Beziehungsunfähig?

    Ich bin mittlerweile 19 Jahre alt und hatte noch nie eine richtige Freundin. Ich habe zwar immer wieder mal im Chat die ein oder andere kennen gelernt, aber nach einem treffen mit derjenigen war dann meistens der Ofen aus. Ich weiß nicht an was es liegt, entweder ich seh einfach nicht den wünschen der Damen entsprechend aus, oder ich bin zu verklemmt, was ich mir noch am ehesten vorstellen könnte.


    Die Ursache dafür könnte ein schlimmes Erlebnis in meiner "frühpupertären" Phase gewesen sein. Wenn das damals nicht passiert wäre, wäre ich vielleicht heute auch anders, nicht so verklemmt, nicht so berührungsscheu. :-(


    Jeder der das liest kann sich ungefähr vorstellen was passiert sein muss, darauf möchte ich nicht näher eingehen. Kann es sein, dass man durch ein solches Ereignis im Wesen so verändert wird, ohne dass es einem selbst bewusst ist, dass man nicht fähig ist eine Beziehung einzugehen ???


    Ich würde mich sehr über eure Antworten freuen

  • 8 Antworten

    Ich glaube

    nicht, dass es so vieler Phantasie bedarf, um so ungefähr abzuschätzen was passiert ist.


    Also erzähl ich es halt doch kurz und knapp:


    Ich war ca. 12 und hatte einen Kumpel der homosexuelle Neigungen hatte, ich wusste aber nichts davon. Wir fuhren zusammen in den Urlaub nach Rügen ohne Eltern oder sonst jemand. Wir waren dort im Hotel seiner Großeltern untergebracht. Er war schon 14 und dem entsprechend wesentlich größer und stärker als ich. Ich fand keinen Ausweg, ich musste eben 14 Tage mit ihm in einem Zimmer übernachten. Er hat versucht sexuelle Handlungen an mir vorzunehmen, was ihm aber nicht gelang und was ihn sehr erzürnte. Ich wachte regelmäßig mit einer bösen Überraschung auf, mal war es eine Ohrfeige, mal hat er mich fast erwürgt. Ich war nervlich so am Eimer, dass ich unwillkürliches Lidflimmern hatte und irgendwie kam ich mir ausgeliefert und hilflos vor.


    Nun kennen also alle die das hier lesen meine Geschichte, die ich noch nie jemandem erzählen konnte.


    Grüße

    Ich glaube, genau das ist Dein Problem

    Es gibt viele Dinge, die einen Menschen prägen. Viele davon sind ganz belanglos und weit von dem entfernt, was Du erlebt hast.


    Ich denke, dass Du bislang noch nie darüber gesprochen hast, ist das Problem. Hast Du jemals darüber nachgedacht, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen?

    nein

    ich hatte nicht das Gefühl therapeutische Hilfe zu benötigen. Irgendwas in mir streubt sich auch dagegen mit jemandem darüber zu reden.


    Eigentlich glaub ich auch nicht, dass ich mit jemandem darüber reden muss, ich wollte eigentlich nur wissen, ob das damals vielleicht der Grund war, warum ich heute bin wie ich bin.


    Vielleicht gibt es aber doch einen anderen Grund. Ich bin nämlich verbal nicht gerade gewandt und nicht sehr mitteilungs- oder mitredefreudig. Ich kann mir vorstellen, dass ich gerade deshalb immer ein wenig im Hintergrund stehe und gar nicht so wahr genommen werde. Ich vermute, dass das an meinem sehr schwachem Selbstvertrauen liegt. Ich hab es schon versucht mit einer "Hypnose-CD" wegzubekommen, aber das ist wohl leider auch nur Geldmacherei, deshalb bin ich jetzt seid einigen Monaten im Kampfsport bzw. Selbstverteidigung tätig und ich bin der Meinung, dass mir das viel mehr geholfen hat. Vielleicht auch deshalb, weil ich unter Menschen komme. (Ich lebe sehr abgeschieden in einem kleinem Kuhkaff!)


    Danke für eure Antworten, Grüße

    RE:

    Eine bedauerliche Geschichte, ohne Zweifel.


    Daß es an Deinem Aussehen liegen könnte, halte ich fast für ausgeschlossen. Ich habe schon die hübschesten Mädchen an der Seite potthäßlicher Typen gesehen und mußte mich jedesmal fragen, was diese an so einem Quasimodo nur so anziehend fanden.


    Ist es nicht eher denkbar, daß Du –unbewußt!!!- jeder engeren Beziehung entgegensteuerst? Daß Dich Angst daran hindern könnte, offen für eine Beziehung zu sein?


    Angst, es könnte jemand hinter Dein "Geheimnis" kommen?


    Angst, Du könntest nicht normal, ja homosexuell sein?


    Angst, daß bei einer imtimen Beziehung diese Erinnerung wieder mit voller Wucht ins Bewußtsein tritt?


    Vielleicht auch Angst, Du könntest der Partnerin Gewalt antun?


    Die meisten (!) Sexualstraftäter sind in ihrer Kindheit oder Jugend selbst Opfer von Mißbrauch gewesen, und im allgemeinen geht es einem Sexualstraftäter bei der Tat nicht um sex. Befriedigung, sondern um Macht!


    Du hast Dich selbst zwei Wochen lang machtlos und handlungsunfähig erlebt. Ohne Macht –ohnmächtig- zu sein ruft nur zu oft Rachegefühle hervor...


    Es ist auch alles andere als selten, daß Mißbrauchsopfer beim Mißbrauch sexuell erregt werden. Jungen bekommen während des Mißbrauchs oft genug eine Erektion, was ihnen selbst unverständlich ist, und im Nachhinein stellen sie sich selbst die Frage, ob sie es denn nicht selbst –zumindest ein wenig- genossen haben müssen, da sie doch sonst keine Erektion bekommen haben könnten.


    Spätestens dann entstehen Schuldgefühle...


    Gibt es evtl. sexuelle Probleme? Erektionsstörungen? Vergewaltigungsphantasien, für die Du Dich schämst und welche Du ins Unterbewußtsein abgedrängt haben könntest?


    Kannst Du Dir in Deiner Phantasie vorstellen, mit einer Frau Sex zu haben und diesen zu genießen?


    Möglicherweise liegt die Ursache ja auch auf einer völlig anderen Ebene.


    Vielleicht solltest Du einmal professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Allerdings solltest Du bei der Wahl des Therapeuten dann im Erstgespräch nachfragen, ob dieser mit sex. Problematikern vertraut ist und auf diesem Gebiet Erfahrung hat.


    Sinnvoll wäre hier möglicherweise eine tiefenpsychologische Therapie. Die meisten Therapeuten allerdings sind Verhaltenstherapeuten, und da kann ich Dir nur empfehlen: Finger weg!


    Die haben keine Ahnung!

    Ich bin kein Psychologe, aber ich sehe das ähnlich wie bel333 oder Gilgamesch.


    Die Tatsache, daß Du das erlebte noch nicht richtig verarbeitet hast (wenn Du es denn je richtig schaffst) ist vermutlich der Gund für Deine "Ängste", und hindern Dich daran, mit der nötigen positiven Einstellung und Ausstrahlung an die Sache heranzugehen.


    Damit wirst Du aber leider auch unattraktiv und somit schließt sich der Kreis, weil Du in Deiner Meinung "wertlos" und beziehungsunfähig zu sein, noch bestärkt wirst.


    Da Du offensichtlich nicht selber daraus ausbrechen kannst (unterdrücken und nicht darüber reden hat Dir bisher nichts gebracht) und wenn Dir darüber schreiben jetzt hier nicht die nötige "Verarbeitung" bringt, dann solltest Du professionelle Hilfe aufsuchen.


    Das schlimmst an sexueller Nötigung und Gewalt (das lag ja eindeutig vor, sexueller Mißbrauch ehr noch nicht) ist, daß die Opfer, wenn sie es nicht richtig verarbeiten, "lebenslänglich" bestraft sind.


    Deshalb scheue Dich nicht (wie jetzt hier) das herauszulassen, damit Du anfangen kannst Dich "wertvoll" und "beziehungsfähig" zu fühlen und es dann auch zu sein.

    Therapeut / Therapie

    zu einem Therapeuten oder in eine Therapie zu gehen ist kein Zeichen von Abartigkeit oder Krankheit. EinTherapeut ist wie ein Kumpel, mit dem man über alles quatschen kann und seine Gedanken austauscht. Ein Freund von mir geht mit seinem Therapeuten sogar mal einen trinken. Leider wird es von der Allgemeinheit als negativ abgestempelt zu Thera zu gehen. Wir wollen Dich sicherlich NICHT dazu drängen es zu tun, wir wollen Dir nur eine Möglichkeit aufzeigen selbstsicherer / selbstbewußter zu werden und keine Versagensängste vor einer Beziehung zu haben. Sicher mag es ein Problem sein in einem Kuhdorf einen gescheiten Thera zu finden. Gibt es die Möglichkeit in der nächstgrößeren Stadt? Ich denke 1 x die Woche und später alle 2 Wochen ließe sich bestimmt einrichten?! Vielleicht kann Dir jemand aus dem Forum einen Thera nennen aus deiner Gegend, der schon gute Erfahrungen gemacht hat. Ich wünsche Dir viel Glück und eine verständnisvolle Partnerin. (Du solltest mit Ihr darüber sprechen wenn Ihr Euch ein wenig kennt. - Vielleicht hat Sie auch ein Geheimnis, das Sie mit Dir teilen möchte). Nur durch Gespräche MITEINANDER kann man eine Beziehung führen.

    Hypnose-CD´s ???

    Vertrau Dich einem Therapeuten an. Das ist ein Profi, dem Du alles erzählen kannst, was Dich bedrückt. Das ist wesentlich ratsamer als die Verwendung von Hypnose-CD´s. Sie werden nichts, aber auch gar nichts bringen, denn der erforderliche Rapport zwischen Medium und Therapeut besteht einfach nicht. Somit ist die Hypnose absolut wirkungslos. Vielleicht erreichst Du ja sogar eine leichte Form der Trance, aber was soll das bringen? Eine CD wird niemals auf Deine Probleme eingehen können.


    Im übrigen ist Hypnose eine wahnsinnig gute Therapieform - jedoch kein Allheil- oder Wundermittel. Das wird von den Herstellern entsprechender CD´s leider immer wieder verkannt.


    Ein guter Therapeut wird sich also zunächst einmal Dein Problem anhören und sich erst dann für eine Therapieform entscheiden. Geh zu einem Psychologen und lass Dir helfen! Wenn Du Dir den Arm gebrochen hast, lässt Du die Knochen doch auch nicht auf eigene Faust zusammenwachsen. Warum willst Du das bei einem Bruch in der Seele tun?