Damit auch MINT-Fachidioten eine Chance haben, aus ihrem Dummschwätz außerhalb von MINT-Kontexten herauszukommen gibt es das gut lesbare, gut strukturierte und für seinen Anspruch erstaunlich dünne Buch: "Bildung - alles, was man wissen muss" von Dietrich Schwanitz. Es erklärt auch verständlich, inwiefern das "muss" im Titel ernst zu nehmen ist. Z.B. weshalb eines Äußerung wie: "van Gogh..., van Gogh..., habe ich schon mal gehört, keine Ahnung, wer soll das sein?" einen zum Bildungsaußenseiter, gar gesellschaftlich Aussätzigen macht, während es kein Problem gibt, wenn "van Gogh" durch "Entropie" ersetzt wird.


    Wer sein Bildungsbewusstsein darauf aufbaut, dass Mathematik die Sprache von allem Wissbaren sei und Logik das Herz des Denkens und von dort her peinliche Abwertungen in andere Richtungen vornimmt, dem empfehle ich zusätzlich "Die Analogie - das Herz des Denkens" von Douglas Hofstadter (ja, der von "Gödel, Escher, Bach", sollte also in Nerd-Kreisen unverdächtig sein) und Emmanuel Sander. Es zeichnet ein Farbbild des Bewusstseins relativ zum schwarz-weiß-Bild digitaler Logik oder den Graustufen von Fuzzy-Logik.

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    vielleicht stehst ja eher auf Dummschwätzer. Dann bist du an einer Uni natürlich falsch. %-| "Vielseitig interessiert" geht bei Ausgebildeten fast nie über Wikipedia-Wissen hinaus. Google weiß aber eigentlich relativ wenig, dass wissen solche Leute allerdings nicht. Als Studentin solltest du das aber eigentlich wissen...

    Wusste gar nicht, dass Sheldon auch Deutsch kann.... ;-D

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    Was spricht dagegen, mit seinem Partner über die Relativitätstheorie, Kernfusion oder spezielle Konstrukte in C#, SQL Plus-Skripte statt über Politik oder Opern zu diskutieren, wenn es beide interessiert?

    Dagegen spricht überhaupt nichts. Nur würde ich das nicht als Allgemeinbildung bezeichnen, sondern als hochspezialisiertes Detailwissen in einem kleinen Fachbereich. Wenn sich da an der Uni zwei Menschen treffen, deren Leben sich nur um diese Dinge dreht, ist das ja super.


    Nur geht eben die Gleichung Akademiker = hohe Allgemeinbildung nicht auf und damit auch nicht die Annahme, dass zwei Akademiker automatisch auf Augenhöhe sind.

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    Wer legt fest, welche Themen zur Allgemeinbildung gehören?


    Nicht jeder, der deine speziellen Interessen nicht teilt, ist doof.

    Allgemeinbildung hat ja eben nichts mit speziellen Interessen zu tun, sondern mit breit gestreuter, vielseitiger Bildung in allen Fachbereichen. Eigentlich sollte man jemandem, der 12 - 13 Jahre lang ein Gymnasium besucht und das Abitur erworben hat, eine ziemlich gute Allgemeinbildung erwarten. Nur ist das, wie ich festgestellt habe, eben ganz oft nicht der Fall. Das betrifft auch nicht nur Informatik-Nerds.


    Ein Student, der über den Tellerrand seines eigenen Fachgebiets kaum über eine allgemeine Bildung verfügt, wäre für mich kein potentieller Partner.


    Und mal ehrlich, sich über die aktuellen Vorgänge in der Welt und der Gesellschaft zu informieren in der man lebt, das ist doch kein gigantisch hoher Anspruch.


    Nachrichten schauen, Zeitungen lesen, sich über aktuellen Themen kundig machen, diskutieren, sich eine Meinung bilden etc. Das ist für mich einfach ein "muss" bei einem Partner auf Augenhöhe, ganz egal welchen Bildungsabschluss er auch haben mag.

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    Das ist für mich ein Kriterium für gute Partnerwahl.

    Was auch immer davor stand - das "mich" hätte man fett schreiben sollen.


    Ich hab jetzt nur zufällig wen zitiert, will eigentlich nur darauf hinweisen, dass das, was für den einen gute Partnerwahlkriterien sind, für den anderen total unpassend wäre. Meine Partnerwahlkriterien wären gewiss für die Mehrheit völlig ungeeignet. Das heißt aber nicht, dass meine Kriterien schlecht wären. Ich bin nur eben anders als andere.


    So, und jetzt positionier ich mich auch mal in dieser völlig fruchtlosen off-topic-Diskussion: Opern und klassische Literatur sind nun wirklich völlig über. Kernfusion und Entropie sind dagegen ganz wichtige Dinge. Und was will man eigentlich mit einem Partner, der in Opern rumlungert und klassische Literatur liest, aber nicht mal das Periodensystem der Elemente kennt und sogar für ne Kurvendiskussion zu blöd ist? Kann ich echt nicht verstehen, was man an so einem finden kann :-)

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    Kernfusion und Entropie sind dagegen ganz wichtige Dinge.

    Ich bin sicher, dass das nützliche Dinge sind. Aber für mich sind das nicht die Dinge, die das persönliche Leben mit Schönheit und Genuss erfüllen. Das sind für mich Dinge wie Kunst, Literatur und Musik. Kultur eben. ;-)


    "Schatz, was machen wir Samstag Abend schönes?" "Hm, wie wärs mit einer tollen Kurvendiskussion?" Nein Danke. ;-D

    Wobei ich mich ja frage was man wissen muss, dass man es als Allgemeinbildung bezeichnen kann. Nehmen wir doch das Beispiel "van Gogh".


    Ein niederländischer Maler, Vorname Vincent, schnitt sich ein Ohr ab, "strichelte" seine Werke gerne, vielleicht ein paar Werke mit Namen und lebte irgendwann im späteren 19. Jahrhundert.


    Wahrscheinlich ist dies das gröbste und mindeste Wissen ohne sich mit der Malerei selbst auszukennen.


    Zählt das zur Allgemeinbildung oder null Wissen?

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    Das sind für mich Dinge wie Kunst, Literatur und Musik. Kultur eben.

    Kunstbanause. Sowas profanes aber auch - das hat ja Bildzeitungsniveau!


    Zu einem netten Abendessen gehört doch, dass man sich über mögliche Lösungen der Energiekrise und die Wahrscheinlichkeiten ihrer Realisierung unterhält oder auch mal über praktische Anwendungen des Residuensatzes. Oder man philosophiert über die philosophischen Auswirkungen der Mehrweltentheorie und die Unhaltbarkeit der Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik. Oder auch mal ganz praktisch darüber, was uns eigentlich blüht, wenn in nicht allzu ferner Zukunft Beteigeuze explodiert.


    Aber dafür müssen eben Leute am Tisch sitzen, die auch was in der Birne haben - wenn dagegen so ein Neandertaler nichtmal ne Kurvendiskussion hinkriegen würde, kann man sich mit dem doch nicht gepflegt unterhalten.


    ??Wie gesagt, ich wollte mich in dieser völlig nutzlosen Diskussion nur mal kraftvoll Position einnehmen. Wer das zu ernst nimmt, hat selber schuld.??

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    Beteigeuze

    Und ich lese Beetlejuice...


    Sinngemäß las ich:


    Essen *binvollbah* Lösungen Energiekrise *bahKlischee* Residuensatz *Mathematikauchnoch* Mehrweltentheorie *anZurückindieZukunftundDocsZeitdarstellungdenk* Blablablablabla Beetlejuice.... blabla... HÄ?


    Hat mich so verwirrt dass ich nicht mal die Ironie im letzten Absatz las.

    Ahahaha... na da war ich nicht so entfernt von Beetlejuice, soll laut Artikel in Wikipedia ja tatsächlich zusammenhängen. Vorhin zum ersten Mal gelesen was das sein soll, zumindest bewusst, aber da steht es auch innen.

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    Der Name Beetlejuice (englisch wörtlich Käfer-Saft) aus dem gleichnamigen Spielfilm von Tim Burton ist eine Verballhornung der englischen Bezeichnung des Sternes Betelgeuse. Die Hauptfigur Betelgeuse benutzt diese Schreibweise, um ihren Namen symbolisch in einer Scharade darstellen zu können.

    Funktioniert jedenfalls.

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    Welche Ironie?

    In völliger Ernsthaftigkeit antworte ich mal :-) :


    Wer das Wort Neandertaler, DIE Bezeichnung rudimentärster (heutiger!) Menschen überhaupt, im Zusammenhang mit einer Kurvendiskussion außerhalb des Fachgebiets nennt, ist entweder jemand der fernab von anderen Menschen der Normalität lebt, oder aber er spricht von Ironie.

    Würde ich zu Allgemeinbildung zählen.


    Aber wenn jemand auf Van Gogh angesprochen antwortet:"Hä? Van Gogh? Wat is dat denn?" oder "Van Gogh? Ist das nicht der Typ, der letzte Woche im Dschungelcamp die Käfer gefressen hat?" würde ich demjenigen mangelnde Allgemeinbildung bescheinigen.


    Gilt übrigens nicht nur für Kulturschaffende, sondern auch für Naturwissenschaftler. Ein Germanist, der nicht weiss wer Charles Darwin ist und nicht mal im Ansatz die Grundprinzipien der Evolutionstheorie kennt, ist für mich ebenso mangelhaft allgemeingebildet.


    Nagut, ich gebe gerne zu, dass ich da meine eigenen Kriterien habe. ;-)


    Ich sage auch nur, dass ich viele Studenten kenne, die über den Tellerrand ihres eigenen Fachbereichs hinaus wenig gebildet sind, vorallem auch wenig interessiert sind, was ich noch viel schlimmer finde.


    Erschreckend viele Kommilitonen haben mir zu verstehen gegeben, dass sie keine Zeitungen lesen, keine Nachrichten schauen und allgemein wenig bis gar nicht an aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen interessiert sind. Dafür habe ich erschreckend viele Kommilitonen kennengelernt, die sich bestens mit Trash-TV und sonstigen Dingen beschäftigen, die man eher "bildungsfernen Menschen" nachsagen würden.