Auf Wiedersehen

    Mir geht es gut. Das wundert mich sehr, aber ich bin froh dass ich auch im Bewegungsmodus bin. Ich bin sehr froh darüber, dass ich nicht komplett in ein Loch gefallen bin - am Montag nach deinem Auszug habe ich direkt losgelegt mit planen, wie ich aus unserer Wohnung jetzt meine Wohnung machen kann. Ich freue mich sehr darauf, das Wohnzimmer mehr zum Musik machen zu benutzen.


    Bei den meisten Gegenständen oder Einrichtung fällt es mir sehr leicht loszulassen, von ein paar Dingen kann ich mich nicht trennen (die Augen an Kaffeemaschine und Wasserkocher zum Beispiel). Aber ich finde es gut so. Ich will dich ja nicht aus meinem Leben radieren, hege keinen Groll, und manche Sachen sind einfach gut. Es gibt Dinge, die will ich nicht kopieren auch wenn sie gut sind, habe sie entfernt obwohl ich es sehr schön fand. Das muss wohl sein.


    Manchmal gibt es noch komische Momente. Manchmal fühle ich mich alleine, das ist Scheiße. Ich habe gerade sehr viel um die Ohren, mache viele Verabredungen, deswegen ist das eher selten.


    Manchmal wünsche ich mir auch du wärst da, wir würden zusammen über Gott und die Welt reden, Musik machen oder hören, einen Film schauen oder im Bett sein. Das fehlt mir manchmal. Dieser Moment geht meist aber recht bald wieder weg. Es wundert mich fast ein bisschen, dass es mir so gut geht.


    Vielleicht, weil die Trennung dann ja doch nicht überraschend kam, sie ja schon länger im Raum stand. Ich war ja sogar Sonntag vor meinem Geburtstag kurz davor mich zu trennen. Vielleicht, weil ich auch etwas erleichtert bin einen Punkt machen zu können.


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    Der Abschied


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    Ganz sicher aber auch, weil das Abschied nehmen so lief wie es lief. Und du weißt vielleicht gar nicht, wie dankbar ich dafür bin, wie du das alles gemacht hast. Es war sehr gut mit dir zu weinen. Es hat gut getan von dir getröstet zu werden. So traurig ich darüber war, dass unsere Beziehung zu Ende ist, so glücklich war ich dass du da warst, mich nach wie vor respektierst, tröstest und aufrichtig bedauerst. Mich, das Ende, wasauchimmer.


    Ich glaube, der Donnerstag vor deinem Auszug war sehr wichtig und gesund für mich. Es war schön zu spüren dass du noch für mich da bist. Ich hoffe sehr dass es dir nicht unangenehm war nochmal mit mir einen kurzen Mittagsschlaf zu machen. Für mich war es wunderbar. Ich hatte mich vorher richtig ausgeheult, und auch da warst du für mich da. Und während wir ein bisschen dabei geredet haben‚ hatte ich die nackte Erkenntnis: Du bist schon weg. Das war krass. Ich mein, ich hatte es schon vorher geschnallt. Aber mein Herz, meine Seele war noch nicht da, wo der Kopf schon war. Jetzt kommen sie so langsam auch an. Ich glaube sie sind es schon zu großen Teilen.


    Als wir dann im Bett zum Mittagsschlaf lagen, deine Hand auf meinem Herzen, und du langsam eingeschlafen bist, gezuckt hast, war ich, du wirst es mir vermutlich nicht glauben, glücklich. Ich war wirklich glücklich.


    Ich habe den Moment ganz bewusst aufgenommen, es war schön dich zu spüren, dass du in meiner Nähe einschläfst. Es war so vertraut. Ich habe mich geborgen gefühlt. Und obwohl ich wusste, es ist das letzte Mal so, war ich nicht traurig. Ich war froh dass es so schön aufhört.


    Und ich rechne es dir verdammt hoch an, dass du das so gemacht hast, obwohl du gleichzeitig im Kopf bereits einen Schalter umgelegt hast, nach langem hadern am laufen warst, dich auf das neue Leben, dein neues Leben und Freiheit vorbereitest, freust und viel Energie dafür gibst. Du bist wirklich ein besonderer Mensch, hast das Herz am rechten Fleck, und kannst stolz auf dich sein.


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    HättehätteFahradkette


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    HättehätteFahradkette - vielleicht hätten wir viel früher eine andere Abzweigung nehmen können - getrennte Wohnung oder so, vielleicht hätte dann das Wir geklappt - HättehätteFahradkette.


    HättehätteFahradkette - vielleicht war ich zu festgefahren in meiner Vorstellung von Beziehung, vielleicht habe ich es mir zu bequem gemacht in der Beziehung, vielleicht wäre ich anders drauf gewesen wenn wir uns anders kennengelernt hätten - HättehätteFahradkette.


    HättehätteFahradkette – Du hast gesagt du liebst mich nicht ganz – hat sich das nur gewandelt wegen der Dauer, war das der Wechsel zu tiefer, vertrauter Liebe, ohne rosa Brille? Weil ich Verbindlichkeiten gefordert habe? Kann sein und wäre traurig, aber ist auch nicht relevant. Du hast dich entschieden. Vielleicht wissen du und ich das eines Tages - HättehätteFahradkette


    Ob ich dich vermisse?


    Die Beziehung? Teilweise. Nicht die Momente, in denen du da warst, aber nicht bei mir, nicht die anstrengenden Gespräche. Die guten Momente sehr wohl. Zusammen Kreise ziehen, Musik machen, im Bett sein,…


    Die Frau? Du bist wunderschön, und unser Sex war sehr gut.


    Den Menschen? Ja.


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    Fußabdrücke


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    "Voll gut"


    Echtes Holz.


    Ukulele.


    Bio.


    Sojamilch.


    Dicke, gute Kerzen.


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    Die Entscheidung


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    Die Entscheidung war richtig. Ich habe mir so sehr gewünscht dass sie nicht kommt. Aber sie war richtig. Wir haben lange gekämpft, und ich glaube, wir sind in einer Sackgasse angekommen. Du warst hin- und hergerissen, es hat uns beide viel Kraft gekostet. Ich bin froh dass wir nicht kampflos aufgegeben haben, es hat mir auch gezeigt wie wichtig uns der andere, die Beziehung ist.


    Ich glaube, du bist nicht bereit für so eine Art der Beziehung.


    Ich glaube, ich bin nicht bereit für so eine Art der Beziehung.


    Weißt du was ich meine? Du hast gerade anderes vor mit deinem Leben, und unsere Beziehung hinderte dich daran. Unsere Lebensphasen passten nicht zusammen.


    Und damit hadere ich nicht. Es macht mich traurig, weil ich die vielen guten, vielleicht sogar einmaligen, Dinge die wir zusammen hatten sehe.


    Aber ich will dass es dir gut geht, und das ging es immer wieder nicht.


    Unsere Beziehung war was ganz besonderes. Zumindest für mich war das in dieser Stärke neu, verzaubernd. Deswegen ist es für mich kostbar, deswegen habe ich weiter an uns geglaubt. Wir waren ein großartiges Team. Manchmal wollten wir vielleicht unterschiedliche Pferde stehlen, aber wir waren wirklich gut zusammen. Und dann ist da noch der immer bessere Sex.


    Und die enge Vertrautheit, Verbundenheit, Geborgenheit. Auch das finde ich immer noch bemerkenswert. Bestimmt nicht zu Unrecht hat unsere Paartherapeutin gesagt ‚Ich habe immer viel Liebe zwischen ihnen beiden gesehen‘.


    Wenn ich das so lese werde ich etwas wehmütig. Es ist schade dass es nicht geklappt hat. Aber auch hier wieder: ich hadere damit nicht. Ich habe es verstanden.


    Du hast mir mal erzählt, das Armband dass du mir geknüpft hast, hat bewusst Wellen. Wellen, die sich immer wieder voneinander wegbewegen, aufeinander zubewegen. Das ist sehr schön. Ich hoffe dass sich unsere Wellen trotzdem noch immer wieder treffen werden, dann wann es passiert, und so wie es passiert.


    Ich wünsche dir von Herzen, dass dir das neue Leben gut tut, es dir auf deiner Insel gut tut. Ich habe mich auf deiner Insel immer sehr wohl gefühlt. Auch wenn nicht mehr so häufig, hoffe ich doch, dass ich dich da immer mal wieder besuchen darf.


    Du bist immer auf meiner Insel willkommen. Wenn ich da bin. Wenn nicht kannst du trotzdem gerne kommen, ich bin bestimmt bald zurück.


    Wir hatten eine wunderbare Zeit. Es war unglaublich schön und gut. Ich habe viel daraus gezogen und mitgenommen. Danke für alles was du mir gegeben hast. Ich werde immer einen Teil von dir bei mir haben, und darüber bin ich glücklich.


    Ich umarme dich.

  • 6 Antworten

    Ich habe ja deine Fäden und euer bewegtes Beziehungsleben hier komplett verfolgt. Und nun ist es wohl soweit. :°_


    Aus dem Verlust wird Platz entstehen für etwas Neues. Dafür wünsche ich dir alles Gute und viel Glück im Leben. Ich glaube, du gehst das richtig an. :)^ :)*