Ich komme deshalb auf diese Punkte, weil ich in meinem engeren Bekanntenkreis einen Dreißigjähren habe, der bei seinen Eltern wohnt.Er steht auf, Morgenreinigung, kein Frühstück, Fahrt in die Arbeit, 17:00 zurück von der Arbeit, Essen bei den Eltern alleine, dann aufs Zimmer, dort ins IT bis 23:00, hinein in den Fernsehraum der Eltern, alleine Fernsehgucken, bis um 01.00, ins Bett, um 06:00 raus . . .usw.


    Tagaus, tagein. Keine nennenswerte Kontakte (außerhalb Arbeit) zu Gleichaltrigen usw.


    Völlig abgekapselt. Ich rede viel mit den Eltern. Verzeiflung. Will nicht zum Arzt. "Ich bin nicht krank".


    Dann schilderte ich die Situation einem guten Freund. Der forscht an der UNI im Hirn herum. Der meinte ganz cool:


    "Asozial!".


    Ja, und, was ist zu machen?


    "Resozialisieren!! - Viel Schweiß!! - Viel Geduld!! - und: Er muß es wollen!!"


    Und, wenn nicht?


    "Das erledigt dann die Natur -warten..."

    na, so einfach ist das nicht und "asozial" ist auch keine Krankheit.


    Man kann da so aus der Ferne gar nix zu sagen was da los sein mag. Relevant ist ja vor allem ob da überhaupt Leidensdruck besteht.


    Als "asozial" könnte man am ehesten eine antisoziale Persönlichkeit bezeichnen, das sind aber dann schon echte Psychopathen die anderen erheblichen Schaden zufügen.

    Ne Edgar, braucht man nicht. Denn das menschliche Gehirn funktioniert nicht wie ein Programmskript bei dem man nur den Fehler suchen muss und dann weiß man, wie man es korrigieren kann. Eigentlich braucht man die Diagnose nur um etwas mit der Krankenkasse abrechnen zu können. Die braucht einen Namen für ihr System. Der Weg danach, der ist ganz individuell und eine Sache die in vielen Schritten vor und zurück und seitwert und in Schleifen läuft. In dem Spannungsfeld in dem sich der Klient bewegt. Im Umfeld, in der Therapie, bei der Arbeit.


    Und dein Kollege, der da so flockig eine diagnose raushaut, mag ja Neurologe sein, von Psychologie hat er offenabr aber wenig Ahnung, sonst würde er da nicht irgendwas einfach so in den Raum stellen ohne die betreffende Person zu kennen oder auch nur die Situation anders als aus zweiter Hand.


    Psychologie ist etwas das sich immer auf den Einzelfall einlassen muss. Immer.

    Zitat

    Als "asozial" könnte man am ehesten eine antisoziale Persönlichkeit bezeichnen, das sind aber dann schon echte Psychopathen die anderen erheblichen Schaden zufügen.

    Kein Geheimnis: Diese Eltern leiden wie geprügelte Hunde darunter.


    Der Schaden ist riesig, den er seinen Eltern dadurch zufügt.


    Aus zig Gesprächen mit ihnen weiß ich das.


    Sie sind jeden Tag mit dieser Situation konfrontiert, die sie nicht haben wollen.


    Sie tun sich "richtig runter" wie der Volksmund sagt.


    Rausschmeissen wollen sie ihn auch nicht, aus Angst, er könnte dann total "verkommen".


    Es ist ja das eigene Kind.


    Das alles schert ihn aber nicht. Er tut so, als sei alles in Ordnung.


    Die Situation ist nicht so salopp wie vermeintlich auf den ersten Blick.

    jo, find ich auch, eigener Faden.


    Aber auch hier gilt.. wenn die Eltern nix tun wollen..


    bei narzisstischen Störungen leidet ja primär das Umfeld. Also sinds in diesem Falle die Eltern, die den Wunsch nach Veränderung haben müssten.

    DieDosis

    Zitat

    Es ist das Machtspiel, das reizt, wie weit kann ich den Mann an seine Grenzen bringen. Wie lange dauert es, bis er mir aus der "Hand frisst", wann fängt er an sich zu wehren?


    Es ist nichts anderes als ob ein junges Kind seine Eltern "prüft" auf Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit und der unverdorbenen Liebe, die keinen Makel kennt, egal was man als Kind gerade angestellt hat.

    Ja...

    Zitat

    Für Dich gab es die Grenzlinie, sobald Du von den Vorstellungen Deiner Eltern abgewichen bist. Die Ideallinie sah so aus, dass ihre Zuwendung dann für Dich spürbar war, wenn Du ihren Vorstellungen entsprechend Vorzeigekind warst.

    Genau so. Aber ich dachte immer, sowas sei normal und alle Eltern lieben ihre Kinder nur, wenn diese sich so verhalten, wie die Eltern es wollen.

    Zitat

    Aber es nutzt Dir dennoch nichts, der Schmerz, Dein Schmerz nicht um Deiner selbst Willen geliebt worden zu sein, der ist in Dir geblieben und das lässt sich nicht abschütteln.

    Ja.

    LichtamHorizont

    Zitat

    Was DieDosismachtdasGift geschrieben hat, mit dem Prüfen auf Zuverlässigkeit, das spielt schon ne große Rolle, denke ich. Problem ist halt, dass jemand, der wirklich stabil ist, auf solche Spielchen mit ner erwachsenen Frau gar keine Lust hat, und ein Labiler wiederum die eigentlich gewünschte Stabilität nicht hat. Der ist selber noch Kind und sehnt sich genauso nach Zuverlässigkeit und versucht, diese dann durch angepasstes Verhalten zu erzwingen. Ewiger Kampf.

    Ja, mir war das nicht so bewusst, aber es trifft es genau. Ich provoziere die Männer um zu sehen, dass sie trotz dem bei mir bleiben und mich lieben. Ewiger Kampf oder zerbrechliche Stabilität, solange keiner übertreibt, also was die anderen schrieben, sowas kann auch dauerhaft halten. Bloß ob ich ihn noch will dann ist eine andere Frage.

    danae

    Zitat

    Keine Ahnung, ich weiß auch nicht ob das so wichtig ist, an diesem Punkt. Erstmal ist sie hier und denkt und fühlt so wie sie denkt und fühlt. Von da aus geht es weiter und es nützt gar nichts den dritten Schritt vor dem ersten zu tun.

    :-)


    Ich habe gestern ihm zuliebe einen Kompromiss gemacht in etwas, das ihm wichtig ist, und er hatte Tränen in den Augen und war sehr gerührt. Und so seltsam das klingt, ich habe bisher noch nie Kompromisse gemacht die über "dann gibt's heut eben chinesisch statt Pizza" hinausgingen...dass er mich dabei so positiv stärkt ist ja ziemlich gut.

    Zitat

    Ja, mir war das nicht so bewusst, aber es trifft es genau. Ich provoziere die Männer um zu sehen, dass sie trotz dem bei mir bleiben und mich lieben. Ewiger Kampf oder zerbrechliche Stabilität, solange keiner übertreibt, also was die anderen schrieben, sowas kann auch dauerhaft halten. Bloß ob ich ihn noch will dann ist eine andere Frage.

    Ja. Was du suchst ist eine Balance des Schreckens. Je besser jemand da drinne ist immer wieder Drama zu produzieren in dem du dich spüren kannst und die Bindung, desto länger hält die Beziehung. ;-)

    Und nein, ich war nicht im Internat. ich habe mich als Kind aber meist mit mir selbst beschäftigt. Meine Eltern haben sich weniger für mich interessiert. Und nur, wenn ich genau die Leistung brachte, die gefordert war, bekam ich (ein bisschen) Anerkennung. Sonst Drohungen, dass ich als Putzfrau enden würde und alle mich verachten und die Füße an mir abstreifen würden, wenn ich keine 1er habe. Ich hatte sehr gute Noten, aber auch in meinem Tagebuch las ich, dass ich als Kind schon für 2en Ärger bekam. Psychoterror, so sehe ich das inzwischen.


    Der Kompromiss ist übrigens, dass ich seiner Mutter noch ne Chance gebe. Ich denke, ich habe in Bezug auf sie übertrieben. Erstmal will ich sie aber nicht sehen.

    Zitat

    Ja. Was du suchst ist eine Balance des Schreckens. Je besser jemand da drinne ist immer wieder Drama zu produzieren in dem du dich spüren kannst und die Bindung, desto länger hält die Beziehung. ;-)

    Aber mein Ex war eher sehr ruhig... und es gab eigentlich wenig Drama. Ich produziere es eher. Und der Partner muss es ertragen und versuchen, mich wieder zu beruhigen.