Spießrutenlauf, und könnte Dich selbst negativer wirken lassen als Du es sein möchtest. Denn auch ein Mann schaut darauf, wie eine Frau für das Leben eingestellt ist. Du wirkst mit Deiner inneren Blockadehaltung selbst überängstlich, unentschlossen und wenig lebensbejahend. Könntest also umgekehrt den Mann ebenso runter ziehen mit Deiner inneren Anspannung und Haltung. ;-)


    Hier ein paar Beispiele von Verhaltensweisen oder Einstellungen von meinem jetzigen Freund oder von Expartnern, wo ich Angst hatte, davon beeinflusst zu werden:


    - Depressionen, Lustlosigkeit


    - Interesse eher Computerspiele als Kultur, während ich gern in Museen oder zu Lesungen gehe


    - Abneigung gegen Mode/Styling, während ich mich auch gern mal style


    - Freude am Minimalismus, während ich eher der Typ bin, der sich öfter was gönnt

    Zitat

    Wie kann ich lernen, auch in einer Partnerschaft meine eigene Person mit eigener Meinung zu bleiben und vor allem den anderen mit seiner Einstellung zu akzeptieren?

    In Deiner Aufzählung geht es schon um recht wichtige Einstellungen und Charakterverhalten. Wenn Du dies für Dich so feststellst bleibt Dir die Option das deutlich anzusprechen, an welcher Stelle bei Dir keinerlei Kompromisse zu erwarten sind. Du Dich von Dingen abgrenzt, die Dich massiv stören in der Partnerschaft.


    Es liegt in diesem Fall nur an der eigenen Konsequenz einen "Leidensweg" zu tolerieren oder abzukürzen. Du hast es in der Hand zu Deinen Bedürfnissen zu stehen und offen auszusprechen, wormit Du Dich auf keinen Fall arranigeren wirst innerhalb Deiner Beziehung. Das ist der Part den Du für Dich übernehmen kannst, um Deine Aufzählung gar nicht erst in Dein Leben zu integrieren. Wer sollte Dich davon abhalten so zu handeln? :=o

    Hallo, das kann ich eben schlecht unterscheiden, ob etwas einfach nur ein kleiner Unterschied ist, wo man Kompromisse finden kann, oder ob etwas darauf hinweist, dass man grundlegend vom Charakter her nicht zusammenpasst. Woher weiß man das? Und wie können Kompromisse im einzelnen aussehen? Es geht ja nicht nur um Unternehmungen, dass man sagt, einmal macht man das, dann das, sondern um den Charakter.


    Wenn ich gerade in einer Tiefphase bin, deute ich selbst kleine Verhaltensweisen und Aussagen von meinem Partner so, als würden sie zeigen, dass wir grundlegend nicht zusammenpassen. Das kommt immer mal wieder vor und ich fühle mich schlecht deswegen, dass ich alles unnötig zerdenke.


    In der Kennenlernphase war es so, dass sich Männer teilweise anders/passender dargestellt haben. Der antriebslose Mann z.B. viel aktiver und offensiver, der Minimalismusaffine großzügiger usw. Aber es stimmt schon, dass ich gerade in der Kennenlernphase mehr auf Dinge achten sollte, die mir wichtig sind.


    Nur was, wenn derjenige erst später zeigt, dass er über etwas doch anders denkt? z.B. komme ich nicht damit klar, wenn jemand, der eine andere Einstellung zu Geld oder Aussehen hat und mich immer wieder fragt, warum ich mir denn dies und jenes kaufe oder unterwegs was zu essen kaufe, obwohl man doch auch kochen oder sich was mitnehmen kann. Oder wenn ich Spaß daran habe, mich chic zu machen, sagt, dass das ja unnötig/übertrieben/unwichtig wäre, während er selbst ungepflegte Haare hat und teilweise kaputte Kleidung trägt. Ich kann zwar sagen, dass mich das verletzt und er die Kommentare lassen soll, aber die grundlegend unterschiedliche Einstellung bleibt ja trotzdem. Aber ist es nicht unglaublich oberflächlich, sowas wie Geld oder Aussehen als Faktor zu nehmen, ob man zusammenpasst?

    Zitat

    Aber ist es nicht unglaublich oberflächlich, sowas wie Geld oder Aussehen als Faktor zu nehmen, ob man zusammenpasst?

    NEIN! Natürlich nicht. Geld ist in vielen Beziehungen DAs Streitthema. Wäre fatal wenn sich zwei zusammentun, wo der Umgang mit Geld so gar nicht passt.


    Beim Aussehen dito.

    @ hallo daktyla *:) @:)

    Ich hab deinen Faden letzte Nacht entdeckt und wollte dir heute unbedingt meine Sicht auf deine Fragestellungen schreiben. Dann hab ich jedoch den Beitrag von Kurt gelesen, der sinngemäß das schreibt, was ich dachte.


    Vorab: die Beeinflussung in einer Beziehung ist wechselseitig. Du wirst immer in irgendeiner Art und Weise vom Gegenüber beeinflußt. Und diese Beeinflussung sollte idR bei dir keine Angst sondern Wohlbefinden auslösen.


    Kann es sein, dass dich dein Bauchgefühl vor Selbstaufgabe in deiner jeweiligen Partnerschaft warnen will, bzw schon öfter gewarnt hat? Wie ich finde auch sehr berechtigt.

    mit Minimalismus meinst du Geiz oder Sparsamkeit, weil der Betreffende sich nach seiner eigenen Decke streckt? Das ist nämlich ein großer Unterschied. Oder meinst du Minimalismus als Ausdruck guten Geschmacks? Denn auch das kann es sein.


    Aber aus deinen obigen Beispielen scheint es so, dass du und der Mann/Männer eindeutig nicht zusammenpasst.


    Und dann solltest du in Zukunft gleich beim ersten unguten Gefühl noch in der Kennenlernphase das Experiment abbrechen.

    Zitat

    ...wenn jemand, der eine andere Einstellung zu Geld oder Aussehen hat und mich immer wieder fragt, warum ich mir denn dies und jenes kaufe oder unterwegs was zu essen kaufe, obwohl man doch auch kochen oder sich was mitnehmen kann.

    Beides ist legitim und OK. Manche Menschen ticken so, manche eben anders.


    Ich zB. nehme mir grundsätzlich in die Arbeit selbstgekochtes, einen Salat oder was anderes mit. Würde dir jedoch nicht vorhalten, jeden Tag das Mittagsmenü für 8,- € zu essen, solange du das von deinem Geld bezahlst. Solltest du das aus einem gemeinsamen Haushalsttopf machen und dann fehlt am Monatsende das Geld für den leckeren Sonntags-Biorinderbraten, bestünde von meiner Seite Redebedarf. :)z


    Ich denke in einer Beziehung sollten beide Partner einen Weg finden, mit dem sie beide gut leben können.

    Zitat

    wenn ich Spaß daran habe, mich chic zu machen, sagt, dass das ja unnötig/übertrieben/unwichtig wäre, während er selbst ungepflegte Haare hat und teilweise kaputte Kleidung trägt.

    Das zeigt mal wieder, dass ihr in einem sehr wichtigen Punkt, überhaupt nicht zusammenpasst. Wie bist du denn mit einem so ungepflegten Mann zusammengekommen? War er am Anfang gepflegt und ist erst nach und nach nachlässiger geworden?


    Meist hört man diesen Vorwurf von Männern, deren ehemals gepflegte und gesteilte Freundinnen, nach der Hochzeit im Schlabberoutfit mit ungewaschenen Haaren aus der "Form" gehen.

    Diesen Mann hatte ich auf einer Party kennen gelernt, da hatte er sich ausnahmsweise etwas zurechtgemacht dem Gastgeber zuliebe. Danach hatte ich lange nur virtuellen Kontakt mit ihm, da er nicht in D. war, und dabei hatten sich schon Gefühle aufgebaut. Als ich ihn dann irgendwann endlich wiedertraf, waren meine Gefühle schon zu stark und ich tat es als Oberflächlichkeit ab, wenn ich mich wegen seines ungepflegten Alltag-Äußeren von ihm abwenden würde. Oder ich dachte, wenn ich ihn einmal darauf hinweise, achtet er in Zukunft vielleicht mehr darauf, nichts mehr Dreckiges oder Kaputtes anzuziehen. War dann aber doch nicht so.


    Eine andere Sache. Ich habe danach einen Mann kennen gelernt, der mir direkt sagte, dass er Kinder mag und ein Familienmensch ist. Das ist mir nämlich selbst sehr wichtig. Im Laufe der Beziehung redete er dann aber immer schlechter von Kindern, dass man dann ja dies und jenes nicht mehr machen könnte, sie eine Belastung darstellen usw. Er sagte, dass er die Vorstellung von gemeinsamen Kindern anfangs auch nur so betonte, um mir zu gefallen. Er wäre wohl noch bereit dazu und könnte sich eine Familie vorstellen, sieht aber auch die sehr vielen negativen Aspekte. Also er fände wohl beides ok, Kinder haben oder nicht haben, findet es aber auch nicht so schön, wie ich es fände. Da ich mit ihm theoretisch Kinder haben könnte, wäre das ja an sich kein Trennungsgrund. Aber ich habe Angst, dass mich seine negative Einstellung beeinflusst und runterzieht oder ich sie irgendwann auch übernehme, sei es innerhalb dieser Beziehung oder generell in meinem Leben, dass ich plötzlich auch fast nur noch die negativen Aspekte an etwas sehe, dass ich vorher eigentlich schön und erstrebenswert fand.

    Zitat

    während er selbst ungepflegte Haare hat und teilweise kaputte Kleidung trägt.

    So war ich auch mal- ich hatte mich aber geändert, weil auch durch das Aufmerksammachen meiner Frau mir das überhaupt erst bewusster war. Ich hatte aber meine Kleidung (nein, schmutzig war die in der regel nicht, aber oft recht abgetragen) und meine Haare auch eher aus Bequemlichkeit nicht besonders gepflegt, nicht weil ich das toll fand - es erschien mir nicht besonders bedeutsam. Meine damalige Freundin und jetzige Frau war da so ziemlich das Gegenteil- sehr gepflegt und sehr ordentlich- das war für mich dann doch Ansporn.

    Ich finde, wenn man Angst hat, vom Partner negativ beeinflusst zu werden, dann ist es einfach der falsche Partner.


    Manchmal dauert es auch eine Weile, bis man die meisten "Macken" des Partners kennt, das ist irgendwie normal, aber daran entscheidet sich dann eben auch, ob es eine Langzeitbeziehung wird oder ob es nach 3 Monaten schon wieder vorbei ist.


    Ich habe z.B. bei einem Partner mit Depressionen erst nach ca. 8 Monaten gemerkt, dass mich das massiv negativ beeinflusst. Dann haben wir uns getrennt. Alle anderen Interessen passten ganz gut: wir waren beide faul, wir waren beide eher minimalistisch veranlagt (das hab ich an ihm wirklich bewundert), Kultur beschränkte sich bei uns auf Metalkonzerte, wir hatten den gleichen Job. Nicht mehr funktioniert hat es dann eben, als sich herausstellte, dass er wirklich massive Depressionen hat, als ich den Job gewechselt hab, als ich mal länger bei ihm gewohnt hab (er war doch extrem unordentlich, was mir da erst richtig aufgefallen ist). Man könnte auch sagen wir haben uns besser kennengelernt und damit auch auseinandergelebt.

    Zitat

    Ich zB. nehme mir grundsätzlich in die Arbeit selbstgekochtes, einen Salat oder was anderes mit. Würde dir jedoch nicht vorhalten, jeden Tag das Mittagsmenü für 8,- € zu essen, solange du das von deinem Geld bezahlst. Solltest du das aus einem gemeinsamen Haushalsttopf machen und dann fehlt am Monatsende das Geld für den leckeren Sonntags-Biorinderbraten, bestünde von meiner Seite Redebedarf. :)z

    Das wäre ein Beispiel für einen guten Kompromiss. :) Ich denke, Kompromisse in Partnerschaften beziehen sich eben darauf, dass man den Partner nicht ändern kann, sondern sich eben in gewissen Dingen anpassen muss. Und da dein Partner dich quasi ändern will (meckern über Ausgaben usw...), ist es verständlich, dass du das nervig findest und dich eingeengt fühlst.


    Wenn es nach einiger Zeit doch nicht passt, muss man sich eben trennen und neu suchen oder damit leben, eine Alternative gibts nicht. Ich find aber die Alternative, sich selbst negativ beeinflussen zu lassen, überhaupt nicht ok. Ist einfach normal, dass man sich bestimmte Dinge nicht antun will. Mir hat ein glücklich verheirateter Mann neulich mal geraten, dass ich mir bei der Partnersuche erst überlegen soll, was ich davon erwarte und dann wirklich konsequent danach handeln soll, so würde es dann auch klappen. Also eben wie schon gesagt wurde die "Experimente" auch mal abbrechen, wenn schon am Anfang oder eben auch etwas später einiges absolut nicht passt. Sich selbst treu bleiben.


    Ich erwarte mir von einer Beziehung generell, dass ich überwiegend positiv beeinflusst werde und gewichte natürlich auch die Einflüsse. Für psyische Probleme kann der Partner nichts, also nehme ich da sicher auch gewisse negative Einflüsse hin, erwarte aber zumindest, dass der Partner dann selbst an der Eindämmung dieser negativen Sachen arbeitet. Mein Ex ist nicht zum Psychologen gegangen, sondern hat dann halt mir alle Probleme verschwiegen und sie seiner Ex erzählt, das ging eben überhaupt nicht. :|N Hätte er mit mir und für mich irgendwas getan, sähe das ganz anders aus. Bei Kleinigkeiten wie unterschiedlichen kulturellen Interessen... ok dann geh ich halt mal ihm zuliebe mit in die Disco oder sowas, den Kompromiss kann ich auch eingehen.


    Aber im Großen und Ganzen sollte alles irgendwie passen und eine Beziehung sollte mich als Mensch auch bereichern, sonst brauche ich keine. Da bleib ich lieber Single, als mich in einer Beziehung zurückzuentwickeln. Und bei manchen potentiellen Partnern weiß man das sehr früh. Wenn ich jemanden kennenlerne, der mit 35 keine Ausbildung hat, völlig verwahrlost ist und noch bei Mutti wohnt, dann lasse ich eben die Finge davon. Und wenn jemand am Tag 5 Stunden Sport machen muss oder jedes WE zur Schlagerparty geht, dann kann ich das nicht mitmachen, ohne todunglücklich und genervt zu werden, also scheiden einfach solche Männer als Partner aus. Und wenn ich mich zurecht mache und mir das Spaß macht und ich kriege dann statt Komplimenten nur dumme Sprüche, dann hab ich darauf natürlich auch keine Lust mehr.

    Zitat

    Aber ist es nicht unglaublich oberflächlich, sowas wie Geld oder Aussehen als Faktor zu nehmen, ob man zusammenpasst?

    Du gönnst dir gern mal was und achtest sehr auf dein Aussehen. Also du BIST so oberflächlich und so bist du glücklich. Dann sollte auch dein Partner so eingestellt sein, alles andere macht ja keinen Sinn. Es gibt ja nur zwei Möglichkeiten: entweder, ein Partner mit seiner völlig anderen Einstellung fasziniert dich total und du wirst glücklicher, indem du dich total änderst oder du möchtest im Grunde so bleiben wie du bist und es nervt dich, wenn dein Partner alles völlig anders sieht.


    Ich dachte auch mal, auf Dinge wie Geld usw. zu achten, wäre oberflächlich, aber inzwischen weiß ich für mich auch, dass ich eben keinen Kerl durchfüttern will, der selbst nichts auf die Reihe kriegt und ja, ich lehne dann solche Typen ab, auch wenn das oberflächlich ist. Neulich hat mir ein sehr netter Flirt gestanden, dass er total verfaulte Zähne und Zahnarztangst hat. Gut, ich könnte da wirklich Verständnis haben, da ich das kenne, aber ICH hab meine Zähne machen lassen trotz Angst und habe nun eine neue Lebensqualität und mein erster Gedanke war ehrlich gesagt, dass ich es total eklig fände, den zu küssen und Angst habe, mir noch mehr Kariesbakterien einzufangen. Ich habe dem dann direkt gesagt, dass ich mir das mit ihm so nicht vorstellen kann und das hatte sich erledigt. Und ich hatte ein schlechtes Gewissen und dachte "der Arme, der erlebt das ständig und er tut mir leid", aber ganz ehrlich, vor allem habe ich mich GUT gefühlt. Weil ich das Gefühl hatte, mir was Gutes zu tun, auf mich zu achten und endlich mal dafür einzustehen, was ich eigentlich möchte und was nicht. Mir passiert sowas doch auch, andere Menschen machen es doch auch so. Manche lehnen halt jemanden aufgrund des Aussehens ab und andere aufgrund der Tatsache, dass sie nicht eingeengt/festgelegt werden wollen und wieder andere, weil ihnen der Partner nicht intelligent genug ist (das ist für mich übrigens ein Selektionsgrund, auf den ich absolut kein Problem habe rigoros zu achten und im Grunde ja genauso "oberflächlich", wie auf das Äußere zu achten... :=o ).

    Ich fürchte, dass diese Angst, von irgendwas am Partner negativ beeinflusst zu werden, einfach in mir ist, egal bei welchem Mann. Dass mich spätestens nach einer Zeit immer irgendwas stören oder Angst machen würde, dass es zu sehr auf mich abfärbt.


    Ich glaube, ich weiß auch, woher das alles kommt. Nachdem sich meine Eltern schon früh getrennt haben, hatte meine Mutter einen psychisch labilen Partner, der sie auf die schiefe Bahn gebracht und sehr negativ beeinflusst hat. Dadurch hat sie mir immer schon früh eingetrichtert, mich bloß nicht von anderen schlecht beeinflussen lassen. Sie hat dann teilweise auch Leute aus meinem Freundeskreis, über die sie kaum was wusste, schlecht gemacht, was mich sehr verletzt hat. Wenn ich z.B. erzählt habe, eine Freundin jobbt an der Kasse, hatte sie gleich Angst, dass mich dieser Kontakt dazu bringt, selbst nicht die Schule zu Ende zu machen und keine richtigen Ziele im Leben zu haben. Oder wenn sie mitbekommen hat, dass ein Freund von mir mal in der Klinik (psychosomatisch) gewesen ist, hieß es gleich, er wäre krank, ich müsste aufpassen, er zieht mich bestimmt runter usw. Und das alles, weil sie selbst mal so negative Erfahrungen mit einer Person gemacht hat. Und irgendwie ist das auch in mir drin und ich weiß nicht, wie ich diese Angst vor negativen Einflüssen loswerden kann. Ich glaube halt, dass es bei jedem Partner früher oder später der Fall wäre, dass ich was finde, wo ich Angst hätte, diese Macken oder Eigenarten zu unternehmen.

    Zitat

    Dadurch hat sie mir immer schon früh eingetrichtert, mich bloß nicht von anderen schlecht beeinflussen lassen

    Was letzten Endes ein großer Zweifel ihrer eigenen Erziehung ist: Sie zweifelt daran, dich zu einem selbstständig denkenden und handelnden Menschen befähigt zu haben ...


    Warum, wird sie nur selber wissen. Glaube an dich und denke vorher darüber nach was du tust und warum du es tust und verlasse dich nicht nur auf dein Gefühl- dann wird es meistens gut- und vor allem, lasse dich nicht von Fehlern oder eigenen Fehlentscheidungen runterreißen.


    Angst ist gut , wenn sie vor Leichtsinn bewahrt, wird aber schlecht, wenn sie massiv Entscheidungen behindert.


    Nothing is perfect ...