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    Also in dem Punkt Putzen habe ich vollstes Verständnis für ihn. Ich würde mir auch nicht mehr als 50 Prozent der Hausarbeit im gemeinsamen Haushalt aufhalsen lassen, nur weil ich (vorübergehend oder dauerhaft) mehr Zeit habe. :|N

    Ich hingegen halte es für selbstverständlich, dass man sich gegenseitig den Rücken frei hält. Und auch in Beziehungen in denen beide arbeiten und/oder studieren ist es ja oft so, dass man abwechselnd stressige Phasen hat. Dass dann der- oder diejenige mit weniger Arbeits- und/oder Uni-Stress mehr Alltagskram macht, das halte ich für normal. Vielleicht ist das aber auch wieder so eine Sache, die verschiedene Menschen unterschiedlich sehen. Letzten Endes ist das aber eh egal, solange zwei Menschen zusammenfinden, die wahlweise eine ähnliche Einstellung haben oder eben durch Reden einen Kompromiss finden können.


    Desweiteren gehen ich davon aus, dass wir hier von einer in ÖSTERREICH lebenden Pärchen sprechen. Die TE schrieb, dass sie während der Beziehung die Matura gemacht hätte. Hier in Österreich gibt es weder einen generellen Mindestlohn, noch Hartz IV (sondern Arbeitslosengeld).


    Wobei es hier im Beziehungsforum wohl eher um's Zwischenmenschliche als um das Finanzielle gehen sollte, denke ich.

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    Solange es in Deutschland übrigens nicht genug Arbeit gibt, von der man leben kann (!), sollte man den Ball flachhalten, auf Arbeitslosen oder H4lern herumzuhacken.

    Darüber hinaus sollte man nicht in Angstschweiß ausbrechen müssen, geht man zur Arbeit. Ich sage nur "Mobbing", "Bossing" oder auch "Arbeitsverdichtung".

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    Und Mindestlohn ist ja nicht per se gesetzt, wenn man arbeiten geht. Der durchschnittliche Arbeitslohn in Deutschland liegt deutlich darüber.

    Du weißt aber schon, dass du als h4 Bezieher noch nicht mal einen Anspruch auf den Mindestlohn hast, bzw. erst nach 6 Monaten ;-D : Langzeitarbeitslose, die seit mindestens einem Jahr bei der Bundesagentur für Arbeit oder einem Jobcenter arbeitslos gemeldet sind, haben erst sechs Moante, nachdem sie eine neue Arbeit aufgenommen haben, das Recht auf den gesetzlichen Mindestlohn. Quelle:http://www.dgb.de/themen/++co+…3e-11e4-8571-52540023ef1a.


    Und normal-standart bezahlte Jobs bekommst du doch gar nicht mehr, wenn du ungelernt bist... da ist die Meßlatte schon bei Mindestlohn zu Ende. Und auch wenn sich ein lückenloser Lebenslauf gut macht, dafür einen besch*** Vollzeitjob machen nur um gesellschaftlich dabei zu sein... genau DAS sind dann wieder die Leute, die auf h4 Bezieher runterschauen...

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    Solange es in Deutschland übrigens nicht genug Arbeit gibt, von der man leben kann (!), sollte man den Ball flachhalten, auf Arbeitslosen oder H4lern herumzuhacken.

    :)^




    Ich wüßte dennoch gerne von der TE, wie ihr Freund denn die geminsame Zukunft sieht? Gibt es eine? Will er Familie mit ihr? Wie stellt er sich das vor? Möchte er dann der Hausmann sein und sich um die Erziehung kümmern? Wäre doch auch denkbar?

    Schwarz666

    elektroboi

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    Ach ja, die bösen Hartzies... Wenn sich Politiker und Banken die Taschen füllen, Milliarden in irgendwelchen Flughäfen oder ungenutzten Brücken versenkt werden, das interessiert niemanden. Aber die Hartzis sind Schuld, liegen allen nur auf der Tasche, sind quasi der Untergang des Systems... ":/

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    Es passieren sehr viel größere soziale UND finanzielle Ungerechtigkeiten in diesem Lande, als ein paar tausende Hartzer, welche ihre vermeintlich zu Unrecht bezogenen Leistungen in Konsolenspiele investieren.

    Genau das meine ich auch. :)= :)^

    This Twilight Garden

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    Du weißt aber schon, dass du als h4 Bezieher noch nicht mal einen Anspruch auf den Mindestlohn hast, bzw. erst nach 6 Monaten ;-D : Langzeitarbeitslose, die seit mindestens einem Jahr bei der Bundesagentur für Arbeit oder einem Jobcenter arbeitslos gemeldet sind, haben erst sechs Moante, nachdem sie eine neue Arbeit aufgenommen haben, das Recht auf den gesetzlichen Mindestlohn. Quelle:http://www.dgb.de/themen/++co+…3e-11e4-8571-52540023ef1a.

    Ja, super Sache für den AG. Stellt man den Hartzie eben maximal 6 Monate ein und kickt ihn dann wieder raus. Mindestlohn gespart. Aber der Mindestlohn ist ja soooo toll und sozial. ;-D


    Ist doch bei diesen Lohnzuschüssen der Arbeitsämter oft genauso. Die Unternehmen greifen die Förderungen ab, und wenn die Förderungen auslaufen werden die Leute entlassen. Das soll zwar nicht so sein, ist aber die Realität.

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    genau DAS sind dann wieder die Leute, die auf h4 Bezieher runterschauen...

    Genau. Finde ich auch immer herrlich. Dabei sitzen sie im selben Boot, genau genommen sogar in der selben Kabinenklasse.

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    Will man nicht stolz auf etwas sein. Unabhängig sein?

    Darf ich erst stolz auf etwas sein, wenn ich dafür bezahlt werde?

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    Sich etwas gönnen können?

    Kannst du das von 8,50€ die Stunde?


    Oder von 10,50€?


    Ich kenne KEINEN der das kann als Facharbeiter...

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    Ich verstehe das nicht.

    Ich schon.

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    Und das hat auch nix mit Traumberuf zu tun.

    Stimmt.

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    Den haben die wenigsten Menschen.

    Stimmt auch

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    Aber Werte wie Eigenverantwortung und Stolz.

    Hat man nicht nur, wenn man arbeitet. Muss man auch nicht nur haben, wenn man arbeitet.

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    Ja, super Sache für den AG. Stellt man den Hartzie eben maximal 6 Monate ein und kickt ihn dann wieder raus. Mindestlohn gespart. Aber der Mindestlohn ist ja soooo toll und sozial.

    2 Bsp:


    Meine Schwester hat 3 Jahre Ausbildung gemacht. War ihre Zweite Ausbildung ??die erste war Technische Zeichnerin für Maschinen und Anlagentechnik


    Die 2. Ausbildung (Abschluss vor 2 Jahren), hat ihr das Jobcenter finanziert.


    Mit 120€ Spritgeld im Monat.


    Dazu Hartz 4.


    Das Geld reichte 3 Jahre vorne und hinten nicht.


    Meine Mutter ??600€ Brutto, da ungelernte und "nur" Putzfrau hat meine Schwester finanziell unterstützt.


    Mein Kumpel ist nach 14 Jahren wegen Insolvenz entlassen worden.


    Er hat, als ungelernte Kraft, bei einer Firma angefangen für Energie und Gebäudetechnik. Zu deutsch: Feuermelder in Gebäude bauen.


    Er bekommt 10,50€ die Std.


    4€ davon zahlt das Arbeitsamt.

    Bevor wir weiter über die Sinnhaftigkeit des Arbeits- oder Nichtarbeits-Lebens diskutieren (wenn wir ehrlich sind, möchte sicherlich fast niemand für seinen Lebensunterhalt 8 Stunden täglich fremdbestimmt arbeiten müssen), möchte ich mich dem letzten Beitrag der TE nochmal widmen:

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    Irgendwann, wenn ich mal arbeite, mag ich auch ein Auto haben und auf Urlaub fahren . Und das dürft ichdann alles alleine zahlen. In der Hinsicht will ich mich in Zukunft nicht ausnutzen lassen.


    Also auf Dauer ist das nix für mich und mir wird beim Gedanken ,dass das jetzt immer so weiter gehen wird, eher schlecht als sonst was :-X

    Was für eine Konsequenz ergibt sich dann daraus für dich? Wie schon einige geschrieben haben, hast du ja deine Ausbildung auch noch nicht beendet und von der finanziellen Sorglosigkeit trennen dich noch Abschluss, Einstieg und Etablierung im Berufsleben. Du magst durch dein Studium vermutlich bessere Chancen auf einen qualifizierten Arbeitsplatz bekommen, aber genauso hätte bei einer der 30 Bewerbungen deines Freundes ein Zuschlag dabeigewesen sein können.


    Eure berufliche und finanzielle Zukunft ist daher alles andere als vorhersehbar. Ich möchte nochmal daran erinnern, dass du deinen Freund arbeitslos kennengelernt hast. Klar, du äußerst zwischen den Zeilen die Vermutung, als würde er ein geregeltes Arbeitsleben bewusst torpedieren, z.B. miese Tests abliefern. Aber ist es wirklich so, oder liegt vielleicht eine echte Überforderung vor? Mich macht nur stutzig, dass er selbst was von IT-Lehrer und Informatik erzählt. Dazu sind ja einige Vorab-Qualifizierungen wie Matura sicherlich nötig oder für IT-Ausbildungen zumindest gern gesehen. Wenn er sich die dortigen Hürden als machbar vorstellt, dann kann er ja nicht ganz doof sein, aber muss sich auch Tests zutrauen. Da sehe ich den Widerspruch, den ich noch nicht auflösen kann. Entweder überschätzt er sich, dann hat er aber generell Probleme, im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen (und es ist dann nicht einfach sein böser Wille) - oder er hat tatsächlich keinen Bock und wartet so lange, bis das ideale Angebot anstrengungsfrei und zufällig vorbeifliegt.


    Wie man es dreht und wendet: du machst den Eindruck, als würdest du deinen Freund zunehmend als Ballast empfinden und suchst nach einem Grund, ihn loszulassen. Vor allem scheint die finanzielle Unsicherheit und sein Verhalten deine Gefühle stark einzuschränken. Wären die nämlich noch vorhanden, wäre das - ehrlich gesagt - kein Problem, Auto und Urlaub zu sponsorn und mit einem Gehalt auszukommen. Aber hier geht es um mehr als nur seine finanziellen Aussichten.

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    Es ist für mich nicht vorstellbar, mit einem Langzeit-Arbeitslosen eine Familie zu gründen.

    Wozu soll er sich Arbeit suchen, Du studierst ja also wirst Du ja mal der Ernährer der Familie und er kümmert sich um die Kinder. Ist ja gerade ideal, wo ist das Problem?


    Sorry aber mit 23 oder 21 finde ich es eigentlich nicht so schlimm, dass er gerade keine Arbeit hat. Dass er sich keine Mühe gibt ist eher das Problem.

    Ist zwar off-Topic, ich freue mich aber zu sehen, dass die Mehrheit hier selbstständig und abseits von Mainstream-Denke und RTL eine differenzierte und menschliche Sicht auf das Thema Arbeit, Mensch, Sozialsystem hat.


    Macht ein wenig Hoffnung in Zeiten von Super-neoliberalen (die AFD braucht für das Parteiprogramm definitiv eine Steigerung von neoliberal) Parteien, welche mehr und mehr Zulauf bekommen von grade den Wählern, welche von deren Politik am wenigsten profitieren.


    Daumen hoch :)^

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    Will man nicht stolz auf etwas sein. Unabhängig sein?

    Darf ich erst stolz auf etwas sein, wenn ich dafür bezahlt werde?

    Ich meine mit "stolz auf etwas sein" z.B. sich eine schöne Wohnungsausstattung gekauft zu haben (von selbst verdientem Geld) und nicht durch die 1.700€ Erstausstattungspauschale vom JobCenter.


    Oder stolz darauf, Geld angespart zu haben, um sich einen schönen Urlaub leisten zu können.

    Zum Glück habe ich einen guten Abschluss gemacht, hab studiert und hab einen gutbezahlten Job, aus dem ich nicht gekündigt werden kann. Entsprechend muss ich mir über 10,50€ die Stunde keine Gedanken machen.


    Was aber heißt, sich was gönnen können? Für mich ist das, einfach mal ein paar Schuhe kaufen, was ich spontan sehe, ohne mich fragen zu müssen "kann ich mir das überhaupt leisten jetzt?". Oder mich beim Friseur rasieren zu lassen. Oder einfach meiner Nichte oder Neffen einfach spontan etwas kaufen und schenken. Im Grunde genommen sind das Kleinigkeiten. Aber mit Hartz-4 scheiden solche Dinge einfach mal aus. Da ist nicht "ich kauf mir mal eben ein paar Schuhe", oder "hier hast du mal 20€ für dein tolles Zeugnis". Da muss man auf jeden Cent achten und kann nicht "einfach mal Geld ausgeben". Und mir über Geld ausgeben nicht wirklich einen Kopf machen zu müssen bedeutet für mich Lebensqualität.


    Aus meiner Sicht ist das ganze Sozialsystem in Deutschland sowieso viel zu spendabel angelegt. Wenn ich mir überlege, was Leute, die noch nie gearbeitet haben teilweise für Luxusgüter haben (neueste Smartphones, Flatscreen-TVs, etc.), da bekomme ich Hass-Attacken drauf.


    Das ist alles so sozial ungerecht aufgeteilt (Gleichbehandlung eines 60jährigen Arbeitslosen, der 45 Jahre gearbeitet hat mit einem 30jährigen, der noch keinen Finger im Leben krumm gemacht hat).


    Ich wäre auch für "weniger Geld, dafür Warengutscheine" in bestimmten Fällen (nicht bei dem 60jährigen, der immer gearbeitet hat, und jetzt kurz vor der Rente arbeitslos geworden ist und jetzt keine Stelle mehr findet).


    Es geht allen immernoch einfach zu gut in unserem System. Und das System geht auf Kosten und zu Lasten derer, die arbeiten.

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    Im Grunde genommen sind das Kleinigkeiten. Aber mit Hartz-4 scheiden solche Dinge einfach mal aus. Da ist nicht "ich kauf mir mal eben ein paar Schuhe", oder "hier hast du mal 20€ für dein tolles Zeugnis". Da muss man auf jeden Cent achten und kann nicht "einfach mal Geld ausgeben". Und mir über Geld ausgeben nicht wirklich einen Kopf machen zu müssen bedeutet für mich Lebensqualität.

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    Aus meiner Sicht ist das ganze Sozialsystem in Deutschland sowieso viel zu spendabel angelegt. Wenn ich mir überlege, was Leute, die noch nie gearbeitet haben teilweise für Luxusgüter haben (neueste Smartphones, Flatscreen-TVs, etc.), da bekomme ich Hass-Attacken drauf.

    Zum einen ist das ein Widerspruch (die Zitate zueinander). Zum anderen ist das nur eine Seite der Medaille. Ich finde H4 nicht wirklich spendabel, aber natürlich ist das mehr als man als Arbeitsloser in einem Ostblockstaat bekommen würde. Die andere Seite der Medaille ist die, dass es zu wenig Arbeit gibt, von der man leben kann. Ich behaupte einfach mal, dass mindestens die Hälfte der H4-Leute einen Job annehmen würden, bei dem sie anständig entlohnt würden (anständig = man kann davon leben). Und ich sage es gerne noch mal: Solange es nicht genug Arbeit gibt, von der man leben kann, hat niemand das Recht auf jenen herumzuhacken, die nicht bereit sind zu unwürdigen Konditionen arbeiten zu gehen. Und denjenigen, die dann stolz herumposaunen, dass sie lieber für einen Euro pro Stunde arbeiten gehen anstelle auf der faulen Haut zu liegen: 1. Ihr stützt das ungerechte System. 2. Ihr tut das für euer Ego und dafür, dass ihr euch besser fühlt, für niemanden sonst. 3. Euer "Feind" ist nicht der H4ler sondern jene, die dafür sorgen, dass man nicht anständig für seine Arbeit bezahlt wird und andererseits permanent unter Druck gesetzt wird (inklusive Bashing über die Medien), dieses doch zu tun.