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    Er wollte dich zu einer Freundschaft überreden und das heißt, er will keine feste Beziehung mehr. Das ist hart und das tut weh, aber so ist es.

    Ich lese das anders. Er würde sehr wohl weiterhin eine Beziehung zu Alias, aber zu seinen Bedingungen. Und ich denke Alias ist ihm nicht nur als Frau, sondern auch als Mensch wichtig. Da sie die Liebesbeziehung zu ihm gekündigt hat, hat er halt nach einem anderen Weg gesucht, sie in seinem Leben zu (be)halten.

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    Nur wurden nach und nach die Aussagen immer vager...

    Vielleicht hat er sich da schon gefragt, welche Rolle du in seinem Leben spielen sollst. Ihr kennt euch etwa ein Jahr, warum da schon feste Zusagen machen? Bambine hat etwas ähnliches geschrieben: du wolltest Gewissheit, er konnte/wollte sie dir (zu diesem Zeitpunkt) nicht geben.

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    Dennoch haben alle irritiert auf ihn reagiert.

    Viele Menschen brauchen Sicherheit und es erscheint verrückt, wenn jemand von heute auf morgen seinen Job kündigt. Bewerten lässt sich das erstmal nicht. Du solltest dir in Erinnerung rufen, dass er in kurzer Zeit 3 wichtige Menschen verloren hat, er ist 50 - das machte ihm bewusst, dass das Leben endlich ist und ihm u.U. nicht mehr viel Zeit bleibt. Ich finde es beeindruckend, zu kündigen und alles auf den Prüfstand zu stellen, sowie neue Pläne zu machen.


    Du beschreibst depressive Phasen und Euphorie bei ihm. Bist du sicher, dass es über normale Stimmungsschwankungen hinaus geht oder interpretierst du da aufgrund deiner Krankheit mehr hinein als da ist? Ansonsten kann ich mir vorstellen, dass es seine Art der Trauer ist, die bei ihm zu Verunsicherung führt. Wenn du dir ernsthaft Sorgen machst, solltest du ihm nahelegen einen Arzt aufzusuchen.

    Liebe Alias,


    zum Ende deiner Beziehung möchte ich mich erstmal nicht äußern, dazu hast du ja schon Denkanstöße bekommen. Worauf ich hinaus will, ist dein Umgang damit bzw die Gefühle, die das in dir auslöst. So wie es dir deiner Schilderung zufolge damit geht, klingt das für mich äußerst bedenklich. Letztlich ist es erstmal egal, warum es zu einer Trennung gekommen ist, also was ihn genau dazu bewegt hat, das zuntun, was er tut. Das kannst du mE später aufdröseln. Jetzt sollte es darum gehen, dass du dich auf dich konzentrierst, damit du einigermaßen mit dieser Situation umgehen kannst.


    Gibt es Skills, die dir helfen dein Gedanken kreiseln zu stoppen? Was hilft dir sonst, wenn es dir schlecht geht? Kannst du ein paar Tage zu deiner Familie oder deinen Freunden, damit du nicht alleine bist? Kannst du dich an eine/n Psychotherapeuten wenden?


    Für mich klingt es so als würde mit dieser Trennung einiges an älteren Sachen hochkommen, die du noch nicht verarbeitet hast. Kommen da Sachen von der Trennung zuvor wieder hoch? Es klingt ja schon recht ähnlich, was das Ende der beiden Beziehungen betrifft: er ist unsicher, trifft aber keine Entscheidung, so dass du dich letztlich gegen die Beziehung entscheidest.


    Du schreibst über das Beziehungsende der vorherigen Beziehung aber auch

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    . Diese Trennung hat sehr viel zu meiner momentan eigentlich stabilen Gesundheit beigetragen, weil ich viel über mich lernte und mein Leben ins Gesunde drehte.

    Grundsätzlich kannst du offensichtlich aus einer Krise etwas positves ziehen und es als Wachstumsgelegenheit sehen. Ich wünsche dir, dass dir das auch mit dieser Trennung gelingt. @:)

    Alias 722189

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    Ich weiß, dass ihr mir raten werdet, es durchzuziehen. Und ich werde es durchziehen...keinen Kontakt mehr bis zur letzten Aussprache, mein Abschiednehmen geht weiter, ich lebe weiter....aber...

    Nein, ich muss sagen, dass ich finde, dass man das alles auch anders lesen kann. Vielleicht habe ich ja etwas überlesen, aber ich sehe jetzt nicht unbedingt, dass er Schluss machen will, ich sehe auch nicht, dass er Dich nicht liebt. Ich lese, dass er für sich herausgefunden hat, dass er seinem Leben eine andere Richtung geben will und das scheint ihm auch sehr gefallen zu haben, weil er sich im Süden sehr gut gefühlt hat. Als er dort war, hat er festgestellt, dass es sich dort besser fühlt und doch nicht ein halbes Jahr weg sein will. Das alles sehe ich nicht im Geringsten als Widerspruch dazu, dass er Dich liebt, Dir treu ist, nur wirkt sich das auf die vorangegangenen Pläne nach einem Jahr zusammen zu ziehen. Allerdings gibt es da keinen Raum mehr für Kompromisse, die er vorher theoretisch als realisierbar gesehen hat. Da wäre also eine neue Abmachung notwendig, denn Du scheinst Dich genauso in Deinem Arbeitsumfeld wohl zu fühlen. Dass er verzweifelt darüber war, als Du Schluss machen wolltest, klingt auch logisch, denn er würde schon gerne mit Dir zusammen sein, nur will er im Moment nicht zurück in sein altes Berufsleben. Dass er Dir eine schöne Zeit wünscht – das kann ich natürlich nicht anders als nach den Wörtern interpretieren, aber ich tue das auch, im Bewusstsein, dass jede Sekunde ein Anfang und ein Ende ist und dass es keine Garantie gibt, dass man sich jemals wiedersieht. Umso intensiver lebe ich das Jetzt. Das heißt nicht, dass ich "für immer" Abschied nehme. Aber ja, natürlich kannst nur Du am besten interpretieren, ob er nicht doch Schluss machen will. Dass Du Deine Schwierigkeiten mit dieser Freiheit und Intensität hast, kann ich auch nachvollziehen, denn er bietet Dir keinen Halt mehr, im Sinne von festen Plänen, die 1:1 umgesetzt werden. Den Halt könntest Du jetzt mehr in Deinem eigenen Gefühl zu ihm finden dem Bewusstsein Deiner eigenen Freiheit, Dich jeden Tag für ihn zu entscheiden und Deinem Vertrauen zu Dir und ihm und das hast Du scheinbar verloren bzw. auch so nie gebraucht, weil die Situation ja eine ganz andere war.

    kleio,


    Du hast es meines Erachtens richtig erkannt.


    Nur selbst wenn es ist wie du sagst und selbst wenn ich prüfen würde, ob ich "seins leben könnte" bleibt immer noch seine (vorgeschobene?) Enttäuschung über mein Schlussmachen im Affekt. Er will nicht mehr (?).


    Ich schreibe morgen mehr.

    Ich möchte dir für deine Worte danken.


    Auch allen anderen.


    Nein, ich vertraue mich niemandem an, ich hätte Freunde, die es wollten, aber ich habe Angst vor der Macht der Worte, wenn sie mir über die Lippen kämen. Ich habe Angst es laut auszusprechen.


    In gewisser Hinsicht bin ich eben noch nicht fertig gewachsen und feige im Angesicht des Verlustes. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

    Alias 722189

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    Nur selbst wenn es ist wie du sagst und selbst wenn ich prüfen würde, ob ich "seins leben könnte" bleibt immer noch seine (vorgeschobene?) Enttäuschung über mein Schlussmachen im Affekt. Er will nicht mehr (?).

    Möglich, aber darüber kann man ja reden. Zuerst wäre es ja einmal wichtig, dass ihr miteinander redet und Du erfährst, was er nun wirklich will und wie er das alles meint. Dann kannst Du Dir ja immer noch überlegen, ob Du dafür eine Lösung siehst und was Du von ihm dafür brauchen würdest. Wenn nicht, dann wäre es zwar schade und weiter würde ich im Moment mal gar nicht denken und mich an Deiner Stelle mal nicht verrückt machen. Ich weiß, dass das manchmal leichter gesagt ist als getan, aber da hast Du sicher auch Skills, mit denen Du Dich runterbringst.

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    In gewisser Hinsicht bin ich eben noch nicht fertig gewachsen und feige im Angesicht des Verlustes. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

    Natürlich nicht, aber vielleicht könnt ihr ja auch hier gemeinsam wachsen.

    Es bleibt schwierig. Er versprach mir ja, sich nach seiner Rückkehr zu melden und ich versuche die Zeit ohne ihn zu "nutzen", um mich zu distanzieren. Gleichzeitig wünsche ich mir eine Wiedervereinigung.


    Das Gute ist, dass ich mich wirklich besser kennen lerne. Ich habe erkannt, dass ich jedes Gefühl in Gedanken(-kreisen) umsetze. Ich weigere mich vollkommen zu trauern. Das liegt wohl an meiner Vergangenheit...bei meiner schwerst bipolaren Mutter gab es nie Trost. Den Umgang mit Trauer habe ich nicht gelernt, bzw. falsch. Trauer bedeutet für mich völlige Bodenlosigkeit und Kontrollverlust.


    Und Einsamkeit....die ich nicht fühlen will.


    Ja, ich habe Freunde, an die ich mich wenden könnte, die auch fragen, bohren, Hilfe anbieten. Dafür bin ich dankbar, annehmen kann ich es aber nicht. Alle offenen Worte fühlen sich wie Bedrohung an.


    Heute schrieb ich ihm aus einer Situation heraus, berichtete von einem positiven beruflichen Umbruch, aber er antwortete nicht, was aber erträglich ist.


    Schlimm ist der Gedanke, dass er vielleicht "nur" nicht mehr will, weil ich Schlussmachte. Das wäre bitter.


    Ich hoffe auf Versöhnung und Umkehr.


    Das Neuroleptikum schlägt mittlerweile an und ich kann wieder schlafen und essen. Das Kreisen ist deutlich besser.


    Ich sehne mich nach wie vor nach Ruhe in der Seele, die mich tragen und umfangen kann.

    Alias 722189

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    Nur selbst wenn es ist wie du sagst und selbst wenn ich prüfen würde, ob ich "seins leben könnte" bleibt immer noch seine (vorgeschobene?) Enttäuschung über mein Schlussmachen im Affekt. Er will nicht mehr (?).

    Es geht ja nicht darum, sein Leben zu leben, sondern Dein Leben zu leben.

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    Nein, ich vertraue mich niemandem an, ich hätte Freunde, die es wollten, aber ich habe Angst vor der Macht der Worte, wenn sie mir über die Lippen kämen. Ich habe Angst es laut auszusprechen.

    Das muss ja nicht unbedingt sein, wenn Du Dir selbst vertraust. Was hat Dich so verunsichert, als Du gemerkt hast, dass er Eure Pläne so nicht mehr mittragen kann, wie geplant?

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    Das Gute ist, dass ich mich wirklich besser kennen lerne. Ich habe erkannt, dass ich jedes Gefühl in Gedanken(-kreisen) umsetze. Ich weigere mich vollkommen zu trauern. Das liegt wohl an meiner Vergangenheit...bei meiner schwerst bipolaren Mutter gab es nie Trost. Den Umgang mit Trauer habe ich nicht gelernt, bzw. falsch. Trauer bedeutet für mich völlige Bodenlosigkeit und Kontrollverlust.

    Hast Du es seitdem auch noch nicht gelernt, für Dich da zu sein?


    Was ist für Dich so schlimm an Trauer bzw. ist es die Trauer, die schlimm ist, oder etwas Anderes?

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    Schlimm ist der Gedanke, dass er vielleicht "nur" nicht mehr will, weil ich Schlussmachte. Das wäre bitter.

    Warum?

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    Das Neuroleptikum schlägt mittlerweile an und ich kann wieder schlafen und essen. Das Kreisen ist deutlich besser.

    :)^

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    Ich sehne mich nach wie vor nach Ruhe in der Seele, die mich tragen und umfangen kann.

    Meist Du denn, dass Du die in Dir trägst?

    Für mich klingt das alles so, als habe er selbst ziemlich psychische Probleme. Ein bisschen erinnert mich das auch an meinen Exfreund. Zuerst war da auch sehr viel Entschlossenheit (zumindest wirkte es so), er wollte dass wir bald schon zusammen in ein Haus ziehen. Dann wiederum ein komplett ambivalentes Verhalten, dass er z.b auch immer nur Zukunftspläne für sich allein machte und mich nicht einbezog. Ich denke, im Grunde hatte er zu große Ängste vor einer gesunden Beziehung. Die Sache mit dem Haus, bei meinem Ex und bei deinem auch, wäre vermutlich nie umgesetzt worden. Der Gedanke und der Wunsch war zwar da, aber die Angst es durchzuziehen war wohl einfach zu groß. Deiner ist in ein anderes Land abgehauen und wollte frei sein, meiner hat es auf andere Art kaputt gemacht.

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    Mies finde ich, dass er mir bei dem Telefonat vorwarf, ich hätte durch die Trennung alles zerstört. Er habe sich doch immer auf mich verlassen. Das empfand ich als ironisch....denn wer war unbeständig geworden? Er war es doch...ER hat doch plötzlich alles weggeschoben.

    Genau dasselbe wie mit meinem Ex. Aber lass dir keine Schuld einreden. Dein Freund kann sein Verhalten nicht reflektieren. Er mag wie ein "Hardliner" wirken, aber in Wahrheit ist er nicht in der Lage endgültige Entscheidungen zu treffen und sich festzulegen. Ihr wart ja auch noch garnicht so lange zusammen und solche Charaktereigenschaften kommen leider erst nach und nach zum Vorschein.

    Komisch, beim Lesen ist ganz spontan eine seltsame Assoziation in mir aufgestiegen. Sie mag abwegig anmuten, und ich will damit auch keinesfalls den anderen klugen Gedanken hier Konkurrenz machen, aber wenigstens erwähnen will ich sie doch: Könnte es sein, dass er eine schlimme Diagnose erhalten hat und nun versucht, allein damit fertig zu werden? Es wäre nicht das erste Mal, dass jemand aus einem solchen Grund plötzlich einen Rappel kriegt, auf einmal "ganz anders" wirkt und scheinbar mutwillig Verbindungen abbricht oder beschädigt. Vielleicht auch, um dich (vermeintlich) zu schonen.

    Ich danke euch wiederum für eure Antworten und versuche, nun darauf einzugehen. Heute geht es mir etwas besser, wobei ich nicht bei der Arbeit war - es ging einfach nicht. Zumal ich einen Beruf habe, der permanente Konzentration erfordert mit großer Verantwortung. Die gründliche Ausführung dieser Tätigkeit hätte ich heute nicht garantieren können.


    Nun scheint die Sonne und das Grauen hat mich ein wenig losgelassen.

    @ Kleio:

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    Möglich, aber darüber kann man ja reden. Zuerst wäre es ja einmal wichtig, dass ihr miteinander redet und Du erfährst, was er nun wirklich will und wie er das alles meint. Dann kannst Du Dir ja immer noch überlegen, ob Du dafür eine Lösung siehst und was Du von ihm dafür brauchen würdest.

    Er hat mir ja letzte Woche versprochen, dass er sich meldet, wenn er zurück ist. Und darauf verlasse ich mich, denn er ist ein Mensch, der sich an Absprachen dieser Art hält. Dennoch denke ich nicht, dass wir noch einen Weg zueinander finden, denn ich denke, er hat abgeschlossen mit uns. Warum ich das denke? Ich weiß nicht....vor allem die Formulierung "Gruß. Name" war doch...sehr befremdlich.

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    Wenn nicht, dann wäre es zwar schade und weiter würde ich im Moment mal gar nicht denken und mich an Deiner Stelle mal nicht verrückt machen. Ich weiß, dass das manchmal leichter gesagt ist als getan, aber da hast Du sicher auch Skills, mit denen Du Dich runterbringst.

    Ich kann dir nicht sagen, ob ich diese Skills besitze. In gewisser Hinsicht ja, mein vernünftiger Teil sagt mir, dass das alles vergeht und irgendwann nicht mehr wehtut. Aber das Kreisen macht mir eben doch immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Es quält mich bis hin zur tiefen Verzweiflung.

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    Das muss ja nicht unbedingt sein, wenn Du Dir selbst vertraust. Was hat Dich so verunsichert, als Du gemerkt hast, dass er Eure Pläne so nicht mehr mittragen kann, wie geplant?

    Zum einen war es sicherlich eine ganz normale (Liebeskummer-)traurigkeit. Dieser Verlust gemeinsamer Pläne. Zum anderen aber auch eine extrem tiefe, existentielle Angst, nun ein zweites Mal mein Zuhause zu verlieren.

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    Das Gute ist, dass ich mich wirklich besser kennen lerne. Ich habe erkannt, dass ich jedes Gefühl in Gedanken(-kreisen) umsetze. Ich weigere mich vollkommen zu trauern. Das liegt wohl an meiner Vergangenheit...bei meiner schwerst bipolaren Mutter gab es nie Trost. Den Umgang mit Trauer habe ich nicht gelernt, bzw. falsch. Trauer bedeutet für mich völlige Bodenlosigkeit und Kontrollverlust.

    Hast Du es seitdem auch noch nicht gelernt, für Dich da zu sein?

    Ich kann diese Frage nicht genau beantworten. Irgendwie schon, ja, ich habe es gelernt. Ich brauche keine Psychiatrie mehr in Krisensituationen, ich "drehe nicht völlig durch" sondern lebe beharrlich weiter, aber richtig sicher fühle ich mich in mir nicht. Dafür ist da zu viel dunkle Bedrohung durch eventuelle Trauergefühle.

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    Was ist für Dich so schlimm an Trauer bzw. ist es die Trauer, die schlimm ist, oder etwas Anderes?

    In meiner Kindheit wurde Trauer NIE adäquat beantwortet, aufgrund der Krankheit meiner Mutter wurde ich nie getröstet. Dieses "Man ist traurig, aber es vergeht wieder" wurde mir nie beigebracht. Ich war immer schrecklich alleine in meiner Trauer und daraus resultierte eine große Stille. Bis heute schneide ich Gefühle einfach ab und setze sie in Gedanken um. Er hat mich oft als sehr "verkopft" bezeichnet und mich gebeten, mich fallen zu lassen, ihm zu vertrauen. Das tat ich dann irgendwann....Freude keimte, Zuversicht, gesunde Wut über doofe (berufliche) Situationen. Ich fühlte mich so ganzheitlich....

    @ Aurora:

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    Für mich klingt das alles so, als habe er selbst ziemlich psychische Probleme. Ein bisschen erinnert mich das auch an meinen Exfreund. Zuerst war da auch sehr viel Entschlossenheit (zumindest wirkte es so), er wollte dass wir bald schon zusammen in ein Haus ziehen. Dann wiederum ein komplett ambivalentes Verhalten, dass er z.b auch immer nur Zukunftspläne für sich allein machte und mich nicht einbezog. Ich denke, im Grunde hatte er zu große Ängste vor einer gesunden Beziehung.

    Es tut mir leid, dass du die gleiche Erfahrung gemacht hast. Hier im Faden wurde irgendwo angemerkt, dass ich sein Verhalten nicht pathologisieren solle. Aber so wie du es auch sagst: Ich glaube WIRKLICH, dass bei ihm etwas nicht stimmt. Seine Stimmungsschwankungen waren schon immer sehr ausgeprägt, aber ich konnte sie händeln, weil die groben Absprachen immer eingehalten wurden. Er selbst hat auch bestätigt, dass er sich manchmal gar nicht selbst verstehe.


    Ich weiß nicht, ob er Angst vor Nähe hat. Aber ich weiss, dass er schreckliche Angst vor dem Sterben entwickelt hat in den letzten Monaten. Das war ein großes Thema. Und hier möchte ich auch auf deinen Post eingehen, INDIVIDUALIST: Er hatte in den letzten Monaten zum ersten Mal starke Rückenschmerzen. Er ist sehr sportlich und eigentlich sehr gesund, aber es kam der Punkt, als wir bei einem Arzt saßen, dass dieser sagte, er müsse sich damit abfinden, dass er alt werde. Mein Freund reagierte darauf vordergründig souverän, aber er war den ganzen Abend latent aggressiv zuhause. Ich denke nicht, dass er irgendeine Diagnose bekommen hat (dafür waren wir viel zu oft zusammen), aber es ist ein Mosaik auf vielem entstanden: Der Verlust vieler Menschen, eine vorangehende schwierige Trennung von seiner Ex-Freundin, seine Rückenschmerzen, die selbstgewählte Kündigung, der Geldsegen durch Erbe und auch aus Erspartem resultierend...


    Und, das haben mir auch seine Freunde bestätigt: Er schöpfte Kraft aus mir. Er war unbändig verliebt in mich. Viele dankten (!) mir, dass ich ihn so beständig mochte, obwohl er oft so schwierig und egoistisch ist. Er liebte mich wirklich....und dann wollte er losleben. Und ich sollte es mittragen. Seinen Egoismus, seine Pläne. "Leb damit, oder lass es!", sagte er zu mir.


    Ich fühle mich hilflos.


    In ein paar Wochen findet unser Gespräch statt und ich weiss wieder einmal nicht, wie ich sein soll: Taktisch klug wie es in jedem scheiss "Ich will ihn Zurück-Ratgeber" steht, also souverän, ruhig, autark wirkend. Oder ob ich nicht ehrlich sein soll, meine Bedürftigkeit zeigen soll. Es geht mir nicht gut. Alles andere ist gelogen.


    Er fehlt mir. Mein Gehirn kann es nicht verstehen, dass es so kippte.

    Manchmal denke ich: Ich war wie eine Rampe in die Freiheit für ihn. Bei ihm in schwierigen Zeiten, ihn umhüllend mit Liebe und Zärtlichkeit.


    Er hat mich 6 Wochen vor seinem Auslandsaufenthalt gefragt, ob ich ihn im Sommer heiraten wolle. Er war einmal in seinem Leben verheiratet und schwor immer, er wolle nie mehr heiraten.


    Es ist so irr. So völlig quer.


    Und ich hänge in der Luft. Vielleicht ist es längst rum und ich habs nicht begriffen, vielleicht wird es wieder.

    Ich muss dazu sagen, dass ich von außen betrachtet "alles richtig mache". Ich lenke mich tagsüber ab, bewege mich extrem viel, greife zu keinerlei Substanzen (außer dem Neuroleptikum), arbeite (bis auf heute) beständig weiter und tröste mich nicht mit wahllosem Sex (tat ich früher oft).


    Schlimm ist nur, dass das Kreisen bleibt. Ganz tief unter der Stille, die sich wie ein Dach über alle Trümmer legt.