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    Aber dafür müssen eben Leute am Tisch sitzen, die auch was in der Birne haben - wenn dagegen so ein Neandertaler nichtmal ne Kurvendiskussion hinkriegen würde, kann man sich mit dem doch nicht gepflegt unterhalten.

    Wenn theoretische Physik und angewandte Mathematik für Dich der einzige erfüllende, glücklichmachende Lebensinhalt ist und Du dich beim Frühstück, beim Abendessen und im Ehebett nur noch darüber unterhalten möchtest, dann wäre ein MINT-Nerd für Dich sicher hervorragend geeignet. Ich gönne Dir Dein Glück.


    Ich sage doch, es werden auch an Universitäten einige Töpfe einen Deckel finden.


    Ich bestreite nur die Gleichung Akademiker = hohe Allgemeinbildung und die Schlussfolgerung, dass ein Akademiker einen anderen Akademiker als Partner benötigt um eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen.

    Es fällt mir schwer zu glauben dass jemand ernsthaft fragen würde wer van Gogh ist, zugegeben, nicht zuletzt weil das Hauptschule 5. Klasse Thema in Kunst ist, zumindest aber war. Genau wie Munch und Monet und... ich habe es vergessen was da durchgenommen wurde.


    Wenn also "jeder" zehnjährige der eine Hauptschule besucht das weiß... nun ja, wer will das dann nicht wissen?


    Diese Schule bildet ja das mindeste an Wissen um sich in Deutschland im Alltag zurechtzufinden und zu leben, ist jedenfalls das Ziel, praktische Wissensvermittlung.


    Selbiges gilt für Darwin, es ist eigentlich unmöglich nicht irgendwo damit konfrontiert zu werden. Ob man es dann wahrnimmt ist wieder ein anderes Thema.

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    Diese Schule bildet ja das mindeste an Wissen um sich in Deutschland im Alltag zurechtzufinden und zu leben, ist jedenfalls das Ziel, praktische Wissensvermittlung.

    Theoretisch sollte es so sein, die Realität sieht aber offenbar ganz anders aus, wenn man sich alleine ansieht wieviele Analphabeten es in Deutschland gibt.

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    Rund 7,5 Millionen Deutsche sind sogenannte funktionale Analphabeten. Sie können zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, zusammenhängende Texte aber nur sehr schwer erfassen. Rund 2,5 Millionen sind sogar Analphabeten im engeren Sinne – die zwar einzelne Wörter schreiben, aber ganze Sätze weder lesen noch schreiben können.

    Die haben ja auch alle mindestens 10 Jahre lang eine Schule besucht und können nicht mal richtig lesen und schreiben.

    Naja aber wenn DAS die Definition ist, einzelne Sätze lesen und schreiben können aber zusammenhängende Texte sehr schwer erfassen, dann glaube ich gibt es mehr davon. Mh, 7,5 bei um die 80 Millionen... da finde ich die Zahl wirklich nicht überraschend. Und ja, gibt Leute die können keinen Satz lesen bzw. verstehen. Merkt man aber ganz deutlich wenn diese vorlesen. Dann muss man ja noch bedenken dass die die in Schulzeiten schon schreiben/lesen verachtet haben nie wieder freiwillig was lesen. Und mal ehrlich, SMS/Whats App/Facebook und so etwas zählt wirklich nicht dazu.

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    Diese Schule bildet ja das mindeste an Wissen um sich in Deutschland im Alltag zurechtzufinden

    Jein!


    Meine Kinder haben z.B. beide Geografie abgewählt. Während ich von ihren Urlaubsziehen zumindest noch die ungefähre Lage weiß, müssen sie dazu erst mal Google bemühen.


    Nun wir haben aus der Schule noch ein wirklich breites Allgemeinwissen mitgenommen. Ich habe damals für mich entschieden, dass mich Opern, Beethovens 5. oder Goethes Faust (egal ob alt oder modern), Neuinterpretationen von "Zwei Männer den Mond betrachtend", … nicht die Bohne interessieren und sportliche Ereignisse ebenso wenig. Das bedeutet aber nicht, dass meine Interessen einseitig sind. Ich verfolge aber eher die einzelnen Abläufe einer Baumaßnahme direkt vor dem Fenster, als Klatsch aus einem Königshaus.


    Tiefgründige Gespräche mit der Familie sind im Laufe der Jahre aber seltener geworden.


    Da gibt es doch meist völlig banale Themen (Sorgen und Nöte der Kinder, wann wird renoviert, und was kochen wir zu Weihnachten) zu besprechen und drängende Probleme (meine demente Mutter, was ziehe ich auf der Beerdigung an) zu lösen.


    Wenn man täglich im Beruf 9 Stunden komplizierte Probleme wälzt, dann mag man am Abendbrottisch auch keine hochwissenschaftlichen Gespräche mehr führen.


    Natürlich gehen wir nicht blind durch den Alltag. Manchen Nachrichten kann man (selbst wenn man wollte) gar nicht entfliehen. Aber tatsächlich wird bei uns eher die neuste Forschung aus Technik, IT, Physik, Chemie, Biologie, Medizin kommentiert, als Flüchtlingspolitik oder Bundestagswahl und Kunst oder Sport (außer wenn der örtliche Fußballverein verloren hat und wir mit Randale vor unserer Haustür rechnen) schon gar nicht.


    Das gleiche Bildungsniveau oder gar der gleiche Bildungsabschluss des Partners ist irgendwann einfach nicht mehr so wichtig, wie einheitliche Wertvorstellungen, gleiche Erziehungsziele...

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    Wir lesen uns gegenseitig Faust vor und danach analysieren wir Beethoven die fünfte.

    Das "Nein Danke!" ist nicht das Problem. Ein Problem gäbe es, wenn dir das jemand in einem Gespräch sagte und du guckst nur desorientiert und fragst: "Wie kann man eine Faust lesen?" Oder: "Fünfte was?"


    Man muss die Gegenstände im Bildungssetzkasten ja nicht mögen, aber man sollte orientiert sein, was sich darin so alles befindet.

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    Wir lesen uns gegenseitig Faust vor und danach analysieren wir Beethoven die fünfte.

    Na ja, so etwas macht doch auch keiner, oder? ;-D


    Vorlesen kenne ich schon, aber nicht den Faust und auch nicht zwingend anderweitige Weltliteratur, sondern einfach so, weil man es gerne macht.


    Ansonsten hab ich Beethovens Fünfte vor zwei Jahren im Neujahrskonzert gesehen.


    Ich glaube, das sieht in der Realität anders aus, als man sich das vorstellt. Du wirst deine Interessen ja auch nicht gröhlend am Ballermann ausleben, während du über flache sexuelle Witze lachst. Das sind halt stereotypische Vorstellungen.


    Es ist auch bei mir mit Freunden und Bekannten eher so, wie Fe. es beschreibt.

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    Man muss die Gegenstände im Bildungssetzkasten ja nicht mögen, aber man sollte orientiert sein, was sich darin so alles befindet.

    Sind Setzkästen nicht schon länger hoffnungslos aus der Mode? ;-) Ich glaube, dass auch die Idee des Bildungskanons ihre besten Zeiten hinter sich hat. Die Welt und die Wissensbestände sind so komplex geworden, dass man m.E. kaum noch umfassend allgemeingebildet sein kann. Selbst wenn man sehr wissbegierig ist. (Was zudem gar nicht auf jeden zutrifft: nicht jeder will möglichst viel wissen! Das muss doch auch legitim sein. Nur weil ich möglichst viel wissen will, macht mich das doch nicht zu einem besseren Menschen!)


    Ich persönlich halte generell nicht so viel von der Hierarchisierug von Wissen. Warum um alles in der Welt sollte Oper relevanter sein als aktuelle Populärkultur?! Ist sie m.E. nicht. Ich würde mich sogar soweit auf's Glatteis wagen, zu behaupten, dass Oper WENIGER relevant ist. (Eine Oper aus dem Jahre Schnee sagt uns bestenfalls etwas über menschliches Verhalten im Generellen. Das tut die aktuelle Popkultur aber auch und darüber hinaus sagt sie uns etwas über den gegenwärtigen Zustand unserer Gesellschaft(en). Das interessiert mich viel mehr als die Kulturproduktion vergangener Jahrhunderte. :-)


    Es kann doch jeder frei entscheiden, worüber und wieviel er/sie wissen will. Die Relevanz kann man als mündiger Erdenbürger doch selbst für sich entscheiden. Und das sich Erheben über andere kann man einfach einsparen. 8-)


    Ich habe Faust I und II gelesen ohne dass ich gemusst hätte, weil es mich damals interessiert hat. Aber so für so weltbewegend, dass jeder wissen sollte, was "der Faust" ist, halte ich das längst nicht.

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    Du wirst deine Interessen ja auch nicht gröhlend am Ballermann ausleben, während du über flache sexuelle Witze lachst.

    schönes bild :-)


    und genau da ist bei mir ein grinsen im gesicht und ich denke mir: ja, ich will mit meinem kerl saufend darten/flippern und flache sexwitze erzählen dürfen - genauso wie ich mit ihm ins theater und in klassische konzerte gehen will (oder auch zu status quo und jeden song mitgröhlen!!!) und das hat nix mit bildung zu tun, sondern mit neugier und flexibilität und so!

    Lola, klar kann und wird jeder selbst entscheiden, was ihn interessiert, womit er sich beschäftigt und womit er seine Zeit verbringt. Aber diese Entscheidungen sagen etwas über die Person. Und mit der Zeit entwickelt sich die Person diesen Entscheidungen gemäß.


    Man muss das nicht hierarchisieren, sondern kann sich einfach über die sich ergebende Vielfalt freuen.


    Aber so einfach scheint es nicht zu sein, schließlich geht es uns Menschen nicht nur um uns selbst, sondern auch, wie wir andere sehen und wie wir von anderen gesehen werden. Und das wird äußerst mühsam, ohne einen verlässlichen Rahmen von Konventionen. Etwas, das zu verlassen peinlich wirkt, weil dann offenbar wird, dass jemand etwas nicht weiß oder kann, was er hätte wissen/können sollen. Es ist schwierig, auf Augenhöhe mit jemandem zu bleiben, der von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen stolpert.


    Ein gutes Beispiel hast du in diesem Faden diskutiert: Die Peinlichkeit, die dadurch entsteht, dass jemand sich mit Fremdwörtern schmückt, deren Bedeutung ihm nicht klar ist. Ähnlich wenn sich jemand an der Uni bewegt und man fragt sich, wie der sein Abi schaffen konnte. Was im Grunde heißt: Der gehört nicht hierher.


    Mit diesen Überlegungen lässt sich "gleicher Bildungsabschluss" in Bezug auf Beziehungen vielleicht so interpretieren: "Ich kann mich in deinen Kreisen bewegen und du dich in meinen."

    ich denke nicht, dass der bildungsgrad oder abschluss da wirklich aussagekräftig ist. gibt viele studierte häupter, die absolut null ahnung von sozialverhalten haben und umgekehrt sehr kluge unstudierte, die nur eben lieber einen job machen, in dem sie z.b. körperlich stärker gefordert sind, als geistig.


    von den fachidioten fange ich gar nicht erst an.


    ich würde das mit der augenhöhe eher auf zwei verschiedenen achsen festmachen.


    einerseits die achse des generellen verstandes oder auch der allgemeinbildung. man möchte einfach mit jemandem auf augenhöhe sein, wenn man sich über die dinge unterhält, die einen interessieren. ich meine da so ein grundlegendes verständnis und grundlegende kommunikative und soziale fähigkeiten. man möchte einfach mal über seine themen, seinen tag oder was einem durch den kopf geht reden können und dabei das gefühl haben, man wird verstanden und das gegenüber versucht zumindest, zu verstehen, was man meint.


    andererseits ist da die achse der arbeitsintensität. wenn man sehr hart arbeitet und viel zeit in seinen job investiert, fühlt man sich vielleicht auf dauer unwohl dabei, einen partner zu haben, der nur sehr viel weniger zu arbeitet und sich dann vielleicht auch noch nichtmal beim haushalt beteiligt. da möchte man einfach auf augenhöhe sein. grade als akademiker braucht man da verständnis und unterstützung, denn vor allem in akademischen berufen wird nunmal oft vorausgesetzt, dass man arbeitsrelevantes während der freizeit erledigt. man hat dann schnell angst, dass man von jemandem, der das nicht kennt nicht verstanden wird und entsprechend keine unterstützung erhält.


    so oder so kann das aber gut funktionieren, denn beide achsen haben letzten endes wenig bis gar nichts mit dem bildungsgrad des partners zu tun, sondern sehr viel mehr mit seinem charakter.

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    grade als akademiker braucht man da verständnis und unterstützung, denn vor allem in akademischen berufen wird nunmal oft vorausgesetzt, dass man arbeitsrelevantes während der freizeit erledigt. man hat dann schnell angst, dass man von jemandem, der das nicht kennt nicht verstanden wird und entsprechend keine unterstützung erhält.

    Den Aspekt finde ich sehr wichtig - und persönlich hatten mein Partner und ich da anfangs tatsächlich ein Problem. Er arbeitet zwar auch viel (obendrein Schichtdienst und wechselnde Einsatzorte); aber mein quasi unbezahltes Engagement (bspw. im Schlafanzug auf dem Sofa) hat er entweder nicht als ernsthaftes Arbeiten wahrgenommen oder es gab z.T. Grundsatzdiskussionen, warum das jetzt noch sein muss und wer die Stunden erfasst (keiner). Er hat sich dran gewöhnt... ]:D

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    Ein gutes Beispiel hast du in diesem Faden diskutiert: Die Peinlichkeit, die dadurch entsteht, dass jemand sich mit Fremdwörtern schmückt, deren Bedeutung ihm nicht klar ist

    Wollen wir das jetzt wieder anfangen? Das war nach wie vor nicht der Fall, wie außer mir noch zwei weitere User nach Schilderung meines Gedankenganges sehr plausibel fanden.

    Vielleicht mal das Wort "Korrelation" nachschlagen und sich die Frage beantworten, was das mit analytischen Begriffen zu tun hat, woher überhaupt solche Begriffe kommen und wieso man so etwas dann intuitiv finden kann. Kann mir nichts anderes vorstellen, als wenn da jemand das Wort "Korrelation" nicht kennt. %-|