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    Dass häufig gleiche mit gleichen zusammen sind liegt sicher auch daran, dass es vor allem im Rahmen der Ausbildung/ des Studiums mehr Gelegenheit gibt, zueinander zu finden.

    War in meinem Fach bspw. nicht der Fall. Wir haben ca. 10% Männerquote...! ]:D

    Für mich geht keine Abwertung mit anderen Interessen und einem niedrigeren Bildungsabschluss einher. Da ich aus einer Familie mit einem "solchen Hintergrund" komme, kann ich auch durchaus - und in meinem Beitrag habe ich eigentlich versucht, das deutlich zu machen - zwischen Bildung und allgemeinen kognitiven Fähigkeiten unterscheiden. Mein Vater beispielsweise ist in meinen Augen ein praktisch sehr intelligenter Mann - gebildet oder bildungsbürgerlich interessiert ist er aber nicht. Das macht ihn nicht zu einem schlechteren Vater oder zu einem dummen Menschen. Es ist erwiesen, dass Intelligenzquotient und Bildungsabschluss häufig korrelieren. Das kann aber auch an der Art der Messung, d.h. an der Operationalisierung von Intelligenzkonstrukten liegen.


    Ich finde es nicht schlimm, wenn andere andere Interessen haben. Für mich ist das aber halt nix. Ich kann nichts für meine Interessen - die kamen einfach so. Bei mir gab es nicht einmal akademische Eltern, die mich dafür begeistert hätten. Ich kannte Mädchen, die Eiskunstlauf gemacht haben - so bin ich auf die klassische Musik gestoßen. Bei meiner Tagesmutter stand ein Klavier (keine Akademikerin übrigens), die Tochter spielte - so habe ich dann ebenfalls Klavierunterricht bekommen. Irgendwann habe ich zufällig Menschen gelernt, die die Fächer studieren, die ich heute studiere - so bin ich auf meine Studienfächer gekommen. In meinem Studienfach hatte ich einen Professor, der sich mit der Geschichte des Mittelalters und der Renaissance befasst hat - so habe ich Dante gelesen. Und so weiter.


    Ich verlange aber nicht, dass irgendwer, um ein guter Mensch sein zu können, zwingend meine Interessen teilt. Nur bei einem Partner würde ich dies als vorteilhaft betrachten. :)z Ich schließe aber Partner mit niedrigerem Bildungsabschluss nicht per se aus - ich könnte mir das, weil ich solche Erfahrungen gemacht habe wie beschrieben, nur einfach erstmal nicht vorstellen.

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    Wenn Du das authentisch bist, ist doch okay - aber sicherlich schwierig.


    Ich kenne leider auch etliche Akademiker mit einfacher Herkunft, die diese Dinge nicht unbedingt aus Eigenmotivation heraus mögen, sondern um dem Akademiker-Prototypen zu entsprechen. Die diese Dinge gar nicht so toll finden, aber es tun, weil "man es halt macht als Akademiker". Und die in diesem Bestreben leider ihren ggf. sehr einfachen Eltern dann gleich das Gefühl mitvermitteln, nicht gut genug zu sein. Bis hin zur klaren Äußerung, dass sie sich für ihre einfachen Eltern schämen. Offen abwertend sprechen. In Einzelfällen mag auch das zutreffend sein. In vielen Fällen tun mir die Eltern aber unglaublich leid, denn wenn sie als "einfache" Menschen es geschafft haben, ein Kind zum Akademiker zu machen, dann haben sie irgendwas richtig gemacht. und dann sind sie nicht einfach und verachtenswert (überspitzt formuliert), sondern haben irgendwo auch eine gewisse Kompetenz.

    ich bin authentisch so, ja. Meine Eltern sind mir auch "gut genug".


    Ich kenne aber ebenfalls das Gefühl, sich Akademikereltern zu wünschen. Das hängt bei mir aber nicht damit zusammen, dass ich mich für meine Eltern schämen würde (bis auf die üblichen Teenagerpeinlichkeiten habe ich mich nie für meine Eltern geschämt), sondern einerseits daran, weil man, wenn man so "zwischen den Welten wandelt" (und nichts anderes bedeutet es, sich in zwei unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus zu bewegen), oft weder im einen noch im anderen völlig verstanden wird. Ich wollte meinen Eltern meine Begeisterung für Geschichte zeigen und für die Philharmonie - das war nicht möglich, weil es sie nicht interessiert, ohne dass sie es kennen würden und weil sie dem gegenüber nicht offen sind. Dazu kommt, dass meine Eltern an einem Großteil meines Lebens nicht teilhaben können und konnten - sie können sich nicht vorstellen, was es heißt zu studieren oder was die Dinge bedeuten, mit denen ich mich beschäftige (auch in der Freizeit). Inzwischen bin ich Mitte / Ende 20 und das ist nicht mehr so schlimm. Anfang 20 und davor hätte ich das aber irgendwie noch gebraucht, dass meine Eltern an meinem Leben mehr teilgehabt hätten.


    Darüber hinaus liegt der Wunsch nach Akademikereltern bei mir an andererseits familiären Schwierigkeiten, bei denen ich mich manchmal frage, ob sie anders bzw. so nicht vorhanden wären, hätten meine Eltern einen höheren Bildungsgrad. Wahrscheinlich, weil ich eine "heile Familie" mit der Vorstellung assoziiere, die ich (bestimmt verfremdet) von "Akademikerfamilien" habe dementsprechend, wie ich meine Familie später gestalten würde (in der Theorie) oder wie ich es (ebenfalls verfremdet, da nur von außen) bei anderen Menschen mit Akademikereltern mitbekomme. Mir ist aber bewusst, dass diese familiären Schwierigkeiten so auch in vielen Akademikerfamilien vorhanden sein können und bestimmt sind.

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    Natürlich gibt es auch Akademiker, die ein eher "flaches" Freizeitverhalten an den Tag legen und umgekehrt auch Hauptschulabsolventen die sich für Kunst und Kultur interessieren.


    ABER das ist nicht die Mehrheit!

    Ich müsste mir jetzt nochmal ganz aktuelle Forschung dazu ansehen - ich glaube aber, dass es da zwischen Akademikern bestimmter Fächer noch einmal Differenzen gibt.


    An sich hast du aber natürlich Recht: da der Bildungsabschluss mit der sozialen Herkunft in Deutschland stark korreliert, haben Menschen aus Familien mit einem schlechteren ökonomischen Hintergrund und schlechterem Bildungsniveau gleichermaßen weniger Zugang zu höherer Bildung, obwohl der Zugang formal für alle gleich offen ist. Höhere Bildung richtet sich nun mal insbesondere nach der Sprache und der Kultur ökonomisch besser gestellten Milieus - kommt wohl vom Bürgertum der frühen Neuzeit und der frühen Moderne. So sind Kinder aus solchen Milieus von Anfang an privilegiert. Auch dann, wenn der Zugang allen offen ist.


    Es ist aber meist schwierig, dies Menschen aus solchen besser gestellten Milieus zu erklären. Für viele ist offener Zugang gleich offener Zugang. Dass kein Mensch darauf kommt, z.B. Soziologie zu studieren, wenn er in seinem Umfeld und im Verlauf seines Lebens niemals gelernt hat, was das überhaupt ist und dass Kinder z.B. tendenziell seltener Bücher lesen, wenn die eigene Familie Bücher als Freizeitvergnügen kategorisch ausschließt oder das Lesen als Freizeitbeschäftigung schlichtweg nicht vorkommt, leuchtet Menschen mit privilegierter Herkunft oft nicht ein. Es kann nicht jeder alles schaffen, obwohl formal jeder alles schaffen könnte. Das ist Fakt.


    Bourdieu nennt das "soziales, kulturelles, ökonomisches und symbolisches Kapital", das ein Mensch besitzt - schon dann, wenn er nur geboren wurde und noch nie eine öffentliche Erziehungseinrichtung von innen gesehen hat.


    Ich hatte Gott sei Dank eine lesende Mutter. Allerdings populäre Krimis und Psychothriller - nix mit Weltliteratur. Ich verurteile das nicht. Ich möchte nur sagen: ich bin über außerfamiliäre Kontakte auf meine Interessen gestoßen.

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    Bourdieu nennt das "soziales, kulturelles, ökonomisches und symbolisches Kapital", das ein Mensch besitzt - schon dann, wenn er nur geboren wurde und noch nie eine öffentliche Erziehungseinrichtung von innen gesehen hat.

    @ Zimtkeks77

    Nachtrag: Das, was du als soziales Gefühl beschrieben hast, nennt Bourdieu "Habitus". Eine bestimmte Art vom Ausdruck der Körperlichkeit in Kleidungsstil, Art zu sprechen, Überzeugung - die Art des Entäußerns einer Person - die auf ihre "soziale Klasse" Rückschlüsse ziehen lässt. Er geht davon aus, dass diese "Haltung" in Form des Habitus' im Laufe der Kindheit "inkorporiert" wird. Bourdieu geht davon aus, dass man einen anderen Habitus nicht so einfach erlernen oder imitieren kann, ohne dass es auf die originalen Träger dieses Habitus' verfremdet wirkt. :)z

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    Ich verlange aber nicht, dass irgendwer, um ein guter Mensch sein zu können, zwingend meine Interessen teilt. Nur bei einem Partner würde ich dies als vorteilhaft betrachten.

    Interessen im engeren Sinne oder eher grob? Mein Freund ist ein ziemliches Geschichtsgenie, da stehe ich wie ein historischer Analphabet daneben. Er guckt mich manchmal ratlos an und frgt, wie "so jemand" Abitur haben kann. Tja, war nicht mein Fach. Durch ihn komme ich aber langsam rein... Umgekehrt bin ich mehr der fremde Länder/Kulturen-Mensch, und da kommt er langsam auf den Geschmack (wobei er auch 2 Jahre zur See gefahren ist und etliche Ecken in Afrika und Asien kennt). Wir teilen diese Interessensgebiete im Detail sicherlich nicht. Aber ganz grundsätzliche Interessen, wie abseits von Touri-Pfaden wandeln beim Sightseeing etc.

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    Ich kann nichts für meine Interessen - die kamen einfach so. Bei mir gab es nicht einmal akademische Eltern, die mich dafür begeistert hätten. Ich kannte Mädchen, die Eiskunstlauf gemacht haben - so bin ich auf die klassische Musik gestoßen. Bei meiner Tagesmutter stand ein Klavier (keine Akademikerin übrigens), die Tochter spielte - so habe ich dann ebenfalls Klavierunterricht bekommen.

    Das war bei mir auch so: Musikunterricht und andere Aktivitäten basierten auf meinem Drängen - aber meine Eltern waren da offen und es ging finanziell. Wobei ich sagen muss: Meine Ma kommt aus Polen, war Halbwaise (kriegsbedingt). Sie hat da eine sehr gute Bildung bekommen und wollte immer studieren, was wg. Übersiedlung als Teenie dann nicht ging. Aber auch sie hat sich damals schon gegendie naheliegende Lösung (Fabrikjob) gewehrt und Handelsschule und Ausbildung absolviert, als man sie schnell zum Arbeiten schicken wollte. WAs mir gerade bewusst wird: Auch aus meinem Vater hätte mehr werden können. Wurde es in einem gewissen Rahmen ja auch, aber er war ab dem 7. Lebensjahr Vollwaise und ist bei der ältesten, sehr hartherzigen Schwester aufgewachsen. Die ihn nur scnell unabhängig haben wollte. Ich denke, aus dieser Sehnsucht bei beiden Eltern (und den erlebten Grenzen) resultierte eine gewisse Offenheit im maximal möglichen Rahmen. Es sind auch Menschen, die keine Hemmungen im Umgang mit Akademikern haben; sich gut auch dort bewegen können. Probleme, die es bei mir in der Familie gibt, resultieren eher aus Krankheiten (was v.a. meinen Vater betrifft).

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    Ich kenne aber ebenfalls das Gefühl, sich Akademikereltern zu wünschen. Das hängt bei mir aber nicht damit zusammen, dass ich mich für meine Eltern schämen würde (bis auf die üblichen Teenagerpeinlichkeiten habe ich mich nie für meine Eltern geschämt), sondern einerseits daran, weil man, wenn man so "zwischen den Welten wandelt" (und nichts anderes bedeutet es, sich in zwei unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus zu bewegen), oft weder im einen noch im anderen völlig verstanden wird. Ich wollte meinen Eltern meine Begeisterung für Geschichte zeigen und für die Philharmonie - das war nicht möglich, weil es sie nicht interessiert, ohne dass sie es kennen würden und weil sie dem gegenüber nicht offen sind. Dazu kommt, dass meine Eltern an einem Großteil meines Lebens nicht teilhaben können und konnten - sie können sich nicht vorstellen, was es heißt zu studieren oder was die Dinge bedeuten, mit denen ich mich beschäftige (auch in der Freizeit). Inzwischen bin ich Mitte / Ende 20 und das ist nicht mehr so schlimm. Anfang 20 und davor hätte ich das aber irgendwie noch gebraucht, dass meine Eltern an meinem Leben mehr teilgehabt hätten.

    Diese Zerrissenheit kenne ich auch. Habe mir dennoch die Akademikereltern gewünscht, interessanterweise. Meine Eltern waren - trotz spätem Studium - recht nah an meinem Leben dran. Mein Vater weniger (da zu dem Zeitpunkt weniger offen); meine Ma ist aber bis heute sehr nah an allem dran; erfährt viele Details.

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    wenn er nur geboren wurde

    Ich glaube, an dem Wörtchen "nur" würde sich die Mutter des/der Betreffenden zu Recht stören... %:| ;-)

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    dass man einen anderen Habitus nicht so einfach erlernen oder imitieren kann, ohne dass es auf die originalen Träger dieses Habitus' verfremdet wirkt.

    Genau, bei so einem echten Understatement mit abgerissenen Klamotten stört dann immer noch der Brilli am kleinen Finger ;-D ;-D




    Also zu dem, was ich z.B. in einer Beziehung auf der geistigen Ebene brauche, gehört glaube ich schon intelligente Kommunikation gerne mit etwas Fantasie und Tiefgang, und noch so manches andere natürlich. Aber misst sich das am Bildungsabschluss? Nein, würde ich sagen.


    Ja, und ich kannte mal jemanden mit Hauptschulabschluss, der ist so feinsinnig wie noch was. Und wenn man sich vor Augen führt, wie unzureichend das staatliche Schulsystem oft auf die Schüler und ihr individuelles Potenzial eingeht, erkennt man auch das als einen Grund, dass nicht jeder, der es könnte, einen "höheren" Abschluss erwirbt.


    Außerdem ist es klar, dass für jemanden aus einem "Nicht-Buchbürgertum"-Umfeld der Sprung ins Umfeld Uni+Bücher+Bibliotheken etc. viel größer ist. Mir wäre das auch ein wenig unheimlich. Aber falls das jemand hier liest, der sich ein Studium überlegt: Es sind bloß Bücher! ;-) :)z Das ist auch nicht anders, als wenn einer redet: Manche Bücher sind sehr intelligent und in anderen wird nur pseudo-intelligent geschwafelt, und alle haben sie eins gemeinsam: Sie sind geschrieben worden, um gelesen zu werden. Also keine Angst o:)


    Liebe Grüße

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    Natürlich gibt es auch Akademiker, die ein eher "flaches" Freizeitverhalten an den Tag legen und umgekehrt auch Hauptschulabsolventen die sich für Kunst und Kultur interessieren.


    ABER das ist nicht die Mehrheit!

    Sagt wer ;-) ?

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    Wenn man in der Oper oder im Musical eine Umfrage starten würde, welche Berufe/Abschlüsse die Besucher haben...Dann verwette ich meinen Hintern darauf, dass es mehrheitlich höhere Abschlüsse sind. Und mein Hintern würde sicher nicht abfallen. ;-D

    Solange du so eine Umfrage nicht machst, ist es recht einfach, eigene Körperteile auf das Ergebnis zu verwetten ;-) .


    Im Übrigen geht mir so ziemlich am Arsch vorbei, was die Mehrheit will und macht. Wenn ich einen Menschen kennenlerne, will ich ihn verstehen, nicht verurteilen.

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    1.Menschen mit geringeren/ höheren Bildungsabschlüsse kommen oft aus Familien, in denen es ähnlich ist. Sprich ein bestimmtes Freizeitverhalten wurde schon in der Kindheit vorgelebt und wird somit adaptiert und als "normal/gängig" eingestuft.

    Mein Vater ist Akademiker und geht weder ins Theater, noch trinkt er gerne Wein, noch besucht er klassische Konzerte. Mein Opa hingegen, Bergmann, liebt Weinverkostungen, geht gerne wandern und reisen, besucht unterschiedlichste Restaurants und Museen. Wer von den beiden ist jetzt der Idiot ]:D ? Niemand, ich weiß. Vielleicht habe ich an diesen Vorbildern gelernt, dass dein Abschluss nichts bedeutet, geht es um deine Interessen. So gesehen hast du Recht: Wenn deine Familie dir vorlebt, dass nur Akademiker "Niveau" haben und dann auch noch, dass Niveau sich an so Banalitäten wie der Hobby-Vorliebe zeigt, dann glaubst du das, bis du es hinterfragst.

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    2. Bestimmte Freizeitunternehmungen erfordern neben Interesse auch finanzielle Mittel. Ich weiß von meiner Frisörin, dass sie wenig Gehalt bekommt. Sicherlich gibt sie nicht mal eben 80€ für ein Ticket aus oder besucht einen teuren Weinprobeabend.


    (Ich finde es tatsächlich sogar ungerecht und schade, dass er Berufe gibt, in denen trotz Vollzeit das Gehalt kaum oder nicht reicht u man auf den Partner angewiesen ist. Das nur am Rande...)

    Das ist so das einzige Argument von dir, was ansatzweise greift. Trotzdem kannst du auch mit wenigen Mitteln viel erleben. Du musst nur etwas findiger sein, Restkarten erwerben, nach kostenlosen Veranstaltungen suchen.


    Und: Auch einige Akademiker sind Geringverdiener oder finden einfach keinen Job. Eine sehr netter Kollege meiner Mutter, studierter Paläontologe, fand nach dem Studium keinen Job und stieg dann in die Dienstleistungsbranche ein. Und es gibt eben auch Steuerberater oder Fluglotsen, die sehr, sehr gut verdienen.

    Ich habe sowas tatsächlich auch schon erlebt, dass ich dachte: "Ich gehöre nicht dazu." Das war aber sowohl in Gruppen, die "sozial" "über" mir standen der Fall als auch in Gruppen die "unter" mir standen. Anders herum habe ich auch schon wahnsinnig netten Kontakt zu Menschen gepflegt, bei denen ich gar nicht weiß, ob sie studiert haben, die es nicht haben, die es haben... Die haben es einfach nicht raushängen lassen. Ich muss zugeben, dass ich es nicht besonders mag, wenn jemand mich sehr früh nach meinem beruflichen Werdegang fragt oder das auch selbst erzählt. Ich bin da ja schließlich nicht bei einem Vorstellungsgespräch, sondern dabei, eine Bekanntschaft/Freundschaft aufzubauen. Da ist mir das egal. Ich verurteile auch niemanden, bei dem ich durch das weitere Gespräch den Eindruck gewinne, er fragt wirklich nur aus Interesse und/oder sein Job ist halt seine Leidenschaft. Wenn ich aber den Eindruck bekomme, sein und mein Job wird vom Gegenüber her immer wieder Thema und es geht da einfach ums Status abklopfen, werde ich sauer.

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    Und nein, ich möchte definitiv nicht zu meinem Partner aufschauen müssen.


    Das sollte sich etwa auf Augenhöhe bewegen.

    Ich glaube, das will niemand. Die Frage ist ja nur, woran man die Augenhöhe festmacht. Welche Kriterien dazu taugen und welche nicht.

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    Ich glaube, an dem Wörtchen "nur" würde sich die Mutter des/der Betreffenden zu Recht stören... %:| ;-)

    Soll ausdrücken, bevor irgendeine außerfamiliäre institutionelle Erziehung stattgefunden hat, wie der weiterführende Satz verrät.

    Zitat

    Genau, bei so einem echten Understatement mit abgerissenen Klamotten stört dann immer noch der Brilli am kleinen Finger ;-D ;-D

    Das Konzept ist von Bourdieu durchaus ernstgemeint, bezieht sich nicht nur auf Äußerlichkeiten und heißt natürlich auch, dass jemand aus einem besser gestelten sozialen Milieu den Habitus schlechter gestellter Milieus sich so einfach nicht aneignen kann, ja.


    Wenn das jedoch witzig gewesen sein sollte: irgendwie nicht mein Humor. :)D ??? ;-D

    @ Cinnamon

    Huhu...


    Mit Sicherheit gibt es dazu Untersuchungen, ich bin nur gerade zu faul im Netz danach zu googeln. ;-D


    Wie ich schrieb: Meine Herkunftsfamilie ist unakademisch und zusätzlich eher in der "Arbeiter"Gruppe vertreten. Durch mein Studium/Beruf habe ich viele Kontakte geschlossen, mein Freundes-und Kollegenkreis sind mehrheitlich akademisch geprägt. Somit kann ich also aus nächster Nähe berichten, wie das Freizeitverhalten in der einen bzw der anderen Gruppierung ist.


    Und genau das stützt die drei von mir aufgestellten "Erklärungsansätze."


    In meiner Herkunftsfamilie sind Musical, Oper, Fernreisen eher nicht vertreten. Erstens weil es eben nicht gängig ist und zweitens weil die finanziellen Mittel nicht dafür da sind.


    Bei meinen Kollegen/ Freunden ist das Freizeitverhalten durchaus wie beschrieben.


    Damit werte ich aber nicht!


    Meine Herkunftsfamilie weiß wie man mit den Händen arbeitet, selbst ein Haus mauert, Auto repariert usw, die anderen hingegen sind mit den Händen nicht so fit. Die bezahlen jemanden, der es macht. ;-)


    Doch die Bildung ist ein Teil von "Auf Augenhöhe sein." Für mich jedenfalls. Dabei muss der Abschluss nicht identisch sein...es gibt ja eine Vielzahl von alternativen Wegen zum Abschluss bzw Beruf.


    Aber Hauptschule versus Studium ist eben eher nicht auf Augenhöhe.


    Jedoch kann Abitur mit beruflicher Weiterbildung zum Meister/Betriebswirt versus Studium schon auf Augenhöhe sein.

    Ergänzung: "Aber falls das jemand hier liest, der sich ein Studium überlegt, dem das wegen des ganzen Umfelds mit Bibliothek und Leserei unheimlich ist usw."


    Da sieht man's mal - das halbe Wohnzimmer voller Bücher und trotzdem den halben Gedankeninhalt in dem Satz nicht hingeschrieben :=o

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    Das hängt bei mir aber nicht damit zusammen, dass ich mich für meine Eltern schämen würde

    Das wiederum liegt meines Erachtens übrigens daran, dass ich wahrscheinlich aus einem finanziell besser gestellten Milieu komme. Es gibt keinen Grund, sich für eine solche Herkunft zu schämen.


    Es muss sich natürlich niemand für seine Herkunft schämen, aber es gibt doch ungleich viele, die es unter bestimmten Bedingungen tun. Bei mir greifen solche Bedingungen durch den finanziellen Hintergrund allerdings kaum. Ich hoffe, es wird richtig verstanden.


    Ich bin generell der Ansicht, dass ich mich in meinem akademischen Werdegang nur deshalb so leicht getan habe, weil das Finanzielle immer geregelt war. Wenn man sich den Zugang noch nicht mal finanziell locker leisten kann und erst umständlich bei Behörden anklopfen muss, wird es richtig schwierig. Insbesondere für Kinder und jüngere Jugendliche, die das noch nicht selbst machen können.

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    wenn er nur geboren wurde und noch nie eine öffentliche Erziehungseinrichtung von innen gesehen hat.

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    Soll ausdrücken, bevor irgendeine außerfamiliäre institutionelle Erziehung stattgefunden hat, wie der weiterführende Satz verrät.

    Nein. :-) Das "verrät" der Satz nicht. Das kann man so interpretieren (ich gebe auch zu, dass es naheliegend ist), es ist aber keineswegs eindeutig. Es könnte auch gemeint sein, er wurde "nur geboren und nicht gebildet, was so viel heißt wie, dieser nun mehr z.B. fünfzigjährige Tropf hat eben nun mal noch nie eine öffentliche [...]".


    Und vor allem ist die Formulierung ziemlich knapp und damit irreführend: "Nur" lässt sich pejorativ oder temporal interpretieren. Um Deine Interpretation zu verdeutlichen müsste da z.B. stehen: "Wenn er erst geboren wurde und noch nie [...]". Das würde den von Dir gesehenen Sinn dieses Satzes verdeutlichen.

    Zitat
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    Genau, bei so einem echten Understatement mit abgerissenen Klamotten stört dann immer noch der Brilli am kleinen Finger ;-D ;-D

    Das Konzept ist von Bourdieu durchaus ernstgemeint, bezieht sich nicht nur auf Äußerlichkeiten und heißt natürlich auch, dass jemand aus einem besser gestelten sozialen Milieu den Habitus schlechter gestellter Milieus sich so einfach nicht aneignen kann, ja.


    Wenn das jedoch witzig gewesen sein sollte: irgendwie nicht mein Humor.

    Jaja, das ist mir schon klar, dass das ernst gemeint ist. Vielleicht könnte man auch sagen: Das ist ähnlich schwer, wie einen fremden Dialekt perfekt zu sprechen. Der Dialekt-Muttersprachler hört eben immer, wenn etwas nicht ganz stimmt. - Oder optisch eben, wenn einer den Ring mit dem Brilli vergessen hat abzunehmen ;-D Und ja, ich finde das sehr witzig, mir das bildlich vorzustellen. Da kann man wunderbare Szenen draus bauen, ja eine ganze Geschichte. Warum muss sich der Spross aus adliger Familie wie ein Chamäleon ins kriminelle Milieu einfinden? Hat vielleicht der mit der Mafia liierte Bruder seiner Angebeteten das...hmm... kostbare Gemälde seiner Großmutter geklaut, das schnellstens wieder herangeschafft werden muss, damit das gesundheitlich fragile Senior-Familienoberhaupt nicht der Schlag trifft, sobald es merkt, dass es verschwunden ist? Was wird unser junger Mann über sich selbst und die Welt - und seine Liebste - erfahren? Es wird spannend, es wird spannend ;-D


    Ja, ich liebe gute Geschichten - und ob sie jemand mit oder ohne Universitätsabschluss geschrieben hat, das ist mir sowas von egal ;-D:)=