Bindungsunfähigkeit bzw. Unfähigkeit, sich einzulassen

    Moin,


    dieses Thema ist mir durch meinen aktuellen Partner wieder bewusst geworden. Ich hatte nur eine lange Beziehung (zwei Jahre) und sonst nur Sachen von wenigen Monaten. Die ich beendete. Weil die Partner mit langweilten, enttäuschten, meiner nicht wert waren.


    Nun habe ich seit einigen Wochen einen neuen Partner. Und für meine doch sehr fragwürdigen Verhältnisse habe ich ihn extrem gern, wirklich sehr. Vergleichbar den Gefühlen, die ich zu demjenigen hatte, mit dem ich es so lange aushielt. Nun ist das Problem, dass ich wieder nach Gründen suche, warum ich mich von ihm distanzieren sollte. Ich denke, er liebt mich sehr, ist immer für mich da, egal wie fordernd und unzumutbar ich mich aufführe, erträgt meine Tiefs und will immer bei mir sein. Dennoch fange ich an, seine Unzulänglichkeiten verstärkt zu sehen und mir die Makel, die er (meines Erachtens) hat, vor Augen zu führen. Und es geht hierbei nicht um physische Mängel, sondern um Umstände, die sich auf seine Person beziehen. Das Schlimme ist, ich weiß, dass wir uns sehr gut ergänzen und verstehen und könnte mir sogar vorstellen, mit ihm länger zusammen zu sein. Aber dennoch kann ich dieses Gedankenkreisen, was an ihm alles schlecht ist, nicht abstellen. Ich will das nicht. Ich will mir nicht schon wieder einen neuen Mann suchen und mit ihm dasselbe erleben, obgleich er mir garantiert nicht so gut passen würde wie mein derzeitiger.


    :°(

  • 1 Antworten

    Kleinigkeiten, also z.B. dass er deutlich ordentlicher ist als ich und ich bei ihm immer auf sowas achten muss. Oder dass er mir nicht oft genug sagt wie toll ich bin und wie sehr er mich liebt. Wohlgemerkt spricht sein Verhalten da eine mehr als deutliche Sprache, dass er mich sehr liebt. Aber ich will es verbalisiert haben. Solche Dinge. Also absolute Kleinigkeiten. Nichts Schwerwiegendes oder unzumutbares.

    Es gibt Menschen die einfach nicht so kompatibel sind, wie sie es gerne hätten. Gerade Narzissten haben da ihre Probleme. Es sind ständig 'die Anderen' die mit 'ihren Fehlern' einem das Leben schwer machen.


    Da gilt es dann sich einmal mehr sein eigenes Umfeld und das eigene Verhalten zu beobachten und ggf eine Veränderung herbei zu führen. Leben und leben lassen.


    Ich wünsche dir (und deinem -bald- Partner) viel Glück und Erfolg.

    Hi Reizende,


    wir hatten das Thema ja schon, ich erlaube mir also da einzusteigen, ja?


    Du machst das ganze ja nicht weil es dich wirklich stört sondern weil du Angst hast. Richtig rasende fiese Angst verlassen zu werden und bevor dir das passiert machst du es dir einfach die Flucht zu ergreifen in dem du Fehler suchst. Zudem sind sie eine Folge der krassen idealisierung am Anfang, kein mensch ist SO perfekt, der Lack mit dem du da den Partner überziehst muss einfach Risse bekommen.


    Entweder du beschäftigst dich mit dir und deinen Problemen oder du fährst weiter diese Form von Vermeidung. Das ist die Auswahl. Du hast Glück, du hast es immerhin erkannt und kannst damit was dagegen unternehmen.

    Zitat

    Ich will das nicht.

    Gut, das ist ein Anfang.


    Dann tu was dagegen.


    Ich kenne einen vergleichbaren Fall, Da ist das noch etwas extremer. Ausgeprägte Bindungsstörung, und jeder neue Partner wird zunächst mit einem gemeinsamen Kind gefesselt, bis er dann mit diesem sitzengelassen wird. Jede Beziehung wird so lange in Frage gestellt, ausgetestet auf ihre Haltbarkeit, bis sie zerbricht.


    Normales Verhalten wäre, die Beziehung zu pflegen, weil man aus (frühkindlicher) Erfahrung weiß: es gibt verläßliche Bindungen, und aus Lebenserfahrung: was man pflegt, hält länger.

    Zitat

    Wie oft sollte es denn sein, damit es genug ist?

    Jede Stunde. Aber ich weiß, dass es nie genug wäre. Das da in mir ist wie ein schwarzes Loch.

    Zitat

    Normales Verhalten wäre, die Beziehung zu pflegen, weil man aus (frühkindlicher) Erfahrung weiß: es gibt verläßliche Bindungen, und aus Lebenserfahrung: was man pflegt, hält länger.

    Diese Erfahrung kenne ich nicht. Für mich ist das Ende von Liebe unvermeidbar. Und kommt eher früh als spät. Ein Freund sagt, Liebe werde kaputtgemacht statt dass sie gehe. Meine Eltern sind allerdings noch zusammen.

    Zitat

    Du machst das ganze ja nicht weil es dich wirklich stört sondern weil du Angst hast. Richtig rasende fiese Angst verlassen zu werden und bevor dir das passiert machst du es dir einfach die Flucht zu ergreifen in dem du Fehler suchst. Zudem sind sie eine Folge der krassen idealisierung am Anfang, kein mensch ist SO perfekt, der Lack mit dem du da den Partner überziehst muss einfach Risse bekommen.


    Entweder du beschäftigst dich mit dir und deinen Problemen oder du fährst weiter diese Form von Vermeidung. Das ist die Auswahl. Du hast Glück, du hast es immerhin erkannt und kannst damit was dagegen unternehmen.

    Aber was kann ich für den Moment tun? :°(

    Professionelle Hilfe suchen. Wobei das in Deinem Falle...

    Zitat

    Diese Erfahrung kenne ich nicht. Für mich ist das Ende von Liebe unvermeidbar.

    ..nicht mit einer Partnerschaftsberatung getan sein wird. Wenn Du diese Beziehung willst, und wenn Du gleichzeitig weißt bzw. erkennst, daß Du sie zerstören wirst, dann mußt Du jetzt aktiv werden.


    Dafür gibt es Therapeuten.

    Zitat

    Aber was kann ich für den Moment tun? :°(

    Du kannst versuchen an die Liebe zu glauben. Du solltest die defekten Sektoren deiner Festplatte neu überschreiben. Alte Muster bleiben so lange 'alte Muster', bis man neue Erkenntnisse gesammelt hat: Nämlich; dass es auch anders geht. Dass man ein Leben leben kann in Frieden und ohne große selbstgemachte Sorgen. Man hat bei deinen Worten stets den Eindruck 'Dass das halt so ist, wie es ist', also wie unveränderbar. Aber das ist es nicht. Man kann vieles ändern.

    Zitat

    Was könnte schlimmstenfalls passieren, wenns nicht funktioniert?

    Ich bin zwar nicht gefragt worden, aber Gegenfrage: Ist das nicht deutlich sichtbar?

    Zitat

    Für mich ist das Ende von Liebe unvermeidbar.

    Das ist doch ein furchtbarer Zustand, (bis zum Lebensende) nie eine länger dauernde Partnerschaft zu haben, in der man sich aufeinander verlassen kann, füreinander da ist und die Gewißheit hat: Wenn ich heimkomme, werde ich erwartet!


    Wenn man weiß, selbst wenn man den idealen Partner fände, man würde die Beziehung auf die Probe stellen bis sie bricht?

    Zitat

    Das ist doch ein furchtbarer Zustand, (bis zum Lebensende) nie eine länger dauernde Partnerschaft zu haben, in der man sich aufeinander verlassen kann, füreinander da ist und die Gewißheit hat: Wenn ich heimkomme, werde ich erwartet!


    Wenn man weiß, selbst wenn man den idealen Partner fände, man würde die Beziehung auf die Probe stellen bis sie bricht?

    Ja. Das ist es.

    Zitat

    Seit wann hast du denn die Gedanken dass das eh nicht funktioniert? Also nicht bei deinem jetzigen Freund sondern allgemein?

    Seit ich gespürt habe dass die lange Beziehung kaputt ging.

    Zitat

    Dass man ein Leben leben kann in Frieden und ohne große selbstgemachte Sorgen.

    Für mich derzeit ungefähr so nah und realistisch wie Wandeln auf dem Mars.

    Zitat

    Seit ich gespürt habe dass die lange Beziehung kaputt ging. Bzw., ich hatte davor schon Zweifel an langen Beziehungen. Aber inzwischen habe ich die Hoffnung darauf völlig aufgegeben. Ich bin sehr unglücklich.

    Was hast Du bisher unternommen, bist Du in Behandlung, in Therapie?