Beziehung wegen interkultureller Differenzen beenden?

    wir sind beide seit ca. einem Jahr zusammen, haben diesselbe Religion, aber unterschiedliche Sprachen und wir wurden unterschiedlich kulturell erzogen. Er ist mehr der kollektive Familienmensch und ich eben ziemlich Deutsch (individualistisch) erzogen, habe aber auch länger im Ausland gelebnt (in asiatischen Ländern) und konnte mich dort in der Kollektivkultur auch wiederfinden.


    Die Situation hat sich verstärkt, seit seine Eltern aus dem Heimatland bei ihm eingezogen sind. Bei den Familientreffen komme ich mir mittlerweile oft ausgegrenzt vor und da er so eng mit seiner Familie verwoben ist, stelle ich die Beziehung infrage.


    Jetzt gab es wieder so einen Konflikt, denn ich habe mal in einem Gespräch seine Schwester gefragt, ob es in seiner/ihrer Kultur üblich seie, dass die Kinder solange bei den Eltern wohnen, bis die Kinder selbst Eltern werden oder ob man normalerweise mit der Hochzeit auszieht. In dem asiatischen Land wo ich gewohnt habe, ziehen die Kinder nämlich erst aus, wenn sie selbst Kinder haben.


    Das hat letztendlich zu so einem Familieneklat geführt, in seiner Kultur stellen nur schlechte Menschen solche Fragen, ich seie unverschämt und alle haben sich total aufgeregt über mich...


    Er positioniert sich jetzt nicht gerade neutral, sondern hält daran fest, dass ich einen "Fehler" gemacht habe... aber das bdeutet ja auch, seine Kultur hat immer Recht, er richtet sich nur danach und nicht nach der Deutschen... nur zur Info, ich bin Deutsche und wurde so erzogen und spreche seine Sprache nicht und ich finde so eine Frage legitim, bei uns ist auch niemand gleich ein schlechter Mensch nur weil er eine falsche Frage stellt...


    Ich frage mich wie das später werden soll mit den Kindern etc, wenn jetzt schon alles Deutsche automatisch schlecht ist.. ich bin es auch ehrlich gesagt so leid, immer die Rolle derjenigen spielen zu müssen, die "Fehler" macht und alle gegen sich aufbringt...zumal er bis jetzt nicht gerade willig war, über diese Kulturdifferenzen zu sprechen zu wollen

  • 7 Antworten

    Ja, es gibt Kulturen in denen die Familie wichtiger ist als der Partner und an so eine Kultur bist du wohl ran geraten. Was bleibt übrig ? Entweder sich damit abfinden und stillschweigend unterordnen oder sich nicht damit abfinden und die Sache beenden. Es wird am Ende nämlich genau so sein wie du sagst, die Kinder werden nach seiner Kultur erzogen, du hast da wenig bis garnichts mitzureden, er wird dir niemals den Rücken stärken wenn es Streitigkeiten oder Probleme mit seiner Familie gibt. Du bist am Ende eigentlich mehr das nette Anhängsel als die Partnerin.

    Ich erkenne jetzt ehrlich gesagt nur aus dieser Meinungsverschiedenheit noch nicht den Umstand, dass alles Deutsche in seinen Augen grundsätzlich schlecht ist. Dass "seine Kultur immer Recht hat" interpretierst eigentlich du da rein, oder? Gibt es denn noch weitere Reibereien aufgrund solcher kulturellen Fragen oder Mentalitäten?


    Aber ja, Familie ist in anderen Kulturen oft noch höher angesiedelt als in Deutschland, wo man sich in der Regel recht früh abnabelt (was natürlich auch nicht heißen muss dass Familie keinen hohen Stellenwert hat, aber das gemeinsame Familienleben wird in manchen anderen Kulturen m.E. länger und ausführlicher zelebriert).


    Wenn du an der Beziehung festhalten möchtest, solltest du dir darüber im Klaren sein, dass du jetzt nicht nur ihn, sondern auch seine Familie hast. Und die bzw. deren Rat oder Meinung wird vermutlich immer an erster Stelle stehen. Sowas kann dir allerdings auch mit einem Deutschen passieren. ;-)

    Verschiedene Kulturen in einer Beziehung muss prinzipiell nichts schlechtes sein. Man kann sich der einen oder der anderen Seite annähern, wenn es passt oder einen Mittelweg finden. Vorbedingung für die Entscheidung ist, dass man die jeweils andere Seite kennt und versteht. Wenn man auf eine Frage, die dazu dienen soll, die andere Kultur besser zu verstehen eine solche Reaktion erntet, dann muss da wohl beim Empfänger der Frage etwas ganz anderes angekommen sein. Solche Missverständnisse muss man sofort ausräumen.


    Ich bin bislang in andren Kulturen immer neugierig und freundlich aufgenommen worden und durfte meine Neugier da auch immer befriedigen. Es war immer ein gegenseitiges sich kennenlernen. Allerdings ohne Beziehungsdinge, rein privater Natur ohne Anhang. Wo diese Freundlichkeit fehlt, würde ich das nicht unbedingt an der Kultur festmachen sondern schlicht an schlechtem Benehmen der Familie oder des Freundes. Oder wie gesagt am Missverständnis. Letzteres räumt man über Gespräche aus, sind die nicht möglich, sieht das schlecht aus, denn Missverständnisse und Konflikte wird es in jeder Beziehung sicher einige geben.

    Mit den Eltern zusammenzuleben bis man selbst Kinder hat oder sich als jüngster Sohn um die Eltern zu kümmern ist ja in vielen Kulturkreisen verbreitet. Daran muss ja auch nicht schlimmes sein, solange es für alle Beteiligten okay ist. Umgekehrt hat es auch nichts damit zu tun, die Eltern nicht wertzuschätzen nur weil man auszieht.


    Ihr seid noch nicht so lange zusammen. Ich finde es legitim und gut von dir, sich über seine Kultur zu informieren. Er sollte das eigentlich positiv aufnehmen und nicht noch als schlechte Frage hinstellen. Eventuell kam er sich aber vor seiner Schwester bloß gestellt vor. Die hat sich vielleicht gefragt warum du darüber noch nicht informiert bist. Kannst du das nächste mal vielleicht ihn fragen?


    Insgesamt kann ich dir als Tipp mitgeben, dass sich für viele Dinge mit der Zeit Kompromisse finden, sich die Lebensumstände ändern und man seine Meinung auch ändert. Ich bin z. B. Mit 19 ausgezogen, was mein Freund nie gemacht hätte (muss sich ja um seine Eltern kümmern). Zwischenzeitlich ist er aber zu mir gezogen (war ein schleichender Prozess). Als sein Vater gestorben ist, war seine Mutter alleine hier. Also haben wir es so gemacht, dass sie die Hälfte der Zeit bei uns in Deutschland und den Rest der Zeit im Ausland bei seinem Bruder verbringt. Hätte man mich vor 5 Jahren gefragt, ob ich mal mit meiner Schwiegermutter Leben will, hätte ich entsetzt reagiert. Mittlerweile haben wir (bis auf ein paar Macken) ein sehr gutes Verhältnis, das eher in Richtung Mutter-Tochter geht. Viel geholfen hat mir dabei die Sprache zu lernen. Mittlerweile sind normale Gespräche kein Problem mehr.


    Und da jetzt unser erstes Baby unterwegs ist, könnte ich mir sogar vorstellen wieder mit meinen eigenen Eltern zusammen zu ziehen.


    So das ist jetzt lang geworden. Kurze Zusammenfassung: Meinungen und Umstände ändern sich. Jede Lebensform hat ihren Vorteil, auch dem aktuellen Lebensstand angepasst. Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Dein Freund sollte dir helfen seine Kultur zu verstehen :)z

    Unabhängig von eurer konkreten Situation gilt für mich der Satz: "Liebe ist keine Einbahnstraße".


    Bereits in Deinem anderen Thread hast Du eure sehr komplexe und schwierige Situation beschrieben. Angefangen von den Sprachdifferenzen, dem kühlen Verhalten der Verwandten Dir gegenüber, wenn ihr zusammen kommt. Ich denke schon, dass es hier nicht um nur "leichte Eigenheiten" in euren Persönlichkeiten geht, sondern um Grundsätzliches was zwischen euch schwer zu überwinden sein wird.


    Es gibt gesellschaftliche Kulturen/Gemeinschaften in denen das WIR-Gefühl als Ganzes absolute Priorität vor jeder Individualität behält. Es wird vielfach damit begründet, wenn man im Ausland fernab der eigenen Heimat/Wertewelt und der gesellschaftlichen Akzeptanz von außen lebt die Familie nur so stark und stabil bleibt, wie jedes einzelne Familienmitglied bereit ist eigene Ideen, Interessen und Ansprüche hinter den Interessen der Familie zurück zu stellen.


    Jungen werden in einigen Kulturgemeinschaften von klein auf an darauf geprägt im jungen Erwachsenenalter familiäre Verantwortung zu übernehmen, die weit über das eigene Individalrecht auf Verwirklichung persönlicher Wünsche/Denkweisen/Ansprüche hinaus geht. Dort gilt häufig das Wort der "Älteren" unwidersprochen, die meist lebenslang einen besonderen Status innerhalb der Familie behalten.


    Du stellst Dir zurecht die Frage, ob Du mit all diesen Einschränkungen und Eigenarten rund um das Thema familiäre Strukturen langfristig klar kommen wirst.


    Du hast nicht geschrieben, wie lange eure Beziehung bereits existiert und ob eure Anfänge als Paar eine andere Dynamik hatten. Oder sind Dir seine stringenten Ansichten in Bezug auf euch beide und im Kontext mit seiner Familie in der ersten Verliebtheitsphase weniger bis gar nicht aufgefallen?


    Nach meinem Empfinden hast Du keine anmaßende oder von der Familie als übergriffig empfundene Frage gestellt. Was ist das für ein respektloser Umgang Dir gegenüber, wenn Du als erwachsene Frau so massiv angegriffen wirst, weil Du Dir zu bestimmten Themen eine eigene Meinung erlaubst bzw. Standpunkte seiner Familienmitglieder hinterfragst.


    Wenn bereits solche "harmlosen" Fragen direkt in den Familieneklat führen, möchte ich nicht wissen was mit Dir passiert, wenn zwischen euch eines Tages so richtig handfeste Konflikte auftreten.


    Ich sehe es wie die meisten Vorschreiber im Thread. Wenn Du in dieser Beziehung als Partnerin weiterhin leben willst, wirst Du viele Deiner Ansichten, sozialen Werte-Prägungen und Teile Deiner Persönlichkeit aufgeben müssen um als "Teil" seiner Familie unbeschadet/konfliktfreier leben zu können.


    Den Partner, welchen Du Dir nach Deiner Erziehung und familiären Prägung wünschst wirst Du in Deinem aktuellen Freund leider nicht finden können. Deshalb wirst Du eine Entscheidung treffen müssen, ob Du so weiter leben kannst wie Du es jetzt erlebst oder ob Du ein individuelleres Partner- und Familienmodell anstrebst.

    Da Du ja mittlerweile den zweiten Thread mit nahezu gleichem Inhalt aufgemacht hast, sage ich doch noch etwas dazu (obwohl ich eigentlich gar nicht wollte):


    Es beschäftigt dich so sehr, dass Du bereits über das Ende eurer Beziehung nachdenkst. Also beende sie auch. Im Kopf ist das längst geschehen. Du kommst mit seiner Familie nicht klar, sie kommen mit deiner (zurückhaltenden?) Art nicht klar.


    Was das Sprachproblem angeht: Für die Öffentlichkeit habe ich eine sehr klare Meinung, Amtssprache ist deutsch, fertig. In den eigenen vier Wänden kann aber jeder sprechen, wie und was er will. Und da steckst du jetzt mittendrin. So, wie Du deren Verhalten als unfreundlich empfindest, könnten sie dir im Umkehrschluss vorwerfen, dich nicht zu aklimatisieren (also deren Sprache nicht zu erlernen oder nicht schnell genug zu erlernen).


    Letztendlich musst Du selbst wissen, ob und wie Du damit klar kommst. Offensichtlich hast Du aber keinen Spass an dieser Beziehung, und er auch nicht (sonst würde sich nicht so oft Auszeiten von diesen Situationen nehmen). Also was willst Du mit dieser Beziehung? Such dir was Anderes.

    Zitat

    Die Situation hat sich verstärkt, seit seine Eltern aus dem Heimatland bei ihm eingezogen sind.

    Das heißt (nur als Verständnisfrage), er hat in Deutschland ein Haus (oder eine große Wohnung)? Und für den Fall, daß ihr heiratet, wird von Dir erwartet, ebenfalls dort einzuziehen?