Beziehung mit in Folge von Ängsten arbeitslosem Partner denkbar?

    Hallo,


    könntet ihr euch vorstellen mit jemandem zusammen zu sein, der psychische Probleme hat und sich dadurch als nicht arbeitsfähig sieht und nicht arbeitet?


    Jemand hat z.B. Antriebsschwierigkeiten und soziale Ängste, z.B. im Bereich Leistung erbringen im Job, Angst vor Autoritätspersonen usw. Aber nichts so Schlimmes, was ein harmonisches Beziehungsleben massiv beeinträchtigen würde. Solange derjenige nicht in diese angstbesetzten Situationen wie Leistungsdruck kommt, könnte er mit euch eine relativ normale Beziehung führen. Nur finanziell würde er halt nicht so gut dastehen, aber das würde ihm reichen.


    Könntet ihr euch das als "gesunde" Menschen vorstellen, mit so jemandem eine Beziehung zu führen, auch wenn man die sozialen Ängste nicht direkt nachempfinden kann?


    Würdet ihr den Partner dann in eine Richtung versuchen zu unterstützen? Entweder dass er sich wirklich schonen und nicht arbeiten soll oder ihm zureden, dass es ihm mit Arbeit und Konfrontation besser gehen würde? Oder würdet ihr euch da gar nicht "einmischen" und Arbeit oder nicht Arbeit seine Angelegenheit sein lassen?


    Viele Grüße

  • 128 Antworten

    Um ehrlich zu sein, würde für mich so eine Beziehung nicht in Frage kommen.


    Vielleicht wäre es anders, wenn ein aktueller Partner, der vorher normal gearbeitet hat, irgendwann einmal nicht mehr könnte. Aber das müsste ich selbst schon so mitbekommen und nicht nur erzählt werden.


    Dabei geht es nicht mal so ums Geld, ich könnte ohne Probleme eine weitere Person finanzieren, aber Leistungsdruck haben heutzutage fast alle. Ich finde es essentiell wichtig, wie man selbst und wie andere mit solchen Herausforderungen umgehen können.


    Ich bin gespannt, wie andere das hier sehen und bin mir ziemlich sicher, dass ich hier den Mainstream verfehle!

    Ich sehe das wie Minnaly, im Leben kann es immer dazu kommen, dass man den Partner unterstützen muss, dass er/sie krank wird etc. Aber wenn die Beziehung dann schon eine solide Basis hat, kommt man auch durch schwere Zeiten. Bewußt von Anfang an würde ich jedoch so eine Beziehung nicht eingehen.


    Und ganz ehrlich, einen Mann, der grundsätzlich Angst vor Authoriätspersonen hat, finde ich unmännlich. Ich würde im Boden versinken, wenn mein Partner sich z.B. in einer banalen Verkehrskontrolle wie ein Kleinkind benimmt oder rumstottert und vor Aufregung seine Papiere nicht findet o.ä.

    Zitat

    Dabei geht es nicht mal so ums Geld, ich könnte ohne Probleme eine weitere Person finanzieren, aber Leistungsdruck haben heutzutage fast alle. Ich finde es essentiell wichtig, wie man selbst und wie andere mit solchen Herausforderungen umgehen können.

    So sehe ich das auch.

    Zitat

    Ich sehe das wie Minnaly, im Leben kann es immer dazu kommen, dass man den Partner unterstützen muss, dass er/sie krank wird etc. Aber wenn die Beziehung dann schon eine solide Basis hat, kommt man auch durch schwere Zeiten. Bewußt von Anfang an würde ich jedoch so eine Beziehung nicht eingehen.

    :)^

    für mich wäre wohl auch die frage, was derjenige schon alles unternommen hat, um aus seiner (bestimmt auch für ihn unbefriedigenden) situation herauszukommen.


    auch ich könnte mir einen partner, der nicht verdient an meiner seite "leisten", was sich allerdings daraus für eine dynamik entwickeln könnt... puh... keine ahnung ???

    Für mich ginge es gar nicht mal so sehr um's Arbeiten, nicht Arbeiten oder das Geld. Ich komme langfristig nicht damit klar, wenn sich jemand in seinem eigenen Elend häuslich einrichtet und keinerlei Versuche unternimmt, um die Situation zu ändern.


    Nicht mal notwendigerweise wegen einer möglichen Erwerbsarbeit, sondern wegen der eigenen Zufriedenheit und dem Gefühl ein (wie auch immer gelagertes) gutes Leben führen zu können.

    Zitat

    Jemand hat z.B. Antriebsschwierigkeiten und soziale Ängste, z.B. im Bereich Leistung erbringen im Job, Angst vor Autoritätspersonen usw.

    Das wird früher oder später auch den Paaralltag auf die eine oder andere Weise beeinträchtigen. Probleme mit Autoritätspersonen kann es immer mal geben. Und einen gewissen Antrieb im Sinne von Lebensfreude und dem Drang etwas erleben und vielleicht auch verändern zu wollen halte ich für wichtig. Ich meine hej, mit irgendwelchen Inhalten muss man ja seine Tage und sein Leben auch füllen (wollen)!

    Naja es kommt auf die Person darauf an, wenn die Person halt nichts macht, dann wäre es wohl für mich nicht attraktiv, aber wenn die Person tatsächlich KRANK ist, würde es mich nicht stören, wieso auch? Jeder trägt seinen Ballast mit sich.

    Zitat

    Hallo,


    könntet ihr euch vorstellen mit jemandem zusammen zu sein, der psychische Probleme hat und sich dadurch als nicht arbeitsfähig sieht und nicht arbeitet?

    Nein, könnte ich nicht. Früher als naiver Teenager hätte ich vielleicht noch jeden retten wollen, aber heute wüsste ich, dass das eine Belastung wäre, die ich nicht tragen möchte und die einen selbst noch mit runterzieht.


    Anders wäre es, wenn man schon länger zusammen ist und dann wird jemand arbeitslos oder erkrankt. Dann hat man eine Basis, man ist miteinander verbunden. Ich sag immer, es ist so ein bißchen wie ein Sparbuch. Mit der Zeit spart man an, und dann kann man auch mal einen Kredit nehmen. Aber ein Konto eröffnen und gleich eine Kreditkarte haben und überziehen wollen, das geht nicht.

    Das käme ganz auf die Person drauf an. Angstpatienten sind oft gar nicht ängstlich, so wie man sich das


    normalerweise vorstellt. Sie können durchaus ganz mutig sein und auch eine ausgeprägte Persönlichkeit besitzen.


    Die Angst ist häufig ganz komplex. Kaum oder gar nicht erklärbar. Und phobische Ängste vor diversen


    Situationen machen aus einem Mann keinen Waschlappen.


    Also, ich könnte mir eine Beziehung zu solch einem Menschen durchaus vorstellen, wobei mir


    klar ist, dass es nicht ganz einfach ist. Es käme auch drauf an, inwieweit der Partner schon Versuche


    unternommen hat, seine Angststörung zu überwinden.


    Nicht bereit zu einer Beziehung wäre ich allerdings, wenn ich lediglich das Kindermädchen und


    der Ernährer spielen müsste. Wenn ich mich ausgenutzt fühlen würde.


    Ich sehe mich nicht als Retter, habe aber für vieles Verständnis. Es gibt Menschen, und es sind nicht unbedingt die


    "schlechtesten" , die mit unserem überzogenen Leistungsdruck nichts anfangen können.

    Nein, ich könnte mir das nicht vorstellen. Ich hätte große Probleme, eine tatsächliche Arbeitsunfähigkeit von Faulheit zu unterscheiden, bzw. kann ich mich generell nicht so gut in psychische Probleme hineinversetzen und Verständnis aufbringen, dass es für mich möglich wäre zu akzeptieren.

    Zitat

    Solange derjenige nicht in diese angstbesetzten Situationen wie Leistungsdruck kommt, könnte er mit euch eine relativ normale Beziehung führen.

    Leistungdruck ist ja ab einem gewissen Maß für niemanden schön und kann durchaus zu psychischen Problemen führen. Nur kann es sich nicht jeder leisten, sich darin einzurichten, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und sich solchen Situationen gar nicht erst auszusetzen. Meinen Respekt hat eher der, der es schafft, sein Leben nicht mit dem Kopf im Sand zu verbringen.

    Ich würde es nicht machen. Nicht mehr.


    Ich war mal mit einem Typen zusammen, der "Nicht aufstehen kann" und generell für jedes Argument in der Form von "Mach doch die und die Ausbildung" ein Gegenargument hatte.


    Ich habe ihn zuerst unterstützt und versucht ihm so gut zu helfen, wie es ging. Aber selbst wenn ich da war, kam er manchmal nicht aus dem Bett hoch, ich fühlte mich "verarscht", denn ich bin 700km angereist nur um dann einen Partner zu haben, der das ganze Wochenende nur im Bett liegt und ich dann an seinem PC gezockt hab...dafür hätte ich nicht anreisen brauchen.


    Ich habe viel versucht um ihm zu helfen. Er meinte immer er könne nicht aufstehen, weil er Kopfschmerzen hat und sich schlapp fühlt. Er konnte sich dann nichtmal melden und sagen "Mir gehts heute nicht so gut." Manchmal habe ich tagelang auf eine Reaktion von ihm gewartet und mir sonstwas ausgemalt, was passiert sein könnte.


    Jede Ausbildungsstelle oder Nebenjob, den ich oder seine Familie für ihn raussuchte, war nicht das richtige. Er konnte sich zu nichts aufraffen...nichtmal Inventur mal einmal zu machen oder so.


    Jetzt im Nachhinein denke ich: Er war depressiv.


    Ich war auch schon depressiv, ich hätte zu meinen schlimmsten Zeiten nicht mit mir selbst zusammen sein wollen. Aber ich habe etwas getan, ich war in Therapie, versuchte meinen Alltag einigermaßen zu managen...


    Ich denke, wenn es so ein generelles Problem ist, dass er nicht arbeiten kann wegen Obrigkeit, könnte ich das nicht dauerhaft mitmachen, da ich mich selbst ausgenutzt fühlen würde...Ich schaff das Geld heim und er macht sich nen Lorenz. (Allerdings bin ich auch der Meinung, dass ich wenn ich Kinder hab wieder wenigstens Teilzeit zum Haushaltseinkommen beitragen will nach Elternjahr.)


    Wenn er den Willen zeigen würde, daran zu arbeiten mit Therapie und erstmal nur ein paar Stunden arbeiten, später aber mehr, könnte ich es mir vorstellen.


    Aber jemand der nicht arbeitet, es für die Zukunft für sich aber auch vollständig ausschließt...das könnte ich nicht.

    Hallo zusammen :-)


    Wenn ich mich in einen Menschen verliebe, der mir seine Probleme anvertraut werde ich das nicht davon abhängig machen, ob er arbeitsfähig ist.


    Ich mache es davon abhängig, ob er ein Herz hat, ob er denken kann/will und zu mir passt.


    Fast jeder hat irgendwann mal irgendwas und gerade Angsterkrankungen sind nicht so einfach zu händeln. Klar, man möchte einen "funktionstüchtigen, starken Partner", das kommt hier auch bei einigen so rüber und ich verstehe und akzeptiere das.


    Aber ich sehe das anders: Jeder hat Macken, die einen mehr, die anderen weniger.


    Wenn er dadurch finanziell weniger leistungfähig wäre und ihn das nicht stören würde, könnte ich damit leben.


    Ich habe auch Einschränkungen und muss damit leben und das ist weder für mich, noch für mein Umfeld immer leicht. Muss ich jetzt andere mit meiner Anwesenheit verschonen?! Würde das meine Probleme nicht sogar verschärfen, wenn ich als Mensch mit "psychischen Problemen" so offen abgelehnt würde? ":/


    Schade, dass diese Meinung, jemand, der depressiv, persönlichkeitsgestört, Angsterkrankt oder sonstwas ist, wäre daher ein "nicht akzeptabler Partner" oder finanziell nicht so aufgestellt - um sich greift.

    Zitat

    Schade, dass diese Meinung, jemand, der depressiv, persönlichkeitsgestört, Angsterkrankt oder sonstwas ist, wäre daher ein "nicht akzeptabler Partner" oder finanziell nicht so aufgestellt - um sich greift.

    Warum? Es ist nunmal so, dass es unterschiedliche Werte gibt. Es gibt Situationen mit denen würde ich klar kommen, und es gibt welche, wo ich bereits einmal an meine Grenzen gekommen bin. So würde ich das auch kommunizieren.


    Mich würde die Situation. Die Ungewissheit für die Zukunft, das "Mama" spielen und versorgen mit der Zeit kaputt machen. Diese Grenze kenne ich.


    Ich finde man hat das Recht nicht alles hinzunehmen, um sich auch für sich selbst zu sorgen.


    Wie gesagt ich war selbst schon depressiv. Meinen jetzigen Partner lernte ich kennen bevor meine Therapie zu Ende war. Ich erklärte ihm, worauf er sich einlassen würde, wenn er wirklich mit mir zusammen sein will, dass ich eben auch sehr schlechte Tage habe. Ich habe ihm frei gestellt, doch noch einen Rückzieher zu machen und zu sagen, er will das für sich nicht, das wäre für mich total in Ordnung gewesen, ich war zwar verknallt, wusste aber, ich bin jetzt momentan nicht gerade die ideale Partnerin.


    Verknallt sein, heißt nicht verliebt sein. Wenn mein Partner aufgrund von psychischer Krankheit nicht arbeiten kann, würde ich versuchen ihn zu unterstützen.


    Aber wenn ich nur verknallt bin...habe ich auch die Möglichkeit zu sagen "Das ist mir zu viel, das schaffe ich nicht". Ich finde es sogar besser dann vorher die Reißleine zu ziehen...erspart beiden die Schmerzen einer fiesen Trennung, weil man plötzlich doch nicht mit der Krankheit klar kommt.


    Auch nicht jeder könnte mit einem querschnittsgelähmten zusammen sein. Nicht jeder möchte sich "einschränken", was Mobilität angeht oder Ähnliches...


    So ist das Leben...

    Übrigens könnte ein "nicht akzeptabler Partner" ja auch jemand sein, der nicht psychisch krank ist, sondern einfach für immer getrennt wohnen will. Oder jemand der dick ist, auch nicht abnehmen will, in den man sich aber verliebt hat wegen seiner Art. Man kann es hinnehmen oder man sagt "Ne das kann ich mir langfristig nicht vorstellen."


    Da hat man doch auch die Wahl zu sagen "Nö will ich so für mich nicht".


    Warum sollte man das bei einem psychisch kranken Menschen anders handhaben? ":/

    @ xirain

    die beiden ersten Beispiele von Dir sind erworbene und selbstbestimmte Dinge, die jeder selber in der Hand hat.


    Psychische Erkrankungen sind das leider eher nicht.


    Man kann eine Depression nicht einfach abstellen oder Ängste zwar unterdrücken aber sie doch in einer Beziehung thematisieren können....


    Zu der Beziehungsanbahnung die Du beschreibst: Ich finde, das hast Du genau so gemacht, wie es sich "gehört" und zwar ganz prima. So mach ich das auch immer!! :)^

    Zitat

    Mich würde die Situation. Die Ungewissheit für die Zukunft, das "Mama" spielen und versorgen mit der Zeit kaputt machen. Diese Grenze kenne ich.

    Da muss ich dir recht geben.


    Mit einer Frau, die meint die Mama spielen zu müssen, nur weil ich psychisch krank bin, wollte ich auch nicht zusammen sein. Ich habe genug Probleme, auch ohne eine Glucke.


    Gut, dass meine Freundin nicht das Gefühl hat, mich bevormunden zu müssen. Wir führen eine Partnerschaft lieber auf Augenhöhe. :-)

    Und genau das könnte ich dann wieder nicht ;-D


    Wie gesagt, ich hab da meine eigenen Erfahrungen machen müssen...


    Obwohl es generell glaube ich noch schwieriger ist, wenn beide psychisch krank sind...(selbst wenn der eine es nicht einsehen will), man reibt sich gegenseitig wund...


    Ich würde meinen Partner nicht verlassen, weil er psychisch krank ist, aber nach einer gewissen Zeit, wohl schon, wenn es absolut nicht mit meiner eigenen glücklichen Existenz vereinbar wäre.


    Bei jemandem, der keinen Antrieb hat für unser gemeinsames Wohlergehen zu arbeiten, würde ich die ganze Zeit Versorger spielen...und die ganze Zeit zweifeln, an mir, unserer Beziehung, dass ich zu viel gebe... usw.


    Ich kenne mich selbst einfach gut in der Hinsicht, ich würde uns beide damit kaputt machen. Ich würde den Selbstzerstörungsknopf drücken und ihn mitnehmen.


    Davon hat ja keiner was auf lange Sicht.


    Aber dafür muss man sich selbst einschätzen können.


    Ich bezweifel nicht, dass es nicht glückliche Beziehungen geben kann, bei der eine Person wegen Psyche dauerhaft für immer zuhause ist, nichtmal bestreben hat arbeiten zu gehen. Das kann bei den richtigen Personen zueinander passen und aufgehen...


    Ich kann das für mich aber ausschließen. Jemand der kein Bestreben hat zu arbeiten, den würde ich immer motivieren sich arbeit zu suchen, irgendwas... Oder eben "sich nicht so hängen zu lassen" Komm schon!


    Und das ist ungesund für jegliche Liebesbeziehung... der Typ würde irgendwann weglaufen, oder ich würde irgendwann platzen.


    Ich hab gewissermaßen, einen passenden Deckel gefunden in einer Person, die weiß was sie will, die sich um eigene Angelegenheiten auch kümmert, die meine Unterstützung nicht brauch. Ich selbst brauch meine Unterstützung ja schon genug. So können wir auf einer Augenhöhe zusammen sein.


    Obwohl mein Partner bis heute behauptet, ich wäre während wir zusammen waren, niemals depressiv gewesen, ich hätte nur ein beknacktes Umfeld gehabt, dass mich mit der Zeit ausgelaugt hätte ":/ und das obwohl ich ihm viel darüber erzählt habe, was ich in der Therapie mache.