Servus Kerstin,


    Zt:"...Ist meine behinderung für männer wirklich so abstoßend?


    Schreibt mal eure Meinung..."


    ich habe mir dein Beitrag durchgelesen und ehrlich versucht herauszufinden


    ob eine Frau mit einem Bein fuer mich in Frage kommt.


    Und ich muß zugeben mir sind gleich zu Beginn negative Assoziationen


    gekommen.


    - was wuerden meine Freunde sagen


    - könnte diese Frau fuer Kinder und Haushalt sorgen


    - ist da irgendeine Krankheit warum sie nur ein Bein hat


    vererbt sich da etwas


    - Angst auf irgendwas verzichten zu müssen


    (z.B. gemeinsam tanzen)


    "Dibbuk" meinte das manche Männer eine körperliche Behinderung an einer Frau


    mit etwas positivem verbinden.


    Ich würde sagen diese PErsonen sind mit Vorsicht zu genießen.


    Vielleicht appelliert eine Behinderung besonders an den Beschützerinstinkt


    des Mannes.


    Was ich hier schreibe ist auf keinen Fall boese gemeint, aber ich denke du wolltest


    wissen was Männer wirklich denken wenn sie sich nach Frauen umsehen und dich betrachten.


    Ich kann halt nur fuer mich schreiben.


    Aber ich wuerde jetzt nicht in einer Disco, Kneipe eine körperbehinderte


    Frau ansprechen. Die Hemmungen waeren zu groß.


    Könnte ich mich trotzdem verlieben wenn der Rest stimmt ? Ich glaube schon,


    aber schwerer.


    Total abraten würde ich dir von Kontaktanzeigen, Suchen uebers Internet usw.


    und insbesondere davon Leute hier aus dem Forum kennen zu lernen.


    Gruß


    David

    Laber

    Es mag sein, daß ich das "Thema" verfehlt habe, wie Du es nennst; ich hatte geglaubt, dem durch die anfangs getroffene Einschränkung genügend vorgebeugt zu haben. Ich habe auch nur versucht, mich für einen Moment in Kerstins Lebenssituation hineinzufühlen, und hoffe, nicht den Menschen verfehlt zu haben.


    Es ist rein hypothetisch, ich weiß, aber ich könnte nicht erklären, was damals war zwischen meiner Lebensfrau und mir. Am Anfang war ein wohl dreistündiges Telephonat. Zunächst ging es um eine bestimmte Arbeit, später fanden wir aus dem Gespräch sozusagen nicht mehr heraus. Ich glaube, daß in diesem Gespräch die Würfel fielen, ein für allemal. An Bestimmung und so Zeugs glaube ich nicht, aber in diesem Telephonat entschied sich alles. Zum Beispiel hatte ich nicht die geringste Vorstellung vom Äußeren meiner Freundin. Mit keiner Silbe war die Rede davon, auch umgekehrt nicht; da waren nur eine Stimme, gute Gedanken und aus ihnen flossen meine. Wenn ich es noch einmal gleichsetzen darf, Beinamputation und vollständige Brustoperation, und ich denke schon, daß man den Vergleich ziehen darf: Ich habe, wie geschrieben, nicht an äußerliche Dinge gedacht, an gar nichts in der Richtung. Aber ich bin sicher: Es hätte nichts geändert. Alles wäre gekommen, wie es gekommen ist. Ich war nicht mal bereit, mehrere Jahre war da keine Frau in meinem Leben gewesen, es traf mich wie aus heiterem Himmel. Eine Brustoperation, es plötzlich zu sehen, das hätte mich vielleicht auch getroffen wie aus heiterem Himmel. Aber ein heiterer Himmel wäre es gewesen, in jedem Fall. Dies als Nachtrag.


    Im übrigen, Laber: Außer Kerstin und, eingeschränkt, "unglaublich" mit seiner Sehbehinderung kann niemand von uns Kerstins Lebenssituation auch nur nachfühlen. Wir können es nur versuchen. Darüber sollte Klarheit herrschen, meine ich.

    @ kerstin

    Hallo Kerstin,


    hallo liebe Forenteilnehmer.


    Ich gehöre zu jenen Männern, die eine Frau wie Kerstin liebend gerne kennenlernen möchten. Jawohl, es gibt sie, die sogenannten "Amelos" oder "Devotees", die eine Frau wie Kerstin bevorzugen.


    Allerdings - und das musste ich auch feststellen, genügt es eben nicht, eine Beziehung auf einem körperlichen Merkmal aufzubauen. Wichtig ist daß die Chemie stimmt.


    ...und Kerstin wird das sicher bestätigen, es ist wohl ein sehr komisches gefühl genau deshalb gemocht, geliebt zu werden, weil "frau" ein Bein amputiert wurde...


    so long - lieber anonym

    An Kerstin

    Hallo Kerstin,


    Ich bin beim Stöbern im Net über Deine Anzeige gestolpert.


    Ích bin Optimist und einfach jemand, der sich eine nette Partnerin wünscht und der wie Millionen andere Menschen auch mit seiner Partnerin glücklich leben will und versucht, diesem kurzen Dasein und all den widrigen Umständen des alltäglichen Lebens eine positive Seite abzugewinnen. Der Umstand, daß Dir das Bein fehlt, ist für mich irrelevant.


    Wäre schön, wenn Du mir mal schreiben würdest.


    Axel.

    Hallo Kerstin

    Ich bin einer der Männer die dich wahrscheinlich nicht enttäuschen würden, habe dafür aber ein anderes "Manko".


    Wenn du möchtest kann ich dir gerne deine Fragen dazu beantworten. Mail doch einfach!


    Gruß


    Tom


    PS. Bin 27, 195 groß, blond, schlank......

    Filmtip

    Hi Kerstin,


    ist vielleicht ein blöder Tip, aber besser als gar nicht: Guck Dir mal "Deuce Bigalow - Male Gigolo" an mit Rob Schneider.


    Ich persönlich würde mich an sowas nicht stören, schwierig wäre für mich natürlich wie für alle das Kennen- und Liebenlernen. Aber die Problematik kennst Du ja sicherlich.

    dibbuk: "nicht Deine Behinderung wird das Problem sein, sondern Deine Einstellung dazu!" - hmm, die Antwort ist Müll, nichtssagend und Blabla, sorry, dibbuk.


    Kerstin:


    vielem von dem, was hier oben geschrieben wurde, kann ich zustimmen, aber vernachlässigt wurde, glaube ich, eines:


    ANGST.


    Du hast dich mit deiner Behinderung auseinander setzten müssen, hast gelernt damit zu leben. Das muss jeder einzelne, der dich sieht, der dich trifft in gewissen Weise auch. - Natürlich nicht damit zu leben, aber zu realisieren, dass du damit lebst.


    Wie geht man mit solchen Menschen um? Dir fehlt ein Bein, einem anderen fehlt ein Arm, der nächste ist Querschnittsgelähmt. Wie behandelt man die? Es wird immer gesagt: "Ganz normal." - Aber wenn ich mich jetzt ganz normal benehme, kann es doch einen Punkt geben, an dem sie nicht mehr hinterherkommen. Weil sie nicht so schnell laufen können, weil sie nicht zwei Dinge auf einmal halten können, weil sie keine Treppen steigen können. Ich will vermeiden, dass ich uns in eine Situation bringe, in der sie nicht weiter können und damit mit ihrer Behinderung konfrontiert werde und - so glaube ich - verletzt werden.


    Das will ich nicht, dass sie verletzt werden, also lasse ich es besser ganz. - Es ist Angst, Unsicherheit - vielleicht zu viel liebgemeinte Rücksichtnahme.


    Ich hatte mal versucht mir meine Frisur selber zu scheiden. Das ging natürlich voll in die Hose und auf der Straßen haben mir die Leute dann hinterher geguckt. Ich habe sie auf ihr Gucken angesprochen, ganz locker, nicht als Vorwurf, sondern "So schlimm?" - Okay, es ist keine Behinderung in dem Sinne, aber es war sonderbar - so läuft niemand herum. Sonderbar ist auch, wenn da ein Bein oder ein Arm fehlt, wo man es erwartet hat. Meine "Behinderung" war nach dem Besuch beim Frisör auch wieder beseitigt, aber es zeigt Offenheit und gibt vor allem den Menschen die Möglichkeit das Problem, das sie mit dem Sonderbaren haben, zu erörtern und damit vielleicht die Angst zu lösen.


    --- Tut mir Leid, dass ich immer so ausufernd schreibe. ---

    @Sabine, 37

    Sabine, 37, kannst du mir mal deine Lebenssituation erklären?


    Also verheiratet mit einem Mann ("mein Mann") und in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft mit einer Frau? ("Lebensfrau") - Geht sowas in Deutschland? - Oder habe ich da etwas falsch verstanden?


    Danke.

    Kerstin hat nur gefragt

    und Ihr überhäuft sie mit (teilweise versteckten)Partnerschaftsangeboten. Ich glaub nicht, daß sie deswegen hier geschrieben hat. Soll ich die entsprechenden Beiträge jetzt alle als Kontaktanzeigen "bewerten"?


    Zum Thema: Ich denke, daß man ohne Vorurteile auch eine körperlich behinderte Frau lieben kann. Allerdings sollte man sich vorher überlegen, wie weit diese Beziehung geht. Denn mit einer Partnerin mit Behinderung durchs Leben zu gehen wirft eine Unmenge praktische Probleme auf. (Arbeit, Urlaub, Treppen, Verkehrsmittel...) Es wäre insofern unverantwortlich, ihr Hoffnung zu machen, wenn man sich nicht 100%ig sicher ist, daß man alle Probleme auch bewältigen wird.

    @Sven_

    Hallo Sven,


    ein Schulfreund von mir ist querschnittsgelähmt, außerdem arbeite ich ehrenamtlich mit Blinden und Sehbehinderten. Meine Erfahrungen diesbezüglich zeigen, daß man mit Behinderten tatsächlich ganz normal umgehen soll. Wenn sie nicht mehr hinterherkommen, melden sie sich schon. Die wenigsten Blinden trauen sich nicht, um Hilfe zu fragen zum Beispiel. Mein Kumpel (Motorradunfall 1997) steigt alleine aus dem Auto aus, das er selber fahren kann, baut seinen Rollstuhl zusammen und kommt ins Restaurant gerollt, wo wir uns ab und zu treffen. Und das, obwohl er nur die Arme bewegen kann, die Hände aber nicht!


    Das Thema Behinderung ist heikel. Einerseits sind Behinderte faktisch "schlechter" als "funktionierende" Menschen (daher eben auch der Begriff Be-Hindert), andererseits lehrt unsere hochentwickelte menschliche Gesellschaft auch Toleranz. Zwischen diesen beiden Polen gibt es Grenzen. Soll man den ganzen Planeten für Rollstuhlfahrer einebnen? Für Epileptiker polstern? Für Farbenblinde nur schwarz/weiß anstreichen? Soll man sämtliche Pflanzen wegen der Allergiker ausrotten? Das geht nicht. Die Lösung liegt irgendwo dazwischen. Und daher sehe ich die Gegenwart als ganz in Ordnung: Akzeptanz durch geeignetes "Hilf Dir Selbst"-Programm. Wer sich nicht helfen lassen will, braucht das nur noch in den seltensten Fällen. Und wer sich als Behinderter hängenlassen will, der verliert - genauso wie Nichtbehinderte.

    Ahja...

    Zitat

    andererseits lehrt unsere hochentwickelte menschliche Gesellschaft auch Toleranz

    Sie LEHRT also...


    Ich denke, daß Toleranz hier das falsche Wort ist. Wenn ich heute noch quicklebendig ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft bin, werde ich morgen, nach einem Unfall, nur noch TOLERIERT? Ich denke, wir sollten jeden Menschen versuchen anzunehmen, jedenfalls soweit unsere Kraft reicht.


    Äh... hast Du "hochentwickelt" geschrieben, CF? *malrausgehtablachen*


    ;-D

    @ derKatrin

    Nunja, die Gesellschaft toleriert, die Mitglieder der Gesellschaft nicht. Ist ein extrem heikles Thema, über das wir bei entsprechender Euphorie locker einen Thread von mehreren tausend Postings hinbekämen. Unsere Gesellschaft ist hochentwickelt im Vergleich zu den anderen Gesellschaften: Ameisen- und Termitenstaaten, Rudel von Wölfen oder Herden von Antilopen. Sieh uns an und unsere Gesetze, unere gesellschaftlichen Normen und den grundsätzlich gegebenen Verständnisse - die sind nicht selbstverständlich! Hier wäre eine gute Gelegenheit, Star Trek anzubringen, dem das Thema Toleranz / Nichteinmischung zugrunde liegt. Wie dem auch sei: Toleranz wird gelehrt. Vielleicht nicht von jedem praktiziert. Aber gelehrt.