Bauch gegen Kopf

    Hallo ihr Lieben,


    ich muss mir das einfach mal von der Seele schreiben, weil ich es keinem aus meinem direkten Umfeld erzählen mag um nicht unnötig Staub aufzuwirbeln, ich aber platze, wenn ich es nicht raustrage. Außerdem erhoffe ich mir ein paar objektive Ratschläge. Ich mache seit Dezember ein Praktikum in einem kleinen Unternehmen, welches noch bis Oktober geht. Ich habe gute Chancen, nach dem Praktikum übernommen zu werden, wenn die Finanzierung der Stelle möglich ist. Der Job wäre sowas wie der Jackpot für mich, da die Arbeit selbst und die Atmosphäre einfach nur toll sind. So viel zu den Rahmenbedingungen. Es könnte alles so einfach sein, wenn da nicht dieser eine Kollege wäre, der mich um den Verstand bringt. Er hat mir am Anfang viel geholfen, weil er sozusagen den Arbeitsplatz neben mir hat, immer nett war und ich deswegen hauptsächlich ihn gefragt habe, um niemanden zu nerven. Seit ich mich selbst zurecht finde, hilft er mir zwar nicht mehr so viel, aber wir quatschen öfters mal oder fahren zusammen nach Hause. Er lädt mich immer zu "Gruppenaktivitäten" der gesamten Arbeitsgruppe ein, holt mich zum nachmittäglichen gemeinsamen Kaffeetrinken und solche Dinge. Wenn wir mal allein quatschen, reden wir nie über die Arbeit, sondern über alles mögliche, es herrscht eig. nie komisches Schweigen oder so. Allerdings ist das immer zeitlich begrenzt, denn dann muss man weiter arbeiten oder es kommt jemand dazu oder die Bahnfahrt ist dann halt zu Ende. Ich merke immer mehr, dass ich ihn sehr mag und ihn gern näher kennen lernen würde. Ich bin was sowas angeht ein eher direkter Typ, ich bin nicht gut darin, subtil zu vermitteln, dass ich jemanden mag oder so zu taktieren, dass wir wie "zufällig" mal wieder allein sind, außerdem versuche ich, meine Zuneigung nicht zu offensichtlich zu zeigen, damit es nicht zu auffällig wird und es Gerede unter den Kollegen gibt. Ich würde ihn gern fragen, ob er mal Lust hat, nach der Arbeit was essen oder trinken zu gehen, um in Ruhe zu quatschen, aber ich mache mir so meine Gedanken. Ein "Nein" wäre nicht das Problem, damit könnte ich gut umgehen und das würde an meinem Verhalten ihm oder den anderen gegenüber absolut nichts ändern, aber ich habe Angst, dass aus welchen Gründen auch immer dadurch meine evtl. Übernahme gefährdet wird. Ich schätze ihn absolut nicht so ein, dass er das rumtratschen würde oder gar damit zum Chef rennen würde, aber wie alles, wo andere Menschen dran beteiligt sind ist die Dynamik, die das haben könnte, schwer einzuschätzen. Andererseits: Ich weiß auch nicht genau, wie ich darauf komme, denn er könnte auch einfach nur nett sein, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass er mich auch mag, wir uns aber beide nicht trauen einen weiteren Schritt aufeinander zu zu gehen.


    Ich denke, das genügt um klar zu machen, worum es geht. Vllt hat jmd einen Rat für mich? Mein Bauch sagt: "Tu es, tu es, tu es!" während mein Kopf mich zur Vorsicht mahnt. Mein Bauch ist allerdings kurz davor zu gewinnen, daher brauche ich dringend etwas Input von außen, um vllt ein bisschen klarer zu sehen, bevor ich leichtsinnig werde.


    Liebe Grüße und danke schonmal


    Drachkin


    P.S. Falls das relevant ist: Ich bin Mitte zwanzig und komme grad von der Uni, er arbeitet seit ca. 3,5 Jahren dort und hat auch als Praktikant dort angefangen. Er ist daher auch "nur" 5 Jahre älter als ich.

  • 128 Antworten

    Wenn ihr euch so gut und häufig austauscht, dann dürftest du ja wissen, ob er solo ist oder vergeben.


    Wenn er frei ist, dann spricht doch nichts gegen deinen Bauch? Was geht denn den Chef an, ob du dich mit dem Kollegen mal nach der Arbeit triffst? Gar nichts.


    Du willst doch in der Firma anfangen und nicht im Kloster ;-)

    Sehe das sehr ähnlich wie Comran. Es gibt nach wie vor viele Menschen, die sich über die Arbeit kennen- und liebenlernen. Es ist ein großer und wichtiger Bereich unseres Lebens.


    Wenn ihr öfter mal privater miteinander redet, bietet es sich doch an über Freizeitaktivitäten zu reden, die ihr beide gern macht und dann zu einem spontanen Treffen übergehen außerhalb der Arbeitsumgebung.


    Sollte sich daraus dann ein 'Mehr' an Privatheit zwischen euch entwickeln, habt ihr doch alle Freiheiten der Welt darüber zu reden, wie man den Kontakt im Bereich Firma/Arbeit gestaltet. Nach außenhin ließe sich der Kontakt weiter so gestalten, wie Du ihn beschrieben hast. Dieser erregt bisher keinerlei Aufsehen und Tratsch im Kollegenkreis. Ihr könntet, falls privateres Interessen aneinander entsteht die Phase abwarten, bis sich Dein beruflicher Werdegang deutlich abzeichnet hat.


    Trau Dich einfach, nur so könnt ihr raus finden, ob es gegenseitige Schüchternheit ist, die euch bisher auf Distanz gehalten hat oder es eben doch mehr freundschaftlicher Charakter unter Kollegen ist/bleibt.

    Gestern hat er mich gefragt, ob wir zusammen essen gehen wollen, was wir dann getan haben. Ich hätte ihn beinahe gefragt, ob er das auch mal außerhalb der Arbeitszeit mit mir machen wollen würde, aber er war wegen einer anstehenden Konferenz so im Stress, dass er nach dem Essen schnell wieder weg musste und dann war meine Chance schon wieder vertan. Vielleicht bin ich ja beim nächsten Mal mutig genug. :=o

    Er hat dir vielleicht einen kleinen Testball zugeworfen. Und er erwartet natürlich, dass du das Spiel aufnimmst und ein klares Signal hinzugibst. Bis ihr euch versteht, was ihr wollt. Vielleicht wollte er auch einfach nur mit einer Kollegin essen gehen, wer weiß das schon. Aber du findest das nur heraus, wenn du dich am Spiel beteiligst. Dann wirst du merken, wenn ihr in die gleiche Richtung spielt.


    Viel Glück - das kann ein spannender Faden werden :-D @:)

    Es gibt einen Grundsatz im Berufsleben: Never fuck the Company. Kein Beziehungsding im Job, denn wenn das schief geht, ist der Job gleich mit im Eimer. Andererseits werden ein sehr grosser Teil der Beziehungen am Arbeitsplatz angebahnt, eben weil man sich dort ständig nahe ist. Schwierig. Hör auf Deinen Bauch, aber lass den Verstand eingeschaltet.

    @ Comran:

    Du hast Recht. Ich glaube, wir sind einfach beide absolut unsicher, was der andere so denkt, weil wir beide eher zurückhaltende Menschen sind. Spreche ich ihn an springt er sofort darauf an, bin ich vertieft dabei zu arbeiten tut er das aber nicht. Dann gucken wir uns nur an, aber immer nur flüchtig. Ein Lächeln auf dem Flur, ein nochmal nacheinander umdrehen, ein kurzes "Na, wie geht es dir?" Ich möchte da jetzt nicht mit der Tür ins Haus fallen, in sein Büro gehen und sagen: "Hey, gehen wir heute was trinken?", das muss passen. Aber ich bin bei sowas normalerweise eher geradeaus, sodass dieses taktierte gegenseitige abchecken echt schwer fällt...

    @ Ralph_HH

    Diese Bedenken schwingen bei mir immer mit. Allerdings muss ich dazu noch erwähnen, dass er mir erzählt hat, dass er vermutlich im nächsten jahr eine neue Arbeitsstelle suchen wird, weil er sich beruflich noch weiterentwickeln möchte, was bei uns in dieser Form nicht möglich ist. Vor diesem Hintergrund wäre ein Scheitern, so denn es denn überhaupt zu irgendetwas kommt, auf den Job bezogen eher nicht so tragisch. Ich weiß ja auch gar nicht, ob ich nach dem Praktikum bleiben kann. Und eigentlich ist das Leben ja zu kurz um immer vernünftig zu sein ;-)

    @ Drachkin123

    Ich stimme Ralph_HH zu, aber stufe es ab. Du bist noch nicht so lange in der Firma um abschätzen zu können, wie Kollegen,Chefs etc auf so Etwas reagieren und du hast noch nicht einmal eine Festanstellung. Deshalb Finger weg, zumindest bist du die fete Stellung und die Probezeit hinter dir hast. Bist dahin weißt du auch, wie der Hase läuft und triffst deine Entscheidung uaf mehr Erfahrung!

    Zitat

    Allerdings muss ich dazu noch erwähnen, dass er mir erzählt hat, dass er vermutlich im nächsten jahr eine neue Arbeitsstelle suchen wird, weil er sich beruflich noch weiterentwickeln möchte, was bei uns in dieser Form nicht möglich ist. Vor diesem Hintergrund wäre ein Scheitern, so denn es denn überhaupt zu irgendetwas kommt, auf den Job bezogen eher nicht so tragisch. Ich weiß ja auch gar nicht, ob ich nach dem Praktikum bleiben kann. Und eigentlich ist das Leben ja zu kurz um immer vernünftig zu sein

    Du theoritisierst, um auf den von dir gewünschten Weg zu kommen..und du widersprichst dir.


    Was ist dir wichtiger?


    1. der feste Job


    2. ein Abenteuer mit ihm?

    Gute Frage, was mir wichtiger ist, eigentlich würde ich sagen, dass es beides "wichtig" ist. Am Ende sollte man sagen können, dass man Spaß hatte an seinem Leben, nicht, dass man absolut alles richtig und vernünftig entschieden hat. Aber du hast Recht, wenn du schreibst, dass ich es mir so zurechtbiege, wie ich das gern hätte. Was bringt es mir, wenn ich die mögliche Chance gehen lasse, wenn ich am Ende den Job eh nicht bekomme? Was bringt es mir andererseits, die mögliche Chance zu nutzen, und dann klappt es nicht und es wird ne doofe Situation oder ich bekomme den Job deswegen nicht? Du hast auch Recht, wenn du sagst, es muss nicht sofort sein und ich sollte evtl noch warten, bis ich was konkretes weiß, was in ca. zwei Monaten der Fall sein wird. Aber wenn da wieder Momente sind, wo wir uns einfach nur so gut verstehen und alles an mir einfach darauf drängt einen Schritt weiter zu gehen, dann fällt Geduld einfach nur wahnsinnig schwer :-(

    für mich liegt der unterschied eher darin, ob es um ein "abenteuer" geht (und deine gefühle klingen eher nicht so), oder ob sich da zwei finden, die interesse an einer beziehung haben könnten.


    ich selber würde es wohl mit herantastender offenheit versuchen. frag ihn doch, ob er "heute" nach der arbeit lust auf ein gemeinsames bier hat. mehr als ein "sorry - lieber nicht" kann doch nicht passieren. du sollst ihm ja nicht gleich knutschend liebesgeständnisse machen und erzählen, dass du schon weißt, wie eure kinder heißen werden ;-)

    @ Die Seherin:

    Ein Abenteuer wäre das für mich nicht. Ich würde ihn gern mal außerhalb der arbeit treffen und schauen, was hinter meiner Schwärmerei steckt, warum ich ihn so interessant finde und was mich an ihm so anzieht. Wie das ausgeht weiß ich nicht, aber ich wäre vom Prinzip her an etwas ernstem interessiert, wenn es passen würde. Je nachdem auch nur an einer Freundschaft, allerdings nicht nur an einer Bettgeschichte oder sowas.


    Ich bin einfach echt nicht gut in diesen "vorsichtigen" Annäherungssachen. Ich bin recht zurückhaltend und lasse die Menschen eher auf mich zukommen. Wenn ich bisher an einem Mann Interesse hatte, hab ich das allerdings eher offensichtlich kommuniziert, denjenigen z.B. direkt angesprochen, einen Zettel mit meiner Nummer zugesteckt, nach einem Treffen gefragt. Ich hatte nie das Gefühl, es gibt was zu verlieren, daher konnte ich das ruhig machen. Nur diesmal ist das anders, und statt offensichtlich interessiert zu wirken bin ich total verschüchtert und gucke ihm lieber hinterher, statt ihn einfach direkt anzulächeln. Verknallt sein und alles in diese Richtung ist wirklich verrückt ":/ ":/

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    Nur diesmal ist das anders, und statt offensichtlich interessiert zu wirken bin ich total verschüchtert und gucke ihm lieber hinterher, statt ihn einfach direkt anzulächeln. Verknallt sein und alles in diese Richtung ist wirklich verrückt ":/ ":/

    ;-)


    Vielleicht fühlt er sich so unerreichbar für dich an, dass du dich nicht traust und dich in der schlechteren Position wähnst?

    Unerreichbar, hmm. Ja, vllt fühlt es sich ein bisschen so an. Ich bin allerdings eher besorgt darum, dass jemand es mitbekommt. Das ist eig ziemlich hirnlos, weil es genau das Gegenteil von dem bewirkt, was ich eig möchte. Jetzt ist erstmal WE, am Montag ist er von der Konferenz zurück, mal sehen, wie mutig ich schaffe zu sein.

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    Ich bin allerdings eher besorgt darum, dass jemand es mitbekommt.

    Damit musst du dann leben :-D . Aber es ist peinlicher, wenn man sabbernd hinter jemandem herschaut als verträumt-verliebt.

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    mal sehen, wie mutig ich schaffe zu sein.

    Es geht ja erst mal nur um ein Treffen auf einen Drink/Kaffee. Nichts, was besonderen Mut erfordert. :)^

    Liebes Tagebuch, nein Spaß, aber muss das kurz loswerden und vllt interessiert es ja jmd: Heute war ich in unserem Druckerraum etwas kopieren, da kam er mit einem anderen Kollegen rein und hat ihm etwas gezeigt. Als sie fertig waren, ging der andere schon zur Tür und wartete in der Tür auf ihn, da sagte er: Ich komm gleich, und der andere ging. Dann hat er mich gefragt, was ich mache und so kamen wir ins Gespräch. |-o Haben dann bestimmt zehn Minuten gequatscht bis der andere wieder kam und schon sagte: "Wo bleibst du denn?"


    Ich bilde mir das doch nicht ein, dass das ein Klassiker für unauffällige Kontaktaufnahme war?