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    Ich denke, diese Rollenbilder basieren auf Geschlechterklischees und einem differenzierteren Miteinander müssen differenziertere Geschlechterbilder vorangehen

    Gebe ich dir Recht.

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    daher würde ich mir wünschen, dass jede*r solche Klischees hinterfragt und herausfordert, wenn sie einem begegnen, auch im eigenen Kopf. Vielleicht sogar besonders da, ist schließlich der einzige Kopf, auf den man direkten Zugriff hat.

    Ja, können wir hier auch gerne diskutieren. Ich glaube sogar, dass wir gar nicht soooo weit voneinander entfernt sind.

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    Das Bild vom starken männlichen Mann, der stets stark und männlich sein muss, um überhaupt als männlich gelten zu dürfen, ist in meinen Augen ein sexistisches Klischee und dieses unkritisch zur persönlichen Vorliebe zu erklären, die nix mit gar nix zu tun hat, ist der Sache mit der differenzierten Betrachtung von Menschen imo nicht zuträglich.

    Hmm. Aber seine sexuelle Präferenz ist ja nun nur bedingt steuerbar. Und ja, ich stehe auf Testosteron. Ich finde auch meine Freundinnen tolle Menschen mit denen ich teilweise durchaus zusammen leben könnte. Aber ich stehe eben nicht auf sie. Und das lässt sich auch nicht durch vernünftige Argumente der "Gleichstellung" ändern.


    Für mich hat Emanzipation auch nicht so viel mit Gleichmacherei zu tun. Ich bin gerne eine Frau und möchte auch als solche gesehen werden. Deswegen muss ich ja aber nicht einsehen, warum ich schlechtere Jobchancen haben sollte oder weniger Geld oder warum ich zuhause mehr putzen sollte oder keine Bohrmaschine bedienen könnte.


    Genauso wenig verstehe ich, warum ein Mann nicht stricken / nähen oder rosa tragen sollte. Oder halt das Kind umsorgen und Abendessen kochen. Das sind für mich alles völlig geschlechtsuntypische Tätigkeiten und gegen die Festschreibung wehre ich mich auch.


    Trotzdem finde ich einen starken Mann attraktiv.

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    schriebst, dass sich traditionelle Rollenbilder ablehnen und diesen aber gleichzeitig in Teilen bei der Partnerwahl anhängen sich nicht widersprechen. Ich finde, das widerspricht sich.

    Ein Gedanke dazu: Ich lehne traditionelle Rollenbilder ab und finde auch nicht, dass ich ihnen in der Partnerwahl anhänge. ABER: Das heißt noch lange nicht, dass ich in einem Mann das exakte Gegenteil des Männerklischees möchte. Ich finde, ein Mensch sollte nach Möglichkeit seine starke und seine schwache Seite kultivieren. Ein Mann, der nur den Harten markiert, interessiert mich nicht. Aber jemanden der nur von der Welt eingeschüchtert ist, würde ich auch nicht wollen.

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    Ich denke, diese Rollenbilder basieren auf Geschlechterklischees und einem differenzierteren Miteinander müssen differenziertere Geschlechterbilder vorangehen -

    Braucht es überhaupt Geschlechterbilder? Ich finde eigentlich nicht. Ich bin ein weiblicher Mensch und habe diverse Charaktereigenschaften. Ich sehe eigentlich keinen wirklichen Bedarf nach einem wie auch immer daraus konstruierten Zusammenhang.

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    daher würde ich mir wünschen, dass jede*r solche Klischees hinterfragt und herausfordert, wenn sie einem begegnen, auch im eigenen Kopf. Vielleicht sogar besonders da, ist schließlich der einzige Kopf, auf den man direkten Zugriff hat.

    Ja, Zustimmung. Aber nur weil man ein Klischee verabscheut, muss man noch lange nicht das Gegen-Klischee lieben...

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    Das Bild vom starken männlichen Mann, der stets stark und männlich sein muss, um überhaupt als männlich gelten zu dürfen, ist in meinen Augen ein sexistisches Klischee und dieses unkritisch zur persönlichen Vorliebe zu erklären, die nix mit gar nix zu tun hat, ist der Sache mit der differenzierten Betrachtung von Menschen imo nicht zuträglich.

    Zustimmung.

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    aber es ging ja nun gerade um das Thema Rollenbilder und warum psychisch erkrankte Männer es bei der Beziehungssuche schwerer haben.

    Wissen wir überhaupt sicher, dass es so ist? Gibt ja auch psychische Erkrankungen wie z.B. Narzissmus, die mit dem Männerklischee ganz gut vereinbar sind und wahrscheinlich die Beziehungssuche erstmal nicht erschweren (die Beziehungsqualität dann schon eher.) Außerdem gibt es ja durchaus such depressive Männer mit Partnerschaften. Und es gibt genug Leute OHNE psychische Erkrankung, die sich bei der Partnersuche auch schwer tun.

    Ich habe eine Bekannte, die seit 25 Jahren alle (wirklich extremen!) Höhen und Tiefen mit einem Mann durchlebt, der an einer bipolaren Störung leidet. Die bezichnete meinen Mann einmal als "unmännlich", weil der sich im gleichen Maße in die Familienarbeit einbringt wie ich.


    Da kann man sich wirklich fragen, was jeder einzelne als männlich sein definiert: Jemand, der kein Problem damit hat, seine Rolle so zu leben wie er es für richtig und gut hält oder jemand, der eisern darauf achtet, dem Bild von einem männlichen Mann zu entsprechen.

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    Ich glaube sogar, dass wir gar nicht soooo weit voneinander entfernt sind.

    Das glaube ich auch. Ich habe auch nicht gemeint, dass Du auf irgendetwas anderes stehen solltest, ich habe vor allem ein Problem mit der Zuschreibung von Eigenschaften zu männlich/weiblich bzw. unmännlich/unweiblich und ich denke, wie gesagt, dass man solche Denkmuster gerne einer genauen Prüfung unterziehen darf (nicht, um dabei zu irgendeinem vorgefassten "richtigen" Ergebnis zu kommen, aber um den eigenen Blick und das eigene Bewusstsein zu schärfen und manchmal lernt man ja doch noch etwas über sich). Was ein "echter Mann" und eine "richtige Frau" ist, das fängt in unseren eigenen Köpfen an, aber betrifft letztendlich uns alle sehr real.



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    Wissen wir überhaupt sicher, dass es so ist?

    Ich zumindest nicht. KannNichtKlagen hat von ihren Erfahrungen berichtet, und ich kann mir, auch vor dem Hintergrund der Antworten in diesem Thread, auch gut vorstellen, dass es für Männer schwieriger ist. Zumindest wenn die Erkrankung eben nicht zum immer noch stark gedachten Männerbild passt.

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    Was ein "echter Mann" und eine "richtige Frau" ist, das fängt in unseren eigenen Köpfen an, aber betrifft letztendlich uns alle sehr real.

    Nicht nur. Erotische Anziehung ist davon unabhängig, was man rein kopfmäßig problemlos akzeptieren kann.

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    Nicht nur. Erotische Anziehung ist davon unabhängig, was man rein kopfmäßig problemlos akzeptieren kann.

    Ich halte auch erotische Anziehung tatsächlich nicht für so in Stein gemeißelt. Womit ich bitte nicht sagen möchte, dass man sich selber irgendwie umerziehen muss oder sowas, aber ich denke, wenn man Denkmuster ändert, ändert sich eine ganze Menge mit und wenn man Dinge mit neuen Augen sieht, sehen sie auf allen möglichen Ebenen anders aus.

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    Ich halte auch erotische Anziehung tatsächlich nicht für so in Stein gemeißelt. Womit ich bitte nicht sagen möchte, dass man sich selber irgendwie umerziehen muss oder sowas, aber ich denke, wenn man Denkmuster ändert, ändert sich eine ganze Menge mit und wenn man Dinge mit neuen Augen sieht, sehen sie auf allen möglichen Ebenen anders aus.

    Natürlich wandelt sich erotische Anziehung mit der Lebenszeit und der Erfahrung - heute könnte mich ein 20-jähriger Rapper nicht mehr aus dem Konzept bringen. Damals konnte ich einer geisteichen Unterhaltung nicht so viel abgewinnen etc. Das Attribut "geistreich / intelligent" hat in der Tat mit den Jahren an "sex-appeal" gewonnen. Aber eher durch Lebenserfahrung als durch entschlossenes Umdenken.


    Ich denke, Erfahrung hat hier größeren Einfluß als "Umdenken"; wurde eine Frau oft genug von einem Macho-Mann betrogen, sucht sie sich ggf bewußt das Gegenteil. Man sieht ja auch an dieser Diskussion, dass die meißten Frauen ( mich eingeschlossen) als Begründung, wieso sie keinen Partner mit psych. Erkrankung haben wollen, die Erfahrung aus einer Beziehung mit einem "solchen Mann".

    Ich hab gerade überlegt, ob ich stark, dominant, durchsetzungsfähig, große Klappe etc. wirklich will, weil das so schön männlich ist...


    Tatsächlich umgebe ich mich gerne auch mit Frauen die so sind.


    Liegt vll auch ein wenig an der Branche in der ich arbeite (Tiefbau). Da ist nur derjenige erfolgreich, der sich durchsetzen kann und was bewegt. Da herrscht schon ein rauer Ton.


    Ich würde behaupten, dass ich das auch ganz gut hinbekomme. Da muss der Mann schon mithalten können... Und ich finde es eben einfach attraktiv wenn ER in gewissen Dingen besser ist als ich. Irgendwas muss einen ja an dem Kerl faszinieren.


    Tatsächlich ist das recht geschlechtsunabhängig. Ich habe wahnsinnig tolle Freunde / Bekannte die ich sehr schätze obwohl sie absolut nicht die taffen und durchsetzungsstarken Powerfrauen sind. Das steht für mich völlig außer frage. Faszinieren und reizen tun mich aber andere Mäddels. Jetzt nicht sexuell aber so als Vorbild oder wenn ich mal Rat brauche oder so.


    Das gilt ebenfalls geschlechtsneutral. Ich finde dieses "starke" also geschlechtsneutral sexy.


    Das jemand "kein Mann" ist, weil er selbstverständlich den Haushalt macht finde ich völlig gestört. Da würde ich im Zusammenleben eh drauf bestehen.


    Die der Mann der "taff, stark, energievoll, witzig, durchsetzungsstark, extrovertiert und dabei liebevoll ist und ein treusorgender Vater der den Haushalt zu mindestens 50% schmeißt und außerdem 50% der Kinderbetreuung übernimmt" wird von mir also noch gesucht.


    Da ich solche Männer kenne, bin ich zuversichtlich. Aber falls ich keines dieser raren Exemplare bekommen sollte ist auch ok. ;-D