Ja, ich kann das schon nachvollziehen was Du schreibst nur mir geht dieser ganzen Zen-Mode-Kram auch gewaltig aufn Keks (zumal die Anhänger oftmals keine besonders netten Menchen sind und sich ziemlich daran aufhängen).


    In der Tat ist das Christentum eine lebensbejahende Religion und der Buddhismus irgendwie lebensfeindlich. Das Leben ist scheisse, also umso besser je vorbeier es ist. Das finde ich auch befremdlich.


    Trotzdem ist es ein interessantes Konzept, ausprobierenswert, und ein guter Wegweiser. Zumal ja gerade a) in der kapitalistischen Gesellschaft und b) bei uns psychisch geschädigten eine Menge an "pathologischen Anhaftungen" besteht, ohne die man wirklich besser auskommt.

    Zitat

    Also schlussendlich "Je weniger ich hab, desto weniger kann ich verlieren". Hm.

    Kann aber für sehr depressive und ängstliche Menschen durchaus ein Weg sein. Meins wärs aber auch nicht.

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    Hast Du Angst vor dem Tod? Also vor Deinem eigenen?

    Ja.

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    Und das führt dann zu mehr Nähe zwischen Partnern? Wenn man sich gegenseitig vorspielt, man wäre derjenige, von dem man glaubt, man wäre es gern oder sollte es sein?

    Naja, wie Angst vor Spinnen. Um meine Spinnenphobie zu überwinden nähere ich mich einer spinne so, als hätte ich keine Angst vor ihr. Resultat ist dann mit Chance dass die Angst wirklich verschwindet.

    rr2017

    Ich halte das auch für weniger zeilführend (Ziel: Unabhängigkeit). Sich von bestimmten Bedürfnissen loszusagen, um zu sehen was wirklich wichtig ist, ist kein falscher Weg, aber man muss den Verstand ins Boot holen, damit man in einem zweiten Schritt aktiv in die richtige Richtung gehen kann, und zwar in die Unabhängigkeit, die nur durch Arbeit geschaffen werden kann.

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    In der Tat ist das Christentum eine lebensbejahende Religion und der Buddhismus irgendwie lebensfeindlich. Das Leben ist scheisse, also umso besser je vorbeier es ist. Das finde ich auch befremdlich.

    Weil wir offenbar nicht denselben Humor haben, frag ich lieber nach - ist das ein Scherz? Wenn ja, verstehe ich den Anlass nicht, wenn nein, dann ... uff. Dann frag ich mich, ob wir uns gerade gegenseitig durch ein Forums-Wurmloch aus völlig unterschiedlichen Dimensionen schreiben.

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    Kann aber für sehr depressive und ängstliche Menschen durchaus ein Weg sein. Meins wärs aber auch nicht.

    Dann frag ich mich, weshalb Du es weiter oben hier auf derselben Seite genau das als langfristig sinnvolle Haltung bezeichnest.

    Das

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    In der Tat ist das Christentum eine lebensbejahende Religion und der Buddhismus irgendwie lebensfeindlich. Das Leben ist scheisse, also umso besser je vorbeier es ist. Das finde ich auch befremdlich.

    war gedacht als eine Bestätigung zu Deinem

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    Ich weiß nicht, wozu man das Leben und das Menschsein bis zu seinem Tod möglichst weitgehend überwinden soll und in lauter friedlichem Gleichmut baden, ich will das Menschsein und das Leben lieber auskosten, bis es dann irgendwann zwangsläufig vorbei ist.

    denn letztlich läuft es auf sowas hinaus.

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    Dann frag ich mich, weshalb Du es weiter oben hier auf derselben Seite genau das als langfristig sinnvolle Haltung bezeichnest.

    Also "nicht meins" im Sinne von "ich will auch durchaus Spaß und Lebensfreude haben". Ein Kumpel von mir lebt so. Da emotinoale Bindungen die Gefahr von Verletzungen mit sich bringen, hat er sich dagegen entschieden, irgendwelche zu haben. Ich persönlich habe lieber Bindungen und nehme die Verletztheit in Kauf, zumindest zu einem gewissen Maß. Aber meinen Kumpel hauen die Verletzungen immer dermaßen aus den Latschen dass das für ihn vermutlich besser ist, wie er es macht.


    Wenn man sich einigt, dass dieser Zen-Weg als Wegweiser sinn macht, die volle Ausprägung aber zu lebensfeindlich und radikal ist, kann man ja individuell für sich entscheiden, welches Ausmaß man wählt.


    Man muss sicherlich im Blick behalten dass es im Faden der reizenden primär um das überwinden Abhängigkeiten geht.


    Das Leben scheint ein Dilemma, schön und schmerzhaft zugleich, und alles Gute birgt die Gefahr des Verlustes in sich. Letztlich drehen sich alle diese Ansätze um Versuche, mit diesem Dilemma klarzukommen.


    Wer aber so abhängig tickt wie die reizende (und ich damals), ist sicher gut beraten, erstmal radikal die Abhängigkeiten zu beschneiden und loszulassen.


    Also, die theoretisch-allgemeine Sichtweise und die spezielle Situation hier im Faden haben sicher Bereiche der Überschneidung, sind aber nicht identisch. Das kann natürlich zu Mißverständnissen führen. Meine Antworten sind zumindest überwiegend auf diese konkrete Situation hier bezogen.

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    Wenn man sich einigt, dass dieser Zen-Weg als Wegweiser sinn macht, die volle Ausprägung aber zu lebensfeindlich und radikal ist, kann man ja individuell für sich entscheiden, welches Ausmaß man wählt.

    Und was spricht dagegen zu schauen, was konkret gut daran ist und es zu isolieren?


    Denn dann kommt man zu:

    Zitat

    Wer aber so abhängig tickt wie die reizende (und ich damals), ist sicher gut beraten, erstmal radikal die Abhängigkeiten zu beschneiden und loszulassen.

    Was -wie gesagt- ein guter erster Schritt ist, aber danach muss man eben selbst aktiv werden und für die eigene Unabhängigkeit (an sich) arbeiten.

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    Meine Antworten sind zumindest überwiegend auf diese konkrete Situation hier bezogen.

    Genau das empfinde ich eben nicht so, im Gegenteil - sehr theoretisch und far away. Aber ich weiß auch nicht, inwieweit diese Nebendiskussion hier für die Reizende ergiebig ist, also können wir es von meiner Seite aus dann auch einfach dabei belassen.

    Zitat

    aber danach muss man eben selbst aktiv werden und für die eigene Unabhängigkeit (an sich) arbeiten.

    Das muss man ja eh. Wenn man dann alleine ist weil man dem Partner gestattet hat mal was mit seinen Freunden zu machen und sich deswegen scheisse fühlt ist man ja in der Situation, nun dies entweder ertragen oder eine Alternativstrategie entwickeln zu müssen.

    @ Shojo

    ich bin mir nichtmal sicher ob es sich um unterschiedliche Meinungen handelt oder eher um kommunikative Missverständnisse. aber auch egal, ja.

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    Das muss man ja eh. Wenn man dann alleine ist weil man dem Partner gestattet hat mal was mit seinen Freunden zu machen und sich deswegen scheisse fühlt ist man ja in der Situation, nun dies entweder ertragen oder eine Alternativstrategie entwickeln zu müssen.

    Der Punkt ist, dass man aktiv daran arbeiten muss. Das passiert genauso wenig automatisch wie das man ausversehen ein Stuhl baut. Die Unabhängigkeit muss das Ziel sein und die Handlungen darauf ausgerichtet sein das Ziel auch zu erreichen.

    Hm, ich glaube, der Knackpunkt (bei der Diskussion bzw MIssverständnissen) ist wirklich, dass ich "Bedürfnisse" und "Abhänggikeiten" meine, und man da differenzieren muss zu "Nice to have, wünschenswert". Man kann ja sagen, ich will das Leben voll auskosten, mit meinem Partner viel Zeit verbringen, etc., ich finde das SCHÖN, ich möchte das gerne so haben, aber dennoch bin ich nicht davon abhängig, es ist wünschenswert aber kein existenzielles Bedürfnis. Es ist schön wenn es klappt aber meine Welt geht halt eben auch nicht unter, wenns mal nicht klappt.

    Mir hat die Nebendiskussion jedenfalsl schon was gebracht. denn am Anfang hatte ich ein großes HÄ im Gesicht und nun weißt ich was rr meint. ;-D ;-D


    Ich hab das tatsächlich ganz ähnlich gemacht. Mein Partner hat dies oder das gemacht, ich hatte eigentlich eine andere Vorstellung von dem was er tun würde und ... rastete aus. Je nach Gesamtsituation hab ich eine Szene gemacht die einer Soap würdig gewesen wäre, mich verletzt, ihn geschlagen, Zeug demoliert, geheul, gebettelt und erpresst. Man darf sich das nicht so langsam steigend vorstellen, es ist mehr als ob jemand auf nen Schalter haut und mit einem Mal ist da nur noch Distanz bis hin zum Hass und keine Liebe mehr. Nicht mehr wahrnehmbar über all das Angstgebrüll, die Unsicherheit die sich da als Wut oder Trauer verkleidet meldet. Das hatte ein unfassbares Tempo von himmelhochjauczend gevögelt und 10 Minuten später heulend zusammengebrochen weil er mich "falsch" in den Arm genommen hat. Rock'n Roll.


    Irgendwann wurde mir klar das ich ein absoluter Psycho bin. Gegen die Ansprache die ich mir gehalten habe, nimmt sich shojos Beitrag an die Reizende wie ein Seelenstreichler aus und dann habe ich beschloßen mir selbst nicht mehr zu zuhören. Und das mach ich heute noch so. Ich raste nicht mehr so aus, aber ich werde sauer, will meinen Partner ausweiden und an die Wand nageln, weil bla. Heute warte ich, mach ein paar bewusste Atemzüge und regel das Adrenalin runter und wenn mich das auch Stunden später noch stört, dann thematisiere ich es. NIE NIE NIE in der Situation weil dann wirds ganz schnell wieder richtig hässlich. DA läuft einfach ein Programm ab, wenn mir da die Pferde durchgehen, dann mach ich nur noch und sage sehr gemeine Dinge und eine leider leise Stimme in meinem Hirn sagt sowas wie:"Das aber gemein und unfair und gar nicht wahr", aber die Bremse ist dann leider deffekt. Inzwischen ist mein Mann erfahren genug um mir dann ein hartes "RAUS!" entgegen zuhalten, das eine Mal im Jahr in dem es passiert. Das wirkt dann wie ein Baum gegen den ich dätsche und der mich verlangsamt. Dann renn ich schnell raus und lüfte.


    Aber der erste Schritt war mir selbst immer wieder zu sagen: Was da in dir rumbrüllt ist nur scheiße, nur sinnfreie Scheiße, geh raus, jetzt.

    Ja, so in etwa ist das wohl. Da gibt es halt das "ich", welches in dem Fall klein ist, gekränkt, bestimmte Bedürfnisse entwickelt (Rache! Genugtuung! Grenzen ziehen!) und dem kann man sich entweder ausliefern oder Distanz dazu gewinnen.


    In der, sagen wir mal, "klassischen Psychotherapie" scheint breitbanding eher die gegenteilige Maxime vorzuherrschen.. der Klient soll sich seiner Bedürfnisse bewusst werden, sich nicht alles gefallen lassen, abgrenzen abgrenzen abgrenzen und und und. Ist ja alles schön und gut aber ich habe das Gefühl, dass da oft weit übers Ziel hinausgeschossen wird.


    Auch hier im Forum und in diesem Faden lese ich oft, entweder direkt oder zwischen den Zeile, so ein massives "aber man muss doch auf die eigenen Bedürfnisse achten, dafür einstehen und abgrenzen" dass ich es etwas kritisch finde. Bei einigen Schreibern denke ich "man merkt, dass genau das Dir im Kopf rumspukt, aber Du merkst gar nicht, wie sehr Du um Dein eigenes kleines Elend kreist und keine Größe und Souveränität entwickelst". Es scheint eher eine Blockade zu sein ab einem gewissen Punkt.


    Man kann sich bei allem grenzen-ziehen, sauer werden etc ja fragen "habe ich das WIRKLICH nötig?". Geht es um die Sache an sich, oder geht es ums Prihzip, will nur mein gekräntes Ego Genugtuung?

    @ rr2017

    Zitat

    der Klient soll sich seiner Bedürfnisse bewusst werden

    Ohne dass man sich derer bewusst ist, ist nun mal alles Philosophieren über angemessenes Verhalten nur blanke Theorie.


    Sich einzureden, außer Essen, schlafen und auf's Klo gehen keine Bedürfnisse zu haben, ist jedenfalls Selbstbetrug und führt eher zur Selbstaufgabe als zu gesunder Distanz.

    Interessante Nebendiskussion. :)


    Er mag seinen Job,aber es ist nicht so, dass es seine persönliche Erfüllung wäre (fraglich wie das bei sowas stupidem auch der Fall sein kann). Bloß aus der Wahl jener Jobs, die er bisher hatte, war das durchaus einer der besten. Auch wenn er letztes Jahr sogar gekündigt hatte um was neues zu machen, das ihm aber noch weniger gefiel. Also...ich denke es ist viel Bequemlichkeit. Außerdem findet er es toll, dass er so geschätzt wird für seine Arbeit da, und auch zu den besten gehört, was aber wie gesagt nicht schwierig ist, da stupide und primitive Tätigkeit weit unter seinem Niveau. Wenn es wirklich was tolles wäre, wo man sein Herzblut reinhängen kann, Forschung oder so, könnte ich es ja verstehen. Aber bei so einer beschissenen ungelernten Tätigkeit?! Wie kann ihm das wichtiger sein als seine Beziehung???

    Ich kann mit ihm da gar nicht mehr vernünftig drüber reden, da ich jedesmal aggressiv werde und ihm Vorwürfe mache und ihn frag, warum dieser Müll ihm wichtiger ist als ich. Wenn er das nicht zeitnah rafft, werde ich wohl meinem ExProf schreiben. Der hat immerhin mehr Zeit und Geld. Aber mein Problem mit ihm war, dass er mir optisch nicht so hundertprozentig gefiel 😓 Aber angebetet hat er mich.


    Alles nicht einfach.