Beziehung wird Schwieriger...

    Hallo,


    ich weiß gar nicht genau wo ich anfangen soll, was ich aber mit Sicherheit sagen kann, wenn hier jemand anfängt zu lesen sollte es einem bewusst sein, dass es länger dauern kann.

    Also fange ich einfach mal an.


    Ich bin zurzeit ein wenig ratlos was meine Beziehung angeht und evtl. gibt ist da ja jemand dem es ähnlich geht. Ich bin mit meiner Freundin nun schon über 15 Jahre zusammen und wir sind beide Anfang 30. Wir sind wirklich schon durch viele Höhen und Tiefen gegangen und waren bei vielen Lebensentscheidungen oder Veränderungen für den anderen da. Mit den Jahren lernt man seinen Lebensgefährten natürlich immer besser kennen und setzt sich auch mit den Problemen des anderen auseinander. Bis dahin ist auch alles normal. Wir haben keine Kinder und waren soweit auch immer Glücklich. Ich kann, denke ich, mit Recht von mir behaupten, dass ich der Geduldigere und ruhigere Part dieser Beziehung bin.


    Vor 5 Jahren ca. wurde es nun aber etwas fordernder. Sie kam nach ihrem Studium an ihre erste richtige Arbeitsstelle und kam dort mit den Kollegen und der Leitung nicht immer ganz zurecht. Das spiegelte sich nun nicht nur in auf der Arbeit sondern auch in den eigenen vier Wänden, was ich als ganz normal ansehe. Jeder lässt mal daheim Dampf ab, von der Arbeit, da bin ich natürlich nicht anders. Ein Arbeitgeberwechsel war leider nicht ganz so einfach. Sie ist Beamtin und in der Zeit sogar Beamtin auf Probe für 3 Jahre. Also musste Sie die Zähne zusammen beißen und durch. Und ich denke dort fingen die Probleme auch langsam an. Meine Freundin wurde zunehmender Depressiver. Klar gibt es immer einmal Tage, bei jedem von uns, an den man einfach schlecht oder nur traurig drauf ist. Aber bei ihr wurde es öfter und es steigerte sich hoch. Ich habe immer versucht Ihr zuzuhören, ihr irgendwie eine Stütze zu sein. Eine Zeit lang, dachte ich auch, dass ich ihr damit helfen würde. Immer wieder führten wir lange Gespräch, dabei sagte sie mir irgendwann, dass meine Ratschläge ihr überhaupt nichts nützen würden und ich sie überhaupt nicht verstehen würde. Das hat mich schon hart getroffen, auch diese Vorhaltung zu bekommen, ich höre nicht zu, ich verstehe sie nicht, ich könne mich nicht in sie hinein versetzen und ich wäre zu kalt zu ihr. Das alles nagt an mir und auch ich versuchte mich aus dem ganzen Dilemma zurück zu ziehen.


    Sie spricht oft davon, dass ihr etwas weh tut, nicht körperlich sondern in ihrem Innern. Das sie großen Kummer hat und traurig ist. Doch wenn ich sie fragte, warum es ihr so ergeht, dann bekomme ich schon immer dieselbe Antwort….sie weiß es nicht! Sie kann es nicht beschreiben, sie weiß nicht was sie so traurig macht, wie ein Splitter im Kopf der einen verrückt macht. Wie soll ich ihr dann helfen? Ich als Freund kenne Sie nun 15 Jahre und kann ihr nicht helfen. Wenn Sie mir dann vorwirft, dass ich sie nicht verstehe, dann komme ich mir immer ziemlich dumm vor.


    Nun geht bzw. war sie schon bei einer Psychologin und bei der Diakonie. Beide Anlaufstellen brachte ihr überhaupt nichts. Im Gegenteil, die Diakonie-Angestellte hatte wohl überhaupt keine Geduld und setzte meine Freundin viel mehr unter Druck sich zu öffnen und endlich zu reden. Naja das war wohl nicht die beste Herangehensweise und so suchte sie sich einen neuen Psychologen. Der jetzige Psychologe scheint einen ganz guten Job zu machen und nimmt sich Zeit ihr langsam zuzuhören. Nach jeder Sitzung reden wir lange über die eine Stunde, die sie hatte aber nur wenn sie das will. Nach jeder Sitzung braucht sie 2 – 3 Tage um wieder „klar“ zu kommen, da sie wohl viel darüber grübelt. Was mich auch verunsichert ist, 2 Tage vor der nächsten Sitzung geht es ihr besten. Dann kommt sie zu mir mit so Aussagen wie „…ich muss da doch gar nicht mehr hin mir geht es bestens“, und wissen wir beiden, dass es nicht so ist.

    Ihre Phasen sind wie Downs und Ups wobei die Downs viel stärker ausgeprägt sind.


    Es ist langsam wirklich frustrierend, man kommt nach Hause ist gut gelaunt. Man freut sich am Freitag evtl. auf das Wochenende, tritt zur Haustür herein und findet seine Freundin kauert auf der Couch vor, deprimiert und wortkarg. Natürlich leidet auch der Sex darunter. Wir sind Anfang 30 und ich fühle mich bei diesem Thema wie Ende 60, mehr will ich dazu eigentlich gar nicht schreiben.


    Nun hat sie vor ein paar Monaten den Arbeitgeber wechseln dürfen und die Probezeit ist auch bestanden. Bei der neuen Stelle ist alles super, tolle Kollegen, super Chef und einfach gute Arbeitsbedingungen. Sie verdient sehr gutes Geld und ich dachte mir wirklich, das kann ja jetzt nur besser werden. Aber warum auch immer, ich habe das Gefühl es wird schlimmer. Sobald sie zu ruhe kommt ist sie deprimiert. Wenn wir abends TV gucken, dann liegt sie neben mir und ruft leise „Mama“ obwohl sie ihre Eltern ehr nicht leiden kann. Putzt sie sich die Zähne, beleidigt sich selbst mit Sätzen wie „Ich hasse dich“ usw. Und es kam auch schon vor, dass sie sich geritzt hat oder sich mit einem heißen Wasserkocher verbrannt hat, um sich selbst zu bestrafen. Sie hat mir auch schon von ihren Gedanken erzählt, dass sie mit dem Auto an der Kreuzung stand zum Abbiegen und sich selbst fragte, wenn sie jetzt in das nächste Auto einfach fährt, hätte alles ein Ende.


    Ich weiß es ist schwierig für Sie, damit klar zu kommen und da ich auch nicht weiß was ihr fehlt, ihr zu helfen. Manchmal denke ich mir, warum suche ich mir nicht einfach etwas einfaches, etwas normales, etwas das nicht so kompliziert ist. Wenn man jedoch 15 Jahre zusammen ist, hat man sich vieles schönes Aufgebaut und meine Gefühle sind immer noch gleich.


    Ist jemand schon einmal in der gleichen Situation gewesen oder kennt so ein Verhalten?

  • 11 Antworten

    Meine Mutter ist depressiv und ich selbst habe auch eine schwere psychische Erkrankung - allerdings keine Depression - und habe deswegen insgesamt zwei Jahre stationär in der Psychiatrie verbracht, wo geschätzt 80% meiner Mitpatienten wegen Depressionen waren. Von daher kenne ich mich ein bisschen aus.


    Als erstes musst du verstehen, dass deine Freundin krank ist. Das ist keine "normale" Traurigkeit, die weggeht, sobald der blöde Chef einem nicht mehr vor der Nase sitzt. Es gibt depressive Menschen, die schaffen es nur noch so gerade, sich aus dem Bett zu schleppen, und sich die Zähne zu putzen. Das ist nichts, wo du mit aufmunternden Worten viel reißen kannst. Du musst annehmen, dass deine Freundin mit Aussagen wie "Du kannst mich nicht verstehen" oder "Deine Ratschläge bringen mir nichts!" komplett Recht hat, aber nicht, weil du nicht empathisch bist oder deine Ratschläge schlecht sind, sondern weil deine Freundin krank ist. Durch diesen Schleier der Depression, der einem auf den Schultern liegt und den Depressiven förmlich emotional niederdrückt kommt man nicht mit Worten. Stell es dir vor, als wenn du jemandem mit einem gebrochenen Bein den Gips bunt anmalst - du versuchst, die Situation irgendwie schöner zu machen, aber das Bein bleibt gebrochen und schmerzhaft, egal ob der Gips weiß oder bunt ist, denn der fröhliche Anstrich, den du der Situation geben willst, kommt nicht dahin, wo das Problem sitzt.


    Ich denke, auch du solltest dir Hilfe holen. Entweder solltest du auch mal (entweder alleine oder zusammen mit deiner Freundin) zu dem Psychologen deiner Freundin gehen, und dir Tipps geben lassen, oder dir eine ganz eigene Anlaufstelle suchen, denn als Betroffener geht es dir ja ganz offenbar nicht gut und du hast keine Ahnung, wie du mit der Krankheit umgehen sollst.


    Wenn deine Freundin ernsthafte Suizidgedanken hat sollte man zudem (zusammen mit dem Psychologen) überlegen, ob deine Freundin nicht (dringend) Medikamente benötigt - die dürfen die meisten Psychologen nicht verschreiben, das muss ein Arzt/Psychiater machen! - oder vielleicht sogar stationär gehen sollte. Als Beamter ist das normalerweise kein Problem; meine Eltern waren beide Beamte bei der Kreisverwaltung und zumindest da war so etwas in Ordnung und man bekam keine beruflichen Probleme.


    Zumindest solltest du dich online erstmal über Depressionen besser informieren. Hier ist z.B. die Website der Deutschen Depressionshilfe. Lies dich vielleicht einfach mal ein.

    Ach, und noch etwas: Es ist ganz normal, dass es einem nach einer (guten) Therapiestunde oft ganz bescheiden geht! Psychotherapie ist Arbeit. Die Psychologen, bei denen die Therapiestunden einfach sind, sind die, mit denen man nur so locker an der Oberfläche kratzt und sich über die letzte Woche und deren Probleme unterhält, ohne die eigentliche Ursache - die Krankheit! - anzugehen. Man braucht also nach der Sitzung einige Zeit, um sich wieder zu fangen, das ist ganz normal.


    Ob ein ewiges Aufarbeiten mit dem Partner nach der Sitzung sinnvoll ist, das weiß ich gar nicht. Ich denke, das ist individuell, aber generell solltest du nicht in die Rolle schlüpfen, mit deiner Freundin Dinge mehr durchzukauen als ihr Psychologe das tut. Das ist nämlich sein Job und nicht deiner! Wenn deine Freundin reflektieren will oder mit dir die Ergebnisse besprechen/mitteilen möchte, dann ist das gut, aber drehe dich nicht stundenlang im Kreis mit ihr. Das ist, was Depressionen nämlich gerne machen - stundenlange, negative Gedankenkreisel. Lass dich da nicht mit reinziehen, kümmere dich um deine eigene, seelische Gesundheit und sprich mit dem Psychologen deiner Freundin drüber, wieviel "Redehilfe" gut für deine Freundin ist und wieviel sogar schädlich!

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    Lieber TE


    was du da schilderst klingt echt hart.

    Es klingt nach einer tiefen Unzufriedenheit deiner Partnerin.

    Hast du ihr denn schon mal die Pistole auf die Brust gesetzt und ihr gesagt, das wenn sich nichts ändert du nicht weißt ob du ewig damit leben kannst.

    Sie trägt ja nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern auch ein Stück weit für eure Beziehung.


    Wenn sie sich aber weder dir noch einem Therapeuten richtig öffnet und sie nicht ausspricht was sie beschäftigt, wird es verdammt schwer ihr zu helfen.


    Ich hatte so eine Phase auch mal. Mir ging es total schlecht und hatte teilweise auch Suizidgedanken. Ich konnte mit meinem Partner aber nicht darüber sprechen, weil er mich Null verstanden und ihn das Thema angekotzt hat. Ihm hing es total zum Hals raus und er wurde jedes mal laut wenn ich damit anfing. Und von meiner Therapeutin wollte ich mir irgendwann nicht mehr helfen lassen weil sie immer der Meinung war, mich von meinem Partner trennen zu müssen damit ich wieder glücklich werde.

    Damit hatte sie nicht ganz unrecht aber das wollte ich nicht weil ich ihn zu sehr liebe und wir uns soo viel aufgebaut haben.


    Mir hat mein Arbeitsstellenwechsel sehr geholfen und ich habe mich ohne Ende abgelenkt. Habe mich beschäftigt um nicht mehr nachdenken zu müssen. Irgendwann wurde es besser.


    Vielleicht dauert es einfach noch eine Weile, bis sie in ihrer neuen Stelle richtig ankommt und sie sich wieder etwas entspannen kann und sich auch zu Hause die Situation bessert.

    Aber ich würde ihr auch klar machen das du nicht ewig so weiterleben kannst. Das das für dich einfach keine Lebensqualität mehr ist.


    Ich wünsche dir und eurer Beziehung aber viel Glück...@:)

    Erst einmal vielen Dank für deine beiden Beiträge.

    Ich denke das Ihr Arzt da auch gute Arbeit macht aber du wirst recht habe, dass ich nicht versuchen sollte seine Arbeit noch zu "unterstützen". Mir fällt es sichtlich schwer den Menschen den man liebt nicht zu unterstützen und ihn leiden zu sehen.


    Ich selbst lasse mich von ihren Verhalten nicht "anstecken" komme mir aber oft doof vor wenn ich mit super Laune durchs Leben springe und sie steht traurig neben mir.

    Hallo Sunni,


    ja ich habe ihr das wirklich erst gestern gesagt. Sie war gestern einmal gut drauf, da sie shoppen war. Manchmal fängt sie dann selbst an, welches Glück sie mit mir habe und wie lange ich diese Geduld noch aufbringen würde. Da habe ich die Chance einmal ergriffen und ihr klar meine Gedanken einmal mitgeteilt. Das ich schon einmal nach Wohnungen für mich geschaut habe. Das ich die Beziehungen hinterfrage und warum ich es mir selbst nicht einfacher im Leben mache. Natürlich trifft sie solche Aussagen aber wundert tut es sie nicht wirklich. Sie weiß selbst das sie schwierig ist und ein Problem hat, dass Wort Depressionen ist bei ihren Sitzungen aber noch nie gefallen.

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    JonnyRico schrieb:

    Ich denke das Ihr Arzt da auch gute Arbeit macht aber du wirst recht habe, dass ich nicht versuchen sollte seine Arbeit noch zu "unterstützen". Mir fällt es sichtlich schwer den Menschen den man liebt nicht zu unterstützen und ihn leiden zu sehen.

    Gute Unterstützung ist manchmal seltsam und mag sich grausam anfühlen. Bei Alkohol-/Drogensüchtigen ist es z.B. keine Unterstützung, denen gut zuzureden oder ihnen z.B. Essen zu geben, weil sie ihr eigenes Geld für die Sucht ausgegeben haben. Im Endeffekt muss man diese Leute für ihr eigenes Wohl fallenlassen, damit sie solchen Leidensdruck bekommen, dass sie endlich Hilfe annehmen können. Für Angehörige ist das aber schwer bis unmöglich (daher gibt es auch den Begriff der Co-Abhängigkeit).


    Dass deine Freundin Suizidgedanken und selbstverletzendes Verhalten (SVV) zeigt und die Therapie trotzdem nur so schleppend ist, dass man ihr noch keine Medis oder auch nur Diagnose gegeben hat finde ich problematisch bis gefährlich. SVV ist oftmals ein "Druckabbau" für die Betroffenen, entweder um den emotionalen Schmerz durch körperlichen für einen Moment zu vergessen oder um überhaupt etwas zu fühlen, weil Dinge wie Depression oftmals alles unter einem dumpfen, düsteren Schleier erdrücken. Medikamente können diesen Schleier aber wieder lichten und es gibt jede Menge Psychopharmaka, allerdings brauchen alle davon meist einige Wochen, um zu wirken. Ich finde es persönlich fahrlässig, jemanden mit dem Symptombild deiner Freundin nicht medikamentös zu unterstützen.


    Ich möchte dir ein paar wichtige Dinge mitgeben:

    - So wie es sich liest denke ich, dass deine Freundin früher oder später Medikamente erhalten muss. Wenn ich selbst irgendeine Erfahrung mit Psychopharmaka gemacht habe, dann die, dass gefühlt 90% von ihnen die Libido auf Null setzen. Du hast euer Sexleben bereits als problematisch bezeichnet. Dir muss bewusst sein, dass eine medikamentöse Verbesserung des Zustandes deiner Freundin wahrscheinlich bedeuten könnte, dass sie noch weniger Lust auf Sex hat, auch wenn sie emotional wieder besser drauf sein sollte.


    - Ich möchte dir noch einmal sagen, dass du dich informieren solltest, wenn du nicht schon aufgegeben hast und die Beziehung beenden möchtest! Der Psychologe deiner Freundin ist sicherlich die beste Station, solange ihr keine konkrete Diagnose habt, aber du kannst auch selbst zu jeder Anlaufstelle gehen und die Situation schildern und die Leute dort werden dir Tipps geben. Es klingt aber für mich sehr nach Depression, und es gibt auch viele Selbsthilfegruppen für Angehörige depressiver Menschen.


    - Versuche wirklich zu verinnerlichen, dass deine Freundin krank ist. Richtig krank. Und es ist dein absolut gutes Recht, da für dich die Reißleine zu ziehen, wenn du das nicht mehr mittragen kannst und Selbstschutz betreiben willst! Aber deine Freundin bemüht sich ja offenbar um Hilfe - das ist auch nicht immer selbstverständlich! Viele Kranke haben keine Krankheitseinsicht oder schlichtweg keine Energie, um sich einen Psychologen zu suchen. Vielleicht wäre es eine Lösung, in der Tat erstmal getrennte Wohnungen zu suchen, damit du nicht selbst so runtergezogen wirst, aber die Beziehung erstmal zu erhalten? Bei eurer langen Beziehungsdauer wäre es schade, wenn am Ende eine Krankheit den Ausschlag gibt, der die Beziehung zerstört.

    Es ist immer eine Gradwanderung - auch bei jemandem mit schwerer, körperlicher Erkrankung (z.B. Krebs) ist die Belastung für einen Partner immens und in der Tat zerbrechen daran viele Beziehungen. Dennoch ist es oft so, dass viele Menschen da noch eher bei ihrem Partner bleiben als bei psychischen Belastungen. Ich würde dir also raten: Wenn du echt vor die Hunde gehst, dann ist es wichtig, dass du dich um dich selbst kümmerst und die Reißleine ziehst. Aber tu es bitte nicht, weil du fälschlicherweise denkst, dass deine Freundin einfach nur ein Muffelskopp geworden ist und das doch "nur eine Willenssache/Einstellungssache" ist. Niemand ritzt oder verbrennt sich absichtlich, weil man sich nur mal so traurig fühlt. Sie ist ernsthaft krank und wenn du sagst, dass du ihr bei etwas körperlichem wie Krebs z.B. beistehen würdest, dann versuche, diese seelische Erkrankung vielleicht ähnlich zu sehen.

    Aber noch einmal: Kümmere dich auch um dich selbst! Wenn du nicht mehr kannst, dann geh! Trenne dich nur bitte nicht aus mangelndem Sachverständnis für die Krankheit! (Dass du emotional alles gibst, ist mir klar! Aber wenn dich die Aussagen deiner Freundin, dass du ihr nicht helfen kannst, so sehr treffen, dann zeigt mir das, dass du die Krankheit wirklich nicht begreifst, und das es gar nicht anders sein kann und weder sie noch du da Schuld dran haben, dass sie so empfindet.)

    Das klingt aber sehr diffus.


    Es scheint ja durchaus Dinge zu geben die deine Freundin sehr erfreuen.

    Wenn es tatsächlich eine schwere Depression wäre, würde sie nicht fröhlich shoppen gehen, sondern sich eher zu Hause verkriechen....glaub mir ich weiß wovon ich spreche.

    Selbst an Tagen wo ich glaubte mir ginge es gut, konnte ich mich nicht aufraffen.


    Sollte sie dennoch depressiv sein, haben meine Vorredner wahrscheinlich Recht und ihr können auf Dauer nur Medikamente helfen.



    Klar krank hin oder her...sieh zu das du nicht auf der Strecke bleibst.:-)

    JonnyRico schrieb:

    Ist jemand schon einmal inder gleichen Situation gewesen oder kennt so ein Verhalten?

    Mein Ex war beziehungsweise hat mir einer psychischen Erkrankung zu kämpfen. Damals war "nur" eine generalisierte Angststörung und ein problematischer Suchtmittelkonsum bekannt. Die Sachen mit Selbsthass, Antriebslosigkeit, depressiven Verstimmungen, Suzidgedanken, Angst, körperlichen Reaktionen und selbstverletzendem Verhalten etc kenne ich alle.

    Wie man so etwas als Paar überstehen kann, kann ich dir nicht sagen. Ich kann dir nur sagen, was in unserem Fall nicht funktioniert hat.. Es hat nicht funktioniert, wenn ich ihn einfach so angenommen habe, wie er war. Es hat nicht funktioniert, wenn ich versucht habe ihm den Rücken zu stärken. Es hat nicht funktioniert, wenn ich ihm motivierende Arschtritte verpasst habe. Und es hat auch nicht funktioniert, wenn ich sein Leben weitestgehend für ihn geregelt habe.

    In Summe hat es dazu geführt, dass ich mich ausgelaugt und erschöpft gefühlt habe und immer mehr zum Meckern und zu Unzufriedenheit, auch mit mir selbst, geneigt habe. Einer kann nicht auf Dauer die Last von zweien Tragen. Letzten Endes ist die Beziehung zu meinem Ex daran gescheitert.

    Inzwischen ist er noch weiter abgestürzt, bemüht sich aber seit Jahren sich wieder aufzurappeln. Irgendwann hat er, wenn ich mich recht erinnere, die Diagnose Borderline erhalten.

    sunni11984 schrieb:

    Es klingt nach einer tiefen Unzufriedenheit deiner Partnerin.

    Hast du ihr denn schon mal die Pistole auf die Brust gesetzt und ihr gesagt, das wenn sich nichts ändert du nicht weißt ob du ewig damit leben kannst.

    Sie trägt ja nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern auch ein Stück weit für eure Beziehung.

    Für mich klingt das nicht nur nach Unzufriedenheit, sondern nach einer psychischen Erkrankung. Jemand, der gerade nicht mal mehr in der Lage ist gut für sich selbst zu sorgen, ist in solchen Phasen schlicht nicht in der Lage Verantwortung für die Beziehung zu übernehmen.

    Psychische Erkrankungen heißen ja nicht, dass man unzufrieden oder manchmal niedergeschlagen ist, sondern dass die Seele durcheinander ist und oft auch die "Gehirnchemie". Auch hormonelle Probleme können zu psychischen Beschwerden beitragen.

    Und genau deshalb wird es nicht besser, wenn man dem Erkrankten die Pistole auf die Brust setzt und sagt, dass er sich bitteschön mal zusammenreissen soll. Das können psychisch Erkrankte oft gerade nicht.

    Dass das nicht nur für die Betroffenen hart ist, sondern auch für Angehörige, die das Gefühl haben hilflose Zuseher zu sein und eine geliebte Person leiden zu sehen, ist klar. Ich finde es auch legitim das Handtuch zu schmeißen, wenn man als Angehöriger am Ende seiner Kräfte ist. Allerdings sollte das, meiner Meinung nach, nicht der erste, sondern der letzte Schritt ein.


    Eventuell würden gemeinsame Gespräche mit dem Therapeuten helfen? Ansonsten kann man sich auch als Angehöriger psychotherapeutische Unterstützung holen. Auch auf sich selbst zu achten, ist wichtig. Wenn man selbst zerbricht, ist dem psychisch erkrankten Partner auch nicht geholfen.

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    sunni11984 schrieb:

    Das klingt aber sehr diffus.

    Naja alles was sie ablenkt hebt ihre Stimmung. Shoppen, Wandern, Klettern, Joggen, Sport generell und die Arbeit lässt sie abschalten und nicht in die kleinsten Gedanken kommen. Jedoch ist es manchmal sehr mühselig sie anzutreiben. Wenn sie alleine daheim ist, ist es am schlimmsten. Ich gehe gerne Freitagabends zu Freunden und wenn ich dann wieder komme, liegt sie oft auf der Couch und hat gar nichts gemacht außer zu liegen und zu grübeln.


    Ich bin mittlerweile auch davon überzeugt, dass sie wirklich krank ist so wie ihr alle schreibt. Und gestehe mir auch selbst ein, dass ich oft falsch reagiert habe. Oft habe ich ihr gesagt, sie habe kein Problem und das es Selbstmitleid ist, besonders das rum Jammern. Ich sehe das selbst als großen Fehler an und gebe mir da selbst ein wenig die Schuld, dass sie evtl. durch mein Fehlverhalten noch mehr Kummer hat.


    Gerade könnte ich mir nur schwer vorstellen sie zu verlassen. Einfach weil ich so "kampflos" sie nicht fallen lassen will. Aber auch, weil ich mir Sie alleine nicht überlebensfähig vorstellen kann. Versteht das bitte nicht falsch aber es sieht nun einmal so aus, dass sie nicht alleine Wäsche waschen kann, zusammen legen. Hausarbeiten werden von großen Gejammer begleitet, doch ich kann Ihr leider nicht alles abnehmen. Wenn ich sie mir ganz alleine vorstelle, hätte ich Angst, dass sie im Leben einfach nicht mehr klar kommt.


    An meinen Eltern habe ich gesehen was ernste Krankheiten anrichten. Mein Vater war schon früh Alkoholiker und nach ewigen hin und her ließen sich meine Eltern doch scheiden. Es war das beste was meine Mutter je tun konnte, doch mein Vater ist immer weiter abgestürzt. Ich weiß das es nicht wirklich zu vergleichen ist aber ich hätte Angst das meine Freundin auch so abstürzt. Sie ist ein wirklich toller Mensch und das sagen ich ihr auch oft um sie evtl. etwas aufzubauen, doch meistens glaubt sie mir das nicht.

    Wenn deine Partnerin nicht selbst den Willen zeigt, etwas zu ändern, wird es für dich total schwer.

    Aus der Ferne können wir natürlich nur schwer einschätzen ob sie nur eine Lebenskrise hat, einfach nur schlecht drauf ist wenn sie nach Hause kommt oder tatsächlich eine psychische Erkrankung vorliegt.


    Vielleicht braucht deine Partnerin auch mal einen " Warnschuss". So nach dem Moto wenn du jetzt nichts unternimmst sehe ich für unsere Beziehung schwarz.

    Dieses Druckmittel ist vielleicht nicht die feinste Art ihr das klarzumachen. Aber wenn ihr was an eurer Beziehung liegt wird sie sich kümmern. Wenn nicht weißt du ja wie wichtig du ihr noch bist.

    Andererseits kennen wir ja nur deine Schilderungen. Wäre mal interessant zu wissen ob deine Partnerin ihre Situation genauso kritisch einschätzt wie du.


    Wichtig ist darüber zu reden...auch mit dir. Wenn sie das nicht kann...wraum auch immer ist das echt Mist.


    Ich kann dir nur noch mal sagen das ich mich meinem Partner gegenüber einmal ähnlich kühl und teilweise auch gemein gegenüber verhalten habe. Und auch durch meine depressive Art eine schwere Zeit hatte in die ich meinen Partner sehr mit hineingezogen habe. Ich hatte eine Fehlgeburt. Mein Partner zeigte dafür nach wenigen Wochen kaum noch Verständnis. Für ihn war es halt nach wenigen Wochen abgeschlossen und er konnte nicht verstehen das man immer noch so traurig darüber sein kann.

    Diese Traurigkeit hielt bei mir fast 2 Jahre. Ich konnte ihm aber auch nicht sagen was mich beschäftigte weil ihn das Thema nur noch angenervt hat. Also konnte ich nicht mit ihm darüber reden weil er immer genervter reagierte und teilweise sogar aggressiv wurde. Ich sog mich noch weiter zurück...machte mein Ding. Er war für mich irgendwann nur noch mein Feind der mich sowieso nicht verstehen kann. So habe ich ihn auch behandelt. Entweder lag ich traurig zu Hause auf dem Sofa oder ich habe ihn angegiftet wo es nur ging. Habe auch eine Therapie gemacht. Meine Therapeutin meinte das mein Partner das Problem wäre und ich mich entscheiden müsste. Das wollte ich aber nicht. Ich wollte das mit ihm ja eigentlich nicht einfach so aufgeben. Also habe ich für mich immer gesagt...sei wieder glücklich. Und es wurde immer besser und besser.


    Was ich dir damit sagen will ist das nur deine Freundin allein was dagegen tuen kann. Du wirst wenig ausrichten können. Du kannst sie nur unterstützen und ebend aufpassen das du nicht selbst unter die Räder kommst.


    Viel Glück euch

    Moin!

    Erinnert mich an das Verhalten meiner 1. Ex. Fing ganz ähnlich an. Gejammer wegen der Arbeit, Depressive Schübe usw.

    Nur das ihre Selbstverletzung darin bestand, sich mit Arbeitskollegen und „Kunden“ zu SM-Sessions zu treffen, um sich quälen zu lassen, um ihren Missbrauch im Kleinkindalter „irgendwie“ zu verarbeiten, von dem sie erst erzählte, als die Beziehung zerstört war.

    Da kommst du als „Normalo“ nicht drauf, genau dass macht die Beziehung auf Dauer hohl.

    Muss nicht sein hier, allerdings warne ich: Gerade dass, was man für unmöglich bis unwahrscheinlich einstuft, kann auch ein Blinder Fleck bei dir sein.

    Nichts für ungut. Sei aufmerksam und glaube auch einer*m Depressiven nicht alles blauäugig. Bleibe bei dir und gucke was gut für dich ist. Und falle nicht auf das (Ur-)Vertrauensgrquatsche herein - das propagieren gerade diejenigen, die es am meisten missbrauchen.

    So far.

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