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    Als Freundschaft oder gelegentliche Treffen (im Verein, als Kollegen, als Mitarbeiter, als Schwiegersohn/Tochter, als Schwiegervater/mutter): ja. Auch mit diesen Menschen ist man ja zusammen und hat Beziehungen.


    Wenn eine Lebenspartnerschaft als enge Auslegung von "zusammen sein" gemeint ist: Fällt mir das schwer, wenn es diese Gemeinsamkeit nicht gibt.

    Nur so aus Interesse, Pythonist, du musst auch nicht antworten, wenn du nicht willst:


    Warum wäre eine Lebenspartnerschaft (oder engere Freundschaft, wenn ich das richtig herauslese) für dich mit einem Menschen, der kein Akademiker ist, nicht vorstellbar? Würde dich stören, dass dein Gegenüber den Lebensabschnitt "Studium" nicht erlebt hat, sodass ihr nicht darüber sprechen könntet? Oder geht es da um andere Aspekte?

    Hallo!


    Ich denke wenn der schulische Bildungsweg bzw die danach kommende Aus/Weiterbildung ähnlich ist, ist die Chance Paralellen in anderen Bereichen zu finden größer.


    Genauer: Mit erhöhtem Bildungsabschluss gehen ggf andere Interessen einher...Ein Beispiel ist das Reisen in ferne Länder. Das machen erstens gerne Menschen die kulturell interessiert sind und auch über die finanziellen Möglichkeiten verfügen das zu tun.


    Interessen im Bereich Theater, Musical, Kabarett, ansprechender Weinabend mit Freunden...Ich glaube schon, dass es da Unterschiede gibt. Ganz direkt: Das Freizeitverhalten einer Person mit Hauptschulabschluss ist ggf ein anderes als das einer Person mit Abi oder Studium.


    Das bedingt sich aber nicht nur mit Blick auf den Bildungsweg , sondern auch der damit oft verbundenen sozialen Herkunft. Ich sehe es täglich in meinem Lehrerinnen-Beruf, Kinder aus bildungsfernen Familien, werden selbst oft eben kein Abitur machen.


    Auch wenn theoretisch in Deutschland alles möglich ist...Praktisch werden viele Weichen schon bei der Geburt gelegt.


    Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Nein, ich ( akademischer Abschluss) könnte es mir eher weniger vorstellen mit einem Mann liiert zu sein, der nicht auch gebildet ist. Dabei mache ich das nicht an Abi oder Studium fest...Aber es sollte schon ähnlich sein.


    Deutlich formuliert: Der Fließbandarbeiter, dessen Höhepunkt das Bier am Abend und der Ballermann Urlaub einmal im Jahr ist, wäre wohl nicht der passende Partner.


    Damit möchte ich das nicht abwerten! Es gäbe nur einfach zu wenig gemeinsame Schnittmenge.

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    Eine bspw. Juristin aus einer Arbeiterfamilie, die sich das Studium selbst finanzieren musste und am Wochenende immer durchgearbeitet hat, wird mit einem Juristen dessen Familie bereits eine Kanzlei besitzt, der noch nie einen Tag arbeiten musste und sich nie Gedanken um Geld machen musste, auch nicht komplett reibungslos glücklich werden. Ausschlaggebend ist hier auch nicht die Bildung - sondern das WIE sie beide zu ihrem Bildungsstatus kamen.

    Ich bin so eine Person. Ich komme aus einer Arbeiterfamilien, war die erste mit Abitur und die erste, die jemals eine Uni von innen gesehen hat. Ich habe vorher eine Berufsausbildung gemacht für die ein Hauptschulabschluss ausreicht. Viele meiner Kollegen haben auch nur eben diesen. In diese Beruf arbeite ich bis heute und finanziere damit mein Studium.


    Ich fühlen mich mit meinen Kollegen sehr viel wohler als mit meinen Kommilitonen, die größtenteils aus Akademikerhaushalten stammen. Und trotzdem fast abgeschlossenen Studium fühle ich mich nicht wirklich als Akademikerin und wenn jemand fragt, was ich mache, gebe ich immer meinen gelernten Beruf an weil ich mich damit definitiv mehr identifiziere als mit meinen "Status" als Student.


    Für mich ist ein Bildungsabschluss nicht wirklich relevant sondern mehr das, was man daraus gemacht hat und wie man sein Leben gestaltet. Ich finde z.B. meinen Lehrberuf ziemlich toll und würde sofort einen Mann mit diesem Beruf daten. Auch wenn er auf dem Weg dahin nur einen Hauptschulabschluss gemacht hat.

    @ Zimtkeks

    Zitat

    Deutlich formuliert: Der Fließbandarbeiter, dessen Höhepunkt das Bier am Abend und der Ballermann Urlaub einmal im Jahr ist, wäre wohl nicht der passende Partner.

    Und was ist mit dem Fließbandarbeiter, der gerne

    Zitat

    ... in ferne Länder (reist). Interessen im Bereich Theater, Musical, Kabarett (hat), (einen) ansprechenden Weinabend mit Freunden (genießt)

    ?


    Oder schließt du das aufgrund von Vorurteilen aus?

    Ich glaube übrigens, dass sich Akademiker und Nicht-Akademiker wenn, dann seltener durchmischen, weil Nicht-Akademiker manchmal weniger Geld und Freizeit haben. So gibt es dann weniger Schnittpunkte. Das trifft zumindest zu, wenn man an den typischen (niedergelassenen Fach-)Arzt und den typischen Kassierer denkt. Jedoch sind das doch nur Extreme auf einer Skala. Was ist mit studierten Straßenmusikern? Oder unstudierten Steuerberatern? Was ist mit unstudierten Fluglotsen? Oder studierten Sozialarbeitern?


    Ich finde das Alles sehr kurz gedacht. Die Übergänge sind ja doch eher fließend. Eine Ausbildung an einem angesehenen Institut kann sehr anspruchsvoll sein, während einen ein Studium an einer schlechten Uni ggf. überhaupt nicht weiter bringt.

    Zitat

    Studium fühle ich mich nicht wirklich als Akademikerin und wenn jemand fragt, was ich mache, gebe ich immer meinen gelernten Beruf an weil ich mich damit definitiv mehr identifiziere als mit meinen "Status" als Student.

    Das heißt aber übersetzt, dass Dein Faktor der sozialen Intelligenz - das gibt es so nicht, aber Du weißt, was ich meine - auch nicht besonders hoch ist ;-)


    Bildung ist ein lebenslanger Prozess, Bildung, auch formale, wird Teil der Identität, prägt und formt diese. Bildungsvermittler, z.B. der Unialltag, formen, man ist hinterher anders als vorher.


    Und das ist alles an Dir vorbei gegangen? Schade. Deine Aufnahmefähigkeit ist zumindest auf dem Gebiet anscheinend begrenzt und Du bist damit, zwar bestimmt ungewollt, ein gutes Beispiel für einen Akademiker, der zwar den Abschluss hat, aber nicht emotional-sozial gebildet/intelligent, da Du lieber in Deinem orginären Saft schmorst.

    Die Eingangsfrage kann ich mit einem klaren "Nein" beantworten. Man kann ruhig stolz auf das sein, was man selbst erreicht hat, aber andere aufgrund dessen zu klassifizieren ist m.E. einfach nur oberflächlich und arrogant. Dummheit ist nicht "wenig wissen" oder "wenig wissen wollen", sondern "glauben, genug zu wissen". Ich finde, dass der Spruch hier ganz gut passt, weil in meinen Augen genau das die Denkweise vieler wiederspiegelt, die andere aufgrund deren Qualifikation abwerten. "Ich weiß viel, du weißt weniger, also bist du schlechter als ich". Ich hasse sowas. :(v


    Wie bereits vielfach erwähnt wurde: Ein Abschluss bedeutet nicht gleich Intelligenz oder Kompetenz, sondern kann lediglich ein Indikator sein. Viel wichtiger ist doch, dass man auf einer Wellenlänge ist. Ich könnte auch nicht dauerhaft mit einer Partnerin zusammen sein, wenn die Gespräche bspw. extrem oberflächlich oder einseitig sind. Aber ist denn ein bestimmtes Zeugnis eine Garantie für bereichernde, interessante und tiefgehende Gespräche? Nein.


    Ich schließe mich Cinnamon4 an, ich finde ihren Beitrag auf Seite 3 klasse. :)= Zeugnisse sind eine Momentaufnahme bestimmter Leistungen einer Person in einem bestimmten, vorgegebenen Rahmen und m.E. nicht aussagekräftig genug, um die Person oder deren Intelligenz als Ganzes zu bewerten.

    Zitat

    Sie sind auf Augenhöhe - was schlicht daran liegt dass keiner sich für besser oder schlechter hält. (Nala85)

    Aus meiner Sicht bringt das die Sache sehr, sehr gut auf den Punkt. :)^


    Wer eine gleiche Augenhöhe will, findet diese m.E. ganz einfach und unabhängig vom Gegenüber in der eigenen Einstellung.

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    Zum "auf Augenhöhe": Wenn der Abstand nicht zu groß ist, scheint es mir so zu sein, dass Frauen ganz gerne zu ihren Männern aufschauen möchten. Weniger häufig ist es umgekehrt. Aber egal wie herum, mir scheint, dass eine gewisse Asymmetrie stabilisierend wirkt: Einer gibt tendenziell lieber Halt, einer lehnt sich tendenziell lieber an. Das sind sehr tiefliegende psychische Bedürfnisse vor aller gedanklichen Reflexion. Wenn sich da "Schlüssel und Schloss" finden, wird das für beide befriedigender, als wenn zwei Schlüssel feststellen, wie ähnlich sie sind. "Gleiche Augenhöhe" spricht eher für Freunde und Kollegen. (Lovhus)

    So eine Asymmetrie spricht mich nicht an. Das mag bei Freunden, Bekannten oder Kollegen ok sein, aber in einer Beziehung will ich ganz klar eine gleiche Augenhöhe. 8-)


    Zur Ausgangsfrage:

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    Könnt ihr, die selbst z.B. Akademiker seid, euch vorstellen, mit jemandem zusammen zu sein, der nicht studiert hat

    Selbstverständlich!

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    und einen Job macht, für den man eine geringe oder keine Qualifikation braucht?

    Das dagegen könnte ich mir hingegen eigentlich nicht vorstellen. Ich glaube allerdings auch, dass es kaum noch solche Jobs gibt. In fast jedem Job muss man so einiges können, um gut im Job zu sein. (Und dass er (wie ich) in seinem Job gut sein möchte, ist mir bei einem Partner schon wichtig.)

    Zitat

    Ich glaube nicht dass es viele Fließbandarbeiter gibt , die eine kulturell und finanziell anspruchsvollere Freizeitgestaltung praktizieren.

    Meine Mama ist auf der Sonderschule gewesen durch frühen Verlust des geliebten Papas (da kam dann der schulische Abfall) und viele, viele Umzüge (jährlich) und Schulwechsel... heute würde man sich wahrscheinlich anders drum kümmern, damals war man als Kind jedoch alleine.


    Trotzdem reist sie gerne in fremde Länder, geht gerne in Opern, Theater und Musicals, liest sehr viel und hat ein breites Wissen an Fremdwörtern und deren Bedeutungen, da es ihr immer wichtig war nicht die Probleme ihrer Mutter zu haben.


    Und ganz, ganz selten genießt sie eine Flasche Wein, obwohl sie sonst Antialkoholikerin ist.


    Der Unterschied ist nur dass sie darauf sparen muss und ungern Einladungen von einem Mann annahm, aber sie hat durchaus ein sehr ausgeprägtes, kulturelles Interesse, vor allem in Urlaub, einen Ballermann-Urlaub hätte sie nie gemacht.


    :-/


    Ach ja, sie ist kein Fließbandarbeiter weil ihr stupide, wiederholende Handlungen nicht liegen, aber Sonderschülerin mit Hauptschulabschluss, also den niedrigsten Abschluss überhaupt.

    @ Liverpool:

    Auch wenn mich die Reaktion von criecharlie kurz hat zögern lassen:

    Zitat

    Ich fühlen mich mit meinen Kollegen sehr viel wohler als mit meinen Kommilitonen, die größtenteils aus Akademikerhaushalten stammen. Und trotzdem fast abgeschlossenen Studium fühle ich mich nicht wirklich als Akademikerin [...]

    So geht es mir auch. Mein Diplom ist 10 Jahre alt; ich arbeite seitdem in meinem akademischen Beruf. Aber trotz aller Weiterentwicklung und Fachkompetenz: Ich empfinde es oft als anstrengend. Einiges ist für mich so "pseudo-intellektuell". Vieles wirkt auf mich gekünstelt, selbstdarstellerisch. Einem Rollenklischee nacheifernd. Schwer zu beschreiben. Bspw. kann ich das Faible für klassische Musik, Theater und Weinproben nicht nachvollziehen. Bin ich nicht mit groß geworden - und reizt mich bis heute einfach null.


    Meine Eltern haben auch schon ein gewisses Gefälle: Vater 8 Jahre Volksschule, keine Fremdsprachenkenntnisse, Handwerkslehre, Meister, dann im Job aufgestiegen. Meine Ma Handelsschule, Bürojob, Chefsekretärin, Fremdsprachenkenntnisse. Jetzt Ü70 fallen kognitive Unterschiede zunehmend deutlich auf; früher passte es besser.


    In meiner Familie bin ich ebenfalls die erste mit Abitur und Studium. Der engere Kontakt zu Kommilironen war zu denen, die wie ich bei Studienbeginn älter waren mir ähnlichem familiären Hintergrund. Im Bekanntenkreis meiner Eltern (alles Nichtakademiker) haben (fast) alle Kinder studiert; sind aber eben auch nicht so "intellektuell" (trotz z.T. Promotion).


    Im Job selber komme ich mit Kollegen prima klar - aber (oft als Einzige) mit den nicht-akademischen Mitarbeitern ebenso gut. Rückmeldungen sind da, dass ich sie fair und gleichwertig behandele (ja, mache ich. Sie haben nicht studiert, aber sie machen genauso ihren Job, ohne den ich aufgeschmissen wäre, daher muss ich mich nicht als was Besseres sehen. Und Aufgaben kann ich im Befehlston erteilen oder freundlich darum bitten!).


    Ich MÖCHTE letztlich auch gar nicht so typisch akademisch sein. Und ein anregender Abend mit weltoffenen, vielfältig interessierten Menschen ist für mich meist entspannender als so ein Akademiker-Treff, wo diese pseudo-intellektuelle Geblubber und die subtile Selbstdarstellung nur weitergehen.

    @ criecharlie

    Zitat

    aber nicht emotional-sozial gebildet/intelligent, da Du lieber in Deinem orginären Saft schmorst.

    Also ausgerechnet dich von emotionaler bzw. sozialer Bildung schreiben zu sehen ist... ich vermag es nicht in Worte zu fassen. Wenn man deine Beiträge hier nur grob verfolgt, merkt man schnell und vor allem eindringlich, wie eng dein emotionaler und sozialer Horizont ist.


    Und dann noch die Anschuldigung, jemand anders würde im eigenen Saft schmoren, während du kaum etwas anderes als Jammerbeiträge auf zugegebenermaßen sprachlich hohem Niveau verfasst undnichtmal annähernd dazu in der Lage bist, dich selbst und deine Situation zu reflektieren.


    Alle Achtung! Dein Beitrag setzt ein Maß an vervollkommneter Selbstverleugnung voraus, das kaum noch zu toppen ist.

    Also vom Bildungsstatus würde ich das nicht abhängig machen, sondern vom tatsächlichen Bildungsstand. Mein Bruder ist z.B. sehr interessiert an allem, wirkt gebildet und man kann sich mit ihm auch gut unterhalten, obwohl er "nur" eine Ausbildung gemacht hat. Mein Exfreund hat gar keine Ausbildung und hatte so einen "Hilfsjob". Darüber habe ich ihn kennengelernt, hatte während des Studiums halt auch nur diesen Job und keinen "richtigen", was ja noch lange nicht bedeutet, dass ich für diesen Job nicht total überqualifiziert war... also in erster Linie sagt ja was man arbeitet nix darüber aus, was man arbeiten könnte... es findet halt nicht jeder (sofort) in dem Bereich einen Job, den er gern hätte. Aber mein Ex hat Abitur und hat zumindest mal angefangen zu studieren und das merkte man ihm dann eben auch an.


    Bei manchen Leuten, die kein Abi haben und ne Ausbildung gemacht haben, merkt man die "rein lebenspraktische" Beschränktheit eben irgendwie an. Für mich persönlich ist Bildung auch irgendwie zweckfrei, macht an sich Spaß, also wenn jemand sagt "wozu brauche ich Literatur, damit kann ich kein Geld verdienen etc.", das kann ich nicht ab. ;-)


    Manche Leute haben auch eine echt miese Allgemeinbildung oder man könnte auch neutral sagen, nur Interesse an Dingen, die ich völlig unwichtig finde. Also andere Interessen/Gesprächsthemen/Ansichten. Mit so jemandem könnte ich mir auch keine Beziehung vorstellen.

    @ criecharlie:

    Du hast mich erst zögern lassen, aber ganz ehrlich:


    Dein gesamter Beitrag, v.a. so "nette" Aussagen wie Unterstellung einer geringen sozialen Intelligenz bzw. fehlener emotionale-sozaler Bildung/Intelligenz und begrenzter Aufnahmefähigkeit trieft dermaßen von genau dieser hochgradig unsympathischen Akademiker-Arroganz, dass mir wieder mal sehr bewusst wird, warum ich genau diese Menschen nicht als entspannenden Freizeit-Umgang einstufe.


    Im Gegensatz zu dieser einseitigen und unflexiblen Arroganz sehe ich mich nämlich in der Lage, mich bewusst und kompetent auf ALLE Menschen einzulassen, statt mich in meinem Akademiker-Türmchen zu verschanzen.


    Respekt, wie ein gebildeter Mensch, der sich gerade selber ganz viel emotional-soziale Bildung attestiert, andere dermaßen respektlos abwerten kann. :(v