Entscheidend ist doch, will dein Partner das wissen? Wenn nicht, natürlich nach deiner Einschätzung, dann behalte es für dich und werde damit fertig. Wenn ja, gibt es keinen Grund zu zögern, auch damit musst du dann fertig werden. Es gibt verschiedene Arten mit solchen Dingen abzuschließen. Bei dir liest es sich so, als ob du dich immer ein bisschen rechtfertigen müsstest, du zählst Gründe und Motive auf, warum du so gehandelt hast.


    Das ist ein Zeichen, dass du es dir nicht zugestehst und dich nicht so akzeptierst, wie du nun mal bist oder warst. WEnn du das mal schaffst, kannst du zu dir selber sagen, es war blöd, aber so war es eben. Ich steh dazu.

    Du willst über eine Beichte dein Gewissen zum Schweigen bringen, das ist zwar verständlich, weil das Geschehene dich auch nach so langer Zeit immer noch belastet. Du hast seitdem Zweifel an deiner Persönlichkeit, obwohl du versuchst, es rational zu sehen. In gewisser Weise verurteilst du DICH, nicht deine "Tat". Es aufzudecken, erscheint dir jetzt als Ausweg.


    Aber bedenke, dass der Schuss nach hinten losgehen kann! Du würdest die alte Last auf deinen Partner abwälzen, und statt dass du weniger daran denken müsstest, könntest du erleben, dass die Sache noch veil präsenter wird, vielleicht weil der Mann an deiner Seite ganz anders reagiert als du dir erhoffst.


    Vielleicht hätte er schwer daran zu kauen? Und was dann? Dann hättest du vielleicht "deine Strafe", die du dir unbewusst erhoffst, aber eure Beziehung einen Knacks? Willst du das riskieren?


    Manchmal ist es einfach nicht gut, dem Betroffenen selbst zu beichten, weil der dann einbezogen wird und selbst leiden muss und das ein noch schlechteres Gewissen auslösen kann. Suche dir wirklich lieber eine Therapie, die dir die Alt-Last auf sichere Weise abnehmen kann.

    Jeder Mensch ist anders und würde es anders handhaben, ich persönlich könnte nicht mit einer Lüge leben. Schon gar nicht, wenn es mich belastet und ich mir das selbst nicht verzeihen kann. Dann muss es raus.


    Aber wie schon gesagt, jeder geht vollkommen anders mit Betrug und Lügen um, wie ich immer wieder sehe.

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    Ich hasse mttlerweile Sex (...)


    nicht jeder kann ohne Partner oder sex und den scheiß nicht existiieren. Mir gibt das nix

    Wie kommt denn dein Partner damit klar?

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    Es ist eigentlich Menschen bzw. Frauenverachtend, die Ehe meine ich. Ein Kaufvertrag über ein Leben, wie ein Geschäft. und dann die Bindung ohne jemanden schnell und einfach loszuwerden. Das assoziere ich nur mit Dummheit, Freiheitsverlust,

    Und dann findest du Heiraten jetzt ok ??? Wieso überhaupt "frauenverachtend"? Beide gehen doch diesen Vertrag ein.


    Ich glaub es wäre besser für dich wenn du dich erst mit deinem Hass (auf Männer, Menschen und dich selbst) beschäftigen würdest und dann erst mit so einem Thema wie Heiraten.

    Guten Morgen Anonyme,


    deine schier grenzenlose Selbstverurteilung erzeugt bei mir eine Gänsehaut; deine Aggression dir selber gegenüber. Du hast zwar Therapieeinsicht, suchst aber letztlich jemanden, der sich in deiner Sichtweise bestätigt, denn alles, was ich an Positiven aufgezählt habe, willst du verwerfen, um dich nicht positiv sehen zu müssen.

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    Ich kann da leider nichts positives sehen,bzw. wenn ich meinen Text lese, kommen bei mir ganz andere Sachen, ein ganz anderes Bild von mir an. Ich lese ein Arschloch das sich ein gutes Gewissen einreden will.

    Das habe ich verstanden, es ist ja deutlich genug. Wichtiger ist, was dich davon abhält, diese Sichtweise ändern zu wollen, welche Wunder soll ein Therapeut vollbringen, wenn du doch lieber daran festhalten möchtest, ein Arschloch zu sein? Wo könntest du überhaupt im Dunkeln einen Türspalt sehen, dem du dich hoffnungsvoll nähern würdest?


    Besonders interessant ist dieses hier:

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    Die positiven Sichtweisen verstärken ja bloß das schlechte Gefühl, weil ich das nicht verdient habe, bzw unter falschen Voraussetzungen.

    Das Urteil ist ja schon gefällt. Und zwar von einem gnadenlosen Richter. Vorsichtshalber bist du gnadenloser als dein Partner und auch als die anderen Beteiligten im Forum hier. Denn wenn du gnadenloser bist, kann dir nichts mehr passieren, es gibt keine negative Steigerung mehr, höchstens eine Bestätigung deiner Selbstverachtung.

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    ja wir sind über 10 Jahre zusammen...aber auch nur weil jeder normale Mann verschwunden wäre bei meinen Ausrastern und auch nur weil ich verschweige. Hätte ich den Fehltritt gleich zugegeben wären wir vielleicht nicht zusammen.

    Wer bestimmt, was ein "normaler Mann" ist? Du hast dir diesen Partner ausgesucht, weil er Licht in dein Leben gebracht hat. Er hat dich ausgesucht, weil er es möglicherweise als seien Aufgabe angesehen, Licht in dein Leben zu bringen. Er würde das nicht tun, wenn er nicht deinen wahren Wert sehen könnte. Seine Wertschätzung ist groß, seine Liebe offensichtlich auch. Und es scheint mir, als suchtest du nach Möglichkeiten, das zu zerstören, damit er endlich wach wird und dich verlässt, weil du ihn nicht verdient hast. Stimmt das? Sonst widersprich mir bitte. Ginge es dir besser, wenn er dich verlassen würde? Oder ginge es dir besser, wenn er dich trotz aller deiner Lebensbeichten – auch deines "schwarzen Geheimnisses" – lieben würde, dir verzeihen würde?


    Gesetzt den Fall, er würde all das verzeihen, einsehen, dich trotzdem lieben – was wäre dann? Hast du dich damit schon beschäftigt? Würde dir das helfen, dich dann selber als wertvoller und liebenswerter zu betrachten? Ich fürchte, nein. Aber du kannst mich gern vom Gegenteil überzeugen.


    Ich sehe in deiner Selbstverachtung und deinem Hass auf dich selber eher einen späten Erfolg deiner Eltern, denen du damit mehr Glauben schenkst als einem Mann, der dich gern bedingungslos lieben möchte. Sie haben in dir diese Saat gelegt, und dein erfolgreicher Schritt in die Distanz ist damit mehr oder weniger wertlos geworden, denn du würdest sie mit dieser Sichtweise wieder bestätigen, ihnen Recht geben.

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    Mit meinen Eltern und der Selbstwahrnehmung stimmt zwar...aber ich sehe das so das ich mich dafür kicken könnte warum ich alles erst so spät ansehe, bzw wieso ich erstarre und Sachen erdulde. Ich weiß zwar woran das Problem liegt, bin aber unfähig das zu ändern.

    Ja, damit hast du Recht. Und nun? Was machst du mit dieser Erkenntnis? Kaufst du mir wenigstens diese kleine positive Erkenntnis ab, dass du mit deinem Wunsch, dich einer Therapie zu stellen, eine Wende in deinem Leben einläutest? Oder willst du dich auch dafür gleich wieder verurteilen? Denn es ist ja deiner Ansicht nach zu spät.


    Ich weiß, dass es nie ZU spät ist, seinem Leben eine positive Wendung zu geben. Wer aber zutiefst davon überzeugt ist, dass man sich nicht selber lieben darf, nicht selber vergeben darf und nun mal ein Arschloch ist und bleibt, bei dem wird auch ein Therapeut keine Wunder wirken können.


    Es sollte also zumindest der innige Wunsch bestehen, in dir selber Positives zu entdecken und das dann auch sichtbar und spürbar zu machen. Dem, was deine Eltern dir offensichtlich angetan haben, muss ja irgendwann eine positive Sichtweise entgegen gestellt werden, sonst behalten sie einfach nur Recht. Willst du das wirklich?

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    Dh wenn ich es im Gedanken durchspiele, da passt alles, da weiß ich was ich sage aber wenn dann in der Realität so eine Situation eintritt, dann duckse ich und weiß nicht mehr weiter und lasse weiter auf mich einreden oder was auch immer ohne Grenzen zu ziehen.

    Ein Lichtblick. Hier äußerst du eine Selbsterkenntnis, ohne gleich festzustellen, dass dich das nie ändern wird oder kann. Du sagst nur, dass du es BISHER nicht kannst, lässt aber offen, ob du es nicht vielleicht ändern könntest, wenn du das wirklich willst. Also frage ich: Willst du das wirklich ändern? Willst du lernen, Grenzen zu ziehen, willst du lernen, diese selbst gezogenen Grenzen dann auch auszuhalten, dazu zu stehen? Die Frau, die da weiter auf sich einreden lässt und herum duckst, ist ja unglücklich damit, so zu handeln. Wenn sie aufhört so zu handeln, könnte sie glücklich werden. Willst du wirklich glücklich werden? Könntest du es dieser Frau gönnen, in Zukunft glücklich zu sein, oder hätte sie es einfach nicht verdient?


    Du siehst also hoffentlich die Aufgabe, die vor dir liegt, wenn du dich mit therapeutischer Hilfe von deinen bisherigen Sichtweisen verabschieden möchtest, wenn du also wirklich willst, dass es dir besser geht. Wenn du zutiefst davon überzeugt bist, dass du es nicht verdient hast, Positives zu erleben oder zu sehen, ist diese Aufgabe nicht zu lösen.

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    Ich habe übernächste Woche einen Termin bei einer Neurologin die auch Psychiater ist. Da werde ich das mal ansprechen, weil Krankenkasse-Termin bei einem Therapeuten scheint man ja in den nächsten 5 Jahren niergends zu bekommen. Werde natürlich weiter suchen, denn ich glaube selbst das ich es alleine nicht hin bekomme (denn sonst hätte sich in all den Jahren ja etwas geändert.)

    Ein JA zum letzten Satz. Aber die 5 Jahre sind vorsichtshalber auch schon so überzogen, dass die Lösung in der Resignation zu liegen scheint. Alles ist besser als Resignation, also auch der Versuch über psychiatrische Hilfe in eine Therapie zu gelangen. Hast du denn wirklich schon mehrere Therapeuten ernsthaft angefragt und dich in Wartelisten eintragen lassen? Bist du auch mal in umliegende kleinere Orte gegangen, wo erfahrungsgemäß die Listen kürzer sind?

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    damit meine ich das er mich als viel zu gut ansieht. Er hat nicht die geringsten Zweifel an mir und sieht mich als guten Menschen den er nie im Leben verlassen will und für den er alles tun würde. Das kling blöd, aber gerade das macht es mir noch schwerer. Ich will so gern diese Person sein, aber ich bin es nicht. Vor allem es führt mir vor Augen, das ich einfach ein Miststück war. Nicht ich bin zu gut, Er ist zu gut für mich. Ehrlich, lieb. Er hätte wirklich was besseres verdient, jemand der die Sachen so sieht wie er, und ihn nicht noch betrügt.

    Wieso? Betrügst du ihn? Oder redest du immer noch von dem Vorfall VOR ZEHN JAHREN? Dein Partner hat offensichtlich all deine schönen und guten Anteile in dir gefunden, die du selber nicht sehen willst oder kannst. Du hast also die Wahl, an deine guten Anteile zu glauben und sie anzunehmen – oder ihn von deinen schlechten zu überzeugen, damit er dich endlich bestraft und verlässt.


    Ich hoffe und wünsche dir von Herzen, dass du mit der Selbstbestrafung aufhören kannst.

    Gut geschrieben.


    Selbstbestrafung und das Suchen von Vergebung, das wird unbewusst wie eine Reinigungsmethode eingesetzt. Oft klappt es aber de facto nicht, und dann ist der Jammr eher noch größer.


    Ich kenne die Selbstzerfleischung, die aus Vorwürfen gegen sich selbst resultiert. Das war bei mir mal ganz ausgeprägt. Und es ist schon wichtig, zu hören, dass einem verziehen wird - dann kann man auch sich selbst verzeihen.


    Das kann aber auch wirkungsvoll ein Therapeut tun, etwa, indem er einem klarmacht, dass man deshalb kein laufender Fehler auf zwei Beinen ist, Irttümer und irrationale Verhaltensweisen grundsätzlich zur Persönlichkeitsreifung gehören und jeder "Fehler" ein Schritt auf dem individuellen Weg ist.