Zitat

    Irgendetwas liebenswertes wird da sicher verborgen sein. :)*

    Du bist mir ein Schätzchen. Ich liebe passivaggressive Menschen.


    Klar ist da Liebenswertes. Und nicht zu knapp. Bei dir ist bestimmt auch was davon :)_ so wie in jedem Menschen. Aber es freut mich, dass ich dich immerhin hinreichend für mich zu interessieren vermochte, dass du trotz Antipathie meinen langen Faden gelesen hast. Ich wüsste nicht, ob ich dasselbe umgekehrt auch für dich täte ;-D

    Zitat

    Es ist oft ein natürlicher Reflex sich abgrenzen zu wollen, wenn man mit psychisch Erkrankten agiert. Denn nur so bleibt man sich dem Eigenen bewusst und vermischt nicht das Andere (oft Fremde) mit der eigenen Lebensgeschichte.

    Würdest du dieselbe Aussage treffen, wenn statt psychisch krank da "Muslim" oder "fremde Kultur" stünde? Denn nach unserer evolutionären Entstehung ist die Abgrenzung von jeglichem Fremden sinnvoll zum Überleben. Aber die Diskussion hierüber interessiert mich in meinem Faden nicht, daher ist dies ausdrücklich als rhetorische Frage anzusehen.


    Interessanterweise verspüre ich bei den meisten psychisch Erkrankten dasselbe. Also dass es mich abstößt. Aber manche üben auch eine Faszination auf mich aus, insbesondere jene mit bestimmten Eigenschaften. Gleich und gleich.


    Dir auch alles Gute und nicht den Bezug zur Realität verlieren :)_

    Zitat

    Danae, du hast doch Kinder? Wie ist das mit deren Bedürfnissen? Oder denen deines Partners? Sind die für dich wirklich gleichwertig zu deinen?

    Hab ich, ja. Und ja, ihre Bedürfnisse stehen bei mir auf der gleichen Ebene wie meine. Und weil meine Kinder noch kleiner sind als ich, sich nicht so beherrschen können und soweiter, erwarte ich von den Erwachsenen in dieser Familie mehr KOmpromisse als von den Kindern. Wobei die natürlich mit zunehmendem Alter auch mehr schaffen müssen, aber eben wohldosiert, damit sie trainieren können.


    Das kann man sich aber auch ganz einfach egozentrisch erklären, wenn es einem das leichter macht. Wenn die zufrieden sind, in ihrem Leben, dann kann ich meine Bedürfnisse ohne großes Drama befriedigen, darunter das Bedürfnis danach nicht in einem haushalt zu leben in dem rumgebrüllt wird. ;-)

    Zitat

    Schwierig stelle ich mir das bereits hier stattfindende in-Frage-Stellen des "ich-Konzeptes" vor - wenn man nach und nach erfährt, dass immer mehr Eigenschaften, die man als zu sich selber gehörend empfindet, als "so bin ich halt" (auch wenn sie eigentlich schlecht sind), eigentlich "nur" Folge der Krankheit sind. Was bleibt dann übrig?

    Hat mir auch voll Angst gemacht, vorallem weil man sich ja vorher in die Abwärtung des Normalen geflüchtet hat (langweilig, beschränkt, emotional flach etc.) um sich selbst nicht so minderwertigund unfähig zu fühlen. Für mich war es ein wichtiger Schritt anderen zuzuhören, auch scheinbar so langweiligen Leuten, und dabei zu bemerken, dass die durch ihre Normalität auf dem einen bereich viel Kapazitäten haben spannende Dinge zu machen, dir mir aufgrund meiner "Besonderheit", man könnte es auch Probleme nennen, versperrt blieben. Damit war es dann nicht mehr so furchtbar erschreckend.

    Zitat

    Mein Freund sagte gestern, er habe Angst, sich richtig einzulassen und einiges an seinem Leben, das mich stört, für mich zu ändern

    Das sollte er auch schön lassen solange du dich nicht gut kennst, weil es gut sein kann, dass du diese Kämpfe um diesen Kram auch nur als Liebesbeweis kämpfst und ihn nicht mehr anziehend oder männlich findest, wenn er sich dann ändert. ;-)

    Zitat

    Wie kann ich ihm mehr Sicherheit vermitteln?

    Gar nicht, weil du sie nicht empfindest. Unsicherheit ist Teil eurer Beziehung, so wie die Lage gerade ist und das wird sich auch nicht einfach so ändern. Pack es auf die Positivliste von "Normalität" (was immer das sein mag), sie ermöglicht mehr Sicherheit in Beziehungen.

    Zitat

    Ich will ihm aber vermitteln, dass ich mich um die Beziehung bemühen werde.

    Tu es und kommuniziere das auch immer wieder. Du bist ja auf einem guten Weg, Therapie und Klinik und überhaupt.

    Zitat

    na wenn zwei gut zusammen passen weil sie sind, wie sie sind, passen sie vermutlich nicht mehr gut zusammen, wenn der eine sich stark verändert hat.

    Das seh ich übrigens anders. Einfach weil so ein Prozess ja in aller Regel ja nicht irgendwo alleine passiert und dann ist man zack! wieder da und ganz anders. Das kann einen sehr zusammenschweißen, wenn amn den Weg zusammen geht und sich als Paar aktiv immer wieder zusammen auseinandersetzt und zusammenrauft.

    Zitat

    er wird also weiterhin hilfsbereit und "dienend" sein während ich egozentrisch und fordernd bin. Dass sich das jemals ändert halte ich für nahezu ausgeschlossen

    Darauf würde ich nicht wetten. ;-D ;-D

    Zitat

    Denn das bedeutet ja, dass es für ihn auch schwierig ist?

    Aber natürlich. Er ist mit Sicherheit auch nicht aus sich heraus so bereit alles zu schlucken, sondern weil er selbst bedürftig ist. Ar bei uns übrigens ähnlich. Nach meiner Therapie hatte sich das stark-schwach Verältnis gewandelt und er ging mir plötzlich furchtbar auf den Senkel weil er so needy war. Hat ganz schön gerumpelt und dann hat er sich bewegt, beziehungsweise bewegt sich noch, aber inzwischen sind wie so gleich auf, dass wir uns beide gleichzeitig bewegen. ;-D ;-D


    Was es bedeutet das es dich bei ihm härter erwischt? Ich würde sagen, es bedeutet, dass ihr zwei gut passt, was eure Muster angeht und das zusammen-schwingen die Schwingungen verstärkt. Ausserdem hast du ja auch vor ihm schon beobachtet, dass deine Intervalle immer kürzer werden.


    Dieser Hormonrausch von Streit-Vertragen macht ja auch schlicht süchtig. Da braucht man immer härtere Dosen. ich nehme an, wenn du jetzt nicht die Biege bekommst dann wirst du feststellen warum Borderliner ein erhöhtes Risiko zum Missbrauch von Drogen haben oder in richtig dreckige Beziehungen rutschen, eventuell mit Gewalt, weil das die nächste Lage wäre um den CHirmchemiecocktail zusteigern.

    Zitat

    Sehr gut beobachtet. So ist es. Aber wozu?

    Na, damit du deine tiefe innere Selbstthese das du ein unbedeutendes Stück Dreck bist, dass eh keiner liebt und das es echte Liebe eh nicht gibt, bestätigen kannst. Das will der eine Teil. Der will Sicherheit dadurch das er recht hat. Der andere will Sicherheit durch Nähe und durch den Gegenbeweis, also das es Liebe gibt und richtig stark spürt man das in der Versöhnung und nicht im entspannten Alltag. ;-)


    Nebenbei: höfflich kann man auch bei mangelnder Sympathie bleiben. Manchmal entdeckt man hinter dem was man spontan mit "boah, was ne Zicke" abgetan hat einen interessanten Menschen. Also ich dich beispielsweise. ;-)

    Zitat

    Hab ich, ja. Und ja, ihre Bedürfnisse stehen bei mir auf der gleichen Ebene wie meine. Und weil meine Kinder noch kleiner sind als ich, sich nicht so beherrschen können und soweiter, erwarte ich von den Erwachsenen in dieser Familie mehr KOmpromisse als von den Kindern. Wobei die natürlich mit zunehmendem Alter auch mehr schaffen müssen, aber eben wohldosiert, damit sie trainieren können.


    Das kann man sich aber auch ganz einfach egozentrisch erklären, wenn es einem das leichter macht. Wenn die zufrieden sind, in ihrem Leben, dann kann ich meine Bedürfnisse ohne großes Drama befriedigen, darunter das Bedürfnis danach nicht in einem haushalt zu leben in dem rumgebrüllt wird. ;-)

    ;-D Ich mag, wie du dich ausdrückst. Aber interessant. Ich könnte mir z.B. nicht vorstellen, dass ich ernsthaft meine Bedürfnisse denen von Kindern, die ja sehr drängend und vereinnahmend sind, unterordnen könnte. Wenn ich schlafen will, und das Kind will was...mein erster Impuls wäre, es anzuschreien. Im besten Fall. Ich denke ich bin noch viel zu unbeherrscht.

    Zitat

    und dabei zu bemerken, dass die durch ihre Normalität auf dem einen bereich viel Kapazitäten haben spannende Dinge zu machen, dir mir aufgrund meiner "Besonderheit", man könnte es auch Probleme nennen, versperrt blieben.

    Sicher ist das so. Wenn man nicht den größten Teil des Tages damit verbringt, gegen sein Hirn anzukämpfen, hat man plötzlich doch ne Menge Kapazitäten. Aber das Leben ist nunmal unfair.

    Zitat

    Das sollte er auch schön lassen solange du dich nicht gut kennst, weil es gut sein kann, dass du diese Kämpfe um diesen Kram auch nur als Liebesbeweis kämpfst und ihn nicht mehr anziehend oder männlich findest, wenn er sich dann ändert. ;-)

    Hm. Ich muss das durchdenken.

    Zitat

    Gar nicht, weil du sie nicht empfindest. Unsicherheit ist Teil eurer Beziehung, so wie die Lage gerade ist und das wird sich auch nicht einfach so ändern.

    :°(

    Zitat

    Tu es und kommuniziere das auch immer wieder.

    Ja...aber mir fällt es schwer. Ich sehe Beziehungen eher als Austauschverhältnis. Wenn er nichts sagt, hab ich keine Lust, auch was zu sagen. Weil er es nicht verdient. So viel zum Thema echte Liebe. %-|

    Zitat

    Das seh ich übrigens anders. Einfach weil so ein Prozess ja in aller Regel ja nicht irgendwo alleine passiert und dann ist man zack! wieder da und ganz anders. Das kann einen sehr zusammenschweißen, wenn amn den Weg zusammen geht und sich als Paar aktiv immer wieder zusammen auseinandersetzt und zusammenrauft.

    So sehe ich es auch.


    Es schweißt tatsächlich zusammen, diese Probleme durchzustehen.

    Zitat

    Er ist mit Sicherheit auch nicht aus sich heraus so bereit alles zu schlucken, sondern weil er selbst bedürftig ist. Ar bei uns übrigens ähnlich. Nach meiner Therapie hatte sich das stark-schwach Verältnis gewandelt und er ging mir plötzlich furchtbar auf den Senkel weil er so needy war. Hat ganz schön gerumpelt und dann hat er sich bewegt, beziehungsweise bewegt sich noch, aber inzwischen sind wie so

    Interessant. Könnte ich mir bei uns auch gut vorstellen. Ich nehme an, du bist von euch beiden dann die Temperamentvolle? ;-)

    Zitat

    Na, damit du deine tiefe innere Selbstthese das du ein unbedeutendes Stück Dreck bist, dass eh keiner liebt und das es echte Liebe eh nicht gibt, bestätigen kannst. Das will der eine Teil. Der will Sicherheit dadurch das er recht hat. Der andere will Sicherheit durch Nähe und durch den Gegenbeweis, also das es Liebe gibt und richtig stark spürt man das in der Versöhnung und nicht im entspannten Alltag. ;-)

    Seufz. Klingt zu wahr, um schön zu sein. ^^

    Zitat

    Nebenbei: höfflich kann man auch bei mangelnder Sympathie bleiben. Manchmal entdeckt man hinter dem was man spontan mit "boah, was ne Zicke" abgetan hat einen interessanten Menschen. Also ich dich beispielsweise. ;-)

    Ohh x:) ich hab einfach meist keine Lust, mich besonders zusammenzureißen, wenn ich nicht muss. Und hier muss ich es nicht.

    @ Reizende

    Zitat

    Ich könnte mir z.B. nicht vorstellen, dass ich ernsthaft meine Bedürfnisse denen von Kindern, die ja sehr drängend und vereinnahmend sind, unterordnen könnte. Wenn ich schlafen will, und das Kind will was...mein erster Impuls wäre, es anzuschreien. Im besten Fall.

    Willkommen im Club. Deshalb habe ich keine Kinder. Um das weder mir noch den Kindern anzutun...

    Zitat

    dass ich ernsthaft meine Bedürfnisse denen von Kindern, die ja sehr drängend und vereinnahmend sind

    Ob Kinder drängend und vereinnahmend werden oder nicht, hängt sehr stark von der Betreuungsart der Eltern ab. OK, im ersten Lebensjahr mag das mit dem Drängenden noch stimmen- das Kind kann ja nicht sprechen und hat Lebensbedürfnisse ...

    Zitat

    Wenn ich schlafen will, und das Kind will was...mein erster Impuls wäre, es anzuschreien. Im besten Fall. Ich denke ich bin noch viel zu unbeherrscht.

    Ich reagiere da auch nicht begeistert drauf. ;-D ;-D Ich kenne niemanden der dann total erfüllt irgendwas flötet und sich freut. Aber mir ist klar, dass mein Kind gerade nicht anders kann, dass dies Bedürfnis sehr drängend ist und da wird dann halt abgewogen: Mein Bedürfnis nach ununterbrochenem Schlaf ist nicht so grundlegend wie ein Kind das gerade nach einem Albtraum echte Todesangst verarbeiten muss. Also muss ich zurückstecken. Ein Kind das sich dagegen nur langweilt hat Pech und fliegt raus, weil da mein Bedürfnis gerade elementarer ist. ;-)


    Und ich hab ja weitblick, also mehr als ein Kind. Darum lege ich wert auf regelmäßige Mahlzeiten, einen festen Tagesrythmus, gute Zeit zum Kuscheln und Reden und so weiter. Einfach weil diese vorauseilende Bedürfnisbefriedigung dafür sorgt, dass mein Bedürfnis nach ungestörtem Schlaf erfüllt wird. Sie sind dann satt, haben sich ihre Probleme von der Seele geredet und fühlen sich in einem festen Netz gut aufgehoben und geliebt.

    Zitat

    Sicher ist das so. Wenn man nicht den größten Teil des Tages damit verbringt, gegen sein Hirn anzukämpfen, hat man plötzlich doch ne Menge Kapazitäten. Aber das Leben ist nunmal unfair.

    Aber man steht dem Zustand ja nicht wehrlos gegenüber. Da kann man was machen und wenn man Kapazitäten frei bekommen will, dann löst man Probleme und hat dann Raum für andere Sachen. Ziele setzen, die einen motivieren und so.

    Zitat

    Ja...aber mir fällt es schwer. Ich sehe Beziehungen eher als Austauschverhältnis. Wenn er nichts sagt, hab ich keine Lust, auch was zu sagen. Weil er es nicht verdient.

    Und wieso soll er immer in Vorleistung gehen? Ich meine, er weiß ja auch nicht, ob er den gegenwert wiederbekommt und sich gleichzeitig zuhören, damit niemand ein Risiko eingehen muss klappt halt einfach nicht. ;-) vielleicht versuchst du es mal ein wenig zu sehen wie ich es oben bei den Kinder beschrieben habe: Wenn es ihm gut geht, dann kann er deine Bedürfnisse viel leichter erfüllen. Dann hat er die Kraft auszuhalten, gegenzuhalten und soweiter. Wenn er immer nur leisten muss, wirst am Ende du auch nichts mehr bekommen.

    Zitat

    Ich nehme an, du bist von euch beiden dann die Temperamentvolle? ;-)

    Oh ja. Temperament habe ich wirklich. ;-D ;-D LEidenschaftlich, nannte mein Therapeut mich mal, nachdem ich ihn eine Weile angebrüllt habe. :=o

    Zitat

    Ohh x:) ich hab einfach meist keine Lust, mich besonders zusammenzureißen, wenn ich nicht muss. Und hier muss ich es nicht.

    Aber damit nimmst du dir ja was weg, nicht nur den anderen. Du nimmst dir die Chance jemanden kennenzulernen und was Neues zu lernen und auch einen ganz anderen Blickwinkel auf die eigene Thematik zu gewinnen.


    Man lernt ja nicht nur durch Dinge denen man zustimmt, sondern auch durch die Dinge die Widerstand in einem auslösen. Ich hab hier vor Jahren mal eine Frage dazu gestellt, was ich meinem Kind zumuten kann. Also in Bezug auf ihren psychisch besonderen Vater und dessen Unzuverlässigkeit und überhaupt. Die überwiegende Meinung der Leute im psychologieforum war:"Der ist krank, der kann nichts dafür. Das muss man dem Kind halt erklären und ihm beibringen das auszuhalten." Ich wurde spontan stinksauer und argumentierte leidenschaftlich dagegen und hatte so meine Position gefunden und reflektiert weshalb, ganz ohne eine einzige Meinung in meiner Richtung zu lesen. ;-)

    @ sensibelmann

    Zitat

    Ob Kinder drängend und vereinnahmend werden oder nicht, hängt sehr stark von der Betreuungsart der Eltern ab. OK, im ersten Lebensjahr mag das mit dem Drängenden noch stimmen- das Kind kann ja nicht sprechen und hat Lebensbedürfnisse …

    Klar, man kann Kindern das Äußern von Bedürfnissen natürlich auch aberziehen. Dann werden sie unglaublich pflegeleicht, weil sie brav die Klappe halten, und man kann sich als Eltern einreden, man hätte ja alles richtig gemacht.

    Zitat

    Klar, man kann Kindern das Äußern von Bedürfnissen natürlich auch aberziehen.

    Darum geht es nicht. Es geht um den Umgang mit Bedürfnissen, um Verstand und Rücksichtnahme und Geduld (es hat seine Ursachen, wenn das Kind drängelt: "ich will, ich will, ich will"). Im Übrigen ist das keine Spezialität von Kindern- zahlreiche Erwachsene sind da nicht wesentlich anders.

    Zitat

    ch will, ich will, ich will"). Im Übrigen ist das keine Spezialität von Kindern- zahlreiche Erwachsene sind da nicht wesentlich anders.

    Ja, ich zum Beispiel ]:D mein Freund sagt oft, dass ich ihm manchmal vorkomme wie ein kleines Kind. In der Trotzphase ;-D

    Zitat

    Mein Bedürfnis nach ununterbrochenem Schlaf ist nicht so grundlegend wie ein Kind das gerade nach einem Albtraum echte Todesangst verarbeiten muss. Also muss ich zurückstecken. Ein Kind das sich dagegen nur langweilt hat Pech und fliegt raus, weil da mein Bedürfnis gerade elementarer ist. ;-)

    Hm. Aber ich hab überhaupt keine Lust, meine Bedürfnisse hinten an zu stellen. Warst du schon immer so vernünftig in Bezug auf Erziehung oder kam das erst mit allgemeiner Entwicklung und Stabilität?

    Zitat

    Und wieso soll er immer in Vorleistung gehen? Ich meine, er weiß ja auch nicht, ob er den gegenwert wiederbekommt und sich gleichzeitig zuhören, damit niemand ein Risiko eingehen muss klappt halt einfach nicht. ;-)

    ;-D na, weil...ich es will. Und wenn er selbst nicht so oft Liebesschwüre will, aber ich schon, finde ich es wichtig, mir jene zu geben!

    Zitat

    vielleicht versuchst du es mal ein wenig zu sehen wie ich es oben bei den Kinder beschrieben habe: Wenn es ihm gut geht, dann kann er deine Bedürfnisse viel leichter erfüllen. Dann hat er die Kraft auszuhalten, gegenzuhalten und soweiter. Wenn er immer nur leisten muss, wirst am Ende du auch nichts mehr bekommen.

    Ja. Sehr sehr guter Hinweis, Danke. :-) ich denke, damit kann ich arbeiten. Passt auch zu meinem Egoismus. Für ihn was tun damit es sich am Ende für mich rentiert.

    Zitat

    Man lernt ja nicht nur durch Dinge denen man zustimmt, sondern auch durch die Dinge die Widerstand in einem auslösen.

    Ja, natürlich.

    Interessanterweise hab ich das Gefühl, dass das mangelnde Verbalisierte sich zunehmend im Körperlichen äußert. Das ist ja auch sehr schön und verbindend. Dennoch nervt das, da ich leider dazu neige, Lust auf Sex mit Liebe gleichzustellen. Ich kann problemlos Sex ohne Gefühle haben, aber wenn mein Partner nicht so oft wie ich will (gern mehrmals täglich) denk ich, ich bin ihm egal und er will mich nicht, also ich baue da sehr stark drauf, dauernd begehrt zu werden, auch wenn das falsch ist. Und ich auch nicht permanent will. Irgendwie muss ich das noch klarkriegen.

    @ Reizende

    Zitat
    Zitat

    vielleicht versuchst du es mal ein wenig zu sehen wie ich es oben bei den Kinder beschrieben habe: Wenn es ihm gut geht, dann kann er deine Bedürfnisse viel leichter erfüllen. Dann hat er die Kraft auszuhalten, gegenzuhalten und soweiter. Wenn er immer nur leisten muss, wirst am Ende du auch nichts mehr bekommen.

    Ja. Sehr sehr guter Hinweis, Danke.  ich denke, damit kann ich arbeiten. Passt auch zu meinem Egoismus. Für ihn was tun damit es sich am Ende für mich rentiert.

    Ich glaube ja dass ein Mensch, der lernt sich entsprechend zu verhalten, nicht weniger egoistisch ist als einer, der "ich will ich will" sagt. Man ändert nur seine Einstellung zu den Dingen. Man macht neue Erfahrungen. Man stellt beispielsweise fest, dass ein Partner viel liebevoller ist, wenn man ihm das Gefühl gibt, freiwillig für einen da zu sein, als wenn er sich immer gezwungen und getrieben fühlt. Und am Ende bekommt man sogar noch viel mehr von ihm als wenn man ständig mit der Peitsche hinter ihm her ist.


    Wenn man diese Erfahrung erst einmal gemacht hat, entspannt man sich automatisch und die Beziehungen werden weniger anstrengend.


    Auch wenn man sich vornimmt, andere Menschen und ihr Verhalten gar nicht mehr so sehr zu brauchen, um sich wohl zu fühlen, ist das letztlich ja auch nur ein egoistisches Ziel. Man will, so ganz grundsätzlich, ja eigentlich nur dass es einem gut geht. Nur latscht man hier mitunter einfach falsche Wege aus und übersieht andere, die viel eher ans Ziel führen könnten.

    Absolut. Mir ist es gestern nämlich tatsächlich aufgefallen. Ich war weniger ängstlich (Verlustangst) als vielmehr hasserfüllt und gleichgültig (weil er eben das sagte, mit der Sicherheit, die er noch bräuchte. Später hat er dann gesagt, nur noch wenige Wochen und er gibt eine Sache auf, die mich sehr nervt.) und habe mich somit distanziert. Er kam aber ohne dass ich was machen musste in liebevoller Art auf mich zu. Diese Erfahrung, dass er gibt, ohne dass ich fordere, ist sehr befreiend. Ich würde mich bemühen, ihm insoweit keine Vorwürfe und Ansprüche mehr entgegenzuhalten.

    Zitat

    Aber ich hab überhaupt keine Lust, meine Bedürfnisse hinten an zu stellen. Warst du schon immer so vernünftig in Bezug auf Erziehung oder kam das erst mit allgemeiner Entwicklung und Stabilität?

    Ich finde es nicht gut, wenn man seine eigenen Bedürfnisse hinten an stellt- auch bei Kindern nicht (die ich nicht wesentlich anders als Erwachsene behandelt habe- höchstens durch kindgerechtere Satzformulierungen). Bei unserem ersten Kind machten wir noch mehr falsch als später- das hängt auch mit der eigenen früheren "Erziehung" zusammen, die man erfahren hat, die man ja nicht einfach abstellt- Erfahrungs- und Wissenserweiterung hilft aber.


    Wenn die Bedürfnisse zweier Personen unterschiedlich sind, dann führt an einem Aushandeln kein Weg vorbei. Es kann sich darüber auch "einschwingen", dass mit der Zeit die beiden "Bedürfniskontrahenten" schon im Vorfeld wissen, wie sie damit umgehen können.


    Das ist meines Erachtens in einer Paarbeziehung nicht wesentlich anders als in der Beziehung Eltern-Kind und in der Beziehung von Freunden oder Kollegen- das ist das soziale Leben.


    Klar, wenn die Bedürfnislage zweier Menschen sehr ähnlich ist, ist es viel leichter das zu händeln.

    Zitat

    mein Freund sagt oft, dass ich ihm manchmal vorkomme wie ein kleines Kind. In der Trotzphase

    Genaugenommen machst du deine eigenen Bedürfnisse deutlich, das finde ich nicht unbedingt verkehrt. Zwischen meiner Frau und mir ist keineswegs immer alles in Butter- aber die Karten werden offen auf den Tisch gelegt, anstatt einer falsch verstandenen Harmonie zu Liebe einen Rückzieher in den eigenen Bedürfnissen zu machen. Gesunder Egoismus gehört meines Erachtens zur Liebe dazu. Die Frage ist am Ende, wie man mit unterschiedlichen Bedürfnislagen umgeht, wie weit man mitunter Kompromisse sucht. Und es gibt ja bei Bedürfnissen auch unterschiedliche Prioritäten: Bei manchen Bedürfnissen habe ich kein großes Problem da zurückzustecken, bei manchen Bedürfnissen bin ich ziemlich "stur"- meiner Frau geht es da nicht wesentlich anders. Ich würde es aber nicht gut finden, wenn meine Frau unwidersprochen zurücksteckt- nur um des lieben Friedens willen und sich im Untergrund Frust ausbilden kann, weil eben zurückgesteckt wird. Ich finde Offenheit und Auseinandersetzung deswegen wertvoll- mitunter kann das schon "leidenschaftlicher" passieren.

    Zitat

    Irgendwie muss ich das noch klarkriegen.

    Er kann da aber durchaus schon seinen eigenen Beitrag mitleisten- das sollte ja nicht unbedingt "wehtun".

    Das Fiese ist:


    Als Baby/Kind hat diese Strategie - weniger/nicht mehr fordern, dann wird es mir freiwillig gegeben - eben nicht funktioniert. Da "wusste" man, entweder ich kann machen was ich will und kriege es sowieso nicht (oder nur, wenn Mama mal zufällig Lust hat), oder "ich muss nur lange genug nerven, dann kriege ich es meist doch irgendwann, auch wenn es mich viel Mühe kostet". (Ich meine hier Konstellationen, wo es in der frühen Kindheit problematisch gelaufen ist.)


    In der Erwachsenenwelt läuft das aber halt anders. Da hat man es dann mit anderen Erwachsenen zu tun, die zu einem großen Teil ebenfalls bedürftig sind, wie man selbst, und die sind nicht - wie früher die Mutter bzw. die Eltern - nur in der Geber-Rolle, sondern auch in der Nehmer-Rolle, und wenn sie eigentlich gerne haben wollen, jemand aber nur fordert, dann halten sie das vielleicht eine Weile aus, aber nicht ewig.


    Ein Partner, der den Forderungen des anderen in großem Maß nachgibt, hofft ja eben auch ständig darauf, was wieder zu kriegen, und wenn die Waage irgendwann auf einer Seite runterknallt, weil er nur noch gibt, er also komplett in die perfekte-Mutter-Rolle gedrängt wird, dann wägt er rein wirtschaftlich irgendwann ab und entscheidet dann, ob er das noch weiter will oder nicht. Denn im Gegensatz zu früher, als Baby/Kleinkind, kann er ja heute entscheiden und sich ggf. jemand anders suchen, bei dem die Wahrscheinlichkeit der Bedürfniserfüllung und des dazu aufzuwendenden Aufwandes günstiger erscheint.

    Zitat

    wie früher die Mutter bzw. die Eltern - nur in der Geber-Rolle

    Diese Phase sollte nicht allzu lange dauern- wie bei Erwachsenen sollte es sie eigentlich nicht geben in Abhängigkeit vom Grad der Selbstständigkeit.


    Wer zulange die Geberrolle spielt (Wirt) bringt den anderen relativ schnell dazu, in die Parasitenrolle zu schlüpfen.