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    Aber ist es nicht normal dass man hasserfüllt und zornig wird, wenn Leute nicht das tun, was man von ihnen will? Das sind doch natürliche Gefühle.

    Nein, das ist ganz und gar nicht normal. Andere Menschen sind nicht dazu da um einen selbst und die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Wenn Sie nicht das tun, was man sich von ihnen wünscht (und nicht: einfordert/will), dann kann man das akzeptieren oder eben nicht, aber es ist i.d.R kein Grund sie zu hassen.

    Die eigenen Bedürfnisse sind wichtig, aber nicht wichtiger als die des anderen.


    Wer die eigenen Befürfnisse immer ins Zentrum seines Denkens und Handelns stellt, ist egozentrisch, was natürlich das Führen eine gesunden Beziehung sehr erschwert bis unmöglich macht.

    Es ist ganz aufschlussreich, wenn man sich bei diesem Prozess (der andere "ist nicht so, wie man ihn gerne hätte", und als Reaktion wird man sauer) genau klar macht und analysiert, was da für Gedanken und Einschätzungen in einem ablaufen. Natürlich ist das eher pathologisch, aber hat ja auch seinen Grund.


    Bei der kognitiven Verhaltenstherapie werden solche Muster genau analysiert und dann herausgearbeitet, was des Pudels Kern dabei ist. Daran kann man dann ganz gut therapeutisch arbeiten.

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    Dir ist schon klar, dass deine Wut nur verkleidete Panik ist oder?

    nick

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    Angst vor dem Verlassenwerden?

    kopfschüttel


    Meiner (relativ fest überzeugten) Meinung steht da etwas anderes hinter. Zum einen ist der Wunsch nach emotionaler Zuwendung normal, daran gibt es nichts zu diskutieren, aber das steht hier auch nicht zur Debatte. Es geht ja um etwas anderes, das "Erfüllen (vermeintlicher) Bedürfnisse".


    Wie Du selbst schreibst, ist da ja das schwarze Loch, welches die Bedürftigkeit erzeugt und befüllt werden will, und nie genug hat, wie ein Faß ohne Boden.


    Dahinter steht (meiner wie gesagt recht fest überzeugten Meinung nach) das eigentliche "persönliche Grundgefühl", welches stark geprägt ist von Leere und vor allem massiven Minderwertigkeitsgefühlen. Eine tief sitzende, fehlerhaft eingeprägte Grund-Minderwertigkeit, so stark, dass man quasi nicht nur die eigene Liebenswürdigkeit anzweifelt, sondern sogar das Gefühl der Existenzberechtigung an sich verliert. So minderwertig, so ein Abschaum, dass man es nicht wert ist, Teil der menschlichen Gesellschaft zu sein.


    Und DAS ist es, was die Angst und Panik auslöst. Und um dieses Gefühl zu überdecken muss eine glanzvolle fassade konstruiert werden, damit ja niemals "auffliegt", wie es wirklich dahinter aussieht (denn dann droht ja, gefühlt, der Entzug der Existenzberechtigung - existenzielle Panik). Der andere muss primär dewegen ständig Bestätigung bringen, damit man erkennt, das er nach wie vor an die Fassade glaubt und nicht der "Wahrheit auf die Spur" kommt, denn das muss um jeden Preis verhindert werden. Wenn nun Bestätigung ausbleibt oder auch nur weniger wird, wird sofort die Angst wach.

    und sorry falls das jetzt etwas starker Tobak ist. Aber was soll man drumrumreden. So ist es halt.. und ohne dass man das therapeutisch in Angriff nimmt (oder, wenn man keinen Therapeuten hat, mit viel Reflektion und Disziplin), wird sich da auch nie was ändern. Das ist die Basis für eine langfristig funktionierende Beziehung.

    Wovor genau will ich hier gar nicht fabulieren. Angst vor Hilflosigkeit und Leere und Angst vorm Leben, da kommt viel in Frage und vermutlich ist es eine bunte Mischung. Aber wichtig ist erstmal nicht den Abwehrimpuls, die Wut, für das Kerngefühl zu halten sondern sich klarzumachen, dass das nur die oberste Schicht ist, dass es eigentlich aber um was anderes geht. Sonst hält man sich ewig mit der Wut auf, die aber nur Symptom ist und nicht eigentliches Problem.

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    Aber ist es nicht normal dass man hasserfüllt und zornig wird, wenn Leute nicht das tun, was man von ihnen will? Das sind doch natürliche Gefühle.

    Nö, das ist keinesfalls zwangsläufig so. Negative Gefühle sind normal. Enttäuschung, Traurigkeit, Wut, einfach ein kurzes Zwacken, je nachdem worum es geht. Aber Hass und rasende Wut sind nicht normal. Bei mir waren (und sind manchmal noch) diese Wutgefühle meine Schutzfunktion vor Angst und Hilflosigkeit. Wenn ich mich entwaffnet und ausgeliefert fühle, dann springt der überlebenskampfmodus an und der kennt keine Freunde.


    Der muss halt feinjustiert werden, so dass der nur anspringt wenn es wirklich um was geht und nicht nur darum, dass man mal seinen Willen nicht bekommt. Das ist nämlich wirklich normal, dass nicht alle Bedürnisse erfüllt werden. Kann niemand für einen tun und auch so im Leben ganz allgemein, ist das vermutlich gar nicht möglich. Allenfalls für Zen-Buddhisten und da liegt der Schlüßel ja auch nicht in der Befriedigung aller Bedürfnisse sondern im Loslassen aller Bedürfnisse.


    Normalerweise wird sowas in der Kindheit feinjustiert. Schritt für Schritt. In der Trotzphase kommt noch das ungefilterte Gefühl raus und dann wird langsam etwas entwickelt, dass man Frustrationstoleranz nennt. Man lernt die eigenen gefühle besser einzuschätzen, genauer zu fühlen und damit umzugehen. Dann fliegen die einem später nicht so um die Ohren.


    Bei dir gibts zwei Möglichkeiten (oder eine Mischung aus beidem):


    1. Du hast das Gefühl es geht bei dem "Ich liebe dich" um deine Existenz, dein Leben.


    2. Du hast nie gelernt Gefühle in Stufen wahrzunehmen und deswegen gibts nur "Alles oder nichts".

    Pelztier

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    Die eigenen Bedürfnisse sind wichtig, aber nicht wichtiger als die des anderen.


    Wer die eigenen Befürfnisse immer ins Zentrum seines Denkens und Handelns stellt, ist egozentrisch, was natürlich das Führen eine gesunden Beziehung sehr erschwert bis unmöglich macht.

    Selbstverständlich sind meine Bedürfnisse für mich wichtiger als die von allen anderen. Ich kaufe auch niemand ab, dass es anders wäre. Außer evtl ggü den eigenen Kindern.

    rr2017

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    Es ist ganz aufschlussreich, wenn man sich bei diesem Prozess (der andere "ist nicht so, wie man ihn gerne hätte", und als Reaktion wird man sauer) genau klar macht und analysiert, was da für Gedanken und Einschätzungen in einem ablaufen. Natürlich ist das eher pathologisch, aber hat ja auch seinen Grund.

    Ich denke dann immer, ich bin der Person nicht wichtig genug. Und das erfüllt mich mit unglaublicher Hilflosigkeit.

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    Dahinter steht (meiner wie gesagt recht fest überzeugten Meinung nach) das eigentliche "persönliche Grundgefühl", welches stark geprägt ist von Leere und vor allem massiven Minderwertigkeitsgefühlen. Eine tief sitzende, fehlerhaft eingeprägte Grund-Minderwertigkeit, so stark, dass man quasi nicht nur die eigene Liebenswürdigkeit anzweifelt, sondern sogar das Gefühl der Existenzberechtigung an sich verliert. So minderwertig, so ein Abschaum, dass man es nicht wert ist, Teil der menschlichen Gesellschaft zu sein.


    Und DAS ist es, was die Angst und Panik auslöst. Und um dieses Gefühl zu überdecken muss eine glanzvolle fassade konstruiert werden, damit ja niemals "auffliegt", wie es wirklich dahinter aussieht (denn dann droht ja, gefühlt, der Entzug der Existenzberechtigung - existenzielle Panik). Der andere muss primär dewegen ständig Bestätigung bringen, damit man erkennt, das er nach wie vor an die Fassade glaubt und nicht der "Wahrheit auf die Spur" kommt, denn das muss um jeden Preis verhindert werden. Wenn nun Bestätigung ausbleibt oder auch nur weniger wird, wird sofort die Angst wach.

    Das kommt durchaus hin, leider.

    danae

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    Aber wichtig ist erstmal nicht den Abwehrimpuls, die Wut, für das Kerngefühl zu halten sondern sich klarzumachen, dass das nur die oberste Schicht ist, dass es eigentlich aber um was anderes geht. Sonst hält man sich ewig mit der Wut auf, die aber nur Symptom ist und nicht eigentliches Problem.

    Ich denke, die Wut überdeckt bei mir auch die Hilflosigkeit und Angst vor dem Verlassenwerden bzw. Enttarntwerden als gestörte, anstrengende Person, wie bei dir offenbar. Mit der man sich nicht freiwillig abgeben will. Andererseits denke ich, ich bin ne Bereicherung und toll und interessant usw. Sehr schwierig.

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    1. Du hast das Gefühl es geht bei dem "Ich liebe dich" um deine Existenz, dein Leben.


    2. Du hast nie gelernt Gefühle in Stufen wahrzunehmen und deswegen gibts nur "Alles oder nichts".

    Ja, beides. Leider.

    Kann man beides lernen. Dauert halt und bis dahin ist es wichtig sich immer wieder daran zu erinnern, dass man nicht wütend ist, sondern Angst hat. Und wenn man wütend wird das als Angst und Hilflosigkeit zu kommunizieren. Und wenn man dafür kurz rausgehen muss damit man nicht fies wird, dann ist das auch in Ordnung.