Bedeutet "auf Augenhöhe sein" auch gleicher Bildungsabschluss?

    Hallo,


    vor kurzem habe ich einen Thread aufgemacht mit der Frage, ob man sich vorstellen kann mit einem Menschen zusammen zu sein, der aufgrund psychischer Krankheit nicht arbeiten kann. Viele (Frauen) haben dort geschrieben, dass sie das ausschließen würden und einen Partner "auf Augenhöhe" suchen. Das hat mich zu folgender Frage gebracht:


    Bedeutet für euch Augenhöhe auch, dass man den gleichen oder einen ähnlichen Bildungsabschluss hat? Ein Bildungsabschluss sagt natürlich nicht zwangsläufig immer aus, ob eine Person wirklich gebildet ist oder nicht, aber es geht oft ja auch um den Sozialstatus, der bei der Ärztin bspw. automatisch höher wäre als bei einem Fließbandarbeiter.


    Wenn ein Partner einen in der Gesellschaft angesehenen Job hat und der andere einen, den man auch ohne jeden Abschluss machen kann, wäre man ja in bestimmten Hinsichten auch nicht "auf Augenhöhe". Oder wie seht ihr das, die das Prinzip "man muss auf Augenhöhe sein" haben?


    Könnt ihr, die selbst z.B. Akademiker seid, euch vorstellen, mit jemandem zusammen zu sein, der nicht studiert hat und einen Job macht, für den man eine geringe oder keine Qualifikation braucht? Ein Job, wo man oft die gleichen Abläufe macht und der (geistig) nicht so anspruchsvoll/lehrreich/forschungsorient wie vlt. euer Akademiker-Job ist?


    Mich interessiert vor allem die Meinung von studierten Frauen, aber Männer können sich auch gern äußern.


    Viele Grüße

  • 301 Antworten

    Warum wohnen Menschen mit Erfolg in entsprechenden Stadtteilen mit Villen statt in sozial schwachen Gebieten?


    Richtig, die Augenhöhe stimmt nicht.


    Warum werden Arbeitslose nicht schulterklopfend von reichen Menschen immer wieder eingeladen?


    Da stimmt was nicht?


    Warum sind die Menschen lieber unter ihresgleichen? Weil sie ins gleiche Horn stoßen können.


    Erfolgreiche Verbindungen, auch partnerschaftliche, sind am stabilisten, wenn man die gleichen Interessen, die gleiche Bildung, den gleichen Background hat.


    Allein die Frage, ob man als Normalo nicht mit einem psychisch Kranken glücklich werden kann, beweist doch von der Logik her, dass man es nicht kann, sonst würde man die Frage doch gar nicht stellen.


    Würde es bereits klappen, ergäbe sich die Fragestellung doch auch überhaupt nicht, was in Butter ist, muß man dann doch nicht diskutieren.


    Frag doch mal Frau Merkel, wie ihr privater Umgang ist. Was meinst Du, wieviel Prozent ihr Umgang aus Arbeitslosen, psychisch Angeknacksten und Obdachlosen besteht.


    Ich garantiere 0 %.


    Und sich aufzuopfern für einen, der wahrhaftig niedriger sozial angesiedelt ist, um den zu puschen, wird wahrscheinlich in die Hosen gehen, wird ermüden, einen auslaugen.


    Wieviel Freundschaften entwickeln reiche Leute mit wirklich Armen, Gesunde mit wirklich Kranken?


    Wieviele Straßenbauarbeiter kennst Du, die mit Psychiatern befreundet sind?


    Wieviel Lehrer laden Menschen zumn Diskutieren auf die Couch ein, die keinen Schulabschlu0ß haben? Wieviel kennst Du?


    Hattest Du schon mal eine Einladung bei Dr. Oetker?


    Was soll überhaupt erreicht werden mit der Diskussion? Für mich scheint es so, man wolle endlich mal hundertfach den Klaps auf die Schulter haben, mit den Worten zusammen, klasse, wie Du das machst, so lieb, so nett, so richtich wat ne liebe Deern....


    Dass man sich da aufopfert, wo auch eigentlich keine Basis besteht, will man nicht hören, es sich nicht klar machen.


    Ich kenne persönlich auch Akademiker, die mit Handwerkern liiert sind, wo es auch klappt, weil sie beide nicht doof sind, es freizeitmäßig gleiche Interessen gibt, wo man die gleichen Bücher und Zeitungen liest, wo also viele verbindende Gemeinsamkeiten bestehen.


    Aber das sind Ausnahmen.

    Ich bin zwar Akademiker, definiere mich aber nicht darüber. Mich würde es nicht stören, wenn mein Partner einen anderen Abschluss hat als ich. Es ist mir aber schon passiert, das ich von Leuten mit einem niedrigeren Abschluss komische Sprüche gekommen habe, oder diverse Vorurteile plattgetreten wurden. Das ist mir dann unangenehm. Es wäre mir auch unangenehm wenn mein Partner sich insgeheim minderwertig vorkäme oder meinen würde, er müsste seinen niedrigeren Bildungsstand irgendwie kompensieren. D.h. also, solange es kein Problem für meinen Partner ist, ist es auch kein Problem für mich.


    Andererseits würde es mich sogar nerven mit einem Akademiker liiert zu sein, der ein elitäres Denken hat. Brauche ich nicht.

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    Zitat

    Akademiker-Job

    Kann als Maßstab für Augenhöhe schwer herhalten, denn auch unter den Akademikern gibt es klaffende Unterschiede was das Niveau des Studiengangs und die Bildung der Person allgemein angeht.


    Tendenzen, in welcher Richtung man mehr gebildete intelligente Menschen mit anspruchsvollen Beruf findet, sind ja schön und gut. Kann man auch nicht abstreiten. Wüsste aber nicht, was das über die Partnerwahl aussagt. Ich würde niemals irgendjemanden als Partner ausschließen, gibt nur welche die unwahrscheinlicher sind und welche die wahrscheinlicher sind.

    Zitat

    Bedeutet "auf Augenhöhe sein" auch gleicher Bildungsabschluss?

    Nein, denn erstens:


    "Bildungsabschluss" ist nicht gleichbedeutend mit "Bildung" und emotionale Intelligenz ist wichtiger als Intellekt.


    Zweitens:


    Allgemeine Fragen werden meistens von Menschen gestellt, die ein individuelles Problem haben. Das löst sich nicht durch allgemeine Antworten, sondern nur durch individuelle Betrachtung.


    Drittens:


    Wer Schubladen sucht, hat Angst, denn Schubladen geben Sicherheit. Man kann darin die Menschen so sortieren, dass sie einem nicht so gefährlich/problematisch werden können. Man wird aber nicht dadurch problematisch für den anderen, dass man einen anderen Bildungsabschluss hat. Das geschieht dann höchstens in der Außenbetrachtung. Und wenn du Angst vor den Urteilen anderer hast, muss dein Problem erst recht individuell betrachtet werden.


    Viertens:


    Erheblich wichtiger als der Intellekt ist das Differenzierungsvermögen, denn wenn ein Partner in der Lage ist, das Leben und die Menschen differenziert zu betrachten und zu bewerten, der andere aber ständig alles in Schubladen steckt, werden die kaum dauerhaft glücklich miteinander sein.


    Fünftens:


    Für Bildungsabschlüsse müssen Voraussetzungen vorhanden sein, die nicht nur mit Intelligenz zu tun haben, sondern sehr viel mit Herkunft und finanziellen Möglichkeiten. Diese beiden Kriterien sind dann – unabhängig vom Bildungsabschluss - tatsächlich nicht unwichtig für das Zusammenleben, denn Menschen aus sehr unterschiedlichem sozialem Hintergrund haben in vielerlei Hinsicht eine unterschiedliche Sichtweise.


    Fünftens:


    In meiner Kindheit waren Akademiker eine hauchdünne Schicht. Das hat sich dramatisch verändert. Die Menschen sind dadurch nicht anders geworden. Sie haben sich durch andere Kriterien stark verändert. Aber Standesdünkel gab es damals wie heute und der macht ein Zusammenleben unter Umständen schwierig.


    Sechstens:


    Begleite mal einen Tag lang einen KFZ-Meister in einer markenunabhängigen Werkstatt, der alle paar Minuten mit einem neuen – und oft hochkomplizierten – Problem konfrontiert wird und es lösen MUSS. Ist der weniger intelligent als beispielsweise ein Grundschullehrer? Weil er nicht studiert hat?


    Siebtens hoffe ich, dass mein Aufzählungstick nicht als Schubladendenken missverstanden wird.

    Nein, denn erstens:


    "Bildungsabschluss" ist nicht gleichbedeutend mit "Bildung" und emotionale Intelligenz ist wichtiger als Intellekt.


    Ein Bildungsabschluss ist der Grad der formellen Bildung. Also ist es "Bildung" per definitionem, was sonst? Und Emotionale Intelligenz ist durch kognitive formbar und umgekehrt. Da ist nichts "wichtiger". Viele kluge/vom Hirn her intelligente Menschen scheitern an formalen Bildungsabschlüssen, weil sie menschliche Schweine sind (sehe ich in meinen Arbeitsumfeld fast jeden Tag). Und viele charakterstarke Menschen können alles geben, ihre kognitiven Fähigkeiten reichen aber nicht für einen hohen formalen Abschluss, da zu langsam, zu unstrukturiert etc..


    Zweitens:


    Allgemeine Fragen werden meistens von Menschen gestellt, die ein individuelles Problem haben. Das löst sich nicht durch allgemeine Antworten, sondern nur durch individuelle Betrachtung.


    1. Also das ist m.A nach eher ein Zeichen für Horinzonterweiterung oder Ambiguitätstoleranz. Und klar bildet man sich als Einzelner im Einzelnen, aber da man Teil der Gemeinschaft ist, kommt diese Bildung, wenn man es klug (emotional und kognitiv) macht, auch anderen zu Gute. Das ist nichts schlechtes.


    2. Auch individuelle Betrachtung hat ihren Daseinszweck, weil - siehe 1. - und viele Erkenntnisse dadurch entstehen, indem man vom Einzelnen auf Alles geht.


    Drittens:


    Wer Schubladen sucht, hat Angst, denn Schubladen geben Sicherheit.


    Aus der Sozialpsychologie:


    Schubladen sind nicht angst - sondern menschinduziert. Wir, als kleines Menschlein, brauchen Schubladen als Krücken, weil die Welt so groß ist.


    //Das ist per se nichts Schlimmes. Nur, wenn das Schubladendenken in offensiv-aggressive Handlung umgewandelt wird, dann wird es kritisch. //


    Man kann darin die Menschen so sortieren, dass sie einem nicht so gefährlich/problematisch werden können. Man wird aber nicht dadurch problematisch für den anderen, dass man einen anderen Bildungsabschluss hat.


    Doch, weil die Prägung auf eine bestimmte Art Denken bzw. die Entstehung der Bildung in bestimmten Bildungsinstitutionen mit fremden settings denjenigen in ein Verhalten treiben kann, welches anderen unangenehm ist, weil nicht kompatibel.


    ////


    Das geschieht dann höchstens in der Außenbetrachtung. Und wenn du Angst vor den Urteilen anderer hast, muss dein Problem erst recht individuell betrachtet werden.


    Sinnbefreit.


    Viertens:


    Erheblich wichtiger als der Intellekt ist das Differenzierungsvermögen, denn wenn ein Partner in der Lage ist, das Leben und die Menschen differenziert zu betrachten und zu bewerten, der andere aber ständig alles in Schubladen steckt, werden die kaum dauerhaft glücklich miteinander sein.


    ja


    Fünftens:


    Für Bildungsabschlüsse müssen Voraussetzungen vorhanden sein, die nicht nur mit Intelligenz zu tun haben, sondern sehr viel mit Herkunft und finanziellen Möglichkeiten.


    ja, aber letztendlich ist es IMMER die Kombination von primären und sekundären Bildungsfaktoren.


    Eines dem anderen vorzuziehen ist ebenfalls sinnbefreit und widerspricht der sozialen Wirklichkeit (Grundmann, Bourdieu...)


    Diese beiden Kriterien sind dann – unabhängig vom Bildungsabschluss - tatsächlich nicht unwichtig für das Zusammenleben, denn Menschen aus sehr unterschiedlichem sozialem Hintergrund haben in vielerlei Hinsicht eine unterschiedliche Sichtweise.


    Fünftens:


    In meiner Kindheit waren Akademiker eine hauchdünne Schicht. Das hat sich dramatisch verändert. Die Menschen sind dadurch nicht anders geworden. Sie haben sich durch andere Kriterien stark verändert.


    Aber Standesdünkel gab es damals wie heute und der macht ein Zusammenleben unter Umständen schwierig.


    Hast Du da gerade Angst? (siehe Deine Argumentation oben). ;-)


    Sechstens:


    Begleite mal einen Tag lang einen KFZ-Meister in einer markenunabhängigen Werkstatt, der alle paar Minuten mit einem neuen – und oft hochkomplizierten – Problem konfrontiert wird und es lösen MUSS. Ist der weniger intelligent als beispielsweise ein Grundschullehrer? Weil er nicht studiert hat?


    Nein, aber der Akademiker ist nicht dümmer.


    Siebtens hoffe ich, dass mein Aufzählungstick nicht als Schubladendenken missverstanden wird.


    Und selbst wenn -siehe oben.

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    Nun bei uns ist es tatsächlich so, dass wir genau den gleichen Bildungsabschluss im MINT-Bereich haben. Für mich zwingend war das nicht. Aber es hat sich nun mal so ergeben, weil wir uns während des Studiums kennen gelernt haben.


    Wir stammen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, haben jedoch gleiche Wertvorstellungen und teilen auch die gleichen (in unserem Fall technischen) Interessen. Das ist für mich Augenhöhe und nicht die Herkunft oder ein akademischer Grad. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass wenn man eine Familie gründet und Kinder hat, intellektuelle Gespräche doch ein Stück weit in den Hintergrund treten.


    Auch wenn ich ein Unidiplom vorweisen kann, sind mir ganz ehrlich bis heute bodenständige Menschen, die verantwortungsbewusst ihren (einfachen) Job nachgehen lieber als Akademiker, die nichts anderes als Schwätzen gelernt haben. Mein Gegenüber muss auch keine Differentialgleichung lösen können, damit ich mich mit ihm unterhalte.


    Ein erfolgreich abgeschlossenes Studium befähigt einen Menschen bestenfalls, sich auf eine bestimmte Art und Weise Wissen anzueignen. Garantie für den Intellekt ist es nicht.

    Ich habe es bei meinen Eltern erleben müssen, was es bedeuten kann, wenn die Partner bildungsmäßig nicht auf Augenhöhe sind. Vater promovierter Akademiker, Mutter Volksschulabschluß (so hieß das damals, heute wäre es wohl Hauptschulabschluß) und Ausbildung zur Kinderpflegerin (gibt's heute in der Form auch nicht mehr).


    Ich kann es in einem Satz zusammenfassen, der meine Kindheit begleitet hat, immer dann, wenn es Streit zwischen ihnen gab: "Was wärst du denn ohne mich!"


    Es mag Fälle geben, in denen es gut ausgeht, weil die Partner in der Lage sind, sich in Streitsituationen zivilisiert zu verhalten. Aber ich habe meine Zweifel.

    Ich finde diese Frage albern, denn "Augenhöhe" definiert sich nicht allein über irgendeinen Bildungsabschluss sondern darüber, was eine Mensch aus seinem Leben macht - oder eben nicht macht. Was für Wertevorstellungen hat jemand, welch Bildung allgemein (und nein, damit meine ich nicht "Ausbildungsbildung") und auch Dinge wie Charakterstärke zählen dazu. Generell kann ich für mich aber sagen: mich interessieren potentielle Partner nicht sobald ich merke, dass ich ihnen überlegen bin. Und das meine ich nicht monetär. Aber es hat doch jeder Mensch seinen eigenen "Fetisch" und von daher mag ich so halbwegs generalisierte Fragestellungen nicht. Es gibt auf dieser Welt für alles und für jede Konstellation einen Liebhaber. Und ich kenne auch Paare, bei denen die berühmte Augenhöhe überhaupt nicht passt - allerdings meist in der Zusammensetzung dumme Frau, wohlhabender Mann ]:D :=o .... ein Schelm, der Böses dabei denkt ]:D

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    Emotionale Intelligenz alleine reicht nicht aus. ich hatte vor ca 20 Jahren mal einen "Beziehungsversuch". Der Mann hatte ein riesengroßes Herz, war wirklich liebevoll, aufmerksam etc. Aber leider auch ziemlich ungebildet....so ungebildet, dass ich mich echt fremdgeschämt habe. Gespräche waren mit ihm nur eingeschränkt möglich, da er seine "Bildung" tatsächlich aus der Bildzeitung bezog und ich mir so einen Stumpfsinn nur begrenzt anhören konnte. Als ich seine Kumpels aus seinem Fußballverein kennen lernte, drängte sich mir die Frage auf, ob es in dem Dorf mal einen Chemieunfall o.ä. gegeben hat......

    Zitat

    Gespräche waren mit ihm nur eingeschränkt möglich

    Das ist aber dann echt ein Extremfall, ich denke in nem normalen Rahmen spielt die Bildung ne untergeordnete Rolle, da kann auch die Grundschullehrerin mit dem Computerfuzzi oder die Sachbearbeiterin mit dem KFZ-Meister glücklich werden. Klar, wenn die Unterschiede zu groß sind (Rechtsanwalt + Putzfrau oder Ärztin + Maurer z.B.) sieht die Sache anders aus aber solche Kombinationen ergeben sich im echten Leben wohl eher selten.

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    Für mich bedeutet auf Augenhöhe zu sein, einen ähnlichen Ehrgeiz zu haben, ähnliche soziale Ansichten und Engagement zu besitzen. Viel wichtiger ist mir WARUM derjenige in der Position ist, die er hat. Mein Freund hat erst sehr spät studiert und zuvor gearbeitet. Ich habe eine Berufsausbildung mit Abitur gemacht. Mein Freund weiß daher dass Arbeiten eine ganz andere Form von "Intelligenz" braucht, als Studieren. Er sieht das Studium eher als Ergänzung zu seinem bisher pragmatischen und angewandten Know-how. Schlauer findet er sich deshalb nicht - sagt er selbst ;-D Mal abgesehen davon dass ein Studium ja immer nur einen Teilbereich behandelt und das einen nie "intelligenter als andere" macht. natürlich weiß er nun in seinem Bereich über allerhand bescheid - wie man aber bspw. eine Buchhaltung führt weiß er immer noch nicht. Ein Studium also mit höherer Intelligenz gleichzusetzen, bzw. mit höherer Bildung, seh ich nicht als richtig an.


    Nun zum WARUM:


    Würde mein Freund nun sagen würde er möchte lieber Altenpfleger, Müllmann oder was weiß ich sein, hätte ich kein Problem damit. Wichtig wäre mir aber wieso jemand diesen Job ergreifen möchte. Aus Faulheit wäre für mich kein Argument. Wenn jemand nur die Hauptschule gemacht hat und dann seinen Traumjob gefunden hat, wäre es mir schnurz dass er nur die Hauptschule gemacht hat - wenn er aber aus Faulheit nur das Minimum tut und dann arbeitslos daheim rumhängt - dann wäre das für mich absolut nicht zu akzeptieren. Wichtig ist mir also dass der andere in seinem Job genauso aufgeht wie ich in meinem - also eben ein ähnlicher Ehrgeiz vorliegt - und ich finde den kann man als Putzfrau genauso haben wie als Ärztin.


    Und als Beispiel dass Augenhöhe nicht zwingend mit Bildung zu tun hat:


    Eine bspw. Juristin aus einer Arbeiterfamilie, die sich das Studium selbst finanzieren musste und am Wochenende immer durchgearbeitet hat, wird mit einem Juristen dessen Familie bereits eine Kanzlei besitzt, der noch nie einen Tag arbeiten musste und sich nie Gedanken um Geld machen musste, auch nicht komplett reibungslos glücklich werden. Ausschlaggebend ist hier auch nicht die Bildung - sondern das WIE sie beide zu ihrem Bildungsstatus kamen.


    Meine Schwester hat ebenfalls studiert und ist gut bezahlt - ihr Mann ist Handwerker. Die beiden haben ähnliche Ansichten, Hobbies, und gleichen sich im Charakter so gut aus. Sie sind auf Augenhöhe - was schlicht daran liegt dass keiner sich für besser oder schlechter hält.

    Zitat

    Aber das sind Ausnahmen.

    Das gilt allgemein für gelingende Beziehungen ;-) .


    Dass "ähnlicher Bildungsstand" einer der Faktoren für eine gute oder schlechte Prognose sind, habe ich noch in keinem Buch gelesen, das sich damit beschäftigt; aber diese Bücher sind auch eher psychologisch als soziologisch orientiert. Ich vermute, dass ein großer Bildungsabstand eher ein Hinderungsgrund ist, dass überhaupt eine Beziehung entsteht. Aber wenn es gefunkt hat und sich eine Beziehung entwickelt hat, dann wird es ohne umfangreiche statistische Untersuchungen schwierig sein festzustellen, ob diese Beziehungen im Durchschnitt häufiger oder seltener, nach längerer oder kürzerer Dauer etc. scheitern.


    Zum "auf Augenhöhe": Wenn der Abstand nicht zu groß ist, scheint es mir so zu sein, dass Frauen ganz gerne zu ihren Männern aufschauen möchten. Weniger häufig ist es umgekehrt. Aber egal wie herum, mir scheint, dass eine gewisse Asymmetrie stabilisierend wirkt: Einer gibt tendenziell lieber Halt, einer lehnt sich tendenziell lieber an. Das sind sehr tiefliegende psychische Bedürfnisse vor aller gedanklichen Reflexion. Wenn sich da "Schlüssel und Schloss" finden, wird das für beide befriedigender, als wenn zwei Schlüssel feststellen, wie ähnlich sie sind. "Gleiche Augenhöhe" spricht eher für Freunde und Kollegen.

    Bei uns ist es so, dass ich den niedrigeren Bildungsabschluss habe.


    Trotzdem führen wir eine Beziehung auf Augenhöhe.


    Ich habe seine Masterarbeit korrigiert, wenn in einem Bereich Diplomatie gefragt ist, dann werde ich vorgeschickt.


    Ist technisches Wissen gefragt, dann ist er am Zuge.


    Wir teilen die Aufgaben auf und es klappt gut.


    Es gibt Bereiche in die liest er sich rein, in andere lese ich mich rein... wir profitieren voneinander.


    Beide gehen wir gerne den Dingen auf den Grund.


    Er hinterfragt kritischer, als ich es manchmal möchte, ich bin sozialkompetenter als er.


    Wertvorstellungen sind weitgehend ähnlich, in manchem Bereichen bin ich allerdings der sogenannten "Bildungselite" mit meinen Vorstellungen deutlich näher als er ;-) ;-D


    Wer Menschen auf Grund des Bildungsabschlusses gar nicht erst kennenlernen möchte, dem entgehen sicherlich einige wertvolle Bekanntschaften.


    Jemanden, der keine guten Gespräche führen könnte oder der tatsächlich deutlich dümmer ist als ich, den könnte ich mir nicht als Partner vorstellen. Allerdings lässt sich das am Bildungsabschluss nicht eindeutig festmachen.


    Nicht jeder hat die Möglichkeit seine PS auf die Straße zu bringen ;-)

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