Tja, eigentlich muss ich ja gar nichts mehr sagen zu criecharlies Kommentar. Das haben andere mir ja freundlicherweise schon angenommen @:) Danke dafür.


    Nur so viel: mein Beruf hat mich in den letzen Jahren sehr viel mehr geprägt und zu meiner Entwicklung beigetragen. Man könntes fast sagen, er hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin. Und zwar weil sich da draußen in der Welt abspielt. Ich habe täglich mit Menschen aller Gesellschaftsschichten zutun, bin bei ihnen zuhause, erlebe sie in ihren schwächsten, traurigsten, ängstlichsten Situationen. Ich trage die Verantwortung für diese Menschen, stehe jeden Tag vor neuen Herausforderung und muss jeden Tag wieder andere Probleme lösen. Ich treffe hunderte von Entscheidungen man Tag, löse Probleme, kommunizieren, organisiere, handele in Sekunden.


    Ich hab Abgründen gesehen, in die man nicht Blicken will und gehe ständig über meine Grenzen.


    In der Uni dagegen werden seiten Jahre zu stumpfsinnigen Beschäftigungstherapien gezwungen, die keinerlei Mehrwert für mich späteres Berufleben haben werden, stopfe unreflektiert Wissen in mich rein um es in der Prüfung wieder auszukotzen und hab ständig mit Menschen zutun, für die ich nur ein lästiger Nebeneffekt in ihrem Job bin.


    Jetzt bin ich im 8. Semester und umgeben von Komilitonen, die nicht mal die einfachsten Grundlagen meines Jobs beherrschen (und ja, das müssen sie. Denn sie sind meinen Kollegen später weisungsbefugt und es ist extentiell, das auch sie wissen was da läuft) und selbst die einfachsten Handgriffe völlig zerdenken und überanalysieren.

    Zitat

    Der Fließbandarbeiter, dessen Höhepunkt das Bier am Abend und der Ballermann Urlaub einmal im Jahr ist, wäre wohl nicht der passende Partner.

    Wenn ich das mal einwerfen darf: ich kenne genügend Menschen, die studiert haben und für die ein derartiger Horizont der Normalfall ist. Da ist nicht viel mit Theater, Oper oder anderweitigem Kulturprogramm. Das gibt es vielleicht mal zwischendrin - der Regelfall ist jedoch der Alkoholkonsum und die Überlegung, wohin man im nächsten Urlaub fahren möchte.


    Gut, die Leute fahren nicht an den Ballermann. Ich sehe da aber, ehrlich gesagt, nicht so viel Unterschied.


    Ich selbst komme aus einer Familie mit niedrigerem Bildungsstand als der meine (wenn auch finanziell sehr gut gestellt) - ich bin klassische Akademikerin mit klassischen Akademikerinteressen (sofern es derartiges gibt - ich meine das oben bereits öfter beschriebene Kulturprogramm) und habe mich im Heimatdorf nie heimisch gefühlt. In der 7. Klasse hat mich mein Vater gefragt, als ich Klassik hörte, warum ich nicht solche Musik höre wie andere Jugendliche in meinem Alter. Als ich meine Eltern ins Theater einladen wollte zu Neujahr, wollten sie nicht mit. Ich habe vor meinem Studium eine Ausbildung gemacht, die ich mit Depressionen nach zwei Jahren abgebrochen habe - ich wurde dafür gemobbt, dass ich mich nicht jedes Wochenende mit Alkohol zugeschüttet habe und weil ich gerne gelesen und fotografiert habe, war ich in den Augen der anderen "komisch". Ich habe mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg gemacht - in der Realschule wurde ich dafür ausgelacht, dass ich auf muttersprachlichem Niveau (in der Aussprache) Englisch sprach. Ich könnte noch endlos fortfahren.


    Da ich durch all diese Erlebnisse die Unterschiede kenne, die das Bildungsniveau ausmachen kann, würde ein Partner mit niedrigerem Bildungsabschluss für mich zunächst nicht infrage kommen (das heißt aber nicht, dass ich mich keinesfalls in so jemanden verlieben könnte). Gleichsam weiß ich jedoch auch, dass ein Studium kein Garant für ein ähnliches kulturelles und intellektuelles Niveau ist - ich kenne, wie eingangs erwähnt, genügend Akademiker, denen man ihr Akademikerdasein meines Erachtens nicht anmerkt.


    Es ist übrigens in der empirischen Sozialforschung erwiesen, dass bis zum Ende des 20. Jahrhunderts Ehen der Regelfall waren, in denen zumeist die Frau den niedrigeren Bildungsabschluss hatte (was auch von den damals niedrigeren Zugangschancen höherer Bildung für Frauen lag - eine Frau stieg im sozialen Status beispielsweise auf, wenn sie ihr Studium abbrach, um eine Familie zu gründen, das war der Normfalfall - andere Frauen kamen erst gar nicht an die Uni oder nur dafür dorthin, um sich einen Mann zu suchen). Heutzutage heißt es eher "gleich und gleich gesellt sich gern". Ehepartner haben tendenziell häufiger einen ähnlichen Bildungs- und ökonomischen Hintergrund.


    ( https://www.amazon.de/Sozialstruktur-Deutschlands-basics-Band-3146/dp/382524234X/ref=sr_1_8?ie=UTF8&qid=1480125983&sr=8-8&keywords=sozialstrukturanalyse )

    Zitat

    Am schlimmsten finde ich es immer, wenn sich im Brustton der Überzeugung irgendwelche küchenpsychologischen Dinge zusammengereimt werden, man aber taub für fundierte Erkenntnisse in dem Bereich sind, weil sie einfach den Unterschied zwischen Meinung und Erkenntnis nicht kennen.

    Dito. Mich ärgert das auch, vor allem dann, wenn das, was ich argumentativ fundiert dazu sagen kann, gar nicht wahrgenommen wird (oder einfach ohne Gegenargument als falsch deklariert wird - da redet man gegen eine Wand).


    Ich tu mir das meist schon gar nicht mehr an und diskutiere dann gar nicht mehr.


    Das ist aber nichts, was zwingend nur Nicht-Akademikerin eigen wäre. Ich kenne, wie gesagt, viele Akademiker, die sich von Nicht-Akademikern in Diskussionskultur, Intellekt, Argumentationsfähigkeit und kulturellem Interesse kaum unterscheiden.

    Zitat

    eine Frau stieg im sozialen Status beispielsweise auf, wenn sie ihr Studium abbrach, um eine Familie zu gründen, das war der Normfalfall - andere Frauen kamen erst gar nicht an die Uni oder nur dafür dorthin, um sich einen Mann zu suchen

    Nachtrag: Das war etwa bis in die frühen 1970er Jahre der Fall.

    Aber ist es das, was einen "guten" Akademiker ausmacht? Theater, klassische Musik etc.?


    Kann ich nicht einfach gut finden, was ich will? Unabhängig von meiner Bildung? Ohne, dass die "richtigen" Akademiker auf mich herabblickend und mich im Endeffekt doch nur für einen Ruhrpottproll halten, der durch Zufall promoviert hat. Und mir das Gefühl geben, dass ich meines Abschlusses nicht würdig bin weil ich lieber nach Wacken fahre und Dosenbier trinke statt ein klassisches Konzert in der Philharmonie zu genießen?


    Im Endeffekt ist dieses Herabblicken auch nicht besser als das Verhalten der Kinder, die einen meiden weil man das Gymnasium besucht.


    Ich finde es wirklich schade, dass man sich gegenseitig immer so abwerte muss.

    Ich habe einen Master in Informatik, mein Freund ist Elektriker mit Hauptschulabschluss.


    Er ist trotzdem nicht dumm - war halt faul und hatte keine Lust mehr auf Schule.


    Ich hatte bereits eine Beziehung mit jemandem, der arbeitslos war. Langzeit. Naja nennen wir es den Anfang einer Beziehung - ich bin einfach mit den Lebensumständen nicht klar gekommen. Den ganzen Tag inne Bude sitzen aber trotzdem die neuste Technik bei Saturn auf Pump kaufen.


    Andersherum war ich mit jemandem liiert, der Maschinenbau studiert hat - einer der dümmsten Menschen der Welt.


    Kommt nicht auf den Schulabschluss an - sondern auf den Intellekt und die Erziehung eines jeden Einzelnen :)

    Hm, also ich hab Medizin studiert, mir aber nie groß Gedanken um soziales Ansehen oder Augenhöhen gemacht. Prestige wäre jedenfalls überhaupt nicht die Auswahl meiner Freunde und Beziehungen ":/


    Darum habe ich vielleicht auch so viele Nicht-Akademiker Kontakte. Wie gesagt, hab ich das aber noch nie aufgebröselt und ich kenne auch sonst keinen, der es tut.


    Nur in einem Fall gab es einen Reibungspunkt mit einem Nicht-Akademiker.


    In der 7.Klasse blieb ich sitzen und kam vom Gymnasium auf die Realschule. Hier lernte ich meinen besten Freund kennen. Er machte dann nach der 10.Klasse eine Elektriker-Lehre, ich ging wieder aufs Gymnasium, machte Abi und danach kam das Studium. Von der 7. bis zur 10. waren wir wie Pech und Schwefel. Danach musste ich feststellen, dass er mit vielen Dingen nicht gut klar kam, die ich gerne machte. Zum Beispiel ein gutes Buch lesen, ins Theater gehen oder ein Instrument spielen. Auch die bloße Tatsache, dass ich zum Sport ging, war ihm suspekt. Er fand diese Interessen arrogant und versnobt, obwohl sie ihm genau so offen standen. Zudem haben sie ja nun wirklich nichts mit dem Bildungsabschluss zu tun.


    Ich fand das schade, weil ich mich andersherum sehr für seine Interessen begeistern konnte, auch wenn sie nicht primär in mein Bereich waren. Die Freundschaft ging nachher dann auseinander.


    Das ist aber der einzige Fall von Standesdünkeln, den ich je erlebt habe und war auch mehr Charaktersache bei ihm.

    Huhu...


    Besonders an @Scarface...aber auch allgemein


    Natürlich gibt es auch Akademiker, die ein eher "flaches" Freizeitverhalten an den Tag legen und umgekehrt auch Hauptschulabsolventen die sich für Kunst und Kultur interessieren.


    ABER das ist nicht die Mehrheit!


    Wenn man in der Oper oder im Musical eine Umfrage starten würde, welche Berufe/Abschlüsse die Besucher haben...Dann verwette ich meinen Hintern darauf, dass es mehrheitlich höhere Abschlüsse sind. Und mein Hintern würde sicher nicht abfallen. ;-D


    Warum ist das so? Mögliche Erklärungsansätze:


    1.Menschen mit geringeren/ höheren Bildungsabschlüsse kommen oft aus Familien, in denen es ähnlich ist. Sprich ein bestimmtes Freizeitverhalten wurde schon in der Kindheit vorgelebt und wird somit adaptiert und als "normal/gängig" eingestuft.


    2. Bestimmte Freizeitunternehmungen erfordern neben Interesse auch finanzielle Mittel. Ich weiß von meiner Frisörin, dass sie wenig Gehalt bekommt. Sicherlich gibt sie nicht mal eben 80€ für ein Ticket aus oder besucht einen teuren Weinprobeabend.


    (Ich finde es tatsächlich sogar ungerecht und schade, dass er Berufe gibt, in denen trotz Vollzeit das Gehalt kaum oder nicht reicht u man auf den Partner angewiesen ist. Das nur am Rande...)


    3. Das eigene soziale Gefühl. Wenn bestimmte Aktivitäten nicht gängig sind und der Umgang mit Menschen anderer Gruppierungen, dann wird das sicher auch manchmal abgelehnt a La " Ich fühle mich unwohl, weil ich nicht dazu gehöre.


    Ich selbst komme aus einer Familie in der weder Abi noch Studium Standard waren. Eigentlich nahezu meine gesamte Herkunftsfamilie ( Eltern, Großeltern, Tanten u Onkel) gehört den einfacheren Bildungsabschlüssen an.


    Ich selbst habe studiert und arbeite auch in meinem akademischen Beruf.


    Sehe mich selbst aber nicht als elitär an, ich kann mich in beiden Gruppierungen bewegen. Allerdings habe ich viele Kontakte, Freundschaften eben im Studium und Beruf geschlossen, so dass sowohl mein Umfeld wie mein Freizeitverhalten eben dem entspricht was hier als "akademisch" definiert wird.


    Und nein, ich möchte definitiv nicht zu meinem Partner aufschauen müssen.


    Das sollte sich etwa auf Augenhöhe bewegen.


    LG

    Nein für mich bedeutet Augenhöhe NICHT das man einen ähnlichen Bildungsabschluss hat, dieser besagt nämlich gar nichts über die Person aus. Ich gucke doch nicht nach dem Abschluss, ich schaue ob wir auf gleicher Höhe sind, was Allgemeinbildung und Interessen/Gemeinsamkeiten an geht.

    Solche Threads entwickeln sich doch immer gleich ;-D


    Ich hab bisher noch nie einen Nicht-Akademiker als Freund gehabt, daher beschäftigt mich das Thema nur, wenn mal wieder so ein Thread aufploppt und ich die ersten Seiten davon überfliege. Wenn man sich dann so durchliest, was es da so alles gibt an political correctness, Arroganz, Bezugnahme auf die eigene Toleranz usw, finde ich es schlicht praktisch, dass ich zu diesem Thema keinen Erklärungs- oder Rechtfertigungsbedarf habe.


    Spannend ist für mich übrigens das Foren-Internet, weil ich da mit Leuten aus völlig unterschiedlichen Umfeldern zusammentreffe und häufig gar nichts zum Background weiß, sondern einfach nur die Statements lese und toll finden kann, ohne irgendwas Näheres über die Schreiber, denen ich im RL vielleicht nie näher gekommen wäre, zu wissen.

    Mein derzeitiger Freund übrigens, ist Arzt, ich selber bin Verkäuferin. Mein Freizeitverhalten würde ich akademisch einstufen, von Haus aus aber, auch ohne Eltern die aus studierten Kreisen kommen. Davor hatte ich einen Partner mit mittlerem Abschluss, auch dort sind wir "höheren"Aktivitäten nachgegangen, einfach aus gemeinsamen Interesse heraus (!). Ich wollte früher immer studieren, mein Weg verlief dann aber ganz anders als geplant. Und genau davon gibt es noch eine Menge anderer Leute, wie eben meinen Expartner z.B. wir haben dadurch halt ähnliche Verläufe, Interessen, Gemeinsamkeiten. Daher bin ich eben auch der Meinung das der Abschluss nicht immer die Aussage ist, wie ein Mensch sein wird. Das hat mich das Leben gelehrt.

    criecharlie

    Zitat

    Tatsächlich kenne ich aus meinem persönlichen Umfeld keine Beziehung, die eine lange Ehe wurde, wenn die Partner bildungstechnisch sehr auseinander waren. Das ging für ein paar Jahre gut,

    Hast Du nicht mal geschrieben, dass Dein Mann eigentlich Schlosser ist oder war? ":/ Hat er bildungstechnisch nachgerüstet oder wie passt das heute?

    Zwei Freundinnen von mir, die Akademikerinnen sind, die eine promoviert, sind mit Männern mit Ausbildungsberufen zusammen.


    Dass häufig gleiche mit gleichen zusammen sind liegt sicher auch daran, dass es vor allem im Rahmen der Ausbildung/ des Studiums mehr Gelegenheit gibt, zueinander zu finden.

    @ Liverpool:

    :)z :)^


    Der Gedanke kam mir auch: Was ist der "typische" Akademiker und warum kann ich nicht einfach so sein, wie ich bin? Wenn ich best. aussagen auf mich anwende, dann sitze ich immer zwischen den Stühlen: Diese "typischen" Akademiker-Dinge (hier klischeehaft mit Theater, Klassik & Wein umschreiben) sind nicht meins. Gleichzeitig wurde ich in der Nacharschaft (solides "Arbeiterviertel", nur eigene Häuschen) von klein auf gehänselt, weil ich gerne gelesen habe, weil meine Eltern mit mir viel unternommen haben (statt den Sonntag vor der Glotze zu verbringen). Ich habe nie 100% dazugepasst und gerade darum ist mir (nach langem Hadern und z.T. Verbiegen) sehr sehr wichtig, authentisch zu sein. Einfach ICH sein zu können, egal welche Bildungsschublade ich darstelle.

    @ Scarface:

    Zitat

    In der 7. Klasse hat mich mein Vater gefragt, als ich Klassik hörte, warum ich nicht solche Musik höre wie andere Jugendliche in meinem Alter. Als ich meine Eltern ins Theater einladen wollte zu Neujahr, wollten sie nicht mit.

    Wenn Du das authentisch bist, ist doch okay - aber sicherlich schwierig.


    Ich kenne leider auch etliche Akademiker mit einfacher Herkunft, die diese Dinge nicht unbedingt aus Eigenmotivation heraus mögen, sondern um dem Akademiker-Prototypen zu entsprechen. Die diese Dinge gar nicht so toll finden, aber es tun, weil "man es halt macht als Akademiker". Und die in diesem Bestreben leider ihren ggf. sehr einfachen Eltern dann gleich das Gefühl mitvermitteln, nicht gut genug zu sein. Bis hin zur klaren Äußerung, dass sie sich für ihre einfachen Eltern schämen. Offen abwertend sprechen. In Einzelfällen mag auch das zutreffend sein. In vielen Fällen tun mir die Eltern aber unglaublich leid, denn wenn sie als "einfache" Menschen es geschafft haben, ein Kind zum Akademiker zu machen, dann haben sie irgendwas richtig gemacht. und dann sind sie nicht einfach und verachtenswert (überspitzt formuliert), sondern haben irgendwo auch eine gewisse Kompetenz.