Ausziehen mit 26, gemeinsame Wohnung mit dem Partner

    Hallo =)


    Ich möchte mich ein wenig mit euch austauschen. Mich "belastet" die Situation, gleichzeitig freue ich mich drauf. Aber unsicher bin ich mir auch.


    Ich bin 26 und habe eine Ausbildung hinter mir und darin gearbeitet. Vor einem Jahr habe ich meinen Partner kennengelernt. Es läuft sehr gut. Dadurch, dass er unregelmäßige Arbeitszeiten hat, sehen wir uns eher selten.


    Nun kam natürlich die Idee auf, wir könnten eine gemeinsame Wohnung beziehen.


    Seit Oktober habe ich meinen Beruf aufgegeben und studiere nun auf Lehramt.


    Bedeutet, er arbeitet und ich studiere.


    Im Moment wohne ich noch bei meinem Vater, zahle keine Miete, versorge mich aber komplett selber.


    Ich wohne noch zu Hause, da meine Mutter vor 3 Jahren traurigerweise plötzlich verstorben ist. Deshalb konnte ich meinen Papa bisher auch einfach nicht alleine lassen. Und jetzt, wo ich ernsthaft darüber nachdenke, bricht es mir das Herz, meinen Papa alleine zu lassen.


    Er hat sich seit dem Tod komplett zurückgezogen, ich bin eigentlich sein einziger Bezugspunkt. Ansonsten macht er nichts außer einkaufen gehen, einmal die Woche gehen wir gemeinsam Essen und ja...das wars.


    Ich stelle mir da die Frage, ob ich meinen Papa wirklich alleine in der Wohnung lassen kann...ohne Mama, ohne mich?


    Natürlich möchte ich auch auf der anderen Seite unbedingt mit meinem Partner zusammen wohnen. Wäre das mit meiner Mama nicht passiert, so wäre ich bereits ausgezogen. Ich möchte gerne meine eigene Wohnung, möchte Freunde einladen (mache ich aus Rücksicht für meinen Papa nicht), möchte selbstständig sein, möchte es mein Eigen nennen und besonders mit meinem Partner Richtung Zukunft gehen (Wohnung, Kinder usw.).


    Aber dann ist da die Sache mit dem Studium. Natürlich habe ich nun kein geregeltes Gehalt. Ich habe viel gespart, selbst ohne arbeiten neben dem Studium und 400€ für die Miete bleibt nach 5 Jahren eine gute Summe über. Ich würde für die Wohnung 300-400€ zahlen. Mein Partner und ich haben viel darüber gesprochen, schließlich zahlt er ja mehr.


    Nun ist meine Frage, ob ich lieber doch zu Hause wohnen bleiben soll, denn da kann ich weiter sparen.


    Auf der anderen Seite, habe ich jetzt erst mit dem Studium begonnen.


    Mind. noch 3 Jahre, wenn nicht sogar 5 Jahre. Natürlich möchte ich nebenbei anfangen zu arbeiten. Aber akutell lebe ich vom Erpsarten, Anspruch auf Bafög habe ich nicht.


    Wie seht ihr die Situation? Ich traue mich nicht, mit meinem Papa darüber zu sprechen. Ich will ihn nicht traurig machen. Er meinte kürzlich auch "du kannst sehr gerne noch 5 Jahre hier wohnen. Ich habe dich gerne hier". Da habe ich mich dann gar nicht mehr getraut von meinen Plänen zu erzählen.


    Natürlich bin ich nicht aus dem Leben von meinem Papa raus. Es ist die selbe Großstadt, ich brauche 40min zu ihm. Mein Partner ist 1-2x die Woche nicht zu Hause. Vielleicht kann ich gerade am Anfang 1x zu Hause übernachten, weiterhin einmal Essen gehen und ihn dann zu uns einladen.


    Ich will meinen Papa nicht verlieren...er ist der einzige aus meiner Familie. Es gibt sonst niemanden. Was mache ich, wenn er sich noch mehr aufgibt?


    Was meint ihr? Ich weiß, ich bin alt genug.


    Aber mein Papa, meine Fürsorge für ihn, meine Angst um ihn, das fehlende Einkommen (die nächsten 3-5 Jahre), Leben vom Ersparten...soll ich dennoch ausziehen?


    Oder lieber noch den Bachelor machen (3 Jahre) und dann ausziehen? Master dann in der eigenen Wohung?


    Aber ich bin auch 26. Und ich würde gerne mal alleine wohnen bzw. mit meinem Partner.


    Aber iwie bricht es mir das Herz und es sind viele Zweifel da.


    Ich würde gerne mit euch darüber reden, neue Impulse bekommen usw.


    Ich freue mich über eure Antworten =)


    Liebe Grüße @:) :)*

  • 18 Antworten

    Kurz und knapp: So wie du schreibst scheint das finanzielle ja nicht das Problem zu sein. Ja, die Ersparnisse würden deutlich angegriffen, aber machbar wäre es. Das was dich eher aufhält dürfte dein Vater sein.


    Es ehrt dich ja das du für ihn da sein willst, aber solltest du deswegen dich selbst aufgeben ? Er ist ein erwachsener Mann und auch wenn der Tod deiner Mutter sicher sehr tragisch und einschneidend ist kann es ja nicht sein das du jetzt sein Leben lang für ihn da sein und ihn stützen musst. Denkst du ehrlich das wäre in drei Jahren anders ?


    Im Übrigen glaube ich nich das du deinen Vater durch den Auszug "verlieren" würdest. Vielleicht solltest du mal ehrlich mit ihm reden, ich kann mir gut vorstellen das er auch will das du auf eigenen Beinen stehst und glücklich wirst.

    Das ist ja keine ganz leichte Situation. Ich kann gut verstehen, dass du dir diese Gedanken machst, aber ich finde, dass du es deinem Vater damit auch sehr leicht machst, sich nicht weiter um sich zu kümmern, denn du bist ja da. Wenn du ausziehen solltest, ist er gezwungen, aus dem Haus zu gehen, damit er nicht vereinsamt. Deinem Alter nach zu urteilen würde ich sagen, dass er noch nicht ganz so alt ist (ca. um die 60?). Da hat er ja noch ein paar gute Jahre, die er, wenn er unter Leute geht, gut ver- und erleben kann.


    Du bist nicht für das Leben deines Vaters verantwortlich, sondern musst dein eigenes Leben leben. Dazu gehört eben auch, dass du ausziehst. In diesem Alter sind die meisten Kinder schon aus dem Haus. Dein Vater kann sich freuen, dass du solange bei ihm warst. Du kannst nicht ewig für ihn verantwortlich sein. Da muss er auch schon selbst ein bisschen Initiative zeigen. Es kann nicht sein, dass du dich so einschränkst und dir immer Gedanken um deinen Vater machst. Er muss jetzt in die Puschen kommen und dir zeigen, dass es in Ordnung ist, dass du ausziehst. Das ist einfach der Lauf der Dinge.


    Versuch, ihn ganz vorsichtig darauf vorzubereiten. Dass du am Anfang noch ab und zu bei ihm sein willst, ist vielleicht keine schlechte Idee. Dann kommt das alles nicht so abrupt für deinen Vater. Beziehe ihn in den ganzen Umzug mit ein; dann fühlt er sich nicht so überflüssig.


    Meine Oma hat nach dem Tod ihres Mannes lange bei ihrem Sohn gewohnt. Das war dann schon so selbstverständlich, dass sie sich gar nicht vorstellen konnte, wieder in die eigene Wohnung zurückzugehen. Es war nicht leicht, sie davon zu überzeugen, dass das Leben auch ohne ihren Mann weitergeht. Sie hatte dann noch gute 16 Jahre ;-) .


    Wenn du mit deinem Freund zusammenziehen willst, dann mach das. Du hast ja gespart und so, wie du es beschreibst, kommst du über die Runden. Ab und zu muss man auch mal etwas wagen :-D .

    @ :)

    Lass dir doch noch ein bisschen Zeit, bis du klarer bist. Und bereite deinen Papa langsam darauf vor, dass er nicht von heute auf morgen damit konfrontiert wird. Es ist ihm sicher klar, dass du nicht auf Dauer bei ihm leben wirst. Aber nach allem was du schreibst, scheint dein innerer Konflikt noch sehr groß zu sein und das regelt sich manchmal einfach dadurch, dass man sich einen Zeitpunkt setzt. Vielleicht innerhalb eines halben Jahres.

    Vielen Dank für eure zahlreichen und schnellen Antworten.


    Das sind auch so Gedanken, die mir durch den Kopf gehen. Wenn ich ausziehe, dann muss er sich einfach neu mit seinem Leben befassen und vielleicht tut ihm das auch gut.


    Aber ich habe eben auch die Sorge, dass er sich komplett gehen lässt und ich daran Schuld bin, wenn ich nun auch bald keinen Papa mehr habe.


    Ist es mir das Wert?


    Wir ziehen nicht gleich morgen zusammen. Dieses Jahr definitiv nicht mehr. Ab Ende Januar könnten wir es uns vorstellen. So könnte sich Papa daran gewöhnen.


    Ich habe es bereits mehrfach versucht, über ein paar Hinweise ihm klar zu machen, dass ich ausziehen möchte. Aber bisher hat er es immer ignoriert. Von daher befürchte ich, breche ich ihm eher das Herz.


    Aber eure Argumente sind auch bei mir vorhanden. Es ist mein Leben.


    Und ich bin ja nicht weg.


    Ich fürchte, auch wenn ich Zeit ins Land gehen lasse, so werde ich auch in einem Jahr, in 3 Jahren usw. vor diesem "Problem" stehen. Ich werde immer das Gefühl haben, für ihn die einzige Person zu sein.


    Bin ich auch sehr gerne, mein Papa bedeutet mir alles.


    Und trotzdem will ich alleine auf eigenen Beinen stehen

    sognatice,

    Zitat

    Aber ich habe eben auch die Sorge, dass er sich komplett gehen lässt und ich daran Schuld bin, wenn ich nun auch bald keinen Papa mehr habe.

    Hast du denn Angst, dass sich den Vater etwas antun könnte?


    Du richtest dein Leben komplett auf deinen Vater aus und das ist für keinen von euch gut. Im Moment zwar für deinen Vater, aber so hängt er ewig an deinem "Tropf" und du kannst dein Leben nicht so leben, wie du es möchtest. Du hast ein schlechtes Gewissen, weil du das Gefühl hast, dass du deinen Vater alleine lässt. Aber es ist auch Sache deines Vaters, dich gehen zu lassen.


    Vielleicht bist du erstaunt, wie er reagiert, wenn du ihm deine Pläne erzählst. Du bist ja noch ein bisschen da und er hat Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass du nicht immer um ihn herum bist.


    Gibt es in eurer Nähe nicht irgendwelche Treffen, die er besuchen kann. Hat er ein Hobby? Wie sieht es mit Kursen an der VHS aus? Er muss aktiv werden. Macht er das nicht, dann bist du nicht dafür verantwortlich, wenn er alleine bleibt und nicht unter Leute geht.


    Natürlich wird es für deinen Vater erst einmal ungewohnt, wenn er alleine ist. Er muss sein Leben dann nämlich auch umkrempeln. Das ist mühsam und erfordert Eigeninitiative. Aber dein Vater kann nicht verlangen, dass du immer bei ihm bleibst. Und vielleicht verlangt er das ja auch gar nicht. Bis jetzt bestand für deinen Vater ja auch keine Veranlassung, etwas zu ändern.


    Er braucht vielleicht auch einen kleinen Schubs, damit er aktiv wird. Wie alt ist denn dein Vater?


    Eigentlich wollen Väter doch auch, dass es ihren Töchtern gutgeht. So ist es jedenfalls bei meinem :-D

    Zunächst mal tut es mir leid, dass deine Mutter so plötzlich verstorben ist. Es ist sicher keine leichte Situation für dich. :)_

    Zitat

    Wir ziehen nicht gleich morgen zusammen. Dieses Jahr definitiv nicht mehr. Ab Ende Januar könnten wir es uns vorstellen. So könnte sich Papa daran gewöhnen.

    Ich finde es dennoch bedenklich, dass du als Erwachsene ein derartiges Verhältnis zu deinem Vater hast, denn eigentlich sollte es selbstverständlich sein, in deinem Alter ein eigenes Leben zu führen und sich nicht komplett nach den Eltern zu richten. Lebenskrisen kommen in so gut wie allen Familien vor und es kann nicht die Lösung sein, dass die Kinder dann ihr eigenes Leben opfern. Auch dass du deinen Vater in einem öffentlichen Forum als "Papa" bezeichnest, befremdet mich.

    Zitat

    Ich fürchte, auch wenn ich Zeit ins Land gehen lasse, so werde ich auch in einem Jahr, in 3 Jahren usw. vor diesem "Problem" stehen. Ich werde immer das Gefühl haben, für ihn die einzige Person zu sein.

    Genau das ist das Problem was ich sehe. Selbst wenn du jetzt 3, 13 oder 30 Jahre ins Land gehen lässt ändert sich von alleine nichts an eurem Vater/Tochter Verhältnis und wenn dein Vater nicht von sich aus was an seinem Leben verändert wirst du dich davon immer wieder aufhalten lassen und doch nicht dein eigenes Leben leben.


    Manchmal ist ein Sprung ins kalte Wasser nicht die schlechteste Wahl. Auch andere Menschen haben ihren Partner verloren und konnten irgendwann irgendwie weiter machen ohne sich von den Kindern / die Kinder von sich abhängig zu machen.


    Und wie gesagt, die Möglichkeit das er die Nachricht gut verarbeitet und dich beim Auszug unterstützt besteht ja auch, du hast ihn ja noch nie direkt auf dieses Thema angesprochen.

    Du hast zwei Baustellen, das Geld und deine Beziehung zum Vater. Beide musst du nicht mit Gewalt übers Knie brechen.


    Als mittellose Studentin musst Du überlegen, wie Du das mit der Wohnung finanziell bewältigst. Entweder dein Freund findet es völlig ok, dass er eine Wohnung allein bezahlt, oder Dein Vater bezahlt die, oder Du gehst arbeiten. Relativ simpel eigentlich. Mit Deinem Vater wirst Du darüber reden können, es ist normal, dass Kinder irgendwann ausziehen und dann guckt man halt, was finanziell da möglich ist.


    Dass Du Deinen Vater verlierst ist ja nun Unsinn. Du ziehst weder auf einen anderen Kontinent, noch ist einer plötzlich tot. Wenn Du das in langsamen Schritten gestalten willst, dann verbring halt mal tageweise die Zeit bei Deinem Freund, 2-3 Tage am Stück, dann wieder zu Hause, da gewöhnen sich dann alle Parteien dran. Und dann kannst Du gleich probieren, ob das mit deinem Freund unter einem Dach harmoniert.


    Last not least: Dein Vater ist erwachsen. Du bist nicht für ihn zuständig in dem Sinne, dass Du sein alleiniger Lebensinhalt sein musst. Sein Leben zu füllen ist seine Aufgabe, genauso wie Du Deines füllen wirst.

    Das mit dem Geld ist, wie bereits erwähnt, nicht das größte Problem.


    Keine der drei von dir dir genannten Varianten sind eine wirkliche Baustelle.


    Ich habe so viel angespart, dass ich damit eine normale Studentenwohnung finanzieren könnte, ohne zu arbeiten und danach immer noch Geld habe.


    Unabhängig davon teilen wir die Miete nach "Gehalt" auf. Somit zahlt er deutlich mehr,aber darüber haben wir sehr, sehr oft gesprochen, da ich zu Beginn ein mulmiges Gefühl hatte.


    Aber arbeiten gehen nebenbei tue ich ab Januar auch, zwar nur 350€, dafür aber gut mit dem Studium vereinbar =)


    Ich glaube, mir geht es eben wirklich um meinen Papa. Es ist vielleicht im Normalfall gar kein Problem, auszuziehen. Aber der Tod meiner Mama hat mich sehr mit meinem Papa verbunden. Ihn alleine zu lassen ist iwie eine Art Verlust für mich, doch...ja.


    Das mit dem mal bei meinem Partner wohnen ist inzwischen normal. Ich bin 4 Tage bei ihm, 3 Tage zu Hause. Mal am Stück, mal gestaffelt. Es funktioniert ganz wunderbar, wäre dort nicht der lange Fahrtweg und immer das Gefühl, nicht richtig zu Hause zu sein.


    Für meinen Papa ist das auch absolut ok. Für mich aber nicht. Es fällt mir immer wahnsinnig schwer zu gehen.


    Was kann ich denn gegen dieses Gefühl machen? Ich weiß, es ist nicht normal. Aber ich kriege diese Schuldgefühle und Ängste, dass er dann gar keinen Sinn mehr hat, sich aufgibt usw. nicht weg.


    Mich "stört" es ja selber =(

    Zitat

    Für meinen Papa ist das auch absolut ok. Für mich aber nicht. Es fällt mir immer wahnsinnig schwer zu gehen.

    Dann solltest du eher an dieser Stelle ansetzen. Wieso ist das so ? Für deinen Vater ist das ja offenbar kein Problem in dem Sinne das er dir nen schlechtes Gewissen machen würde wenn du nicht da bist, wieso ist das also für dich ein Problem ?

    Du bist zur Zeit bei Deinem Vater zu Hause und jedesmal, wenn Du gehst, verlässt Du Dein zu Hause. Dadurch empfindest Du das als "Verlust".


    Versuch Dich mal in die Situation einzudenken, dass Du Dein zu Hause in der neuen Wohnung hast und dann Deinen Vater nicht mehr verlässt sondern im Gegenteil ihn besuchst. In der Situation ein Gewinn für Euch, ein Geschenk an ihn.


    Freunde Dich mal mit dem Gedanken an, dass es normal ist, dass Kinder ausziehen und freu Dich darauf, Euch beiden das Geschenk zu machen, dass der Kontakt auch danach noch eng bleibt.

    nicht nur dein vater hat seine frau verloren, sondern auch du deine mutter. dadurch, dass du dich jetzt so um ihn kümmerst könntest du auch deiner eigenen trauerarbeit davonlaufen.


    du schreibst, du seiest erwachsen - aber dein vater ist das doch auch. was auch immer er mit seinem alltag anstellt, allein er ist dafür verantwortlich. sich selbst gehen zu lassen und dann von der eigenen tochter die dazu auch noch ihre mutter verloren hat zu erwarten, dass sie sich opfert um sich um einen zu kümmern ist nicht grade die feine englische art.

    Zitat

    Aber der Tod meiner Mama hat mich sehr mit meinem Papa verbunden. Ihn alleine zu lassen ist iwie eine Art Verlust für mich, doch...ja.

    diesen punkt solltest du vielleicht mal angehen. vielleicht klammerst du dich so an ihn, weil er dich an deine mutter erinnert? befürchtest du, sie komplett zu verlieren, wenn du ihn los lässt?


    ansonsten kann ich dir nur raten, darauf zu achten was für dich selbst das beste ist. ich war selbst mal trennungskind und weiss, dass man da eine wirre symbiose mit einem elternteil eingehen kann - auch wenn meine eltern noch leben. aber diese symbiose schadet einem so lange, wie man sich darin aufhält. du schreibst ja selbst, du hast keinen richtigen kontakt mit freunden, du leidest darunter nix eigenes zu haben, du möchtest jetzt auch gern mal an deine zukunft denken mit freund und ggf. irgendwann kindern.


    sagen wir mal, dein vater ist ca. 60, dann kann er noch gut 20-30 jahre lang leben. willst du dann mit 40 oder 50 erst anfangen, selbst zu leben, nachdem er tod ist? ":/


    die frage ist natürlich, wie du ihm das mitteilst. aber ganz ehrlich? du studierst lehramt, also wirst du mal kinder unterrichten. du wirst dort teilweise jeden tag schwierige ansagen machen müssen und wirst dich abgrenzen müssen, sowohl gegen kinder, eltern als auch kollegen und schulleitung. sieh das mit deinem vater doch ein stück weit als übung an. du stehst zu dir und ziehst es durch. klar kann es sein, dass deine entscheidungen anderen nicht immer gefallen, aber das ist dann deren problem und nicht deins.

    Zitat

    Ich stelle mir da die Frage, ob ich meinen Papa wirklich alleine in der Wohnung lassen kann...ohne Mama, ohne mich?

    Selbstverständlich kannst du das. Was du nicht kannst ist, dich auf die nächsten 20-30 Jahre an das Zuhause zu klammern, bis dein Vater mal nicht mehr ist.


    Ich teile auch die Einschätzung, dass dein Vater viel motivierter sein wird, wieder unter Leute zu gehen, wenn du es ihm nicht mehr "so leicht" machst. Ich kenne Menschen, die haben sich nach dem Tod eines Elternteils auf das Zuhause festgelegt, und diese führen heute ein merkwürdiges und trauriges Leben.


    Meine Mutter ist auch vor 3 Jahren gestorben. Und mein Vater deutlich älter als deiner. Ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht, wie er allein klarkommen würde (ist dieses Jahr 80 geworden). Er hat mich in jeder Beziehung überrascht.


    Natürlich ist jeder anders, aber wenn du dich entschließt, deinem Vater zuliebe zuhause zu bleiben, wirst du das für immer tun und vermutlich auch nie eine feste Partnerschaft eingehen. Ob du jetzt ausziehst oder in 3 Jahren - in 3 Jahren wird es schwieriger sein als heute. Glaub mir. :)_

    Sprich doch einfach mal ganz in Ruhe mit ihm. Gemütlich auf dem Sofa bei Kaffee/Tee und erzähl ihm, dass du dir Sorgen um ihn machst. Dass du gerne in absehbarer Zeit ausziehen würdest, aber nicht möchtest, dass er dann ganz alleine ist. Frag ihn, wie er das Ganze sieht. Ihr könntet auch einmal die Woche einen "Papatag" machen, an dem ihr Zeit zu zweit verbringt und auf den ihr euch unter der Woche freuen könnt... Aber sag ihm auch deutlich, dass er sein Leben in den Griff kriegen muss, weil du ihn doch brauchst und noch lange an deiner Seite haben willst (falls er bettelt dass du zu Hause wohnen bleibst oder so, ich weiß nicht, auf welche Art du am besten mit ihm reden kannst).

    Zitat

    Ich stelle mir da die Frage, ob ich meinen Papa wirklich alleine in der Wohnung lassen kann...ohne Mama, ohne mich?

    Dein Vater ist ein erwachsener Mann und kein unmündiges Kind. Er kann für sich selber sorgen.


    Natürlich kannst Du auch weiterhin diese oder jene Aufgabe für ihn übernehmen, ihn besuchen. In deinem Alter sollte dein Lebensmittelpunkt aber langsam ein anderer werden. Oder ist es eher so, dass Du die Rolle des Kindes in deinem Elternhaus nicht aufgeben willst und dein Vater nur vorgeschoben wird?


    Harte Worte?


    Meine Kinder sind inzwischen alle um die 30. Unser Jüngster tat sich mit dem Auszug auch ziemlich schwer und wie er anfangs

    so verloren in seiner ersten Wohnung stand, das tat mir innerlich auch leid. Aber Kinder müssen irgendwann auf eigenen Füßen stehen. Meine eigenen Befindlichkeiten spielen da nur eine untergeordnete Rolle. Das heißt ja nicht, dass der Kontakt abbricht. Wir sehen uns alle wegen der Entfernungen zwar nur selten, reden aber mehrmals in der Woche miteinander.


    Ich verstehe da auch deinen Vater nicht, dass der das alles mitmacht.


    Ich würde es auf keinen Fall wollen, dass meine Kinder ihr Leben für mich auf Eis legen. Kinder sind (solange wie sie nicht als Betreuer für geschäftsunfähige Eltern fungieren) für das Wohl der Eltern einfach nicht verantwortlich.

    Zu deinem Papa hast du ja schon viele tolle Ratschläge bekommen, da möchte ich gar nicht mehr groß drauf eingehen.


    Aber ich habe noch einen Tipp bzgl. Geld: Als ich noch studiert habe bzw. nach Ende des Studiums ein wenig bezahltes Praktikum gemacht habe, habe ich auch schon mit meinem damaligen Freund (heute mein Mann) zusammengewohnt. Wir hatten damals die Vereinbarung, dass er die Miete übernimmt, ich habe Strom und Lebensmittel bezahlt. Er hatt zwar den größeren Posten zu bezahlen, allerdings hat er auch schon gut verdient. Ich denke, da müssen dein Freund und du euch einfach einigen, wie es für euch als Paar am besten funktioniert.


    Bei uns es von Anfang an so, dass wir nie aufgerechnet haben, wer was wann und wieviel bezahlt, wir hatten quasi von Beginn an eine gemeinsame Kasse und jeder hat beigesteuert, was er konnte. Das geht natürlich nicht in jeder Beziehung, aber ich denke, da müsst einfach drüber reden und euch einig sein. Eeventuell ist diese Lösung ja auch was für euch.


    Übrigens konnte ich mich dann wenig später revanchieren, denn als ich meine erste Anstellung hatte, verdiente ich so viel, dass sich mein Mann seinen Traum von der Selbständigkeit wahr machen konnte. Da habe ich dann die Miete übernommen und er die Lebensmittel.