@ LichtAmHorizont

    klar, verletzen kann man jemanden wie beschrieben nicht. Aber der Gesamtkontext ist "zufriedenstellende, ausgeglichene soziale Beziehungen führen", und wenn man aus dem beschrieben Mechanismus dann schlussfolgert "ich kann die Leute nicht verletzen" und sich entsprechend wenig sensibel verhält, dann führt das eben dann dazu, dass die meisten Leute nicht verletzt sind, aber trotzdem durchaus verägert. Und das ist dem eigentlichen Ziel halt nicht zuträglich.


    Man kann meine These auch umformileren. Dann lautet sie nicht "Menschen mit geringem Selbstwertgefühl unterschätzen ihre macht, andere zu verletzen" sondern "unterschätzen ihre Fähigkeiten, andere zu verärgern". Ist aber auch nicht gut.

    kurz gefasst kommt es vor, dass Leute sich wundern, dass keiner sie so recht zu mögen scheint, und sie realisieren gar nicht, dass das daran liegt, dass sie sich selber ziemlich aneckend verhalten, was ihnen gar nicht klar ist, weil sie nicht davon ausgehen, dass irgendjemand sie wirklich für voll nimmt, ergo, es im grunde auch egal ist was sie tun, weils eh keinen interessiert. dass sie für a-rschlöcher gehalten werden könnten, ist ihnen nicht klar (weil sie immer nur "opfer" sind).


    und das ist, im sinne der eigentlichen zielsetzung, natürlich nicht wünschenswert.

    @ CoteSauvage

    Zitat

    Das finde ich eine total abwegige Theorie. Abgesehen davon: Irgendwer wird ihm dann ja erstmals diese Wunde zugefügt = ihn verletzt haben müssen.

    Das passiert meist in der Kindheit, wenn man sich noch nicht wehren kann.

    @ rr2017

    Natürlich ist das kein Freibrief, mit Beleidigungen um sich zu werfen. Das wollte ich damit auch nicht sagen. Aber wie auf rohen Eiern durch die Welt zu gehen und sich bei jedem zu fragen, was man wohl besser tut oder lässt (wie gesagt - bei einigen reicht schon ein schiefer Blick), macht einen letztlich zum eigenen Gefangenen. Und insgeheim stellt man damit auch die Erwartung an andere, einen gefälligst auch wie ein rohes Ei zu behandeln. Womit man sich in der eigenen Opferrolle bestärkt und das eigene Wohlsein vom Verhalten anderer abhängig macht.

    @ rr2017

    Zitat

    kurz gefasst kommt es vor, dass Leute sich wundern, dass keiner sie so recht zu mögen scheint, und sie realisieren gar nicht, dass das daran liegt, dass sie sich selber ziemlich aneckend verhalten, was ihnen gar nicht klar ist, weil sie nicht davon ausgehen, dass irgendjemand sie wirklich für voll nimmt, ergo, es im grunde auch egal ist was sie tun, weils eh keinen interessiert. dass sie für a-rschlöcher gehalten werden könnten, ist ihnen nicht klar (weil sie immer nur "opfer" sind).


    und das ist, im sinne der eigentlichen zielsetzung, natürlich nicht wünschenswert.

    Natürlich bringt einen so ein Verhalten nicht ans Ziel, wenn dieses eigentlich ist, gemocht und akzeptiert zu werden. Aber jemandem der achtlos oder gleichgültig überall aneckt, unterstelle ich, dass er darauf ??scheißt?? ob er gemocht wird. Das ist eher jemand, der schon aufgegeben hat und keine Lust mehr, irgendwelche Mühe aufzuwenden…

    Man kanns ja eh nicht allen Recht machen und soll sich auch nicht zu arg verbiegen, das ist klar.


    Eigentlich sollte man sich auch überhaupft nich groß hinterfragen in Bezug auf seine eigenen Handlungen. Ich wage zu behaupten, wer einen gesunden Selbstrespekt und ein gesundes Selbstwertgefühl hat, wird von ganz alleine da in den richtigen Situationen die richtigen Töne treffen. Das Problem sollte sozusagen auf einer tieferen Ebene angegangen werden.


    Wichtig ist nur, dass man sich diesen Mechanismus klar macht und verinnerlicht, denn genau das ist es, was aus Opfern narzisstischer Systeme selber später Täter werden lässt (und es in eine unentrinnbare Spirale verwandelt). Opfer sein, und Opfer bleiben, und wenn dann das Feedback der Umgebung weiterhin negativer ist, verhärtet sich dieses Gefüge immer mehr.


    Sich selber erstmal liebenswert zu finden, scheint ein enorm relevanter Schritt zu sein.

    Zitat

    Das passiert meist in der Kindheit, wenn man sich noch nicht wehren kann.

    Also können nur Kinder verletzt werden? Oder: Wenn man sich theoretisch wehren kann/ könnte, kann es keine Verletzung sein?

    Zitat

    Deshalb hat keiner von sich aus die Macht, zu verletzen. Es gibt höchstens die, die es versuchen und die, die daraufhin die Verletzung annehmen.

    Achso, wenn mir einer eine runterhaut, entscheide ich, ob ich die Verletzung "annehme" und wenn ja, dann war sein Verletzungsversuch erfolgreich und ich bin ich verletzt. Ja is klar ;-D


    Wie heißt die Sekte, die sowas lehrt?

    na, die Wahrheit liegt schon in der Mitte.


    Verbale Verletzungen sind ja oft herabwürdigungen des Selbwerts, und da hat man durchaus eine gewisse Möglichkeit zu entscheiden, ob man sich WIRKLICH drüber aufregen (und sein Ego davon abhängig machen) muss oder nicht doch lieber auf Durchzug schaltet.


    Selbständigkeit mit Nervkunden ist ein gutes Trainig :D


    Interessanterweise landet man immer, immer, immer wieder bei all diesen Themen beim Selbstrespekt und dem Selbstwertgefühl. Wenn das solide in sich ruht, ist alles in Butter. All diese Probleme treten erst auf wenn da was im Argen ist.

    Jesus als krasses Extrembeispiel ist da durchaus hilfreich. Er ruht ja wirklich sehr in sich, das Fundament ist Gottes Liebe, und ob man nun religiös ist oder nicht - wenn da ein Pfeiler ist, der einen trägt, ist man wirklich weitgehend unangreifbar. Das ist halt normalerweise das Selbstwertgefühl. Wenn jemand doof zu mir ist, und seine Doofheit in wirklichkeit Ausdruck seiner eigenen Problematik ist, kann ich mich entweder über ihn ärgern (dann ist der Pfeiler der mich trägt wohl nicht so massiv), oder aber ich kann traurig sein über ihn und seine eigenen Probleme (dann ist mein Pfeiler so groß, dass diese Person ihn gar nicht ankratzen kann).


    Ergo - "Vergebung" und "Größe" sind zu einem sehr großen Teil auch Dinge, die einem selber gut tun. Verletzt und klein und gar nachtragend zu sein ist ein Zeichen für eigene Defizite und helfen einem niemals weiter.


    Auch das egozentrische Suchen von Dingen bei sozialen Beziehungen ist letztlich eher "klein" und bedürftig. Wahre Größe sucht nicht, sondern kann etwas geben.


    Ich wiederhol mich, ich weiss. Aber mir ist halt in letzter Zeit so dermaßen klar geworden, was für Dinge es sind, die bei beschädigten Persönlichkeiten dazu führen, dass a) die Defizite niemals ausheilen und b) sie selber zu echten "Tätern" werden (was die Probleme ja nur verschlimmert).

    @ CoteSauvage

    Falls Du es überlesen hast: Hier ging es um seelische Verletzungen, nicht um körperliche.

    Zitat

    Also können nur Kinder verletzt werden? Oder: Wenn man sich theoretisch wehren kann/ könnte, kann es keine Verletzung sein?

    Es sei denn man will lieber der Opfertyp bleiben. Als Erwachsener hat man zumindest die Wahl, da man in der Regel nicht mehr existenziell von seinen Eltern abhängt.

    Zitat

    Achso, wenn mir einer eine runterhaut, entscheide ich, ob ich die Verletzung "annehme" und wenn ja, dann war sein Verletzungsversuch erfolgreich und ich bin ich verletzt. Ja is klar ;-D


    Wie heißt die Sekte, die sowas lehrt?

    Hier reagierst Du mit unnötigem Spott auf eine von Deiner abweichende Meinung. Du hast Deine Sicht, die aber nicht alle teilen. Alles ok, denke ich. Früher dachte ich auch anders, heute bin ich froh über die neuen Erkenntnisse, komme besser zurecht und bin längst nicht mehr so schnell beleidigt. Es klappt auch nicht immer, klar, aber immer öfter. ;-)


    Wenn Du psychologische Richtungen als Sekte betrachten willst, bitte. Als Lektüre dazu, dass Verletzungen keine feststehende Sache sind, sondern der Persönlichkeit und eigenen Entscheidungen unterliegen, empfehle ich Dir z. B. Doris Wolf: "Ab heute kränkt mich niemand mehr".


    Klar ist das zunächst mal eine ungewohnte Betrachtungsweise, ich verstehe auch, dass man sich darüber ärgert, wenn man es nie so sah und überzeugt ist, die beleidigte Reaktion sei die einzige logische. Ist sie eben nicht.

    Quark. Mal ehrlich. Wenn einen jemand vergewaltigt dann verletzt einen das auch seelisch, ob man das nun will oder nicht. Genauso wie verlassen werden einen verletzen dürfte. Nur wer sich nicht öffnet, kann nicht auf die Nase kriegen. Immer zu sagen:"Boah, wenn der andere nun verletzt ist, dann kann bei dem aber ganz gewaltig was nicht stimmen", wäre es sich einfach zu machen.


    Das komplizierte, herausfordernde und der Bereich in dem man ein Leben lang lernt ist doch gerade der, in dem man ausblanciert wo die Grenzen in genau dieser spezifischen Konstellation liegen. Sich nicht für alles selbst zerreißen, aber sich auch nicht vor der eigenen Verantwortung drücken, da irgendwo lavieren doch die meisten rum, mal mehr, mal weniger erfolgreich.

    Calineken


    Nur gibt es abseits von Beleidigungen einfach noch viel viel bösere Sachen. Da gehts nicht um unangemessene Kritik, die eigene Kritikfähigkeit ist ja etwas an dem man arbeiten kann, aber wenn jemand wirklich bösartig einem weh tun will, dann kann der das in aller Regel auch.

    Das mit dem "Eine runterhauen" meinst Du aber nicht wirklich ernst als Vergleich, oder?


    Und ja, Kinderendliche und auch Jugendliche können sich nicht oder nur schwer gegen eine verbale Verletzung wehren, das hängt tatsächlich weitgehend vom Erwachsensein ab, sicher zum Teil auch vom Elternhaus.


    An rr2017: Toller Beitrag, der von 1.25 h.

    Das oben schrieb ich an CoteSauvage.


    danae87


    Bösartige Verletzungen - darauf haben die Möglichkeiten, sich innerlich zu schützen, natürlich Grenzen. Es ging bisher ja nicht um Extrembeispiele. Aber davon abgesehen sind auch hier die Reaktionen unterschiedlich. Sie gehen von lebenslangem Leid bis hin zur bewussten Vergebung, hier ist mehr möglich, als man zunächst oft annimmt.