@ Oldie49

    Vielen Dank für die detaillierten Antworten @:)


    Wie ich die Kommunikation zwischen Kopf und Herz verbessern kann, weiß ich nicht. Eine Bekannte meinte mal, "das rutscht irgendwann vom Kopf ins Herz", man müsse nur warten.


    Den Hinweis zum Verstehen (ist ungleich Verständnis) fand ich sehr hilfreich. Es stimmt. Wobei ich es nach wie vor unfair finde und wie geschrieben diese Restwut habe, dass mein Ex sich damals so leicht aus der Verantwortung genommen hat. Zumal ich ja miterlebt habe, wie verantwortungsvoll er sich seiner Herkunftsfamilie gegenüber verhalten hat. D.h. als sein Vater damals ganz plötzlich verstarb, hat er sich sehr liebevoll um seine Mutter und Geschwister gekümmert. Eine lange Zeit - bis die Affäre seiner Mutter herauskam. Dann war das Verhältnis der beiden unwiderruflich gestört. Ich verstehe es halt nicht, wie man sich einerseits so verantwortungsvoll verhält, und andererseits, wenn man es eben könnte, es unterlässt. Und da ich erlebt habe, dass er sich eben verantwortungsvoll verhalten kann, wüsste ich nicht, warum er dazu unfähig sein sollte...? Er wollte es einfach nicht, weil es halt bequemer war, die Verantwortung an mich abzugeben, so sehe ich das.


    Dass ich noch keine neue, längerfristige Beziehung habe, liegt daran, dass ich bisher nur vergebene Männer kennen gelernt habe. Etwa ein halbes Jahr nach der Trennung einen etwas älteren Mann mit Kind; wir haben uns dann eine Zeit lang getroffen. Und irgendwann erzählte er mir, dass es noch eine andere Frau gebe... Vor zwei Jahren habe ich dann wieder einen netten Mann kennen gelernt - und es stellte sich heraus, dass dieser verheiratet war und ebenfalls Vater... wobei ich das nicht von ihm selbst erfahren habe, sondern über eine Kollegin (war ein Kollege)... Ja, und dann gab es noch meine ausgesprochen sehr starken Gefühle für einen Mann, der etwa 20 Jahre älter ist als ich... er war der erste seit der Trennung, mit dem ich mir eine neue, ernsthafte, dauerhafte Beziehung hätte vorstellen können... ich hatte eine Zeit lang auch den Eindruck, dass er mich "nett" findet... allerdings war ich mir dann irgendwann nicht mehr so sicher. Und nach einem Date zum Kaffee Trinken habe ich ihn nicht gefragt, weil er der Chef der Abteilung in der Firma, in der ich nebenbei jobbe, war. Und auf Klatsch und Tratsch bzw Trennungen oder dergleichen in der Öffentlichkeit hatte ich absolut gar keinen Bock mehr - er hätte sich ja ähnlich indiskret verhalten können wie mein Ex. Zudem wusste ich auch nicht, ob er nicht in einer Beziehung lebt. Also so gesehen habe ich nach der Trennung immer eher das Pech gehabt, Männer kennen zu lernen und nett zu finden, die vergeben sind oder halt meine Vorgesetzten.


    Wie sehr ich mich verändert habe, merke ich gerade im Kontakt mit neuen Leuten. Wobei mir das auch ein wenig Unbehagen bereitet, weil ich beobachte, dass manche Menschen durch mein mitunter selbstbewusstes Auftreten verunsichert wirken. V.a. ältere Männer. Manche scheinen sogar sehr irritiert, wenn ich, die ich mich sonst immer recht diszipliniert bzw. kontrolliert verhalte, auch mal mehr Emotionen zeige. Ich merke auch, dass ich im Job v.a. von Männern mehr wahrgenommen und für meine Arbeit sozusagen gelobt werde. Allerdings ist eine Beziehung davon ja noch einmal zu unterscheiden. und ich habe halt schon Sorge, dass ich die Courage zu mir zu stehen in einer neuen Beziehung nicht haben werde, weil ich mir doch wieder zu viel Gedanken um meinen Partner mache. Bzw. bin ich halt auch unsicher, ob ich mich wirklich anders verhalten würde.


    Und so langsam würde ich es halt auch sehr gerne einmal ausprobieren, d.h. eine neue Beziehung führen...


    Den Tipp mit der Bildbetrachtung finde ich interessant. Werde ich mal ausprobieren.


    Danke an alle!

    Ein paar Gedanken noch in Kürze.

    Zitat

    Wie ich die Kommunikation zwischen Kopf und Herz verbessern kann, weiß ich nicht. Eine Bekannte meinte mal, "das rutscht irgendwann vom Kopf ins Herz", man müsse nur warten.

    Etwas komplizierter ist es schon. Diese Kommunikation funktioniert nur, wenn sie keine Einbahnstraße ist. Dein Herz wird also Kopfentscheidungen eher akzeptieren, wenn das auch umgekehrt geschieht. Oder noch anders: Dein limbisches System (Herz) ist lernfähig. Es wird immer reicher, und wenn dein Verstand das weiß, wird er damit umzugehen lernen. Das alles wird mehr ein Ganzes.

    Zitat

    Wobei ich es nach wie vor unfair finde und wie geschrieben diese Restwut habe, dass mein Ex sich damals so leicht aus der Verantwortung genommen hat.

    Wenn du es so empfunden hast, dann WAR es auch dir gegenüber unfair. ER hat es aber anders empfunden. Und es ist hilfreich für dich einzusehen, dass eure Gedankenwelten und eure Entwicklung Lichtjahre auseinander waren und sind. Beides kann nebeneinander bestehen bleiben, wenn man das akzeptiert.

    Zitat

    Dass ich noch keine neue, längerfristige Beziehung habe, liegt daran, dass ich bisher nur vergebene Männer kennen gelernt habe.

    Dann wäre es natürlich auch spannend herauszufinden, warum du bisher nur gebundene Männer kennen gelernt hast. Weil sie etwas ausgestrahlt haben, das dir vertraut war? Weil es schwieriger ist, ungebundene Männer zu finden? Oder weil die anstrengender sind und andere Ansprüche haben? Und es gibt viele andere Möglichkeiten. Das müsste man noch genauer ansehen.


    Die Tatsache aber, dass du diese Beziehungen nicht vertieft hast, spricht sehr für deine Seelenklugheit. Denn es wären mit großer Sicherheit eine Fülle von Problemen für dich entstanden. Das wolltest du nicht, auch wenn es reizvoll gewesen wäre. Und das ist sehr klug und keineswegs selbstverständlich.

    Zitat

    Ja, und dann gab es noch meine ausgesprochen sehr starken Gefühle für einen Mann, der etwa 20 Jahre älter ist als ich...

    Schade. Alles, was du darüber schreibst, klingt nach Vermeidung und Angst. Und Vermeidung und Ängste können ein Leben nachhaltig bestimmen. Das kann man noch verbessern.

    Zitat

    Wie sehr ich mich verändert habe, merke ich gerade im Kontakt mit neuen Leuten. Wobei mir das auch ein wenig Unbehagen bereitet, weil ich beobachte, dass manche Menschen durch mein mitunter selbstbewusstes Auftreten verunsichert wirken.

    Hinter diesem Auftreten bist du ja auch nioch ziemlich evrletzlich. Du brauchst es also vermutlich zu deinem Schutz. Wenn du das nicht mehr brauchst, sondern noch authentischer und offener sein kannst, wird auch eine neue Liebe wahrscheinlicher.

    Zitat

    Und so langsam würde ich es halt auch sehr gerne einmal ausprobieren, d.h. eine neue Beziehung führen...

    In dem Zusammenhang ist dein Alter interessant

    Vielen Dank für die Denkanstöße @:)


    Die sind interessant...


    Inwiefern ist mein Alter von Interesse?


    Ende 20 bin ich.


    Und der Mann, für den ich so sehr starke Gefühle hatte, war bzw. Anfang 50. Wenn er nicht mein Vorgesetzter gewesen wäre und nicht nach wie vor die Option bestünde, dass wir ggf. noch einmal gemeinsam arbeiten werden (man munkelt, dass er im kommenden Jahr wieder da sein würde), hätte die Sache auch etwas anders ausgesehen. Mit dem Vorgesetzten fange ich jedoch, solange ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, nichts an. Zudem vermute ich ja nur bzw. hatte ich den Eindruck, dass er mich auch "mag". Obgleich ich eine Beziehung mit einem so großen Altersunterschied nicht für unmöglich halte und selbst noch nicht geführt habe, stelle ich sie mir doch in gewisser Hinsicht als eine Herausforderung vor...

    Zitat

    Inwiefern ist mein Alter von Interesse? Ende 20 bin ich.

    Wegen der Lebensplanung natürlich. Die wäre mit 18 oder 42 sicher eine andere. In sehr vielen Fällen beginnt ja bei Frauen Anfang der Dreißiger eine Phase, in denen sie spüren, dass sich Beziehungs- und Familienplanung nicht endlos verschieben lässt.


    Wenn das Gefühl, sich einer Zeitlinie zu nähern, dann erst einmal einsetzt, entwickelt das manchmal eine gewaltige Eigendynamik.

    Zitat

    Und der Mann, für den ich so sehr starke Gefühle hatte, war bzw. Anfang 50. Wenn er nicht mein Vorgesetzter gewesen wäre und nicht nach wie vor die Option bestünde, dass wir ggf. noch einmal gemeinsam arbeiten werden (man munkelt, dass er im kommenden Jahr wieder da sein würde), hätte die Sache auch etwas anders ausgesehen. Mit dem Vorgesetzten fange ich jedoch, solange ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, nichts an.

    Ich wünsche dir, dass du diesen Vorsatz einhalten kannst. Zwar ist es kein absolutes Ausschlusskriterium, aber Beziehung in der Firma bedeutet sehr oft eine große zusätzliche Belastung, vor allem, wenn sie beendet wird, wenn sie holperig verläuft oder gar einer von beiden gebunden ist.

    Zitat

    Ich wünsche dir, dass du diesen Vorsatz einhalten kannst. Zwar ist es kein absolutes Ausschlusskriterium, aber Beziehung in der Firma bedeutet sehr oft eine große zusätzliche Belastung, vor allem, wenn sie beendet wird, wenn sie holperig verläuft oder gar einer von beiden gebunden ist.

    Das kann auch Vorteile haben, zB dass man bei der Arbeit motivierter ist, dass man auch berufliche Probleme miteinander besprechen kann, usw.


    Der Mann um den es der TE in dem Thread hauptsächlich geht ist doch gar kein Kollege, oder?

    Ne, der Mann, um den ich mir irgendwie immer noch Sorgen gemacht habe, ist mein Exfreund.


    Und der Mann, in den ich mich so stark verliebt habe, das war ein ehemaliger Abteilungsleiter bzw. wird es wahrscheinlich wieder sein.


    Hat vielleicht irgendjemand hier einen Tipp, wie ich mit der Angst vor einer ernsthaften, neuen Beziehung umgehen kann?


    Wie geschrieben habe ich mich ja in den Abteilungsleiter so richtig verknallt. Und ich konnte mir zum ersten Mal seit der Trennung eine stabile Beziehung vorstellen. Jedoch habe ich dabei gemerkt, dass ich ganz schön Angst davor habe. Und zwar Angst davor, einem Mann erneut zu vertrauen und mit ihm zu leben, so dass er automatisch meine Stärken und Schwächen kennen lernt, und dann am Ende unverhofft verlassen zu werden, nachdem er bereits etwas mit einer andere hat. Und obendrein noch in meine Schwächen gehauen zu bekommen.


    Ich habe wirklich Angst davor, noch einmal so verletzt zu werden. Es hat damals so sehr weh getan und es hat mich sehr viel Kraft gekostet, weiterhin zu vertrauen. Bzw. merke ich einfach, dass ich zu Männern, wenn sie nett auf mich zugehen, doch auf Distanz gehe. Weil die Angst, erneut verletzt zu werden, gefühlt so übermenschlich groß ist. Und genauso groß ist die Sorge davor, mich noch einmal in einem Mann zu täuschen. Ich möchte nie wieder so eine Verletzung erfahren und so eine Demütigung in der Öffentlichkeit erleben wie damals. Ich wäre am liebsten gar nicht mehr in die Uni gegangen. Und noch heute treffe ich ehemalige Klassenkameraden, die von der Sache damals über das soziale Netzwerk, in welchem mein Ex die Trennung breit getreten hat, erfahren haben und der Meinung sind, dass ich halt dafür verantwortlich bin, weil mein Ex, der perfekte Blender, so etwas ja nur getan hat, weil ich ihn verletzt habe. Die gemeinsamen Freunde vor Ort haben mir erst auch nicht geglaubt, bis mein Ex sie dann eines besseren durch sein Verhalten belehrt hat.


    Mein Leben hat sich grundlegend verändert: Ich habe den Kontakt zu solchen Menschen von früher, die nach wie vor der Meinung sind, ich sei an der Trennung schuld, abgebrochen bzw. sie mit mir. Der Kontakt zu meiner Familie ist auch belastet, weil die meisten denken, ich sei schuld, weil ich meinem Ex widersprochen habe und zudem sein Schubsen nicht einfach stillschweigend ertragen habe. Die gemeinsamen Freunde, die irgendwann erkannt haben, wie geschickt mein Ex im manipulieren ist und daraufhin den Kontakt zu ihm abgebrochen haben, sind heute der Meinung, dass es angebracht gewesen wäre, wenn er die Verantwortung für sein Verhalten übernommen und sich wenigstens bei mir entschuldigt hätte. Das sehe ich auch so. Wobei ich einfach keinen Kontakt mehr mit diesem Menschen möchte, weil er sich so verändert hat. Und das wiederum haben mir auch einige übel genommen, weil sie der Meinung sind, dass sich Menschen so sehr nicht ändern können und ich übertreiben würde.


    Was kann ich denn tun, um diese Ängste, die ich als überwältigend derzeit noch empfinde, zu lindern?

    Hallo,


    vor einigen Wochen habe ich meinem Ex eine Abschiedsnachricht geschickt. Darin habe ich mich noch einmal für die schönen Zeiten bedankt und ihm gewünscht, dass er eines Tages glücklich wird.


    Ich wusste, dass ich keine Antwort bekommen werde. Dem war und ist auch so. Einerseits hat mir diese Tatsache Kraft und Selbstvertrauen zurückgegeben. Andererseits hat es doch noch einmal sehr weh getan, dass ich diesem Menschen, der mit mir sieben Jahre lang zusammen gewesen ist, gemeinsam gewohnt und die ersten Beziehungserfahrungen gesammelt hat, so egal bin. Traurig hat es mich auch gemacht. Nach einigen Tagen habe ich mich dann auch gefreut, nicht mehr mit so jemandem zusammen zu sein. Zugleich habe ich Erleichterung verspürt.


    Vielen lieben Dank an alle hier im Forum, die mir mit ihrem Rat geholfen haben @:) @:) @:) @:)

    Dazu ein paar Anmerkungen

    Zitat

    vor einigen Wochen habe ich meinem Ex eine Abschiedsnachricht geschickt. Darin habe ich mich noch einmal für die schönen Zeiten bedankt und ihm gewünscht, dass er eines Tages glücklich wird. Ich wusste, dass ich keine Antwort bekommen werde. Dem war und ist auch so.

    Damit hat er also offensichtlich deine Erwartungen erfüllt, denn du WUSSTEST ja, dass er nicht zurück schreiben würde. Hast du diese Erwartungen (bzw. das NICHT-Erwarten einer Antwort) auch in Worte gefasst? Hast du auch geschrieben, dass du keine Antwort erwartest?

    Zitat

    Einerseits hat mir diese Tatsache Kraft und Selbstvertrauen zurückgegeben.

    Inwiefern? Weil du es geschafft hast, dich noch mal mit der Trennugn auseinanderzusetzen? Oder weil du das Gefühl hast, dadurch besser abschließen zu können

    Zitat

    Andererseits hat es doch noch einmal sehr weh getan, dass ich diesem Menschen, der mit mir sieben Jahre lang zusammen gewesen ist, gemeinsam gewohnt und die ersten Beziehungserfahrungen gesammelt hat, so egal bin. Traurig hat es mich auch gemacht.

    Was hat dich genau traurig gemacht? Dass er deine Erwartung erfüllt hat? Damit ist er dir doch entgegen gekommen. Du wolltest es so, du wolltest keine Antwort, weil du vermutlich die Sorge hattest, dass dann alles wieder von vorn losgeht. Oderwäre es dir lieber, we würde antworten, damit es "wieder von vorn losgehen kann"?


    Was wäre also für dich besser, wenn er antwortet? Es ist ja dann kein Statement mehr von dir, kein Abschließen, sondern es ist dann wieder ein Dialog. Und der macht alte Verletzungen wieder sichtbar. Es kommt wieder zum Austausch von Argumenten und es reißt vieles wieder auf. Wolltest du das?

    Zitat

    Nach einigen Tagen habe ich mich dann auch gefreut, nicht mehr mit so jemandem zusammen zu sein. Zugleich habe ich Erleichterung verspürt.

    Das ist eine Schlussfolgerung, die durch sein Nicht-Antworten möglich gemacht wurde. Käme jetzt noch eine Antwort, sähe die Welt schon wieder ganz anders aus. Man macht sich also mit solchen einseitigen Aktionen wieder ziemlich stark von dem anderen abhängig, mit dem man eigentlich hatte abschließen wollen.