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    Und, wenn Du erlaubst, mich interessiert es an dieser Stelle viel mehr, die Verständnismöglichkeiten dieses Satzes aufzudröseln. Ich habe nämlich immer noch nicht genau verstanden, ob Du die zweite sprachliche Verständnismöglichkeit, die ich aufzeige, auch sehen kannst - bisher habe ich den Eindruck, Du siehst nur die eine, und ich würde gerne verstehen, warum.

    Nein, nicht wirklich, nur (^^) mit viel Fantasie. Die Bewertung oder Konnotation der Worte spielt für den Inhalt und seine Wahrheit in meiner Aussage keine Rolle - da geht es eher um die spachstrukturelle Ebene.


    Die zeitliche Abfolge ist schlichtweg egal, sprachstrukturell machen beide inhaltliche Verständnismöglichkeiten den Satz wahr und entsprechen Bourdieus Theorie, weshalb ich den Satz vermutlich unbewusst auch so gebildet habe.


    Eine Konjunktion (erkennst du am "und") ist nur dann wahr, wenn beide ihrer Komponenten wahr sind. Der Aufbau des Satzes impliziert insgesamt eine Implikation (wenn -> dann) (der dann-Satz ist die Konjunktion), die dann falsch ist, wenn ihre Dann-Bedingung falsch ist. Damit der Satz als solches wahr ist, muss also die Konjunktion wahr sein, wozu beide ihrer Teilaussagen wahr sein müssen.


    Das ist jetzt nur die sprachliche Struktur. Nicht die Semantik.


    Eine Abwertung, selbst, wenn sie enthalten sein sollte (was sie nicht ist - mit Minderwertigkeitskomplexen kann man da bestimmt alles reininterpretieren - nicht auf dich bezogen, sondern generell), spielt keine Rolle in der Wahrheit des Satzes. Ein "nur" ist außerdem doch - btw - nicht per se abwertend - seine abwertende Konnotation bekommt es nur () durch den Kontext. Ich kann auch nur ein guter Mensch sein. Oder nur nett. "Nur" ist übrigens nicht temporal interpretierbar. Es ist einfach nur () eine Einschränkung von etwas bzw Beschränkung auf etwas. Und das hat nicht zwingend mit negativer Konnotation zu tun. Sprachliche Konnotationen sind immer sozial bedingt, nicht unbedingt rein sprachlich und sprachstrukturell schon gar nicht (wenn auch bestimmt Sprachstrukturen selbst negativ konnotiert sein können - jetzt wird es komplex ^^).

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    Ich habe Dich jetzt so verstanden, dass der Bewusste geboren und noch nicht gebildet wurde, weil er noch zu jung dafür ist. Er könnte es also theoretisch noch werden.

    Ja, das ist auch so und mit einem entsprechend Abschluss würde sein kulturelles Kapital steigen. Beide Verständnisvarianten sind nach Bourdieus Theorie richtig. Das gleicht jedoch (jetzt wird es aber detaillierter als zuvor) nicht aus, was er sonst so an Kapital mitbekommen hat. Letzteres spielte aber für meine Aussage keine gesonderte Rolle.


    Und auch hier ist die Bewertung der Ereignisse völlig egal.

    Da hat es die Formatierung verhauen. Bei dem hochgestellten, kleinen Satz, sollte eigentlich ein ^^ in Klammern hinter dem "nur" stehen. ^^'


    Ich hoffe, es ist trotzdem noch verständlich. Wenn nicht, bitte Bescheid geben, dann poste ich es noch einmal richtig.

    Huhu Zimtkeks *:)

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    Mit Sicherheit gibt es dazu Untersuchungen, ich bin nur gerade zu faul im Netz danach zu googeln. ;-D

    ;-D

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    Wie ich schrieb: Meine Herkunftsfamilie ist unakademisch und zusätzlich eher in der "Arbeiter"Gruppe vertreten. Durch mein Studium/Beruf habe ich viele Kontakte geschlossen, mein Freundes-und Kollegenkreis sind mehrheitlich akademisch geprägt. Somit kann ich also aus nächster Nähe berichten, wie das Freizeitverhalten in der einen bzw der anderen Gruppierung ist.


    Und genau das stützt die drei von mir aufgestellten "Erklärungsansätze."

    Ich glaube dir schon, dass du diese Interessenunterschiede feststellst - ich glaube aber nicht, dass das mit der Bildungsschicht zu tun hat.

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    In meiner Herkunftsfamilie sind Musical, Oper, Fernreisen eher nicht vertreten. Erstens weil es eben nicht gängig ist und zweitens weil die finanziellen Mittel nicht dafür da sind.

    Es kann ja durchaus sein, dass das nicht gängig ist. Meine Interessen entstehen ja aber nicht durch meinen Bildungsabschluss, sondern sind halt einfach da oder auch nicht. Teure Hobbies... klar, da kann deine Familie dann nicht mithalten, aber man kann auch abends in eine Bar gehen und sich ein nettes Jazz-Konzert (oder was die Oberschicht halt so tut ]:D ) anhören, ohne viel dafür zu bezahlen. Und, wie ich immer wieder schrieb: Akademiker verdienen nicht grundsätzlich besser als Nicht-Akademiker.

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    Doch die Bildung ist ein Teil von "Auf Augenhöhe sein." Für mich jedenfalls. Dabei muss der Abschluss nicht identisch sein...es gibt ja eine Vielzahl von alternativen Wegen zum Abschluss bzw Beruf.


    Aber Hauptschule versus Studium ist eben eher nicht auf Augenhöhe.


    Jedoch kann Abitur mit beruflicher Weiterbildung zum Meister/Betriebswirt versus Studium schon auf Augenhöhe sein.

    Ich verstehe halt noch immer nicht, was da die Augenhöhe sein soll. Was macht einen Arzt, der Zuhause der totale Prollo und Säufer ist, zu einem angemesseneren Partner gegenüber einem Maurer, der sich gerne Vivaldi anhört und regelmäßig Lesungen besucht?

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    Was macht einen Arzt, der Zuhause der totale Prollo und Säufer ist, zu einem angemesseneren Partner gegenüber einem Maurer, der sich gerne Vivaldi anhört und regelmäßig Lesungen besucht?

    Diese Optionen kommen in den meisten Schubladen überhaupt nicht vor, das ist das Problem.


    Den Maurer interessieren immer die drei fs und Bier und Ballermann und der Arzt ist immer der eloquente Schöngeist.

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    Diese Optionen kommen in den meisten Schubladen überhaupt nicht vor, das ist das Problem.


    Den Maurer interessieren immer die drei fs und Bier und Ballermann und der Arzt ist immer der eloquente Schöngeist.

    Bis F*cken bei den "drei fs" bin ich gekommen, der Rest erschließt sich mir da jetzt nicht ;-D .


    Aber lebt es sich nicht furchtbar unangenehm mit solchen Schubladen? Ich mag zumindest an meinem Leben, dass ich mit allen Menschen sprechen und Gemeinsamkeiten finden kann - und auch Unterschiede, klar. Aber das Besondere zu finden, im anderen, in sich selbst, macht das Leben doch so einzigartig! Wenn ich da schon mit Vorurteilen rangehe, erfahre ich doch nie ein Gefühl von Ganzheitlichkeit.


    Vorurteile begleiten und alle, aber es ist auch an uns, uns immer wieder zu hinterfragen und für neue Erfahrungen offen zu sein. It will blow your mind!

    @ :)

    @ kleiner_drachenstern

    @ Cinnamon4

    Es geht hier ja auch um Tendenzen, nicht um Kategorien, in denen alle Menschen unveränderlich, je nach Eigenschaft, drinstecken. Und dass solche Tendenzen gegeben sind, zeigt uns die empirische Sozialforschung, die methodisch begründet wissenschaftlich arbeitet, nicht nach Bauchgefühl und Alltagserleben (wenn letzteres die Auswahl bestimmter Forschungsfragen und Hypothesen sicherlich auch beeinflusst).


    Das ist wie mit Organen: jeder hat welche, aber selbst operieren bei Krankheit kann sich keiner. Nur, weil wir alle im Alltag mit sozialen Phänomenen in Kontakt kommen, heißt das nicht, dass es keiner Wissenschaft dafür bedarf. Und Wissenschaft heißt in der Regel auch nicht, dass unumstößliche Gesetze aufgestellt werden - insbesondere in der Sozialwissenschaft geht es immer nur um Gesetzmäßigkeiten. Das ist etwas anderes.

    gauloise

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    Mein Freundeskreis ist sehr bunt durchmischt, da ist alles dabei. Gemeinsam haben wir, dass alle offen, neugierig und stark interessiert an neuem Wissen und neuen Erfahrungen sind. Wir sind mittlerweile alle um die 50 - und haben nie aufgehört, uns neues Wissen anzueignen. Haben wir auch nicht vor, solange wir können.

    Bei mir ist es ähnlich, wobei mein Freundeskreis auch vom Alter durchmischt ist. Aber wie schon erwähnt, so weiß ich nicht einmal von allen, welche Ausbildung sie überhaupt haben.

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    Wenn ich die hier erwähnte Kombi von Theater, Musical und Weinprobe nur höre, kräuseln sich mir die Fußnägel vor Langeweile. Das hat doch nichts mit Bildung zu tun, das sind unterschiedliche Interessen.

    Vor allem, zumindest ist es bei mir so, wusste ich größtenteils in der Hauptschule, welche Interessen ich habe. :-/

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    Mein Mann hat mal irgendwann in grauer Vorzeit einen miesen Hauptschulabschluss hingelegt, danach erst eine handwerkliche, später noch eine IT-Ausbildung gemacht. Der Mann ist umfassend gebildet, hochintelligent und mir im Denken über, schluchz.

    Es gibt umfassend gebildete Menschen, die keinen Nagel in die Wand schlagen können und/oder keine Unterhaltung führen können, genauso gibt es wie man es früher sagte, Fachidioten. Die haben ein tiefes Wissen, genau auf einem Gebiet – ihrem Beruf, über die sie sich auch notfalls mit anderen unterhalten können. Also sagt das über einen Akademiker auch nichts aus, wenn er nur ein Interesse hat.

    Bis zu dem Faden war mir übrigens gar nicht klar dass die aufgezählten Interessen beinah ausschließlich Akademikern zugeordnet werden, deswegen schrieb ich das mit meiner Mama. Es war für mich immer ziemlich normal und hatte nichts mit dem Schulabschluss zu tun, noch nie drüber nachgedacht.


    Muss ich mich mal mit ihr unterhalten...

    M.E. ist "Elitedenken", was auch immer genau mit Elite gemeint ist, auch eine Art Luxusproblem.


    Wenn morgen ein Krieg beginnen würde - Gott bewahre - und niemand hätte mehr irgendetwas Materielles bis auf die zerfetzte, schmutzige Kleidung an seinem Körper,


    würden völlig andere Werte wieder wichtig werden, welche das auch immer sein mögen...


    Menschen, die schonmal richtig Sch*** gefressen haben, denken und fühlen anders, als jene, die sorglos mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurden. Gibt logischerweise auch beides oder keines von beiden.


    Am Ende ist die Frage: was ist wichtig für Dich im Leben.


    Die andere vielleicht auch: schaffst Du es, Dich von der Meinung Deiner Eltern abzugrenzen und mit ihrer Reaktion umgehen zu lernen.


    Vielleicht sogar zu verstehen, warum Deine Eltern so ticken. Manchmal grenzt man sich ab vor Neidern, ich glaub das ist nicht selten für Menschen, die (vermeintlich) "mehr" haben oder "mehr" sind von anderen eben auch "beneidet" werden und sich irgendwie "bedroht" fühlen. Da grenzt man sich natürlich ab und geht sich aus dem Weg.


    Du tickst offenbar anders und es ist vielleicht Dein Anliegen hinter Deiner Frage, mit welchen Argumenten und wie Du es erfolgreich schaffst, Dich von dem zu befreien, was Deine Eltern versucht haben, Dir einzuimpfen ohne mit ihnen zu brechen, damit Du ein glückliches und selbstbestimmtes Leben (ohne schlechtes Gewissen gg. Deine Eltern) mit Deinen (neuen?) Partner führen kannst.


    Was immer schwer fällt ist den Eltern zu widersprechen, wenn man weiß, dass man damit auch Rückhalt und Unterstützung verliert und dann vielleicht "allein" dasteht.

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    Eine Konjunktion (erkennst du am "und") ist nur dann wahr, wenn beide ihrer Komponenten wahr sind. Der Aufbau des Satzes impliziert insgesamt eine Implikation (wenn -> dann) (der dann-Satz ist die Konjunktion), die dann falsch ist, wenn ihre Dann-Bedingung falsch ist. Damit der Satz als solches wahr ist, muss also die Konjunktion wahr sein, wozu beide ihrer Teilaussagen wahr sein müssen.


    Das ist jetzt nur die sprachliche Struktur. Nicht die Semantik.

    Vorsicht, da musst Du zwischen Linguistik und Logik unterscheiden. Sprachwissenschaftlich betrachtet ist das Bindewort selbst (das auch etwa "oder" oder "dass" lauten kann statt "und") die Konjunktion.

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    Vor allem, zumindest ist es bei mir so, wusste ich größtenteils in der Hauptschule, welche Interessen ich habe. :-/

    Ja, das Ding ist halt eben, dass diese Interessen nicht aus dem Null und Nichts oder einzig auf Basis deines Charakters entstehen, der wiederum auch nicht aus Null und Nichts und nur Genpool besteht, sondern gleichsam immer gewisse soziale Voraussetzungen und Entwicklungsbedingungen hat.


    Und da muss man sich eben fragen, welche sozialen Bedingungen und Konstellationen hinter bestimmten Interessen und Lebenswegen stehen, bzw. wie genau der Einfluss sich da gestaltet.

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    Vorsicht, da musst Du zwischen Linguistik und Logik unterscheiden. Sprachwissenschaftlich betrachtet ist das Bindewort selbst (das auch etwa "oder" oder "dass" lauten kann statt "und") die Konjunktion.

    Ja, natürlich. Es ist doch aber aus dem Kontext klar, dass es sich hier um eine aussagenlogische Betrachgung handelt, nicht um eine linguistische. Ich kann natürlich noch erwähnen, dass manche (sprachstrukturelle) Konjunktionen auch anders aussehen.


    [...]

    @ cinnamon4:

    Die fehlenden beide fs sind Fußball und fernsehen ;-)

    @ scarface:

    schon klar. Interessant wäre ein soziologische Untersuchung der Relation Oper/Theater/Wein und Akademiker bei der Gruppe u40, ich denke da würde es ganz anders aussehen.