hm und wieso eigentlich? Wenn die Situation ist "Partner kann sich abends nicht mit Freunden treffen weil ich nicht alleine sein kann" ist das für ihn scheisse und damit auch für die Bezeihung und auch für mich. Für den Partner ist es aus naheliegenden Gründen doof, für mich auch (da ich a) etwas tun muss was für ihn doof ist und damit die Beziehung zu beschädigen drohe und b) mein nicht-alleine-sein-können kultiviere).


    Wenn ich lerne, auch alleine klarzukommen, gehts beiden besser.


    Was ist daran denn Augenwischerei? Das ist doch extrem simpel.

    Zitat

    Und ansonsten ist es auch einfach klare Logik. Je mehr Bedürfnisse ich habe, umso größer ist die Chance, dass eine Vielzahl davon nicht erfüllt wird, und umso schlechter geht es einem. Je weniger man braucht, umso weniger kann man auch nicht-haben/nicht-bekommen.

    Ich fände es sinnvoller, es nicht quantitativ zu sehen, sondern sich lieber auf einige wenige, aber besonders wichtige Bedürfnisse (Respekt, Achtsamkeit usw.) zu konzententieren und gewissermaßen gar einzufordern, da es die Beziehungsgrundlage ist.

    Zitat

    Wenn ich lerne, auch alleine klarzukommen, gehts beiden besser.


    Was ist daran denn Augenwischerei? Das ist doch extrem simpel.

    Du schreibst, man solle seine eigenen Bedürfnisse denen des Partners unterordnen. Das ist doch nichts weiter als schon wieder eine Hierarchie, nur halt andersrum und "freiwillig". Und es kommt mir nur sehr bedingt krisen- und alltagstauglich vor. Und auch nicht authentisch. Das ist ... weiß nicht. Als würde man mit einem gestaltgewordenen Prinzip zusammensein und nicht mit einem Menschen.

    Hm.

    Zitat

    "Größe zeigen" bedeutet ja nicht die völlige Selbstaufgabe. sondern eher eine sehr klare Unterscheidung, was WIRKLICH wichtig ist und was nicht, denke ich.

    Ich verstehe, dass das für dich / euch, wenn du wirklich ähnlich wie die Reizende tickst, eine Verbesserung im Vergleich zu vorher ist und auch, wie es eventuell dabei helfen kann, festzustellen, was eigentlich wirklich relevant. Ich glaube, ich bin nur mit dem Ausmaß, das aus deinen Schilderungen für mich (durch meinen höchsteigenen Filter natürlich) rausklingt, nicht einverstanden, weil ich der Meinung bin, dass ich durchaus auch Bedürfnisse haben kann und darf, die über dieses absolute Grundmaß hinausgehen und trotzdem noch gut funktionieren. Ich kann aber auch sehr sehr gut einschätzen, was davon normal, verträglich und akzeptabel ist und habe insgesamt einen guten Blick auf mich selbst - ich tick auch nicht immer ganz sauber, mir ist das aber allermeistens auch klar und ich kann meinem Partner kommunizieren, was da gerade abgeht und selbst halt Wege drumherum finden. Könnte ich das nun nicht unterscheiden, weil was-auch-immer, ich es nie gelernt habe oder so, dann erscheint mir deine Strategie, rr, gar nicht so dämlich, wenn sie für dich wirklich auf Dauer funktioniert. Sie scheint ja irgendwie diese Außensicht, dieses Einen-Schritt-zurück-machen-und-sich-selbst-kritisch-und-halbwegs-neutral-betrachten-Können, das Persönlichkeitstypen wie der Reizenden (und ganz vielen anderen) oftmals abgeht, zu bieten, die ich für ein Weiterentwickeln für enorm wichtig halte.

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    Wenn die Situation ist "Partner kann sich abends nicht mit Freunden treffen weil ich nicht alleine sein kann" ist das für ihn scheisse und damit auch für die Bezeihung und auch für mich. Für den Partner ist es aus naheliegenden Gründen doof, für mich auch (da ich a) etwas tun muss was für ihn doof ist und damit die Beziehung zu beschädigen drohe und b) mein nicht-alleine-sein-können kultiviere).

    Was ist allerdings, wenn dein Partner das Bedürfnis hat, das 6x die Woche zu tun, du hingegen ihn auch gerne mal sehen wollen würdest? zu dieser Situation, die ja eine Klärung der Kompatibilität verschiedener Lebensweisen erfordert, scheint mir deine Haltung dann irgendwie keine Lösungswege anzubieten.

    @ Shojo

    Du musst natürlich berücksichtigen dass bei mir und der TE (und vielen vielen anderen) eine Menge "pathologische Bedürfnisse" im Spiel sind, und es geht hier ja nun primär darum, diese in den Griff zu kriegen. Von daher kann man durchaus als bewussten Schritt sagen "ich stelle diese Dinge erstmal hinten an".


    Das ist doch auch ein Prozess. Man kann das erstmal als Experiment machen und dann sehen wie es einem damit geht, was sich als krankhaftes pseudo-Bedürfnis herausstellt und was ein "echtes Problem" ist und bleibt.


    Die "echten Bedürfnisse" würde ich dann auch nicht mehr unterordnen, da sollte es in einer Beziehung auf Augenhöhe sein. Aber wenn man soweit ist, braucht man auch diesen Faden nicht mehr, dann ist man ja quasi fertig therapiert.

    @ mittelgrobröhrig

    Zitat

    Was ist allerdings, wenn dein Partner das Bedürfnis hat, das 6x die Woche zu tun, du hingegen ihn auch gerne mal sehen wollen würdest?

    Natürlich kann man an den den Punkt kommen, wo man feststellt, es gibt "echte Bedürfnisse" wo es wirklich nicht passt. Dann kann man versuchen einen Kompromiss zu finden oder sich trennen.


    Aber hier gehts ja primär um das Loslassen all der pseudo-Bedürfnisse, die aus Angst herrühren und die einen um Leben nur blockieren.

    Ist ja generell auch schwierig zu erkennen wo die Grenze verläuft. Mein ex-Arbeitgeber ist so ein Beispiel. Der war "doof", ich aber auch. Zum Teil hab ich überreagiert, aber eben auch nicht vollkommen.


    Wenn ich da, weise und rückblickend, vor 10 Jahren gesagt hätte "ich ordne meine eigenen Bedürfnisse unter" dann


    - wäre uns einiges an Gezicke erpart geblieben und einige Situationen wären souveräner gemeistert worden, für beide vorteilhaft


    - wäre ich aber dennoch an Punkte geraten, wo ich festgestellt hätte "DAS geht nun doch nicht mehr", wie z.B. handfeste Beleidigungen und ein bisschen subtiles Mobbing.


    aber dann wäre auch klarer auseinandersortiert gewesen, was "mein Fehler" war und was seiner.

    Grundtypus ist ja auch "abhängige Persönlichkeit" (abhängig von Substanzen aber auch von Menschen). Ist doch klar dass es ein wichtiges Ziel ist, die Abhängigkeiten aufzugeben.


    Wer eh schon frei und unabhängig ist, mag diese Thesen daher befremdlich finden, ja.

    Hm, eigentlich beides.


    Auf jeden fall als sehr sinnvollen Wegweiser auf dem therapeutischen Weg (was ja auch für die TE erstmal völlig ausreichend ist, der ist ja noch ein wenig länger, der Weg).


    Aber auch als langfristige Haltung sinnvoll (siehe Zen). Generell dem Leben gegenüber. Es ist oft nicht besonders toll und die meisten Bedürfnisse dürften eher unbefriedigt bleiben. Je mehr man sie loslassen kann umso besser geht es einem. Das "Konzept Jesus" ist schon gut. Sogar das Leben an sich. Wenn man generell nicht so sehr dran hängt dann belastet auch die Angst vor dem Tod weniger.


    Wobei natürlich auch nicht völlige Selbstaufopferung erfolgen sollte. Aber eigentlich bleiben auch nicht viele Bedürfnisse übrig, die WIRKLICH wichtig sind, wenn man mal ganz ehrlich und radikal ist.

    Und eigentlich auch in Beziehungen. Wenn man sagen kann "mir geht es rundum gut, ich brauche nichts, ich kann mich voll und ganz dem Wohlergehen meines Partners widmen" dann geht es einem ja gut.


    Natürich ist das nicht die Realität und es geht einem nicht so.


    Aber man ein bisschen so tut, als wäre das so, und so handelt, kann es den Weg dahin bereiten.

    Siehste, und da sind wir uns eben nicht einig. Ich war schon in der Schule von Siddharta total genervt. Ich weiß nicht, wozu man das Leben und das Menschsein bis zu seinem Tod möglichst weitgehend überwinden soll und in lauter friedlichem Gleichmut baden, ich will das Menschsein und das Leben lieber auskosten, bis es dann irgendwann zwangsläufig vorbei ist. Und mir kommt dieser Zen-Kram oft so ... ja. Also, ich hab ja viel davon beguckt, so zwischen 15 und 20 ungefähr, und unter dem ganzen Zen waren immer ganz stinknormale Menschen. Und die waren nicht immer so die allerallercoolsten, ums ganz höflich auszudrücken, nicht so unbedingt immer Leute, die das mit der Nähe so doll konnten. Mir kommt das sehr häufig wie eine Fluchtbewegung vor. Nicht näher zu sich hin, sondern weiter von sich weg. Mag ja manchmal auch angenehmer sein, aber ich hab inzwischen echt einen kräftigen Fluchtreflex entwickelt, wenn jemand mich von der Seite an-zent.

    Zitat

    Wenn man generell nicht so sehr dran hängt dann belastet auch die Angst vor dem Tod weniger.

    Also schlussendlich "Je weniger ich hab, desto weniger kann ich verlieren". Hm.
    Hast Du Angst vor dem Tod? Also vor Deinem eigenen?

    Zitat

    Natürich ist das nicht die Realität und es geht einem nicht so.


    Aber man ein bisschen so tut, als wäre das so, und so handelt, kann es den Weg dahin bereiten.

    Und das führt dann zu mehr Nähe zwischen Partnern? Wenn man sich gegenseitig vorspielt, man wäre derjenige, von dem man glaubt, man wäre es gern oder sollte es sein?

    @ rr2017

    Zitat

    Wenn man sagen kann "mir geht es rundum gut, ich brauche nichts, ich kann mich voll und ganz dem Wohlergehen meines Partners widmen" dann geht es einem ja gut.

    Das kann man sich auch wunderbar einreden, um der neuen Kompensationsstrategie störungsfrei nachgehen zu können. Du hast selbst weiter vorn geschrieben, wenn der Partner der TE sagt dies oder jenes tut er nicht aus Unterwerfung (sinngemäß, zu faul zum Nachgucken), sei dies gerade Teil der Unterwerfung bzw. des abhängigen Verhaltens.