Belastende Geheimnisse bewahren

    Vorhin rief mich der Vater meines Mannes an und bat mich das, was er mir dann erzählen würde, niemandem weiterzuerzählen. Nicht mal seinem Sohn, meinen Mann.


    Und ich muss es irgendwo loswerden, da es mich stark belastet.


    Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Er hat wahrscheinlich mehrere 10.000 € in den Sand gesetzt.


    Ich vermute, es bestand/besteht da eine sehr persönliche Beziehung. Anders kann ich mir nicht vorstellen, wie man so viel Geld ohne irgendwelche Sicherheiten, nichtmal irgendetwas Schriftliches wie einem privaten Darlehensvertrag verleiht.


    Es sollte in eine Immobilie investiert werden und es wurde auch ein Gewinn versprochen.


    Jetzt gab es aber erneut eine sehr hohe Forderung und da mein Schwiegervater das Geld selbst nicht mehr auftreiben kann, wollte er es sich von meinem Vater leihen.


    Dieser ist schon sein ganzes Leben in der Immobilienbranche und natürlich entsetzt und warnt vor Betrug. Habe vorhin leider nur kurz mit ihm telefonieren können und er will das Geld verständlicherweise nicht dafür verleihen.


    Was stimmt ist, dass es dieses Immobilie gibt und dass darin Renovierungsarbeiten durchgeführt werden - so viel habe ich recherchiert. Inwiefern das andere alles stimmt, kann ich nicht beurteilen und ehrlich gesagt, ist es ja auch gar nicht meine Aufgabe.


    Mir geht es jetzt darum, dass ich nicht weiß, wie ich menschlich mit der Sache umgehen soll.


    Es triggert mich unwahrscheinlich. In meiner Kindheit, noch vor meinem 12. Geburtstag, als meine Eltern miteinander vor Gericht standen, war ich in alles involviert worden. Sie hatten mich in jedes Detail, mit dem ich als Kind vollkommen überfordert war, eingeweiht, mich instrumentalisiert, bei dem jeweils anderen zu spionieren, Nachrichten zu überbringen. Die beiden benutzten mich als seelischen Mülleimer, erzählten mir von ihren Suizidgedanken und vielem mehr.


    Man kann sich vorstellen, das hat mir viele Jahre Therapie beschert.


    Und nun werde ich gebeten, so ein Mordsgeheimnis für mich zu behalten.


    Mein Schwiegervater weiß das alles von mir und ich bin jetzt auch unheimlich enttäuscht, dass er mir das trotzdem zumutet. Ich bin wütend und weiß nicht, wie ich künftig mit ihm umgehen soll.


    Die Schwiegermama würde es umhauen, wenn sie das erfährt, die ist psychisch eh labil und hat ihr Leben lang so aufs Geld geschaut und gespart wie blöd, war umsichtig und vorsichtig - ich befürchte das würde die Ehe der beiden, das komplette Vertrauensverhältnis zerstören und in eine tiefe Krise stürzen. Sie hat so schon keinen netten Umgangston ihm gegenüber.


    Für meinen Mann wäre es auch schrecklich. Er kennt seinen Vater/seine Eltern so nicht. Grad der Umgang mit Geld wurde anders gelehrt und so musste sich mein Mann immer einschränken und was anhören, wo es überhaupt nicht nötig gewesen wäre. Auch ihn würde es wahnsinnig enttäuschen.


    Hat jemand einen Rat für mich?


    Danke fürs Lesen!

  • 39 Antworten

    Puhh BlackSwan, das ist wirklich heftig. Lass dich erstmal drücken und hole tief Luft.


    Was die Immobiliensache angeht, damit kenne ich mich nicht so aus. Ich möchte dir gern etwas zur menschlichen Seite sagen:


    Da es dich so sehr belastet, wäre es doch gut, wenn du nochmal mit deinem Schwiegervater redest. Überzeuge ihn, dass er es seinem Sohn und eventuell auch seiner Frau erzählt. Je mehr im Boot sitzen, desto mehr kann man ihm helfen aus der Sache wieder herauszukommen. Er weiß, dass er einen Fehler gemacht hat, sonst hätte er sich dir nicht anvertraut. Und seine Familie wird ihm auch verzeihen, wenn sich die erste Wut gelegt hat.


    Du solltest so ein großes Geheimnis nicht allein tragen müssen. Wenn alles nichts hilft, kann vielleicht dein Vater ihm die Meinung geigen. Er weiß ja schließlich davon und auch, wie es dir damit geht.


    Hol dir Hilfe. Ich wünsche dir alles Gute :)*

    Vorallem macht dieses geheim halten ja auch nix besser (für ihn). Entweder verschuldet er sich bei dem Versuch seiner Frau "Normalität" vorzuspielen oder er verstrickt sich in irgendwelche Lügen warum die Ersparnisse plötzlich weg sind. Red mit ihm, dräng ihn dazu mit der Wahrheit rauszurücken und setz ihm ein Ultimatum.

    Was war der Zweck des Anrufs? Ging es darum, dass du deinen Vater für ihn anpumpst?


    Genügend Mitwisser schafft er ja schon selbst - nun sind es neben ihm selbst auch noch du und dein Vater. Es mag ja sein Wunsch sein, dass niemand davon erfährt, aber ich denke, der Zug ist schnell abgefahren. Insofern kannst du nur noch eins tun: ihn überreden, sich schnellstmöglich der Familie zu offenbaren und Hilfe im gemeinschaftlichen Rat zu suchen. So ein Versteckspiel oder Kettenreaktion von Privatkrediten wird ihn nur weiter in die Scheiße reiten und die anderen Leute mit. Ich habe es in der Familie meiner Schwiegermutter selbst schlimm genug erlebt, wer mit wem wegen Geldsorgen mauschelt. Sowohl meine Schwiegermutter als auch ihr Lebensgefährte wären beinahe insolvent gewesen, nur weil sie deren jeweiligen Brüdern unter die Arme greifen wollten. Meistens passieren solche Konstruktionen aus Unwissenheit. Familienhilfe ist ja schön und gut, aber manchmal besteht die bessere Hilfe darin, auf kompetente Beratung und Hilfe zu verweisen.

    Zitat

    Vorhin rief mich der Vater meines Mannes an und bat mich das, was er mir dann erzählen würde, niemandem weiterzuerzählen. Nicht mal seinem Sohn, meinen Mann.

    Er darf bitten, was er will. Und du machst das, was *du* für richtig hältst, wie eben hier dein Wenden an das Forum. Und genau so in deiner Kommunikation gegenüber deinem Mann oder deiner Schwiegermutter. Denn natürlich kannst du die Bitte des Schwiegervaters auch unberücksichtigt lassen.


    Erst diese Einstellung (Wünsche anderer trennen von den eigenen Wünschen, und das Umsetzen, was man selbst für richtig hält) bringt einen daraus, sich immer wieder von anderen instrumentalisiert zu fühlen.


    Und bei aller Empathie, die du für deinen Mann oder Schwiegermutter hast: versuche nicht, deren Reaktionen vorauszusehen, so wie du es oben getan hast. Sondern diese werden für sich ihren Weg finden, damit umzugehen. Auch mit dieser Einstellung kommst du nämlich aus der Verantwortung raus, die du dir jetzt selbst aufbürdest.

    Danke für eure zahlreichen Antworten!

    Zitat

    Was war der Zweck des Anrufs? Ging es darum, dass du deinen Vater für ihn anpumpst?

    Ja richtig, ich sollte meinen Vater anpumpen, war aber auch froh in dem Moment mit jemandem drüber reden zu können.


    Mein Schwiegervater will es halt nicht wahrhaben, dass er vermutlich verarscht worden ist. Er meint oder ihm wird eben vorgegaukelt, wenn er jetzt noch einmal investiert, dann wirds ganz sicher noch was, ansonsten platzt der Deal und das bereits Investierte ist futscht.


    Wenn ihr mich fragt, typische Betrügermasche, aber ich weiß ja nicht wer dahintersteckt. Vielleicht ist's ja ne heimliche Geliebte...


    Richtig ist, hätte er sich mit der Sache viel früher an mich bzw. an meinen Vater gewandt, hätte...naja hätte hätte Fahrradkette!


    Ihm das Messer auf die Brust setzen und ein Ultimatum stellen...das kann ich nicht. Ist nicht meine Aufgabe. Da will ich mich einfach nicht in die Familie einmischen, die Konsequenzen hat er zu tragen.


    Aber ich geb die Verantwortung definitv ab, da habt ihr recht. Da soll ihn mein Vater beraten und ich zieh mich zurück. Das sag ich ihm klipp und klar, auch wenn er dann enttäuscht ist. So enger Kontakt bestand in letzter Zeit eh nicht zu den Schwiegereltern.


    Ich überlege nur noch, ob ich meinen Mann damit belasten kann/soll. Unsere Beziehung ist eh stark belastet (anderer Thread) und ihm gehts so schon nicht grad super. Ja ich weiß, er ist eigentlich erwachsen, ja eigentlich, aber nunja.


    Ich hab eben ein Helfersyndrom, schätze ich...


    Wieder einmal eine Gelegenheit, mich im Abgrenzen zu üben!

    Hallo Blackswan,


    nachdem ich zufällig gestern erst den anderen Thread von Dir gelesen habe, stellt es sich für mich sehr klar dar, dass dies wiedermal eine Gelegenheit ist, bei der Du Dich sehr klar abgrenzen solltest. Du darfst und sollst hier auf Dich schauen und Dich nicht benutzen lassen. Zu erwarten, dass Du dieses Geheimnis vor Deinem Mann wahrst, geht in eine Richtung, die Dein Schwiegervater einfach nicht von Dir erwarten kann. Ich würde mich da sehr klar abgrenzen und mich nicht für seine Probleme verantwortlich sehen. Das scheint offenbar öfter mal Dein Problem zu sein und daran solltest Du dringend arbeiten. Wenn man signalisiert, dass man das mit sich machen lässt, dann werden solche Dinge auch an einen herangetragen. Wenn man unproblematisch helfen kann - fein; wenn nicht: dann ist das leider nicht zu ändern! Verliere Dich selbst nicht aus dem Blick!

    Was ist daran so schwierig.


    Sag deinem Schwiegerpapa, er soll dich nicht in sein Gelump reinziehen. Füge hinzu, dass es deine Entscheidung ist, wem du Sachen erzählst, die dich belasten. Seine Probleme auf dir abladen zu lassen, und du hast das dann einfach auszuhalten, das bist du ihm nicht schuldig. Wenn er nicht wie ein Erwachsener mit seinen Problemen zurechtkommt, was braucht es dich zu interessieren.


    Gar nicht.


    Oder hast du ihm ins Blaue hinein vorab zugesagt, du behältst ein Geheimnis für dich? Dann nimm das Versprechen zurück und sag gleich an, dass es sowas in Zukunft nicht mehr geben wird. Und mach was du für richtig hältst.


    Kindergarten Spielchen.

    Ich habs meinem Mann doch erzählt, ich kann einfach nichts verschweigen oder lügen...


    Er ist natürlich auch extremst geschockt, aber im Nachhinein war es doch gut, denn sein Bruder hat ihn kürzlich etwas "seltsames" über den Vater gefragt, was darauf schließen lässt, dass er sich bei diesem wohl auch schon Geld geliehen haben muss...


    Den Rest müssen die jetzt selbst regeln.


    Ich danke euch allen ganz herzlich, dass ihr mich dran erinnert habt, dass ich auch mal an mich denken muss @:)


    Schritt für Schritt und irgendwann kann ich das auf alle Bereiche in meinem Leben anwenden ;-)

    Ich finde sowas immer eine unglaubliche unverschämte Art, jemanden unter Druck zu setzen. Erst was Belastendes erzählen und dann: "aber erzähle es keinen weiter...."


    Dann hat derjenige ERST zu fragen, ob Du, wenn er Dir was Belastendes erzählt, es für Dich behalten willst. Dann kannst Du noch ablehnen. Aber erst erzählen und dann den Riegel vorschieben, um andere auf Hochdruck zu setzen, finde ich schon kriminell und ich würde dem auch nicht nachkommen und mich von dem Vater deines Mannes distanzieren.

    Ja das stimmt natürlich.


    Mein Mann hat gestern bis weit nach 21 Uhr mit seinem Bruder noch telefoniert. Sie haben vereinbart, jetzt erstmal nichts zu unternehmen. Ich werde das nächste Mal, wenn mein Schwiegervater mit mir darüber sprechen möchte, klar machen, dass ich es nicht länger für mich behalten kann und möchte und er sich seinen Söhnen anvertrauen und sich Rat und Hilfestellung bei meinem Vater holen muss, da ich allein damit überfordert bin.


    Also doch das Ultimatum.


    Bei seiner Frau, meiner Schwiegermama, bin ich mir mittlerweile auch nicht mehr so sicher.


    Nachdem ich gemerkt habe, wie schwer es mir fällt, etwas geheim zu halten und ich an ihrer Stelle wäre doch auch froh, wenn es mir jemand sagen würde - allein schon damit nicht noch mehr Geld weggeschafft wird...


    Irgendwann wird es doch sowieso herauskommen!

    Eben, und bis es heraus kommt verstrickt er sich in ein Lügengeflecht (das es nicht besser machen wird) oder verschuldet sich zusätzlich um z.B. noch in den Urlaub fahren und die Normalität vorgaukeln zu können. Das macht es ja alles nicht besser, weder was die eigentliche Situation angeht noch was den Schaden, den es bei den Angehörigen verursacht, angeht. Offenbar spielt er euch ja bisher schon etwas gegeneinander aus in dem er sich von hier und von dort Geld leiht ohne die ganze Geschichte zu erzählen.


    Dann lieber klar alle Karten auf den Tisch, dafür gerade stehen das man sich hat verarschen lassen und die Situation aus der Welt schaffen solange es "nur" um Ersparnisse (und nicht um zusätzliche Schulden o.ä.) geht.

    Natürlich sollte bestenfalls alles auf den Tisch, aber auch hier gilt doch: mach nicht zu Deiner Sache, was es nicht ist! Wirklich, das mit dem Abgrenzen musst du noch üben ]:D Ich finde es noch nachvollziehbar, dass Du es Deinem Mann gesagt hast, weil Du ihn täglich siehst (obwohl Ihr ja kein so inniges Verhältnis mehr habt, oder?), aber es Deiner Schwiegermutter zu stecken ist wirklich nicht Deine Aufgabe. Halt Dich einfach, so gut es geht raus!

    Da fällt mir ein, früher gab es Pfarrer und Seelsorger... :=o


    Da wollte wohl jemand etwas bei dir los werden, um sich danach zumindest ein wenig besser zu fühlen, wenn er nicht gar ganz andere Absichten hatte.


    Du kannst jetzt vertraulich und verschwiegen bleiben, belasten sollte es dich jedoch nicht. Betrachte es als "nette Geschichte", grenze dich ab und vielleicht hilft es, so zu tun, als hättest du nie davon gehört. Es wird deinen Gehirnwindungen ein paar Verrenkungen abverlangen, aber mehr musst du nicht unternehmen. Niemand kann dich zu etwas zwingen, "vertraulich" schon gleich gar nicht.

    Zitat

    Zu erwarten, dass Du dieses Geheimnis vor Deinem Mann wahrst, geht in eine Richtung, die Dein Schwiegervater einfach nicht von Dir erwarten kann.

    ja, ok, aber :

    Zitat

    Vorhin rief mich der Vater meines Mannes an und bat mich das, was er mir dann erzählen würde, niemandem weiterzuerzählen. Nicht mal seinem Sohn, meinen Mann.

    dann hätte man das Gespräch schon beim einleitenden Satz abbrechen müssen.


    Es geht ja letztendlich "nur" um Geld. Schwiegervater hat weder etwas Rechtswidriges ( z.B. Fahrerflucht nach Personenschaden) oder moralisch Verwerfliches getan, daher läßt man sich entweder erst garnicht auf dieses Spiel "ich muss dir etwas sagen, aber sag es nicht weiter" ein oder man hält sich an die Konditionen.

    Zitat

    Wirklich, das mit dem Abgrenzen musst du noch üben ]:D

    Oh ja, da hast du vollkommen recht. Mir fällt es noch schwer da zu unterscheiden.


    Es meinem Mann zu erzählen war einfach entlastend für mich, ich kam/komme alleine damit nicht zurecht.

    Zitat

    obwohl Ihr ja kein so inniges Verhältnis mehr habt, oder?

    Wir leben wie Bruder in Schwester zusammen, aber ich würde schon sagen, dass wir ein vertrauensvolles und irgendwie auch liebevolles Verhältnis zueinander haben. Er hat mir einfach angemerkt, dass mich etwas stark beschäftigt, dass es mir nicht gutgeht und wir reden normalerweise über alles sehr ehrlich und offen. Und es ihm dann nicht sagen/es verschweigen, ging in dem Moment überhaupt nicht mehr, absolut nicht.


    ??Der erste Reflex meines Mannes war übrigens "Du hast eine Affäre oder?"??


    Umso weniger kann ich mir vorstellen, wie mein Schwiegervater seine Frau so belügen/hintergehen kann...über 40 Jahre sind die beiden verheiratet, aber wie hab ich schon mal in meinem anderen Faden geschrieben: so wie die beiden möchte ich in meiner Ehe nicht enden...!


    Dennoch ja, es ist nicht meine Aufgabe, es meiner Schwiegermutter zu stecken! Ihre Söhne könnten das jetzt genauso bzw. ihr Mann in erster Linie.


    Ich werde ihn darum bitten, es seiner Familie zu offenbaren, genauso wie er mich darum gebeten hat, es zu verschweigen.

    Zitat

    Es geht ja letztendlich "nur" um Geld.

    Oh in dieser Familie ein heikles Thema. Da wird nichts weggeschmissen, sondern repariert und wenn was neu gekauft wird, erst mal ein halbes Jahr lang vorher informiert, Preise verglichen usw.


    Jede Autofahrt wird vorher überlegt, geplant, 50 km sind schon eine Weltreise.


    Da werden Tricks besprochen, wie man das Marmeladenglas vollständig auskratzt (z.B.) denn "so kommt man zu einem Haus".


    In der Verwandtschaft gabs mal den Fall, dass aus Versehen, die 50 € Weihnachtsgeld der Ur-Oma im Ofen gelandet sind - ein Skandal, über den heute noch gehetzt wird, denn wie kann man nur so viel Geld verbrennen! %-|