Beziehungsarbeit - wie geht das eigentlich?

    Hallo ihr Lieben,


    angeregt durch ein paar aktuelle Fäden und Themen im Freundeskreis stoße ich in letzter Zeit immer und immer wieder auf folgende Themen:


    - Eine Beziehung / Ehe ist harte Arbeit


    - Der Alltag ist eingekehrt, die Luft raus


    - Im Bett läuft es nicht mehr


    Ich frage mich gerade, was das eigentlich genau bedeutet und was man wirklich tun kann.


    Beziehungsarbeit:


    - was ist das eigentlich genau? Wie definiert sich das? Was gehört dazu?


    - ab wann muss man an einer Beziehung arbeiten?


    Alltag / Luft raus:


    - wie soll man das verhindern?


    - und wenn es passiert ist - wie kriegt man die Kurve?


    Sex flaut ab:


    - wie passiert sowas? ??Ausser, dass die Hormone irgendwann wieder schläfriger werden nach der ersten Verliebtheit??


    - was kann man dagegen tun? Oftmals geht das doch mit "Luft raus in der Beziehung" einher. Was aber, wenn der langweilige Alltag nicht mehr spannend zu bekommen ist?


    - wie bekommt man die Sexualität wieder zum Knistern?


    Irgendwo und irgendwie greift das ja alles ineinander, zumindest meiner Meinung nach. Negativ gesehen ist es eine einzige Abwärtspirale. Oft genug hört man ja, dass Kommunikation das A&O ist. Dem stimme ich schon zu aber jeder, der schon mal brisantere Themen in seiner Beziehung hatte, weiss doch, dass man mitunder ganz schön mit sich hadern muss, bevor man sich traut, ein Thema anzusprechen...


    Wenn ich höre, dass man an einer Beziehung arbeiten muss, finde ich das immer so schwammig... das ist genau so wie "man muss an sich selbst / an Thema xyz / etc. arbeiten" - nur wie das geht, das sagt einem immer keiner...


    Was sind Eure Gedanken dazu?


    *:) Marie

  • 12 Antworten
    Zitat

    Sex flaut ab:__


    - wie passiert sowas?

    Also das passiert wirklich schneller, als man denkt. ]:D In meiner gescheiterten Beziehung kam das mit dem ersten Kind. Weniger Zeit, weniger Energie, turbulenter Alltag, Schlafmangel, Müdigkeit, wenn irgendwann man Sex, dann kein "Genuss-Sex" sondern mal schnell nebenbei, was dann meistens auch zu einer sehr lahmen Aktion wurde und auch nicht viel mit Nähe oder Lust zu tun hatte, weil siehe oben: weniger Zeit, weniger Energie,... Irgendwann geht dann das Begehren und die Leidenschaft flöten, total den Bach runter. Zumindest war es bei uns so. Kurzzeitig konnten wir das wieder ein bisschen rumreißen, aber eben nur kurzzeitig.

    Zitat

    Wenn ich höre, dass man an einer Beziehung arbeiten muss, finde ich das immer so schwammig...

    Ich sehe das sehr skeptisch. Ich finde, man kann an konkreten Problem arbeiten. Zum Beispiel: Bedürfnisse besser kommunizieren, mehr Zeit für sich als Paar schaffen, mehr Rücksicht aufeinander nehmen, usw. Aber an der Beziehung arbeiten?


    Wenn auf der Beziehungsebene so viel im Argen ist (damit meine ich: Gefühle füreinander, Liebe, Vertrauen, Ehrlichkeit), kann man nicht mehr viel machen. Zumindest ist das meine Erfahrung.


    Bei uns lief es darauf hinaus, das wir zwei Jahre "an unserer Beziehung gearbeitet" haben, mittendrin noch das zweite Kind bekommen, aber gebracht hat es wenig und glücklich gemacht noch viel weniger.


    Am Ende war es zwar gut und wichtig zu kämpfen, weil man eine Beziehung nie leichtfertig aufgeben sollte und ich natürlich froh bin, dass wir unsere Tochter noch bekommen haben, aber eigentlich hat sich schon am Anfang unserer Beziehungsprobleme klar abgezeichnet, dass es keine Themen sind, an denen man wirklich arbeiten und viel verändern kann. Es waren eben ganz zentrale Defizite auf der Beziehungsebene, an denen man nicht groß rumschrauben kann. Bei einem ehrlicheren oder genaueren Blick darauf, hätte man das vielleicht schon eher erkannt und dementsprechende Konsequenzen ziehen können.

    Was du da schreibst, habe ich schon sehr oft im Bekanntenkreis erlebt, man ist nur noch Eltern und nicht mehr Paar. Das ist so Schade, aber viele machen es sich da auch einfach, das fängt schon damit an, wenn Eltern sich plötzlich gegenseitig mit Mama und Papa Anreden, da schüttels mich!


    Ich weiß nicht, wie Beziehungsarbeit geht, mag dieses Wort auch nicht so besonders, wichtig finde ich, dass man sich immer wieder hinterfragt, miteinander redet, seine Bedürfnisse deutlich macht. Und man sich so vertraut, dass man auch unangenehme oder peinliche Themen auf's Tapet bringen kann. Und vieles mal ein bisschen leichter nehmen, miteinander lachen, Spaß haben! Keine Beziehung läuft immer perfekt, aber wenn man ab und an mal drüber lachen kann, dass man sich gerade das Leben mal wieder selbst schwerer macht, als es ohnehin schon ist, dann kommt das auch wieder in die Spur.

    @ Vampy

    Zitat

    Und man sich so vertraut, dass man auch unangenehme oder peinliche Themen auf's Tapet bringen kann.

    Da gehts aber schon los... (pauschal gesagt): nicht jeder reagiert ideal auf unangenehme Themen und was nun, wenn zB Mann ein oder zwei mal das selbe unangenehme Thema anbringt und Frau nicht ordentlich reagiert? Dann verheimlicht Mann das in Zukunft und so beginnt der Kreislauf... und ich finde, das kann doch in jeder Beziehung vorkommen. Wir sind ja alle nur Menschen. Also was ich sagen will - ich sehe da bereits die Gefahr, dass das Vertrauen über kurz oder lang ordentlich angekratzt wird. Oder dass übergreifend Hemmungen bestehen, Themen offen anzusprechen die vielleicht im selben Themengebiet liegen.

    Kann so sein, muss aber nicht. Wahrscheinlich bin ich ohnehin dafür der falsche Ansprechpartner, wir müssten sehr schnell lernen, mit einem sehr, sehr unangenehmen Thema umzugehen, mein Mann ist HIV positiv, damals haben wir festgestellt, dass nur absolute Offenheit und Vertrauen uns zusammen halten würden. Und wir haben gelernt, mit Kritk und Problemen umzugehen.

    Zitat

    und was nun, wenn zB Mann ein oder zwei mal das selbe unangenehme Thema anbringt und Frau nicht ordentlich reagiert? Dann verheimlicht Mann das in Zukunft und so beginnt der Kreislauf... und ich finde, das kann doch in jeder Beziehung vorkommen.

    Genau das ist der Punkt an dem die Arbeit beginnt. Bei beiden. Sie reagiert "nicht ordentlich" was immer das heißen mag, aber da muss man ja nicht stehen bleiben. Man redet dann erstmal darüber weshalb mit Geschrei/Geblocke oder wie auch immer reagiert wurde. War es dir Art und Weise wie das Thema angepackt wurde oder liegen die Gründe in der Vergangenheit? Was braucht sie um einigermaßen zivil zu reagieren, kann er was an den Formulierungen schrauben oder muss sie erstmal ne Runde gehen, ginge es besser schriftlich?


    Das ist unangenehm und verlangt von beiden Reflexion, aber von einem erwachsenen Partner erwarte ich sowohl die Bereitschaft über die Art der Kommunikation sprechen zukönnen als auch den Arsch in der Hose nichts einfach zu verheimlichen weil es soviel bequemer ist.


    Grundsätzlich sehe ich es so: wenn die Basis stimmt, man grundlegend passt, dann kann man an der Beziehung arbeiten, an Kommunikationsstrategien feilen, Zeitpläne umschmeißen oder gemeinsame Unternehmungen planen. Ist die Basis aber nicht so optimal, wurden irgendwann auf der Strecke Dinge verschwiegen weil man die Kommunikation nicht auf die Reihe kriegt, dann passt es nicht. Und dann kann man bis zum Herzinfakt an der Beziehung arbeiten, dann wird das nichts.

    Ich bin aus Erfahrung zu der Überzeugung gelangt, dass obige "Gefahren" nicht lauern, wenn es zwischen zwei Menschen passt, und die Liebe stimmt. :)z


    Dann kehrt auch kein Alltag ein, und man hat sich immer was zu sagen, genießt den anderen und schätzt, dass er bei einem ist. x:)


    Als "Beziehungsarbeit" würde ich eher die Arbeit am Selbst, der eigenen Kompromissfähigkeit, der eigenen Geduld und Kritikfähig bezeichnen.


    Die Frage lautet also: Was kann ich tun, um ein guter Partner zu sein?


    Und: Distanz schafft Nähe! Jeder sollte auch noch seine eigenen Kreise, Unternehmungen und "Räume" haben.


    Ich möchte hier mal Khalil Gibran zitieren.

    @ :)

    Das ist sehr gut formuliert Sheilagh :)^


    Ich habe auch schon feststellen müssen, dass man eigentlich nur an sich selbst arbeiten kann. Den anderen verändern oder verbiegen, das bringt nichts. Ich hatte am Anfang große Probleme damit, allein was zu unternehmen. Aber er hat mich dann nach und nach dazu gebracht. Gut so. Denn dann freut man sich aufs Wiedersehen, man hat sich was zu erzählen, man bleibt neugierig. So bleibt unsere Liebe aufregend.


    Das A und O in einer Beziehung sind Liebe, Vertrauen und Kommunikation.


    Kein Mensch kann Gedanken lesen und erraten, was denn der Partner gerade möchte.


    "Arbeit" würde ich das nicht nennen. Eine Beziehung ist was wundervolles und mit dem richtigen Partner eine wichtige Stütze gegen den Rest der Welt.

    Im Alltag geht die Luft nicht aus, wenn man verliebt bleibt. Und auch der Sex bleibt dann nicht aus. Es sind die Kleinigkeiten, die das Herz höher schlagen lassen: Sein Lieblingsgericht kochen, gemeinsam einen Film sehen, in eine Bar gehen, gemeinsam duschen -alles irgendwo Alltag und es kann dennoch aufregend sein. Es kann auch gemeinsames Lästern sein, dass schöne Momente verschafft.


    Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu verwirrend geschrieben :=o

    MyDecember

    Zitat

    Im Alltag geht die Luft nicht aus, wenn man verliebt bleibt. Und auch der Sex bleibt dann nicht aus. Es sind die Kleinigkeiten, die das Herz höher schlagen lassen: Sein Lieblingsgericht kochen, gemeinsam einen Film sehen, in eine Bar gehen, gemeinsam duschen -alles irgendwo Alltag und es kann dennoch aufregend sein. Es kann auch gemeinsames Lästern sein, dass schöne Momente verschafft.

    Auch nach 5-10 Jahren? Oder mit Kindern? Einem anstrengenden Job, Wochenendarbeit, oder gleich alles zusammen?


    Das, was Du schreibst, klingt toll, aber irgendwie noch nach Verliebtheitphase oder knapp danach @:)

    Zitat

    Auch nach 5-10 Jahren? Oder mit Kindern? Einem anstrengenden Job, Wochenendarbeit, oder gleich alles zusammen?


    Das, was Du schreibst, klingt toll, aber irgendwie noch nach Verliebtheitphase oder knapp danach @:)

    Okay also wir sind jetzt erst 3 Jahre zusammen. Gut, das ist noch nicht sehr lange, aber mussten schon einiges gemeinsam überstehen (haben uns während meiner Diplomarbeit kennengelernt, längerer Krankenhausaufenthalt, Todesfälle in der Familie, er ist Schichtarbeiter, usw.) Wir haben noch keine Kinder, allerdings gestaltet sich das auch eher schwierig (durch meine Krankheit, auf die ich jetzt nicht eingehen möchte). Mit diesem Menschen an meiner Seite denke ich, dass wir alles schaffen können. x:) Wir haben auch einfach oft dieselben Gedanken. Manchmal brauchen wir uns nur anschauen und ziehen uns schon aus ]:D :=o


    Keine Ahnung wie ich das beschreiben soll. :)_


    Bei meinen Expartnern war die Verliebtheit bereits nach ca.4 Monaten vorbei. Bei diesem Mann fliegen die Schmetterlinge noch (bei ihm wohl auch nach seiner Aussage). Ich habe auch schon mehrere Beziehungen hinter mir, in denen ich versucht habe "daran zu arbeiten". Aber ich habe für mich beschlossen, dass wenn keine Liebe da ist, dass ich dann auch nicht mehr investiere. Das heißt nicht, dass ich eine Beziehung gleich wegwerfe - ich war mit meinem Ex 8 Jahre zusammen. Aber bei die Beziehung hat mir so viel Kraft gekostet, weil ich es gern perfekt haben wollte. Ich habe viel zu spät gemerkt, dass er mich überhaupt nicht mehr liebt und ich ihn auch nicht (deshalb am Ende kaum Gespräche, Streitereien, keine Dankbarkeit, kein Respekt, kein Sex). :(v

    "Beziehungsarbeit" ist auch ein blödes Wort irgendwie ;-).


    Ich verstehe darunter im Kern: Den Anderen wahrnehmen - seine Bedürfnisse (erkennen), seine Ecken und Kanten - und dies dann mit sich selbst versuchen zu vereinbaren. Womit kann ich? Womit kann ich nicht? Wo gibt es Kompromisse? Wo gibt es gar keinen Kompromiss (für mich und oder für den Anderen)? Inwieweit bin ich dann bereit etwas an meinem Verhalten für den Partner zu verändern ohne mich selbst dabei aufzugeben?

    Zitat

    "Beziehungsarbeit" ist auch ein blödes Wort irgendwie ;-).

    Ich hab mit dem Wort keine Probleme, weil ich unter Arbeit nicht nur den bezahlten Job verstehe, sondern alles, wo man dran ist, wo man genau hinsieht, sich auseinander- und einsetzt. Vielleicht, weil ich den Begriff aus der Künstlerszene kenne, da ist z.B. auch ein Werk, z.B. ein Bild oder was auch immer, was der Künstler gerade macht mit dem Begriff "Arbeit" belegt. Damit ist dann eine intensive Auseinandersetzung gemeint, allerdings schon auch das Ergebnis ;-) und im Normalfall geht man davon aus, dass der Künstler sich aus einem großen eigenen, inneren Drang mit dem auseinandersetzt, was er sich da freiwillig ausgesucht hat. Sich mit etwas eindringlich auseinandersetzen, was einem wichtig ist, auch wenn das bisweilen nicht nur flow sondern auch Anstrengung bedeutet, empfinde ich als eine grundsätzlich positive Sache

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    Zitat

    Wenn ich höre, dass man an einer Beziehung arbeiten muss, finde ich das immer so schwammig

    Man kann viel für den Erhalt der Beziehung tun, wenn man häufiger gemeinsame Erlebnisse gestaltet oder unternimmt (nicht nur zu Hause rumhocken)- nur einmal im Monat oder noch seltener halte ich für zu selten- vielmehr mehrmals wöchentlich- dazu zähle ich auch gemeinsames Einkaufen, gemeinsames Spazierengehen, gemeinsam zur Sauna, gemeinsam zum Schwimmen, gemeinsam ins Kino, gemeinsam in Bar/Kneipe/Restaurant gehen, gemeinsam ins Theater, Konzerte und Ausstellungen gehen, u.U. gemeinsam Sport & Hobbys pfegen, ...


    ob man das als "Arbeit" bezeichnen will ... naja- ich nenne das einfach leben ...


    Ich verlinke einfach dies noch einmal: diese Doku -schaue mal ab Minute ca, 21:30-25:30.